Edmund Wasilewski
(1814-1846)
polnischer Dichter
Krakowiak
Krakowiake bin ich,
Stets vergnügt und heiter,
Schmieg' ans Roß mich innig
Wie kein andrer Reiter.
Hei, wie sprengt es auf den Ruf,
Funken schlagend mit dem Huf!
Feurig muß die Mütze
Auf dem Scheitel thronen,
Flammend wie die Blitze,
Die im Busen wohnen.
Spornt mein Pferd des Herzens Brand,
Klatscht mein Mädchen in die Hand.
Feder auf der Mütze
Prangt in buntem Flimmer
Wie die Bergesspitze
Bei des Morgens Schimmer;
Stolzer Pfauenfeder gleich
Bin auch ich an Stolz so reich.
Mich, den Krakowiaken,
Meidet, wenn ich reite!
Komm' euch in den Nacken,
Aus dem Wege, Leute!
Ich bin König, ich bin Held
In dem weiten grünen Feld.
Selbst die Aehren beugen
Tief vor mir sich nieder.
Nach dem Erntereigen
Strotzt die Tasche wieder;
In dem Dorf ist jede Maid
Mich zu lieben dann bereit.
Doch wie viele Schönen
Auch nach mir verlangen,
Keine darf doch wähnen,
Mich im Netz zu fangen:
Nur ein einzig Herz ist mein -
Halka, ewig bin ich dein!
(S. 182-183)
_____
übersetzt von Heinrich Nitschmann (1826-1905)
Aus: Der polnische Parnaß
Ausgewählte Dichtungen der Polen
Übersetzt von Heinrich Nitschmann
Nebst einem Abriß der polnischen Literaturgeschichte
und biographischen Nachrichten
Vierte sehr vermehrte Auflage
Leipzig F. A. Brockhaus 1875