
Franz Marc (1880-1916)
Liebespaar
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Stichwort: Licht
16./17. Jh.
18. Jh.
19/20. Jh.
16./17. Jh.
Hans Aßmann Freiherr von
Abschatz (1646-1699)
Giebt Rosilis / mein
Licht
/ zum Morgen solchen Schein /
Wie soll mein Herze nicht zu lauter Flamme werden
Wenn sie wird angelegt in vollem Mittag seyn!
_____
Ardenia / mein
Licht
/ was wilt du weiter sagen?
Ich küsse mit Gedult die Rutte / die mich schlägt /
Und bet in Demutt an den Feind / der mich erlegt /
Verzehre mich in mir mit Leiden und nicht klagen.
_____
Anonyme Barockdichter
Blandinchen / wenn dein
licht
Mir scheinet ins gesicht
So spür ich / daß die krafft
Mir starcke regung schafft
Gar biß ins lincke zinchen
Blandinchen.
_____
Caliste mein
licht,
So liebest du nicht,
Wie dir sich mein herze auf ewig verpflicht,
Du bleibest wie stein
Bey jammer und pein,
Und scheinest wie felsen bey flammen zu seyn.
_____
Lisimene liebstu nicht?
Wilstu ewig einsam leben?
Soll der augen sternend
licht
Mir nicht die vergnügung geben?
Ach die sonnen sind zu schöne /
Lisimene!
_____
Ach ich bitte / zürne nicht /
Daß ich neulich auff der wiesen
Ganz verstohlen / o mein
licht!
Konte deinen leib erkiesen.
Ach der leib der war zu schöne /
Lisimene!
_____
Wenn gleich andre stets falliren
Und nicht halten ihre treu /
Wil ich doch den denckspruch führen /
Daß ich recht beständig sey.
Nichts soll meine liebe trennen /
Die auf dich allein gericht /
Und mein herz wird ewig brennen
Gegen dich / vollkommnes
licht.
_____
O schwarzes aug / so alles brennt!
O nacht / die selbst die sonne blendt!
O finsterniß bey stetem
lichte!
O
licht
bey dicker finsterniß!
Wo bleib ich / meine Marilis /
Forthin vor deinem angesichte?
_____
Strahlt mit ungemeiner schöne /
Strahlt ihr fackeln jener welt /
Ich weiß doch / daß Clorimene
Eurem glanz die wage hält.
Hüllet eure seltsamkeiten
Nur in flor und zindel ein /
Sie / der zierat unsrer zeiten /
Wird euch schon gewachsen seyn.
Ihr vergöttertes gesichte
Nimmt der sonnen selbt den preiß /
Denn sie strahlt mit einem
lichte
/
Das von keinen flecken weiß.
Darum will / wie ieder spüret /
Sie der himmel uns entziehn /
Was den creiß der erden zieret /
Soll im sternen-garten blühn.
_____
Roselle schönstes
licht
/
So wilstu denn in thränen ganz zerfliessen /
Und will dein Angesicht
Von anders nichts als wasser-perlen wissen /
Bloß weil die zeit uns die gemeinschafft trennt /
Und deinem knecht ein ander bleiben nennt?
_____
Komm schwarze nacht! umbhülle mich mit schatten
Dein flor beziehe meines purpurs glanz /
Weil sich mit mir will eine sonne gatten /
Vor deren
licht
erbleicht der sternen kranz /
Laß deinen teppich meine brust bedecken /
Und meinen sieg in dein gezelt verstecken.
_____
Was vor ein ernst blitzt aus den schönen augen /
Die sich mein herz zum sonnen-licht'
erwehlt?
Soll nichts nicht mehr mein seuffzen vor dir taugen /
Daß dein Gesicht mit schelem blick mich qvält?
Was hab' ich denn so hart verbrochen?
Daß mir itzt durch dein stetig sauer-sehn
Mein urtheil wird gesprochen /
Was ist zu wieder dir mein
licht
geschehn?
_____
Du bist an
licht,
und aller schönheit reich,
Was an dir ist, kömmt reinen perlen gleich.
Du bist ein nettes meisterstück,
Woran die engel selbst gebauet:
So offt ich dich, holdseligs kind, beschauet,
Entgienge mir ein tropffen warmes blut,
Indem du mich an deine brust gedrücket.
_____
Deine treu und redlichkeit
Verschwistert sich mit jammer, angst und leyd,
Öffters wird das
licht
der liebe
Wie der sonnen helle pracht,
Durch die nacht
Und durch dampff und nebel trübe.
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Auf Climenens kleine brüste
Climene zeiget mir den angenehmsten garten,
Doch dieses klaget sie, daß ihre äpffel nicht
Ein wenig groß gerathen seyn.
Doch stelle diesen kummer ein,
Und laß mich sie, mein
licht,
Als deinen gärtner fleißig warten.
Der handgriff, den ich weiß, schlägt ohne zweiffel an,
Und macht, daß man sie bald was grösser schauen kan.
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Paul Fleming (1609-1640)
MEin gestirntes Paradeiß/
mein
Licht/
mein Mohn/ meine Sonne/
mein gantz Himmelreich voll Wonne/
und von was ein Gott sonst weiß/
das ist Philyrille mir/
mir/ der Erden unter ihr.
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Gold ist dein treflichs Haar, Gold deiner Augen
Licht,
Gold dein gemalter Mund, Gold deine schöne Wangen,
der Hals, die Brust, der Leib und was uns macht Verlangen,
Gold ist die Rede selbst, die deine Zunge spricht,
die auch ganz gülden ist...................
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O Sonne meiner Lust, schein' ewig so, wie itzt.
Du bist die süße Glut, die meinen Geist erhitzt,
von dir, Glanz, nehm' ich Schein, von dir,
Licht,
werd' ich
lichte.
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Du bist der siebzigste nach fünfmal hundert Tagen
und sechsmal tausenden, daß meines
Lichtes
Licht
das
Licht
der großen Welt nahm in ihr Angesicht,
und hört' ihr frohes Haus von junger Freude sagen.
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Andreas Gryphius
(1616-1664)
Sie, dennoch sie, mein
licht!
sie wil beständig seyn.
Ob die zeit sich gleich verändert und die sonne sich versteckt
Und die wüsten felder trauren und das feld mit schnee bedeckt,
Sie dennoch (wie sie schreibt) geht kein verändern ein.
Die bäume sind entblößt, das wasser hart als stein,
Der palläste göldne spitzen sind mit grauem reiffleckt,
Aller blumen welcke blätter, die durchbeiste kält erschreckt.
Nur ihre rose steht in frischem glantz allein;
Warum doch wil ich hier verziehen,
Wo nichts denn unlust ist und kalte winter-lufft,
Weil sie mir noch, mein
licht!
zu ihren rosen rufft?
Ade! ich muss von hinnen fliehen.
Wer länger schmachten wil in scharffer frostes-pein,
Wenn ihm der frühling rufft, muss es nicht würdig seyn.
_____
So fern, mein
licht!
von euch, so fern von euch gerissen,
Theil ich die trübe zeit in schmertzen und verdruss
Und wünsch all augenblick, dass mir des himmels schluss
Erlaub, euch bald voll lust und unverletzt zu grüßen.
Mein trauren kan ja nichts (wie hoch es auch) versüßen,
Als ihr, o meine lust! Wie dass mit schnellem fuß
Ich denn mein werthes heyl bestürtzt verlassen muss,
Indem ich einig mag die keusche schönheit küssen?
Ihr Parcen, die ihr uns das tag-register setzt,
Ach führt mich wieder hin zu dem, was mich ergetzt!
Warum doch suchet ihr mich von mir selbst zu scheiden?
Mein leib, ich geh es nach, sitzt ja in diesem land;
Die seele geb ich dir zu fester treue pfand,
Bey welcher ich voll ruh, ohn welch' ich stets muss leiden.
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Wenn meine seel in euch, mein
licht!
wie kan ich leben,
Nun das verhängnis mich so ferne von euch reißt?
Wie kan ich fröhlich seyn, wenn ihr mir euren geist
Nicht für den meinen woll't (den ihr gefangen) geben?
Man sieht mich hier, doch nur als ein gespenste schweben,
Als ein verzaubert bild, das sich beweglich weist
Durch fremder künste macht. Diß, was man sterben heißt,
Kan meine schmertzen wol, nicht meine flamm' auffheben.
Klagt euch das hertze nicht, das ihr in bande legt,
Wie scharff die geißel sey, die meine glieder schlägt?
Doch nein! es ist zu schwach, sein elend auszusprechen.
Es weiß nichts mehr von mir, es kennt euch nur allein;
Es freu't sich seiner angst und wünschet diese pein
Der bande, durch ein band, das ewig sey, zu brechen.
_____
Was hat des fürsten hof, was fand die weise stadt,
Das mächtig sey mich zu erfreuen?
Ich muss die schöne zeit bereuen,
Die mein gemüth ohn sie, mein
licht!
verzehret hat.
Bey ihr find ich, was ich voll hertzens-seuffzer bat.
Die saamen in das land einstreuen,
Begehren so nicht das erneuen
Des frühlings, der mit thau krönt die erfrischte saat,
Als mich verlanget sie zu schauen,
Sie, meine lust, wonn und vertrauen!
Die mir der himmel gab, zu enden meine klagen.
Sie kan ich diesen tag nicht sehn.
Ach himmel! lass es doch geschehn,
Dass mir mög ihr gesicht die nacht ein traum vortragen!
_____
Christian Hoffmann
von Hoffmannswaldau (1616-1679)
Albanie / der schönen augen
licht
/
Der leib / und was auff den beliebten wangen /
Ist nicht vor dich / vor uns nur zugericht /
Die äpffel / so auff deinen brüsten prangen /
Sind unsre lust / und süsse anmuths-see.
Albanie.
_____
Ich rede nur mit steinen.
Dein stolzes ohre hört mich nicht.
Und deiner augen feurig
licht
Will mir nur ewig grausam scheinen.
Kan denn mein nasses thränen-meer
Nicht deines zornes glut abwaschen?
So siehe / wie ich mich verzehr!
Dein heisser augen-blitz verbrennet mich zu asch.
_____
Wen brennt die nacht der liebes-flamme nicht /
Als die zur glut dem menschen ist erkohren?
Ein ganzes meer lescht nicht ihr schönes
licht
/
In dessen abgrund Venus ward gebohren /
In wellen schwamm diß schöne ungeheuer /
Und bleibt ein feur.
_____
Soll Solimene meine glut /
Die mir versehret marck und blut /
Ganz ohne deine rettung brennen?
Du äscherst meine brust ja ein /
Mein herze muß entzündet seyn /
Und du wilst keine flammen kennen.
Befrage selbst das heisse
licht
/
Das aus den hellen augen bricht /
Was feuer es in mir erwecket?
Es schmelzt der seelen hartes eiß /
Und machet Salamander heiß /
Und ich soll seyn unangestecket?
_____
Wer wollte sich durch dich nicht willig lassen binden /
Das angenehme wunder-licht
/
So aus den schönen augen bricht /
Läst nichts als morgenschein und süsse lust empfinden.
Die seuffzer / so allhier das herze fahren läst /
Hat nur der überfluß der anmuth ausgepreßt.
_____
Ja / leider! es ist gar kein wunder /
Wenn deiner augen sternend
licht
/
Das von dem himmel seinen zunder /
Und sonnen von der sonnen bricht /
Sich will bey meinem morrschen nachen
Zu einen schönen
irrlicht
machen.
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Amaranthe / die ich nicht
Obgleich untreu hassen werde /
Scheine noch mit deinem
licht
/
Aendre meinen sitz die erde /
Wirff noch einmal einen strahl
Hier auf diesen todten-saal.
_____
Christian Hölmann
(1677-1744)
Bey übersendung eines schatten- oder sonnen-fächers
Den selbst die sehnsucht fast zum schatten hat gemacht,
Der übersendet dir hier einen sonnen-schatten.
Wie nun beym schatten, und bey dem tage nacht;
So wollst du, sonne! dich mit diesem gleichfalls gatten!
Der schatten folgt dem
licht',
ich folge, sonne! dir;
Doch brennen unerhört mich deines
lichtes
blicke:
Hältst du hinfüro nun dir diesen schatten für;
So find ich bey dem
licht
im schatten mein gelücke.
Der schatten kühlt den brand, das
licht
erwecket ihn;
Doch du, o sonne! kanst durch
licht
und schatten kühlen.
Wo deine strahlen sich der gegen-gunst hinziehn,
Und wo du schatten machst, ist frühling-lust zu fühlen.
Ich flehe dich nun auch, mein
licht
und schatten an,
Dein
licht
zertreibe mir das schatten-werck der sinnen,
Ja alles, was mir sonst die lust verfinstern kan!
Und in dem schatten laß mich deine gunst gewinnen!
Doch deine gunst muß selbst nicht nur ein schatten seyn.
Soll ich nun meinen zweck und deine gunst erlangen;
So lasse diesen schluß, o sonne! mich erfreun:
Daß sich dein schatten will mit händen lassen fangen!
_____
Heinrich Mühlpfort
(1639-1681)
Ihr
Lichter
voller Glut /
Ihr Sternen heller Liebes-Flammen /
Schlagt doch in meinem Blut /
Mit eurem doppelt Schein zusammen /
Und brennt diß Herze an;
Das sonst nicht leben kan.
Wie schöne siehet doch /
Die Klarheit aus dem Angesichte /
Ach zeiget euch mir noch /
Mit eurer Strahlen Blitz und
Lichte
/
Brecht durch die schwarze Nacht /
In ungemeinen Pracht.
_____
Ich bin vergnügt / dein heisser Kuß entdeckt /
Wie treu du liebst! wie redlich deine Flammen!
Es brennt ein Feur / das im Verborgnen steckt /
Biß endlich schlägt die
lichte
Loh zusammen:
So auch ein Herz / das alles überwiegt /
Ich bin vergnügt.
_____
Die Worte fehlen mir / mein Engel und mein
Licht
/
Du weist daß Liebenden Beredsamkeit gebricht /
Zu melden diese Glut / so mir das Blut erhitzt /
Zu nennen diesen Brand / in dem die Seele schwizt.
_____
Mein auserwählter Schatz / der du mich hast entzündet
Durch deiner Augen Pracht /
Nun kommt die süsse Nacht /
So beyder Herz und Seel‘ in reiner Treu verbindet /
Und unsrer Liebe
Licht
und Schein
Heist nunmehr unauslöschlich seyn.
_____
Mein Engel gibstu doch mit Wincken zu verstehen /
Daß in nicht mindrer Glut /
Entbrannt dein treues Blut /
Und eilt mit gleichem Sinn das Bündnüs einzugehen /
O komm / O komm / verzeuch doch nicht /
Mein Augen-Trost / mein Seelen-Licht!
_____
Nimm Clytie zu dem Geschencke
Mein Herze / weil mir Geld gebricht /
Du siehst / daß ich auff Liebe dencke /
Die aller Schätze Schatz und
Licht;
Und weil ich leben
Muß unter dir /
So will ich geben
Zur Pflicht-Gebühr
Mein Herze hier.
_____
Ach schönste Cyndaris! ich fühle deinen Brand /
Den deiner Augen
Licht
mir heimlich zugesandt /
Ich weiß nicht wie mir war / als ich den Blitz empfand /
Der aus dem Diamant der Sternen kam gerannt.
_____
Ach Anemon ich frier ich / schwitze /
Ich brenn von Liebe
lichter-loh
/
Ach lasse deiner Augen Blitze /
Mich Sterbenden noch machen froh /
Dein Angesicht kan mir das Leben /
Und auch den Sterbe-Kittel geben.
_____
Gewünschte Nacht! beglücke mich /
Daß Charimene zeiget sich /
Und gönnet meinem Thon die Ohren /
Ich werde wohl halbschüchternd stehn /
Wenn ich seh diesen Blitz aufgehn /
Den ihrer Augen
Licht
gebohren.
Gewünschte Nacht! Ihr Angesicht /
Ist heller als der
Lichter
Licht
/
Die durch ein guldnes Wincken spielen /
Denn diese zieren dein Gewand /
Jen' aber streuen Glut und Brand /
Den man muß in der Seele fühlen.
_____
Nun sich die ganze Welt gestreckt /
Und Sie des Schlaffes Fliegel deckt /
Die Flüsse stehn / und ruhn die Winde /
Erwacht mein Herze voll Begier /
Und singet vor der tauben Thür /
Erschein / erschein O Roselinde.
Dann / kan ich deiner Augen
Licht
/
Das auch durch alle Nächte bricht /
Als meinen Leitstern nicht erblicken /
So werd ich ganz verlassen stehn /
Verirrt in meinem Trauren gehn /
Und heisse Seuffzer nach dir schicken.
_____
Benjamin Neukirch
(1665-1729)
Ach strenge Sylvia! wie könt ich besser seyn?
Du suchest mein verderben /
Der brandt nimmt meine glieder ein /
Und heist mich sonder ursach sterben;
Ich aber liebe dich / und küsse noch das
licht
/
Das mir diß feuer hat so listig angericht.
_____
Erdmann Neumeister
(1671-1756)
Glück zu / du schöne-strasse /
Wo lauter zucker-rosen blühn /
Und wo mich zwey magnete ziehn.
Denn wenn ich mich verführen lasse /
So grüßt nur dich mein froher fuß /
Daß ich dir manchen gang des tages schencken muß.
Hier scheinen zwey galante sterne /
Ach wenn ihr wunderschönes
licht
Durch die beglückten fenster bricht /
So sieht mein herz den glanz von ferne /
Woran es sich gewünscht ergötzt /
Und dieses lustrevier vor einen himmel schätzt.
_____
Ich muß zum
lichte
meiner seelen /
Das mir vergnügte blicke schickt
Und den verliebten geist erquickt /
Doch mit der zeit nur eine wehlen.
Allein sie sind fast gleicher krafft /
So bleibt mein blödes herz inzwischen zweiffelhafft.
Ach eine läst recht wunderschöne /
Zumahl wenn das entzückte
licht
Durch die geschwärzten wolcken bricht /
Und diese nennt sich - - -.
Doch lob ich den / der das erräth.
Die allerschönste heißt: wie denn? - - - - .
_____
Johann Rist (1607-1667)
Sol mich denn erleuchten nicht
Deiner Schönsten Augen-Licht/
Das mich hat entzündet
Und mein Herz nun bringt in Pein
Weil es dich nicht findet
Ach Schatz erbarm dich mein/
Ach Schatz erbarm dich mein.
_____
Nun so bleib' Ich stets der deine/
Delia du helles
Licht/
Welches Glantz mein Hertz zubricht/
Du verbleibst auch ja der meine/
Himmel sprich hierzu dein Ja/
Dafnis Schatz/ heist Delia.
_____
Schönste Sonnen/ welcher
Licht
auch im Finstern herrlich strahlet/
Saget doch warum ihr nicht
meine Seufftzer mir bezahlet?
Euch zu lieben leid' ich Pein
O ihr unvergleichte Augen
welche zuverletzen taugen/
Felsen/ Berge/ Thier und Stein.
_____
Ist doch unsrer Liebe Grund
Süsser Mund
Ehr und Tugend stets gewesen/
Ja du schönste Weiber Zier
Mit Begier
Hab' ich dich allein erlesen/
Dich mein Leben/ dich mein
Licht/
Deines gleichen fand ich nicht.
_____
Meine Liebe wanket nicht/
Du mein
Licht
Liebest mich auch gleicher massen/
Ist die Mißgunst schon bedacht
Tag und Nacht
Dich und mich zu trennen lassen/
Wollen wir doch ohne Scheu
Lieben biß ins Grab getreu.
_____
Florabell' das
Licht
der Schönen/
Die der Sonnen ähnlich steht
Die vor alle Weiber geht/
Wil ihr treuer Dafnis krönen/
Der sie preiset/ der bin ich/
Florabelle liebet mich.
_____
Florabella
Licht
der Zeit/
Keine Bluhm ist dir zu gleichen/
Deiner Zierd' und Treffligkeit
Müssen alle Nimfen weichen.
_____
Dorothea Eleonora von
Rosenthal (17. Jh.)
ODE
Ich fühle lauter Angst und Schmertzen
So offt ich nur an Ihn gedenck /
Mein liebster Schatz in meinem Hertzen
Er macht / daß ich mich stündlich kränck /
Ach! Ach mein Liebster / o mein
Licht
/
Er komme doch und seume nicht.
Ich kan kaum mehr den Mund erheben /
Zu singen einen Lobgesang /
Der gantze Leib fäht an zu böben /
Das währt den gantzen Sommer lang.
Ach! ach mein Liebster / o mein
Licht
Er komme doch und seume nicht.
Wo Er kömmt und mich ergötzet
So muß ich sterben also bald /
Weil mir der Schmertz das Hertz verletzet /
bin schon vor großem trauren kalt.
Ach! ach mein Liebster / o mein
Licht
/
Er komme doch und seume nicht.
Ist dann die Liebe gar vergangen
Die angelobte starcke Treu.
Ich warte seiner mit Verlangen /
kein schreiben hilfft und macht mich frey.
Ach! ach mein Liebster / o mein
Licht
Er komme doch und seume nicht.
So offt ich schlaff in meinem Bette /
Welchs doch gar selten kan geschehn /
So deucht mich als wenn Ihn ich hette
In meinen Armen angesehn.
Ach! ach mein Liebster / o mein
Licht
Er komme doch und seume nicht.
So offte seine rothen Wangen /
Der schöne Mund / das krause Haar /
Muß mehr- und nehren mein Verlangen
So offt wil ich verzweifflen gar.
Ach! ach mein Liebster / o mein
Licht
/
Er komme doch und seume nicht.
Nun schweig‘ ich / kan nicht weiter singen /
der matte Mund bestehet mir /
Die Seufftzen muß ich laßen dringen
aus meines Hertzens Schloß erfür.
Ach! ach mein Liebster / o mein
Licht
/
Er komme doch und seume nicht.
_____
David Schirmer
(1623-1687)
Was wendestu dein Angesicht/
Du meine Lust! mein All! mein
Licht!
Mit deinen Augen mich zu brennen?
Ach blas in meine Flammen nicht.
Mein Feuer pfleget sonst zurennen/
Daß es möcht Geist und Seele trennen.
_____
O Perle/ meiner keuschen Seele!
Licht
meiner Glut! mein Sonnenschein!
Laß mir es zu/ daß ich mich quäle/
Ich werde bald nicht bey dir seyn.
Ich werde bald/ voll Angst und Leiden/
O meine Schöne! von dir scheiden.
_____
Sie soll bey Ihm bleiben
Sonne der Freuden/
Flamme der Liebe/
Wilstu denn scheiden
Unter das trübe?
Bleibe mein
Licht.
Liebe verbindet
Hertzen und Hertzen.
Liebe bezündet
Duppelt die Schmertzen/
Scheide doch nicht.
Thränen und Flüsse
Netzen die Wangen.
Wilstu die Küsse
Nicht mehr empfangen?
Bleibe mein
Licht.
Laß dich die Schmätze
Länger aufhalten.
Brauche der Schätze/
Eh sie veralten.
Scheide doch nicht.
Unsere Sternen
Uber der Erden
Wachen von fernen/
Froher zu werden/
Bleibe mein
Licht.
Niemand verstöret
Unsere Stunden.
Was uns versehret
Heilet die Wunden.
Scheide doch nicht.
Unsre Zeitlosen
Grünen am Strande/
Blumen und Rosen
Blühen im Lande.
Bleibe mein
Licht.
Leben und Jugend/
Jugend und Leben
Reiffen zur Tugend
Sich zuerheben.
Scheide doch nicht.
Himmel erwehre/
Lencke die Sinnen/
Daß Sie verkehre
Muth und Beginnen.
Bleibe mein
Licht.
Wirstu mich lassen
Einsam hier stehen/
Muß ich verblassen
Und gantz vergehen.
Scheide doch nicht.
_____
Die Venus/ die ist Amarylle/
Mein Auffenthalt/ mein Rosenblat.
Das schöne
Licht/
der Augen Fülle
Ists/ das mich so versehret hat.
Sie sendet mir die scharffen Pfeile/
Weil ich nach jhrem Feuer eyle.
_____
Jacob Schwieger (um
1630-1664)
Aus deinem Munde flißen Flüsse
Die süßer noch als Zukker seyn/
Ei gieb Sie mihr mein Täubelein/
Licht!
meiner schwartzen Finsternüsse/
Mein liebstes Kind/ reich hehr den Mund
Und mach mein krankkes Hertz gesund/
Hoch-ädle Bluhm den wil ich preisen/
Trau solches/ dich mit tausend Weisen.
_____
Du o Außzug aller Freüde/
Trösterin der harten Pein!
Schaffe Raht in disem Leide
durch der Augen
Licht
und schein/
gieb mihr deiner Liebe Gluht
meine Freündinn' Adelmuht.
_____
Seine Bitte
Hält nicht ein jedes Tihr sich stets zu seines gleichen/
der Täuber liebet sehr sein liebes Täubelein/
Sie wil dem Täuber auch nichts in der Liebe weichen;
Der Hirsch liebt seine Hind': und ich muß einsam seyn?
Wir sein ja beide gleich von gleichem Bluht und Stande/
mein' Adelmuht! warüm liebstu mich denn auch nicht?
Kom Lieb und rette mich! eh man mich findt im Sande
verscharret: Hilff' ach hilff/ mein Sonnenschein und
Licht.
_____
Adelmuht mein
Licht
und schein
und Erquikkung meiner Pein/
was Ich dihr versprochen
wil ich halten steiff und fäst
biß den letzten Lebens Rest
hat der Tod gebrochen.
Dein beliebtes Rosen-Licht
so durch deine Wangen bricht
ist mein bestes Leben;
sage mihr/ o Adelmuht!
wann wiltu dein Rosen-bluht
mihr eins über-geben?
_____
Sie ist Schön
Gleich wie das Sonnen-Licht
mit seinem Glantz und prangen
bestrahlet über-all diß gantze Rund der Welt;
So gläntzt das Rosen-Licht
von meiner Schönsten Wangen/
daß wer dasselbe siht in Demuht nieder-fält;
Die Augen dises Bilds sein heller dann die Sonne/
es ist kein Himmels-Licht
das solche Strahlen giebt.
So gläntzet mein Rubihn/ meins Hertzens Lust und Wonne
drüm billich dises Bild auch von mihr wird geliebt.
_____
Nun Charitil/ ade! Ich kan dich nicht mehr lieben
weil mich ein ander
Licht
jtzund gefangen hält
die Adelmuht die hat mein treües Hertz gefällt
üm dich Freündinne werd' ich mich nicht mehr betrüben/
mein Hertze hat sich schohn der Adelmuht verschrieben:
und die/ die lieb' ich nun für alles in der Welt/
derselben wird von mihr mein Leben zugestellt
mit Jhr hoff' ich mich bald in keüscher Lust zu üben.
_____
Noch an Sie
Was wegerstu dich denn mihr einen Kuß zu geben/
es ist ja keine Schand'/ o außerwehltes
Licht!
ein Kuß erfrischt mein Hertz dihr schadet er ja nicht:
Drüm gieb mihr einen Kuß/ auf daß ich möge leben.
_____
Adelmuht ach! laß mein flehen
so ich treibe mit begihr
dihr doch eins zu Hertzen gehen
komm und stille meine Gihr!
gieb mihr doch dein Röselein
du mein
Licht
und Sonnenschein.
_____
Sie ist sein Pohl
Du bist mein
lichter
Pohl der mich zur Liebe führet/
ach Adelmuht mein Kind! du leitest mich allein
zu deiner Schönheit Port; du bist es die mich zieret/
du bist es auch/ du/ du die mihr bringt Angst und Pein.
Mein Pohl bistu und wilt mihr doch nicht weiter dienen
nachdem du mich gebracht am Hafen deiner Zier
da ich vor Ankker lieg'. Warüm bistu erschienen
mein Nord-stern wen du nicht wilt ferner helfen mihr.
_____
Deinen Deamanten Sinn
laß mein trübes Bluht erweichen!
außerkohrne Mensch-Göttinn!
bleibstu so/ muß ich verbleichen/
ja ich muß wie Rauch vergehn.
Adelmuht mein
Licht
und Wonne
meiner keüschen Liebe Sonne!
ach laß deine Gunst mihr sehn.
_____
Kom hehr mein Kind
und sei gesinnt
wie ich/ mein
Licht
und Leben!
so wil ich dihr
geläub es mihr
noch tausend Küsse geben.
_____
Adelmuht Bluhme der schönsten Jungfrauen
liebeste Seele der Liebe
Lichtschein
laß mich nun immer mit Freüden anschauen
deine bepuderte Wangen ohn Pein/
ach deine Brust
setzet in Lust
meine Begierde/ das magstu wol trauen.
_____
An seine Göttin
Es war mihr angenehm/ als Ich dich erst ersahe
o Adelmuht mein
Licht!
noch lieber wird es sein/
wan Ich nach diser Zeit dich lieblichen ümfahe
und küsse tausendmahl in meinem Bettelein.
_____
Kaspar Stieler
(1632-1707)
Die Grausamkeit und süsses lachen
wie können die Verwandnüs machen
in einem schönem Angesicht'?
Entwehn dich/ Kind/ der Ernst-gebehrden/
so wird der schönen Schönheit
Licht
noch tausendfach verschönert werden.
_____
Macht euch lustig Neider-Herzen
blaset/ wie ihr tuht
Blizz/ Schwefel blaue Gluht
unser' heisse Liebes-Kerzen
Amors Straal und
Licht
verdunkelt ihr doch nicht.
Wie daß heitre Sonnen-glizzen
Etnen Feuer dunkel macht/
so wird eurer Rachen blizzen
gegen unsern Scheine/ Nacht.
_____
Ein Demant/ als ein Wachs/ ist Rosilis/ mein
Licht/
auß der so mancher Straal der Liebes-funken blikket.
Sie ist so hell und rein/ so steinern aber nicht/
sonst hätt' ich meine Form nicht in ihr Wachs gedrükket.
_____
Gottlieb Stolle (Leander
aus Schlesien) (1673-1744)
Die stunden werden tage,
Weil ich, mein
Licht!
von dir entfernet bin:
Flieht, stunden, flieht doch bald dahin!
Daß ich nicht mehr auf das verhängniß klage.
Denn länger ohne dich, o Flavia! zu seyn,
Ist eine höllen-gleiche pein.
_____
An Sylvien,
Wegen seiner finstern wohnung
Ich gebe gerne zu, daß in dein nettes zimmer,
O Sylvia! mehr
licht,
als in das meine, fällt;
Denn dieses kennt nicht mehr, als einer sonne schimmer,
Da deines meistentheils drey sonnen in sich hält.
_____
Durch zwey augen und die sonne
Besteht die klein' und große welt:
Auf diese gründet sich der himmel unsrer wonne,
Denn wären beyde nicht, so stünd' es schlecht bestellt.
Die sonn' erleuchtet finstre hölen:
Der holden augen
licht
erqvickt betrübte seelen.
_____
Auf die unempfindliche Daphne
Geliebtes
Licht,
doch allzukaltes Kind!
Du gleichest recht den diamanten steinen,
Die in der glut fast zu verbrennen scheinen,
Und dennoch kalt und unempfindlich sind.
_____
Als er sie vergebens suchte
Wo bist du denn, mein holdes
Licht?
So frag' ich; aber ach! weßwegen frag' ich nicht,
Wo ich mich selbst befinde?
Leb ich in dir,
Und du in mir?
So bin ich ja bey meinem liebsten Kinde.
Indessen such' ich, wo ich kan,
Und treffe dich doch nirgends an.
Ja was unglaublich scheint, mein angenehmstes
Licht!
Ich weiß es, wo ich bin, und weiß es doch auch nicht.
_____
An eben dieselbe wegen seiner finstern wohnung
Es ist dir leid, daß nicht mehr
licht
Durch meine stuben-fenster bricht;
Doch kehre du nur bey mir ein!
So wird es voller sonne seyn.
_____
Philipp von Zesen
(1619-1689)
Mein wündschen ist dich zu schauen /
Du trautes edles Bild /
Mit Süßigkeit erfüllt!
Ich wil mich mit Dier vertrauen /
Wil trincken aus deinen Flüssen /
Die Honig uns geben müssen;
Drümb komm und laß mich nicht /
Du edles
Licht.
_____
O allerschönste Rosemund / mein allerliebstes Leben /
du gleubst nicht in was grossem weh ich schwacher itzt mus schweben.
Doch du bist alzuweit entfernt; du hörst mein seufzen nicht:
du schläffst vielleicht; ach nicht! du wachst / mein
liebesLebenslicht.
_____
Echo zeige mir mein Leben!
E(cho:) Ja dir eben.
Weistu meine Liebste nicht?
E. Die dein
Licht?
Ja sie ist mein
Licht
und Sonne /
E. Freud und Wonne?
Ja sie ist mein Freuden-Schein /
E. Sie ist dein.
_____
Tugendreich / mein selbst-eigenes Hertze /
Blume der Zeit / mein Alles und Nichts /
Fackel und
Licht
des irrdischen
Lichts
/
Gönne mier doch / daß itzo mein Schmertze
Möge vergehn durch deinen Anblick /
Blicke mich an / so lob' ich mein Glück.
_____
18. Jh.
Charlotte von Ahlefeld
(1781-1849)
Unerreichbar bist Du, o Mond, in der Ferne des Himmels,
Dennoch verklärst Du die Nacht still mit erquickendem Glanz;
So erfüllet auch Er mit
Licht
und Kraft mir den Busen,
Ewig mir ferne wie Du, ist er dem Geiste doch nah.
_____
Aloys Blumauer
(1755-1798)
Minna's Augen
Zwei Augen sind's, aus deren Blicken
Die Sonne selbst ihr Feuer stahl
Seht, Männerherzen, gleich den Mücken,
Dreh'n taumelnd sich in ihrem Strahl.
O sonnt' ich doch in diesen Augen,
Den Mücken gleich, mein Angesicht,
O dürft ich Lieb' aus ihnen saugen,
Und wärmen mich an ihrem
Licht!
_____
Louise Brachmann
(1777-1822)
Liebesglück
Stille seelige Stunden,
Wo uns die Liebe beglückt!
Wo Dein Arm mich umwunden,
Hold mir Dein Auge geblickt.
Sterne glaubt ich zu sehen,
Ach, in dem reizenden Schein!
Strahlend von himmlischen Höhen
Licht
in das Herz mir hinein.
Licht
wohl, doch himmlisches Bangen
Auch mit dem Schimmer zugleich;
Sehnendes, tiefes Verlangen,
Schlummer, von Träumen so reich!
_____
Was Du lobst und liebst an mir,
Dank' ich's Dir denn nicht?
Alles Höh're kommt von Dir,
Meines Herzens
Licht!
_____
Helmina von Chézy
(1783-1856)
Beharre!
Scheide, ach scheide,
Doch nur von Liebe nicht,
Blüht Liebe gleich zu Leide,
Ist sie doch Lebens-Licht!
Scheide, ach scheide,
Doch nur von Hoffnung nicht,
Sie ist ein Stern im Leide,
Ein Gottvergißmeinnicht!
Scheide, ach scheide,
Doch nur vom Glauben nicht,
Der sagt Dir: Liebe, leide,
Und hoff' in meinem
Licht!
Scheide, ach scheide,
Doch nur vom Leide nicht,
Wer nicht kennt Lieb' im Leide,
Der kennt nicht Lieb' im
Licht!
_____
Die Thräne, die Liebe geweinet,
Sie irrt nicht verloren umher,
Sie sucht sich Bahn, und vereinet
Sich einst dem unendlichen Meer.
Und hin zum Meere geronnen,
Als Perle drin wogt sie, und flicht
Sich hell in die Kränze der Wonnen
Der Liebe, die wandelt im
Licht.
_____
An *
Wirf dein Leiden, wirf dein Klagen
In der Liebe Wunderfluth,
Liebe, Liebe wird es tragen,
Läutern in der Himmelsgluth.
In der Liebe Spiegel milde,
Sieh die Welt, in
Licht
verklärt,
Erst im Widerglanz und Bilde
Haben Welt und Leben Werth.
Wer kann ihre Macht ermessen?
Ihrer Schmerzen Seligkeit?
Lieb' ist Erdenleid's Vergessen,
Und Erblüh'n von Himmelsleid!
_____
Johann Wolfgang von
Goethe (1749-1832)
Laß mich nicht so der Nacht,
dem Schmerze,
Du Alllerliebstes, du mein Mondgesicht!
O du mein Phosphor, meine Kerze,
Du meine Sonne, du mein
Licht!
_____
Johann Christian
Günther (1695-1723)
Sie hat mein
Herz bey sich,
Dies könt ihr wohl nicht rühren,
Drum weis sie auch in Leid und Lust,
Was ich und meine Brust
Auch ohne Wort vor Sprache führen.
Ich denck und sage, was ich will,
Vor Leuten oder in der Still,
So denck und sag ich allzeit dies,
Was Ehrfurcht, Lieb und Demuth spricht:
Sie bleibt mein
Licht.
_____
Sie bleibt mein
Licht
und meine Sonne,
Nach der sich meine Sehnsucht kehrt;
So lange Geist und Blut noch brennen,
Wird sie nichts mehr bewegen können,
Als was ihr aus den Augen fährt.
_____
Vor was erröthestu, mein
Licht?
Ich werde dich nichts Böses lehren;
Du kennst das süße Spiel noch nicht,
Dein Anblick raubt mir Sehn und Hören.
Die Liebe wüntscht dich in ihr Reich,
Gehorch ihr doch auf mein Erklären,
Sie wird sich dir und dies zwar gleich
Mit aller ihrer Lust gewähren.
_____
Kind, Engel, Schwester, Schaz, Braut, Taube, Freundin,
Licht,
Mein Stern, mein Trost, mein Herz, mein Ancker und mein Leben,
Ach, sage doch, wie man recht nett und zierlich spricht,
Die Liebe will dir gern den besten Tittul geben,
Die Liebe, so nach dir, was schön ist, prüft und schäzt
Und deines Nahmens Zug mit Freudenthränen nezt.
_____
Jakob Michael
Reinhold Lenz (1751-1792)
An ihrem
Blicke nur zu hangen
Verlang ich, weiter nichts,
Und von dem Reichtum ihres
Lichts
Ein Fünkchen in mein Herz zu fangen.
_____
19./20.
Jh.
Johanna Ambrosius
(1854-1939)
Ach, hätt' ich früher dich geliebt,
Du reines
Seelenlicht,
Fürwahr, der Engel schönes Los,
Beneidete ich nicht.
_____
So reich' mir einmal noch die Hand,
Dann laß uns scheiden, scheiden!
Was willst du durch des Hasses Brand
Noch schüren meine Leiden.
Du glaubst an meine Liebe nicht,
Willst Spott nur mit mir treiben -
So geh' mit Gott; mein
Sonnenlicht
Warst du und wirst's auch bleiben.
_____
Dein Auge ist mein Lebensborn,
Es stillt mein Herz und kühlt den Zorn.
O, bebe nicht vor mir zurück,
Gönn' meiner Seele deinen Blick!
Verschlei're mit der Wimper nicht
Mein einzig süßes
Lebenslicht.
_____
Stine Andresen
(1849-1927)
Mein Stern
Du bist mein Stern! Und willst du's gleich nicht wissen,
Du leihst doch unbewußt mir deinen Strahl,
Gleich wie des Himmels Sterne leuchten müssen
Den armen Sterblichen im Erdenthal.
Einst trieb das Schicksal dich in meine Nähe,
Und stolz und strahlend zogst vorüber du.
That auch dein Stolz mir tief im Herzen wehe,
Du sandtest doch dein segnend
Licht
mir zu.
Und werden nie sich unsere Wege einen,
Und bleibst du mir auch ewig, ewig fern,
Stets wird dein
Licht
in meine Seele scheinen
Voll heil'gen Glanzes, denn du bist mein Stern.
_____
Theodor Apel (1811-1867)
Aus Deinen lieben, frommen Zügen
Les' ich der Hoffnung
Himmelslicht;
Ach laß die Hoffnung mich betrügen,
Nur störe mich in Träumen nicht!
Und laß in Deines Blickes Milde
Mich gläubig ruh'n noch kurze Frist,
Und wähnen, daß in meinem Bilde
Dein Aug' des Herzens Spiegel ist.
______
O so laß mich an dem
Licht
Deiner Augen sonnen,
Weicht doch auch der Frühling nicht,
Der einmal begonnen!
_____
Hugo Ball (1886-1927)
Tausend Saiten hat meine Laute
Tausend Saiten hat meine Laute
Tausend Töne hatte mein Herz
Seit Deine Liebe mir Träume spann
Seit mir Dein Ich in die Seele schaute
Harfen sie himmel und himmelwärts.
Bist Du mein
Licht,
Das die Hände faltet?
Bist Du der Tag,
Der mir Blüten küsst?
Bist Du die Sonne
Die über mir waltet?
Sage mir, ob Du
Ein Engel bist?
_____
Entrückt und nah
Entrückt und nah, belebend und doch Schein,
So seh ich, Liebste, Dich vor mir errichtet.
Ein Umriß, der vor meinen Blicken flüchtet
Und dem es doch bestimmt ist, Bild zu sein.
Die Hände haben längst darauf verzichtet,
Zu fassen nach Gestalt von Fleisch und Bein.
Genug zu wissen, daß Du Brot und Wein
Und zartes Feuer bist, das mich
belichtet.
Die Augen werden einst in Moder fallen.
Was war ich ohne Dich? Ein irres Lallen,
Ein Dunkel und ein Rausch der Bitternisse.
Laß wehen durch mein Wort die
lichten
Küsse.
Laß sinken in mein dämmerndes Gedicht
Vom Brunnenrande her Dein Angesicht.
_____
Wenn je ich still und ganz mich zu dir kehre
Dann mußt du groß und schweigend mich empfangen
Aus irrer Dunkelheit kam ich gegangen
Besorgt, daß ich dein
lichtes
Bild verzehre.
_____
Otto Julius Bierbaum
(1865-1910)
Schlag deine Augen nieder nicht;
Sie sind so hold;
Noch nicht voll Glut, doch voller
Licht
Und Unschuldsgold.
Das hat so innig milden Schein,
Oh süßes Kind,
Dass alle Kümmernisse mein
Verflogen sind.
_____
Ach, daß du mir ferne bist.
Doch mein Herz ist deiner Güte,
Wie dem
Himmelslicht
die Blüte,
Sonnenstrahlenzugewandt.
Und so wird durch deine Strahlen
Aller Schmerzen, aller Qualen
Bald mein Herz entladen sein,
Denn der Liebe
Licht
heilt schnelle.
Sende, spende deine Helle,
Du mein lieber Sonnenschein.
_____
Friedrich von Bodenstedt
(1819-1892)
Die Rebe dehnt sich sonnenwärts,
Nach Liebe sich das Menschenherz:
Wem
Licht
und Liebe bleibt verloren,
Der wäre besser nie geboren!
_____
Helene Branco (Ps. Dilia
Helena) (1816-1894)
In dir empfind' ich nur das Leben,
Du rufst die Seele aus dem Nichts,
Du giebst mir Glauben, giebst mir Streben,
Trägst mich hinauf in's Reich des
Lichts.
_____
Mein ganzes Sein, es neigt in Liebe,
In Sehnsucht neigt es dir sich zu,
Und der Gefühle Blumentriebe,
Sie wurzeln tief in deinem Du.
Wenn
Lichtgedanken
aus dir klingen,
In mir sie nehmen Traumgestalt,
Und wandeln sich in leises Singen,
Das aus mir strömt und nach dir wallt.
_____
Luise Büchner (1821-1877)
Stille Frage
Es quillt des Abendsterns
Geheimnißvoller Schein,
So nah' und auch so fern,
Mir in das Herz hinein.
Drin glüht ein and'res
Licht,
So nah' und auch so fern,
Das Herz umschließt es dicht -
Doch weit ist's wie der Stern.
Du gold'ner Liebesstrahl,
Geh', frage deinen Stern,
Bleibt er zu deiner Qual,
Dir ewig, ewig fern?
_____
Carl Busse (1872-1918)
Nun wiegte der Liebe
Lichtmelodie
In Glück uns beide, uns beide in Traum,
Und der Kuckuk rief und der Kuckuk schrie
Siebenmal vom Baum, siebenmal vom Baum.
_____
Thörichtes Kind, du
kennst ja die Gluten,
Die dir im Herzen schlummern, noch nicht;
Einst doch ringt sich aus rauschenden Fluten
Weltenfüllend die Liebe zum
Licht,
Tönt es in dir mit mächtigen Zungen,
Mächtiger als die Glocken des Doms,
Treibt es in dir wie die Flut eines jungen,
Bandenbefreiten Frühlingstroms.
_____
Georg Busse-Palma
(1876-1915)
Fremde Flammen
Unsre Lippen, unsre Hände,
Weich und voller Blut -
Sag': sind es nicht doch nur Wände
Zwischen Glut und Glut?
Sind die Leiber und das Leben,
Was hier fühlt und spricht -
Nicht nur Mauern, die sich heben
Zwischen
Licht
und
Licht?
Manchmal, wenn wir innig flüstern
Und vertraut uns nahn,
Hör' ich Flammen in uns knistern,
Die sich niemals sahn ...
_____
Peter Cornelius
(1824-1874)
Golden
Licht,
lieb Gesicht
Golden
Licht!
Lieb Gesicht,
Süß gereimtes Maigedicht!
Blühend Herz! Maigemüt,
Das in Glanz und Duft erblüht!
Freundlich Kind, lieb Gesicht!
Wer schaut dich und liebt dich nicht?
Maigedicht, Gottes Wort,
Ewig blüh' und töne fort!
_____
Möcht' allein allen Schein
Möcht' allein
Allen Schein
Alle Wärme
Alles
Licht
Atmen dir vom Angesicht;
Alle Luft des Lebens auch
Trinken nur aus deinem Hauch;
In Tod und Leben
Ein Leib, ein Geist
Mit dir weben und schweben
So lang' im All die Erde kreist.
_____
Als mit meinem Lieb ich ging
Als mit meinem Lieb ich ging
Lauter
Licht
uns da umfing.
Rot vom Sonnenuntergang
Streift' ein Glanz das Tal entlang;
Von des Mondes Sichel hell
Schimmert leise Wald und Well';
Lichterglanz um Stadt und Dom
Spiegelt golden sich im Strom;
Und mein Lieb sah fröhlich drein,
Und das war der schönste Schein.
_____
Weil ich so lieb die Sterne hab'
Ein Stern ist kommen zu mir herab.
Der wollte bleiben unerkannt
Nahm Frauenart und Frauengewand.
Doch sagt' ich gleich: Verbirg dich nicht
Du bist ein Stern, ein
Himmelslicht!
_____
Richard Dehmel
(1863-1920)
O Welt des
Lichtes,
Welt der Wonne!
O Nacht der Sehnsucht, Welt der Qual!
O Traum der Erde: Sonne, Sonne!
O mein Geliebter - mein Gemahl -
_____
In deinen Augen glimmt ein
Licht,
so grau in grün,
wie dort die Nacht den Stern umflicht.
Wann kommst du?! - Meine Fackeln lohn!
laß glühn, laß glühn!
schmück mir dein Haar mit wildem Mohn!
_____
Marie Eugenie Delle
Grazie (1864-1931)
An das
Licht
Vom Himmel strahlst Du heiliges
Licht,
Und wogst in goldenen Fluthen
Als Äther um die unendliche Welt!
Es fliegt Dein leuchtender Pfeil
Hinab in die gräulichen Tiefen,
Und in die verborgenen Schluchten
Fällt Dein schimmernder Strahl.
Ich preise Dich göttliches
Licht,
Weil Du das Chaos geordnet,
Das häßliche Dunkel vernichtet,
Die todte Erde belebt!
Du strahlst aus der herrlichen Sonne
Du blinkst aus den lieblichen Sternen,
Du leuchtest aus jeder Welle,
Die murmelnd zum Strande eilt.
Und weil Du die Menschen auch liebst,
Die herrlichsten Kinder der Schöpfung,
Durchdringst Du ihr ganzes Wesen
Mit Deiner heiligen Gluth.
Es glänzt Dein himmlischer Strahl
Als Schönheit in ihrem Leibe,
Als Freiheit in ihrem Geiste,
Als Liebe in ihrer Brust.
Und was Du also zerstreut,
Das glänzt Dir noch holder entgegen,
Gesammelt in einem Krystall,
Dem freudeglühenden Auge!
_____
Carl Ferdinand
Dräxler-Manfred (1806-1879)
Es ist nicht anders möglich:
Wenn so aus vollem Herzen
Mit brennenden Gedanken
Der Liebende der fernen
Geliebten denkt, -
Daß nicht zur selben Stunde
Sein Sinnen und Verlangen
Sich wie ein magisch
Licht
Auf ihre Seele senkt.
_____
Gustav Falke (1853-1916)
Geh nicht!
Leb wohl! Wie ruhte Hand in Hand
so kalt. Ich litt.
O, daß ich nicht ein Wort des Herzens fand!
Du gehst und nimmst den Frühling mit,
nimmst Tag und
Licht.
-
Geh nicht!
_____
August Heinrich Hoffmann
von Fallersleben (1798-1874)
Am Glanze deines Angesichtes
Ward meiner Sehnsucht Mond erhellt.
Am milden Strahle deines
Lichtes
Erblühte meine innre Welt.
Du bist zur Sonne mir geworden,
Die immer scheint und freundlich lacht,
Die wie die Sonn im hohen Norden
Auch scheint in später Mitternacht.
_____
Dein Auge hat mein Aug erschlossen,
Du sahst mich an, da ward es Tag;
Mit
Licht
und Farbe war umflossen,
Was einst im Graun der Nächte lag.
_____
Karoline von Fidler
(1801-1874)
Liebe
Die Lieb' ist Alles! Wer zu lieben weiß,
Der kennt des Daseins einzig werthen Preis;
In ihm ist Gott - er hat das
Licht,
die Kraft,
Er hat den Glauben und die Wissenschaft!
Wer liebt, der lebt, und giebt des Lebens Lust
All' dem, was er umschließt mit warmer Brust;
Er theilet aus - sieht seinen Schatz nicht an,
Er weiß es, daß er endlos geben kann.
Die Liebe hat nicht Zweifel, hat nicht Noth,
Die Sünde kennt sie nicht, kennt nicht den Tod -
Die Lieb' ist ewig! - und darum allein,
Weil ich geliebt, werd' ich unsterblich sein!
_____
Johann Georg Fischer
(1816-1897)
Du schweigend Wunder,
Du weißt es nicht,
Wie ich trunken trinke
Von deinem
Licht!
Und ist es möglich,
Und bist du mein?
Wir zwei im Weiten
Allein, allein!
_____
Sängerweihe
Ich hab' gelernt die Frauenliebe loben,
Geliebte, bei des Frühlings Nachtigallen,
In's dichte Laub sind küssend sie gefallen,
Dann hat der Gatte singend sich erhoben.
Dein blüh'nder Leib, aus Duft und
Licht
gewoben,
Dein heil'ger Kuß, dein tiefes Aug' vor allen
Hat mich, o Mädchen, von den Nachtigallen
Mit meinem Sange bald gelenkt nach oben.
Es ist so schön, sich wundernd zu versenken
In deines Busens lustgeheime Thale,
In deines Auges träumerische Gründe;
Und von der Küsse frischem Zaubermahle
Schwingt sich das Lied mit sel'gem Rückgedenken
Den Wolken zu, und weiß von keiner Sünde.
_____
Gestorben
Und stehen denn die Berge noch?
Zerbrach der Himmel nicht,
Als Erd' und Himmel mir versank
Mit zweier Augen
Licht?
O Welt, wie magst du noch bestehn,
Wenn deine Leuchten untergehn!
_____
Ludwig August Frankl
(1810-1894)
Rede nicht,
Wenn ich mich in Träumen wiege,
Worte sind zu kalt, zu schlicht -
Künden, wenn ich dich umschmiege,
Worte, was die Seele spricht?
Rede nicht.
An die Nacht von meinen Haaren
Lehne deiner Wangen
Licht,
Mir den Glauben zu bewahren:
Dunkle Nacht begrenzet
Licht.
_____
Agnes Franz (1794-1843)
Licht,
Lied und Liebe
Es hielt die Nacht das
Licht
gebunden,
Bis es der Liebe Wort befreit,
Nun haben Beide sich gefunden,
Zu ewig fester Einigkeit.
Und wo sich ihre Flammen regen
In jugendlichen Lebensmuth,
Da naht sich auch des Liedes Segen,
Und weih't des Bundes heil'ge Gluth.
_____
Könnt' ich Dein vergessen?
Könnt' ich Dein vergessen,
Meines Lebens
Licht?
Müßte von den Freuden
Der Erinn'rung scheiden,
Jeden Klang vermeiden,
Der zum Herzen spricht!
Könnt' ich Dein vergessen,
Meines Lebens
Licht?
Alle Lichtgestalten,
Die sich mir entfalten,
Müßten bleich erkalten
Wie ein Traumgesicht.
Könnt' ich Dein vergessen,
Meines Lebens
Licht?
Müßt' von Lied und Tönen,
Ach, von allem Schönen
Aug' und Ohr entwöhnen,
Flieh'n der Schöpfung
Licht.
Könnt' ich Dein vergessen,
Meines Lebens
Licht?
-
Schweigend, ohne Klagen
Kann ich Leid ertragen,
Sterben wohl, entsagen,
Doch - vergessen nicht!
_____
Emanuel Geibel
(1815-1884)
Du bist so schön, ich wag' es nicht
Dich anzuschauen,
Du schlanke Lilie hoch und
licht
Im Kranz der Frauen;
Du Kön'gin sonder Hermelin,
Von deren Stirne Gnad' und Hoheit scheinen,
Du bist so schön - o laß mich vor dir knie'n,
Und stumm auf deine Füße weinen!
_____
Du bist so still, so sanft, so sinnig,
Und schau' ich dir in's Angesicht,
Da leuchtet mir verständnißinnig
Der dunkeln Augen frommes
Licht.
_____
Der Liebenden
Seitdem die Liebe dir genaht, der Reinen,
Ist's wie ein Zauber über dich gekommen;
In süßem Feuer ist dein Aug' erglommen,
Doch schöner blickst es noch in sel'gem Weinen.
Oft, wenn du wandelst, will es mir erscheinen,
Als sei die ird'sche Schwere dir genommen;
Dein Thun ist wie der Blumen Blühn, der frommen,
Und wie der Engel ist dein Wunsch und Meinen.
Das Wort erblüht von selbst dir zum Gedichte,
Doch schweigst du, strahlt, die Rede zu ergänzen,
Von deiner Stirn die Lieb' im reinsten
Lichte.
So sah dereinst, entrückt der Erde Gränzen,
Auf Beatricens schönem Angesichte
Den Strahl des Paradieses Dante glänzen.
_____
Hermann von Gilm
(1812-1864)
Ob ich auf Erden etwas liebe mehr
Und inniger als dich? Das Lied, das
Licht?
Das bist du ja! Fehlt mir dein Angesicht,
So ist es stumm und dunkel um mich her.
_____
Felix Grafe
(1888-1942)
Heilig
geheimes Gesicht!
Runen, der schweigenden Stirne eingegraben!
Die aus dem Brunnen der Lieb getrunken haben,
halten in schützender Hand ein flackerndes
Licht.
_____
Elisabeth Grube geb.
Diez (1803-1871)
Auf dem
Heimweg
Die Fackel glüht! - getrost du kühner Schwimmer!
Wohl hat der Lebensstrom gewalt'ge Fluthen,
Doch deines Muthes, deines Herzens Gluthen
Erstarken in des
Lichtes
Schimmer.
Die Liebe wacht! - ihr Stern verlöschet nimmer,
Und die an ihrem großen Herzen ruhten
Sind fromm gefeit zum Schönen und zum Guten,
Sie trügt kein Schein; sie stört kein falscher Flimmer.
Wie auch des Lebens wilde Wogen branden,
Ob auch die rauhen Ströme grausig toben,
Selbst wenn der Leitstern in der Nacht verschwunden
Wer einmal jenes ew'ge
Licht
gefunden,
Den trägt die sturmempörte See nach oben;
Der wird im Arm der Liebe selig landen. -
_____
Anastasius Grün
(1806-1876)
Wie der
Lichtstrahl
kamst du, Holde,
Der nur leuchten, wärmen mag,
Daß von seinem klaren Golde
Heller noch der hellste Tag;
Wie das
Mondlicht
kamst du, Süße,
Das nur zu verklären strebt
Und die
lichten
Silbergrüße
Still in dunkle Stunden webt;
_____
"Sprich, o Freund, kennst du die Liebe,
Kennst du ihre Gluten nicht?
Ist ihr Strahl des Unglücks Fackel
Oder segnend
Friedenslicht?
-"
_____
Alfred Grünewald
(1884-1942)
Magst du
dich mir auch verschweigen,
horchen lernt ich um so feiner.
Magst dich bar der Güte zeigen,
sieh, als deines Neins Verneiner
gibt ein scheuer Blick sich preis;
und so weiß ich, was ich weiß.
Länger nicht mehr auf der Suche
will ich sein nach deinem Herzen.
Denn gleichwie in einem Buche
- deine Augen sind zwei Kerzen -
les' ich bei so mildem
Licht
im geliebten Angesicht.
_____
O wende nicht dein Antlitz! Meine Seele
sucht keine Fernen. Nur dein
Licht
erhellt,
was dunkel ist. Die Wege, die ich wähle,
sind deinem Wandeln sehnsüchtig gesellt.
Wie wird jetzt unser Leben sein? Erzähle!
Denn deine Rede weissagt eine Welt.
_____
Otto Friedrich
Gruppe (1804-1875)
Du bist der
Fluß, der breit vorüberfließet,
Der nie versiegt und nie verdirbt;
Ich bin die Blume, die den Thau genießet,
Die Blume, die an ihrer Blüte stirbt.
Du bist die Sonne, die mit
Lichte
segnet,
Und die sich ewig neu verklärt;
Ich bin die Wolke, welche zieht und regnet,
Und die in linden Thränen sich verzehrt.
_____
Ida von Hahn-Hahn
(1805-1880)
Seit mir
dein Lächeln lohnet,
Fürcht' ich nicht Nacht, noch Tod;
Auf deiner Stirne wohnet
Ein ewig Morgenroth.
Aus deinem Auge sprühet
Ein Dasein, das nie bricht,
Und ach, dein Kuß erglühet
Wie Leben und wie
Licht.
_____
Seine Augen seh' ich immer
Mild und klar wie
Sternenlicht,
Und ich denk', der Liebe Schimmer
Ist's, der himmlisch sie durchbricht.
_____
Kann das Aug' dich nicht erspähen,
Wird es um mich Nacht und trübe,
Nebel um die Stirne wehen,
Es versinkt der Stern der Liebe;
Meine Sonne ist verdürstet,
Meine Rosen sind verblüht,
Und der Wind im Laube flüstert
Dumpf und hohl ein Trauerlied.
Kann die Hand dich nicht erreichen,
So verschweben die Gestalten,
Farb' und Form von ihnen weichen,
Seelenlose Schatten walten,
Grau in Grau verschwimmt das Leben!
Ohn' die Stralen meines
Lichts,
Die das Weltenall durchbeben,
Ist mir Alles, Alles – Nichts.
_____
In Vergessenheiten tauchen
Könnt' ich Leben,
Sonnenlicht,
Aber dich,
Licht
meiner Augen,
Seele meines Lebens, nicht! –
_____
Sein Auge find' ich stets am Himmel,
Und seinen Blick im Sternenheer;
Sein Lächeln
lichtet
das Gewimmel
Gleichgült'ger Menschen um mich her.
_____
Robert Hamerling
(1830-1889)
Ich seh'
dich heut zum ersten Mal,
Da faßt mich's liebebang;
Du bist's, dich sucht' ich überall,
Wo säumtest du so lang?
Ich habe dich ja längst gekannt,
Erkennest denn du mich nicht?
Fühlst du, wie innig wir verwandt,
O du mein süßes
Licht?
_____
Wo blüht ihr süßes Angesicht,
Ihr Wangenrosenpaar?
Wo schimmert ihrer Augen
Licht?
Wo weht ihr gold'nes Haar?
Ich suche sehnsuchtsvoll nach ihr,
Mit nimmermüdem Streben,
Doch ach, es konnte Keiner mir
Noch Kunde von ihr geben!
_____
Ich will ja nichts!
O laß an deiner Seite mich, im Kreise deines
Lichts!
Ich will ja fromm und ruhig sein – laß mich, ich will ja nichts!
An süß Gekose denk' ich nicht, an Druck der Hände nicht;
An einen Kuß – o nicht von fern! Laß mich, ich will ja nichts!
Laß ruh'n mein Haupt an deiner Brust; will ruh'n so zart, so rein,
Wie Schwanenfittig auf dem See – laß mich, ich will ja nichts!
Ich ford're ja nicht Liebe, nein! was drückst du mir so streng
Des Haßes Pfeil in's tiefste Herz? Laß mich, ich will ja nichts!
_____
Sieh', wie empor zum Sonnenlicht
Bräutlich die Rose strebt;
Doch scheucht sie drum den Falter nicht,
Der harmlos um sie schwebt.
So lass mich wandeln ungestört
Im Kreise deines
Lichts!
Ich weiss ja, wem dein Herz gehört,
O Holde, fürchte nichts!
_____
Teures Bild, das mir erschienen,
Engelgleiches Angesicht,
Strahlend mit verklärten Mienen
In der Liebe holdem
Licht!
Solche Schöne, wähnt' ich, schwebe
Nur um uns im Traum der Nacht,
Doch nie ahnt' ich, daß es lebe,
Diese hohe Liebespracht.
_____
Heinrich Heine
(1797-1856)
Dein Angesicht so lieb und schön,
Das hab ich jüngst im Traum gesehn,
Es ist so mild und engelgleich,
Und doch so bleich, so schmerzenbleich.
Und nur die Lippen, die sind rot;
Bald aber küßt sie bleich der Tod.
Erlöschen wird das
Himmelslicht,
Das aus den frommen Augen bricht.
_____
Die du bist so schön und rein,
Wunnevolles Magedein,
Deinem Dienste ganz allein
Möcht ich wohl mein Leben weihn
Deine süßen Äugelein
Glänzen mild wie Mondesschein;
Helle
Rosenlichter
streun
Deine roten Wängelein.
_____
Die Lotosblume ängstigt
Sich vor der Sonne Pracht,
Und mit gesenktem Haupte
Erwartet sie träumend die Nacht.
Der Mond, der ist ihr Buhle,
Er weckt sie mit seinem
Licht,
Und ihm entschleiert sie freundlich
Ihr frommes Blumengesicht.
Sie blüht und glüht und leuchtet,
Und starret stumm in die Höh;
Sie duftet und weinet und zittert
Vor Liebe und Liebesweh.
_____
Liebste, sollst mir heute sagen:
Bist du nicht ein Traumgebild,
Wies in schwülen Sommertagen
Aus dem Hirn des Dichters quillt?
Aber nein, ein solches Mündchen,
Solcher Augen
Zauberlicht,
Solch ein liebes, süßes Kindchen,
Das erschafft der Dichter nicht.
_____
Saphire sind die Augen dein,
Die lieblichen, die süßen.
O, dreimal glücklich ist der Mann,
Den sie mit Liebe grüßen.
Dein Herz, es ist ein Diamant,
Der edle
Lichter
sprühet.
O, dreimal glücklich ist der Mann,
Für den es liebend glühet.
_____
Wo ich bin, mich rings umdunkelt
Finsternis, so dumpf und dicht,
Seit mir nicht mehr leuchtend funkelt,
Liebste, deiner Augen
Licht.
Mir erloschen ist der süßen
Liebessterne goldne Pracht,
Abgrund gähnt zu meinen Füßen -
Nimm mich auf, uralte Nacht!
_____
Karl Henckell
(1864-1929)
Der kleine
Tempel wölbte rund
Sich zwischen Lindenästen,
Drin wir zu heller Mondesstund
Uns an die Lippen preßten.
Dein Äuglein flimmerte voll
Licht,
Süß schimmerte dein Angesicht,
Indes mit Flammenküssen
Wir haben spielen müssen.
_____
Vollmond am See
Mondlicht
durch die Platanen rinnt,
Welle schlägt ans Gestade,
Vollmond silberne Streifen spinnt
Über die feuchten Pfade.
Jetzt mit dir, Geliebte, so
Leicht in den Lichttanz tauchen,
Überrieselt vom Mondentau
In abgründiger Himmel Blau
Unser sehnsuchtschwellendes Herz verhauchen!
_____
Franz Hessel
(1880-1941)
Der neue
Pygmalion
Ich baute mir aus weißem
Licht
ein Bild:
Aufbaut ich dich, den Abendtraum, aus Nächten.
Mit meinem Leben hab ich dich gestillt.
Mit Golde tönt ich deine blonden Flechten.
Ich rötete den Mund aus meinen Adern. -
Und lange Nacht kam kühlend und umfächelnd.
Ein Morgentraum fand mich auf kalten Quadern
Zu deinen Füßen, leichenhaft verhüllt.
Du aber stehst und bist ein weißes Bild
Und öffnest deine Hände kindlich lächelnd.
_____
Nach Petrarca
Wenn ich mich ganz in jene Helle wende,
Darin mich blendet meiner Herrin
lichtes
Angesicht, und ich fühle wie des
Lichtes
Zehrende Glut mir schmilzt des Herzens Wände,
Bangt mir, daß sich das Leben von mir wende,
Ich sehe nah das Glimmen meines
Lichtes
Und geh wie wer beraubt des
Augenlichtes
Nicht weiß, woher, wohin sein Fuß sich wende,
Und fliehe immer vor der Hand des Todes
Dahin, jedoch zu zag als daß mein Sehnen
Nicht zöge mit - das ließ noch nie mich einsam. -
Stumm zieh ich hin, daß nicht das Wort des Todes
Die Menschen weinen mache. All mein Sehnen
Ist: zu vergießen meine Tränen einsam.
_____
Georg Heym
(1887-1912)
Endlich
Licht
Ich rang einst mir die Hände wund
Nach Wahrheit
Und ging ein Blinder unter Blinden,
Die qualvoll suchen, daß sie finden
Und Dogmen klauben
Und verwerfen,
Um sie am Ende doch zu glauben.
Da sah ich dich
Und alles schwieg in mir
Vor deinem wunderbaren
Licht,
Das still in deinen Augen steht,
Darin die Sonne untergeht,
Darin die Stern ertrunken sind.
Die trübe Sehnsucht schwand,
Als leis mich faßte deine Hand.
Ich sog dein reines
Licht
in meine Brust,
Und ich ward mir bewußt
Des Göttermorgens.
Nun fließt das
Licht
In ewgem Wechsel fort,
Von dir zu mir
Von mir zu dir,
Sieh immer lichter wird es um uns
Und immer näher scheint uns Gott.
_____
Dir auf der Schulter flattert ...
An N. P.
Dir auf der Schulter
Flattert ein Schmetterling,
Ein Frühlingslüftchen trug ihn her
Aus einem dunkeln Wald.
Das ist der Falter Glück,
Der flog zu dir,
Weil du aus
Licht,
Und Glück und Licht Geschwister sind.
_____
Und die Liebe brach auf ...
Und die Liebe brach auf, wie ein Sturm, wie das
Licht,
wie das Meer,
Aus der Tiefe sprang's auf, herzzwingend kam's über sie her,
Und sie sanken dahin, wie sinkt von den Sicheln das Feld
Tiefgebeugt, Mund an Mund, von dem Bogen des Gottes gefällt.
_____
Alfred Walter Heymel
(1878-1914)
Wie ein
Schiff auf Klippen rennt, so mein Herz zu dir.
Felsen du und ich ein Boot. Ruhe du, ich Gier,
Unrast, Willkür, Wut und Leid, Wanderstrom und Wind,
heimatloser Sturm auf See. Mutter du und Kind,
ein gelobtes Land bist du, ein
Kometenlicht.
Bist mir Leuchten, Weg und Ziel, Urteil und Gericht.
_____
Einer Schar verzückter Falter gleich,
die dem Gott im
Lichte
dienen müssen,
eine Nacht lebendig, eine reich,
Tänzer, Beter vor der Flamme,
sind wir Männer, hast uns du gefunden.
Alle reizt dein Schein und lockt dein
Licht,
keiner fliegt zurück mit heilem Flügel,
rührst dich nicht und riefst uns nicht,
Teufelin und Gnadenflamme,
du versengst uns in den Opferstunden.
_____
Das Lied der Nachtigall
Geliebte, sieh,
die Sonne ließ allein uns wach zurück,
nun kommt zu uns
mit silberhellem Flügelschlag das Glück.
O höre doch,
wie sanft und süß von fernher ein Gesang
uns innerst stärkt,
vom Monde her ein wundervoller Klang.
O dies Gefühl,
das wie ein
Licht
uns kühl und hell durchdringt.
Du träume süß,
bis uns der Tag die goldenen Stunden bringt.
_____
Joseph Emanuel
Hilscher (1806-1837)
Du bist mir fern, und doch in meiner Nähe,
Vertraulich angeschmiegt, wie Luft und
Licht;
Wohin den Blick ich freudesuchend drehe,
Da lächelt mir dein holdes Angesicht.
_____
Friedrich Hölderlin
(1770-1843)
ABBITTE
Heilig Wesen! gestört hab ich die goldene
Götterruhe dir oft, und der geheimeren,
Tiefern Schmerzen des Lebens
Hast du manche gelernt von mir.
O vergiß es, vergib! gleich dem Gewölke dort
Vor dem friedlichen Mond, geh ich dahin, und du
Ruhst und glänzest in deiner
Schöne wieder, du süßes
Licht!
_____
Licht
der Liebe! scheinest du denn auch Toten, du goldnes!
Bilder aus hellerer Zeit, leuchtet ihr mir in die Nacht?
Liebliche Gärten seid, ihr abendrötlichen Berge,
Seid willkommen und ihr, schweigende Pfade des Hains,
Zeugen himmlischen Glücks, und ihr, hochschauende Sterne,
Die mir damals so oft segnende Blicke gegönnt!
Euch, ihr Liebenden auch, ihr schönen Kinder des Maitags,
Stille Rosen und euch, Lilien, nenn ich noch oft!
Wohl gehn Frühlinge fort, ein Jahr verdränget das andre,
Wechselnd und streitend, so tost droben vorüber die Zeit
Über sterblichem Haupt, doch nicht vor seligen Augen,
Und den Liebenden ist anderes Leben geschenkt.
Denn sie alle, die Tag und Jahre der Sterne, sie waren
Diotima! um uns innig und ewig vereint;
_____
Ludwig Jacobowski
(1868-1900)
Die Lampe
Mein Lieb, warum so schämig rot?
Die Lampe ist ja tief geschraubt,
Du scheust das grelle
Licht,
drum birg
An meine Brust dein Lockenhaupt!
Laß küssen mich den weißen Hals,
Die Psychebrüste, wonnig weich ...
Lösch aus, o
Licht,
denn selig winkt
Der Wonnen ganzes Himmelreich ...
_____
Siegfried Kawerau
(1886-1936)
Und jeden
Tag geb ich in Deine Hände
Dir meine Seele dankesfroher hin
und weiß: mich zu verlieren, ist Gewinn,
weil ich mich nur in Deinem
Licht
vollende.
_____
Justinus Kerner
(1786-1862)
Verlör' ich
ganz der Augen
Licht,
Würd' dennoch mich nicht Nacht umgeben,
Solange du, mein
lichtes
Leben,
Du, meine Sonne! scheidest nicht.
Dein Herz treibt meines Herzens Schlag,
Weil es das meine ganz umfangen,
Und meine Augen blind empfangen
Von deinen Augen ihren Tag.
Nicht Nacht, ein
lichtes
Morgenrot
Wird, weil du lebest, vor mir stehen;
Werd' einst statt dessen Nacht ich sehen,
Werd' ich erkennen, daß du tot.
_____
Wie dir geschah, so soll's auch mir geschehn,
Nur wo du hinkamst, will auch ich hingehn:
Ich will ins
Licht
nur, wirst im
Licht
du sein,
Bist du in Nacht, so will ich in die Nacht,
Bist du in Pein, so will ich in die Pein.
Von dir getrennt hab' ich mich nie gedacht,
Zu dir, zu dir will ich allein, allein!
_____
An Amalia
Wie, wer an Himmelshöhen
Aus Wolken schnell den Mond erblickt,
So hab' ich dich gesehen
Und stand in deinem
Licht
entzückt.
Bald warst du weggeschwunden,
Es kamen wieder Wolken dicht,
Ich stand, ein Herz voll Wunden,
Ein Wandrer nächtlich ohne
Licht.
Doch bist du mir geblieben
Recht wie ein lieber,
lichter
Traum.
Es träumt vom Lenz dort drüben
Am kalten Bach ein welker Baum.
So mögen denn dich grüßen
Die Quellen, die aus meinem Tal
Nach deinem Meere fließen,
Viel tausend, tausend, tausend Mal!
_____
Klabund (Alfred
Henschke) (1890-1928)
Küsse mich
mit deinen braunen Augen
Und wirf die Arme
Wie weiße Fliederäste um mich
Und schenke mir, dem herbstlich taumelnden,
Den Sommer,
Schenke
Noch einmal Sommer mir
Und weiße Rosen,
Letztes
Licht.
_____
Karl Ernst Knodt
(1856-1917)
Licht
Meine Stube glänzt voll Sonne,
meine Seele lacht im
Licht:
denn mir strahlt als reinste Wonne
ein versöhntes Angesicht.
Meines Gottes ganzer Friede
hat die Schatten all besiegt.
Licht
ist's, was auf meinem Liede
und auf meinem Leben liegt.
_____
Aus
lichten
Fernen
Liebe kam aus
lichten
Fernen,
und ich hab es nicht geahnt.
Liebe kam von goldnen Sternen,
hat sich hell den Weg gebahnt.
Wie das
Licht
in leisen Nächten
noch das tiefste Tal beglänzt:
so hat sie mit allen Prächten
mir das späte Haupt umkränzt.
_____
Im Dom
Ein stiller Dom. Die Wände himmelblau.
Darinnen lauter
Licht,
lauter lebend
Licht;
und niemand sonst, als Du, geliebte Frau
- und unsre Andacht, die kein Wörtchen spricht.
_____
Theodor Körner
(1791-1813)
Augen, zarte
Seelenblüten,
Klare Perlen ew'ger Liebe,
Augen, ihr verehrte Augen,
Meiner Herrin
lichte
Sterne,
Laßt euch von des Sängers Liedern
Sanfte Frühlingstöne wehn!
Alles, was das Leben heiligt,
Trägt die Ahnung seiner Seele,
Trägt den stillen Schmuck der Augen;
Nicht der Mensch allein, der stolze,
Auch der Frühling, auch die Erde
Auch des Tages Wechselgruß.
_____
Auguste Kurs
(1815-1892)
Lieb' und
Licht
Nimmer bist du trüb' und einsam,
Wenn die Liebe nicht gebricht,
Denn das Schönste hat gemeinsam
Stets die Liebe mit dem
Licht.
Allerquickend, ungehindert
Dringt durch Herz und Welt ihr Glanz,
Und doch bleibt sie unvermindert
Eines stets, und voll und ganz.
_____
Nikolaus Lenau
(1802-1850)
Daß doch
mein Geschick mir brächte
Einen Blick von dir!
Süßes
Mondlicht
meiner Nächte,
Mädchen, bist du mir!
_____
Liebesfrühling
Ich sah den Lenz einmal
Erwacht im schönsten Thal;
Ich sah der Liebe
Licht
Im schönsten Angesicht.
Und wandl' ich nun allein
Im Frühling durch den Hain,
Erscheint aus jedem Strauch
Ihr Angesicht mir auch.
Und seh ich sie am Ort,
Wo längst der Frühling fort,
So sprießt ein Lenz und schalt
Um ihre süße Gestalt.
_____
Ite Liebenthal
(1895-1941)
Wenn ich
endlich die Wüste, in die ich zu lange schon sehe,
vor dir öffne und sage: dies muß ich in Zukunft durchschreiten, -
wird mir dann, du mein Freund, deine Seele die Zuflucht bereiten,
die ich nur noch für den einsamen Tag des Abschieds erflehe?
Nimmst du einmal mein Herz in deine sanften Hände,
läßt es im vollen
Licht
deiner gütigen Augen blühen?
Was wäre mehr zu wünschen, als daß es vergänglich im frühen
und doch letzten Wunder sich ganz erschließend vollende.
_____
Thekla Lingen
(1866-1931)
Mein Herz
erglüht in deinen Liebesstrahlen,
Die süss befruchtend du in mich gesenkt,
Erblüht zu einer
lichten
Wunderblume,
Die duftend Wünsche dir entgegenströmt ...
O komm, o komm, auf dass sie dich erfülle
Mit ihrem Duft und deinem sich vermähle.
O komm, o komm, dass ich dich zehrend küsse,
Und lass in stillem Kuss uns ruhen
Und schliess die Augen ...
_____
Ernst Lissauer
(1882-1937)
Sprich
nichts
Sprich nichts, nur sei da, bleibe im Zimmer.
Sprich nichts, lies, sitze, wandle zart.
Färbe die Luft mit deiner Gegenwart.
Mische der Lampe
Licht
mit deinem Schimmer.
_____
Wo wir geweilt zu zwein
Wo wir geweilt zu zwein,
Wo wir auch nur rasche Stunde
Rasteten zu kurzer Runde,
Hold umgrenzt
Alle Orte tragen einen Heiligenschein,
Überglänzt
Von beglückter Luft aus
Licht
und Wein.
_____
Über dein Angesicht
Über dein Angesicht
Wechselt Wolkenschatten und
Sonnenlicht,
Auf deinem Angesicht ist immer Wind.
Ich blicke dich an; mir ist, ich liege
Auf einer Wiese und schmiege
Mich tief ins heiße Grün.
Gras hängt auf mich; die Wicken blühn,
Um mich rinnt
Wind.
_____
Und sie naht und neigt sich leicht über mich,
Und wie Wind stäubt im Mittag am funkelnden Schnee der Firne,
-
Licht
scheint um mich, -
Küßt sie mich leis auf die Stirne.
_____
Hermann von Loeper
(1820-1884)
Wo bist du,
süßer Traum?
Wo bist du, goldner Stern?
Bist du's, am dunkeln Wolkensaum
Du
Licht,
so bleich und fern?
Ich stehe starr und stumm,
Ich kann's, ich kann's nicht fassen -
O sage, sprich, warum,
Geliebte, hast du mich verlassen?
_____
Vielleicht, Geliebte, daß einst unsre Herzen,
Der Lust entsagend, gleichen einem Paar
Dem Dienste Gottes fromm geweihter Kerzen,
Bei heil'ger Feier scheinend am Altar.
Vielleicht! Doch daß wir brechen einst die Siegel,
Die uns die Seele halten hier im Bann,
Und unaussprechlich glücklich werden dann,
Daß wir dann sehn in einen klaren Spiegel,
Von göttlich wunderbarem
Licht
umflossen,
Und in ihm schaun, was in den tiefsten Gründen
Des Herzens ruht hienieden noch verschlossen,
Das kann ich mit Gewißheit dir verkünden.
_____
Feodor Löwe
(1816-1890)
Schön ist
der Mond,
Der nächtlich einsam wallt,
So schön bist du!
Doch auch so ernst und kalt.
Mein Herz ein See,
In dem dein Bildniß ruht.
Und bist du nah,
So wechselt Ebb' und Fluth.
Du aber theilst
Dies wilde Drängen nicht,
Streust still auf mich
Dein träumerisches
Licht.
_____
So ist dein großes Auge mir
Ein wundersames
Licht,
Das aus der seidnen Wimper Nacht
Wie Zauberfeuer bricht.
Es wacht ob einem selt'nen Schatz,
Der ist das Herze dein;
Wie gerne höb' ich ihn empor,
Fiel nur das Wort mir ein.
_____
Ich denke dein! und über mir
Ein schöner Stern, so
licht
und rein.
Es ist als sänge er von dir:
Sie denket dein! sie denket dein!
_____
Clarissa Lohde
(1836-1915)
Wunsch
Sieh ich dort die Wolken, rot vor Glut
Im Feuerkreis der Sonne,
Sie tauchen in die gold'ne Flut,
Wie trunken fast vor Wonne.
So möcht' mit dir im Feuerschein
Des
Lichts
ich Wonne trinken,
In Glut mit dir vereinigt sein
Und dann in Nacht versinken.
_____
Minna von Mädler
(1804-1891)
Kennst du die Liebe, war sie dir bekannt,
So hast du nie bei'm Namen sie genannt! -
Nein, wahre Lieb' hüllt sich in tiefes Schweigen,
Selbst
lichtgeboren,
scheut sie doch das
Licht,
Die weite Welt, der Himmel ist ihr Eigen,
Doch das Asyl des Herzens läßt sie nicht.
Mit ihren Klagen flieht verschämt die Sonne
Die süßbewegte, holde Nachtigall;
Im Dunkel nur weilt sicher Glück und Wonne
Und im Geheimniß ruht der Zauber all.
_____
Lieb' ist die Sonne, das Herz ist die Rose,
Die noch umknospet von schützendem Moose
Schlief
Ruhig und tief,
Bis in das Leben ein
Lichtstrahl
sie rief.
_____
Angelika von
Marquardt (1849-1893)
Erinnerung
Hell lacht herab des Himmels
lichte
Bläue;
Da steigt aus der Erinn'rung Schattenreich
Vor meinem Geist herauf ein Augenpaar,
Ganz
Licht
und Glanz, ganz Liebe, Güte, Treue,
Wie Frauenauge seelenvoll und weich,
Wie Kinderblick so unschuldsvoll und klar!
Des Liebsten Auge! Süßer, sel'ger Frieden
Sich da aufs Herz herniedersenkt.
Ach, unter dieses Auges warmem Strahl
Wär' Sterben Seligkeit, und selbst hienieden
Das schwere Leid, vom Schicksal mir verhängt,
Durchkämpft' ich muthig noch zum zweitenmal!
_____
Stillsel'ge Stunde war's. In buntgebrochn'nem Strahle
Fiel warmer Sonnenschein zum Hochaltare nieder;
Die hohe Halle klang vom Segensliede wieder,
Vom Dankgebet nach dem empfang'nen Gnadenmahle.
Die Seele war erfüllt von Frieden, Glück und
Licht;
Mein ganzes Leben schien ein märchenschön Gedicht -
Durch Dich ward's so! Mein Herz hat freudvoll stolz erregt
Den Treueschwur in jener Stunde abgelegt!
_____
Alfred Meißner
(1822-1885)
Begegnen
(An H.)
Eine
Silberlichtspur
folgt dem Kahn
In der stillen Nacht auf seiner Bahn -
So ließ dein Erscheinen eine helle
Spur in meines Lebens dunkler Welle.
Jene Spur, die in den Wassern ruht,
Wird verschwinden mit der nächsten Fluth,
Doch die schöne
Lichtspur
im Gemüthe,
Tilgt für's Leben keines Sturms Gewüthe.
_____
Du brauchst den Arm,
im Kampfe fest,
Den Mund mit heißlebend'gen Hauch,
Die Brust, an der sich's schlummern läßt,
Und ich, mein Kind, bedarf dein auch.
Sei du der Geist, der für mich fleht,
Mein Sinn ist finster – sei mein
Licht,
Ich bin nicht fromm – sei mein Gebet,
Ich schwiege gern – sei mein Gedicht!
_____
Conrad Ferdinand
Meyer (1825-1898)
Liebesflämmchen
Die Mutter mahnt mich abends:
»Trag Sorg zur Ampel, Kind!
Jüngst träumte mir von Feuer -
Auch weht ein wilder Wind.«
Das Flämmchen auf der Ampel,
Ich lösch es mit Bedacht,
Das
Licht
in meinem Herzen
Brennt durch die ganze Nacht.
Die Mutter ruft mich morgens:
»Kind, hebe dich! 's ist Tag!«
Sie pocht an meiner Türe
Dreimal mit starkem Schlag
Und meint, sie habe grausam
Mich aus dem Schlaf geschreckt -
Das
Licht
in meinem Herzen
Hat längst mich aufgeweckt.
_____
Stephan Milow
(1836-1915)
Du, die mein
Sehnen oft durchschifft,
Mein bist du, schöne Runde!
Du leuchtend Blau, du bunte Trift,
Ihr schickt mir holde Kunde!
Ich bin gestillt, ich suche nichts;
Doch fällt von jedem Schönen
Mir in das Herz ein Strahl des
Lichts
Und süße Lieder tönen.
_____
Nur flüchtig ist der Liebe Glück;
Es rechne keiner in die Ferne,
Und keiner schaue bang zurück,
Versanken seines Himmels Sterne.
Einst fassest du es selber nicht,
Daß du so heiß nach mir gerungen;
Daß wir, voll Seligkeit und
Licht,
So weltvergessen uns umschlungen.
_____
Ich leg' ein Lied zu Füßen dir,
Das glühend dich zu preisen strebt;
Da lispelst zart verschämt du mir,
Daß dich mein Sang zu sehr erhebt.
Und faß' ich auch mit lauter
Licht
Dein süßes, theures Bild mir ein,
Erröthe drum bescheiden nicht
Und nenne all den Schmuck nur dein.
_____
Christian
Morgenstern (1871-1914)
O traure
nicht!
Aus roten Morgenwolken blüht,
der blaue Tag in blasser Seligkeit ...
Und über Raum und Zeit
erhebt sich mein Gemüt
zu dir.
O traure nicht!
Und bist du nicht bei mir -:
Ein
Licht
sind wir
und ist von mir zu dir.
Aus roten Morgenwolken blüht
der blaue Tag in blasser Seligkeit ...
Und über Raum und Zeit
erhebt sich dein Gemüt
zu mir.
_____
Der Morgen war von dir erfüllt...
Dein Bild, von Tränen oft verhüllt,
umfloß mich wie ein
lichter
Schein;
du warst mein
Morgenlicht
allein.
Die Sonne schien mir ins Gesicht,
ich sah vor dir die Sonne nicht,
erblindet lag der Augen Au
von dir, als meinem Himmelstau.
_____
Getrennter Liebender Gebet zueinander
Komm auch heute zu mir
bleibe auch heute bei mir.
Begleite jeden meiner Schritte
heilige mir jeden Schritt.
Hilf mir, daß ich nicht in Stricke
falle noch strauchle.
Hilf mir stark und schön bleiben,
bis ich dich nächsten Morgen
so wieder bitte.
Durchdringe mich ganz mit dem
Licht,
das du bist.
Wohne in mir wie das
Licht
in der Luft.
Auf daß ich ganz dein sei -
Auf daß du ganz mein seist
auch diesen Tag.
_____
Eduard Mörike
(1804-1875)
[Zu
Luisens Geburtstag]
Nichts, o Geliebte,
Will ich dir wünschen:
Wünschen - was ists?
Aber was mir als Wahrheit
Ein wahrhaftiger Geist entdeckte,
Will ich heut nicht verschweigen.
Wie wer in klaren Nächten sich
In die vertieften
Blauen Gezelte
Der Gestirne verliert,
Da und dort bald
Immer neue
Dämmernde
Lichter
Keimen sieht:
Also in deine
Kommenden Tage
Schauend, gewahr ich
Eines verdienten
Lieblichen Glückes
Spätere Sterne;
Und es wandelt indes
Wie durch ein Blütenfeld dein Engel
Zwischen ihnen: die Demut, schweigsam,
Und behütet sie dir.
Aber ein
Licht
an deinem Himmel,
Das du lange schon kennst, Luise,
Laß mich bleiben, ein helles, treues!
Daß du, wenn alles nun hingerauschet,
Sagest: »Der hielt mir fest zum Tode!«
_____
Erich Mühsam (1878-1934)
Ach, ich weiß es wohl, daß deine Seele
tausendfach wie meine glüht. -
Eh' ich meinem armen Angstgemüt
einen kümmerlichen Ton entquäle,
ist dein Geist längst in die fernsten Fernen,
in den Himmel eingeschwebt,
und zu leuchtend wundersamen Sternen
hast du dein Gedicht gewebt.
Deine Qualen fügen sich zu Tränen,
die verklärend alles Leid verwischen. -
Könnte doch mein Tasten und mein Sehnen
sich mit deiner Glut vermischen! ...
Überwunden wären alle Qualen,
träf' mein Herz ein bleiches, leises
Licht
aus den Garben Feuers, die so dicht
dir aus deinen tausend Seelen strahlen.
_____
Es ging von dir zu mir ein süßes Wehn.
Aus deinen Augen floß ein gütiges
Licht.
Von deinen Händen glänzte alles Schöne.
Nie hatte ich dich herrlicher gesehn,
so wunderbar, so fern. Nur Duft und Töne.
So ging ein Wehn. - Doch ach, du sahst mich nicht.
Mir war ums Herz so schwer, wie, wenn du weinst. -
Da sagtest du zu mir: Dich liebt' ich einst.
_____
Clara Müller-Jahnke
(1860-1905)
Ihm
Ich hab mich dir so ganz ergeben
und bin mit Leib und Seele dein,
du meines Lebens wahres Leben,
du meines Daseins tiefstes Sein!
Wie sich der Mond sein mild Gefunkel
vom goldnen Glanz der Sonne leiht,
so fällt in meiner Seele Dunkel
der Schimmer deiner Herrlichkeit!
Denn was dereinst mit süßem Beben
durch meines Busens Tiefen drang,
vermocht ich Worte nicht zu geben -
da sah ich dich, und sieh! - ich sang!
Was in geheimnisvoller Stille
in meines Herzens Garten sproß,
verborgen lag's in duft'ger Hülle,
bis es sich deinem
Licht
erschloß!
_____
Betty Paoli (1814-1894)
Unsre Liebe ist Erkennen,
Streben nach dem gleichen Ziel!
Was kann solche Liebe trennen,
Unerreicht vom Schicksalsspiel?
Tausend
Lichtgedanken
ranken
Sich um uns und halten fest,
Ohne Weichen, ohne Wanken,
Dich an meine Brust gepreßt.
_____
Nein! begreifen kann und fassen
Ich den eig'nen Wahnsinn nicht!
Warum hab' ich dich verlassen,
Meiner Seele Luft und
Licht?
Strahlten deine Augensterne
Mich nicht an, voll milder Pracht?
Warum zog ich in die Ferne,
In die kalte, finst're Nacht?
_____
Unbewußtes
Was fragst du mich, wie es wohl sei gekommen,
Daß also hell der Liebesstrahl entglommen,
Der meines Daseins schönes
Sonnenlicht?
Ich weiß es nicht!
Was fragst du mich, wie ich es werd' ertragen,
Wenn einst nach diesen
himmellichten
Tagen
Herein die finstre Nacht der Trennung bricht?
Ich weiß es nicht!
_____
Alfons Petzold
(1882-1923)
Ich will nur
Licht
von Deinem
Lichte
sein,
doch wenn der Erde Dunkel Dich umfängt,
so sei auch meine Stunde nicht gehängt
in einer Freudenlampe hellen Schein.
Und wenn Du krank bist, leide auch mein Leib
und wenn Du stirbst, so will ich knien und beten,
daß ich mit Dir zusammen darf betreten
den Garten Ewigkeit, mein Weib.
_____
Doch nein! Gott bin ich selbst, denn ich Seliger halte
dich in den Armen, und du bist die blühende Welt;
aus all meinen Poren, aus jeder verborgenen Falte
strömt freudiges
Licht,
das alles Dunkel erhellt.
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Siehe, Geliebte
Siehe, Geliebte, aus meinem Gesicht
leuchtet dein
Licht,
in meinen wirkenden Händen schafft
deine Kraft,
was meine Seele an Wundern lebt,
aus dir sich hebt,
und nur mein Herz
mit dem Jubel darin
ist Erz von Erz,
aus dem ich bin!
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Sieh, alles
Licht
im Umkreis ist getötet,
weil Du Dich gibst in Deinem Glanze kund
und eine rote Amsel flötet
so süß, als sänge wo ein Engelsmund.
Die Rosen werden blaß und blässer
und müssen wie ihr Duft vor Dir vergehn
und alle fließenden Gewässer
bleiben auf einmal rauschend vor Dir stehn.
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Liebeslied
So schön wie du ist die Birke nicht,
aber sie hat doch dein Gesicht,
wenn sie nachts aus dem Dunkel schaut,
ganz von Liebe und
Licht
betaut.
O wäre ich ein Vogel, in ihrem grünen Haar
würde ich singen die tausend Jahr.
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Ludwig Pfau (1821-1894)
Erste Wünsche
Könnt' ich zu Dir, mein
Licht,
Nur einmal, einmal dringen!
Von deinem Angesicht
Nur einen Strahl erschwingen!
Könnt' ich an dein Gewand
Nur einmal, einmal rühren!
Und deine kleine Hand
Mit süßem Schauer spüren!
Könnt' ich an deinem Mund
Nur einmal, einmal hangen!
Und dann vergeh'n zur Stund'
In wonnevollem Bangen!
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Es wandelt durch entstandene Weiten
Des ew'gen Schaffens Trunkenheit;
Und jede Seele glaubt zu schreiten
Empor aus ihrer Endlichkeit.
O selig! Aller Last entladen,
Getaucht ganz in der Liebe
Licht,
Im Strom der Schöpfung sich zu baden
Mit dir, du Engelsangesicht!
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Hermione von Preuschen
(1854-1918)
Du bist gekommen!
Du bist gekommen ein Engel des
Lichts,
doch
Licht
ist dem Feuer verwandt -
und Du wirst gehen, ein böser Geist,
der mein Leben zu Asche gebrannt!
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Nun bist du dennoch gekommen
Nun bist du dennoch gekommen,
mein Glanz, meine Seele, mein
Licht
-
und von den goldenen Stunden
wird jede mir zum Gedicht.
Das in Nacht und Trübsal strahle,
wenn du gingst, wie wärmender Schein,
mir glühenden Abglanz male
in meine dunkelnde Pein!
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Liebe - sie dämmt das Leben ein,
endlos im Kreislauf von Lust und Pein -,
Liebe, sie bringt um Sinn und Verstand
den, der aus ihrem
Licht
verbannt!
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Morgenstern
Was steigt herauf in wunderseliger Pracht,
ein goldnes
Licht
in meines Lebens Nacht?
Wie neue Jugend strömts durch meine Glieder,
fand ich die Liebe endlich – endlich wieder?
Wild pocht mein Herz in ungestümem Schlag,
jäh reißts hinüber mich ob Raum und Zeit.
Was bist du? Erdenwonne meinem Tag
oder der Morgenstern der Ewigkeit!
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Robert Prutz (1816-1872)
Du bist das keusche
Mondenlicht,
Das still und klar durch Wolken bricht,
Und bist der Sonne Feuerstrahl,
Der Blumen weckt in Berg und Thal.
Der fromme Abendstern bist du,
Der lächelnd winkt zu sel'ger Ruh',
Und bist der Blitz, der, gottentstammt,
Der Seele Dunkel mir durchflammt.
Doch – "Namen sind nur Rauch und Schall!"
Sei, wie du bist, du bist mein All!
In deine Seele schließ' mich ein,
Die Meine du, ich ewig dein!
_____
Bedenk' es wohl: du bist das
Licht,
Zu dem mein Blick sich wendet,
Es ist dein liebes Angesicht,
Das Trost und Kraft mir spendet;
In deinen Adern schäumt das Blut,
Von welchem ich mich nähre,
Aus deinem Busen quillt die Glut,
In der ich mich verzehre.
_____
Lenz und
Licht
Rosenduft, du
machst mich trunken,
Gleich wie Duft von edlem Wein;
Sonne, deine goldnen Funken
Sprühn mir tief ins Herz hinein!
Duft der Liebe, still und leise
Fächelst du mich nah und fern;
Ziehe leuchtend deine Kreise,
Lebenssonne, Liebesstern!
_____
Schön ist die Liebste
Schön ist die Liebste, wenn ihr Mund,
Der lächelnde, von Küssen glüht,
Wenn aus des Auges feuchtem Grund
Verliebte Schalkheit Funken sprüht.
Doch schöner, wenn die Wetternacht
Des Zorns von ihrer Stirne droht.
Aus ihrer Blicke Flammenpracht
Vernichtung dir entgegenloht.
Am schönsten, wenn, wie
Mondeslicht
Sich schaukelt auf verschwiegner Flut,
Auf ihrem süßen Angesicht
Der Kindheit sel'ger Friede ruht.
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Rainer Maria Rilke
(1875-1926)
Komm du mit mir. Es solls kein Morgen wissen,
und deiner Schönheit lauscht kein
Licht
im Haus ...
Dein Duft geht wie ein Frühling durch die Kissen:
Der Tag hat alle Träume mir zerrissen, -
du, winde wieder einen Kranz daraus.
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Mir ist, als ob ich alles
Licht
verlöre.
Der Abend naht und heimlich wird das Haus;
ich breite einsam beide Arme aus,
und keiner sagt mir, wo ich hingehöre.
Wozu hab ich am Tage alle Pracht
gesammelt in den Gärten und den Gassen,
kann ich dir zeigen nicht in meiner Nacht,
wie mich der neue Reichtum größer macht
und wie mir alle Kronen passen?
_____
Anna Ritter (1865-1921)
Brautring
Als über den Flieder das
Mondlicht
rann,
Da steckt' er mir heimlich ein Ringlein an,
Und küßte den Ring und die Hand dazu
Und lauschte selig dem ersten "Du".
Das
Mondenlicht
sah in den Ring hinein,
Das gab einen fröhlichen, hellen Schein,
Der Fliederbaum neigte die Blüthen stumm,
Die Gräser raunten: "Das Glück geht um!"
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Lichtbild
Ein
lichtes
Wölkchen segelt noch im Blau,
Ein friedevoller, leuchtender Gedanke,
Der in dem Kampf des Tages Sieger blieb.
So wandelst du, da mir der Abend sinkt,
In deiner Jugend ew'gem Glanz vorüber
Und schaust mich lächelnd an, mein todtes Lieb.
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Todeswege
Ueber meinem Haupte deine Hände,
Deine Liebe über meinen Wegen -
Und doch führen sie der Nacht entgegen,
Und ein Grab ist unsres Wanderns Ende!
Laß uns, Liebster, in die Sonne schauen,
Goldnes
Licht
und Lust und Freiheit trinken
Und dann selgen Augs hinüber winken
Zu den stillen, sonnenlosen Auen.
Daß, wenn wir vom
Lichte
scheiden müssen,
Noch ein Traum die lange Nacht durchglühe,
Und Erinnerung das Grab umblühe
Mit dem Rosenflor von deinen Küssen.
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Emil Rittershaus
(1834-1897)
O, liebe, liebe, bis das Auge bricht,
Bis deinen Leib der grüne Rasen deckt!
Die Lieb' ist ewig wie das
Sonnenlicht,
Und nur die Blumen sterben, die sie weckt.
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Ich weiß, ich bin der Einz'ge nicht,
Der Dich um Deine Liebe bat,
Das aber weiß ich, daß ein
Licht
Du bist auf meinem Lebenspfad!
Wenn nicht Dein Herz mich glücklich macht,
Dein Herz nicht sieht, was allzu
licht,
So weiß ich, daß in trüber Nacht
Ein junges Herz in Qualen bricht!
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Im Liebesmai, im Liebesmai
Durchzieht die Brust ein Klingen,
Ein Frühling
licht
im Herzen lacht.
Ich möcht' die Nacht, die ganze Nacht,
Von sel'ger Liebe singen!
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Hermann Rollett
(1819-1904)
Duft und Lied
Aus
lichten
Blumenkelchen
Entsteigt des Duftes süßer Hauch,
Und dein geliebtes Wesen
Ist eine Blume auch.
Ist eine
lichte
Blume,
Um die, von deinem Glanz belebt,
Mein Lied auf stillen Schwingen
Wie süßes Duften schwebt.
_____
Vollendung
Der Geist der Liebe hat die hohe Sendung
Daß er das Leben bringt erst zur Vollendung.
Noch niemand hat erfaßt des Lebens Tiefe,
Der nicht gelesen in der Liebe Briefe;
Der sehnend nicht den Brief der Lieb' entsiegelt
In dem sich
licht
der Gottheit Antlitz spiegelt,
In dem sich liebereich der Geist entfaltet,
Der alles Leben weihevoll gestaltet. -
Und mir auch ward erst klar der Gottheit Wesen
Als ich in deinem Auge Lieb' gelesen.
Auch mir erschloß sich erst des Lebens Tiefe,
Als ich gelesen in der Liebe Briefe,
Als ich mein Herz gebadet in dem Bronnen,
Dem alles Leben einstens reich entronnen,
Auch mir ward es erst
licht
in meiner Seele,
Seit ich dir, Kind, von meiner Lieb' erzähle!
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Du einzige Freude in meinem Schmerz!
Du
Licht,
das mir leuchtet allerwärts!
Du seliger Traum, der oft mich umlacht
Im Dunkel der Trauer, im Dunkel der Nacht!
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Du leuchtest
licht
Du leuchtest
licht
Vom Feuer meiner Liebe;
Ich glühe heiß
Von deiner Liebe Gluth; -
Du bist die Well'
Mit blitzendem Getriebe;
Ich bin das Meer
Mit hoher Wogenfluth. -
Dein
lichter
Schein
Erleuchtet hell mein Leben;
Mein heißes Glüh'n
Erwärmt dein treues Blut;
Dein Liebgewog'
Erquickt mein Herz mit Beben.
Und dich umjauchzt
Mein Herz mit Liedesfluth!
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Otto Roquette (1824-1896)
Mein Haupt laß ruhn auf deinem Schooß,
Da ruht es sanft und weich.
Wie ist der Himmel weit und groß,
Wie ist die Erde reich!
Der schönste Stern in blauer Nacht,
Der schönste Stern bist du,
In deines
Lichtes
sanfter Pracht
O gönne mir die Ruh!
_____
So Brust an Brust, so ganz mein eigen,
So halt ich dich, geliebtes Bild!
Es rauscht die Nacht, die Lippen schweigen,
Und Seele tief in Seele quillt.
Ich bin dein Glück, du meine Wonne,
Ich bin dein Leben, du mein
Licht;
Was soll uns Tag, was soll uns Sonne?
Du schöne Nacht, entflieh uns nicht!
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Drunten im Thal, wo der Waldweg geht,
Wo durch die Felsen der Wildbach bricht,
Seh ich sie kommen vom Wind umweht,
O du mein Lieben, mein Leben, mein
Licht!
Ach wie bin ich so reich, so reich,
Ach wie weiß ich nichts Schönres zugleich
Als auf dem Platz bei der Linden
An Herrlichkeit zu finden!
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Friedrich Rückert
(1788-1866)
Die Liebe sprach: In der Geliebten Blicke
Mußt du den Himmel suchen, nicht die Erde,
Daß sich die beßre Kraft daran erquicke,
Und dir das Sternbild nicht zum Irrlicht werde.
Die Liebe sprach: In der Geliebten Auge
Mußt du das
Licht
dir suchen, nicht das Feuer,
Daß dir's zur Lamp' in dunkler Klause tauge,
Nicht dir verzehre deines Lebens Scheuer.
Die Liebe sprach: In der Geliebten Wonne
Mußt du die Flügel suchen, nicht die Fesseln,
Daß sie dich aufwärts tragen zu der Sonne,
Nicht niederziehn zu Rosen und zu Nesseln.
_____
Hast du gestern abend dich,
Liebster, nicht nach mir gesehnt,
wie ich gestern abend mich,
Liebster, mich nach dir gesehnt?
Liebste! nein, ich habe mich
nicht gesehnt beim Abendschein,
Liebste! denn man sehnet sich
nach Abwesenden allein.
Und abwesend warst du nicht,
sondern nah in Liebesmacht;
weißt du's nicht! mein süßes
Licht,
bei mir warst du all die Nacht.
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Wann still die Nacht auf dunkeln Pfaden schreitet,
Die unterm Mantel trägt die goldnen Sterne,
Und im Gewölk gleich heimlicher Laterne
Der Mond sein wachsend Silberlicht bereitet;
Denk' ich, und meines Auges Thräne gleitet,
Zurück in jener Nächte schöne Ferne,
Wo er mit seinem lieberglühten Kerne
Auf meinen Liebesgängen mich geleitet.
Wozu, o Mond, mit deinem Strahlenschimmer
Hat dich ein Gott in Lüften aufgehangen,
Als daß die Lieb' in deinem
Licht
soll wallen?
Die Liebe wallt in deinem
Lichte
nimmer,
Der Docht in deiner Lamp' ist ausgegangen,
Und deine Scherben laß vom Himmel fallen.
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Richard von Schaukal
(1873-1942)
Nachklang
Als ich dich liebte, damals, o wie war
voll Duft und Glanz dein flockenleichtes Haar,
wenn meine Finger selig es durchbebten!
Ich weiß nicht mehr, ob deine Augen blau
wie früher leuchten, kleine Frau,
als sie im
Lichte
meiner Liebe lebten.
_____
Gebet
Mein Gott, gewähr mir Eines,
ich bitte sonst um nichts:
im Glanz des ewgen
Lichts
flackert verstört mein kleines.
So fleh ich tausendmal:
Erhalt mir meine Qual,
laß mich in meiner Pein
vor Liebe selig sein!
_____
Georg Scherer (1828-1909)
Unwandelbar
Daß dich, du Einzige, mein Herz erkoren,
Daß du mein Hort und meines Lebens
Licht
-
Nie hab' ich dir's gestanden noch geschworen,
Doch wußtest du's; das aber ahnst du nicht,
Daß auch, nachdem du längst für mich verloren,
Sich noch dein Bild in meine Träume flicht.
So bleibt, ist auch die Sonne untergangen,
Noch lang ihr Strahl am Haupt des Berges hangen.
_____
Tief dein Bild im Herzen geh' ich
Einsam hin durch Flur und Wald,
Und des nachts im Traume seh' ich
Wieder deine
Lichtgestalt.
Und wenn dämmernde Gedanken
Locken mich in ihre Nacht,
Daß mir alle Sinne schwanken -
Wieder hab' ich dein gedacht.
Und ich muß die Augen senken
Und gesteh' mir selber kaum:
Zauberin! mein Thun und Denken
Wandelst du in
lichten
Traum.
_____
(Beethoven Op. 90,
Rondo)
Die Wolken versanken
Dem fernen Westen zu;
Die trüben Gedanken
Gehn alle nun zur Ruh'.
Und wie das
Licht
Durch Wolken bricht,
Gehst du mir auf im Herzen,
Du meines Lebens
Licht
-
Erfüllst mit deinem Frieden
Die ganze Seele mir;
So sind wir ungeschieden,
Ich lebe ja in dir.
_____
Karl Siebel (1836-1868)
O holdes
Licht
– geliebtes Angesicht,
Mein Sehnen, Träumen läßt dich ewig nicht,
Durch Schicksalswolken fleh' ich auf zu dir:
O holdes
Licht!
warum erschienst du mir?
_____
Ilse von Stach
(1879-1941)
Gebrochenes Gelübde
Ich hab' mir gelobet zu entsagen;
Dir aber entsag' ich nicht.
Kann auch der Mensch ein Leben tragen
Ohne sein
Sonnenlicht?
Ich hatte entsagt dem heißen Empfinden;
Dich aber kannt' ich nicht.
Wer kann dem Verlangen mich entbinden,
Das Eide bricht?
Entsagung der Liebe wollt' ich üben;
Dich aber liebt' ich nicht.
Nun muß meine heiße Liebe ich lieben
Für Dich, Du mein
Sonnenlicht.
_____
Carl Sternheim
(1878-1942)
Ich hüllte innig dich und mild und tief
- Und du verdientest, daß ich kniete -
Ich hüllte dich in
Licht
und lauter Liebe,
Und mein Gebet war lang, bevor ich schlief.
Da sah ich dich - du sahst mich selig an -
Und da geschah's, daß ich erbebte,
Dein Leib gestand - du sahst mich immer an -
Daß laut in dir ein Pfand der Liebe lebte.
_____
Francisca Stoecklin
(1894-1931)
Dann leg ich meine Hände zart an deinen Körper.
Dann küß ich innig deinen weichen roten Mund.
Dann sag ich schweigend dir die letzten Dinge.
Dann bin ich ganz in dir und du in mir.
Dann kann uns nichts mehr trüben, nichts mehr trennen,
Weil wir nur eine Liebe, eine Seele, eine Wolke sind.
Zwei
Lichter,
die in einen Himmel brennen.
Ein Baum, ein Stern, der gute Abendwind.
_____
Wilhelm Wackernagel
(1806-1869)
Herzelieb, Herzelieb,
Gib mir
Licht
mit Blicken,
Ach Lieb und Leben gib!
Wie irr ein Himmelssterne
Ring ich nach deiner Augen Schein
Und bleib ihm ewig ferne.
_____
Wilhelm Waiblinger
(1804-1830)
Das Auge der Geliebten
Ach, warum in dieser Ferne,
süßes Herz so weit von dir?
Alle Sonnen, alle Sterne
öffnen ihre Augen mir,
nur die reinsten, tiefsten Strahlen,
nur das klarste, blauste
Licht,
drinn sich Erd' und Himmel malen,
nur dein treues Auge nicht.
_____
Paul Wertheimer
(1874-1937)
Seelen
Du weisst, wir bleiben einsam: du und ich,
Wie Stämme, tief in Gold und Blau getaucht,
Mit freien Kronen, die der Seewind streift;
So nah, doch ganz gesondert, ewig zwei.
Und zwischen beiden webt ein feines
Licht
Und Silberduft, der in den Zweigen spielt,
Und dunkel rauscht die Sehnsucht her und hin.
_____
Wissende Liebe
Ich liebe dein schmales Kameengesicht,
Die Hände, die zarten, bleichen,
Und deiner Seele ruhiges
Licht;
Doch will ein schwerer Schatten nicht
Von unsern Stunden weichen.
Warum kam diese Liebe so spät?
Wir zwei sind wissende Leute -
Wir wissen, wie Liebe kommt und geht;
Drum liegt's wie ein Frost im Rosenbeet
Auf unserm Glück von heute.
_____
Ernst von Wildenbruch
(1845-1909)
Ob mir die Liebste, ob sie am Tage
Oder am Abend besser gefällt -
Nimmer zu lösende, törichte Frage,
Ist sie doch selber das
Licht
meiner Welt!
Nur wenn sie schmachtend mir sinket zum Munde,
All ihren Stolz in Liebe vergißt -
Das ist die einzig alleinzige Stunde,
Wo du, Geliebte, am schönsten mir bist!
_____
Joseph Christoph von
Zedlitz (1790-1862)
Ewige Leuchte
"Bist noch immer nicht verglommen,
Trübe Leuchte, stirbst noch nicht?
All' Dein Oel ist Dir genommen,
Und es dämmert noch Dein
Licht?"
""Liebe strahlt, ein ew'ger Schimmer,
Flamme, die stets wächst, nie ruht;
Braucht kein Oel und brennt doch immer,
Braucht nicht Nahrung ihrer Gluth,
Und doch löscht ihr Feuer nimmer.""
_____
Cäcilie Zeller
(1800-1876)
Welle und
Licht
Höre das sehnsüchtig lockende Rauschen,
Lausche der suchenden, schwellenden Flut!
Will mit dem
Licht
sich die Welle vertauschen?
Ach, in der Höhe da weilet das
Licht,
- Wallendes Meer, du ersehnest es nicht!
Sieh', da umkränzt sich mit goldenen Strahlen
Lächelnd und liebend der glänzende Mond;
Still in der Tiefe sein Bildniß zu malen,
Küssen sie spielend die selige Braut,
Haben das
Licht
mit der Welle vertraut.
Ist nicht der Liebe die Sehnsucht gegeben?
Sie ist der Strahl aus dem himmlischen Stern;
Doch nur die Treue verleiht ihr das Leben,
Die das Entfernte verlangend begrüßt,
Auch das verlorne Geliebte umschließt.
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Liebende Gedanken wehen
Mich wie stille Grüße an,
Daß ich ferne Augen sehen,
Ferne Liebe fühlen kann.
Lieb' ist wie die Sonne
Warme Lebenswonne,
Lieb' ist wie das süße
Licht,
Das durch alle Schranken bricht!
_____
Sehnsucht nach
Licht
Geh' mir auf, du
Licht
des Lebens,
Geh' mir auf und glüh' mich an;
Keine Stimme ruft vergebens,
Antwort hört, wer rufen kann!
Weh' mich an, du strömende Flut
Einer unendlichen, ewigen Fülle;
Laß mich schaun die sonnige Glut
Frei von der Wolken schattiger Hülle!
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Liebe, die aus Gott
geflossen,
Ach, wie süß bist du!
Wo sich deine Quell' ergossen,
Waltet sel'ge Ruh'.
Da ist lauter Kraft und Stille,
Freiheit, Trost und
Licht,
Und man schauet ohne Hülle
Gottes Angesicht.
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Kathinka Zitz-Halein
(1801-1877)
Die Liebe streut Blumen auf dornige Pfade,
Die Liebe erhebt uns zum Urquell des
Lichts,
Sie trinkt aus dem Borne der ewigen Gnade,
Und höher als Gold oft erfreut sie ein Nichts.
Die Lieb' ist mild,
Der Gottheit Bild.
Und ward auch das Herz oft verwundet,
Die Liebe vergiebt - es gesundet.
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Du bist mir Alles, bist mir Leid und Wonne,
Du bist das Wesen das mich glücklich macht,
Du bist mein
Licht,
mein Frühling, meine Sonne,
Mein Tag und meine Nacht!
_____
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