Europäische Liebeslyrik

(in deutscher Übersetzung)

Edward Charles Halle (1846-1914) - Die Musik

 


Peter Vajda (1808-1846)
ungarischer Dichter


Liebeslied

Der Himmel schön, die Erde schön,
An Reiz war Alles voll,
Es lebte das Belebte froh,
Da Wollust es durchquoll.
Die Sonn' am Himmel ging im Glanz
Und winkte Strahlen nieder,
Und rings im Laub der Vöglein Schaar
Ließ schmettern helle Lieder.

Ich fühlte mich, der freudigen
Beglücktester, voll Lust,
Denn reich besaitet schlägt das Herz
Mir in der vollen Brust.
Den Himmel stürmte mein Gefühl,
Schwang sich zum höchsten Raume,
Und seiner Engel Wängelein,
Die küßte ich im Traume.

Da kamest Du, mildschönes Kind, -
Der Traum entfloh vor Dir,
Was ich im Himmel hoch gesucht,
Gabst Du auf Erden mir;
Bei mir standst Du im ird'schen Reiz
Gleich einem heil'gen Engel,
Gestiegen aus der reinen Welt
Herab in's Thal der Mängel.

O gieb, daß bleibend meiner Brust
Geschenkt der Himmel sei,
Werd' Alles Deinem Sänger jetzt
Und liebe ihn getreu;
Dann glänzt die Sonne stets, die Erd'
Erglänzt vom Thal zur Firne,
Und er, mit Blüthen ros'ger Lust
Umfingt Dir dann die Stirne.

Aus: Album hundert ungrischer Dichter
In eignen und fremden Übersetzungen herausgegeben durch
Karl Maria Kertbeny [1824-1882]
Zweite Auflage Dresden Pest Robert Schaefer Hermann Geibel 1854 (S. 116-117)

[Übersetzer nicht explizit genannt]
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Liebeslied

Der Himmel schön, die Erde schön,
An Reiz war Alles voll.
Es lebte das Belebte froh,
Da Wollust es durchquoll.
Die Sonn' am Himmel ging im Glanz,
Und winkte Strahlen nieder,
Und rings im Land der Vöglein Schaar
Liess schmettern helle Lieder.

Ich fühlte mich, der Glücklichen
Beglücktester, voll Lust,
Denn reich besaitet schlägt das Herz
Mir in der vollen Brust.
Den Himmel stürmte mein Gefühl,
Schwang sich zum höchsten Raume,
Und seiner Engel Wängelein,
Die küsste ich im Traume.

Da kamest du, mildschönes Kind -
Der Traum entfloh vor dir,
Was hoch im Himmel ich gesucht,
Gabst du auf Erden mir.
Vor mir standst du, im ird'schen Reiz
Gleich einem heil'gen Engel,
Gestiegen aus der reinen Welt
Herab ins Thal der Mängel.

O gieb, dass liebend meiner Brust
Geschenkt der Himmel sei,
Werd' Alles deinem Sänger jetzt,
Und liebe ihn getreu!
Dann glänzt die Sonne stets, die Erd'
Erglänzt vom Thal zur Firne,
Und er - mit Blüten ros'ger Lust
Umkränzt dir dann die Stirne.

übersetzt von Gustav Steinacker (1809-1877)

Aus: Ungarische Lyriker
von Alexander Kisfaludy bis auf die neueste Zeit (die letzten 50 Jahre)
In chronologischer Reihenfolge metrisch übertragen
und mit literar-historischer Einleitung
und biographisch-kritischen Notizen versehen
von Gustav Steinacker
Zweite Ausgabe Leipzig Joh. Ambr. Barth Buda-Pest
Grill'sche (vormals Geibel'sche) Buchhandlung 1874 (S. 152-153)

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