
Franz Marc (1880-1916)
Liebespaar
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Stichwort: Ewig / Ewigkeit
16./17. Jh.
18. Jh.
19/20. Jh.
16./17. Jh.
Hans Aßmann Freiherr von
Abschatz (1646-1699)
Pruna manu prona pariter prunasque dedisti
Pflaumen hast du mit der Hand / Flammen aber auch gegeben;
Diese dringen uns ins Herz / jene füllen unsern Mund.
Pflaumen hat der Baum gebracht / Flamm und Brand von Aug entstund /
Jene streifft der Reiff zwar ab / diese Glutt wird
ewig leben.
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Anonyme Barockdichter
Caliste mein licht,
So liebest du nicht,
Wie dir sich mein herze auf
ewig verpflicht,
Du bleibest wie stein
Bey jammer und pein,
Und scheinest wie felsen bey flammen zu seyn.
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Climene, meine treue sinnen
Stehn
ewig nur allein nach dir,
Laß meine seuffzer dich gewinnen,
Und rück dein auge nicht von mir,
Dein auge, das mich zwar verletzet,
Doch auch durch seinen winck ergötzet.
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Die weiber sind von schweren straffen frey /
Sie haben nicht den himmel mit gestürmet /
Der unschuld schild steht ihren thaten bey /
Wenn gegen sie der blasse neid sich thürnet /
Lieb und bestand ist bey dem zehnden nicht /
Nur eine frau brennt wie ein
ewig licht.
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Silberne lilgen-brust! lasse dich küssen /
Niedliches leibgen! komm laß dich umbschliessen /
Deinen narcissen-weis-seidenen händen /
Wil ich mich immer und
ewig verpfänden.
_____
Mein herze bleibt dir treu / ich will mich dir verschreiben /
Daß ich in
ewigkeit dein treuer freund will bleiben.
Was schadt abwesenheit? ich sey auch wo ich sey /
So glaube sicherlich / mein herze bleibt dir treu.
_____
Wenn gleich andre stets falliren
Und nicht halten ihre treu /
Wil ich doch den denckspruch führen /
Daß ich recht beständig sey.
Nichts soll meine liebe trennen /
Die auf dich allein gericht /
Und mein herz wird
ewig brennen
Gegen dich / vollkommnes licht.
_____
Keine zeit kan mich verbinden.
Keinem wechsel lauff ich zu /
Will sich gleich was schönes finden /
Stört es doch nicht meine ruh.
Ich bleib
ewig dir gefangen /
Da ich meiner liebe ziel
Mit vergnügen zu erlangen /
Unverändert hoffen will.
_____
Und noch itzund muß ich der flammen macht erkennen /
Mein herz so damals angebrandt /
Brennt noch zum weyrauch deiner hand /
Und will auff
ewig auch zu deinem ruhme brennen;
Denn weil ein kühner blick hat meinen geist beliebt /
So leidet er mit recht vor das / was er verübt.
_____
Kind von zarter Lieblichkeit,
Deiner augen holde blicke
Bleiben ietzt und allezeit,
Mir die angenehmsten stücke.
Es gereichet mir die last,
Und die so beliebten bande,
Die du selbst geknüpffet hast,
Nur zum lob und nicht zur schande.
Denn du bist von solcher art,
Welche bey dem sauer sehen
Keine glatten küsse spahrt,
Die durch marck und adern gehen.
Drum soll Schönste, dir allein,
Auch das herz in meinem leibe,
Ewig aufgeopffert seyn,
Wenn ich nur dein eigen bleibe.
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Köntest du mein herze sehen,
Das nur noch vor schmerzen lebt,
O du würdest selbst gestehen,
Daß dein bild darinnen schwebt,
Und daß deine gunst und treu
Mir ein
ewig denckmahl sey.
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Paul Fleming (1609-1640)
Er betrachtet ihre Schönheit und Treue
Du treue Schönheit du und auch du schöne Treue,
die ihr den zarten Leib und edlen Geist besitzt,
ihr Schwestern gleicher Kraft, die ihr mir das beschützt,
worüber ich mich stets mit höchsten Freuden freue,
was sag' ich doch von euch, daß euch und mich nicht reue?
Ihr starke Göttinnen, habt mir den Sinn erhitzt,
daß mir auf dieser Welt nichts als nur Eine nützt.
Sie ists, an der ich mich ohn' Unterlaß verneue.
Die zarte Schönheit folgt der Flucht der schönen Zeit,
die feste Treue geht den Weg der
Ewigkeit,
die Schönheit macht mir Lust, die Treue Trost zu leben.
O wie ein göttlichs Mensch ist diese, die euch hat!
O wie ein Menschgott auch wird der, dem in der Tat
wird diese schöne Treu' und treue Schönheit geben!
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An Anemonen
Ich meint', ich hätte dir mein ganzes Herz entdeckt,
mein Lassen und mein Tun, mein Wollen und Beginnen,
so daß ich mich mir selbst nicht besser öffnen können.
Ich war nun nicht in mir; ich war in dich versteckt.
Was hat denn diesen Haß so bald auf mich erweckt,
daß du mir itzund auch ein Auge nicht wilst gönnen?
Besinne dich doch, Lieb, wo du was kanst besinnen,
wie hoch mich dieses schmerzt, wie sehr mich diß erschreckt.
Gedenke doch an dich, wilst du an mich nicht denken.
Sei mir Feind und nicht dir, dieweil es Zeit ist noch.
Wilst du mich richten hin, so schone deiner doch,
als die um meinen Tod zu Tode sich wird kränken.
Nim einmal dieses dir für allemal gesagt:
du bist die einige, die
ewig
mir behagt!
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18.
Jh.
Charlotte von Ahlefeld
(1781-1849)
Der Mond und Er
Lächelndes schönes Gestirn, zu Deiner unendlichen Höhe
Wend' ich den traurigen Blick, und er erheitert sich oft.
So auch erheb' ich zu Ihm die schwermuthsvollen Gedanken,
Und dann scheint mir die Welt nicht mehr ein Kerker zu seyn.
Freundlich winkt mir sein Bild, wenn ich Dich einsam betrachte.
Still und schweigend wie Du, wandelt Er ferne von mir.
Aber es nahet mir hold auf muthlos umdämmerten Bahnen,
Sanft wie Dein leuchtender Schein, seiner Erinnerung Gruß.
Unerreichbar bist Du, o Mond, in der Ferne des Himmels,
Dennoch verklärst Du die Nacht still mit erquickendem Glanz;
So erfüllet auch Er mit Licht und Kraft mir den Busen,
Ewig mir ferne wie Du, ist er dem Geiste doch nah.
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Beim Abschied
Wirst Du in der Ferne mein gedenken,
Wenn die Welt geräuschvoll Dich zerstreut?
Wirst Du oft mir stille Stunden schenken,
Der Erinnrung unsres Glücks geweiht?
Wird kein neues Band mir Dein Vertrauen,
Keines Deine Liebe mir entziehn?
Kann ich ganz auf Deine Treue bauen,
O so nimm mein Herz auf
ewig hin!
Immer bleibt es zärtlich Dir ergeben,
Auch wenn nie mein Blick Dich wiedersieht.
Wenn getrennt von Dir mein trübes Leben
Wie ein Seufzerhauch vorüber flieht.
Ach so viele heucheln nur Gefühle
Einer nie gekannten Innigkeit;
Und in dem zerstreuenden Gewühle
Endet schnell der Schwur der
Ewigkeit.
Darum will ich nicht Dir Treue schwören,
Aber fest und liebend halt' ich sie,
Und die Zukunft soll Dir
ewig lehren
Deiner Freundinn Herz vergißt Dich nie.
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Sophie Albrecht
(1757-1840)
Am Grabe eines Mädchens,
das sich selbst den Tod gab
Du – von deinen Schwestern längst vergessen,
Schlummernde! der Keine Thränen gab,
Fremde Hand umpflanzet mit Zypressen,
Armes Mädchen! dir dein stilles Grab.
Mild umschattet von der Dämmrung Flügel,
Von des Halmes Grille nur gehört,
Rollen Thränen auf den niedern Hügel,
Den dir hartes Mitleid kaum gewährt.
Ist kein freundlich Zeichen dir geblieben?
Nicht ein Kreuzmal oder Leichenstein? -
War der ganze Lohn für treues Lieben,
Nur dies Grab im düstern Eichen-Hain? -
Ruhig, Herz! – auch hier schläfst du im Frieden,
Und ein Gott der Liebe ruft auch dich
Zu der Palme, wo, von Leid geschieden,
Treue Liebe währet
ewiglich.
_____
An den Geliebten
Schrecklich wär's, wenn du mich verließest!
Deine Geliebte mit quälender Verachtung begegnetest, -
Dich los von meinem liebenden Herzen rissest,
Und mich mit der blutenden Wunde
Von dir stießest! -
Ach, ich würde im mütterlichen Thale
Verwais't umher wanken. -
Diese schöne Erde
Wäre mir die Wohnung des Elends.
Der Morgen brächte mir neue Thränen
Und in der nächtlichen Stille
Würde meine Klage lauter.
Doch bald würde meine Kraft ermatten,
Bald würde mir erscheinen
Das Siechthum – jene süße Dämmerung
Der
ewigen Nacht.
Ihr düstrer Schleier
Hüllt mitleidig die schrecklichen Gegenstände
In lindernde Schatten;
Und ihre Begleiterin, die Hoffnung,
Lispelt der Sinkenden von Gefilden,
Die sie jenseits des Todes kennt,
Wo Liebende sich wieder finden.
Aber schrecklicher wär's,
Wenn sie entflohen wären,
Die Stunden des Seyns,
Süß durch Deine Liebe;
Und ich noch taumelte
In glühendem Entzücken an deiner Hand,
Durch die Fluren der Erde
Für mich in ihrem besten Schmuck. -
Wenn der Morgen mich weckte zur Wonne
Und der Abend mit goldnen Träumen mir sänke,
Und es fiele das letzte Stäubchen
Der Stunde des Lebens.
Er, der unempfindliche Tod,
Der keine Jugend schont,
Keine Liebe kennt,
Griffe mit kalter Hand
Nach dem klopfenden, bebenden Herzen;
Meine brechenden Augen
Wagten den letzten Blick
nach dir und der schönen Welt -
Und der schreckliche Gedanke,
Die schreckliche Ahnung
Einer
ewigen Vernichtung
Umschlänge die zaudernde Seele.
Ich werde ihn nie wieder sehen,
Dieses Herz voll Liebe muß verwesen,
Die Erinnerung und die Hoffnung
Fliehen mit dem Leben!
Wer vermag die Schrecken des Augenblicks
Der Trennung ganz zu schildern? -
Doch der Tod reißt endlich
Das bangklopfende Herz
Aus der ächzenden Brust,
Und der Schweiß des Sterbenden
Löscht die Bilder seiner Angst.
Das Grab, wo keine Hoffnung wohnt,
Kennt keine Wünsche.
Wo keine Freude jauchzet,
Da schweiget der Schmerz.
Bitter ist der Kelch des Kummers
Am Grabe. -
Schrecklich der Tag des Scheidens
Ohne Hoffnung.
Aber entsetzlicher, wenn er schwände,
Der tiefe Schlaf im Grabe! -
Wenn die Verwesung nun
Das letzte Band von Erde
Der freien Seele lös'te.
Sie nun eilte zu Gefilden des Lichts
Durch die dämmernden Thäler des Erwachens,
Mit der unsterblichen Liebe für dich,
Im unverweslichen Herzen,
Mit heller Erinnerung
Der Seligkeiten in deinem Arm; -
Und – schaudernder Gedanke! -
Dich nicht fände! -
Jahrtausende dich suchte,
Wo
Ewigkeit die Hoffnung verbannt;
Des Lebens müde
Von Sonne zu Sonne irrte,
Wo kein vergessendes Grab winkt.
Dann, im Schooß der Morgenröthe
Wünscht sie sich in die Nacht des Grabes,
Und im Schimmer der Sternen-Laube
Sehnt sie sich in den Arm der Verwesung.
Reiche mir, Schicksal, reiche mir
Den Kelch des Kummers am Grabe! -
Ereile mich, Stunde des Todes,
Ohne Hoffnung! -
Gott! Nur laß mich nicht erwachen ohne ihn,
Hülle den Blick in
ewige Nacht
Der ihn nicht wiedersehen soll.
Zerstreut dieses Herz, ihr Winde -
Vernichte meine Seele, o Gott!
Wenn Trennung die
Ewigkeit kennt.
_____
Therese von Artner
(1772-1829)
Amors Schrift
Amor schreibt in Männerherzen
Mit der Kreide leichtem Zug;
Was daran vorüber schwebet,
Tilgt die Innschrift leicht genug.
Aber in der Weiber Herzen
Gräbt er, wie in festen Stein,
Mit dem Griffel und mit Schwärze
Der Geliebten Namen ein.
So, verwittert auch die Farbe,
Muß die tiefgeprägte Narbe
Dennoch
ewig sichtbar seyn.
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Rosa Maria Assing
(1783-1840)
Sonett
O dürft' ich dir doch meine Sehnsucht sagen,
Mit welcher liebend ich mich zu dir wende!
Nein, sehnender schaut nicht die Sonnenwende
Nach Phöbus hin in glanzerfüllten Tagen.
Oft frage ich mich mit geheimem Zagen,
Ob ich dir wohl ein Liebeszeichen sende?
Dann quälen wieder Zweifel mich ohn' Ende,
Daß ich kaum Blick noch Händedruck mag wagen!
Sollt' auch mein Lieben deines nie gewinnen,
Vergebens seyn mein Thun, mein eifrig Streben,
Und blieb' dir auch stets unerkannt mein Trachten:
Doch werd' ich
ewig dich nur einzig minnen,
In deinem Leben nur wird blühn mein Leben,
Und sollt' in Sehnsuchtsflammen ich verschmachten!
_____
Verschließung
Still verschlossen steht im Herzen,
Was mein Mund nicht zu dir spricht;
Ewig will geheim ich's denken,
Dir es sagen kann ich nicht.
Kalt und ruhig kann ich scheinen,
Herrschen über Blick und Mund;
Heimlich nur in stillen Thränen
Giebt sich meine Liebe kund!
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Erste Liebe
Thränen thauen still vom Auge nieder,
In Erinnrung längst entschwundner Lust;
Nie ach! hebt in solchem Glück sich wieder
Je so lebensvoll und warm die Brust
Als in jenen schönen Frühlingstagen,
Da zum erstenmal mich traf dein Blick,
Und ich ahnungsvoll mit süßem Zagen
Fühlte nahen mir der Liebe Glück.
Schön und golden flossen da die Stunden,
Hoch begeistert war mein junger Sinn;
Liebe, die ich damals tief empfunden,
Ist auf
ewig wie ein Traum dahin!
Vieles hat die Brust seitdem durchzogen,
Hohe Freude, tiefe Seelenpein,
Doch in des bewegten Lebens Wogen
Ging nie unter jener Tage Schein,
Der mir noch dein süßes Bild erhellet,
Das, ein Heiligthum, im Innern steht,
Und dem
ewig Schönen beigesellet
Nie in meiner Seele untergeht!
_____
Susanne von Bandemer
(1751-1828)
Und würde mir der Todesengel winken,
Ich müsste noch den Kelch der Liebe trinken,
Durch ihn gestärkt, fühlt' ich ein neues Leben
Den Busen heben.
Ein Himmelreich scheint mir die ganze Erde,
Und federleicht die drückendste Beschwerde,
Seit dem die Glut, die unsre Herzen nähret,
Die Welt verkläret.
O, komm Geliebter! den ein Gott mir wählte,
Der unsre Seelen
ewig treu vermählte:
Komm! und vergiss an Selma's treuem Herzen
Der Unruh Schmerzen.
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Die Liebe kann der Liebe im Entbehren
Mehr Süssigkeit, als Sinnenlust gewähren,
Denn das Entzücken, das sie giebt,
Bleibt von der Reue ungetrübt.
Im Geist' fühl' ich das ungestüme Streben
Des lieben Herzens mir am Busen Beben,
Das rein und treu sich mir geweiht
Bis zu der fernen
Ewigkeit.
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Die Liebe kennet keine Schranken,
Im Tode selbst wird sie nicht wanken;
Sie bleibt sich
ewig einerley.
Die Zeit kann nie dies reine Feuer mindern,
Kein Mensch, kein Gott! kann ihre Allmacht hindern,
Und felsenfest ist ihre Treu.
_____
Die Liebe trotzt des Schicksals Strenge,
Besiegt der Vorurtheile Menge,
Und stumpfet ab den Zahn der Zeit:
Sie lächelt schlau bey der Moral des Weisen,
Und spottet selbst des kalten Blut's des Greisen.
Ihr Ziel beschränkt die
Ewigkeit.
Wer nicht so fühlt, der weiss und kennet
Die Liebe nicht, die selbst getrennet,
In ihrer ganzen Fülle Kraft,
Nur
ewig nach dem Einen strebet,
Sich selbst vergessend, nur dem Einen lebet,
Der ihr die Welt zur Wüste schafft.
_____
Gabriele von Baumberg
(1768-1839)
Die Zeit
Die Zeit zerstört und baut Paläste,
Streut bunte Blumen auf die Flur:
Verschlingt des Nachruhms Ueberreste,
Und lässt dem Enkel keine Spur:
Mit unersättlichem Behagen
Nagt sie am Denkmal mancher Gruft;
Zwar mildert sie des Unmuths Klagen
Durch sie zerfliesst der Gram in Luft.
Oft nährt, oft löschet sie die Flamme,
Die Leidenschaft im Busen birg't;
Oft untergräbt sie schlau am Damme
Womit Vernunft entgegen wirkt.
Sie kann, was Menschen selten können,
Sie setzet Schranken jedem Schmerz,
Vereint oft, was die Menschen trennen,
Giesst Balsam in das wunde Herz.
Zwar wieget sie die stärksten Triebe
In Schlummer ein, nach Sturm und Braus;
Doch die Erinnrung Erster Liebe
Tilgt selbst die
Ewigkeit nicht aus! –
_____
Friedrich Bouterwek
(1766-1828)
Nach der Trennung
Allein, im Kampf mit unsichtbaren Mächten,
Erblick' ich mich. Verhaßtes Selbstgefühl!
Ich sehe Licht in kalten Mitternächten,
Und bin im Sturm der Elemente Spiel.
Was ringst du, müder Geist, mit kühnem Flügel
Nach jenen Höhen, wo die Wahrheit siegt?
Dich hält das Schicksal unter Schloß und Riegel.
Du ringst umsonst, und deine Kraft erliegt.
D'rum schäme dich nicht weiter deiner Thränen!
Die rette dir! und weine, weil du bist!
Und gönn' es dir, im schönen Traum zu wähnen,
Daß Liebe, wie die Wahrheit,
ewig ist.
Durch Liebe strahlt ein Gott aus allen Sternen,
Auch wenn die Hand des Todes dich ergreift.
O, müder Geist, wenn wirst du leichter lernen,
Wie liebend auch der Mensch zum Gotte reift?
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Louise Brachmann
(1777-1822)
Macht der Treue
Die Liebe klagt mit nassem Blick,
Daß schnell die Zeit entflieht,
Daß sie ihr kaum umfaßtes Glück
Ihr noch so bald entzieht.
Die Blume glänzt; die Nachtigall
Besingt das Wonnefest.
Ach, bald verstummt der süße Schall!
Die Blum' entfärbt der West.
Der Abend kommt zurück ins Thal,
Doch fern' ist Wonn' und Glück,
Es hellt nicht mehr der Mondenstrahl
Des Lieblings holden Blick.
Doch herrscht nicht ob der Zeiten Flug
Der Liebe Göttermacht?
Was auch dahin der Wechsel trug,
Voll Stern' ist ihre Nacht.
Still zieht sich in sich selbst zurück
Das liebende Gemüth;
Da wird es hell dem matten Blick,
Der Frühling glänzt und blüht.
Die Treue ruft zurück die Zeit
Mit all der süßen Lust.
Sie liebt, und trägt die
Ewigkeit
In ihrer tiefen Brust.
_____
Gottfried August Bürger
(1747-1794)
Wie um ihren Stab die Rebe
Brünstig ihre Ranke strickt;
Wie der Epheu sein Gewebe
An der Ulme Busen drückt;
Wie ein Taubenpaar sich schnäbelt
Und auf ausgeforschtem Nest,
Von der Liebe Rausch umnebelt,
Haschen sich und würgen läßt:
Dürft' ich so dich rund umfangen!
Dürftest du, Geliebte, mich!
Dürften so zusammenhangen
Unsre Lippen
ewiglich! –
_____
Adelbert von Chamisso
(1781-1838)
Ich kann's nicht fassen, nicht glauben,
Es hat ein Traum mich berückt;
Wie hätt' er doch unter allen
Mich Arme erhöht und beglückt?
Mir war's, er habe gesprochen:
Ich bin auf
ewig dein -
Mir war's - ich träume noch immer,
Es kann ja nimmer so sein.
O laß im Traume mich sterben,
Gewieget an seiner Brust,
Den seligsten Tod mich schlürfen
In Tränen unendlicher Lust.
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Eid der Treue
Mißtrauest, Liebchen, du der flücht'gen Stunde,
Des Augenblickes Lust?
Bist Brust an Brust du nicht, und Mund an Munde,
Der
Ewigkeit bewußt?
Ich soll nur dir, und ewig dir gehören;
Du willst darauf ein Pfand:
Wohlan! ich will's mit kräft'gem Eid beschwören,
Ich hebe meine Hand:
Ich schwör's, elftausend heilige Jungfrauen,
Bei eurem keuschen Bart;
Bei Jakobs Leitersprosse, die zu schauen
In Mailand wird bewahrt;
Ich schwör es noch, zu mehrerem Gewichte -
Ein unerhörter Schwur! -
Beim Vorwort zu des Kaisers Karl Geschichte,
Und bei des Windes Spur;
Beim Schnee, der auf dem Libanon gefallen
Im letzt vergangnen Jahr;
Bei Nihil, Nemo, und dem andern allen,
Was nie sein wird noch war.
Und falls ich dennoch jemals untreu würde,
Vergäße jemals dein,
So soll mein Eid verbleiben ohne Würde,
Und ganz unbündig sein.
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Für Madame Adelbert
Ob ich dich liebe?
kannst du wohl es fragen?
Und können Worte deine Zweifel heben?
Die einz'ge Antwort ist das volle Leben.
Fürwahr, die Worte wissen's nicht zu sagen.
Ob
ewig lieben werde? Zu beklagen
Ist die, der Schwüre nur Gewißheit geben;
Sind Schwüre doch nur Schwüre, Worte eben,
Wie welkes Laub im Winter anzuschlagen.
"Wie kannst du, roher Mann, mich so betrüben?
Was kann ich, Böser, Guter, sonst begehren,
Als, was mich freut, aus deinem Mund zu hören?"
Du reinster, frommster, aus der Engel Chören,
Und mein, mein Kind, mein Weib, mein, sonder Wehren
Mein ganzes Sein, mein Leben und mein Lieben!
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Helmina von Chézy
(1783-1856)
Ich kenn ein' Rose wundersüß,
Die Rose ist das Paradies,
Von zarten Lippen ist's ein Kuß,
Nach dem ich
ewig schmachten muß -
Du, aller Huld und Schönheit reich,
Gieb mir den Kuß, den Tod zugleich!
_____
An *
Nicht immer durch verwandtes Streben
Ist Herz dem Herzen nah verwandt,
Nur gleiches inn'res Herzensleben
Schließt
ewig fest der Treue Band!
_____
Lebe wohl, geliebte Seele,
Der ich meine Pein verhehle,
Bist du doch in Thränen mein!
Muß ich hoffnungslos dich meiden,
Nichts soll mich von Liebe scheiden:
Niemals dein, und
ewig dein!
_____
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Gruss
O wie selig ward mir!
Im Lande wandl ich,
Wo Hudhud über den Weg läuft.
Des alten Meeres Muscheln,
Im Stein suche ich die versteinerten;
Hudhud lief einher,
Die Krone entfaltend,
Stolzierte, neckischer Art,
Über das Tote scherzend,
Der Lebendge.
Hudhud, sagt ich, fürwahr!
Ein schöner Vogel bist du.
Eile doch, Wiedehopf!
Eile, der Geliebten
Zu verkünden, daß ich ihr
Ewig
angehöre.
Hast du doch auch
Zwischen Salomo
Und Sabas Königin
Ehemals den Kuppler gemacht.
_____
Wonne der Wehmut
Trocknet nicht, trocknet nicht,
Tränen der
ewigen
Liebe!
Ach, nur dem halbgetrockneten Auge
Wie öde, wie tot die Welt ihm erscheint!
Trocknet nicht, trocknet nicht,
Tränen unglücklicher Liebe!
_____
Suleika
Wie mit innigstem Behagen,
Lied, empfind ich deinen Sinn!
Liebevoll du scheinst zu sagen:
Daß ich ihm zur Seite bin.
Daß er
ewig
mein gedenket,
Seiner Liebe Seligkeit
Immerdar der Fernen schenket,
Die ein Leben ihm geweiht.
Ja! mein Herz, es ist der Spiegel,
Freund ! worin du dich erblickt,
Diese Brust, wo deine Siegel
Kuß auf Kuß hereingedrückt.
Süßes Dichten, lautre Wahrheit
Fesselt mich in Sympathie!
Rein verkörpert Liebesklarheit
Im Gewand der Poesie.
_____
Johann Christian Günther
(1695-1723)
ALS SIE AN SEINER TREU ZWEIFELTE
MEIN Kind, was zweifelstu an meiner Redligkeit,
Die ihres gleichen doch in deiner Brust verspüret?
Wo meiner Adern Blut nur einen Tropfen führet,
Der sich nicht tausendmahl vor dich zu sterben freut,
So wüntsch ich ihm den Fluch, den Ebals Felsen dräut
Und Cains Fuß erfährt; der Stern, so mich regieret,
Und deßen Trieb in mir die reine Glut gebiehret,
Folgt nicht wie ein Planet dem Wechsel dieser Zeit.
Mein Sinnbild ist ein Ring, der Denckspruch: Sonder Ende;
Denn wer nicht
ewig liebt, der liebet nimmermehr.
Mein Engel, giebstu nun dem Argwohn kein Gehör,
So lege mir dein Herz in die getreuen Hände.
Ich sichre, diesen Schaz wird deinem Saladin
Kein Räuber, kein Verlust, auch nicht der Tod entziehn.
_____
DU Engel, den mir Gott so unverhoft gesand,
Die Lust der
Ewigkeit schon in der Welt zu schmecken,
Nimm hier den Abschiedskuß noch einmahl von der Hand,
Da Nerven, Zung und Mund vor Wehmuth stehn und stecken,
Und glaube, daß mein Herz in heißem Blute schwimmt,
Da unsers Umgangs Scherz so früh ein Ende nimmt.
_____
Ludwig Christoph Heinrich
Hölty (1748-1776)
DER KUSS
Ward Unsterblichkeit mir? Stieg ein Olympier
Mit der Schale herab? Bebte sein goldner Kelch,
Voll der Trauben des Himmels,
Um die Lippe des Taumelnden?
Wehe Kühlung mir zu, wann du mir wiederum
Reichst den glühenden Kelch, daß mir die Seele nicht
Ganz im Feuer zerfließe;
Wehe, wehe mir Kühlung zu!
Unter Blüthen des Mays spielt' ich mit ihrer Hand;
Kos'te liebelnd mit ihr, schaute mein schwebendes
Bild im Auge des Mädchens;
Raubt' ihr bebend den ersten Kuß!
Ewig strahlt die Gestalt mir in der Seel' herauf;
Ewig flieget der Kuß, wie ein versengend Feur,
Mir durch Mark und Gebeine;
Ewig zittert mein Herz nach ihr!
_____
Johann Georg Jacobi
(1740-1814)
An **
Entfliehe nicht! du hörst ja keine Klagen;
Kein nasser Blick und keine Seufzer sagen,
Was tief mein Herz in sich verschließt.
Noch immer war mein einziges Verlangen,
Dieß Sonnenlicht zu sehn auf deinen Wangen,
In dieser Luft, die dich umfließt.
O könnt' ich nur, o könnt' ich, ungesehen,
Mein Leben lang an deiner Seite gehen,
Und Tag und Nacht dein Engel seyn!
Du solltest nichts von meiner Liebe wissen;
Ich wollte gern den Lohn der Treue missen,
Und bliebe doch auf
ewig dein.
_____
Theodor Körner
(1791-1813)
In der Nacht
Ich bin dir nah, nur eine dünne Mauer
Trennt mich von dir.
Du träumst wohl schon im sanften Schlummerschauer,
Vielleicht von mir.
Auf diesem Pfühl, der oft in heil'ge Weihe
Dich eingewiegt,
Ruht jetzt dies Herz, das dir voll Mut und Treue
Entgegenfliegt.
Mir ist's, als blühten aller Sehnsucht Keime
Melodisch auf,
Als fliegen geisterflüsternd deine Träume
Zu mir herauf.
Ich fühle plötzlich in den dunklen Locken
Ein leises Wehn;
Die Ahnung ruft, die vollen Adern stocken,
Die Pulse stehn. -
Es war dein Geist, und heilig auf der Wange
Fühlt' ich den Kuß;
An deiner Lippen küssendem Gesange
Kannt' ich den Gruß.
Es war dein Geist! Es war der Hauch der Liebe!
Hast mein gedacht!
O, daß sie
ewig,
ewig,
ewig bliebe
Die schöne Nacht!
_____
Ludwig Gotthard
Kosegarten (1758-1818)
Also liebst du mich,
Meine Wonna?
Du meine erwählte,
Meine auserkorne geliebteste Braut!
Ja, du liebest mich!!
Du hast mir's geschworen,
Du hast mir's geweint,
Daß
ewig,
ewig die Meinige, du! - -
Wonna, die Meine!
Meine Wonna! Sie ist die Meine!
Mir säuselt's ihr Odem,
Mir rauscht es ihr Liebeskuß.
Mir lispelt's jedes halb hergestammeltes Wort:
Ich bin die Deine!
Ewig,
ewig die Deine!!!
_____
Jede Blüthe verweht, welche der Lenz gebar.
Jede Schöne verwelkt, welche dem Staub' entsproß. -
Doch die schönere Seele
Blüht unsterblichen schönen Lenz.
Ewig jugendlich blüht meine Odalia.
Jeden kehrenden Lenz schöner und blühender.
Jeden rollenden Aeon
Reiner, edler, vollkommener!
Ewig flammet die Gluth heiliger Simpathie.
Nie ermattet der Zug, welcher mich zu dir zog,
Meine Reine, als Ahndung
Deines Werthes mein Herz ergriff.
_____
Jakob Michael Reinhold
Lenz (1751-1792)
Als Widmung
Fühl alle Lust, fühl alle Pein
Zu lieben und geliebt zu sein,
So kannst du hier auf Erden
Schon
ewig selig werden.
_____
Max von Schenkendorf
(1783-1817)
Liebe
O Liebe, du Morgentraum,
Geboren kaum
Und weise wie die
Ewigkeit,
Im Greisenhaar
Noch mild und klar,
Noch fühlend und spielend
Wie Kindlein in der Weihnachtszeit.
O Liebe, du Zauberwort,
Klingst fort und fort
Wie Wellenschlag der
Ewigkeit;
Du Melodie
Und Harmonie
Von Wonnen - zerronnen
In Tönen fließet Raum und Zeit.
O Liebe, von dir empfing
Der Schmetterling
Des Blüthenlebens zarten Keim.
Ha Wonnepreis!
Im Blumenkreis
Zu nippen mit Lippen
Die Küsse gleich dem Honigseim.
O Liebe, du Lebensquell,
Du Bächlein hell,
Verbreitest Kühlung um mich her,
O labe mich,
Ich sink' in dich
So selig, so wählig
Wie Fischlein in dem Muttermeer.
_____
Elise Sommer (1767-1836)
An Selmar
Nie vergeß' ich jener schönen Stunde,
Wo du mir am bangen Busen lagst,
Und mit süßem zauberischem Munde:
»Meines Herzens Freundinn!« sprachst;
Wo dein Herz an meinem Herzen ruh'te,
Wo dein Arm mich liebevoll umfieng;
Keine
Ewigkeit tilgt die Minute! -
Wenn auch heut' das Weltall unterging,
Würd' ich dieses Wonnetages denken;
Er glänzt hoch in seiner Brüder Zahl!
Eine Thräne will ich ihm noch schenken,
Wenn ich steh' am dunklen Todesthal.
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Höchste Wonne
Selig der, dem reine Herzensgüte,
Zartgefühl den Busen höher hebt,
Dem der Thränen seligste entschwebt,
In des Lenzes wollustvoller Blüthe!
Der mit menschenfreundlichem Gemüthe
Blassen Gram, der matt in Thränen bebt,
Bald zu lindern schonend sich bestrebt,
Dessen Herz für Menschenwohl stets glühte!
Köstlich ist's, an eines Freundes Brust
Sympathie bei Schmerz und Lust zu finden,
Näher dann mit ihm sich zu verbinden!
Aber höher, süsser ist die Lust,
Wenn sich edle Herzen glühend sagen:
Dass sie
ewig für einander schlagen!
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Christine Westphalen
(1758-1840)
Liebe ward den Millionen Leben
Hier ein unzertrennlich schönes Band;
Ward vom Jenseit ihnen mitgegeben,
Als des Daseyns unverkennbar Pfand.
Liebe lehrt der Menschen Brust empfinden,
Die von hohen Wonnen überfließt,
Wenn, auf
ewig treu, sich Herzen binden,
Und der Geist im Andern sich genießt.
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Liebe schafft zum Himmel sich die Hütte;
Liebe lebt, in sich ihr ganzes Seyn!
Liebe flügelt geistiger die Schritte:
Trennt vom Wesen Tand und leeren Schein;
Leben ist sie, Hoffen und Genießen,
Traum und Wirklichkeit, Gefühl und Sinn.
Ihre Ströme müssen
ewig fließen;
Ihre Gottheit hebt zu Sternen hin!
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Der himmlische Amor
Erster der Götter, vor allem Erzeugeten warest du, Amor!
Regtest Chaos und Nacht; da ward der Äther, der Tag.
Finsterm und Tiefem entstieg das Erhab'ne; allmächtige Liebe
Rief es zum
ewigen Licht, Liebe, die göttliche Kraft!
Niemals kehret zurück zu dem Rohen Gebildetes; denn was
Himmlische Lieb' uns erschuf, das ist auch
ewig wie sie.
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19./20. Jh.
Alexis Adolphi
(1815-1874)
Ein Traum
Einmal noch im Abendstrahle
Wollt' ich auf dem Berge stehn,
Einmal noch zum grünen Thale
Meinem Lieb entgegensehn.
Ha, wie ich sie da erblickte!
Wie sie leis und linde kam,
Weinend an das Herz mich drückte
Und auf
ewig Abschied nahm! -
Aus dem Schlaf hat mich gerissen,
Herz, dein Klopfen wild und schwer:
Naß von Thränen war mein Kissen,
Tiefe Nacht lag um mich her ...
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Sophie Alberti
(1826-1892)
Ich bin ein Weib! – und mit gebundnen Händen
Kann für mein Lieben ich nicht kämpfen, wagen,
Darf keinen Strahl aus meinem Herzen senden,
Ihm, was so lang dort lebt und glüht, zu sagen.
Und seh' ich ihn, so darf das Hochentzücken
Doch nimmermehr aus meinen Augen leuchten,
Oft will das Herz vor heißem Weh ersticken,
Doch keine Thräne darf die Wimper feuchten.
Wohl gilt ihm nichts mein Lieben und mein Leben,
Doch könnte das ihm Erdenglück erwerben:
Ich wollte tropfenweis mein Herzblut geben,
Mir wär' es Seligkeit, für ihn zu sterben.
Ich bin ein Weib! – was ist mir denn geblieben?
Nichts als ihn lieben, still, doch
ewig lieben.
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Theodor Apel (1811-1867)
Der holden Wange liebliches Erröthen
Gewährte mir nur unbestimmte Kunde,
Mehr sprach Dein Lächeln, mit dem Blick im Bunde,
Daß Deine Lippen nicht mein Wort verböten.
Doch jeden Zweifel muß ich jetzt ertödten;
So töne denn das Wort aus Deinem Munde:
Ist mir genaht des Lebens schönste Stunde,
Soll ich vergehn in Schmerz und Liebesnöthen?
Du senkst erglühend stumm die Augenlieder,
Doch ruht die Hand geduldig in der meinen,
Und langsam hebt sich schon das Auge wieder.
Da beug' ich mich zu meiner lieben Kleinen,
Zu ihren lächelnd süßen Lippen nieder,
Im stummen Kuß uns
ewig zu vereinen!
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Ich sah Dich krank und Deine Wang' erbleichen;
Es war im Traume nur, doch auch erwacht
Bedrängte mich der Sorge düstre Macht,
Und wollte nicht aus meinem Busen weichen.
Es treibt mich fort, Dir nahe mich zu schleichen;
Und es gelingt; ich lausche still und sacht -
Da stehst Du in der Jugendblüthe Pracht,
An Reiz und Anmuth Keiner zu vergleichen.
Wol ist die Angst aus meiner Brust entschwunden,
Vom Zauber Deiner Gegenwart beschworen,
Doch neuer Schmerz wird nun von mir empfunden.
Ich sehe Dich, die einst mein Herz erkoren,
Der ich mit ganzer Seele war verbunden,
Und
ewig,
ewig bist Du mir verloren!
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Hugo Ball (1886-1927)
Ewige Liebe
O wüsste ich nicht, dass die Sterne verbluten,
O wär es nicht wahr, dass die Sonne lischt,
O dürft ich Dich lieben mit flammenden Gluten,
Ach, und sie stürben, sie stürben nicht!
O könntest Du bleiben, o könntest Du weilen,
O liessest Du niemals mich, nie allein,
O dürfte ich
ewigen Traum mit Dir teilen,
O dürftest Du
ewig mein eigen sein!
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Lisa Baumfeld (1877-1897)
Sehnsucht
"... Psyche, my
soul." ... Edgar Poe
Du hast dereinst in heissen Stunden
Oft weinende, wünschende Sehnsucht empfunden,
Oft glühend begehrendes, drängendes Brennen,
Den
ewigen Urquell des Seins zu erkennen
Und lichtgesättigt ... erkennend vergeh'n ...
Du hast oft dämm'rig verträumtes Weh'n
Und leises, lindlallendes Sehnen gefühlt
Nach mildem Balsam, der Wunden kühlt,
Nach schlummernder, stillender Friedensnacht ...
Dann wolltest du duftende, klingende Pracht
Und
ewiger Schönheit berauschende Flut
Und
ewiger Liebe beglückende Glut ...
Und immer hast du dich gesehnt und gequält
Nach dem Einzigen, Einen, das immer dir fehlt',
Und hast dereinst in heissen Stunden
Oft weinende, wünschende Sehnsucht empfunden ...
Das ist vorbei ... du bist so stille!
Verstummt all dein irrender, rastloser Wille,
Verstummt ist das alte, süss-traurige Lied,
Das dich so oft gequält, gemüht,
Und endlich magst du glücklich sein!
Doch meine Seele seufzet: - Nein,
Mir ist so eisig, eisig' kalt!
Ich wollt', sie käme wieder bald!
Das schmächtige, duftige, todkranke Weib,
Mit
ewig verlangendem, bebendem Leib
Und
ewig verlangenden, schmerzlichen Blicken ...
Denn Schmerz und Verlangen ist höchstes Entzücken ...
Und süsser Genuss sind todtraurige Lieder ...
Ich sehne, ich sehne nach Sehnsucht mich wieder!
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Julie von Bechtolsheim
(1751-1847)
Seh' ich dich wieder, du freundliches Blau?
Fühl' ich dich, glühende Sonne?
Trink' ich des Lenzes erquickenden Thau,
Strömend aus Quellen der Wonne?
Seh' ich der
ewigen Liebe Spuren
Neu sich verkünden in allen Naturen?
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Frühling, du Bote der schöneren Welt!
Bild des erneuerten Lebens!
Selig, wer tröstend durch dich erhellt,
Träumt nicht und hofft nicht vergebens;
Der aus dem Samen, gestreuet mit Thränen,
Erntet die Frucht von dem
ewigen Sehnen!
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Frida Bettingen
(1865-1924)
Elegie
Ewige Liebe,
Du große Bildnerin.
Deines Geistes göttlichen Hauches
willige Form bin ich.
Beglückt, und beglückend.
Aber eine Träne sei mein.
Die schlummre als ein Tropfen köstlichen Taues
im Schoße einer, unter abendlichen Himmeln
fromm sich faltenden Blume.
Droben,
in klarer Almluft.
Bei den schaukelnden Gräsern.
Wo die Psalmen der Berge lobsingen.
Denn Du gabst mir, mein Gott
schweigsamer Träger zu sein
eines, in erhabener Zucht gereiften,
duldenden Herzens.
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Priesterin
ewig unnennbarer Liebe
Ich bin durch ein zartes Herz hindurchgeglitten
in das erhabene Herz der Erde.
Ich bin aller Dinge Wesen, Wanderschaft,
Abendziel, Geburt und Sterbegebärde.
Ich bin Sättigung aller Meere, und Durst.
Oh, meine Freunde, dürstet!
Heiliger Durst beseelt …
Ich bin mit Acker und Menschengebeten
und dem All-Odem der heiligen Sterne
vermählt:
Priesterin
ewig unnennbarer Liebe.
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Rudolf G. Binding
(1867-1938)
Schlief die Liebe daß sie nun erwachte,
da sie keiner von uns aufgeweckt?
da es keiner wagte, keiner dachte,
da wir zitterten vom Glück erschreckt?
Nacht umstand uns und die Sterne zogen
uns vorbei zu stillen Bergen hin.
Lied der Grillen schwang und Düfte flogen
über unsre offenen Seelen hin.
Nichts geschah und alles war geschehen:
Ewiger Augenblick hat uns betaut.
Wir gestanden ohne zu gestehen
da uns Schweigende die Nacht vertraut.
Stumm Beseelte so des Glückes voll
daß wir sterbend unsre Hände faßten -
bis der erste Vogelruf erscholl
und die Sterne über uns verblaßten.
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Die zu weihen liebend er gedacht hat
hebend sie vom Grund mit guten Händen:
niemals werden nun die Brände enden
in dem Leib den sehnend er entfacht hat.
Von den Stürmen meines Glücks umfangen
steh ich taumelnd in den heiligen Flammen
seiner Küsse und in eins zusammen
stürzt die Weihe, stürzt das Neu-Verlangen.
Die in Scham und Schmach so tief verwirrt ist,
die in seinem Kuß so tief verirrt ist
wie in
Ewiges -: ich brenne dehne
mich zu endlosem Sich-ihm-Verschwenden.
Wie soll dies Unendliche je enden
da ich
ewig ihn unendlich sehne?
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Friedrich von Bodenstedt
(1819-1892)
Seit deiner Augen Himmelsglanz
Mir in das Herz gestossen,
Hat sich das Weltgeheimniß ganz
Dem innern Blick erschlossen.
Was dunkel war in Raum und Zeit,
Ist nun in Licht verschwunden,
Ich habe die
ewige Seligkeit
Genossen in Sekunden.
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Verständigung
Wir haben nicht Ringe gewechselt,
Das Herz zu legen in Banden;
Wir haben nicht Phrasen gewechselt,
Und haben uns doch verstanden.
Wir haben nicht Eltern, noch Sippen
Dabei zu Rath gezogen -
Es haben Herzen und Lippen
Alleine Rath gepflogen.
Ein Blick herüber, hinüber,
Ein Kuß - ich hielt dich umwunden -
Die Herzen flossen uns über,
Wir waren auf
ewig verbunden.
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Udo Brachvogel
(1835-1913)
Ewig mich zu fesseln ringeln Locken sich um Dein Genick,
Die zu Kettenringen schmiedet Deines Auges Feuerblick.
Anmuth leiht Dein Lächeln Jedem, der berühret Deinen Saum,
Kehrt in schwellende Bewegung auch das größte Ungeschick.
Vor Dir lichten sich die Schaaren, wenn Du schwebst in leichtem Tanz,
Staunend weicht des Volks Gewühl Dir, sei es noch so dicht und dick.
Einmal schaut' ich Dich, und schauend schon Dich liebend auch beschloß
An Dein Wort und an Dein Lächeln ich zu ketten mein Geschick.
Jetzt zwar bin ich ungeliebt noch, dennoch leg' zu Füßen ich
Eine Seele Dir voll Sehnsucht, eine Seele voll Musik.
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Du sprachst: "Ich schlinge mich um Dich wie Reben,
Mein Blumenarm soll
ewig Dich umbeben;
Du bist der Eichenstamm, der Schutz mir leihet.
Raum kann der Stamm zwar vielen Ranken geben,
Die treue Rebe hängt an einem Stamm nur.
Wie fest auch and're sich um Dich noch weben,
So fest, so treu wie ich vermag es keine;
Untreu' ist nur dem Manne zu vergeben,
Denn seine Lieb' ist nur ein Lebensabschnitt, -
Doch Weibesliebe ist ein ganzes Leben!"
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Du weisest von Dir meine Liebe,
Und meiner Lieder spottest Du;
Du willst es so, und traurig schließt sich
Die wohllautvolle Lippe zu.
Könnt' ich statt in Musik und Rede
Verströmen meines Herzens Blut
In Blumen schön wie Blumenträume,
Wie aufgeküßt von Mährchengluth!
Der
Ewigkeit wollt' ich entsagen,
Verzichten auf des Ruhmes Kranz,
Könnt' ich nur einmal diese Blumen
Vermählen Deiner Locken Glanz.
Du würdest mir vorüberschreiten,
Und ganz und voll wär' ich beglückt:
Ich hätte ja mit meinem Leben,
Mit meiner Seele Dich geschmückt!
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Clemens Brentano
(1778-1842)
Fest umschling' ich dich von dir umschlungen
Stirbt in unsrem Arm die rege Zeit
Und es wechseln schon des Lichtes Dämmerungen
Starb schon Gestern wird schon wieder heut.
Wenn die lieben Sterne schon ermatten
Wechseln wir noch heimlich Seligkeit
Träumen in den tiefen dunklen Schatten
Flehend und gewährend
Ewigkeit.
Fest an dich gebannt in dich verloren
Zähle ich an deines Herzens Schlag
Liebestammelnd jeden Schritt der Horen
Scheidend küsset uns der junge Tag.
_____
Wilhelm Busch (1832-1908)
Seid mir nur nicht gar zu traurig,
Daß die schöne Zeit entflieht,
Daß die Welle kühl und schaurig
Uns in ihre Wirbel zieht;
Daß des Herzens süße Regung,
Daß der Liebe Hochgenuß,
Jene himmlische Bewegung,
Sich zur Ruh begeben muß.
Laßt uns lieben, singen, trinken,
Und wir pfeifen auf die Zeit;
Selbst ein leises Augenwinken
Zuckt durch alle
Ewigkeit.
_____
Carl Busse (1872-1918)
Ewige Liebe
Du kommst im Traum der Frühe
Oft an mein Bett geschwebt,
Wenn sich zu Sorg' und Mühe
Der junge Tag schon hebt.
Ich fühl's, wie sich in Thränen
Mir 'was aufs Herze legt.
Du horchst, ob noch in Sehnen
Mein Herz nach deinem schlägt.
Und mag's dir
ewig frommen,
In meinem Traum zu sehn:
In Thränen wirst du kommen
Und lächelnd wirst du gehn.
_____
Carmen Sylva (1843-1916)
Ewige Liebe
Wars daß der dunkle Tannebaum
Die Buche sich erkor?
War sies, die sich im Jugendtraum
In seinem Arm verlor?
Sie halten sich umschlungen fest
Für alle Lebenszeit,
Es schmückt sein düsteres Geäst
Ihr wechselnd Farbenkleid.
Und da ihr Kleid zur Erde fällt,
Schützt sie sein starker Arm,
Vor eisig kalter, rauher Welt
Hält er die Zarte warm.
Und wenn im Frühling er sein Weib
Sieht jugendfrisch erblühn,
Vor Freude schmückt den alten Leib
Er selbst mit jungem Grün.
_____
Peter Cornelius
(1824-1874)
An die große Glocke hängen
An die große Glocke hängen
Will ich meine Liebe nicht,
Daß man auf des Marktes Gängen
Nicht von meiner Liebe spricht.
Doch von Blumenglocken sage
Schweigsam duftiges Geläut',
Daß ich dich im Herzen trage
Immer,
ewig so wie heut'.
_____
Treue
Dein Gedenken lebt in Liedern fort;
Lieder, die der tiefsten Brust entwallen,
Sagen mir: du lebst in ihnen allen,
Und gewiß, die Lieder halten Wort.
Dein Gedenken blüht in Tränen fort;
Tränen, aus des Herzens Heiligtume
Nähren tauend der Erinn'rung Blume,
In dem Tau blüht dein Gedenken fort.
Dein Gedenken lebt in Träumen fort;
Träume, die dein Bild verklärt mir zeigen,
Sagen: daß du
ewig bist mein eigen,
Und gewiß, die Träume halten Wort.
_____
Der
Ewigkeit hatt' ich mit Beben,
Mit Grauen gedacht,
Nicht hofft' ich einst zu entschweben
Dunkler Todesnacht.
Da wollte Gott mich erheben,
Zu denken ein
ewiges Leben
Gab Liebe Macht:
Denn Liebe wird nimmer zu nichte,
Sie bleibet im himmlischen Lichte
Allewig entfacht.
_____
Die Lieb' hat keine Schrank' im Raum
Die Lieb' hat keine Schrank' im Raum,
Nah oder fern ist da nur Traum.
Die Lieb' hat keine Schranke der Zeit,
Ewig und jetzt ist da unentzweit,
Du bist mein Herz, mein Lieb, mein Stern!
Schrankenlos,
ewig, nah und fern!
_____
Max Dauthendey
(1867-1918)
Die Sonne sank ...
Es wird so dunkel, und mir wird so bang.
Die Trennung von der Liebsten ist so lang.
Ich zittre, liege still und atme kaum, -
Ein Blitz fiel geisternd durch den Himmelsraum.
Ich bin so schreckhaft wie ein Wild im Wald.
Die Sonne sank; und kehrt sie wieder bald,
So hab' ich nur das eine stets gedacht:
Fern von der Liebsten ist es
ewig Nacht.
_____
Gern höre ich Vögel mit runden Kehlen
Von jeder Mauer den Winden sagen:
Ihr dürft nicht das Lachen nach seiner Dauer
Und Liebe nicht nach der
Ewigkeit fragen.
Und Rosen, versunken in ihren Büschen,
Höre ich trunken und lautlos sagen:
Liebe ist eine zerbrechliche Krone,
Du mußt sie vorsichtig auf Händen tragen.
Verwundert seh' ich die zagenden Menschen
Noch Fragezeichen zum Nachthimmel tragen;
Ich leg' meinen Kopf in den Schoß der Geliebten,
Und gelöst sind für Himmel und Erde die Fragen.
_____
Die Uhr zeigt heute keine Zeit
Ich bin so glücklich von deinen Küssen,
Daß alle Dinge es spüren müssen.
Mein Herz in wogender Brust mir liegt,
Wie sich ein Kahn im Schilfe wiegt.
Und fällt auch Regen heut ohne Ende,
Es regnet Blumen in meine Hände.
Die Stund', die so durchs Zimmer geht,
Auf keiner Uhr als Ziffer steht;
Die Uhr zeigt heute keine Zeit,
Sie deutet hinaus in die
Ewigkeit.
_____
Und zimmerte dir und mir ein Bett
Ich schlug vom Weltenbaum ein Brett
Und zimmerte dir und mir ein Bett.
Die Betten wuchsen glühend zusammen,
Und drinnen wiegen sich lauter Flammen.
Nicht Eisen, nicht Zeit kann die Betten je trennen,
Sie werden hell durch die
Ewigkeit brennen.
_____
Richard Dehmel
(1863-1920)
Jetzt und immer
Seit wann du mein - ich weiß es nicht;
was weiß das Herz von Zeit und Raum!
Mir ist, als wärs seit gestern erst,
daß du erfülltest meinen Traum,
mir ist, als wärs seit immer schon,
so eigen bist du mir vertraut:
so
ewig lange schon mein Weib,
so immer wieder meine Braut.
_____
Lobgesang
Wie das Meer
ist die Liebe:
unerschöpflich,
unergründlich,
unermeßlich:
Woge zu Woge
stürzend gehoben,
Woge um Woge
wachsend verschlungen,
sturm- und wetter-geberdig nun,
sonneselig nun,
willig nun dem Mond
die unaufhaltsame Fläche -
doch in der Tiefe
stetes Walten ewiger Ruhe,
ungestört,
undurchdringbar dem irdischen Blick,
starr verdämmernd in gläsernes Dunkel -
und in der Weite
stetes Wirken
ewiger Regung,
ungestillt,
unentwirrbar dem irdischen Blick,
wild verschwimmend im Licht der Lüfte:
Aufrausch der Unendlichkeit
ist das Meer
ist die Liebe.
_____
Carl Ferdinand
Dräxler-Manfred (1806-1879)
Wer mochte da noch grübeln, wo die Stunde
Mit allen Freudezaubern ihn umsponnen?
Wo, wie aus eines Füllhorns reichem Munde,
Sich
ewig niedersenkten neue Wonnen.
O süße Zeit!
Wo Liebesseligkeit
All ihren Glanz und ihre Strahlenspenden
An dieses Herz gewürdigt zu verschwenden,
Um dieses Leben zu durchsonnen.
_____
Ein Talisman ruht deine weiche Locke
Auf meinem Herzen zaubervoll,
Erinnernd, wie die Welt es auch verlocke,
Wen es für
ewig lieben soll.
Nicht schönern Grabstein hat ein Herz gefunden,
Als dieses blonde Lockenmonument,
Das mit dem ganzen Himmel mich verbunden,
Und liebreich von der Erde mich getrennt.
_____
Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
Klage
Blaue Augen, blaue Augen!
Ach, wie gebt ihr süße Peine!
Aus dem schönen Wald unzählig
Stimmen zielen, grüne Scheine,
Und ich lass' mich gern verführen,
Locken Schmerzen so von weiten.
Draußen auf der Waldeswiese
Lass' ich wohl mein Rößlein weiden,
Sinnend steh' ich lang' daneben,
Grüßt mich wie aus fremden Zeiten
Waldesrauschen, Lied der Bronnen,
Ewigblühend grünes Schweigen,
Aus der tiefsten Brust Erinnern
Lang vergeßner goldner Träume -
Und ich muß dann fragen immer,
Ewig
fragen: wo Sie weile?
Und das Waldhorn will mir's sagen,
Und das Herz will
ewig
weinen:
Süße Peine, blaue Augen!
Ewig
stehst du in der Weite,
Blühend in den blauen Tagen.
Wolken durch den Himmel eilen,
Liebesblick kommt oft geschossen,
Und es glänzen Feld und Haine,
Und die Klarheit schließt sich wieder,
Und ich stehe so alleine;
Und ich kann mich gar nicht retten
Von den Freuden, von den Leiden,
Und ich kniee und ich bete:
Schöne Fraue, liebe, reine!
Blaue Augen, blaue Augen,
Ach! wie gebt ihr süße Peine!
_____
Der Gärtner
Wohin ich geh' und schaue,
In Feld und Wald und Tal
Vom Berg hinab in die Aue:
Viel schöne, hohe Fraue,
Grüß' ich Dich tausendmal.
In meinem Garten find' ich
Viel Blumen, schön und fein,
Viel Kränze wohl d'raus wind' ich
Und tausend Gedanken bind' ich
Und Grüße mit darein.
Ihr darf ich keinen reichen,
Sie ist zu hoch und schön,
Die müssen alle verbleichen,
Die Liebe nur ohne Gleichen
Bleibt
ewig
im Herzen stehn.
Ich schein' wohl froher Dinge
Und schaffe auf und ab,
Und, ob das Herz zerspringe,
Ich grabe fort und singe
Und grab' mir bald mein Grab.
_____
Bruno Ertler (1889-1927)
Ewigkeiten
So beginnen
Ewigkeiten — —
Wenn von herbstdurchbebten Bäumen
still die Blätter niedergleiten,
wenn in blauen Sehnsuchtsweiten
eines Vogels Lied verweht — —
Wenn ich tief in deinen Augen
deine reine Seele grüße
und wir dann im Sonnensinken
wortlos betend heimwärts schreiten — —
So beginnen
Ewigkeiten. —
_____
Drei Stunden
Drei Stunden hat der Tag;
die andern sind ein Warten,
ein langer, harter Weg
zu einem lieben Garten.
Drei Stunden hat mein Tag;
das andre ist leere Zeit,
aber in diesen drei Stunden
ist Glück und
Ewigkeit,
ist Feierabendfrieden
und aller Unrast Ruh’,
Ziel alles Heimverlangens —
In diesen drei Stunden bist du —
_____
Liebesnacht
Es gibt keine Welt —
es gibt keinen Tod —
kein drängendes Irren mehr
und kein Morgen-Erwarten.
Reiner Bereitschaft zuckendes, großes "Ja!"
hüllt uns in jauchzende Brände
wollender Kraft —
und der Rausch, der aus uns aufloht,
reißt mit heilig frevelnder Gebärde
den glühenden Schöpferstab
aus der Hand Gottes
und zieht einen funkelnden Bannkreis
um unser Lager.
Aufschäumende, du!
Acker von Frühlingserde
unter dem ersten Pflug!
Sieh: Meines Denkens formender Wille
ist ein schöpfendes Dich-Gestalten
aus dem Anfang der Welt —
der reißende Schlag meiner heißen Adern
tönt das Urlied vom Garten Eden in meine Schläfen:
"Zwei Menschen waren allein auf aller Erde
und waren Form.
Doch da Liebe sie überfiel,
bäumte sich ihnen Lust und Schmerz
in einem begehrend feindlich umschlingenden,
in wilder Einheit endlos verklingenden
einzigen Schrei —
und sie lebten!"
Es gibt keine Welt —
kein Morgen mehr —
keinen Tod —
keine Frage —
nur tiefer Einheit volle
Ewigkeit. —
_____
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Die letzten Sonnenstrahlen bleichen,
Grau wird der See wie in der Nacht,
Und dichte Nebelwolken streichen
Und hüllen ein der Berge Pracht.
Nur einen Strahl des
ewigen
Lichts!
Sonst weiter nichts, sonst weiter nichts.
Wie ist es rings um mich so schaurig,
Als wollte sterben alle Lust;
Wie wird mein Herz so still, so traurig,
Wie atmet bang und schwer die Brust!
Nur einen Strahl des
ewigen
Lichts!
Sonst weiter nichts, sonst weiter nichts.
Und sieh, es wird in meinem Herzen
So hell wie bei der Sonne Schein:
Die Lieb entzündet ihre Kerzen
Und heißt mich wieder fröhlich sein.
Willkommen, Strahl des
ewigen
Lichts!
Nur dich und - sonst begehr ich nichts.
_____
Ich sahe die blaue unendliche See,
Wie ward's mir im Herzen so wohlig, so weh!
Doch hab' ich dein blaues Auge gesehen,
Und weiß nun selber nicht, wie mir geschehn.
Und wenn ich die blaue unendliche See
Auch immer und immer wiedersäh' -
Das Wasser
ewig
doch Wasser bliebe:
Dein Aug' ist
ewig
unendliche Liebe!
_____
Ja, du bist mein!
Ich will's dem blauen Himmel sagen,
Ich will's der dunklen Nacht vertraun,
Ich will's als frohe Botschaft tragen
Auf Bergeshöhn, durch Heid und Aun.
Die ganze Welt soll Zeuge sein:
Ja, du bist mein!
Und
ewig
mein!
Ja, du bist mein!
In meinem Herzen sollst du leben,
Sollst haben, was sein Liebstes ist,
Du sollst, von Lieb und Lust umgeben,
Ganz fühlen, daß du glücklich bist.
Schließ mich in deine Arme ein!
Ja, du bist mein!
Und
ewig
mein!
_____
Ernst von Feuchtersleben
(1806-1849)
Liebe
Verweile hier, und wiederhole dir's!
Ist's doch des
ewigen Verweilens werth -
O könnte man's lebendig wiederholen!
Da wardst du Mensch, als Liebe dich berührte.
Als noch die Welt, ein graues Räthselknäuel,
In deiner Hand lag, ekel zu entwirren,
Die Zukunft, kalt und wüst und farbenlos,
Ein Nebelmeer, um deine Brust sich legte:
Wie war dir da! wie zog die Seele damals,
Mit ihren Wünschen, ihren Kräften allen,
Sich in ein selbstgenügsam Nichts zusammen!
Du dachtest dir das Leben so. Da traf
Der schöpferische Strahl auch deine Mitte:
Du wardst gelös't, und deine Zweige blühten,
Und deine Frucht reift
Ewigkeiten zu.
_____
Karoline von Fidler
(1801-1874)
Liebe
Die Lieb' ist Alles! Wer zu lieben weiß,
Der kennt des Daseins einzig werthen Preis;
In ihm ist Gott - er hat das Licht, die Kraft,
Er hat den Glauben und die Wissenschaft!
Wer liebt, der lebt, und giebt des Lebens Lust
All' dem, was er umschließt mit warmer Brust;
Er theilet aus - sieht seinen Schatz nicht an,
Er weiß es, daß er endlos geben kann.
Die Liebe hat nicht Zweifel, hat nicht Noth,
Die Sünde kennt sie nicht, kennt nicht den Tod -
Die Lieb' ist
ewig! - und darum allein,
Weil ich geliebt, werd' ich unsterblich sein!
_____
Johann Georg Fischer
(1816-1897)
Ich gieng mit meiner Königin
Die duftigen Höhen des Waldes hin.
Vergessen hatt' ich Stund' und Zeit,
War Alles nur Eine
Ewigkeit,
Die aus des Himmels wärmstem Grunde
Herabsank auf die schönste Stunde;
Streiften die Blätter uns nicht sacht,
Ich hätte selbst des Maien kaum gedacht.
Fühlt' ich mir doch zur Seite gehn
Ihres Lebens geheimstes Wehn,
Der Augen wunderbaren Zug,
Wie er die Seele mir hob und trug,
Und all die schweigende Gewalt
Der ruhig schwebenden Gestalt.
Ja, haltet mich, ihr Blätter alle,
Daß ich ihr nicht zu Füßen falle!
_____
Laß, Himmel, diesen Engel mir
Die Blumen sind herabgesunken,
Vom heißen Kuß der Sonne matt;
Und hast auch du dich müd getrunken,
Sag, schöne Freundin, bist du satt?
Nein, laß uns nimmermehr erwachen
Aus dieses Kusses
Ewigkeit,
Der hat die Blumen sterben machen,
Der sie gemahnet an die Zeit.
Reich diesen Mund mir
ewig wieder,
So weich an meine Brust gelegt,
Du Haupt, das solche Augenlider
Ob solchem Auge niederschlägt.
Ich hatte nie das Weib empfunden
Wie ich es angeschaut in dir,
Ich hab' es nie seitdem gefunden,
Laß, Himmel, diesen Engel mir.
_____
Marie Laura Förster
(1817-1856)
Herrlich ist's geboren sein
Von dem Himmel strömt das Leben,
Aus der Erde quillt's hervor,
Und aus allen Tiefen streben
Blüt' und Keim zum Licht empor,
Alles grüßt im Frühlingsschein,
Herrlich ist's geboren sein!
Und es zieht in hellen Flammen
Neues Leben durch das Herz,
Seelen fließen licht zusammen,
Ziehn geläutert himmelwärts.
Liebe woget aus und ein,
Herrlich ist's geboren sein!
Was einmal zum Licht geboren,
Leuchtet hell durch alle Zeit;
Was zum Leben jetzt erkoren,
Lebt durch alle
Ewigkeit.
Was du liebst, ist
ewig dein,
Herrlich ist's geboren sein.
_____
Else Galen-Gube
(1869-1922)
Sel'ger Tausch
Mit stolz erhobnem Haupte kann ich gehn,
denn meinen Nacken beugte nie die Sünde,
nie blickt ich in des Lasters tiefe Gründe,
kann jedem Menschen frei ins Antlitz sehn!
Und doch – bei Gott – ich gäb voll Freudigkeit
all meinen Stolz für eine heiße Stunde
in deinem Arm, an deinem roten Munde
und wäre selig bis in
Ewigkeit.
_____
Emanuel Geibel
(1815-1884)
Die Liebe gleicht dem April:
Bald Frost, bald fröhliche Strahlen,
Bald Blüten in Herzen und Thalen,
Bald stürmisch und bald still,
Bald heimliches Ringen und Dehnen,
Bald Wolken, Regen und Thränen -
Im
ewigen Schwanken und Sehnen
Wer weiß, was werden will!
_____
Amara George-Kaufmann
(1835-1907)
Ewig Dein!
Ja
ewig,
ewig bin ich Dein!
So lange lebt der Sonne Schein,
So lange Weltenheere kreisen,
Den Schöpfer seine Werke preisen,
So lange bin und bleib' ich Dein!
Nicht wahr, mein Herz, das will was heißen?
Doch ein Bedenken fällt mir ein:
Wird
Ewigkeit genügend sein,
Dir meine Liebe zu beweisen?
_____
Nicht der Harm der Trennung ist es,
Was da macht, daß mir vor Wehe
Fast die Brust zerspringt; der Liebe
Maßberaubtes Feuer ist's.
Trennung - giebt es die für uns noch,
Da wir uns so tief geeinigt,
Da wir uns so ganz verschmolzen
In unendlich heißer Minne? -
Nicht für eine Spanne Zeit,
Nein, wir haben uns gefunden,
Nein, wir haben uns umwunden
Für die ganze
Ewigkeit.
_____
Wenn Liebe für die
Ewigkeit
Sich bindet, und so bald verweht,
So ist gleichwohl ein Sinn darin,
Der nicht in eitel Trug besteht.
In jeglicher Berührungsgluth,
In jeglichem Verschmelzungsheil
Unsterblich edler Wesen ist
Was
Ewiges, das nicht verloren ist.
_____
Martin Greif (1839-1911)
Ewige Liebe
Hörst du, wie in meinen Liedern,
Überall dein Name klingt,
Wie ein
ewiges Erwidern
Deiner Liebe sie durchdringt?
Machtlos hab' ich hingestammelt
Lust und Leid im armen Wort,
Was so voll in mir versammelt,
Flieht mir vor der Lippe fort.
Doch du wirst es bald verstehen,
Weißt du einmal, wem ich's sang,
Liebe läßt zu Herzen gehen
Jeden ahnungsvollen Klang.
Für Gebet gilt, sich zu neigen,
Hoher Drang ist namenlos,
Könnt' ich lösen dieses Schweigen,
Sieh, mein Glück wär' minder groß!
_____
Julius Grosse (1828-1902)
Im lärmenden Tag, im stürmenden Drang
Im lärmenden Tag, im stürmenden Drang
Die Stunden kommen und gehen;
Ein süßes Geheimniß schon jahrelang
Blieb leuchtend darüber stehen.
Im rauschenden Wald, am rollenden Meer,
Am Freundesherde, dem warmen,
Wandelt' es lächelnd neben mir her,
Umschlang mich mit weichen Armen.
Und sinken die Nebel in dunkler Luft
Auf todtenstiller Haide,
So spielt es und singt wie im Sonnenduft
Mitten im nächtigen Leide.
Droben die Sterne, drunten die Seen,
Rings trauernde Einsamkeiten -
Fühl' ich in mir deine Seele wehn,
Wandl' ich in
Ewigkeiten.
_____
Mir tönt ein altes, ein theures Lied
Aus deutscher Liebessage,
Das mahnte Manchen an Treu' und Tod
Und verschwundene Jugendtage:
Ich hab' dich geliebet, ich lieb' dich noch heut,
Dich Eine in Lust und Wehen;
Dich werd' ich lieben in
Ewigkeit,
Gäb's auch kein Wiedersehen!
_____
Und noch einmal und inniger umschlang
Mein Arm dich, holde Seele, wonnetrunken.
Dein Auge weinte; doch die Seele sang,
Daß zwischen uns der letzte Bann gesunken.
Aus warmer Nacht klang eine Glocke fern,
Und heimlich Grüßen kam aus allen Weiten,
Denn meinem Schwure leuchtete dein Stern -
So an dir halten will ich
Ewigkeiten.
_____
Lied
Die Nächte stürmen, doch die Seele singt:
Du bist doch mein!
Ich habe dich erworben,
Und aller Jahre herbe Pein,
In diesem Herbst ist sie dahingestorben.
Die Stürme brausen, doch die Sehnsucht schweigt.
An deiner Brust
Ist selig Ruhn und Bleiben.
Die Rosen wilder Jugendlust,
Sie mögen welk in diesen Stürmen treiben.
Die Tage fliehen, doch die Treue bleibt.
Still steht die Zeit,
Wie auf sich selbst besonnen.
Bei dir erlöst von Zeit und Leid,
Athm' ich die
Ewigkeit und ihre Wonnen.
_____
Ewige Jugend
Wohl alle Tage, wenn ich bei dir bin,
Umschleiert mich ein Frühling ew'gen Lebens
Und
ew'ger Jugend. Jahre fliegen hin,
Den Zaubertrank, ich trank ihn nicht vergebens.
Und wenn du morgen welktest bleich und krank,
Die schöne Stirn gefurcht von Gram und Sorgen,
Das Aug' ist mir gefeit von jenem Trank,
Das Leben mir ein
ew'ger Hochzeitsmorgen.
Und wandelst du dereinst mit greisen Frau'n
Müd und gebeugt in silberweißem Haare,
Ich bin geweiht, dich stets als Braut zu schau'n,
Ohnmächtig überfluten uns die Jahre.
Ja, wie der Wein, der alt an Glut gewann,
So glüht der Zauber mächt'ger mit den Zeiten:
Du kannst nicht altern. Was ein Gott begann,
Wird göttlich dauern in den
Ewigkeiten.
_____
Ida von Hahn-Hahn
(1805-1880)
Der Funke der Liebe, im Herzen geboren,
Geht nimmer Dem, der ihn empfunden, verloren,
Er glühet und brennt in die
Ewigkeit fort;
Denn wäre dem Menschen die Kraft nicht gegeben,
Zu lieben bis hin ins unsterbliche Leben,
So gäb's wahre Liebe nicht hier und nicht dort.
_____
Guter Rath
Flüchtig sei die süße Liebe,
Und ihr meint, vom Wahn bethört,
Nur, wenn
ewig sie euch bliebe,
Sei sie auch des Höchsten werth.
Blickt umher! in flücht'ger Schöne
Pranget Alles, was entzückt;
Hier der Nachtigallen Töne,
Dort die Flut, so reich geschmückt.
Flüchtig ist der Regenbogen,
Schnell entschwebt, ein traumhaft Bild,
Flüchtig sind des Stromes Wogen
Und die Frühlingslüfte mild;
Flüchtig froher Kindheit Spiele,
Wie der Jugend stolzer Sinn,
Flüchtig auch des Lebens Schwüle, - -
Ach! der Wechsel ist Gewinn.
Lasset drum vorüberwehen,
Was die äußern Sinne streift;
Für die
Ewigkeit bestehen
Kann nur, was im Innern reift.
Wollt ihr, daß in eurem Herzen
Unvergänglich Liebe sei; -
Liebt zum Grabe, liebt mit Schmerzen,
Und sie bleibt euch
ewig treu.
_____
Gieb mir meine Seele wieder,
Du, der sie gefesselt hält
Am gebrochenen Gefieder,
Einsam, still in deiner Welt.
Gieb mir die Gedanken wieder,
Die sich
ewig zu dir wenden,
Ohn' zu ruhen, ohn' zu enden,
Immer wogend auf und nieder.
_____
Alles, was je ich geliebt und verehret,
Was sich als Schönstes der Seele verkläret,
Wird von der
ewigen Flamme verzehret, -
Einer ist edel, ist herrlich und rein.
Wohin die Wellen der Liebe auch schlagen,
Wohin die Flügel der Sehnsucht mich tragen,
Ich seh' durch Reihen von Nächten und Tagen
Immer und
ewig – dein Bild allein.
_____
Möge die Zeit nun die Schwingen entfalten,
In ihrem eisernen, ruhigen Walten,
Stunden zu Tagen, zu Jahren gestalten,
Bringen der Freuden und Schmerzen Verein; -
Möge das Dasein sich nächtlich umtrüben: -
Mir ist doch
ewige Wonne geblieben,
Trag' ich im Busen die Kraft, dich zu lieben,
Lebt mir im Herzen – dein Bild allein.
_____
Adolf Hain (1825-1854)
An ***
Willst mir ein Blümlein schenken,
Du holde, süße Maid,
Daß dein ich möge denken
In aller
Ewigkeit?
Ach nein! mir nicht die Rose!
Du spielst ein arges Spiel,
Du süße Maid, du lose,
Du gabst mir schon zu viel!
Du gabest, stets zu leben
Im Herzen mir, dein Bild, -
O könnt' ich's wiedergeben! -
So engelschön und mild.
Denn bald werd' ich nicht grüßen
Dich, Wunderschöne! mehr,
Und nie werd' ich dich küssen,
Umfangen nimmermehr!
Nie werd' ich froh mehr leben,
Die Thräne ewig quillt:
O könnt' ich's wiedergeben
Dein süßes, süßes Bild!
_____
Dein auf immer!
Dein auf immer, dein auf immer,
O du holde, süße Maid,
In der Jugend Rosenschimmer,
In des Lenzes Sonnenzeit!
Dein auf immer, mag erbleichen
Deines Haares dunkle Pracht,
Wolken deine Stirn umschleichen:
Meine Liebe
ewig wacht!
Mag dein Auge, das von Liebe
Nur von Seligkeit jetzt spricht,
Dunkel werden, matt und trübe:
Meine Liebe wird es nicht!
Mögen alle Reize schwinden,
Die dich wonnevoll umschwebt:
Immer wirst du treu mich finden,
Meine Liebe
ewig lebt!
Meine Liebe wird dich schmücken
Immerdar mit hehrem Glanz
Und mit Thränen einst dir drücken
Auf die Stirn den Todtenkranz!
_____
Robert Hamerling
(1830-1889)
Geh' nicht von mir, versuche nicht das Schicksal,
Das so zwei Herzen trennt, eh' man's gedacht,
Die wonneselig sich verknotet wähnten
Auf
ewig durch der Liebe Wundermacht.
Geh' nicht von mir, laß deine Hand in meiner -
Unlösbar fest geschmiedet ist kein Ring.
Geh' nicht von mir, am wenigsten im Grolle -
Das Herz des Menschen ist ein seltsam Ding.
_____
Trost
Ich will mit Liedestönen
Mein sehnend Herz erheitern,
Ich will im ewig Schönen
Mein enges Sein erweitern.
Zum Trotz den Todesgluten
Der Liebe will ich leben,
Will auf des Lebens Fluten
Wie Schwäne selig schweben.
Kann ich auch nie vergessen
Die süßen Sternenaugen,
Was sollen mir Cypressen
Statt Ros' und Lorbeer taugen?
Ich will im
ewig Schönen
Mein enges Sein erweitern,
Ich will mit Liedestönen
Mein sehnend Herz erheitern.
_____
Dankbar gedenk' ich jedes Mundes,
Der traut und milde zu mir sprach,
Und jedes lichten Augengrundes,
Draus mir ein Strahl der Liebe brach;
So laß ich
ewig in mir leben,
Was mich mit holdem Reiz gegrüßt,
Und still mich im Vorüberschweben
Mit flücht'gem Liebeshauch geküßt.
_____
O trockne diese Thräne nicht,
Die dir im Auge schimmert,
Der Perle gleich, die rein und licht
Im Kelch der Rose flimmert!
Die Liebe war's, die sie gebar,
Der sel'ge Schmerz der Liebe;
D'rum schimmert sie so wunderbar -
Ach, daß sie
ewig bliebe!
_____
Thränen auf der Rose beben,
Gold'ne Glut im Rauche zittert,
Ewig ist der Wonne Leben
Von der Wehmut Hauch umwittert:
Aus des Herzens Heiligtume
Steigt sie plötzlich oft empor,
Um der Freuden gold'ne Blume
Breitend ihren Nebelflor.
_____
Otto Erich Hartleben
(1864-1905)
... O wüsstest du, wie hold mit Übermacht
das Zucken jeder Fiber dich durchwühlt,
wenn meine Lippen sprachlos Wonne flüstern
in deinen Leib ... O wüsstest du, wie wild
im Taumel deine Glieder beben lernen,
als wollten sie dem Leben sich entwinden
und
ewig glühn in Wollustfieberflammen ...
_____
O sieh: schon ist die heilige Nacht gemach herangetreten,
die Blumen leuchten ungezählt her von den
ewigen Beeten,
und alle künden und zeugen nur von irdischer Menschen Liebe -
o dass auch unseres Glückes Stern
ewig uns leuchten bliebe!
_____
Heinrich Heine (1797-1856)
Er ist so herzbeweglich,
Der Brief den sie geschrieben:
Sie werde mich
ewig
lieben,
Ewig, unendlich, unsäglich.
Sie ennuyiere sich täglich,
Ihr sei die Brust beklommen -
»Du mußt herüberkommen
Nach England, so bald als möglich.«
_____
O schwöre, Liebchen,
immerfort,
Ich glaube dir aufs bloße Wort!
An deinen Busen sink ich hin,
Und glaube, daß ich selig bin;
Ich glaube, Liebchen,
ewiglich,
Und noch viel länger, liebst du mich.
_____
Max Herrmann-Neiße (1886-1941)
Schweigen
mit dir: das ist ein schönes Schwingen
von Engelsfittichen und Gottes Kleid
und süß, unsagbar sanftes Geigenklingen
verweht von
Ewigkeit zu
Ewigkeit.
_____
Verlangen nach Liebe
Laß mich noch einmal die Liebe erleben,
die meine welkenden Jahre verjüngt,
daß wir uns wieder dem Schwärmen ergeben,
einer im andern sich zärtlich verjüngt,
daß wir den Frühling im Blut uns erwecken,
uns verwandeln im Liebesgespräch,
taumelnd in Küssen die
Ewigkeit schmecken,
sterbend vereint sind im Abschiedsgespräch,
wieder am Morgen zum Leben erwachen,
wieder zur Liebe, zum frühen Tod,
einem Tode in kindlichem Lachen,
der nur ein Spiel ist vom wirklichen Tod,
der uns den Glanz und die Stille wird geben,
die unsre furchtsame Unrast verneint.
Laß mich noch einmal die Liebe erleben,
die meine welkenden Jahre verneint!
_____
Ich bin dir immer Gast
Laß mich in deines Leibes braunem Laub
versinken ganz und untergehn,
mach mich zu einem Spiel und Raub
des Windes, welchen deine Haare wehn!
Wirf mich in Wipfel, streu mich aus
in jede Welle, jeden roten Wein
- den wundersamen um ein herbstlich Haus -
und in den letzten, blassen Sonnenschein!
Verström mich in dein Blut, das schwerer schwillt
und voller sich zu runden Früchten reiht!
Ich bin dir immer Gast, und dennoch ungestillt
und sehnsuchtstoll nach dir in alle
Ewigkeit!
_____
Einsam Staub in Dunkelheiten sein,
bis dein Stern durch Wolken schenkt Geleit,
daß mich nichts mehr Irdisches berührt,
deine Hand mich immer höher führt,
und ich weiß, ich bin in
Ewigkeit
dein, nur dein!
_____
Du wirst mein Herz noch in Äonen bleiben,
denn ohne dich ist meine Brust entblößt -
oft muß mein Irrsein dich in Trauer treiben,
dann bin ich immer wieder unerlöst.
Und ängstet dich mein ringendes In-Büchern-
Verbittert-Sein und-Sinnlos-Eingenagt -
ach, ohne dich bin ich ein irres Kichern,
das ruhlos durch verlorne Lauben jagt!
Und schweif' ich seelenlos durch fremde Scheiben
um Betten, die ein Dämon mir entblößt -
du einzig wirst mein Herz für
ewig bleiben,
durch dich nur wird mein Leid im Lied erlöst!
_____
Was wär' mein Weg in einer Welt,
die nichts von deinen Wundern wüßte? -
Oft wenn mich feig ein Zorn anfällt,
den ich mit Weinen büßen müßte,
dein Herz - o schweig! - mich lieb behält,
und jedem greinenden Gelüste,
das zweifelhaft wie Wind mich treibt,
dein Blut in Treuen willig bleibt.
Wo wäre Licht an einem Tag,
der nichts von deinen Augen sähe? -
Wenn mein Verzicht dem Leid erlag
und tilgte mich aus deiner Nähe
und Selbstgericht mit schroffem Schlag
traf deine Schläfen und die jähe
Zerrüttung schrie, verwarf mich nie
die Nachsicht deiner Melodie.
Wie überständ ich eine Nacht,
die nicht von deiner Güte träumte? -
Oft wenn mich eine Übermacht
von Visionen rot umbäumte
und jenes Spiel, da sacht und sacht
mein Herz in deines sinkt, versäumte,
vergaß dein Lieben Tag und Traum
und hob verschwistert uns empor
in der Gestirne großen Chor
untrennbar, über Zeit und Raum
in
Ewigkeit,
in
Ewigkeit,
in
Ewigkeit!
_____
Franz Hessel (1880-1941)
Bahnhof
Das ist der Raum von Stein und Stahl;
Auf starren Eisenschienen steht
Der schwarze Zug. An unser Herz
Der Winter weht -
Es sprüht und loht
Der Funke rot im dichten Rauch.
Das Wasser stirbt mit heißem Hauch.
Im kalten Äther Flammentod.
Die Glocke schlägt: es spricht die Zeit.
Es schreitet zwischen uns die Zeit.
Und unser Herzen gleicher Schlag
Meint
Ewigkeit.
_____
Georg Heym (1887-1912)
Eine Heimat wüßte ich uns beiden ...
Eine Heimat wüßte ich uns beiden,
Wo im Schoß der Nacht in Wolkenreichen
Liegt des Mondes Stadt, in grünen Weiden
Kleiner Inseln, wo die Herden streichen.
In das gelbe Rund der Türme träten
Wir zu zweit, zu ruhn, wo einsam leuchtet
Noch ein Licht. Zu horchen auf den späten
Gang der Nacht, wenn Tau die Wiesen feuchtet.
Meine Hände wollten dann versinken
In dem Haar dir, in die Kissen zögen
Deinen Kopf sie, gäben mir zu trinken
Ewigen Schlaf von Mundes Purpurbögen.
_____
O welche ungeheure Schönheit ...
An?
O welche ungeheure Schönheit ward
In diesen Leib gefaßt,
Daß dieses leicht entflammte Herz
So tiefen Schmerz noch fühlen muß.
Ja, wie ein mildes Wunder war's.
Siehst du, ich weiß, ich werd dich nicht mehr sehn
In dieser großen, meilenweiten Stadt,
Und will doch dafür dankbar sein.
Denn du wirst
ewig schön und unberührt
Vom leichten Spiel des Tags
In meiner Seele ruhn.
Ein fernes Sternlein in der
Ewigkeit.
_____
Angelika von Hörmann
(1843-1921)
Wunsch
Als ich geschaut dir in die Seele,
Da zog mich milde Zaubermacht,
Und schüchtern, halb noch traumumfangen,
Ist junge Liebe leis' erwacht.
Laß mich in deinem dunkeln Herzen
Als lichter Mond am Himmel steh'n,
All' deinen Wegen will ich leuchten
Und
ewig nimmer untergeh'n.
_____
Wilhelm Jordan
(1819-1904)
Trost
Der Schmerz hat recht und nur im Schmerze
Liegt was ihn tröstet, was ihn lindert.
Nicht
ewig können wir besitzen
Doch
ewig lieben ungehindert.
Und wo wir
ewig lieben müssen
Und was wir hatten nie vergessen,
Da wird der Schmerz verlornen Glückes
Zum Dank daß wir es einst besessen.
Und wenn nur weinend danken lernen,
Dann auferstehn wie neugeboren
In unserm Geist die theuern Todten
Und sind uns
ewig unverloren.
Sie sind uns
ewig unverloren,
Entrückt, erhöht und doch geblieben;
Denn
ewig lernen wir besitzen
Die Theuern die wir
ewig lieben.
_____
Siegfried Kawerau
(1886-1936)
Du und Ich
Du bist der See, ich bin der Strahl,
der glitzernd steigt aus Dir zum Glück
und immer schimmernd fällt in Dich zurück;
Du bist der Wald, ich bin der Stern,
der zwischen allen Ästen steht
und durch das Dunkel wie die Hoffnung geht;
Du bist die Hostie, ich der Priester,
der stündlich Dich zerbricht und spendet
und
ewig neu an alle Welt verschwendet;
Du bist die große Gottesstille
und ich ihr Wille.
_____
Hedwig Kiesekamp
(1844-1919)
Ich wollte dich nicht lieben!
Ich wollte dich nicht lieben.
Mich labend, wie ein frohes Kind,
An Winterschnee, an Frühlingswind,
Ward ich umher getrieben.
Da sah ich dir in's Auge tief:
Du wecktest, was im Herzen schlief: -
Ich muß dich
ewig lieben!
Ich wollte dich nicht lieben!
Ich rang mit mir, ich kämpfte schwer,
Ich floh vor dir bis über's Meer: -
War ach, in dir verblieben, -
Denn dich nur sah ich Tag und Nacht
Im Sonnenstrahl, in Mondespracht: -
Ich muß dich
ewig lieben!
Ich wollte dich nicht lieben!
Tief taucht' ich in den Strom der Welt,
Sah betend auf zum Sternenzelt: -
Dein Name stand geschrieben
Mit Flammenschrift im Herzen mein:
Nun stell' ich alles Ringen ein:
Ich muß dich
ewig lieben!
_____
Der Seligkeit ist Menschenherz zu klein!
O Herz, gieb endlich dich dem tiefen Frieden
Da du in dir die tiefe Liebe trägst.
Wie magst in bangem Schmerz du dich verzehren
Da du im Schatten
ew'ger Ruhe schlägst!? -
Die
ewige Liebe, Quell der
ewigen Ruhe,
Mag wohl dem weiten All Allruhe sein!
Jedoch mich ringt ihr starker Strom danieder.
Der Seligkeit ist Menschenherz zu klein!
_____
Gefesselt
Du hast mich angekettet,
An dich, für alle Zeit!
Nichts hab ich mir gerettet:
Bin dein in
Ewigkeit.
Die Liebe, die viel heiße,
O nimm sie weg von mir!
Ach, selbst den Bann zerreiße: -
Errette mich: von mir.
_____
Antwort
Fragst du mich, warum ich liebe?
Trauter Freund, - o glaube mir:
"Meine Liebe kommt vom Himmel,
Und der Himmel kommt von dir!"
Ohne dich - verlass'ne Wüste
Wäre mir das Himmelreich!
Aber dir am Herzen rastend
Fühl' ich mich den Engeln gleich.
Du allein bist sel'ges
Ewig
Aller Himmelswonne mir!
Und vom Himmel kommt die Liebe!
Sieh', - die Liebe kommt von dir.
_____
Es ist ein Funke gefallen
In der Seele dunkle Nacht
Und hat sich zu leuchtenden Flammen,
Zu strahlenden Gluthen entfacht.
Und hat die Nebel verscheuchet,
Die Schatten gehoben zum Licht!
Und hat ihren Blicken erschlossen
Der Wahrheit heilig' Gesicht.
Und hat all ihr Denken und Fühlen
Entfesselt aus engender Haft!
Nun reift es dem Himmel entgegen!
O Liebe! -
Urewige Kraft!
_____
Gottfried Kinkel (1815-1882)
Ich ging
durch stille Abenddämmerungen:
Die stumme Flur entschlummerte schon mählig;
Die Vögel hatten, da sie tausendkehlig
Die Sonn' im Scheiden grüßten, ausgesungen.
Da hat ein hoher Klang sich aufgeschwungen
Von Abendglocken rings im Land vielzählig;
Da fühlt' ich mich im tiefsten Herzen selig,
Und Thränen sind in's Auge mir gedrungen.
O Glockenton, wie du an Gott zu denken
Uns aufrufst durch den trüben Erdenabend,
Will sich der Geist so ganz in Andacht senken.
Ein Ton nur klingt durch's öde Weltgetriebe,
Das sehnsuchtmüde Herz noch süßer labend:
O klinge fort, du Ruf der
ewigen Liebe!
_____
Minna Kleeberg
(1841-1878)
Das Bild im Auge
Wir standen beisammen, wir Beide -
O denkst du der Stunde traut? -
Wir standen beisammen, wir Beide;
Da bannte die Lippe den Laut.
Du suchtest in meinen Blicken
Dein liebes, einziges Bild;
Da fand meine Züge ich wieder
In deinem Auge so mild.
Wie strahlten die leuchtenden Bilder
So tief in die Augen herab;
Den heißesten Blick noch, den einen -
Da wandten wir Beide uns ab.
Es schwanden die Bilder im Auge. -
Sie schwanden? - o nimmer, o nein!
Sie schwebten auf Flügeln der Liebe
Nur tief in die Herzen hinein.
Da werden nun
ewig sie weilen
In süßer, in wonniger Ruh';
Ja, ich throne tief dir im Herzen,
Das Bild meiner Seele bist du!
_____
Nur einmal
Ich möchte nur einmal, Geliebter du,
Deine Augen küssen und - weinen,
Nur einmal bergen mein Haupt zur Ruh'
An deinem Herzen, dem reinen.
Nur einmal möcht' ich ergründen ganz
Deiner Seele geheimste Tiefen
Und Worte vernehmen voll Licht und Glanz,
Die im Geiste dir schaffen und schliefen.
Wie würde zu neuem Leben mich weih'n
Deiner Liebe sonniger Schimmer!
Nur einmal nenne mich dein, nur dein -
Nur einmal? - nein,
ewig und immer!
_____
Ewig dein
Du hast viel' Leid getragen,
Viel' Wehe, trüb' und schwer;
Doch nun laß ab, zu klagen,
Daß öd' dein Herz und leer.
Ob höchstes Glück dir fehle,
Dein Geist ist nicht allein;
Denn dein ist eine Seele,
Die werth ist, dein zu sein.
Uns selbst entstammte nimmer
Der Blick, der uns verband;
Es war ein Zauberschimmer
Aus einem Wunderland.
Uns hat in sel'gem Schweigen
Ein Gotteshauch geweiht;
Nun bin ich ganz dein eigen
In alle
Ewigkeit.
Ein Strahl aus deinen Gluthen,
Ein Hauch aus deinem Sein,
Dein Werk in allem Guten -
So bin ich dein, nur dein!
_____
Karl Ernst Knodt
(1856-1917)
Ein Sommernacht-traum
Es blühen vor meinem Fenster in Pracht
Syringen und Nachtviolen.
Die zaubrischen Düfte ziehn durch die Nacht,
das Herz der Geliebten zu holen.
Sie tragen das sehnsuchtbeseelte daher
auf leichten, leuchtenden Schwingen.
Wiegt es auch wie die Welt so schwer:
doch muß die Nachtfahrt gelingen!
Die Düfte sind stark und die Sehnsucht ist groß:
so kommt das Fernste zusammen.
Ist Liebe nicht allzeit des Lebens Schoß,
draus
ewige Wunder entflammen?
_____
Die Frau
Die
ewige Frau ist die - die liebt,
Und weiß es nicht, wieviel sie gibt.
Ein Unbewußtes wirkt in ihr:
Das wird die Zaubermacht an dir.
Das wird die unerklärte Macht,
Die eine neue Welt entfacht.
Freundschaft und Liebe sind ihr Eins:
Nur Liebe ist ihr - Sinn des Seins.
Und weil sie ohne Fragen lebt,
Ist all ihr Leben so verwebt
Der Liebe, daß sie's nicht begreift,
Wie sie dem Tod entgegenreift.
Ja noch durchs Sterben klingt ihr Wort
- Wie gern sie's trüge fort und fort
Dies lieb- und todgeweihte Sein ...
Und läßt sie dich dann ganz allein,
So bleibt von ihrer Liebe nur
Verlorner Stapfen leuchtende Spur.
_____
Gustav Kühne (1806-1888)
Ewig?
Ich soll's beschwören, ernstlich sagen,
Ob unser Glück ein
ewiges sei?
O Faust, o Faust, mit Deinen Fragen,
Mit Deiner Spürkraft Grübelei!
Soll denn die Rose
ewig blühen
Sie reift nur für den Augenblick,
Und wenn die Winde herbstlich ziehen,
So bleicht sie still und sinkt zurück.
Sie fragt gar nicht nach Blüthendauer,
Selbst sterbend schwimmt sie im Genuß;
In der Erinnerung süßem Schauer
Da fühlt sie noch der Biene Kuß.
Fühlt noch des Schmetterlinges Kosen,
Wenn Blatt und Blume schon verbleicht:
Das ist das Schicksal aller Rosen -
Und Liebe hat nie mehr erreicht.
_____
Lebe wohl!
Ich kann es länger nicht verhehlen -
Ja, wer die Wahl, hat auch die Qual,
Und dennoch will auch ich nun wählen
Die liebste Speis' am Liebesmahl.
Ist Liebe reicher als das Leben? -
Ach! Leben zieht sich lang und weit,
Und Alles möcht' in Einem geben
Der Liebe Lust und Herzeleid.
Die Liebe engt die fernsten Weiten,
Wie sie das Nächste tröstlich dehnt;
In Einem Blick ruh'n Seligkeiten,
Die Du auf Erden nie gewähnt.
Was zart und groß, was fromm und düster,
Und was das Leben bunt umspielt,
Das wird in Einem Kußgeflüster
Der tiefsten Liebe durchgefühlt.
Nun denn, ihr süßen Liebesflammen,
Der Welt verborgen, still und scheu,
Ich fass' euch alle noch zusammen,
Ich fühl' euch alle
ewig neu.
Und ob ich nun auch weinend scheide,
Doch schmeck' ich wie im ersten Glück
All meines Herzens Leid und Freude
Im letzten Kuß, im letzten Blick.
_____
Und wenn mich Nachts das Sternenheer befällt,
Um mein Geheimniß still mir abzulauschen,
Dann fühl' ich, was mich
ewig trägt und hält,
Dann hör' ich Gott mit seinem Mantel rauschen.
Gott hat die Welt in dunkle Nacht gehüllt,
Damit sich zeigt, was
ewig dauernd bliebe.
Des Tages Wünsche sind im Schlaf gestillt -
Und sieh, auch selbst im Traum bleibt wach die Liebe.
Drum, laß die Welten auf und niedergeh'n,
Laß Wetter dräuen, finster, qualvoll, trübe:
Du wirst in alle
Ewigkeit besteh'n,
Denn Gott ist
ewig,
ewig ist die Liebe.
_____
An Sie
Wenn ich schlafe, wacht mein Herz;
Wenn ich wache, schläft es trunken;
So in Freude wie im Schmerz
Bin ich ganz in Dich versunken.
Lebend, Liebe, sterb' ich Dir;
Steigst Du auf, so tauch' ich nieder.
Sterb' ich, ach! dann lebst Du mir,
Kommst als Morgenstern mir wieder.
Jeden Tag bist Du mir neu,
Wie zur Nacht, der gottgeweihten,
Und so fügt sich fest und treu
Ring an Ring zu
Ewigkeiten.
_____
Ganz und für
ewig
Nie wieder lieben, - was man lieben nennt:
Eins sein an Seel' und Leib,
Nur Eine Flamme, die gen Himmel brennt,
Ein Wesen Mann und Weib!
Willst Du es schwören? - Schwöre nicht zu balde;
Oft kommt der Tod so früh!
Die Vögel frei'n und lieben in dem Walde
In freier Harmonie!
Doch wo der Geist im Kampf den Geist gefunden,
Glückselig im Verein:
Kann da ein Herz zum zweiten Mal gebunden
Mit Leib und Leben sein?
Ich frage Dich, den Schöpfer aller Welten,
Der Du Gesetze giebst,
Die, weil Natur sie fordert,
ewig gelten,
Und Lohn wie Rache übst.
Ich raubte mir die reine Kinderseele
Und schuf sie neu für mich;
War's ein Prometheusraub, und was ich fehle,
Rächt es am Felsen sich?
Nehmt hin, Ihr Götter, alle Eure Gaben,
Nehmt hin was jemals mein;
Todt will ich gern, für alle Welt begraben,
Nur hier unsterblich sein!
An diesem Baum, den ich in Sturm und Wetter
Gehütet spät und früh,
Laßt mir das stille Säuseln seiner Blätter
In süßer Melodie.
Ich hegte seine heilig reinen Blüthen,
Den frischen Erstlingstrieb,
Schützte die Frucht vor allen Sturmes Wüthen
Mir selbst und ihr zu Lieb.
Verweht die Asche mir in alle Winde,
Versink' ich still in Staub:
Wenn ich dies Eine Herz nur wiederfinde
Nicht eines Zweiten Raub!
Und bin ich einst für alle Welt verloren,
Vergessen all was mein:
Laßt in der Einen, die ich mir erkoren,
Mich still unsterblich sein!
_____
Emil Kuh (1828-1876)
In
Ewigkeit
Sie hatt' ihn lieb, wie Keinen sonst
Im Leben,
Sie hatt' ihm Alles, was er bat
Gegeben.
Sie fühlte froh sich nur und reich
Im Schenken,
Sie kam zur Erde nur, um ihn
Zu denken.
Doch hatte kaum ein Mond ihr Glück
Gesehen,
Da faßte sie der Tod, mit ihm
Zu gehen.
Vorm Scheiden wollte sie nur Eins
Noch sagen,
Schon aber war das Pförtlein zu
Geschlagen.
Er lebte lang noch trüb und froh
Hienieden,
Es ward ihm lang noch Lust und Gram
Beschieden.
Der Todten Bild erschien ihm noch
Zu Zeiten,
Der Blick, in dem sie bat: Sollst mich
Begleiten!
Und als er starb und eintrat in
Den Himmel,
Durchschritt er bang der Sel'gen bunt
Gewimmel.
Und als sich endlich trafen sein
Und ihr Gesicht,
Da sprach sie nur das ird'sche Wort:
Vergiß mich nicht!
Dieß wollte sie vorm Scheiden noch
Ihm sagen;
Sie hatt' es durch die
Ewigkeit
Getragen.
_____
Nikolaus Lenau
(1802-1850)
Stille Sicherheit
Horch, wie still es wird im dunkeln Hain,
Mädchen, wir sind sicher und allein.
Still versäuselt hier am Wiesenhang
Schon der Abendglocke müder Klang.
Auf den Blumen, die sich dir verneigt,
Schlief das letzte Lüftchen ein und schweigt.
Sagen darf ich dir, wir sind allein,
Daß mein Herz ist
ewig,
ewig dein!
_____
Thekla Lingen (1866-1931)
Hohe Liebe
Nicht, wie die andern sollst du mich lieben,
Nicht mir zu Füssen will ich dich sehn,
Bleib mir zur Seite erhobenen Hauptes,
Dass ich an deine Schulter mich lehn'!
Nicht wie die andern zehrenden Kusses
Sollst du mir küssen Augen und Mund,
Nur meine Stirne will ich dir neigen
Zu unserer Seelen lauterem Bund.
Nur mit den Blicken sollst du umfangen,
Was ich dir gebe in meinem Blick,
Alles Begehren, alles Verlangen
Sinke zum heiligen Born zurück.
Nimmer versiegen wird dann die Quelle
Seliger Sehnsucht in unserer Brust,
Nimmer verglühen wird dann die Flamme,
Ewig geschüret in keuscher Lust.
_____
Hermann Lingg (1820-1905)
Für immer
Einmal hast du - o der Stunde!
Schlummernd mir im Arm geruht,
Meinen Kuß noch auf dem Munde,
Auf den Wangen welche Glut!
O wie da die Pulse flogen!
Lauschend jedem Athemzug,
Fühlt' ich an des Busens Wogen
Wie dein Herz an meines schlug.
Das wird nie vergessen werden,
Das verlöscht kein andrer Tag,
Nicht das größte Glück auf Erden,
Nicht des Unglücks schwerster Schlag.
Eine Flamme, nie verglühend,
Ein lebend'ger Edelstein,
Lebt mir der Gedanke blühend
Einmal so und
ewig mein!
_____
Hermann von Loeper
(1820-1884)
Frage nicht!
Frage nicht, ob ich dich liebe!
Laß verschlossen meine Lippe!
Daß nicht der Empfindung Woge
Strande an des Wortes Klippe.
Frage nicht, ob ich dich liebe!
Lies in meines Auges Spiegel,
Lies der Aufschrift treue Zeichen,
Doch nicht brich des Briefes Siegel!
Frage nicht! Denn unsre Liebe
Soll so heimlich wie die Kohle
Glimmen, nur in Dämmerungen
Duften gleich der Nachtviole.
Unsre Liebe sei wie Wolken,
Welche still vorübertreiben,
Unsre Liebe soll ein
ewig
Ungelöstes Räthsel bleiben!
_____
Ich glaube, daß die Liebe überdauert
Des Lebens flücht'ge, karggemessne Zeit,
Weil sie das Herz so ahnungsreich durchschauert,
Wie ein Prophetenruf der
Ewigkeit,
Weil sie die Fackel ist auf dunkeln Bahnen,
Der Funken, der die Asche neu belebt,
Weil ihrer Stimme treues ernstes Mahnen
Das Herz erweckt und auf zum Himmel hebt.
_____
Feodor Löwe (1816-1890)
Glaubst du wirklich, daß ich fern von dir?
Ewig,
ewig, weilest du bei mir.
Du mein Mond bei stiller Abendruh;
Meines Tages lichte Sonne du.
Wie ein Vogel durch die Lüfte zieht,
Mein Gedenken stets zu dir entflieht.
Wie von keinem Schlummer weiß der Bach,
So ist meine Sehnsucht immer wach.
Ach, so fern von dir und doch so nah!
Nur wer liebet, weiß, wie mir geschah.
_____
Aus des Baches duft'gem Blüthenrahmen,
Aus den Wellen lächelt mir dein Bild,
Alle Lüfte rufen deinen Namen,
In den Sternen prangt er, klar und mild.
In den Wolken glaub' ich dich zu sehen,
Auf den Bergen, tief im dunklen Wald,
Deine Stimme glaub' ich zu verstehen,
Wenn des Sprossers Lied den Hain durchschallt.
Ewig du! im lichten Reich der Sterne,
In den Wellen, in der Liederlust,
In den Wolken, in des Waldes Ferne,
Ewig,
ewig hier in meiner Brust!
_____
Hermann Löns (1866-1914)
Liebeseid
Ob ich dich
ewig lieben werde,
Fragst du mich, süße kleine Frau,
Ob liebend ich kein Weib der Erde
Nach dieser Stunde mehr anschau?
Närrisches Weib, den Frühling frage,
Frag ihn, ob nie er wiederkehrt!
Und denke, daß nach jedem Tage
Die Nacht das Sonnenlicht verzehrt.
Ich kenne meines Herzens Treue,
Das dankbar für die Treue ist,
Doch weiß ich auch, daß eine Neue
Mein Mund nach deinem Treubruch küßt.
Ich glaube nicht an Weiberliebe,
An Augen, die vor Reue naß,
Ich glaub’ an Neid und Säbelhiebe,
Pistolenkugeln, Lug und Haß.
Aus deinen Augen laß die Tränen,
Und laß das Fragen aus dem Spiel,
Solang sich meine Adern dehnen,
Bleibt auch mein Herz für dich nicht kühl.
Ob Haß, ob Liebe wird entstehen
Für später, ist mir unbewußt –
Eins schwör ich dir, nie wirst du sehen
Gleichgültig deiner meine Brust.
Nun küß mit deinem süßen Munde
Hinweg mir den Gedankenbann –
Ich lieb dich, wie in dieser Stunde
Ich überhaupt nur lieben kann.
_____
Hieronymus Lorm
(1821-1902)
Gelöbniß
Wir sprachen viel in trauter Abendstunde
Von Schmerz und Liebe, Sterben und Bestehn,
Wie muthig wir in jede Zukunft seh'n,
Weil Gruß der
Ewigkeit in unsrem Bunde.
Da rang der heiße Wunsch sich mir vom Munde:
O, könnt' mein Leben wie ein Traum verwehn!
Mit dir vereinigt möcht' ich untergeh'n,
Ein Kuß der Seelen uns're Todeswunde.
Doch als ich sah dein Auge sich erheben
Und dein von Lieb verklärtes Angesicht,
Gelobt' ich - selbst auf deinem Grab zu leben!
Mit dir vergeh' dein Bild auf Erden nicht,
Noch einen Abglanz will der Welt ich geben
Im Wort - in hohen Thaten - im Gedicht.
_____
Friedrich von Matthisson
(1761-1831)
In heiliger Mitternachtsstunde durchkreist
Des Äthers Gefilde mein ahnender Geist.
Geliebte! dort winkt uns ein Land, wo der Freund
Auf
ewig der Freundin sich wieder vereint.
Die Freude sie schwindet, es dauert kein Leid;
Die Jahre verrauschen im Strome der Zeit;
Die Sonne wird sterben, die Erde vergehn:
Doch Liebe muß
ewig und
ewig bestehn.
_____
Trost
An Elisa
Lehnst du deine bleichgehärmte Wange
Immer noch an diesen Aschenkrug?
Weinend um den Todten, den schon lange
Zu der Seraphim Triumphgesange
Der Vollendung Flügel trug?
Siehst du Gottes Sternenschrift dort flimmern,
Die der bangen Schwermuth Trost verheißt?
Heller wird der Glaube nun dir schimmern,
Daß hoch über seiner Hülle Trümmern
Walle des Geliebten Geist!
Wohl, o wohl dem liebenden Gefährten
Deiner Sehnsucht, er ist
ewig dein!
Wiedersehn, im Lande der Verklärten
Wirst du, Dulderin, den Langentbehrten,
Und wie er unsterblich seyn!
_____
Selma Meerbaum-Eisinger
(1924-1942)
Träume
Es sind meine Nächte
durchflochten von Träumen,
die süß sind wie junger Wein.
Ich träume, es fallen die Blüten von Bäumen
und hüllen und decken mich ein.
Und alle diese Blüten,
sie werden zu Küssen,
die heiß sind wie roter Wein
und traurig wie Falter, die wissen: sie müssen
verlöschen im sterbenden Schein.
Es sind meine Nächte
durchflochten von Träumen,
die schwer sind wie müder Sand.
Ich träume, es fallen von sterbenden Bäumen
die Blätter in meine Hand.
Und alle diese Blätter,
sie werden zu Händen,
die zärteln wie rollender Sand
und müd sind wie Falter, die wissen: sie enden
noch eh' sie ein Sonnenstrahl fand.
Es sind meine Nächte
durchflochten von Träumen,
die blau sind wie Sehnsuchtsweh.
Ich träume, es fallen von allen Bäumen
Flocken von klingendem Schnee.
Und all diese Flocken
sie werden zu Tränen.
Ich weinte sie heiß und wirr -
begreif meine Träume, Geliebter, sie sehnen
sich alle nur
ewig nach dir.
_____
Alfred Meißner
(1822-1885)
Nachtwache der Liebe, du Sabbat im Herzen,
Du singende, herzenverjüngende Zeit,
Du Weihnacht bei duftigen, luftigen Kerzen,
Sei
ewig und
ewig gebenedeit!
Ein Wandeln im Schatten wildrauschender Palmen,
Ein Schaukeln im Kahne in träumender Ruh,
Ein Beten im Dome bei hallenden Palmen,
Nachtwache des liebenden Herzens, bist du!
_____
Stephan Milow (1836-1915)
Ewig!
Aus tausend Knospen bricht die Kunde,
Es ist nur Täuschung aller Tod!
So klingt es schmetternd in der Runde,
So spricht das goldne Morgenroth.
Wir stehen unter Blütenbäumen -
Mit Jubel denk' ich's, daß du mein,
Und rufe laut in sel'gen Träumen:
O dieses Glück muß
ewig sein!
Da fallen welke Blüten nieder,
Es schauert leis der Lenz im Wind:
Ja,
ewig! sagst du lächelnd wieder
Und blickst auf unser spielend Kind.
_____
Zum Troste
Erbangst du? Will das Blut dir zürnend kochen
Ob all der Selbstsucht, die du schaust im Kreise,
In Wesen thronend, starr als wie von Eise,
Aus denen niemals Milde noch gebrochen?
Sei still und dämpfe deines Herzens Pochen!
Ein Edler, wirkt er noch so still und leise,
Löscht aus, was tausend andre rauher Weise
An Welt und Menschen durch ihr Tun verbrochen.
Was ist die Selbstsucht! Eng, in sich gebunden,
Stets ungestillt im
ewigen Verzehren,
Und arm und machtlos, was sie immer triebe.
Sie kann ja eines nur zu allen Stunden:
Begehren, nichts als ohne Rast begehren;
Doch
ewig unerschöpflich bleibt die Liebe.
_____
Ewige Liebe
Ich denke, wenn in günst'ger Stunde
Ein Paar sich Liebe heiß gestand,
Gelöst in Wonne, Mund auf Munde,
Das knüpft ein
ewig festes Band.
Wie könntest du dich von mir trennen
Nach all dem Glück, das uns gelacht!
Du mußt es
ewig theuer nennen,
Was einst so selig dich gemacht.
Wie könntest du mir Treue brechen,
Da du, nach süßer Liebe Art,
Mit allen seinen holden Schwächen
Dein Wesen mir geoffenbart!
Und dir nur stets der Stachel bliebe,
Was Liebesaugen einst entflammt,
Vom kalten Blick enttäuschter Liebe
Zerlegt zu sehen und verdammt.
Und durch so Vieles, was im Leben
Dem edlern Herzen heilig ist,
Du ganz zu eigen mir gegeben,
Mir ganz und gar verfallen bist.
Ich denke, wenn in günst'ger Stunde
Ein Paar sich Liebe heiß gestand,
Gelöst in Wonne, Mund auf Munde,
Das knüpft ein
ewig festes Band.
_____
Ewig dein
Wenn ich nicht jubeln kann
Und dir betrübt erscheine,
So klage mich nicht an,
Ich bin doch ganz der Deine.
Und jauchzt' ich noch so sehr
In wonnevollen Stunden,
Dies Wehe sagt noch mehr,
Wie tief ich dir verbunden.
Verletzen kannst du mich,
Doch kannst du mich nicht kühlen,
Und nimmer laß ich dich,
Dir weih' ich all mein Fühlen.
In Nacht und Frühlingsschein
Du lebst mir stets im Herzen,
Und meine Lust ist dein
Und dein sind meine Schmerzen.
_____
Laß mich irren, laß mich fehlen,
Kann ich noch so rauh dich quälen,
Glaube, nie vergeß' ich dein!
Tief verstrickt in andre Bande,
Schwebend an des Abgrunds Rande,
Werd' ich noch der deine sein.
Mag ich ohne Scheu und Zagen
Noch so weit in Schuld mich wagen,
Glaube, nie vergeß' ich dein!
Was auch frevelnd in mir brenne;
Daß uns nicht das Letzte trenne,
Wirst ja du ein Hort mir sein.
Laß mich irren, laß mich fehlen,
Kann ich noch so rauh dich quälen,
Glaube, nie vergeß' ich dein!
Und nach allem irren Schweifen
Muß in mir die Sehnsucht reifen,
Wieder einzig dein zu sein.
Und so inniger verlangend,
Und so heißer dich umfangend,
Kehr' ich endlich bei dir ein,
Mich an deiner Brust zu laben,
Alles Irrsal zu begraben
Und auf
ewig dein zu sein.
_____
Wer liebt, sei ganz in sein Gefühl versunken,
Er laß den Ruf der Welt an sich verhallen,
Dahin in stillem Jubel mag er wallen,
Im Tiefsten bergend süß den heil'gen Funken.
Er liebte schlecht, wenn er nicht, selig trunken
Des einen Glücks nur, das ihm zugefallen,
Entflöhe scheu den andern Freuden allen:
Wer liebt, sei ganz in sein Gefühl versunken.
So bin ich dein! Was rings auch immer blühe,
Es ist mir todt und soll mich nicht erquicken;
Denn dich nur lieb' ich, dich hab' ich erkoren.
Und lügt mein Wort und wenn ich je erglühe,
Gefacht von eines fremden Augen Blicken;
So sei auf
ewig,
ewig mir verloren!
_____
Christian Morgenstern (1871-1914)
Die Bank
Die Nacht ist lind und lockt mich auf die Warte
auf halber Höhe über meinem Flecken;
ich schau ihn sich den Bach hinauf erstrecken,
und diesen selber durch der Mauer Scharte.
Durchs Laubwerk mir zu Häupten spielt das harte
Geblink der Sternenschar mit mir Verstecken;
indes von unten mich Laternen necken,
wie Blitzer einer transparenten Karte.
Vor allem aber ist die Bank da droben
mir wert. Denn meine Freundin kommt, die ferne,
sooft ich dort, mein nächtlich Säumen teilen.
Gemeinsam hören wir die Wasser toben.
Gemeinsam schaun wir Häuser, Lichter, Sterne ...
Und wünschen nichts als
ewig
so zu weilen.
_____
Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält's nicht aus,
hält's nicht aus mehr bei mir.
Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.
Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines
ewigen
Du.
_____
Leise Lieder...
Leise Lieder sing ich dir bei Nacht,
Lieder, die kein sterblich Ohr vernimmt,
noch ein Stern, der etwa spähend wacht,
noch der Mond, der still im Äther schwimmt;
denen niemand als das eigne Herz,
das sie träumt, in tiefer Wehmut lauscht,
und an denen niemand als der Schmerz,
der sie zeugt, sich kummervoll berauscht.
Leise Lieder sing ich dir bei Nacht,
dir, in deren Aug mein Sinn versank,
und aus dessen tiefem, dunklen Schacht
meine Seele
ewige
Sehnsucht trank.
_____
Mein Herz ist leer,
ich liebe dich
nicht mehr.
Erfülle mich!
Ich rufe bitterlich
nach dir.
Im Traume zeig
dich mir
und neig
dich zu mir her!
Erfülle mich
mit dir
auf
ewiglich!
Ich trag's nicht mehr, -
ich liebe dich
zu sehr.
_____
Mit diesem langen Kuß
auf deine Lippen laß uns scheiden.
O warum muß
ich solcher Trennung Schmerzen leiden.
Und hätte jederstund
nur einzig dies Verlangen,
an Deinem süßen Mund
auf
Ewigkeit
zu hangen.
_____
Eduard Mörike (1804-1875)
So ist die Lieb! So ist die Lieb!
Mit Küssen nicht zu stillen:
Wer ist der Tor und will ein Sieb
Mit eitel Wasser füllen?
Und schöpfst du an die tausend Jahr,
Und küssest
ewig,
ewig gar,
Du tust ihr nie zu Willen.
_____
Erich Mühsam (1878-1934)
Das, was ich sehne, steht über den Lüften,
in denen der Menschen Atem sich mengt.
Das, was ich sehne, liegt unter den Grüften,
in die der Tod das Lebende drängt.
Und es weiß nichts von Tun und Beginnen
und weiß nichts von Welt und von Zeit.
Meine Sehnsüchte rauschen, rinnen
unerfüllt in die
Ewigkeit.
_____
Fleischeslust
Küsse mich! Gib mir die lüsternen Lippen,
himmlische, wilde Hetäre!
Glaubst du, daß sich an unsern Gerippen
Gottes Liebe bewähre?
Glaubst du, es könnte zu
ewiger Gnade
jemals die Seele schreiten,
stählt sich der Leib nicht im zeitlichen Bade
ewiger Seligkeiten?
Liebet einander! der Herr hat's geboten.
Tu seinen Willen, du Fromme!
Liebe für Liebende! Tod für die Toten!
Wirf ab deine Hüllen - und komme!
Küsse mich! Eine Nacht soll uns schaffen
ewigen Himmels Beglücktsein.
In meine Arme! - Laß' Nonnen und Pfaffen
Gott lästernd keusch und verrückt sein!
_____
Clara Müller-Jahnke (1860-1905)
Johannisnacht
Umwogt von weißen Nebelschleiern
von blühenden Rispen überdacht -
komm mit ins Korn! Wir wollen feiern
die heilige Johannisnacht.
Da treibt aus taugetränktem Grunde
in alle Halme hoch der Saft,
da wirkt in klarer Vollmondstunde
uralter Gottheit Wunderkraft.
Wir fühlen tief das heilige Reifen
und - eins im andern fromm bereit -
stillsegnend unsre Stirnen streifen
den Blütenhauch der
Ewigkeit.
_____
Betty Paoli (1814-1894)
Rest
Als uns'rer Seelen Aeolsharfensaiten
Vom Gotteshauch der Liebe laut erklangen,
Als uns're Geister glühend sich durchdrangen,
Nicht wahr, mein Freund! Das waren schöne Zeiten?
Das ist vorbei, und jene Seligkeiten,
Zu süß in ird'schem Gefild' zu prangen,
Sie sind in Nacht und Tod dahingegangen
Als ich dein schwankend Herz sah von mir gleiten.
Doch, ob auch liebeleer nun deine Brust;
Ein starkes Band wird
ewig uns vermählen,
Im Innersten ist's trostvoll mir bewußt:
Denn
ewig werden uns're düstern Seelen,
Gefall'nen Engeln ähnlich, von der Lust
Verlornen Edens trauernd sich erzählen.
_____
In deiner Stimme
In deiner Stimme bebt ein Klang,
Der mich so tief erschüttert,
Daß mir im Auge, selig bang,
Die Thräne glänzt und zittert.
Ich frage nicht: Wird mir dein Wort
Schmerz oder Glück bereiten?
Der süße Ton hallt in mir fort
Für alle
Ewigkeiten!
_____
Alfons Petzold
(1882-1923)
Der
ewige Becher
Deine Liebe ist ein Becher,
gefüllt mit edlem Wein.
Ich will der
ewig trunkne Zecher
sein.
Ich trinke alle Nächte, alle Tage
und halte einsam fröhliche Gelage,
mein Mundschenk ist die Sehnsucht tief in mir
nach dir!
_____
Ich ging mit Dir an einem Dom vorbei,
darinnen sang die gottversunkne Menge;
ich flog mit Dir aus dieser Erdenenge
dem Himmel zu, von allem Dunklen frei.
Saß dort mit Dir im Glanz der
Ewigkeit,
Deine Hände, Süße, in den meinen,
wir durften beide als zwei Sterne scheinen
im horizontnem Dunkel dieser Zeit.
_____
Ich will nur Licht von Deinem Lichte sein,
doch wenn der Erde Dunkel Dich umfängt,
so sei auch meine Stunde nicht gehängt
in einer Freudenlampe hellen Schein.
Und wenn Du krank bist, leide auch mein Leib
und wenn Du stirbst, so will ich knien und beten,
daß ich mit Dir zusammen darf betreten
den Garten
Ewigkeit, mein Weib.
_____
O so Lipp' an Lippe hängen dürfen
eine lange schöne
Ewigkeit,
aus des ander'n Atem Süße schlürfen
für die Bitternis der argen Zeit.
Nichts mehr reden, sondern nur noch lauschen,
wie des ander'n Herzschlag schneller geht -
und in allen Gliedern dieses Rauschen,
das Gesang ist und zugleich Gebet.
_____
Sage, daß Du mich lieb hast,
setz Dich zu mir her!
Lieb, es ist mein Weg so schwer
und so gut bei Dir die Rast.
Will nicht schauen, will nicht denken,
all das schafft so arge Pein,
will mich ganz in Ruh' versenken
und nur Schale Deines Atems sein.
Lege all Dein Tun beiseit,
Liebling Gottes, komm!
Schenk mir in den Becher Zeit
einen Tropfen
Ewigkeit,
daß ich wieder werde
wie die liebe Erde,
reich an Glauben, still und fromm.
_____
August Graf von Platen
(1796-1835)
Einsam schweif ich im Gefolg der Nacht,
Die so gern der Liebende durchwacht.
Hoffnung strahlt mir wie der Mond so fern,
Totenkerze scheint mir jeder Stern.
Und ein
ewig heißes Wünschen schwillt
Mir im Busen, ewig unerfüllt.
_____
Tristan
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ist dem Tode schon anheimgegeben,
Wird für keinen Dienst auf Erden taugen,
Und doch wird er vor dem Tode beben,
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen!
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe,
Denn ein Tor nur kann auf Erden hoffen,
Zu genügen einem solchen Triebe:
Wen der Pfeil des Schönen je getroffen,
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen,
Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen,
Und den Tod aus jeder Blume riechen:
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen!
_____
Hermione von Preuschen
(1854-1918)
Mein Herz schreit laut
Ein liebeleeres Leben ist der Tod,
mich aber treibts zum zuckend heißen Leben,
da fand ich dich – in tiefster Seelennot
und hab die ganze Seele dir gegeben.
In ihrer Heimat, neu erwacht zum Glück,
ruht endlich sie, von deinem Arm umschlossen,
und nimmer, nimmer kann sie mehr zurück,
nachdem des Lebens Fülle sie genossen:
ein ander Sein, dem Leidenschaft kein Spott,
und das noch lieben kann und kann noch hassen.
Mein Herz schreit laut nach einem Menschengott,
mein Arm will
ewig,
ewig ihn umfassen.
_____
Nie wird das Bild mir blasser
Nie wird das Bild mir blasser:
mein Schiff in rasendem Sturm,
über dem wilden Wasser
drüben das Licht im Turm.
Dort sind die Sapphoklippen,
dort ward das Wunder vollbracht:
opfern mit blühenden Lippen
ewiger Liebe Macht.
_____
Orchideen meiner Seele
Und ich zog nach den Fluren am Ganges,
ließ mich durchglühn von Tropensonnen,
Orchideen meiner Seele
spiegeln
ewigen Liebesbronnen.
Der - verschüttet vom Triebsand des Tages -,
reicht in unergründbare Schächte,
drin meines rastlosen Herzensschlages
Toben ich höre, durch brennendste Nächte.
Den kein Alltag jemals kann kühlen,
nimmer der Lebenswinter vereisen,
Urweltsehnsucht berufenster Erbe,
muß ich die
Ewigkeit an mich reißen!
_____
Morgenstern
Was steigt herauf in wunderseliger Pracht,
ein goldnes Licht in meines Lebens Nacht?
Wie neue Jugend strömts durch meine Glieder,
fand ich die Liebe endlich – endlich wieder?
Wild pocht mein Herz in ungestümem Schlag,
jäh reißts hinüber mich ob Raum und Zeit.
Was bist du? Erdenwonne meinem Tag
oder der Morgenstern der
Ewigkeit!
_____
Wie eine Mänade
Wo ist die Schönheit,
wo ist die Liebe?
Ist eins im andern,
ist keines wahr?
Wie eine Mänade
durchschluchz ich den Morgen,
durchras ich den mittag -,
durchsehn ich den Abend,
- und taumle ins Dunkel
der großen Nacht. - - -
Und doch - - - überm Dunkel
leuchtet ein Stern mir
- der Stern meines Ich!
So große Sehnsucht,
so große Liebe,
so große Leiden -,
die haben erkauft sich
die
Ewigkeit!
_____
Robert Prutz (1816-1872)
Nicht zürne mir, daß ich vermag zu scherzen
Und Lieder reime mit verwegnem Munde
Von jenem Tage, da zu
ew'gem Bunde
Sich in einander gossen unsre Herzen.
Laß dich mein übermüthig Spiel nicht schmerzen!
Du weißt ja, Liebste, was mir diese Stunde,
Und wie in meiner Seele tiefstem Grunde
Nun
ewig leuchten ihre heil'gen Kerzen.
Es giebt ein Glück, so über alle Grenzen,
Daß, während dankerfüllt die Lippen beten,
Die Augen doch von süßer Lust noch glänzen.
Solch Glück, solch sel'ges, gabst du dem Poeten,
Und wie man Heil'ge schmückt mit bunten Kränzen,
So nimm auch du die Lieder vom Kometen!
_____
Sicheres Glück
Das, Liebste, dünkt der beste Theil
Von unserm Glück mich allezeit,
Der Anker das, dran unser Heil
Gegründet liegt für
Ewigkeit;
Daß, ob wir brennen noch so heiß,
Und ob wir lieben noch so sehr,
Doch jeder fühlt, doch jeder weiß,
Es liebt der Andre ihn noch mehr.
_____
All
Du bist das keusche Mondenlicht,
Das still und klar durch Wolken bricht,
Und bist der Sonne Feuerstrahl,
Der Blumen weckt in Berg und Thal.
Der fromme Abendstern bist du,
Der lächelnd winkt zu sel'ger Ruh',
Und bist der Blitz, der, gottentstammt,
Der Seele Dunkel mir durchflammt.
Doch – "Namen sind nur Rauch und Schall!"
Sei, wie du bist, du bist mein All!
In deine Seele schließ' mich ein,
Die Meine du, ich
ewig dein!
_____
Du fragst, wozu das Küssen tauge,
Und was es eigentlich will sagen?
Um sich zu blicken Aug' in Auge,
Und Seel' um Seele zu befragen.
Wenn Auge sich in Auge spiegelt
Und sich zu Seele Seele findet,
Dann wird im Kusse rasch besiegelt,
Was treue Herzen
ewig bindet.
_____
Letzter Blick und letzter Gruss
Letzter Blick und letzter Gruß,
Herz, wer kann es fassen?
Letzter Seufzer, letzter Kuß,
Und dann dich verlassen;
Lassen dich aus diesem Arm,
Der dich oft umfangen
In der Mainacht lind und warm,
Da die Knospen sprangen!
Lassen dich von dieser Brust,
Die mit heißen Schlägen
In unendlich süßer Lust
Deiner schlug entgegen;
Aus dem Auge lassen dich,
Sonne mir und Leben,
Und in finstre Ferne mich
Freudelos begeben!
Aber aus der Seele, nein,
Nicht aus meinem Herzen!
Das ist Balsam in der Pein,
Das ist Trost in Schmerzen;
Daß, wie auch die Tage sich
Rasch und wechselnd treiben,
Ewig dennoch du und ich,
Ewig wir uns bleiben.
Können meine Arme sich
Nicht mehr um dich ranken,
Halten doch umklammert dich
Sehnende Gedanken!
Und dem Aug' entschwunden zwar,
Glänzt doch alle Stunde
Mir dein Bildniß hell und klar
In der Seele Grunde. –
Letzter Blick und letzter Gruß,
Herz, wer wollte weinen!?
Einen Blick noch, einen Kuß
Und noch einmal einen;
Bleibst du mir und bleib' ich dir,
O, so ist's kein Leiden,
Bleib' ich dir und bleibst du mir,
O so ist's kein Scheiden!
_____
O hochgebenedeit der Mann
O hochgebenedeit der Mann,
Der, wenn ihm schon der Scheitel bleicht,
Und träger schon das Blut ihm schleicht,
Sich treue Liebe noch gewann!
Zum Himmel schaut er stolz und frei,
Und schaut zur Erde still beglückt,
Die sich für ihn mit Blumen schmückt,
In immer neuem, jungem Mai.
Jetzt lacht ihm erst der Sonne Strahl,
Der Sterne Glanz in stiller Nacht;
Ihn rührt der Rose junge Pracht,
Als säh' er sie zum ersten mal.
Kein Sehnen hält, kein wirrer Traum
Die klaren Sinne ihm gebannt;
Mit festem Schritt und sichrer Hand
Für seine Thaten schafft er Raum.
Den Strom der Tage sieht er ziehn
Gelassnen Muthes, sonder Harm;
Es trägt der Liebe starker Arm
Hoch über Sturm und Klippen ihn.
Vergangne und zukünft'ge Zeit
Liegt klar vor seinem innern Blick;
Denn endlos, weiß er, wie sein Glück,
Ist seiner Liebe
Ewigkeit.
_____
Ernst Rauscher
(1834-1919)
In ihr Tagebuch
Wie viele Stürme hast du schon ertragen,
Du junges, reiches Herz!
Und hast in Trauer, Leid und Schmerz
Dem Edlen und dem Rechten nur geschlagen!
Zu Ende sind der Prüfung schwere Stunden,
Wohl dir, daß du vertraut!
Ich hab' entzückt dein Inneres erschaut,
Und
ewig,
ewig bleib' ich dir verbunden.
Nun soll in Freude hin dein Leben fließen,
- So will es dein Geschick -
Im Glückesglanze leuchte nur dein Blick
Und keine Thräne sollst du mehr vergießen!
_____
Mitleidig lach' ich Jener, die da lehren:
"Daß Liebe sich vermind're mit den Jahren;
D'rum möge man mit ihrem Gute sparen,
Auf daß man späterhin nicht müss' entbehren!"
O wüßten sie, wie sie in dem Begehren
Des eig'nen Fühlens Armuth offenbaren! -
Wer reichen Herzens ist, der muß erfahren:
Der Schatz der Liebe kann sich nur vermehren.
Du schwelgst im Überflusse, so beglücke
Freigebig mich; was du mit vollen Händen
Mir gibst, ich geb' es dreifach dir zurücke.
Und ob wir noch so viel davon verschwenden,
In uns'rer Fülle merkt sich keine Lücke -
Wir haben
Ewigkeiten dran zu spenden!
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Anna Ritter (1865-1921)
Der neidische Mond
Nun küsse mich, ich halte still,
Du lieber, lieber Mann,
Und zieht der Mond ein schief Gesicht -
Was geht's den Mond wohl an!
Ich glaube gar, den alten Herrn
Plagt nur der blasse Neid:
Der ginge lieber auch zu Zwei'n
Durch seine
Ewigkeit.
_____
Emil Rittershaus
(1834-1897)
Deine süßen, rothen Lippen
Deine süßen, rothen
Lippen,
Holdes, braunes Mädel, sprich:
Haben mehr sie noch als Lächeln,
Haben Küsse sie für mich?
Deine wunderbaren Augen,
Holdes, braunes Mädel Du!
Sind's die Sonnen meines Glückes,
Sind's die Gräber meiner Ruh'?
Lass' mich länger nicht, du Schönste,
Zwischen Höll' und Himmel sein!
Sei die Meine, sei's für
ewig,
Holdes, braunes Mägdelein!
_____
Die Liebe
Die Lieb' ist
ewig wie das Sonnenlicht,
Und nur die Blumen sterben, die sie weckt.
O, liebe, liebe, bis das Auge bricht,
Bis deinen Leib der grüne Rasen deckt!
Du stehst allein; da faßt mit einem Mal
Die Liebe dich in voller Jugendkraft,
Und in dem Herzen weckt der Sonnenstrahl
Die rothe Frühlingsrose Leidenschaft.
Die Rose welkt. Verfluch' nicht das Geschick,
Denn wisse: Welken ist der Blumen Loos,
Und neue Blumen weckt der Sonnenblick
Der Liebe auf in deines Busens Schooß.
Und hat der Lenz die Rosen auch allein,
Und werden schnell auch alle Rosen bleich;
Noch Blumen zeugt der Sommersonnenschein,
Zwar minder schön, doch minder dornenreich.
Ein jedes Kind, deß Aeuglein, hell und klar,
Begrüßend dich, dir froh entgegenlacht,
Ist eine Blume, die die Lieb' gebar,
Ist eine Blüthe, die die Lieb' gebracht.
Dem schlimmsten Feinde wünsch' ich nicht den Fluch,
Daß, wenn sein Aug' in letzter Thräne schwimmt,
Ein fremdes Ohr den letzten Athemzug,
Das letzte Wort von seinem Mund vernimmt! -
O, liebe, liebe, bis das Auge bricht,
Bis deinen Leib der grüne Rasen deckt!
Die Lieb' ist
ewig wie das Sonnenlicht,
Und nur die Blumen sterben, die sie weckt.
_____
Glaube, Liebe, Hoffnung
Ich glaub' an Dich!
Ob tausend riefen:
Ein Sturm der Liebe Bau zerschlägt,
Ich weiß, in Deines Busen Tiefen
Hat sich mein Bildniß eingeprägt.
Den Glauben wahr' ich, daß ihn raube
Kein Zweifel mir bei Tag und Nacht.
Ich glaub' an Dich, und dieser Glaube
Hat selig mich und froh gemacht!
Ich liebe Dich! Du hast's empfunden,
Wenn liebend Dich mein Arm umfing,
Wenn in der Liebe Weihestunden
Mein Mund an Deinen Lippen hing.
Dein gluthentflammtes Herz, ich preis' es!
Es gab dem meinen Himmelsruh'.
Ich hab' Dich lieb, und keiner weiß es,
Wie theuer meinem Herzen Du!
Ich hoff' auf Dich! Mein ganzes Hoffen
Hab' ich auf Dich, auf Dich gebaut!
Mein Auge sieht den Himmel offen,
Wenn's Dir, mein Kind, in's Auge schaut.
Es kommt ein Tag, da wirst Du werden
Auf ewig mein, auf
ewig mein,
Und beide wollen wir auf Erden
Im Arm der Liebe selig sein!
_____
Ewig
bei Dir
Wenn ich den Blick zum
Himmel richte,
Wo windgejagt die Wolken ziehn,
Wenn zu der Sterne mildem Lichte
In trüber Stund' die Seufzer fliehn;
Dann klammert an der Wolken Flügel
Sich meiner Sehnsucht Arm geschwind.
Ich flög' ja über Thal und Hügel
So gern zu Dir, geliebtes Kind!
Wenn zu des Waldes kühlem Schatten
Ich Morgens oft den Schritt gelenkt,
Wenn ich gepflückt von grünen Matten
Die bunten Blumen, thaugetränkt;
Dann denk' ich: "Ging zu meiner Rechten
Doch sie, die meine Seele minnt!
Dürft' ich in Deine Locken flechten
Den Blumenkranz, geliebtes Kind!"
Wenn mir die Zeit ein Glück beschieden,
Mir einen süßen Wunsch gewährt,
Wenn nach den trüben Stunden Frieden
Und Lust zurück dem Herzen kehrt;
Dann möcht' zu Dir ich jauchzend eilen,
Daß doppelt Lust das Herz gewinnt,
Denn alle meine Freuden theilen
Will ich mit Dir, geliebtes Kind!
O, ewig die Gedanken schweben
Zu Dir, mein Lieb, durch Wald und Au'n!
An Deiner Seite will ich leben,
In Deine Augen will ich schaun!
Um Deine Liebe will ich werben,
Bis meines Lebens Hauch zerrinnt.
In Deinen Armen will ich sterben,
An Deiner Brust, geliebtes Kind!
_____
Julius Rodenberg
(1831-1914)
Lichtbild
Dein ganzes Wesen anmutreich,
Die schlanke, liebliche Gestalt,
Der dunkle Blick, die Wange bleich,
Das Haubt von lichtem Braun umwallt ...
Die Stirn so hoch und unschuldsrein,
Der Augen tiefe Milde:
O Du bist mein, bist
ewig mein,
Ich habe Dich ja im Bilde!
Das ist der Augen schönes Licht,
Das mir so treu entgegenstralt,
Das all Dein liebes Angesicht
Als wie mit Glanz der Sterne malt.
Wie tröstlich blickt der klare Schein
In meines Herzens Wilde:
O du bist mein, bist
ewig mein,
Ich habe Dich ja im Bilde!
Und um die Lippen unbewußt
Ich leises Ahnen zittern seh',
Als wie der Liebe höchste Lust,
Als wie der Liebe tiefstes Weh';
Kein Weh'! - in Dir muß Frühling sein,
Wie draußen im Gefilde,
Denn Du bist mein, bist
ewig mein,
Ich habe Dich ja im Bilde!
So licht und hehr dünkt mich mein Los,
Mich hat berauscht der Liebe Wein -
Ich selber scheine mir so groß
Und alle Welt scheint mir so klein.
Wolan, zum Kampf! - Dein Zeichen rein
Trag' ich auf meinem Schilde:
Einst mußt Du ganz mein eigen sein,
Wie heut Du's bist im Bilde!
_____
Hermann Rollett
(1819-1904)
Gelobt sei alles Lieben
Der Frühling ist verklungen,
Verduftet und verblüht,
Versunken und versungen,
Verschwommen und verglüht.
Die Liebe ist geblieben,
Sie dehnt die Flügel weit, -
Gelobt sei alles Lieben
In aller
Ewigkeit!
_____
Friedrich Rückert
(1788-1866)
Der Frühling ist gekommen,
Der Freund hat Abschied genommen,
Nun wird der Lenz auch scheiden,
Daß mich verlassen die beiden.
Ach, wenn der Frühling bliebe,
So flöh' auch nicht die Liebe;
Und müßte Liebe nicht ziehen,
So müßte der Lenz nicht fliehen.
Mein Herz! wenn
ewig die Liebe
Und
ewig der Frühling bliebe,
So wär' der Himmel auf Erden,
Der uns erst dort soll werden.
_____
Else Rüthel (1899-1938)
Kleines Liebeslied
Vor vielen tausend Jahren,
als wir noch beide Engel waren,
hab ich dich schon geliebt.
Und daß dein liebes Angesicht
der strenge Gott noch immer nicht
in meine Hände gibt,
macht abertausend Jahr bereit
für meiner Liebe
Ewigkeit.
_____
Hugo Salus (1866-1929)
Ewige Treue
Sie starb als Braut, die schmerzerstarrte Hand
Des Liebsten einmal noch zum Munde führend,
Daß ihre Seele auf der Lippen Rand
Die Finger streifte, leise sie berührend.
Und da sie zu des Paradieses Thor
Geflogen kam, die Bäume rauschten leise,
Die heilige Maria trat hervor:
Tritt ein, mein Kind, hier endet deine Reise.
Sie aber schüttelte das bleiche Haupt
Und bat: Vor diesem heilig schönen Garten,
Du Mutter Gottes, sei es mir erlaubt,
Den Liebsten mein in Treuen zu erwarten.
Ich will hier unter diesem Baume stehn
Und, wenn er kommt, ihn an den Händen fassen,
Mit ihm ins selige Leben einzugehn:
Er wird mich nicht zu lange warten lassen.
______
Adolf Friedrich von
Schack (1815-1894)
Wenn uns von zitternder Wimper
Die Wonnezähre tropft,
Wenn bebend Lippe an Lippe hängt
Und Ader an Ader klopft,
Was kann uns die Erde noch bieten fortan,
Das matt nicht erbleichen muß?
Sind
Ewigkeit und Himmel
Doch unser in jedem Kuß!
_____
Richard von Schaukal
(1873-1942)
Nur die Liebe
Nur die Liebe, die im Herzen lebt
und sich unerschöpflich draus ergießt,
also daß es bebend überfließt
und im Spiegel ihres Stromes schwebt,
nur die Liebe, die sich nie erfüllt
und vergebens
Ewigkeit ersehnt,
ist das Band, das sich hinüberdehnt,
wo sich einmal aller Sinn enthüllt.
_____
Manchmal mein ich es
zu halten
mitten in der Nacht,
was in wechselnden Gestalten
mich so selig macht.
Und es ist mir dann am Tage
unter meinem Kleid,
dass ich etwas an mir trage,
das von
Ewigkeit.
_____
Ernst Schulze (1789-1817)
Wer je die Macht der keuschen Lieb' erfuhr,
Dem wird ihr Hauch im Busen
ewig wohnen;
Ein Bild nur kann in einem Herzen thronen,
Die zarte Brust hegt eine Liebe nur.
Durchs ganze Leben folgt sie unsrer Spur,
Mit Dornen bald und bald mit Blüthenkronen;
Doch mag sie zürnen, mag sie lächelnd lohnen,
Ihr huldigt stets die edlere Natur.
Nie schweigt der Schmerz, den sie uns einst gegeben,
Die Freude nie, die sie uns einst gewährte;
Kurz ist die Lust, doch
ewig das Gefühl.
Von Welt zu Welt mit uns emporzuschweben,
Folgt uns ihr Strahl als leuchtender Gefährte;
Ihr Seyn ist Werden,
Ewigkeit ihr Ziel.
_____
Karl Siebel (1836-1868)
Es schien ein Stern
Es schien ein Stern in meine dunkle Nacht
Und sieh: ein Heer von Sternen war erwacht;
Ein Frühlingsleben und ein Wonnesprühn
Erwachte mild bei dieses Sternes Glühn.
Des Lebens Wolken zogen schwer einher,
Der eine Stern – er scheinet nimmermehr,
Und einsam träumend von geliebter Pracht,
Steh' ich ein Wandrer in der dunklen Nacht.
O holdes Licht – geliebtes Angesicht,
Mein Sehnen, Träumen läßt dich
ewig nicht,
Durch Schicksalswolken fleh' ich auf zu dir:
O holdes Licht! warum erschienst du mir?
_____
So falte deine Hände in meine Hände ein!
So falte deine Hände in meine Hände ein
Und hauche deine Seele in meine Seele hinein;
Ich will auf meinen Knien dir stille ruh'n zu Füßen,
Will lauschen, wie die Herzen aus ihren Tiefen grüßen.
Die Blumen sind nun schlafen, die Sternlein aufgewacht,
Der Mond spricht seinen Segen zu uns'rer Liebesnacht.
Die Blätter flüstern heimlich bei weichem Kuß der Lüfte,
Als Weihrauch zu uns sendet Jasmin die süßen Düfte.
Die Blumen sind nun schlafen! Du meine schönste Blum',
Du öffnest mir des Herzens geweihtes Heiligthum.
Es steigen heil'ge Engel aus deines Busens Tiefen
Und singen Liebeslieder, die tief im Herzen schliefen.
Und durch die Lieder wehet ein wunderbarer Klang,
Ich kann ihn nie vergessen mein ganzes Leben lang:
"Die
Ewigkeit der Liebe und ihre Gottesnähe!"
Ich lausche und dann wieder ich dir in's Auge sehe.
_____
Ilse von Stach
(1879-1941)
Liebe
Das aber sind des Lebens schönste Stunden,
wenn Deine Seele zu der meinen spricht.
Dann hat ein Fremdling Heimatsstatt gefunden,
dann fühlt ein Kranker seinen Schmerz gesunden,
dann sieht zu Nacht ein Schiffer Land und Licht.
Das aber ist ein Glück, nicht auszusagen,
wenn mich Dein Arm, Dein starker Arm umfängt,
dann fühl ich
Ewigkeiten in den Augenblick getragen,
ich fühle meine Liebe über mir zusammenschlagen,
wenn sich Dein Herz zu meinem Herzen drängt.
_____
O Du! - - - In meinen Thränen
ist noch dasselbe, glückselige Sehnen,
meine Träume erzählen von Dir.
Mir ist, als ob sie mir weilte und bliebe
meine glückselige, gläubige Liebe,
so nah bist Du mir.
Ich weiß wohl, was viel Kränze und Blüten
auf einem schweigsamen Felde behüten,
- ich weiß meines Herzens Herzeleid.
Aber daß wir uns fremd und begegnet,
daß wir einander geliebt und gesegnet,
trägt sich hinein in die
Ewigkeit.
_____
Francisca Stoecklin
(1894-1931)
Dann sanken wir beseligt in das weiche Moos
Dein Kopf lehnte an meiner Schulter, sanft,
Du hieltest meine Hand. Die alten Tannen rauschten
Feierlich. Und aus dem Dickicht
Trat ein Reh ... das lange lauschend blieb.
Da blickten wir uns tiefer in die Augen,
Die das klare Blau des Himmels hatten.
Wir sprachen nichts, wir dachten kaum etwas.
Wir ahnten nur die
Ewigkeit des Augenblicks,
Und daß die Seelen sich ganz nahe waren.
_____
Karl Streckfuss
(1779-1844)
Sechstes Fragment
Sehet, so schlürft' ich hinunter den Becher himmlischer Liebe,
Bis geleeret der Kelch seeligen Händen entsank.
Liebliche Schwachheit folgte dem schnellentflohenen Rausche,
Und es sank mein Haupt ihr an die ruhige Brust.
Wie der Glocke Ton in milden Lüften verhallet,
So verhallet' in uns, Leben, dein stürmischer Laut,
Süsser Schlummer befieng uns, es flatterten goldene Träume
Aus den Wolken herab uns um die Schläfe herum.
Bald vertrieb ein frohes Erwachen die gaukelnden Bilder,
Neu belebet kam Lieb' uns und Wonne zurück.
Frohen Geschwätzes viel floss von den Lippen, und viele
Küsse verschlangen noch oft halb nur gesprochen das Wort.
Mein auf ewig bist du, o theure Geliebte, und einzig,
Dein, Amanda, bin ich,
ewig und einzig und ganz.
Fester verbindet die Wohlthat den Geber und den Beschenkten,
Beyde empfiengen wir, schenkten uns Liebe und Glück.
Alles bist du mir nun, auf dich beschränkt sich mein Leben,
Ewig leb' ich in dir,
ewig in besserer Welt -
Ja, hoch über den Sternen, die jetzt dem Liebenden winken,
Find' ich ein Seeliger einst auf den verschwisterten Geist.
Was die Vernunft mir verneint, bejaht mir jetzt die Empfindung,
Amor scheuchet mir jeglichen Zweifel zurück.
Ach, Geliebte, du kannst die ganze Liebe nicht fühlen,
Nicht begreifen, was tief mir in dem Busen sich regt,
Vieles Grosse giebt es auf der unendlichen Erde,
Und Erstaunen füllt darum der Sterblichen Sinn,
Aber könnt' ich ganz mein innerstes Wesen enthüllen,
Zeigen die seelige Kraft, die mir Amanda verliehn,
Staunen sollten dann alle dem nie geahndeten Anblick,
Staunen, dass mich so einzig die Götter beglückt.
Ja, ich fühl' es, Amanda, was in mir lebet, ist einzig,
Aber einzig bist du, die mir diess Leben geschenkt.
Deines Wesens Wohllaut vereinet die Fülle der süssen
Harmonieen, die nur einzeln die andern erfreun.
Eine Sonn' erscheinst du, und rufst mit himmlischen Strahlen
Jede Blume hervor, die noch der Boden verbarg.
Mit des Lenzes Schmuck bekleidest du gern den Geliebten,
Jede Wolke zerstreut ihm dein allmächtiger Blick,
Dass ein fröhlicher Himmel ihn, den Beglückten, umlache,
Dass er die heitere Brust bad' im ätherischen Duft.
Du entschliessest dem Herzen die Pforte verborgener Zukunft,
Hebest den Schleyer, der ihm neidisch sein Wesen verbarg,
Und das Grosse wird ihm unendlich, das Kleine zum Grossen,
Unbedeutendes ist nicht mehr im weiten Gefild.
Alles trägt die Spur der grossen,
ewigen Liebe,
Waltend veredelt ihr Geist, was sich dem Liebenden zeigt.
_____
Wilhelm Wackernagel
(1806-1869)
Ein einzig süß vertraulich Wort,
Ein Kuß, den nimmer wir beschließen,
Soll unser beider Leben fort
Und fort bis hin zum Ende fließen;
Bis in das große Liebesmeer,
Das
Ewigkeit die Menschen nennen,
Wir untergehn um nimmermehr
In
Ewigkeiten uns zu trennen.
_____
Paul Wertheimer
(1874-1937)
Schöpfung
Und wenn wir so beisammen liegen,
Still, Arm in Arm, tief in der Nacht,
Und unsre Küsse heisser fliegen
Und lauter die Begier erwacht -
Dann steigen, die schon längst verronnen,
Geschlechter jäh vor mir empor -
Und die Geschlechter, jetzt begonnen,
Sie brechen aus des Dunkels Thor.
Und
Ewigkeit, die lange ruhte,
Und
Ewigkeit, die jetzt erstand:
Sie reichen sich in der Minute
Des tiefsten Glücks die Geisterhand.
_____
Ernst von Wildenbruch
(1845-1909)
Ewige Liebe
Was soll ich anders sagen,
Dir, mein geliebtes Kind,
Als immer nur dies eine:
Ich bin dir treu gesinnt.
Dein Name steht geschrieben
Mir tief ins tiefste Herz,
Mit goldnen Flammenzügen,
Die fester stehn als Erz.
Wir wollen uns gehören
Von nun in
Ewigkeit,
Dich freue, was mich freuet,
Dein Leiden sei mein Leid.
Der Leib wird welken, sterben,
Die Seele nicht verdorrt,
Lieb' ist der Seele Blume
Und blüht im Himmel fort.
_____
Küsse mich - küß mich immerdar,
Daß, wie Lipp' auf Lippe schließet,
Dasein ganz in Dasein fließet,
Ewigkeit den Bund uns segne,
Kein Verlieren uns begegne -
Nimmer Trennung - nimmerdar -
Küß mich immerdar.
_____
Bruno Wille (1860-1928)
Alles um
Liebe
(Nach A. de Musset: An Ninon)
Vorbei! Die Stunden wandern;
Ins Schattenreich entschwebt
Der eine Tag zum andern ...
O Herz, heißt das gelebt?
Noch blüht ihr, letzte Rosen,
Vom Abendstrahl umloht;
Mit kalter Hand zu kosen,
Kommt diese Nacht der Tod.
Der Garten wird verschneien ..
Dann fragt ein Seufzen schwer:
Warum nur blieb im Maien
Dies Herz von Liebe leer?
Mein Leben geb ich gerne
Um Kuß und zärtlich Wort.
Und bleibt die Liebe ferne,
Ich werf es achtlos fort.
Mag Stund auf Stunde rinnen;
Was kümmert mich die Zeit!
Ein Augenblick voll Minnen
Wiegt eine
Ewigkeit.
_____
Joseph Christoph von
Zedlitz (1790-1862)
Ewige Leuchte
"Bist noch immer nicht verglommen,
Trübe Leuchte, stirbst noch nicht?
All' Dein Oel ist Dir genommen,
Und es dämmert noch Dein Licht?"
""Liebe strahlt, ein
ew'ger Schimmer,
Flamme, die stets wächst, nie ruht;
Braucht kein Oel und brennt doch immer,
Braucht nicht Nahrung ihrer Gluth,
Und doch löscht ihr Feuer nimmer.""
_____
Sidonie
Grünwald-Zerkowitz (1852-1907)
O Du gute Nacht!
Ich küsse Deiner Hülle Saum,
O Nacht, die vor die Seele mild
Mir zaubert im barmherz'gen Traum
Des fernen Liebchens lichtes Bild!
Wie süß wär' ach das Sterben mir,
Könnt' in die
Ewigkeit ich gehn
Im Hoffen: wie im Traume hier
Mein Lieb im Jenseit auch zu sehn!
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Kathinka Zitz-Halein
(1801-1877)
Die Liebe streut Blumen auf dornige Pfade,
Die Liebe erhebt uns zum Urquell des Lichts,
Sie trinkt aus dem Borne der
ewigen Gnade,
Und höher als Gold oft erfreut sie ein Nichts.
Die Lieb' ist mild,
Der Gottheit Bild.
Und ward auch das Herz oft verwundet,
Die Liebe vergiebt - es gesundet.
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Wonne des Himmels, daß ich Dich gefunden!
Heil der verhüllten, der göttlichen Macht,
Die uns auf
ewig in Liebe verbunden
Bis zu des Todes umschleiernden Nacht.
Tausch' nicht mein Loos mit dem König der Welten,
Trifft auch ein Weh einst die bebenden Brust,
Wird Deine Liebe mir reichlich vergelten;
Dann hallt die Luft von dem Jauchzen der Lust.
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Liebe ist von
Ewigkeit
O saget nicht, daß Liebe sterben kann,
Sie stirbt nicht gleich den anderen Gefühlen,
Wenn hin das Leben stirbt, denn sie ist
ewig.
Die andern Leidenschaften sind nur eitel,
Sie sind vergänglich wie die Dunstgebilde.
Die Ehrfurcht kann nicht in dem Himmel wohnen,
Der Geiz, der Stolz, nicht in dem Sitz des Lichts;
Aus ird'schem Stoff, gehören sie der Erde
Und sterben da, wo sie geboren wurden.
Die Liebe aber ist nicht zu zerstören,
Ihr heiliges Feuer brennt in
Ewigkeit.
Sie stammt vom Himmel, darum kehrt sie wieder
Zum Himmel auch zurück. Sie ist hienieden
Ein oft verfolgter Gast, sie wird betrogen,
Mit falschem Schwur getäuscht, wird unterdrückt -
So wird sie hier geprüft und rein geläutert
Und hat im Himmel ihren steten Sitz.
Hier saet sie aus mit Kummer und mit Thränen,
Dort sammelt sie die reiche Ernte ein.
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