Deutsche Liebeslyrik - Gedicht der Woche Archiv

für das Jahr 2017

(die neuesten Gedichte oben)




Ich habe dich so lieb

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei - verjährt -
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.
Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)
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Es macht mir nichts

Hauptsache ist, daß frei das Herz von Lüge
Und Zweifel sei! Wenn ich im übrigen
Statt eines Rosenkranzes ein Glas Wein
In Händen halte, - o das macht mir nichts!

Ob ich die Schönheit dieser Rosenknospe
Im Garten mir betrachte oder während
Im Bad ich weile, - o das macht mir nichts!

Trink aus drei Gläser, bis zum Rand gefüllt
Mit edelm Wein! Wenn du darauf den Frieden
Der Nacht durch reichliche Gebete dir
Erkaufen mußt, - fürwahr, das macht dir nichts!

Ich hoffe, daß du Liebe mich besuchst
Am zweiten Tage dieses Opferfestes.
Und wenn du nicht bei Tag kommst, sondern nachts, -
Es macht mir nichts, - bei Gott, es macht mir nichts!

Nedim (18. Jh.)
türkischer Dichter

(In der Nachdichtung von Hans Bethge 1876-1946)
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Für dich!

Für dich schmück' ich und binde mein Haar
Mit duft'gen Blumen, für dich allein,
Deinen sanften Tadel fürcht' ich nur,
Deine Lieb' ist all' mein Sein.

Für dich putzt mich mein schönstes Kleid,
Einfach und nett, für dich allein,
Kein and'res Auge soll in der Stadt
Sich mir in Liebe weihn.

Für dich stimm' ich der Lauten Klang,
Sonst wär' sie stumm, allein für dich,
Für die Biene ist des Juni Hauch
Nicht das, was du für mich.

Frances Sargent Locke Osgood (1813-1850)

(In der Übersetzung von Alexander Büchner 1827-1904)
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Liebesnacht

O wenn im Glanze weißer Kerzen
Sich sanft entzündet unsre Nacht
Und aus den lang verhaltnen Herzen
Die Sehnsucht nach dem Kuß erwacht;

Wenn wir tief innen von Verlangen
Durchschauert aneinander hin
Gewirbelt aus uns selber drangen,
Um vor der Liebe hinzuknien;

Wenn wir gerundet ohne Wehmut,
Wie Wachs für Feuerglanz vergeht,
Den Scheitel senken stumm vor Demut
Ist unser Kuß wie ein Gebet.

Emanuel von Bodman (1874-1946)
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Nacht du süßen Entzückens . . .

Nacht du süßen Entzückens, o wie ich dich gefeiert!
Nacht des Liebe-Beglückens, wo ich zuerst sie entschleiert!

Dein gedenk' ich noch heute voll der Erinnerung Strebens,
Ihr der Braut aller Bräute sing ich mein Lied voll Bebens.

Erst mit schüchternem Zagen mochte mein Muth sie schrecken,
Bis sie lernte ertragen mein lustweckendes Necken.

Leis' erst rührt mit der Hand ich sanft an Bändern und Schleifen,
Dann entbrannter verstand ich Störendes abzustreifen.

Fort von dem Busen schob ich des Schleiers neidische Hülle,
Sanft in dem Arm erhob ich der Glieder glänzende Fülle.

Ihr, die vordem so stille keuschem Gefühl ergeben,
Goß mein entzückter Wille Flammen ins Herz voll Beben.

Welch ein wonniges Biegen ihrer Glieder, der schönen!
Welch ein Wiegen und Schmiegen! Seufzen in flammenden Tönen!

Liebe trieb ihr Geschäfte kunstgeübt voll Gewandtheit,
Lieh ihr zaubrische Kräfte, Männermuth und Entbranntheit.

Mich in den Armen hob sie leicht empor gleich dem Balle,
Fort von dem Busen schob sie selbst die Kleider mir alle.

Gleiche selige Wonnen fühlten wir zwei selbander
Und wir gossen wie Sonnen Strahl um Strahl in einander.

Arabisches Volkslied
(In der Nachdichtung von Julius Altmann 1814-1873)
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Von strahlenden Dingen

Es strahlt in ihrer Krone Pracht
Die Kais'rin von Byzanz,
Die Meerfrau glitzert in der Nacht
In schönerm Perlenglanz.

Wie Pfauenaugen schimmert fern
Des Bischofs goldnes Kleid,
Und über ihm - der Hirten Stern
In größrer Herrlichkeit.

Die Liebe geht im Zauberschein
Durch unser dunkles Land,
Hält doch den höchsten Edelstein
Verborgen in der Hand.

Irene Forbes-Mosse (1864-1946)
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Eine verliebte Ballade für Yssabeau d'Außigny

Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund,
ich schrie mir schon die Lungen wund
nach deinem weißen Leib, du Weib.
Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht,
da blüht ein schöner Zeitvertreib
mit deinem Leib die lange Nacht.
Da will ich sein im tiefen Tal
dein Nachtgebet, und auch dein Sterngemahl.

Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar,
da schlief ich manches Sommerjahr
bei dir, und schlief doch nie zuviel.
Ich habe jetzt ein rotes Tier im Blut,
das macht mit wieder frohen Mut.
Komm her, ich weiß ein schönes Spiel
im dunklen Tal, im Muschelgrund . . .
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.

Die graue Welt macht keine Freude mehr,
ich gab den schönsten Sommer her,
und dir hats auch kein Glück gebracht;
hast nur den roten Mund noch aufgespart
für mich so tief im Haar verwahrt . . .
Ich such ihn schon die lange Nacht
im Wintertal, im Aschengrund . . .
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.

Im Wintertal, im schwarzen Erdbeerkraut,
da hat der Schnee sein Nest gebaut
und fragt nicht, wo die Liebe sei.
Und habe doch das rote Tier so tief
erfahren, als ich bei dir schlief.
Wär nur der Winter erst vorbei
und wieder grün der Wiesengrund!
. . . ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.

François Villon (1431- nach 1463)
(In der Nachdichtung von Paul Zech 1881-1946)
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Vorausbestimmung

Bevor die Gottheit noch das schimmernde
Kristall des Firmaments errichtet hatte,
Als du und ich noch schlummerten im Nichts, -
Schon damals waren unsre beiden Namen
Verbunden durch die Gottheit, wunderbar.

Eh noch die Sterne waren und der Mond,
Eh Wasser war und Feuer und die Erde,
Eh deine Stimme war und dein Gedanke,
Schon damals war durch Gott vorausbestimmt
Das Schicksal unsrer Liebe, wunderbar.

Abu-Said (978-1062)
(In der Nachdichtung von Hans Bethge 1876-1946)
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