Deutsche Liebeslyrik - Gedicht der Woche Archiv

für das Jahr 2017

(die neuesten Gedichte oben)




Im wunderschönen Monat Mai . . .

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.

Heinrich Heine (1797-1856)
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Stoßseufzer

Sehnen! Sehnen! gib uns frei!
Glück der Liebe! komm herbei!
Täuschung! ende doch dein Spiel!
Hoffnung! zeig' ein goldnes Ziel!
Liebe! schürtest du die Flammen,
Leben! gib uns auch zusammen!
Welt! verleg' uns nicht den Lauf!
Eden! Eden! tu' dich auf!

Peter Cornelius (1824-1874)
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An ***

Wie süß du meiner Seele bist,
Ich weiß es nicht zu sagen!
Was still in meinem Innern sprießt,
Will nicht an's Licht sich wagen.
Vom Lenze, der in meiner Brust
Geweckt ein neues Leben,
Vermag ich, wollend und bewußt,
Den Schleier nicht zu heben.

Es sei! Wozu versucht ich auch
Ihn absichtsvoll zu lüften?
Du merkst den warmen Frühlingshauch
An seinen linden Düften.
In meinen feuchten Augen siehst
Du Licht des Morgens tagen -
Wie süß du meiner Seele bist
Brauch' ich dir nicht zu sagen!

Betty Paoli (1814-1894)
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Ich bin geliebt! Ja, tön' es, meine Leier ...

Ich bin geliebt! Ja, tön' es, meine Leier,
Laut durch die stille Nacht. Ich bin geliebt!
Und was mir selige Gewißheit gibt,
Sprach nicht ihr Mund, ihr Auge sprach's voll Feuer.

O, dieser Blick, als Alle fortgegangen,
Und sie allein mir gegenüber saß!
Es lag in diesem Blick, ich weiß nicht was,
Und stammelte unschuldiges Verlangen.

Und brannten düster gleich am Festesschluß
Die Kerzen rings, der Augen Glanzgefunkel
Erleuchtete das zweifelhafte Dunkel.

Sie ließ mir ihre Hand; sie sank zum Kuß -
Vernehmt's, ihr Sterne dort, ihr stummen Zeugen,
Ich bin geliebt! Wozu es euch verschweigen?
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Süßes Zweifelgefühl durchbebte mich, als im Gespräch itzt
Entpantoffelt ihr Fuß sanft sich auf meinen gestellt
Unterm Tisch, von Keinem gesehn und selber von ihr auch
Im Vergessen vielleicht, nimmer mit Absicht gestellt.
Doch jetzt hielt, da ihm ein kupferner Kreuzer entfallen,
Einer der Gäste das Licht unter den Tisch, da entzog
Eilig das Füßchen sich meinem Fuß und schlich erst zurücke,
Als der Leuchter am Ort vorige Hellung ergoß.
Ha, jetzt ging mit dem Leuchter auch mir auf einmal ein Licht auf!
Wer sich im Reden vergißt, fürchtet nicht solchen Verrath.
Ha, jetzt läugn' es nur länger noch, daß du, Evchen, mich liebest,
Mehr als je dein Mund sagte das Füßchen mir ja.

Christian Martin Winterling (1800-1884)
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An den unsterblich Geliebten

Meere sind zwischen uns und Länder und Tage.
Aber ich weiß,
Du wartest auf mich
Jetzt und immer.
Wissend und gut.
Meere sind zwischen uns und Länder und Tage.

Ich sehne mich nach dir,
Nach deinen sanften Händen,
Nach deiner frommen Schönheit,
Nach deiner klugen Güte.
O ich sehne mich nach dir.

Alles, was ich habe, will ich dir schenken,
Alles was ich denke, will ich dir denken,
Ich will dich lieben in allen Dingen,
Meine schönsten Worte will ich dir singen,
All meine Schmerzen und Sünden will ich dir weinen.
Meiner Seligkeit Sonnen werden dir scheinen.
Was ich bin, will ich dir sein.

Meine Träume sind voll deiner Zärtlichkeit.
Mein Blut singt süß deine Unendlichkeit.
Weiße Seele
Unsterblich Geliebter.

Du blühst sehr wunderbar
Im Gestirn meiner Liebe,
Im Schauer meiner Ängste,
Im Lachen meines Glücks.

Du blühst sehr wunderbar
Im Gestirn meiner Liebe.

Francisca Stoecklin (1894-1931)
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Ich liebe dich, weil ich dich lieben muß ...

Ich liebe dich, weil ich dich lieben muß;
Ich liebe dich, weil ich nichts anders kann;
Ich liebe dich nach einem Himmelschluß;
Ich liebe dich durch einen Zauberbann.

Dich lieb' ich, wie die Rose ihren Strauch;
Dich lieb' ich, wie die Sonne ihren Schein;
Dich lieb' ich, weil du bist mein Lebenshauch;
Dich lieb' ich, weil dich lieben ist mein Sein.

Friedrich Rückert (1788-1866)
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Glück

Ich bin so voll von Liebe,
Wie die Traube ist voll von Süße,
Mein Herz ist wie im Sommer
Der volle Apfelbaum.

Ich gehe stille Wege
Mit ruhigem Gemüte,
Der hohe blaue Himmel
Ist mir kein leerer Raum.

Ich bin mit allem Leben
Verwurzelt und verwachsen,
Die Sonne ist meine Mutter,
Gott ist mein schönster Traum.

Otto Julius Bierbaum (1865-1910)
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Der Stumme an die Geliebte

Worte können es nicht sagen,
Nur den Blicken ist's gewährt,
Was mein Herz macht glühend schlagen,
Was es sehnsuchtsvoll verzehrt.

Wenn des Tages Lärmen schweiget,
Lautlos herrscht die stumme Nacht,
Sich zu dem Geliebten neiget
Luna in der stillen Pracht.

Stille nur die Sterne blinken
In dem grenzenlosen Raum,
Stille sie hinauf uns winken
Aus des Lebens flücht'gem Traum.

Wird's den Menschen ganz beglücken,
Ist dem Schweigen er geweiht;
Stumm ist immer das Entzücken,
Stille ist die Seligkeit.

Lasse du auch mich bekennen,
Was in Schweigen eingehüllt;
Keine Sprache könnt' es nennen,
Was das Herz mir ewig füllt.

Ludwig I. von Bayern (1786-1868)
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Sehnsucht

Wie brennt mein ganzes Herz nach dir!
Dein liebes Bild schwebt stets vor mir;
All' Orten, wo ich geh' und steh',
Da folgt's und macht mir wohl und weh!

O du, die ich in Allem schau,
In Waldes Grün, in Himmels Blau,
Wenn sich die frühe Lerche schwingt,
Ist's deine Stimme, die mir singt!

Im süßen Mond- und Sternenschein
Sind's deine lieben Äugelein,
In schwüler Nacht der Nelkenduft,
Dein Odem ist es, würzt die Luft.

Und Nelkenduft und Nachtigall
Und Sternenglanz verschmelzen all,
Und dunkle Wasser brausen drin,
Die Welt erlischt, vergeht der Sinn.

Mir ist, ich schwimm' aus mir heraus
Und ström' ins All wollüstig aus, -
Und leb' ich noch und athme noch?
Ich bin nicht mehr und liebe doch!

Mir träumt, ich bin das große Meer,
Und du die Sonne drüber her,
Und aufwärts, aufwärts für und für
Gehn alle Wogen nur nach dir!

Ich fasse dich inbrünstiglich;
Hinunter, Sonne, zieh' ich dich,
Hinunter in das Abendroth,
Hinunter in den süßen Tod.

Und endlich, endlich hab' ich sie!
Nun tos't, ihr Wellen, spat und früh;
Nun geht, ihr Sterne, ab und auf -
Wir ruhn, und weck' uns Niemand auf!

Friedrich Gottlob Wetzel (1779-1819)
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Du fragst, wozu das Küssen tauge?

Du fragst, wozu das Küssen tauge,
Und was es eigentlich will sagen?
Um sich zu blicken Aug' in Auge,
Und Seel' um Seele zu befragen.

Wenn Auge sich in Auge spiegelt
Und sich zu Seele Seele findet,
Dann wird im Kusse rasch besiegelt,
Was treue Herzen ewig bindet.

Drum willst du je dich küssend neigen,
So giebt es Eines, das bedenke:
Daß leis in andachtvollem Schweigen
Auch Seele sie in Seele senke.

Wo nur die Lippen sich berühren,
Da wirst du bald verschmachten müssen;
Der Liebe Wonnen ganz zu spüren,
O lerne mit der Seele küssen!

Robert Prutz (1816-1872)
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Ich habe dich so lieb

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei - verjährt -
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.
Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)
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Es macht mir nichts

Hauptsache ist, daß frei das Herz von Lüge
Und Zweifel sei! Wenn ich im übrigen
Statt eines Rosenkranzes ein Glas Wein
In Händen halte, - o das macht mir nichts!

Ob ich die Schönheit dieser Rosenknospe
Im Garten mir betrachte oder während
Im Bad ich weile, - o das macht mir nichts!

Trink aus drei Gläser, bis zum Rand gefüllt
Mit edelm Wein! Wenn du darauf den Frieden
Der Nacht durch reichliche Gebete dir
Erkaufen mußt, - fürwahr, das macht dir nichts!

Ich hoffe, daß du Liebe mich besuchst
Am zweiten Tage dieses Opferfestes.
Und wenn du nicht bei Tag kommst, sondern nachts, -
Es macht mir nichts, - bei Gott, es macht mir nichts!

Nedim (18. Jh.)
türkischer Dichter

(In der Nachdichtung von Hans Bethge 1876-1946)
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Für dich!

Für dich schmück' ich und binde mein Haar
Mit duft'gen Blumen, für dich allein,
Deinen sanften Tadel fürcht' ich nur,
Deine Lieb' ist all' mein Sein.

Für dich putzt mich mein schönstes Kleid,
Einfach und nett, für dich allein,
Kein and'res Auge soll in der Stadt
Sich mir in Liebe weihn.

Für dich stimm' ich der Lauten Klang,
Sonst wär' sie stumm, allein für dich,
Für die Biene ist des Juni Hauch
Nicht das, was du für mich.

Frances Sargent Locke Osgood (1813-1850)

(In der Übersetzung von Alexander Büchner 1827-1904)
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Liebesnacht

O wenn im Glanze weißer Kerzen
Sich sanft entzündet unsre Nacht
Und aus den lang verhaltnen Herzen
Die Sehnsucht nach dem Kuß erwacht;

Wenn wir tief innen von Verlangen
Durchschauert aneinander hin
Gewirbelt aus uns selber drangen,
Um vor der Liebe hinzuknien;

Wenn wir gerundet ohne Wehmut,
Wie Wachs für Feuerglanz vergeht,
Den Scheitel senken stumm vor Demut
Ist unser Kuß wie ein Gebet.

Emanuel von Bodman (1874-1946)
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Nacht du süßen Entzückens . . .

Nacht du süßen Entzückens, o wie ich dich gefeiert!
Nacht des Liebe-Beglückens, wo ich zuerst sie entschleiert!

Dein gedenk' ich noch heute voll der Erinnerung Strebens,
Ihr der Braut aller Bräute sing ich mein Lied voll Bebens.

Erst mit schüchternem Zagen mochte mein Muth sie schrecken,
Bis sie lernte ertragen mein lustweckendes Necken.

Leis' erst rührt mit der Hand ich sanft an Bändern und Schleifen,
Dann entbrannter verstand ich Störendes abzustreifen.

Fort von dem Busen schob ich des Schleiers neidische Hülle,
Sanft in dem Arm erhob ich der Glieder glänzende Fülle.

Ihr, die vordem so stille keuschem Gefühl ergeben,
Goß mein entzückter Wille Flammen ins Herz voll Beben.

Welch ein wonniges Biegen ihrer Glieder, der schönen!
Welch ein Wiegen und Schmiegen! Seufzen in flammenden Tönen!

Liebe trieb ihr Geschäfte kunstgeübt voll Gewandtheit,
Lieh ihr zaubrische Kräfte, Männermuth und Entbranntheit.

Mich in den Armen hob sie leicht empor gleich dem Balle,
Fort von dem Busen schob sie selbst die Kleider mir alle.

Gleiche selige Wonnen fühlten wir zwei selbander
Und wir gossen wie Sonnen Strahl um Strahl in einander.

Arabisches Volkslied
(In der Nachdichtung von Julius Altmann 1814-1873)
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Von strahlenden Dingen

Es strahlt in ihrer Krone Pracht
Die Kais'rin von Byzanz,
Die Meerfrau glitzert in der Nacht
In schönerm Perlenglanz.

Wie Pfauenaugen schimmert fern
Des Bischofs goldnes Kleid,
Und über ihm - der Hirten Stern
In größrer Herrlichkeit.

Die Liebe geht im Zauberschein
Durch unser dunkles Land,
Hält doch den höchsten Edelstein
Verborgen in der Hand.

Irene Forbes-Mosse (1864-1946)
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Eine verliebte Ballade für Yssabeau d'Außigny

Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund,
ich schrie mir schon die Lungen wund
nach deinem weißen Leib, du Weib.
Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht,
da blüht ein schöner Zeitvertreib
mit deinem Leib die lange Nacht.
Da will ich sein im tiefen Tal
dein Nachtgebet, und auch dein Sterngemahl.

Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar,
da schlief ich manches Sommerjahr
bei dir, und schlief doch nie zuviel.
Ich habe jetzt ein rotes Tier im Blut,
das macht mit wieder frohen Mut.
Komm her, ich weiß ein schönes Spiel
im dunklen Tal, im Muschelgrund . . .
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.

Die graue Welt macht keine Freude mehr,
ich gab den schönsten Sommer her,
und dir hats auch kein Glück gebracht;
hast nur den roten Mund noch aufgespart
für mich so tief im Haar verwahrt . . .
Ich such ihn schon die lange Nacht
im Wintertal, im Aschengrund . . .
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.

Im Wintertal, im schwarzen Erdbeerkraut,
da hat der Schnee sein Nest gebaut
und fragt nicht, wo die Liebe sei.
Und habe doch das rote Tier so tief
erfahren, als ich bei dir schlief.
Wär nur der Winter erst vorbei
und wieder grün der Wiesengrund!
. . . ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.

François Villon (1431- nach 1463)
(In der Nachdichtung von Paul Zech 1881-1946)
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Vorausbestimmung

Bevor die Gottheit noch das schimmernde
Kristall des Firmaments errichtet hatte,
Als du und ich noch schlummerten im Nichts, -
Schon damals waren unsre beiden Namen
Verbunden durch die Gottheit, wunderbar.

Eh noch die Sterne waren und der Mond,
Eh Wasser war und Feuer und die Erde,
Eh deine Stimme war und dein Gedanke,
Schon damals war durch Gott vorausbestimmt
Das Schicksal unsrer Liebe, wunderbar.

Abu-Said (978-1062)
(In der Nachdichtung von Hans Bethge 1876-1946)
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