
Franz Marc (1880-1916)
Liebespaar
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Stichwort: Altar
16./17. Jh.
18. Jh.
19/20. Jh.
16./17. Jh.
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Anonyme Barockdichter
Süsse brunst vergnügter flammen /
Brand! der mich aus mir entzückt;
Bringet eure glut zusammen /
Biß es geist und seel erqvickt;
Last eur feuer in mich rinnen /
Ich vergönne freien lauff /
Meine glieder / geist und sinnen
Opffre ich zum
altar
auff /
Denn ich nunmehr frey bekenne /
Daß ich ganz vor liebe brenne.
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Längst hab ich ein
altar
gesetzt /
Ein denckmahl harter buß zu stifften /
In welchen Amors hand geetzt
Mit diamant und güldnen schrifften:
Der schönsten göttin von der erden
Soll dieser einzig heilig werden.
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Johann von Besser
(1654-1729)
Nicht stelle dich / du engel dieser welt /
Als wüst du nicht / wer dir zu füssen fällt;
Ein mensch / der dich zu einem abgott macht /
Hat seine brunst genug ans licht gebracht.
Du sprichst: Es sey dir gänzlich unbekant /
Wer dir sein herz als weyrauch angebrant;
Und deine hand hat flamm und feur gefühlt /
Als meinen mund ich damit abgekühlt.
Mein auge lad't dich stets zum opffer ein /
Kan dir / was alle sehn / verborgen seyn?
Die seele giebt dir heerd und rauchfaß dar /
Und meine brust ist tempel und
altar.
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Christoph Gottehr
Burghart (1682-1745)
An eine Nonne
Darff sich was weltliches in deine zelle wagen?
Darff wohl / O heilige / bey dir ein sünder stehn?
Du pflegest sonsten zwar mit engeln umzugehn;
Jedoch GOtt selber will sein hauß uns nicht versagen /
Wann wir nur an die brust mit leyd und reue schlagen:
Mich drückt der sünden-last; du wirst dein lob erhöhn /
Woferne du mich läst bey dir zur beichte gehn;
So laß dich doch um rath vor mein gewissen fragen /
Du bist die Priesterin; dein leib ist mein
Altar
/
Die beyden lichter drauff sind deiner augen paar;
Der tempel aber selbst ist deine dunckle zelle /
Ach sprich mich / heilige / von meinen sünden loß /
Die straffe leg' ich dir ganz willig in die Schooß /
Wo nicht / so bringet mich die schuld noch in die hölle.
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Christian Hoffmann von
Hoffmannswaldau (1616-1679)
So soll der purpur deiner lippen
Itzt meiner freyheit bahre seyn?
Soll an den corallinen klippen
Mein mast nur darum lauffen ein /
Daß er an statt dem süssen lande /
Auff deinem schönen munde strande?
Ja / leider! es ist gar kein wunder /
Wenn deiner augen sternend licht /
Das von dem himmel seinen zunder /
Und sonnen von der sonnen bricht /
Sich will bey meinem morrschen nachen
Zu einen schönen irrlicht machen.
Jedoch der schiffbruch wird versüsset /
Weil deines leibes marmel-meer
Der müde mast entzückend grüsset /
Und fährt auff diesem hin und her /
Biß endlich in dem zucker-schlunde
Die geister selbsten gehn zu grunde.
Nun wohl! biß urtheil mag geschehen /
Daß Venus meiner freyheit schatz
In diesen strudel möge drehen /
Wenn nur auff einem kleinen platz /
In deinem schooß durch vieles schwimmen /
Ich kan mit meinem ruder klimmen.
Da will / so bald ich angeländet /
Ich dir ein
altar
bauen auff /
Mein herze soll dir seyn verpfändet /
Und fettes opffer führen drauff;
Ich selbst will einig mich befleissen /
Dich gött- und priesterin zu heissen.
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Die brüste sind mein zweck / die schönen marmel-ballen /
Auf welchen Amor ihm ein lust-schloß hat gebaut;
Die durch das athem-spiel sich heben und auch fallen /
Auf die der sonne gold wolriechend ambra thaut.
Sie sind ein paradieß / in welchem äpffel reiffen /
Nach derer süssen kost iedweder Adam lechst /
Zwey felsen / um die stets des Zephirs winde pfeiffen.
Ein garten schöner frucht / wo die vergnügung wächst.
Ein über-irrdisch bild / dem alle opffern müssen.
Ein ausgeputzt
altar
/ für dem die welt sich beugt.
Ein crystallinen qvell / aus welchem ströme flüssen /
Davon die süßigkeit den nectar übersteigt.
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Hat das verhängniß mir den steg zu dir verzehrt /
Kan ich / o Göttin! nicht dein rein
altar
berühren /
Soll auf dein heiligthum ich keinen finger führen /
So hat mir doch die pflicht noch keine zeit verwehrt.
Mein geist muß opfer seyn / mein herze wird der herd /
Ich thue / was ich kan / und was sich wil gebühren /
Ich weiß / du wirst itzund mehr als genug verspüren /
Was vor ein reiner dampf zu deinem throne fährt.
Ich ehre dich allhier / zwar ohne licht und kerzen /
Durch einen heissen trieb / aus einem reinem herzen /
Die flamme brennet zwar itzt durch verdeckten schein /
Und beug ich keine knie / so beug ich das gemüthe /
Acht wörter rühren mir itzunder mein geblüte:
Die Gottheit wil geehrt / und nicht geschauet seyn.
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Christian Hölmann
(1677-1744)
Sie ist ein heiligthum / das zu gewissen Stunden
Sich willig küssen läst / ist diese zeit verschwunden /
So schliesset sie sich zu / dann geht die fasten an /
Da ich den süssen kuß nicht mehr geniessen kan.
Sie ist mein rauch-altar
/ mein aller-götter tempel /
Der Liebes-Götter und Göttinnen wahr Exempel /
Mein Sonnen-Tempel auch / in den der Römer rennt /
Wenn er vom Capitol zur lincken hand sich wendt.
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Georg Rudolf Weckherlin
(1584-1653)
Mein hertz mag sich wol ergötzen
Wan es Euch findet so klar,
Ehrend Euch als seine götzen
Auf dem schönesten
altar;
Vor dem ich bit, das mit süssen anblicken
Ihr niemand sunst dan mich wollet erquicken.
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18. Jh.
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Johann Wolfgang von
Goethe (1749-1832)
Glück und Traum
Du hast uns oft im Traum gesehen
Zusammen zum
Altare
gehen,
Und dich als Frau, und mich als Mann.
Oft nahm ich wachend deinem Munde
In einer unbewachten Stunde,
So viel man Küsse nehmen kann.
Das reinste Glück, das wir empfunden,
Die Wollust mancher reichen Stunden
Floh wie die Zeit mit dem Genuß.
Was hilft es mir, daß ich genieße?
Wie Träume fliehn die wärmsten Küsse,
Und alle Freude wie ein Kuß.
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An Venus
Große Venus, mächtge Göttin!
Schöne Venus, hör mein Flehn!
Nie hast du mich
Über Krügen vor dem Bacchus
Auf der Erden liegen sehn.
Keinen Wein hab ich getrunken,
Den mein Mädchen nicht gereicht,
Nie getrunken,
Daß ich nicht voll gütger Sorge
Deine Rosen erst gesäugt.
Und dann goß ich auf dies Herze,
Das schon längst dein
Altar
ist,
Von dem Becher
Güldne Flammen, und ich glühte,
Und mein Mädchen ward geküßt.
Dir allein empfand dies Herze,
Göttin, gib mir einen Lohn.
Aus dem Lethe
Soll ich trinken wenn ich sterbe,
Ach, befreie mich davon,
Laß mir, Gütige - dem Minos
Sei's an meinem Tod genung -
Mein Gedächtnis!
Denn es ist ein zweites Glücke
Eines Glücks Erinnerung.
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Elise Sommer (1767-?)
Tragt mich, ihr Abendwinde!
Zurück zu jener Linde,
Zum Sitz von seidnem Gras,
Wo zwischen den Lianen,
Umsäuselt von Platanen,
Einst Selmar mit mir sass!
Noch ist sie mir, die Stelle,
An jener Schattenquelle,
Ein heiliger
Altar,
Wo ich im Abendthale,
Mit ihm zum letztenmale
So froh und selig war!
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Christine Westphalen
(1758-1840)
Holder Jüngling mit der Rosenwange,
Süßer May, dir tönt die Luft!
Dir die Flur im hellen Chorgesange
Dir die Quelle in der Felsengruft!
Tausend Blüthenkelche hauchen
Nur durch dich erquickenden Duft
In die froh beseeltere Luft:
Berge dampfen dir, und Thäler rauchen!
Und das lautschlagende Herz der Liebe
Weihet die Flammen nur deinem
Altar:
Selbst der wankende Greis im Silberhaar
Opfert dir allein noch warme Triebe.
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19./20. Jh.
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Peter Cornelius
(1824-1874)
Tempel der Liebe, du wonnige Braut
Tempel der Liebe, du wonnige Braut!
Tempel der Liebe von Gott gebaut!
Ewige Leuchten an heiliger Stell',
Sterne der Liebe, wie glüht ihr hell!
Weihrauchwolke, die still verweht,
Atem der Liebe, ein Duftgebet!
Süßer Gesang, wie von seligen Höh'n,
Worte der Liebe, wie läutet ihr schön!
Stätte der Weihe, opferbewußt,
Altar
der Liebe, du klopfende Brust!
O wer da knien und beten kann!
Priester der Liebe! Seliger Mann!
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Felix Dörmann
(1870-1928)
Liebesschauer
Liebesschauer mir im Herzen wühlen,
Deiner Schönheit blutigem
Altar,
Sturmgewaltig wettert durch mein Fühlen,
Atemloser Wonnen wilde Schar.
Aus des Herzens abgrundtiefen Schachten,
Wo Gedankenfluten hoch gerollt,
Die den Weltenbau ins Wanken brachten,
Wenn empor zum Lichte sie getollt,
Quellen Lieder, Deiner Schönheit trunken,
Sausen Flammen irrer Liebesglut,
Meine großen Ziele sind versunken,
Bleich und todesstarr mein Wille ruht;
Wehr und Waffen hat der Rost zerfressen,
Daß ich einstmals stritt, - ich weiß es kaum;
Meine Sendung hab' ich längst vergessen -
Nur für Dich hat meine Seele Raum!
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Carl Ferdinand
Dräxler-Manfred (1806-1879)
Du fern, fern von mir, o Pein!
Ich kann es nicht länger ertragen,
Nicht länger kann ich durch Täuschung und Schein
Dieß Sehnen des Herzens vertagen.
Fern meinem glühenden Kusse, der still,
Gleich einer heiligen Opferflamme
Auf dem
Altare
deiner Reize brennen will;
Fern meiner Sehnsucht, die einer Venus gleich
Aus den Wellen deiner Schönheit aufgestiegen,
Sich in deinen Armen, so weiß und weich
Liebetrunken einzuwiegen.
Fern meinem Blick, der wie ein Falk
In deinem blauen Augenhimmel schwebt,
Der von dem Körnlein deiner Liebe
Und von dem Meere deiner Schönheit lebt.
Fern meinem Arm, der wie eine Zauberflechte,
Dich so innig umschlingt und sehnlich,
Und der, einem Zauberreife ähnlich,
Dich ewig an mein Herz fesseln möchte.
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Ilse Franke-Oehl
(1881-1938)
Liebesopfer
Laß uns glühende Rosen und Kerzen
Zum
Altar
des Lebens tragen.
Laß uns unsre blühenden Herzen
Opfernd zerschlagen.
Unsrer Liebe Brunst
Hat noch trüben Schein.
Aber in Rauch und Dunst
Bläst Gottes Odem hinein,
Wenn wir in Demut
Unsre Glut
Ihm weihn.
Vor seinem Atem zerstieben
Asche und Rauch.
Nun ist unser Lieben
Rein wie Gottes Hauch.
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Else Galen-Gube
(1869-1922)
Götzendienst
Ich knie vor dem
Altar,
den ich der Liebe
für dich geweiht, doch bring ich weder Kerzen,
noch Rosen, und auch Weihrauch streu ich nicht.
Ich hab für dich noch andre Opferspenden.
Zum Allerheiligsten in meinen Händen
trag ich als Liebesgabe ein Gedicht.
Ein Lied, ein schlichtes Lied nur will ich singen
vom Glück, geboren einst in heilger Stunde,
ein Hymnus voller Jubel soll es sein.
Laß mich ihn knieend dir zu Füßen legen
und spende mir als Priester deinen Segen,
du, meines dunklen Schicksals Sonnenschein!
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Julius Grosse
(1828-1902)
Es kommt der Tag, ich seh' ihn ferne leuchten
Es kommt der Tag, ich seh' ihn ferne leuchten
Da du als Freundin trittst zu meinem Herd,
Da alles Leid, das uns die Zeit beschert,
In Thränen schmilzt, in wonnefeuchten.
Es kommt der Tag, es kommt die goldne Stunde,
Da du mein Weib umarmst mit Schwesterblick,
Da du dich neidlos freust an meinem Glück,
Die Kleinen hebst zu deinem Munde.
Als guten Genius sollen sie dich ehren,
Die meiner Jugend Sommersonne war.
Noch steht in meiner Seele dein
Altar,
Noch rauscht's herauf aus jenen Meeren.
Dann wird erzählt dereinst an Winterfeuern
Gebeugten Nackens und das Haupt beschneit
Von jener Jugend Zauberherrlichkeit,
Und Enkel werden sie erneuern.
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Otto Friedrich Gruppe
(1804-1875)
Die Lieb' ist aller Sterne feste Sonne,
Die durch den weiten Himmel Leben sprühet
Und schafft, daß jede Farbe lustig glühet;
Die Wesen dürsten, und sie stillt mit Wonne.
Die Erde wäre sonst nur eine Nonne,
Die Sonn' auf ihren Wangen wär verblühet,
Nur Tod und Winter hätten sich verfrühet:
Die Welt wär nichts als eine finstre Tonne.
Wer zweifelt noch, woher die Lieb' entstamme?
Auf jeglichem
Altar
ist sie die Flamme,
Und ist die Flamm' auf Vesta's keuschem Heerde.
Nehmt ihrer wahr! Sonst wächst sie ungeheuer,
Verschlingt in Flammen Himmel euch und Erde,
Und überflammet Höll' und Fegefeuer!
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Ida von Hahn-Hahn
(1805-1880)
"Dein Bild allein" den stillen
Altar
schmücket,
Auf dem die Flamme meiner Liebe glüht;
Der Pilger ist am Gnadenbild entzücket
Nicht mehr, als Wonn' in meinen Busen zieht,
Wenn ich die Blum', auf meinem Weg gefunden,
Zum Opferkranz für den
Altar
gebunden.
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Trostlosigkeit
Warum weckt ihr, rauhe Lüfte,
Mich aus meinem Grab, so tief? -
Meine Liebe ist mir ferne -
O, wie ich so selig schlief!
Warum weckt mich Morgensonne
Aus des Traumes stiller Nacht? -
Weiß sie nicht: von Ihm zu träumen,
Holder ist's, als wenn sie lacht.
Warum wecken Blum' und Sterne
Glüh'nde Sehnsucht in mir auf,
Warum nehmen Flut und Wolken
Ewig meiner Liebe Lauf? -
Warum singen Nachtigallen
Mit dem süßen Klagelaut
Alle Schmerzen meines Busens,
Die ich keinem Ohr vertraut?
Ein Gedächtniß seiner Schöne
Ist für mich nur die Natur,
Und worauf der Blick auf falle,
Sieht er seines Wesens Spur.
Ewig wandelt mir zur Seite
Trauernd die Erinn'rung mit;
Wie ich Aug' und Sinn auch wende,
Sie nur leitet jeden Schritt.
Nun denn Liebe, heil'ge Liebe,
Dir geweiht sei mein
Altar,
Und dies Herz, das du verzehrest,
Bringt sich selbst als Opfer dar.
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Max Herrmann-Neiße
(1886-1941)
In deinen Händen
Der Sonntag war wie ein Geheg
von Heuduft und Holunder.
Ein Wiesel wehte übern Weg,
die Wipfel taten Wunder.
Den weißen Wolken war so wohl,
die Stadt stand wie ein Heiligenschrein.
Du hieltest deine Hände hohl:
Da ward meine Wehmut
Altarwein.
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Daß du mich liebst, hat dir nur Leid gebracht:
nun liegt dein Leben hoffnungslos entlaubt
im leeren Angstplan einer bösen Nacht,
verloren büßend, weil es an mich glaubt.
Weil es mir durch Zertrümmerung und Not
das Sternenantlitz neigt, das Stürme stillt -
Vernichtung reißt der Flammenfahne Rot
auf jedes bethlemitische Gefild.
Du aber gabst für jede Stunde Furcht,
die ich dir schuf, mir tausendfältig Frieden
zurück und bringst dein Herz als Opfer dar.
Und deine Stirn, von meinem Gram zerfurcht,
hat einen weihnachtlichen Christaltar
mir noch zuletzt als Obdach stets beschieden.
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Wilhelm Ritter von
Hertz (1835-1902)
Komm, laß mit Myrthen dir umlauben
Der Wangen rothgeküßtes Licht!
Und frage nicht nach meinem Glauben,
Du kleiner Träumer, frage nicht!
Ob ich zum Himmelsbürger tauge,
Lehrt dieses Busens Heiligthum;
Es predigt mir dein dunkles Auge
Ein heitres Evangelium.
Und seit du meine Augenlider
Mit nektarfeuchtem Kuß geweiht,
Schau' ich die schöne Gottheit wieder
In aller ihrer Herrlichkeit.
Ihr Tempel ist der ew'ge Aether,
Dein Marmorleib ist ihr
Altar,
Dort bringe ich, ein trunk'ner Beter,
Der Liebe Flammenopfer dar.
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Eleonore Kalkowska
(1883-1937)
Mit weichen Schleiern sollst du es umkleiden...
Mit weichen Schleiern sollst du es umkleiden,
Was zwischen uns in jenen Tagen war,
So glüh es wie ein Licht auf nebelschweren Heiden,
Ein tiefverhülltes Bild am heiligsten
Altar.
...
O, sanft und silbern möge es uns strahlen,
Wie Vollmondglanz durch leichte Wolkenschalen,
In zarter Reife soll versteckt es beben
Wie Pollen, der vom Blütenkelch umgeben. ...
So tief verschlossen, vornehm soll es ruhen,
Wie zarte Spitzen in geschnitzten Truhen,
Auf daß draus süße Düfte mögen steigen,
So oft wir unser Haupt darüber neigen.
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Joachim Ringelnatz
(1883-1934)
Ich habe an deiner Brüste
Altar
Die Nacht bei dir durchsonnen.
Ich träumte unendliche Wonnen
Im Zauberdufte aus deinem Haar.
Den Blütenstaub der Jugend am Leib,
Lagst du mit fiebernder Stirne
Als Fremde bei mir – – eine Dirne,
Und warst ein halberblühtes Weib.
Und Tränen sah ich, so heimatfremd,
So sündenschön verrinnen.
Sie netzten ein schneeiges Linnen.
Das glich einem Totenhemd.
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Ernst Schulze
(1789-1817)
Liebchen, o komm zum ländlichen Fest, das ich heute bereitet,
Wahrlich, im fröhlichen Kreis fehlte die Grazie sonst!
Sieh, zur arkadischen Flur ward rings der verödete Harzwald,
Hoch am schroffen Gebirg winket der Tempel der Lust.
Flüsterndes Laub wölbt schattig den Dom, zum duftenden
Altar
Schwellet der Rasen, es haucht säuselnde Hymnen der West.
Priesterin bist du selbst der rosigen Freude, für mich nur
Sey, o höre mein Flehn, Priesterin zarterer Gluth!
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Wie in dem Quell, den reines Silber füllt,
Das geist'ge Bild des Mondes sich entfaltet,
Und, von der Welle zartem Hauch umwaltet,
Mit hellerm Glanz aus seinem Bade quillt;
So wohnt in meinem Inneren dein Bild,
Durch Sehnsucht nicht zum Körper umgestaltet,
Nicht durch Genuß, nicht durch die Zeit veraltet,
Und in der Reinheit Silberflor gehüllt.
Die Liebe taucht's in ew'ge Morgenröthe,
Schmückt seine Stirn mit einem Strahlenkranze,
Und göttlich wird, was sonst nur irdisch war.
Der Sehnsucht leises Flehn wird zum Gebete,
Das Auge strahlt von keuscher Andacht Glanze,
Und reiner glüht der Busen, dein
Altar.
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Nahida Sturmhöfel
(1822-1889)
Zu den Liedern von der Liebe
Kennst du die Macht - die wunderbare Kraft,
Ein inn'res Sonnenlicht, das unser All belebt
Und seit Äonen schon den Gottgedanken schafft -
Empor aus niedern Trieben, höher, reiner strebt?
Chaotisch wirbeln, - unbeseelt
Im weiten Weltenraume
Die zahllos stofflichen Atome
Noch unberührt vom Lebenstraume,
Bis sie der Liebe Gotteshauch
Im lichten Weltendome
Durchdringt, zu neuem Leben auch
Gestaltend sie zur Harmonie,
Die uns den Himmel erst verlieh.
Dann strebt mit göttlicher Gewalt
Im unbewußten Element
Der Liebe zauberischer Keim
Zu immer edlerer Gestalt,
In der ein heilig Feuer brennt
Allmächtig zu der Quelle heim,
Es wallt empor! es strebt hinauf!
Aus jedem dunklen Drang und Triebe
Empor, empor im Siegeslauf
Zum höchsten Ideal der Liebe!
Zu ihrem Tempel komm! lass' hin uns ziehn!
So lang in Liebe noch das Herz im Busen schlägt.
O komm, o komm! lass' uns vor ihrem
Altar
knien,
Bis sie die Seele einst in lichte Welten trägt!
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