SCHICKSAL
Verhängniß, Stern etc.
Worte, so einer jungen Person sehr zu statten kommt, welche allezeit
andern Dingen die Schuld giebt, damit sie ihre Fehler verberge. Medea
ist nicht die letztere, welche das Schicksal für die Ursache ausgegeben,
wenn sie eine Thorheit begehen wollen. Viele andere haben seit ihrer
Zeit das Gestirn und Verhängniß zur Hülfe genommen. Eine
Praedestinatianerin drückt sich bey einem von unsern Poeten also aus:
Ich untersuche nicht, ob meine Liebesgluth
Der frechen Tadelsucht zum Lästern Vorschub thut.
Ich könnte noch vielleicht itzt Muth und Kraft gewinnen,
Der Neigung Abbruch thun und Widerstand beginnen;
Jedoch das Schicksal mischt sich öfters hier mit ein,
Und wenn dasselbe will so soll und muß es seyn,
Ja, muß ich gleich dabey die größte Marter dulden;
Das Schicksal fügt es so, es ist nicht mein Verschulden.
Alles dieses bedeutet, daß sich eine Schöne der Süssigkeit ihrer Neigung
übergiebt, welche sie nach sich schleppet, und sich vom Strome ohne
vielen Widerstand fortreissen läßt; daß sie sich des Schicksals bediene,
um solches mit Ehren thun zu können: Dieses Wort schmücket einen Brief
und eine Unterredung sehr fein aus.