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Ilse Frapan
(1849-1908)
Warum muß ich meine Augen schließen?
Stehn vor mir doch liebe, frische Blumen!
Ach, vor allem Lieblichen der Erde
Schließ' ich sie, um nur an dich zu denken!
(S. 58)
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Ich liebe dich, und du bist so weit!
Ach, über das arge Trennungsleid!
Es drängen sich Schatten dicht und dichter,
Die Welt ist so voll fremder Gesichter,
Und alle so nah', und du so weit. -
Haben an mir ja Freude nicht,
Bin ihnen auch ein fremd Gesicht;
Säh' mich nur Einer, Einer gern,
Ach, und der Eine, Meine, ist fern!
(S. 59)
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In die eine Schale werf' ich alles,
Was bis heute ich gelebet habe,
Denn in jener andern ruht ein köstlich
Duftgebilde, nennt sich: neue Liebe!
Und von ihm belastet sinkt die Schale,
Während werthlos leicht die andre aufschnellt;
Und mein Auge sieht's mit Freudenthränen. -
- Ach, wir armen, nimmerklugen Menschen!
(S. 60)
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Winterabend
Sie sitzt so still
mir gegenüber,
Und die lieben Augen ruhn
Auf der lieben Hände Thun,
Fliegen selten hier herüber,
Und der Lampe gelber, trüber
Schein umhüllt mit Dunkelheit
Schwarzes Haar und blaues Kleid.
Und doch geht ein Liebeschimmer
Von ihr aus, und überm Zimmer
Liegt er warm wie Sommerzeit.
(S. 121)
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Aus: Gedichte von
Ilse Frapan
Berlin Verlag von Gebrüder Paetel 1891
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