Liebeslyrik - Miniaturen

Gedichte und Gedicht-Zitate (Stichwort: Licht)
 


Franz Marc (1880-1916)
Liebespaar


 



Stichwort: Licht

16./17. Jh.      18. Jh.      19/20. Jh.

 

16./17. Jh.

 

  • Hans Aßmann Freiherr von Abschatz (1646-1699)

    Giebt Rosilis / mein
    Licht / zum Morgen solchen Schein /
    Wie soll mein Herze nicht zu lauter Flamme werden
    Wenn sie wird angelegt in vollem Mittag seyn!
    _____

    Ardenia / mein
    Licht / was wilt du weiter sagen?
    Ich küsse mit Gedult die Rutte / die mich schlägt /
    Und bet in Demutt an den Feind / der mich erlegt /
    Verzehre mich in mir mit Leiden und nicht klagen.
    _____

     

  • Anonyme Barockdichter

    Blandinchen / wenn dein
    licht
    Mir scheinet ins gesicht
    So spür ich / daß die krafft
    Mir starcke regung schafft
    Gar biß ins lincke zinchen
    Blandinchen.
    _____

    Caliste mein
    licht,
    So liebest du nicht,
    Wie dir sich mein herze auf ewig verpflicht,
    Du bleibest wie stein
    Bey jammer und pein,
    Und scheinest wie felsen bey flammen zu seyn.
    _____

    Lisimene liebstu nicht?
    Wilstu ewig einsam leben?
    Soll der augen sternend
    licht
    Mir nicht die vergnügung geben?
    Ach die sonnen sind zu schöne /
    Lisimene!
    _____

    Ach ich bitte / zürne nicht /
    Daß ich neulich auff der wiesen
    Ganz verstohlen / o mein
    licht!
    Konte deinen leib erkiesen.
    Ach der leib der war zu schöne /
    Lisimene!
    _____

    Wenn gleich andre stets falliren
    Und nicht halten ihre treu /
    Wil ich doch den denckspruch führen /
    Daß ich recht beständig sey.
    Nichts soll meine liebe trennen /
    Die auf dich allein gericht /
    Und mein herz wird ewig brennen
    Gegen dich / vollkommnes
    licht.
    _____

    O schwarzes aug / so alles brennt!
    O nacht / die selbst die sonne blendt!
    O finsterniß bey stetem
    lichte!
    O
    licht bey dicker finsterniß!
    Wo bleib ich / meine Marilis /
    Forthin vor deinem angesichte?
    _____

    Strahlt mit ungemeiner schöne /
    Strahlt ihr fackeln jener welt /
    Ich weiß doch / daß Clorimene
    Eurem glanz die wage hält.
    Hüllet eure seltsamkeiten
    Nur in flor und zindel ein /
    Sie / der zierat unsrer zeiten /
    Wird euch schon gewachsen seyn.

    Ihr vergöttertes gesichte
    Nimmt der sonnen selbt den preiß /
    Denn sie strahlt mit einem
    lichte /
    Das von keinen flecken weiß.
    Darum will / wie ieder spüret /
    Sie der himmel uns entziehn /
    Was den creiß der erden zieret /
    Soll im sternen-garten blühn.
    _____

    Roselle schönstes
    licht /
    So wilstu denn in thränen ganz zerfliessen /
    Und will dein Angesicht
    Von anders nichts als wasser-perlen wissen /
    Bloß weil die zeit uns die gemeinschafft trennt /
    Und deinem knecht ein ander bleiben nennt?
    _____

    Komm schwarze nacht! umbhülle mich mit schatten
    Dein flor beziehe meines purpurs glanz /
    Weil sich mit mir will eine sonne gatten /
    Vor deren
    licht erbleicht der sternen kranz /
    Laß deinen teppich meine brust bedecken /
    Und meinen sieg in dein gezelt verstecken.
    _____

    Was vor ein ernst blitzt aus den schönen augen /
    Die sich mein herz zum sonnen-
    licht' erwehlt?
    Soll nichts nicht mehr mein seuffzen vor dir taugen /
    Daß dein Gesicht mit schelem blick mich qvält?
    Was hab' ich denn so hart verbrochen?
    Daß mir itzt durch dein stetig sauer-sehn
    Mein urtheil wird gesprochen /
    Was ist zu wieder dir mein
    licht geschehn?
    _____

    Du bist an
    licht, und aller schönheit reich,
    Was an dir ist, kömmt reinen perlen gleich.
    Du bist ein nettes meisterstück,
    Woran die engel selbst gebauet:
    So offt ich dich, holdseligs kind, beschauet,
    Entgienge mir ein tropffen warmes blut,
    Indem du mich an deine brust gedrücket.
    _____

    Deine treu und redlichkeit
    Verschwistert sich mit jammer, angst und leyd,
    Öffters wird das
    licht der liebe
    Wie der sonnen helle pracht,
    Durch die nacht
    Und durch dampff und nebel trübe.
    _____


    Auf Climenens kleine brüste

    Climene zeiget mir den angenehmsten garten,
    Doch dieses klaget sie, daß ihre äpffel nicht
    Ein wenig groß gerathen seyn.
    Doch stelle diesen kummer ein,
    Und laß mich sie, mein
    licht,
    Als deinen gärtner fleißig warten.
    Der handgriff, den ich weiß, schlägt ohne zweiffel an,
    Und macht, daß man sie bald was grösser schauen kan.
    _____

     

  • Paul Fleming (1609-1640)

    MEin gestirntes Paradeiß/
    mein
    Licht/ mein Mohn/ meine Sonne/
    mein gantz Himmelreich voll Wonne/
    und von was ein Gott sonst weiß/
    das ist Philyrille mir/
    mir/ der Erden unter ihr.
    _____

    Gold ist dein treflichs Haar, Gold deiner Augen Licht,
    Gold dein gemalter Mund, Gold deine schöne Wangen,
    der Hals, die Brust, der Leib und was uns macht Verlangen,
    Gold ist die Rede selbst, die deine Zunge spricht,
    die auch ganz gülden ist...................
    _____

    O Sonne meiner Lust, schein' ewig so, wie itzt.
    Du bist die süße Glut, die meinen Geist erhitzt,
    von dir, Glanz, nehm' ich Schein, von dir,
    Licht, werd' ich lichte.
    _____

    Du bist der siebzigste nach fünfmal hundert Tagen
    und sechsmal tausenden, daß meines
    Lichtes Licht
    das
    Licht der großen Welt nahm in ihr Angesicht,
    und hört' ihr frohes Haus von junger Freude sagen.
    _____

     

  • Andreas Gryphius (1616-1664)

    Sie, dennoch sie, mein
    licht! sie wil beständig seyn.
    Ob die zeit sich gleich verändert und die sonne sich versteckt
    Und die wüsten felder trauren und das feld mit schnee bedeckt,
    Sie dennoch (wie sie schreibt) geht kein verändern ein.
    Die bäume sind entblößt, das wasser hart als stein,
    Der palläste göldne spitzen sind mit grauem reiffleckt,
    Aller blumen welcke blätter, die durchbeiste kält erschreckt.
    Nur ihre rose steht in frischem glantz allein;
    Warum doch wil ich hier verziehen,
    Wo nichts denn unlust ist und kalte winter-lufft,
    Weil sie mir noch, mein
    licht! zu ihren rosen rufft?
    Ade! ich muss von hinnen fliehen.
    Wer länger schmachten wil in scharffer frostes-pein,
    Wenn ihm der frühling rufft, muss es nicht würdig seyn.
    _____

    So fern, mein
    licht! von euch, so fern von euch gerissen,
    Theil ich die trübe zeit in schmertzen und verdruss
    Und wünsch all augenblick, dass mir des himmels schluss
    Erlaub, euch bald voll lust und unverletzt zu grüßen.
    Mein trauren kan ja nichts (wie hoch es auch) versüßen,
    Als ihr, o meine lust! Wie dass mit schnellem fuß
    Ich denn mein werthes heyl bestürtzt verlassen muss,
    Indem ich einig mag die keusche schönheit küssen?
    Ihr Parcen, die ihr uns das tag-register setzt,
    Ach führt mich wieder hin zu dem, was mich ergetzt!
    Warum doch suchet ihr mich von mir selbst zu scheiden?
    Mein leib, ich geh es nach, sitzt ja in diesem land;
    Die seele geb ich dir zu fester treue pfand,
    Bey welcher ich voll ruh, ohn welch' ich stets muss leiden.
    _____

    Wenn meine seel in euch, mein
    licht! wie kan ich leben,
    Nun das verhängnis mich so ferne von euch reißt?
    Wie kan ich fröhlich seyn, wenn ihr mir euren geist
    Nicht für den meinen woll't (den ihr gefangen) geben?
    Man sieht mich hier, doch nur als ein gespenste schweben,
    Als ein verzaubert bild, das sich beweglich weist
    Durch fremder künste macht. Diß, was man sterben heißt,
    Kan meine schmertzen wol, nicht meine flamm' auffheben.
    Klagt euch das hertze nicht, das ihr in bande legt,
    Wie scharff die geißel sey, die meine glieder schlägt?
    Doch nein! es ist zu schwach, sein elend auszusprechen.
    Es weiß nichts mehr von mir, es kennt euch nur allein;
    Es freu't sich seiner angst und wünschet diese pein
    Der bande, durch ein band, das ewig sey, zu brechen.
    _____

    Was hat des fürsten hof, was fand die weise stadt,
    Das mächtig sey mich zu erfreuen?
    Ich muss die schöne zeit bereuen,
    Die mein gemüth ohn sie, mein
    licht! verzehret hat.
    Bey ihr find ich, was ich voll hertzens-seuffzer bat.
    Die saamen in das land einstreuen,
    Begehren so nicht das erneuen
    Des frühlings, der mit thau krönt die erfrischte saat,
    Als mich verlanget sie zu schauen,
    Sie, meine lust, wonn und vertrauen!
    Die mir der himmel gab, zu enden meine klagen.
    Sie kan ich diesen tag nicht sehn.
    Ach himmel! lass es doch geschehn,
    Dass mir mög ihr gesicht die nacht ein traum vortragen!
    _____

     

  • Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616-1679)

    Albanie / der schönen augen
    licht /
    Der leib / und was auff den beliebten wangen /
    Ist nicht vor dich / vor uns nur zugericht /
    Die äpffel / so auff deinen brüsten prangen /
    Sind unsre lust / und süsse anmuths-see.
    Albanie.
    _____

    Ich rede nur mit steinen.
    Dein stolzes ohre hört mich nicht.
    Und deiner augen feurig
    licht
    Will mir nur ewig grausam scheinen.
    Kan denn mein nasses thränen-meer
    Nicht deines zornes glut abwaschen?
    So siehe / wie ich mich verzehr!
    Dein heisser augen-blitz verbrennet mich zu asch.
    _____

    Wen brennt die nacht der liebes-flamme nicht /
    Als die zur glut dem menschen ist erkohren?
    Ein ganzes meer lescht nicht ihr schönes
    licht /
    In dessen abgrund Venus ward gebohren /
    In wellen schwamm diß schöne ungeheuer /
    Und bleibt ein feur.
    _____

    Soll Solimene meine glut /
    Die mir versehret marck und blut /
    Ganz ohne deine rettung brennen?
    Du äscherst meine brust ja ein /
    Mein herze muß entzündet seyn /
    Und du wilst keine flammen kennen.

    Befrage selbst das heisse
    licht /
    Das aus den hellen augen bricht /
    Was feuer es in mir erwecket?
    Es schmelzt der seelen hartes eiß /
    Und machet Salamander heiß /
    Und ich soll seyn unangestecket?
    _____

    Wer wollte sich durch dich nicht willig lassen binden /
    Das angenehme wunder-
    licht /
    So aus den schönen augen bricht /
    Läst nichts als morgenschein und süsse lust empfinden.
    Die seuffzer / so allhier das herze fahren läst /
    Hat nur der überfluß der anmuth ausgepreßt.
    _____

    Ja / leider! es ist gar kein wunder /
    Wenn deiner augen sternend
    licht /
    Das von dem himmel seinen zunder /
    Und sonnen von der sonnen bricht /
    Sich will bey meinem morrschen nachen
    Zu einen schönen
    irrlicht machen.
    _____

    Amaranthe / die ich nicht
    Obgleich untreu hassen werde /
    Scheine noch mit deinem
    licht /
    Aendre meinen sitz die erde /
    Wirff noch einmal einen strahl
    Hier auf diesen todten-saal.
    _____

     

  • Christian Hölmann (1677-1744)

    Bey übersendung eines schatten- oder sonnen-fächers

    Den selbst die sehnsucht fast zum schatten hat gemacht,
    Der übersendet dir hier einen sonnen-schatten.
    Wie nun beym schatten, und bey dem tage nacht;
    So wollst du, sonne! dich mit diesem gleichfalls gatten!
    Der schatten folgt dem
    licht', ich folge, sonne! dir;
    Doch brennen unerhört mich deines
    lichtes blicke:
    Hältst du hinfüro nun dir diesen schatten für;
    So find ich bey dem
    licht im schatten mein gelücke.
    Der schatten kühlt den brand, das
    licht erwecket ihn;
    Doch du, o sonne! kanst durch
    licht und schatten kühlen.
    Wo deine strahlen sich der gegen-gunst hinziehn,
    Und wo du schatten machst, ist frühling-lust zu fühlen.
    Ich flehe dich nun auch, mein
    licht und schatten an,
    Dein
    licht zertreibe mir das schatten-werck der sinnen,
    Ja alles, was mir sonst die lust verfinstern kan!
    Und in dem schatten laß mich deine gunst gewinnen!
    Doch deine gunst muß selbst nicht nur ein schatten seyn.
    Soll ich nun meinen zweck und deine gunst erlangen;
    So lasse diesen schluß, o sonne! mich erfreun:
    Daß sich dein schatten will mit händen lassen fangen!
    _____

     

  • Heinrich Mühlpfort (1639-1681)

    Ihr
    Lichter voller Glut /
    Ihr Sternen heller Liebes-Flammen /
    Schlagt doch in meinem Blut /
    Mit eurem doppelt Schein zusammen /
    Und brennt diß Herze an;
    Das sonst nicht leben kan.

    Wie schöne siehet doch /
    Die Klarheit aus dem Angesichte /
    Ach zeiget euch mir noch /
    Mit eurer Strahlen Blitz und
    Lichte /
    Brecht durch die schwarze Nacht /
    In ungemeinen Pracht.
    _____

    Ich bin vergnügt / dein heisser Kuß entdeckt /
    Wie treu du liebst! wie redlich deine Flammen!
    Es brennt ein Feur / das im Verborgnen steckt /
    Biß endlich schlägt die
    lichte Loh zusammen:
    So auch ein Herz / das alles überwiegt /
    Ich bin vergnügt.
    _____

    Die Worte fehlen mir / mein Engel und mein
    Licht /
    Du weist daß Liebenden Beredsamkeit gebricht /
    Zu melden diese Glut / so mir das Blut erhitzt /
    Zu nennen diesen Brand / in dem die Seele schwizt.
    _____

    Mein auserwählter Schatz / der du mich hast entzündet
    Durch deiner Augen Pracht /
    Nun kommt die süsse Nacht /
    So beyder Herz und Seel‘ in reiner Treu verbindet /
    Und unsrer Liebe
    Licht und Schein
    Heist nunmehr unauslöschlich seyn.
    _____

    Mein Engel gibstu doch mit Wincken zu verstehen /
    Daß in nicht mindrer Glut /
    Entbrannt dein treues Blut /
    Und eilt mit gleichem Sinn das Bündnüs einzugehen /
    O komm / O komm / verzeuch doch nicht /
    Mein Augen-Trost / mein Seelen-
    Licht!
    _____

    Nimm Clytie zu dem Geschencke
    Mein Herze / weil mir Geld gebricht /
    Du siehst / daß ich auff Liebe dencke /
    Die aller Schätze Schatz und
    Licht;
    Und weil ich leben
    Muß unter dir /
    So will ich geben
    Zur Pflicht-Gebühr
    Mein Herze hier.
    _____

    Ach schönste Cyndaris! ich fühle deinen Brand /
    Den deiner Augen
    Licht mir heimlich zugesandt /
    Ich weiß nicht wie mir war / als ich den Blitz empfand /
    Der aus dem Diamant der Sternen kam gerannt.
    _____

    Ach Anemon ich frier ich / schwitze /
    Ich brenn von Liebe
    lichter-loh /
    Ach lasse deiner Augen Blitze /
    Mich Sterbenden noch machen froh /
    Dein Angesicht kan mir das Leben /
    Und auch den Sterbe-Kittel geben.
    _____

    Gewünschte Nacht! beglücke mich /
    Daß Charimene zeiget sich /
    Und gönnet meinem Thon die Ohren /
    Ich werde wohl halbschüchternd stehn /
    Wenn ich seh diesen Blitz aufgehn /
    Den ihrer Augen
    Licht gebohren.

    Gewünschte Nacht! Ihr Angesicht /
    Ist heller als der
    Lichter Licht /
    Die durch ein guldnes Wincken spielen /
    Denn diese zieren dein Gewand /
    Jen' aber streuen Glut und Brand /
    Den man muß in der Seele fühlen.
    _____

    Nun sich die ganze Welt gestreckt /
    Und Sie des Schlaffes Fliegel deckt /
    Die Flüsse stehn / und ruhn die Winde /
    Erwacht mein Herze voll Begier /
    Und singet vor der tauben Thür /
    Erschein / erschein O Roselinde.

    Dann / kan ich deiner Augen
    Licht /
    Das auch durch alle Nächte bricht /
    Als meinen Leitstern nicht erblicken /
    So werd ich ganz verlassen stehn /
    Verirrt in meinem Trauren gehn /
    Und heisse Seuffzer nach dir schicken.
    _____

     

  • Benjamin Neukirch (1665-1729)

    Ach strenge Sylvia! wie könt ich besser seyn?
    Du suchest mein verderben /
    Der brandt nimmt meine glieder ein /
    Und heist mich sonder ursach sterben;
    Ich aber liebe dich / und küsse noch das
    licht /
    Das mir diß feuer hat so listig angericht.
    _____

     

  • Erdmann Neumeister (1671-1756)

    Glück zu / du schöne-strasse /
    Wo lauter zucker-rosen blühn /
    Und wo mich zwey magnete ziehn.
    Denn wenn ich mich verführen lasse /
    So grüßt nur dich mein froher fuß /
    Daß ich dir manchen gang des tages schencken muß.

    Hier scheinen zwey galante sterne /
    Ach wenn ihr wunderschönes
    licht
    Durch die beglückten fenster bricht /
    So sieht mein herz den glanz von ferne /
    Woran es sich gewünscht ergötzt /
    Und dieses lustrevier vor einen himmel schätzt.
    _____

    Ich muß zum
    lichte meiner seelen /
    Das mir vergnügte blicke schickt
    Und den verliebten geist erquickt /
    Doch mit der zeit nur eine wehlen.
    Allein sie sind fast gleicher krafft /
    So bleibt mein blödes herz inzwischen zweiffelhafft.

    Ach eine läst recht wunderschöne /
    Zumahl wenn das entzückte
    licht
    Durch die geschwärzten wolcken bricht /
    Und diese nennt sich - - -.
    Doch lob ich den / der das erräth.
    Die allerschönste heißt: wie denn? - - - - .
    _____

     

  • Johann Rist (1607-1667)

    Sol mich denn erleuchten nicht
    Deiner Schönsten Augen-
    Licht/
    Das mich hat entzündet
    Und mein Herz nun bringt in Pein
    Weil es dich nicht findet
    Ach Schatz erbarm dich mein/
    Ach Schatz erbarm dich mein.
    _____

    Nun so bleib' Ich stets der deine/
    Delia du helles
    Licht/
    Welches Glantz mein Hertz zubricht/
    Du verbleibst auch ja der meine/
    Himmel sprich hierzu dein Ja/
    Dafnis Schatz/ heist Delia.
    _____

    Schönste Sonnen/ welcher
    Licht
    auch im Finstern herrlich strahlet/
    Saget doch warum ihr nicht
    meine Seufftzer mir bezahlet?
    Euch zu lieben leid' ich Pein
    O ihr unvergleichte Augen
    welche zuverletzen taugen/
    Felsen/ Berge/ Thier und Stein.
    _____

    Ist doch unsrer Liebe Grund
    Süsser Mund
    Ehr und Tugend stets gewesen/
    Ja du schönste Weiber Zier
    Mit Begier
    Hab' ich dich allein erlesen/
    Dich mein Leben/ dich mein
    Licht/
    Deines gleichen fand ich nicht.
    _____

    Meine Liebe wanket nicht/
    Du mein
    Licht
    Liebest mich auch gleicher massen/
    Ist die Mißgunst schon bedacht
    Tag und Nacht
    Dich und mich zu trennen lassen/
    Wollen wir doch ohne Scheu
    Lieben biß ins Grab getreu.
    _____

    Florabell' das
    Licht der Schönen/
    Die der Sonnen ähnlich steht
    Die vor alle Weiber geht/
    Wil ihr treuer Dafnis krönen/
    Der sie preiset/ der bin ich/
    Florabelle liebet mich.
    _____

    Florabella
    Licht der Zeit/
    Keine Bluhm ist dir zu gleichen/
    Deiner Zierd' und Treffligkeit
    Müssen alle Nimfen weichen.
    _____

     

  • Dorothea Eleonora von Rosenthal (17. Jh.)

    ODE

    Ich fühle lauter Angst und Schmertzen
    So offt ich nur an Ihn gedenck /
    Mein liebster Schatz in meinem Hertzen
    Er macht / daß ich mich stündlich kränck /
    Ach! Ach mein Liebster / o mein
    Licht /
    Er komme doch und seume nicht.

    Ich kan kaum mehr den Mund erheben /
    Zu singen einen Lobgesang /
    Der gantze Leib fäht an zu böben /
    Das währt den gantzen Sommer lang.
    Ach! ach mein Liebster / o mein
    Licht
    Er komme doch und seume nicht.

    Wo Er kömmt und mich ergötzet
    So muß ich sterben also bald /
    Weil mir der Schmertz das Hertz verletzet /
    bin schon vor großem trauren kalt.
    Ach! ach mein Liebster / o mein
    Licht /
    Er komme doch und seume nicht.

    Ist dann die Liebe gar vergangen
    Die angelobte starcke Treu.
    Ich warte seiner mit Verlangen /
    kein schreiben hilfft und macht mich frey.
    Ach! ach mein Liebster / o mein
    Licht
    Er komme doch und seume nicht.

    So offt ich schlaff in meinem Bette /
    Welchs doch gar selten kan geschehn /
    So deucht mich als wenn Ihn ich hette
    In meinen Armen angesehn.
    Ach! ach mein Liebster / o mein
    Licht
    Er komme doch und seume nicht.

    So offte seine rothen Wangen /
    Der schöne Mund / das krause Haar /
    Muß mehr- und nehren mein Verlangen
    So offt wil ich verzweifflen gar.
    Ach! ach mein Liebster / o mein
    Licht /
    Er komme doch und seume nicht.

    Nun schweig‘ ich / kan nicht weiter singen /
    der matte Mund bestehet mir /
    Die Seufftzen muß ich laßen dringen
    aus meines Hertzens Schloß erfür.
    Ach! ach mein Liebster / o mein
    Licht /
    Er komme doch und seume nicht.
    _____

     

  • David Schirmer (1623-1687)

    Was wendestu dein Angesicht/
    Du meine Lust! mein All! mein
    Licht!
    Mit deinen Augen mich zu brennen?
    Ach blas in meine Flammen nicht.
    Mein Feuer pfleget sonst zurennen/
    Daß es möcht Geist und Seele trennen.
    _____

    O Perle/ meiner keuschen Seele!
    Licht meiner Glut! mein Sonnenschein!
    Laß mir es zu/ daß ich mich quäle/
    Ich werde bald nicht bey dir seyn.
    Ich werde bald/ voll Angst und Leiden/
    O meine Schöne! von dir scheiden.
    _____


    Sie soll bey Ihm bleiben

    Sonne der Freuden/
    Flamme der Liebe/
    Wilstu denn scheiden
    Unter das trübe?
    Bleibe mein
    Licht.
    Liebe verbindet
    Hertzen und Hertzen.
    Liebe bezündet
    Duppelt die Schmertzen/
    Scheide doch nicht.

    Thränen und Flüsse
    Netzen die Wangen.
    Wilstu die Küsse
    Nicht mehr empfangen?
    Bleibe mein
    Licht.
    Laß dich die Schmätze
    Länger aufhalten.
    Brauche der Schätze/
    Eh sie veralten.
    Scheide doch nicht.

    Unsere Sternen
    Uber der Erden
    Wachen von fernen/
    Froher zu werden/
    Bleibe mein
    Licht.
    Niemand verstöret
    Unsere Stunden.
    Was uns versehret
    Heilet die Wunden.
    Scheide doch nicht.

    Unsre Zeitlosen
    Grünen am Strande/
    Blumen und Rosen
    Blühen im Lande.
    Bleibe mein
    Licht.
    Leben und Jugend/
    Jugend und Leben
    Reiffen zur Tugend
    Sich zuerheben.
    Scheide doch nicht.

    Himmel erwehre/
    Lencke die Sinnen/
    Daß Sie verkehre
    Muth und Beginnen.
    Bleibe mein
    Licht.
    Wirstu mich lassen
    Einsam hier stehen/
    Muß ich verblassen
    Und gantz vergehen.
    Scheide doch nicht.
    _____

    Die Venus/ die ist Amarylle/
    Mein Auffenthalt/ mein Rosenblat.
    Das schöne
    Licht/ der Augen Fülle
    Ists/ das mich so versehret hat.
    Sie sendet mir die scharffen Pfeile/
    Weil ich nach jhrem Feuer eyle.
    _____

     

  • Jacob Schwieger (um 1630-1664)

    Aus deinem Munde flißen Flüsse
    Die süßer noch als Zukker seyn/
    Ei gieb Sie mihr mein Täubelein/
    Licht! meiner schwartzen Finsternüsse/
    Mein liebstes Kind/ reich hehr den Mund
    Und mach mein krankkes Hertz gesund/
    Hoch-ädle Bluhm den wil ich preisen/
    Trau solches/ dich mit tausend Weisen.
    _____

    Du o Außzug aller Freüde/
    Trösterin der harten Pein!
    Schaffe Raht in disem Leide
    durch der Augen
    Licht und schein/
    gieb mihr deiner Liebe Gluht
    meine Freündinn' Adelmuht.
    _____


    Seine Bitte

    Hält nicht ein jedes Tihr sich stets zu seines gleichen/
    der Täuber liebet sehr sein liebes Täubelein/
    Sie wil dem Täuber auch nichts in der Liebe weichen;
    Der Hirsch liebt seine Hind': und ich muß einsam seyn?

    Wir sein ja beide gleich von gleichem Bluht und Stande/
    mein' Adelmuht! warüm liebstu mich denn auch nicht?
    Kom Lieb und rette mich! eh man mich findt im Sande
    verscharret: Hilff' ach hilff/ mein Sonnenschein und
    Licht.
    _____

    Adelmuht mein
    Licht und schein
    und Erquikkung meiner Pein/
    was Ich dihr versprochen
    wil ich halten steiff und fäst
    biß den letzten Lebens Rest
    hat der Tod gebrochen.

    Dein beliebtes Rosen-
    Licht
    so durch deine Wangen bricht
    ist mein bestes Leben;
    sage mihr/ o Adelmuht!
    wann wiltu dein Rosen-bluht
    mihr eins über-geben?
    _____


    Sie ist Schön

    Gleich wie das Sonnen-
    Licht mit seinem Glantz und prangen
    bestrahlet über-all diß gantze Rund der Welt;
    So gläntzt das Rosen-
    Licht von meiner Schönsten Wangen/
    daß wer dasselbe siht in Demuht nieder-fält;

    Die Augen dises Bilds sein heller dann die Sonne/
    es ist kein Himmels-
    Licht das solche Strahlen giebt.
    So gläntzet mein Rubihn/ meins Hertzens Lust und Wonne
    drüm billich dises Bild auch von mihr wird geliebt.
    _____

    Nun Charitil/ ade! Ich kan dich nicht mehr lieben
    weil mich ein ander
    Licht jtzund gefangen hält
    die Adelmuht die hat mein treües Hertz gefällt
    üm dich Freündinne werd' ich mich nicht mehr betrüben/

    mein Hertze hat sich schohn der Adelmuht verschrieben:
    und die/ die lieb' ich nun für alles in der Welt/
    derselben wird von mihr mein Leben zugestellt
    mit Jhr hoff' ich mich bald in keüscher Lust zu üben.
    _____


    Noch an Sie

    Was wegerstu dich denn mihr einen Kuß zu geben/
    es ist ja keine Schand'/ o außerwehltes
    Licht!
    ein Kuß erfrischt mein Hertz dihr schadet er ja nicht:
    Drüm gieb mihr einen Kuß/ auf daß ich möge leben.
    _____

    Adelmuht ach! laß mein flehen
    so ich treibe mit begihr
    dihr doch eins zu Hertzen gehen
    komm und stille meine Gihr!
    gieb mihr doch dein Röselein
    du mein
    Licht und Sonnenschein.
    _____


    Sie ist sein Pohl

    Du bist mein
    lichter Pohl der mich zur Liebe führet/
    ach Adelmuht mein Kind! du leitest mich allein
    zu deiner Schönheit Port; du bist es die mich zieret/
    du bist es auch/ du/ du die mihr bringt Angst und Pein.

    Mein Pohl bistu und wilt mihr doch nicht weiter dienen
    nachdem du mich gebracht am Hafen deiner Zier
    da ich vor Ankker lieg'. Warüm bistu erschienen
    mein Nord-stern wen du nicht wilt ferner helfen mihr.
    _____

    Deinen Deamanten Sinn
    laß mein trübes Bluht erweichen!
    außerkohrne Mensch-Göttinn!
    bleibstu so/ muß ich verbleichen/
    ja ich muß wie Rauch vergehn.
    Adelmuht mein
    Licht und Wonne
    meiner keüschen Liebe Sonne!
    ach laß deine Gunst mihr sehn.
    _____

    Kom hehr mein Kind
    und sei gesinnt
    wie ich/ mein
    Licht und Leben!
    so wil ich dihr
    geläub es mihr
    noch tausend Küsse geben.
    _____

    Adelmuht Bluhme der schönsten Jungfrauen
    liebeste Seele der Liebe
    Lichtschein
    laß mich nun immer mit Freüden anschauen
    deine bepuderte Wangen ohn Pein/
    ach deine Brust
    setzet in Lust
    meine Begierde/ das magstu wol trauen.
    _____


    An seine Göttin

    Es war mihr angenehm/ als Ich dich erst ersahe
    o Adelmuht mein
    Licht! noch lieber wird es sein/
    wan Ich nach diser Zeit dich lieblichen ümfahe
    und küsse tausendmahl in meinem Bettelein.
    _____

     

  • Kaspar Stieler (1632-1707)

    Die Grausamkeit und süsses lachen
    wie können die Verwandnüs machen
    in einem schönem Angesicht'?
    Entwehn dich/ Kind/ der Ernst-gebehrden/
    so wird der schönen Schönheit
    Licht
    noch tausendfach verschönert werden.
    _____

    Macht euch lustig Neider-Herzen
    blaset/ wie ihr tuht
    Blizz/ Schwefel blaue Gluht
    unser' heisse Liebes-Kerzen
    Amors Straal und
    Licht
    verdunkelt ihr doch nicht.
    Wie daß heitre Sonnen-glizzen
    Etnen Feuer dunkel macht/
    so wird eurer Rachen blizzen
    gegen unsern Scheine/ Nacht.
    _____

    Ein Demant/ als ein Wachs/ ist Rosilis/ mein
    Licht/
    auß der so mancher Straal der Liebes-funken blikket.
    Sie ist so hell und rein/ so steinern aber nicht/
    sonst hätt' ich meine Form nicht in ihr Wachs gedrükket.
    _____

     

  • Gottlieb Stolle (Leander aus Schlesien) (1673-1744)

    Die stunden werden tage,
    Weil ich, mein
    Licht! von dir entfernet bin:
    Flieht, stunden, flieht doch bald dahin!
    Daß ich nicht mehr auf das verhängniß klage.
    Denn länger ohne dich, o Flavia! zu seyn,
    Ist eine höllen-gleiche pein.
    _____


    An Sylvien,
    Wegen seiner finstern wohnung

    Ich gebe gerne zu, daß in dein nettes zimmer,
    O Sylvia! mehr
    licht, als in das meine, fällt;
    Denn dieses kennt nicht mehr, als einer sonne schimmer,
    Da deines meistentheils drey sonnen in sich hält.
    _____

    Durch zwey augen und die sonne
    Besteht die klein' und große welt:
    Auf diese gründet sich der himmel unsrer wonne,
    Denn wären beyde nicht, so stünd' es schlecht bestellt.
    Die sonn' erleuchtet finstre hölen:
    Der holden augen
    licht erqvickt betrübte seelen.
    _____


    Auf die unempfindliche Daphne

    Geliebtes
    Licht, doch allzukaltes Kind!
    Du gleichest recht den diamanten steinen,
    Die in der glut fast zu verbrennen scheinen,
    Und dennoch kalt und unempfindlich sind.
    _____


    Als er sie vergebens suchte

    Wo bist du denn, mein holdes
    Licht?
    So frag' ich; aber ach! weßwegen frag' ich nicht,
    Wo ich mich selbst befinde?
    Leb ich in dir,
    Und du in mir?
    So bin ich ja bey meinem liebsten Kinde.
    Indessen such' ich, wo ich kan,
    Und treffe dich doch nirgends an.
    Ja was unglaublich scheint, mein angenehmstes
    Licht!
    Ich weiß es, wo ich bin, und weiß es doch auch nicht.
    _____


    An eben dieselbe wegen seiner finstern wohnung

    Es ist dir leid, daß nicht mehr
    licht
    Durch meine stuben-fenster bricht;
    Doch kehre du nur bey mir ein!
    So wird es voller sonne seyn.
    _____

     

  • Philipp von Zesen (1619-1689)

    Mein wündschen ist dich zu schauen /
    Du trautes edles Bild /
    Mit Süßigkeit erfüllt!
    Ich wil mich mit Dier vertrauen /
    Wil trincken aus deinen Flüssen /
    Die Honig uns geben müssen;
    Drümb komm und laß mich nicht /
    Du edles
    Licht.
    _____

    O allerschönste Rosemund / mein allerliebstes Leben /
    du gleubst nicht in was grossem weh ich schwacher itzt mus schweben.
    Doch du bist alzuweit entfernt; du hörst mein seufzen nicht:
    du schläffst vielleicht; ach nicht! du wachst / mein
    liebesLebenslicht.
    _____

    Echo zeige mir mein Leben!
    E(cho:) Ja dir eben.
    Weistu meine Liebste nicht?
    E. Die dein
    Licht?
    Ja sie ist mein
    Licht und Sonne /
    E. Freud und Wonne?
    Ja sie ist mein Freuden-Schein /
    E. Sie ist dein.
    _____

    Tugendreich / mein selbst-eigenes Hertze /
    Blume der Zeit / mein Alles und Nichts /
    Fackel und
    Licht des irrdischen Lichts /
    Gönne mier doch / daß itzo mein Schmertze
    Möge vergehn durch deinen Anblick /
    Blicke mich an / so lob' ich mein Glück.
    _____

     

18. Jh.

 

  • Charlotte von Ahlefeld (1781-1849)

    Unerreichbar bist Du, o Mond, in der Ferne des Himmels,
    Dennoch verklärst Du die Nacht still mit erquickendem Glanz;
    So erfüllet auch Er mit
    Licht und Kraft mir den Busen,
    Ewig mir ferne wie Du, ist er dem Geiste doch nah.
    _____

     

  • Aloys Blumauer (1755-1798)

    Minna's Augen

    Zwei Augen sind's, aus deren Blicken
    Die Sonne selbst ihr Feuer stahl
    Seht, Männerherzen, gleich den Mücken,
    Dreh'n taumelnd sich in ihrem Strahl.

    O sonnt' ich doch in diesen Augen,
    Den Mücken gleich, mein Angesicht,
    O dürft ich Lieb' aus ihnen saugen,
    Und wärmen mich an ihrem
    Licht!
    _____

     

  • Louise Brachmann (1777-1822)

    Liebesglück

    Stille seelige Stunden,
    Wo uns die Liebe beglückt!
    Wo Dein Arm mich umwunden,
    Hold mir Dein Auge geblickt.

    Sterne glaubt ich zu sehen,
    Ach, in dem reizenden Schein!
    Strahlend von himmlischen Höhen
    Licht in das Herz mir hinein.

    Licht wohl, doch himmlisches Bangen
    Auch mit dem Schimmer zugleich;
    Sehnendes, tiefes Verlangen,
    Schlummer, von Träumen so reich!
    _____

    Was Du lobst und liebst an mir,
    Dank' ich's Dir denn nicht?
    Alles Höh're kommt von Dir,
    Meines Herzens
    Licht!
    _____

     

  • Helmina von Chézy (1783-1856)

    Beharre!

    Scheide, ach scheide,
    Doch nur von Liebe nicht,
    Blüht Liebe gleich zu Leide,
    Ist sie doch Lebens-
    Licht!

    Scheide, ach scheide,
    Doch nur von Hoffnung nicht,
    Sie ist ein Stern im Leide,
    Ein Gottvergißmeinnicht!

    Scheide, ach scheide,
    Doch nur vom Glauben nicht,
    Der sagt Dir: Liebe, leide,
    Und hoff' in meinem
    Licht!

    Scheide, ach scheide,
    Doch nur vom Leide nicht,
    Wer nicht kennt Lieb' im Leide,
    Der kennt nicht Lieb' im
    Licht!
    _____

    Die Thräne, die Liebe geweinet,
    Sie irrt nicht verloren umher,
    Sie sucht sich Bahn, und vereinet
    Sich einst dem unendlichen Meer.
    Und hin zum Meere geronnen,
    Als Perle drin wogt sie, und flicht
    Sich hell in die Kränze der Wonnen
    Der Liebe, die wandelt im
    Licht.
    _____


    An *

    Wirf dein Leiden, wirf dein Klagen
    In der Liebe Wunderfluth,
    Liebe, Liebe wird es tragen,
    Läutern in der Himmelsgluth.

    In der Liebe Spiegel milde,
    Sieh die Welt, in
    Licht verklärt,
    Erst im Widerglanz und Bilde
    Haben Welt und Leben Werth.

    Wer kann ihre Macht ermessen?
    Ihrer Schmerzen Seligkeit?
    Lieb' ist Erdenleid's Vergessen,
    Und Erblüh'n von Himmelsleid!
    _____

     

  • Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

    Laß mich nicht so der Nacht, dem Schmerze,
    Du Alllerliebstes, du mein Mondgesicht!
    O du mein Phosphor, meine Kerze,
    Du meine Sonne, du mein
    Licht!
    _____

     

  • Johann Christian Günther (1695-1723)

    Sie hat mein Herz bey sich,
    Dies könt ihr wohl nicht rühren,
    Drum weis sie auch in Leid und Lust,
    Was ich und meine Brust
    Auch ohne Wort vor Sprache führen.
    Ich denck und sage, was ich will,
    Vor Leuten oder in der Still,
    So denck und sag ich allzeit dies,
    Was Ehrfurcht, Lieb und Demuth spricht:
    Sie bleibt mein
    Licht.
    _____

    Sie bleibt mein
    Licht und meine Sonne,
    Nach der sich meine Sehnsucht kehrt;
    So lange Geist und Blut noch brennen,
    Wird sie nichts mehr bewegen können,
    Als was ihr aus den Augen fährt.
    _____

    Vor was erröthestu, mein
    Licht?
    Ich werde dich nichts Böses lehren;
    Du kennst das süße Spiel noch nicht,
    Dein Anblick raubt mir Sehn und Hören.
    Die Liebe wüntscht dich in ihr Reich,
    Gehorch ihr doch auf mein Erklären,
    Sie wird sich dir und dies zwar gleich
    Mit aller ihrer Lust gewähren.
    _____

    Kind, Engel, Schwester, Schaz, Braut, Taube, Freundin,
    Licht,
    Mein Stern, mein Trost, mein Herz, mein Ancker und  mein Leben,
    Ach, sage doch, wie man recht nett und zierlich spricht,
    Die Liebe will dir gern den besten Tittul geben,
    Die Liebe, so nach dir, was schön ist, prüft und schäzt
    Und deines Nahmens Zug mit Freudenthränen nezt.
    _____

     

  • Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792)

    An ihrem Blicke nur zu hangen
    Verlang ich, weiter nichts,
    Und von dem Reichtum ihres
    Lichts
    Ein Fünkchen in mein Herz zu fangen.
    _____

     

19./20. Jh.

 

  • Johanna Ambrosius (1854-1939)

    Ach, hätt' ich früher dich geliebt,
    Du reines
    Seelenlicht,
    Fürwahr, der Engel schönes Los,
    Beneidete ich nicht.
    _____

    So reich' mir einmal noch die Hand,
    Dann laß uns scheiden, scheiden!
    Was willst du durch des Hasses Brand
    Noch schüren meine Leiden.
    Du glaubst an meine Liebe nicht,
    Willst Spott nur mit mir treiben -
    So geh' mit Gott; mein
    Sonnenlicht
    Warst du und wirst's auch bleiben.
    _____

    Dein Auge ist mein Lebensborn,
    Es stillt mein Herz und kühlt den Zorn.

    O, bebe nicht vor mir zurück,
    Gönn' meiner Seele deinen Blick!

    Verschlei're mit der Wimper nicht
    Mein einzig süßes
    Lebenslicht.
    _____

     

  • Stine Andresen (1849-1927)

    Mein Stern

    Du bist mein Stern! Und willst du's gleich nicht wissen,
    Du leihst doch unbewußt mir deinen Strahl,
    Gleich wie des Himmels Sterne leuchten müssen
    Den armen Sterblichen im Erdenthal.

    Einst trieb das Schicksal dich in meine Nähe,
    Und stolz und strahlend zogst vorüber du.
    That auch dein Stolz mir tief im Herzen wehe,
    Du sandtest doch dein segnend
    Licht mir zu.

    Und werden nie sich unsere Wege einen,
    Und bleibst du mir auch ewig, ewig fern,
    Stets wird dein
    Licht in meine Seele scheinen
    Voll heil'gen Glanzes, denn du bist mein Stern.
    _____

     

  • Theodor Apel (1811-1867)

    Aus Deinen lieben, frommen Zügen
    Les' ich der Hoffnung
    Himmelslicht;
    Ach laß die Hoffnung mich betrügen,
    Nur störe mich in Träumen nicht!

    Und laß in Deines Blickes Milde
    Mich gläubig ruh'n noch kurze Frist,
    Und wähnen, daß in meinem Bilde
    Dein Aug' des Herzens Spiegel ist.

    ______

    O so laß mich an dem
    Licht
    Deiner Augen sonnen,
    Weicht doch auch der Frühling nicht,
    Der einmal begonnen!
    _____

     

  • Hugo Ball (1886-1927)

    Tausend Saiten hat meine Laute

    Tausend Saiten hat meine Laute
    Tausend Töne hatte mein Herz
    Seit Deine Liebe mir Träume spann
    Seit mir Dein Ich in die Seele schaute
    Harfen sie himmel und himmelwärts.
    Bist Du mein
    Licht,
    Das die Hände faltet?
    Bist Du der Tag,
    Der mir Blüten küsst?
    Bist Du die Sonne
    Die über mir waltet?
    Sage mir, ob Du
    Ein Engel bist?
    _____


    Entrückt und nah

    Entrückt und nah, belebend und doch Schein,
    So seh ich, Liebste, Dich vor mir errichtet.
    Ein Umriß, der vor meinen Blicken flüchtet
    Und dem es doch bestimmt ist, Bild zu sein.

    Die Hände haben längst darauf verzichtet,
    Zu fassen nach Gestalt von Fleisch und Bein.
    Genug zu wissen, daß Du Brot und Wein
    Und zartes Feuer bist, das mich
    belichtet.

    Die Augen werden einst in Moder fallen.
    Was war ich ohne Dich? Ein irres Lallen,
    Ein Dunkel und ein Rausch der Bitternisse.

    Laß wehen durch mein Wort die
    lichten Küsse.
    Laß sinken in mein dämmerndes Gedicht
    Vom Brunnenrande her Dein Angesicht.
    _____

    Wenn je ich still und ganz mich zu dir kehre
    Dann mußt du groß und schweigend mich empfangen
    Aus irrer Dunkelheit kam ich gegangen
    Besorgt, daß ich dein
    lichtes Bild verzehre.
    _____

     

  • Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

    Schlag deine Augen nieder nicht;
    Sie sind so hold;
    Noch nicht voll Glut, doch voller
    Licht
    Und Unschuldsgold.

    Das hat so innig milden Schein,
    Oh süßes Kind,
    Dass alle Kümmernisse mein
    Verflogen sind.
    _____

    Ach, daß du mir ferne bist.
    Doch mein Herz ist deiner Güte,
    Wie dem
    Himmelslicht die Blüte,
    Sonnenstrahlenzugewandt.

    Und so wird durch deine Strahlen
    Aller Schmerzen, aller Qualen
    Bald mein Herz entladen sein,
    Denn der Liebe
    Licht heilt schnelle.
    Sende, spende deine Helle,
    Du mein lieber Sonnenschein.
    _____

     

  • Friedrich von Bodenstedt (1819-1892)

    Die Rebe dehnt sich sonnenwärts,
    Nach Liebe sich das Menschenherz:
    Wem
    Licht und Liebe bleibt verloren,
    Der wäre besser nie geboren!
    _____

     

  • Helene Branco (Ps. Dilia Helena) (1816-1894)

    In dir empfind' ich nur das Leben,
    Du rufst die Seele aus dem Nichts,
    Du giebst mir Glauben, giebst mir Streben,
    Trägst mich hinauf in's Reich des
    Lichts.
    _____

    Mein ganzes Sein, es neigt in Liebe,
    In Sehnsucht neigt es dir sich zu,
    Und der Gefühle Blumentriebe,
    Sie wurzeln tief in deinem Du.

    Wenn
    Lichtgedanken aus dir klingen,
    In mir sie nehmen Traumgestalt,
    Und wandeln sich in leises Singen,
    Das aus mir strömt und nach dir wallt.
    _____

     

  • Luise Büchner (1821-1877)

    Stille Frage

    Es quillt des Abendsterns
    Geheimnißvoller Schein,
    So nah' und auch so fern,
    Mir in das Herz hinein.

    Drin glüht ein and'res
    Licht,
    So nah' und auch so fern,
    Das Herz umschließt es dicht -
    Doch weit ist's wie der Stern.

    Du gold'ner Liebesstrahl,
    Geh', frage deinen Stern,
    Bleibt er zu deiner Qual,
    Dir ewig, ewig fern?
    _____

     

  • Carl Busse (1872-1918)

    Nun wiegte der Liebe
    Lichtmelodie
    In Glück uns beide, uns beide in Traum,
    Und der Kuckuk rief und der Kuckuk schrie
    Siebenmal vom Baum, siebenmal vom Baum.

    _____

    Thörichtes Kind, du kennst ja die Gluten,
    Die dir im Herzen schlummern, noch nicht;
    Einst doch ringt sich aus rauschenden Fluten
    Weltenfüllend die Liebe zum
    Licht,

    Tönt es in dir mit mächtigen Zungen,
    Mächtiger als die Glocken des Doms,
    Treibt es in dir wie die Flut eines jungen,
    Bandenbefreiten Frühlingstroms.
    _____

     

  • Georg Busse-Palma (1876-1915)

    Fremde Flammen

    Unsre Lippen, unsre Hände,
    Weich und voller Blut -
    Sag': sind es nicht doch nur Wände
    Zwischen Glut und Glut?

    Sind die Leiber und das Leben,
    Was hier fühlt und spricht -
    Nicht nur Mauern, die sich heben
    Zwischen
    Licht und Licht?

    Manchmal, wenn wir innig flüstern
    Und vertraut uns nahn,
    Hör' ich Flammen in uns knistern,
    Die sich niemals sahn ...
    _____

     

  • Peter Cornelius (1824-1874)

    Golden
    Licht, lieb Gesicht

    Golden
    Licht! Lieb Gesicht,
    Süß gereimtes Maigedicht!

    Blühend Herz! Maigemüt,
    Das in Glanz und Duft erblüht!

    Freundlich Kind, lieb Gesicht!
    Wer schaut dich und liebt dich nicht?

    Maigedicht, Gottes Wort,
    Ewig blüh' und töne fort!
    _____


    Möcht' allein allen Schein

    Möcht' allein
    Allen Schein
    Alle Wärme
    Alles
    Licht
    Atmen dir vom Angesicht;
    Alle Luft des Lebens auch
    Trinken nur aus deinem Hauch;
    In Tod und Leben
    Ein Leib, ein Geist
    Mit dir weben und schweben
    So lang' im All die Erde kreist.
    _____


    Als mit meinem Lieb ich ging

    Als mit meinem Lieb ich ging
    Lauter
    Licht uns da umfing.
    Rot vom Sonnenuntergang
    Streift' ein Glanz das Tal entlang;
    Von des Mondes Sichel hell
    Schimmert leise Wald und Well';
    Lichterglanz um Stadt und Dom
    Spiegelt golden sich im Strom;
    Und mein Lieb sah fröhlich drein,
    Und das war der schönste Schein.
    _____

    Weil ich so lieb die Sterne hab'
    Ein Stern ist kommen zu mir herab.
    Der wollte bleiben unerkannt
    Nahm Frauenart und Frauengewand.
    Doch sagt' ich gleich: Verbirg dich nicht
    Du bist ein Stern, ein
    Himmelslicht!
    _____

     

  • Richard Dehmel (1863-1920)

    O Welt des
    Lichtes, Welt der Wonne!
    O Nacht der Sehnsucht, Welt der Qual!
    O Traum der Erde: Sonne, Sonne!
    O mein Geliebter - mein Gemahl -
    _____

    In deinen Augen glimmt ein
    Licht,
    so grau in grün,
    wie dort die Nacht den Stern umflicht.
    Wann kommst du?! - Meine Fackeln lohn!
    laß glühn, laß glühn!
    schmück mir dein Haar mit wildem Mohn!
    _____

     

  • Marie Eugenie Delle Grazie (1864-1931)

    An das
    Licht

    Vom Himmel strahlst Du heiliges
    Licht,
    Und wogst in goldenen Fluthen
    Als Äther um die unendliche Welt!

    Es fliegt Dein leuchtender Pfeil
    Hinab in die gräulichen Tiefen,
    Und in die verborgenen Schluchten
    Fällt Dein schimmernder Strahl.

    Ich preise Dich göttliches
    Licht,
    Weil Du das Chaos geordnet,
    Das häßliche Dunkel vernichtet,
    Die todte Erde belebt!

    Du strahlst aus der herrlichen Sonne
    Du blinkst aus den lieblichen Sternen,
    Du leuchtest aus jeder Welle,
    Die murmelnd zum Strande eilt.

    Und weil Du die Menschen auch liebst,
    Die herrlichsten Kinder der Schöpfung,
    Durchdringst Du ihr ganzes Wesen
    Mit Deiner heiligen Gluth.

    Es glänzt Dein himmlischer Strahl
    Als Schönheit in ihrem Leibe,
    Als Freiheit in ihrem Geiste,
    Als Liebe in ihrer Brust.

    Und was Du also zerstreut,
    Das glänzt Dir noch holder entgegen,
    Gesammelt in einem Krystall,
    Dem freudeglühenden Auge!
    _____

     

  • Carl Ferdinand Dräxler-Manfred (1806-1879)

    Es ist nicht anders möglich:
    Wenn so aus vollem Herzen
    Mit brennenden Gedanken
    Der Liebende der fernen
    Geliebten denkt, -
    Daß nicht zur selben Stunde
    Sein Sinnen und Verlangen
    Sich wie ein magisch
    Licht
    Auf ihre Seele senkt.
    _____

     

  • Gustav Falke (1853-1916)

    Geh nicht!

    Leb wohl! Wie ruhte Hand in Hand
    so kalt. Ich litt.
    O, daß ich nicht ein Wort des Herzens fand!
    Du gehst und nimmst den Frühling mit,
    nimmst Tag und
    Licht. -
    Geh nicht!

    _____

     

  • August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

    Am Glanze deines Angesichtes
    Ward meiner Sehnsucht Mond erhellt.
    Am milden Strahle deines
    Lichtes
    Erblühte meine innre Welt.

    Du bist zur Sonne mir geworden,
    Die immer scheint und freundlich lacht,
    Die wie die Sonn im hohen Norden
    Auch scheint in später Mitternacht.
    _____

    Dein Auge hat mein Aug erschlossen,
    Du sahst mich an, da ward es Tag;
    Mit
    Licht und Farbe war umflossen,
    Was einst im Graun der Nächte lag.
    _____

     

  • Karoline von Fidler (1801-1874)

    Liebe

    Die Lieb' ist Alles! Wer zu lieben weiß,
    Der kennt des Daseins einzig werthen Preis;
    In ihm ist Gott - er hat das
    Licht, die Kraft,
    Er hat den Glauben und die Wissenschaft!

    Wer liebt, der lebt, und giebt des Lebens Lust
    All' dem, was er umschließt mit warmer Brust;
    Er theilet aus - sieht seinen Schatz nicht an,
    Er weiß es, daß er endlos geben kann.

    Die Liebe hat nicht Zweifel, hat nicht Noth,
    Die Sünde kennt sie nicht, kennt nicht den Tod -
    Die Lieb' ist ewig! - und darum allein,
    Weil ich geliebt, werd' ich unsterblich sein!
    _____

     

  • Johann Georg Fischer (1816-1897)

    Du schweigend Wunder,
    Du weißt es nicht,
    Wie ich trunken trinke
    Von deinem
    Licht!

    Und ist es möglich,
    Und bist du mein?
    Wir zwei im Weiten
    Allein, allein!
    _____


    Sängerweihe

    Ich hab' gelernt die Frauenliebe loben,
    Geliebte, bei des Frühlings Nachtigallen,
    In's dichte Laub sind küssend sie gefallen,
    Dann hat der Gatte singend sich erhoben.

    Dein blüh'nder Leib, aus Duft und
    Licht gewoben,
    Dein heil'ger Kuß, dein tiefes Aug' vor allen
    Hat mich, o Mädchen, von den Nachtigallen
    Mit meinem Sange bald gelenkt nach oben.

    Es ist so schön, sich wundernd zu versenken
    In deines Busens lustgeheime Thale,
    In deines Auges träumerische Gründe;

    Und von der Küsse frischem Zaubermahle
    Schwingt sich das Lied mit sel'gem Rückgedenken
    Den Wolken zu, und weiß von keiner Sünde.
    _____


    Gestorben

    Und stehen denn die Berge noch?
    Zerbrach der Himmel nicht,
    Als Erd' und Himmel mir versank
    Mit zweier Augen
    Licht?
    O Welt, wie magst du noch bestehn,
    Wenn deine Leuchten untergehn!
    _____

     

  • Ludwig August Frankl (1810-1894)

    Rede nicht,
    Wenn ich mich in Träumen wiege,
    Worte sind zu kalt, zu schlicht -
    Künden, wenn ich dich umschmiege,
    Worte, was die Seele spricht?

    Rede nicht.
    An die Nacht von meinen Haaren
    Lehne deiner Wangen
    Licht,
    Mir den Glauben zu bewahren:
    Dunkle Nacht begrenzet
    Licht.
    _____

     

  • Agnes Franz (1794-1843)

    Licht, Lied und Liebe

    Es hielt die Nacht das
    Licht gebunden,
    Bis es der Liebe Wort befreit,
    Nun haben Beide sich gefunden,
    Zu ewig fester Einigkeit.
    Und wo sich ihre Flammen regen
    In jugendlichen Lebensmuth,
    Da naht sich auch des Liedes Segen,
    Und weih't des Bundes heil'ge Gluth.
    _____


    Könnt' ich Dein vergessen?

    Könnt' ich Dein vergessen,
    Meines Lebens
    Licht?
    Müßte von den Freuden
    Der Erinn'rung scheiden,
    Jeden Klang vermeiden,
    Der zum Herzen spricht!

    Könnt' ich Dein vergessen,
    Meines Lebens
    Licht?
    Alle Lichtgestalten,
    Die sich mir entfalten,
    Müßten bleich erkalten
    Wie ein Traumgesicht.

    Könnt' ich Dein vergessen,
    Meines Lebens
    Licht?
    Müßt' von Lied und Tönen,
    Ach, von allem Schönen
    Aug' und Ohr entwöhnen,
    Flieh'n der Schöpfung
    Licht.

    Könnt' ich Dein vergessen,
    Meines Lebens
    Licht? -
    Schweigend, ohne Klagen
    Kann ich Leid ertragen,
    Sterben wohl, entsagen,
    Doch - vergessen nicht!
    _____

     

  • Emanuel Geibel (1815-1884)

    Du bist so schön, ich wag' es nicht
    Dich anzuschauen,
    Du schlanke Lilie hoch und
    licht
    Im Kranz der Frauen;
    Du Kön'gin sonder Hermelin,
    Von deren Stirne Gnad' und Hoheit scheinen,
    Du bist so schön - o laß mich vor dir knie'n,
    Und stumm auf deine Füße weinen!
    _____

    Du bist so still, so sanft, so sinnig,
    Und schau' ich dir in's Angesicht,
    Da leuchtet mir verständnißinnig
    Der dunkeln Augen frommes
    Licht.
    _____


    Der Liebenden

    Seitdem die Liebe dir genaht, der Reinen,
    Ist's wie ein Zauber über dich gekommen;
    In süßem Feuer ist dein Aug' erglommen,
    Doch schöner blickst es noch in sel'gem Weinen.

    Oft, wenn du wandelst, will es mir erscheinen,
    Als sei die ird'sche Schwere dir genommen;
    Dein Thun ist wie der Blumen Blühn, der frommen,
    Und wie der Engel ist dein Wunsch und Meinen.

    Das Wort erblüht von selbst dir zum Gedichte,
    Doch schweigst du, strahlt, die Rede zu ergänzen,
    Von deiner Stirn die Lieb' im reinsten
    Lichte.

    So sah dereinst, entrückt der Erde Gränzen,
    Auf Beatricens schönem Angesichte
    Den Strahl des Paradieses Dante glänzen.
    _____

     

  • Hermann von Gilm (1812-1864)

    Ob ich auf Erden etwas liebe mehr
    Und inniger als dich? Das Lied, das
    Licht?
    Das bist du ja! Fehlt mir dein Angesicht,
    So ist es stumm und dunkel um mich her.
    _____

     

  • Felix Grafe (1888-1942)

    Heilig geheimes Gesicht!
    Runen, der schweigenden Stirne eingegraben!
    Die aus dem Brunnen der Lieb getrunken haben,
    halten in schützender Hand ein flackerndes
    Licht.
    _____

     

  • Elisabeth Grube geb. Diez (1803-1871)

    Auf dem Heimweg

    Die Fackel glüht! - getrost du kühner Schwimmer!
    Wohl hat der Lebensstrom gewalt'ge Fluthen,
    Doch deines Muthes, deines Herzens Gluthen
    Erstarken in des
    Lichtes Schimmer.

    Die Liebe wacht! - ihr Stern verlöschet nimmer,
    Und die an ihrem großen Herzen ruhten
    Sind fromm gefeit zum Schönen und zum Guten,
    Sie trügt kein Schein; sie stört kein falscher Flimmer.

    Wie auch des Lebens wilde Wogen branden,
    Ob auch die rauhen Ströme grausig toben,
    Selbst wenn der Leitstern in der Nacht verschwunden

    Wer einmal jenes ew'ge
    Licht gefunden,
    Den trägt die sturmempörte See nach oben;
    Der wird im Arm der Liebe selig landen. -
    _____

     

  • Anastasius Grün (1806-1876)

    Wie der Lichtstrahl kamst du, Holde,
    Der nur leuchten, wärmen mag,
    Daß von seinem klaren Golde
    Heller noch der hellste Tag;

    Wie das
    Mondlicht kamst du, Süße,
    Das nur zu verklären strebt
    Und die
    lichten Silbergrüße
    Still in dunkle Stunden webt;
    _____

    "Sprich, o Freund, kennst du die Liebe,
    Kennst du ihre Gluten nicht?
    Ist ihr Strahl des Unglücks Fackel
    Oder segnend
    Friedenslicht? -"
    _____

     

  • Alfred Grünewald (1884-1942)

    Magst du dich mir auch verschweigen,
    horchen lernt ich um so feiner.
    Magst dich bar der Güte zeigen,
    sieh, als deines Neins Verneiner
    gibt ein scheuer Blick sich preis;
    und so weiß ich, was ich weiß.

    Länger nicht mehr auf der Suche
    will ich sein nach deinem Herzen.
    Denn gleichwie in einem Buche
    - deine Augen sind zwei Kerzen -
    les' ich bei so mildem
    Licht
    im geliebten Angesicht.
    _____

    O wende nicht dein Antlitz! Meine Seele
    sucht keine Fernen. Nur dein
    Licht erhellt,
    was dunkel ist. Die Wege, die ich wähle,

    sind deinem Wandeln sehnsüchtig gesellt.
    Wie wird jetzt unser Leben sein? Erzähle!
    Denn deine Rede weissagt eine Welt.
    _____

     

  • Otto Friedrich Gruppe (1804-1875)

    Du bist der Fluß, der breit vorüberfließet,
    Der nie versiegt und nie verdirbt;
    Ich bin die Blume, die den Thau genießet,
    Die Blume, die an ihrer Blüte stirbt.

    Du bist die Sonne, die mit
    Lichte segnet,
    Und die sich ewig neu verklärt;
    Ich bin die Wolke, welche zieht und regnet,
    Und die in linden Thränen sich verzehrt.
    _____

     

  • Ida von Hahn-Hahn (1805-1880)

    Seit mir dein Lächeln lohnet,
    Fürcht' ich nicht Nacht, noch Tod;
    Auf deiner Stirne wohnet
    Ein ewig Morgenroth.

    Aus deinem Auge sprühet
    Ein Dasein, das nie bricht,
    Und ach, dein Kuß erglühet
    Wie Leben und wie
    Licht.
    _____

    Seine Augen seh' ich immer
    Mild und klar wie
    Sternenlicht,
    Und ich denk', der Liebe Schimmer
    Ist's, der himmlisch sie durchbricht.
    _____

    Kann das Aug' dich nicht erspähen,
    Wird es um mich Nacht und trübe,
    Nebel um die Stirne wehen,
    Es versinkt der Stern der Liebe;
    Meine Sonne ist verdürstet,
    Meine Rosen sind verblüht,
    Und der Wind im Laube flüstert
    Dumpf und hohl ein Trauerlied.

    Kann die Hand dich nicht erreichen,
    So verschweben die Gestalten,
    Farb' und Form von ihnen weichen,
    Seelenlose Schatten walten,
    Grau in Grau verschwimmt das Leben!
    Ohn' die Stralen meines
    Lichts,
    Die das Weltenall durchbeben,
    Ist mir Alles, Alles – Nichts.
    _____

    In Vergessenheiten tauchen
    Könnt' ich Leben,
    Sonnenlicht,
    Aber dich,
    Licht meiner Augen,
    Seele meines Lebens, nicht! –
    _____

    Sein Auge find' ich stets am Himmel,
    Und seinen Blick im Sternenheer;
    Sein Lächeln
    lichtet das Gewimmel
    Gleichgült'ger Menschen um mich her.
    _____

     

  • Robert Hamerling (1830-1889)

    Ich seh' dich heut zum ersten Mal,
    Da faßt mich's liebebang;
    Du bist's, dich sucht' ich überall,
    Wo säumtest du so lang?
    Ich habe dich ja längst gekannt,
    Erkennest denn du mich nicht?
    Fühlst du, wie innig wir verwandt,
    O du mein süßes
    Licht?
    _____

    Wo blüht ihr süßes Angesicht,
    Ihr Wangenrosenpaar?
    Wo schimmert ihrer Augen
    Licht?
    Wo weht ihr gold'nes Haar?
    Ich suche sehnsuchtsvoll nach ihr,
    Mit nimmermüdem Streben,
    Doch ach, es konnte Keiner mir
    Noch Kunde von ihr geben!
    _____


    Ich will ja nichts!

    O laß an deiner Seite mich, im Kreise deines
    Lichts!
    Ich will ja fromm und ruhig sein – laß mich, ich will ja nichts!
    An süß Gekose denk' ich nicht, an Druck der Hände nicht;
    An einen Kuß – o nicht von fern! Laß mich, ich will ja nichts!
    Laß ruh'n mein Haupt an deiner Brust; will ruh'n so zart, so rein,
    Wie Schwanenfittig auf dem See – laß mich, ich will ja nichts!
    Ich ford're ja nicht Liebe, nein! was drückst du mir so streng
    Des Haßes Pfeil in's tiefste Herz? Laß mich, ich will ja nichts!
    _____

    Sieh', wie empor zum Sonnenlicht
    Bräutlich die Rose strebt;
    Doch scheucht sie drum den Falter nicht,
    Der harmlos um sie schwebt.
    So lass mich wandeln ungestört
    Im Kreise deines
    Lichts!
    Ich weiss ja, wem dein Herz gehört,
    O Holde, fürchte nichts!
    _____

    Teures Bild, das mir erschienen,
    Engelgleiches Angesicht,
    Strahlend mit verklärten Mienen
    In der Liebe holdem
    Licht!
    Solche Schöne, wähnt' ich, schwebe
    Nur um uns im Traum der Nacht,
    Doch nie ahnt' ich, daß es lebe,
    Diese hohe Liebespracht.
    _____

     

  • Heinrich Heine (1797-1856)

    Dein Angesicht so lieb und schön,
    Das hab ich jüngst im Traum gesehn,
    Es ist so mild und engelgleich,
    Und doch so bleich, so schmerzenbleich.

    Und nur die Lippen, die sind rot;
    Bald aber küßt sie bleich der Tod.
    Erlöschen wird das
    Himmelslicht,
    Das aus den frommen Augen bricht.
    _____

    Die du bist so schön und rein,
    Wunnevolles Magedein,
    Deinem Dienste ganz allein
    Möcht ich wohl mein Leben weihn

    Deine süßen Äugelein
    Glänzen mild wie Mondesschein;
    Helle
    Rosenlichter streun
    Deine roten Wängelein.
    _____

    Die Lotosblume ängstigt
    Sich vor der Sonne Pracht,
    Und mit gesenktem Haupte
    Erwartet sie träumend die Nacht.

    Der Mond, der ist ihr Buhle,
    Er weckt sie mit seinem
    Licht,
    Und ihm entschleiert sie freundlich
    Ihr frommes Blumengesicht.

    Sie blüht und glüht und leuchtet,
    Und starret stumm in die Höh;
    Sie duftet und weinet und zittert
    Vor Liebe und Liebesweh.
    _____

    Liebste, sollst mir heute sagen:
    Bist du nicht ein Traumgebild,
    Wies in schwülen Sommertagen
    Aus dem Hirn des Dichters quillt?

    Aber nein, ein solches Mündchen,
    Solcher Augen
    Zauberlicht,
    Solch ein liebes, süßes Kindchen,
    Das erschafft der Dichter nicht.
    _____

    Saphire sind die Augen dein,
    Die lieblichen, die süßen.
    O, dreimal glücklich ist der Mann,
    Den sie mit Liebe grüßen.

    Dein Herz, es ist ein Diamant,
    Der edle
    Lichter sprühet.
    O, dreimal glücklich ist der Mann,
    Für den es liebend glühet.
    _____

    Wo ich bin, mich rings umdunkelt
    Finsternis, so dumpf und dicht,
    Seit mir nicht mehr leuchtend funkelt,
    Liebste, deiner Augen
    Licht.

    Mir erloschen ist der süßen
    Liebessterne goldne Pracht,
    Abgrund gähnt zu meinen Füßen -
    Nimm mich auf, uralte Nacht!
    _____

     

  • Karl Henckell (1864-1929)

    Der kleine Tempel wölbte rund
    Sich zwischen Lindenästen,
    Drin wir zu heller Mondesstund
    Uns an die Lippen preßten.
    Dein Äuglein flimmerte voll
    Licht,
    Süß schimmerte dein Angesicht,
    Indes mit Flammenküssen
    Wir haben spielen müssen.
    _____


    Vollmond am See

    Mondlicht durch die Platanen rinnt,
    Welle schlägt ans Gestade,
    Vollmond silberne Streifen spinnt
    Über die feuchten Pfade.

    Jetzt mit dir, Geliebte, so
    Leicht in den Lichttanz tauchen,
    Überrieselt vom Mondentau
    In abgründiger Himmel Blau
    Unser sehnsuchtschwellendes Herz verhauchen!
    _____

     

  • Franz Hessel (1880-1941)

    Der neue Pygmalion

    Ich baute mir aus weißem
    Licht ein Bild:
    Aufbaut ich dich, den Abendtraum, aus Nächten.
    Mit meinem Leben hab ich dich gestillt.

    Mit Golde tönt ich deine blonden Flechten.
    Ich rötete den Mund aus meinen Adern. -
    Und lange Nacht kam kühlend und umfächelnd.

    Ein Morgentraum fand mich auf kalten Quadern
    Zu deinen Füßen, leichenhaft verhüllt.
    Du aber stehst und bist ein weißes Bild
    Und öffnest deine Hände kindlich lächelnd.
    _____


    Nach Petrarca

    Wenn ich mich ganz in jene Helle wende,
    Darin mich blendet meiner Herrin
    lichtes
    Angesicht, und ich fühle wie des
    Lichtes
    Zehrende Glut mir schmilzt des Herzens Wände,

    Bangt mir, daß sich das Leben von mir wende,
    Ich sehe nah das Glimmen meines
    Lichtes
    Und geh wie wer beraubt des
    Augenlichtes
    Nicht weiß, woher, wohin sein Fuß sich wende,

    Und fliehe immer vor der Hand des Todes
    Dahin, jedoch zu zag als daß mein Sehnen
    Nicht zöge mit - das ließ noch nie mich einsam. -

    Stumm zieh ich hin, daß nicht das Wort des Todes
    Die Menschen weinen mache. All mein Sehnen
    Ist: zu vergießen meine Tränen einsam.
    _____

     

  • Georg Heym (1887-1912)

    Endlich Licht

    Ich rang einst mir die Hände wund
    Nach Wahrheit
    Und ging ein Blinder unter Blinden,
    Die qualvoll suchen, daß sie finden
    Und Dogmen klauben
    Und verwerfen,
    Um sie am Ende doch zu glauben.

    Da sah ich dich
    Und alles schwieg in mir
    Vor deinem wunderbaren
    Licht,
    Das still in deinen Augen steht,
    Darin die Sonne untergeht,
    Darin die Stern ertrunken sind.
    Die trübe Sehnsucht schwand,
    Als leis mich faßte deine Hand.
    Ich sog dein reines
    Licht in meine Brust,
    Und ich ward mir bewußt
    Des Göttermorgens.
    Nun fließt das
    Licht
    In ewgem Wechsel fort,
    Von dir zu mir
    Von mir zu dir,
    Sieh immer lichter wird es um uns
    Und immer näher scheint uns Gott.
    _____


    Dir auf der Schulter flattert ...
    An N. P.

    Dir auf der Schulter
    Flattert ein Schmetterling,
    Ein Frühlingslüftchen trug ihn her
    Aus einem dunkeln Wald.

    Das ist der Falter Glück,
    Der flog zu dir,
    Weil du aus
    Licht,
    Und Glück und Licht Geschwister sind.
    _____


    Und die Liebe brach auf ...

    Und die Liebe brach auf, wie ein Sturm, wie das
    Licht, wie das Meer,
    Aus der Tiefe sprang's auf, herzzwingend kam's über sie her,
    Und sie sanken dahin, wie sinkt von den Sicheln das Feld
    Tiefgebeugt, Mund an Mund, von dem Bogen des Gottes gefällt.
    _____

     

  • Alfred Walter Heymel (1878-1914)

    Wie ein Schiff auf Klippen rennt, so mein Herz zu dir.
    Felsen du und ich ein Boot. Ruhe du, ich Gier,
    Unrast, Willkür, Wut und Leid, Wanderstrom und Wind,
    heimatloser Sturm auf See. Mutter du und Kind,
    ein gelobtes Land bist du, ein
    Kometenlicht.
    Bist mir Leuchten, Weg und Ziel, Urteil und Gericht.
    _____

    Einer Schar verzückter Falter gleich,
    die dem Gott im
    Lichte dienen müssen,
    eine Nacht lebendig, eine reich,
    Tänzer, Beter vor der Flamme,
    sind wir Männer, hast uns du gefunden.

    Alle reizt dein Schein und lockt dein
    Licht,
    keiner fliegt zurück mit heilem Flügel,
    rührst dich nicht und riefst uns nicht,
    Teufelin und Gnadenflamme,
    du versengst uns in den Opferstunden.
    _____


    Das Lied der Nachtigall

    Geliebte, sieh,
    die Sonne ließ allein uns wach zurück,
    nun kommt zu uns
    mit silberhellem Flügelschlag das Glück.

    O höre doch,
    wie sanft und süß von fernher ein Gesang
    uns innerst stärkt,
    vom Monde her ein wundervoller Klang.

    O dies Gefühl,
    das wie ein
    Licht uns kühl und hell durchdringt.
    Du träume süß,
    bis uns der Tag die goldenen Stunden bringt.
    _____

     

  • Joseph Emanuel Hilscher (1806-1837)

    Du bist mir fern, und doch in meiner Nähe,
    Vertraulich angeschmiegt, wie Luft und
    Licht;
    Wohin den Blick ich freudesuchend drehe,
    Da lächelt mir dein holdes Angesicht.
    _____

     

  • Friedrich Hölderlin (1770-1843)

    ABBITTE

    Heilig Wesen! gestört hab ich die goldene
    Götterruhe dir oft, und der geheimeren,
    Tiefern Schmerzen des Lebens
    Hast du manche gelernt von mir.

    O vergiß es, vergib! gleich dem Gewölke dort
    Vor dem friedlichen Mond, geh ich dahin, und du
    Ruhst und glänzest in deiner
    Schöne wieder, du süßes
    Licht!
    _____

    Licht der Liebe! scheinest du denn auch Toten, du goldnes!
    Bilder aus hellerer Zeit, leuchtet ihr mir in die Nacht?
    Liebliche Gärten seid, ihr abendrötlichen Berge,
    Seid willkommen und ihr, schweigende Pfade des Hains,
    Zeugen himmlischen Glücks, und ihr, hochschauende Sterne,
    Die mir damals so oft segnende Blicke gegönnt!
    Euch, ihr Liebenden auch, ihr schönen Kinder des Maitags,
    Stille Rosen und euch, Lilien, nenn ich noch oft!
    Wohl gehn Frühlinge fort, ein Jahr verdränget das andre,
    Wechselnd und streitend, so tost droben vorüber die Zeit
    Über sterblichem Haupt, doch nicht vor seligen Augen,
    Und den Liebenden ist anderes Leben geschenkt.
    Denn sie alle, die Tag und Jahre der Sterne, sie waren
    Diotima! um uns innig und ewig vereint;
    _____

     

  • Ludwig Jacobowski (1868-1900)

    Die Lampe

    Mein Lieb, warum so schämig rot?
    Die Lampe ist ja tief geschraubt,
    Du scheust das grelle
    Licht, drum birg
    An meine Brust dein Lockenhaupt!

    Laß küssen mich den weißen Hals,
    Die Psychebrüste, wonnig weich ...
    Lösch aus, o
    Licht, denn selig winkt
    Der Wonnen ganzes Himmelreich ...
    _____

     

  • Siegfried Kawerau (1886-1936)

    Und jeden Tag geb ich in Deine Hände
    Dir meine Seele dankesfroher hin
    und weiß: mich zu verlieren, ist Gewinn,
    weil ich mich nur in Deinem
    Licht vollende.
    _____

     

  • Justinus Kerner (1786-1862)

    Verlör' ich ganz der Augen Licht,
    Würd' dennoch mich nicht Nacht umgeben,
    Solange du, mein
    lichtes Leben,
    Du, meine Sonne! scheidest nicht.

    Dein Herz treibt meines Herzens Schlag,
    Weil es das meine ganz umfangen,
    Und meine Augen blind empfangen
    Von deinen Augen ihren Tag.

    Nicht Nacht, ein
    lichtes Morgenrot
    Wird, weil du lebest, vor mir stehen;
    Werd' einst statt dessen Nacht ich sehen,
    Werd' ich erkennen, daß du tot.
    _____

    Wie dir geschah, so soll's auch mir geschehn,
    Nur wo du hinkamst, will auch ich hingehn:
    Ich will ins
    Licht nur, wirst im Licht du sein,
    Bist du in Nacht, so will ich in die Nacht,
    Bist du in Pein, so will ich in die Pein.
    Von dir getrennt hab' ich mich nie gedacht,
    Zu dir, zu dir will ich allein, allein!
    _____


    An Amalia

    Wie, wer an Himmelshöhen
    Aus Wolken schnell den Mond erblickt,
    So hab' ich dich gesehen
    Und stand in deinem
    Licht entzückt.

    Bald warst du weggeschwunden,
    Es kamen wieder Wolken dicht,
    Ich stand, ein Herz voll Wunden,
    Ein Wandrer nächtlich ohne
    Licht.

    Doch bist du mir geblieben
    Recht wie ein lieber,
    lichter Traum.
    Es träumt vom Lenz dort drüben
    Am kalten Bach ein welker Baum.

    So mögen denn dich grüßen
    Die Quellen, die aus meinem Tal
    Nach deinem Meere fließen,
    Viel tausend, tausend, tausend Mal!
    _____

     

  • Klabund (Alfred Henschke) (1890-1928)

    Küsse mich mit deinen braunen Augen
    Und wirf die Arme
    Wie weiße Fliederäste um mich
    Und schenke mir, dem herbstlich taumelnden,
    Den Sommer,
    Schenke
    Noch einmal Sommer mir
    Und weiße Rosen,
    Letztes
    Licht.
    _____

     

  • Karl Ernst Knodt (1856-1917)

    Licht

    Meine Stube glänzt voll Sonne,
    meine Seele lacht im
    Licht:
    denn mir strahlt als reinste Wonne
    ein versöhntes Angesicht.

    Meines Gottes ganzer Friede
    hat die Schatten all besiegt.
    Licht ist's, was auf meinem Liede
    und auf meinem Leben liegt.
    _____


    Aus
    lichten Fernen

    Liebe kam aus
    lichten Fernen,
    und ich hab es nicht geahnt.
    Liebe kam von goldnen Sternen,
    hat sich hell den Weg gebahnt.

    Wie das
    Licht in leisen Nächten
    noch das tiefste Tal beglänzt:
    so hat sie mit allen Prächten
    mir das späte Haupt umkränzt.
    _____


    Im Dom

    Ein stiller Dom. Die Wände himmelblau.
    Darinnen lauter
    Licht, lauter lebend Licht;
    und niemand sonst, als Du, geliebte Frau
    - und unsre Andacht, die kein Wörtchen spricht.
    _____

     

  • Theodor Körner (1791-1813)

    Augen, zarte Seelenblüten,
    Klare Perlen ew'ger Liebe,
    Augen, ihr verehrte Augen,
    Meiner Herrin
    lichte Sterne,
    Laßt euch von des Sängers Liedern
    Sanfte Frühlingstöne wehn!

    Alles, was das Leben heiligt,
    Trägt die Ahnung seiner Seele,
    Trägt den stillen Schmuck der Augen;
    Nicht der Mensch allein, der stolze,
    Auch der Frühling, auch die Erde
    Auch des Tages Wechselgruß.
    _____

     

  • Auguste Kurs (1815-1892)

    Lieb' und Licht

    Nimmer bist du trüb' und einsam,
    Wenn die Liebe nicht gebricht,
    Denn das Schönste hat gemeinsam
    Stets die Liebe mit dem
    Licht.

    Allerquickend, ungehindert
    Dringt durch Herz und Welt ihr Glanz,
    Und doch bleibt sie unvermindert
    Eines stets, und voll und ganz.
    _____

     

  • Nikolaus Lenau (1802-1850)

    Daß doch mein Geschick mir brächte
    Einen Blick von dir!
    Süßes
    Mondlicht meiner Nächte,
    Mädchen, bist du mir!
    _____


    Liebesfrühling

    Ich sah den Lenz einmal
    Erwacht im schönsten Thal;
    Ich sah der Liebe
    Licht
    Im schönsten Angesicht.

    Und wandl' ich nun allein
    Im Frühling durch den Hain,
    Erscheint aus jedem Strauch
    Ihr Angesicht mir auch.

    Und seh ich sie am Ort,
    Wo längst der Frühling fort,
    So sprießt ein Lenz und schalt
    Um ihre süße Gestalt.
    _____

     

  • Ite Liebenthal (1895-1941)

    Wenn ich endlich die Wüste, in die ich zu lange schon sehe,
    vor dir öffne und sage: dies muß ich in Zukunft durchschreiten, -
    wird mir dann, du mein Freund, deine Seele die Zuflucht bereiten,
    die ich nur noch für den einsamen Tag des Abschieds erflehe?

    Nimmst du einmal mein Herz in deine sanften Hände,
    läßt es im vollen
    Licht deiner gütigen Augen blühen?
    Was wäre mehr zu wünschen, als daß es vergänglich im frühen
    und doch letzten Wunder sich ganz erschließend vollende.
    _____

     

  • Thekla Lingen (1866-1931)

    Mein Herz erglüht in deinen Liebesstrahlen,
    Die süss befruchtend du in mich gesenkt,
    Erblüht zu einer
    lichten Wunderblume,
    Die duftend Wünsche dir entgegenströmt ...
    O komm, o komm, auf dass sie dich erfülle
    Mit ihrem Duft und deinem sich vermähle.
    O komm, o komm, dass ich dich zehrend küsse,
    Und lass in stillem Kuss uns ruhen
    Und schliess die Augen ...
    _____

     

  • Ernst Lissauer (1882-1937)

    Sprich nichts

    Sprich nichts, nur sei da, bleibe im Zimmer.
    Sprich nichts, lies, sitze, wandle zart.
    Färbe die Luft mit deiner Gegenwart.
    Mische der Lampe
    Licht mit deinem Schimmer.
    _____


    Wo wir geweilt zu zwein

    Wo wir geweilt zu zwein,
    Wo wir auch nur rasche Stunde
    Rasteten zu kurzer Runde,
    Hold umgrenzt
    Alle Orte tragen einen Heiligenschein,
    Überglänzt
    Von beglückter Luft aus
    Licht und Wein.
    _____


    Über dein Angesicht

    Über dein Angesicht
    Wechselt Wolkenschatten und
    Sonnenlicht,
    Auf deinem Angesicht ist immer Wind.
    Ich blicke dich an; mir ist, ich liege
    Auf einer Wiese und schmiege
    Mich tief ins heiße Grün.
    Gras hängt auf mich; die Wicken blühn,
    Um mich rinnt
    Wind.
    _____

    Und sie naht und neigt sich leicht über mich,
    Und wie Wind stäubt im Mittag am funkelnden Schnee der Firne,
    -
    Licht scheint um mich, -
    Küßt sie mich leis auf die Stirne.
    _____

     

  • Hermann von Loeper (1820-1884)

    Wo bist du, süßer Traum?
    Wo bist du, goldner Stern?
    Bist du's, am dunkeln Wolkensaum
    Du
    Licht, so bleich und fern?
    Ich stehe starr und stumm,
    Ich kann's, ich kann's nicht fassen -
    O sage, sprich, warum,
    Geliebte, hast du mich verlassen?
    _____

    Vielleicht, Geliebte, daß einst unsre Herzen,
    Der Lust entsagend, gleichen einem Paar
    Dem Dienste Gottes fromm geweihter Kerzen,
    Bei heil'ger Feier scheinend am Altar.

    Vielleicht! Doch daß wir brechen einst die Siegel,
    Die uns die Seele halten hier im Bann,
    Und unaussprechlich glücklich werden dann,
    Daß wir dann sehn in einen klaren Spiegel,

    Von göttlich wunderbarem
    Licht umflossen,
    Und in ihm schaun, was in den tiefsten Gründen
    Des Herzens ruht hienieden noch verschlossen,
    Das kann ich mit Gewißheit dir verkünden.
    _____

     

  • Feodor Löwe (1816-1890)

    Schön ist der Mond,
    Der nächtlich einsam wallt,
    So schön bist du!
    Doch auch so ernst und kalt.

    Mein Herz ein See,
    In dem dein Bildniß ruht.
    Und bist du nah,
    So wechselt Ebb' und Fluth.

    Du aber theilst
    Dies wilde Drängen nicht,
    Streust still auf mich
    Dein träumerisches
    Licht.
    _____

    So ist dein großes Auge mir
    Ein wundersames
    Licht,
    Das aus der seidnen Wimper Nacht
    Wie Zauberfeuer bricht.

    Es wacht ob einem selt'nen Schatz,
    Der ist das Herze dein;
    Wie gerne höb' ich ihn empor,
    Fiel nur das Wort mir ein.
    _____

    Ich denke dein! und über mir
    Ein schöner Stern, so
    licht und rein.
    Es ist als sänge er von dir:
    Sie denket dein! sie denket dein!
    _____

     

  • Clarissa Lohde (1836-1915)

    Wunsch

    Sieh ich dort die Wolken, rot vor Glut
    Im Feuerkreis der Sonne,
    Sie tauchen in die gold'ne Flut,
    Wie trunken fast vor Wonne.

    So möcht' mit dir im Feuerschein
    Des
    Lichts ich Wonne trinken,
    In Glut mit dir vereinigt sein
    Und dann in Nacht versinken.
    _____

     

  • Minna von Mädler (1804-1891)

    Kennst du die Liebe, war sie dir bekannt,
    So hast du nie bei'm Namen sie genannt! -

    Nein, wahre Lieb' hüllt sich in tiefes Schweigen,
    Selbst
    lichtgeboren, scheut sie doch das Licht,
    Die weite Welt, der Himmel ist ihr Eigen,
    Doch das Asyl des Herzens läßt sie nicht.
    Mit ihren Klagen flieht verschämt die Sonne
    Die süßbewegte, holde Nachtigall;
    Im Dunkel nur weilt sicher Glück und Wonne
    Und im Geheimniß ruht der Zauber all.
    _____

    Lieb' ist die Sonne, das Herz ist die Rose,
    Die noch umknospet von schützendem Moose
    Schlief
    Ruhig und tief,
    Bis in das Leben ein
    Lichtstrahl sie rief.
    _____

     

  • Angelika von Marquardt (1849-1893)

    Erinnerung

    Hell lacht herab des Himmels
    lichte Bläue;
    Da steigt aus der Erinn'rung Schattenreich
    Vor meinem Geist herauf ein Augenpaar,

    Ganz
    Licht und Glanz, ganz Liebe, Güte, Treue,
    Wie Frauenauge seelenvoll und weich,
    Wie Kinderblick so unschuldsvoll und klar!

    Des Liebsten Auge! Süßer, sel'ger Frieden
    Sich da aufs Herz herniedersenkt.
    Ach, unter dieses Auges warmem Strahl

    Wär' Sterben Seligkeit, und selbst hienieden
    Das schwere Leid, vom Schicksal mir verhängt,
    Durchkämpft' ich muthig noch zum zweitenmal!
    _____

    Stillsel'ge Stunde war's. In buntgebrochn'nem Strahle
    Fiel warmer Sonnenschein zum Hochaltare nieder;
    Die hohe Halle klang vom Segensliede wieder,
    Vom Dankgebet nach dem empfang'nen Gnadenmahle.
    Die Seele war erfüllt von Frieden, Glück und
    Licht;
    Mein ganzes Leben schien ein märchenschön Gedicht -
    Durch Dich ward's so! Mein Herz hat freudvoll stolz erregt
    Den Treueschwur in jener Stunde abgelegt!
    _____

     

  • Alfred Meißner (1822-1885)

    Begegnen
    (An H.)

    Eine Silberlichtspur folgt dem Kahn
    In der stillen Nacht auf seiner Bahn -
    So ließ dein Erscheinen eine helle
    Spur in meines Lebens dunkler Welle.

    Jene Spur, die in den Wassern ruht,
    Wird verschwinden mit der nächsten Fluth,
    Doch die schöne
    Lichtspur im Gemüthe,
    Tilgt für's Leben keines Sturms Gewüthe.

    _____

    Du brauchst den Arm, im Kampfe fest,
    Den Mund mit heißlebend'gen Hauch,
    Die Brust, an der sich's schlummern läßt,
    Und ich, mein Kind, bedarf dein auch.

    Sei du der Geist, der für mich fleht,
    Mein Sinn ist finster – sei mein
    Licht,
    Ich bin nicht fromm – sei mein Gebet,
    Ich schwiege gern – sei mein Gedicht!
    _____

     

  • Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)

    Liebesflämmchen

    Die Mutter mahnt mich abends:
    »Trag Sorg zur Ampel, Kind!
    Jüngst träumte mir von Feuer -
    Auch weht ein wilder Wind.«

    Das Flämmchen auf der Ampel,
    Ich lösch es mit Bedacht,
    Das
    Licht in meinem Herzen
    Brennt durch die ganze Nacht.

    Die Mutter ruft mich morgens:
    »Kind, hebe dich! 's ist Tag!«
    Sie pocht an meiner Türe
    Dreimal mit starkem Schlag

    Und meint, sie habe grausam
    Mich aus dem Schlaf geschreckt -
    Das
    Licht in meinem Herzen
    Hat längst mich aufgeweckt.
    _____

     

  • Stephan Milow (1836-1915)

    Du, die mein Sehnen oft durchschifft,
    Mein bist du, schöne Runde!
    Du leuchtend Blau, du bunte Trift,
    Ihr schickt mir holde Kunde!

    Ich bin gestillt, ich suche nichts;
    Doch fällt von jedem Schönen
    Mir in das Herz ein Strahl des
    Lichts
    Und süße Lieder tönen.
    _____

    Nur flüchtig ist der Liebe Glück;
    Es rechne keiner in die Ferne,
    Und keiner schaue bang zurück,
    Versanken seines Himmels Sterne.

    Einst fassest du es selber nicht,
    Daß du so heiß nach mir gerungen;
    Daß wir, voll Seligkeit und
    Licht,
    So weltvergessen uns umschlungen.
    _____

    Ich leg' ein Lied zu Füßen dir,
    Das glühend dich zu preisen strebt;
    Da lispelst zart verschämt du mir,
    Daß dich mein Sang zu sehr erhebt.

    Und faß' ich auch mit lauter
    Licht
    Dein süßes, theures Bild mir ein,
    Erröthe drum bescheiden nicht
    Und nenne all den Schmuck nur dein.
    _____

     

  • Christian Morgenstern (1871-1914)

    O traure nicht!

    Aus roten Morgenwolken blüht,
    der blaue Tag in blasser Seligkeit ...
    Und über Raum und Zeit
    erhebt sich mein Gemüt
    zu dir.

    O traure nicht!
    Und bist du nicht bei mir -:
    Ein
    Licht sind wir
    und ist von mir zu dir.

    Aus roten Morgenwolken blüht
    der blaue Tag in blasser Seligkeit ...
    Und über Raum und Zeit
    erhebt sich dein Gemüt
    zu mir.
    _____

    Der Morgen war von dir erfüllt...
    Dein Bild, von Tränen oft verhüllt,
    umfloß mich wie ein
    lichter Schein;
    du warst mein
    Morgenlicht allein.
    Die Sonne schien mir ins Gesicht,
    ich sah vor dir die Sonne nicht,
    erblindet lag der Augen Au
    von dir, als meinem Himmelstau.
    _____


    Getrennter Liebender Gebet zueinander

    Komm auch heute zu mir
    bleibe auch heute bei mir.
    Begleite jeden meiner Schritte
    heilige mir jeden Schritt.
    Hilf mir, daß ich nicht in Stricke
    falle noch strauchle.
    Hilf mir stark und schön bleiben,
    bis ich dich nächsten Morgen
    so wieder bitte.
    Durchdringe mich ganz mit dem
    Licht,
    das du bist.
    Wohne in mir wie das
    Licht in der Luft.
    Auf daß ich ganz dein sei -
    Auf daß du ganz mein seist
    auch diesen Tag.
    _____

     

  • Eduard Mörike (1804-1875)

    [Zu Luisens Geburtstag]

    Nichts, o Geliebte,
    Will ich dir wünschen:
    Wünschen - was ists?
    Aber was mir als Wahrheit
    Ein wahrhaftiger Geist entdeckte,
    Will ich heut nicht verschweigen.

    Wie wer in klaren Nächten sich
    In die vertieften
    Blauen Gezelte
    Der Gestirne verliert,
    Da und dort bald
    Immer neue
    Dämmernde
    Lichter
    Keimen sieht:

    Also in deine
    Kommenden Tage
    Schauend, gewahr ich
    Eines verdienten
    Lieblichen Glückes
    Spätere Sterne;
    Und es wandelt indes
    Wie durch ein Blütenfeld dein Engel
    Zwischen ihnen: die Demut, schweigsam,
    Und behütet sie dir.

    Aber ein
    Licht an deinem Himmel,
    Das du lange schon kennst, Luise,
    Laß mich bleiben, ein helles, treues!
    Daß du, wenn alles nun hingerauschet,
    Sagest: »Der hielt mir fest zum Tode!«
    _____

     

  • Erich Mühsam (1878-1934)

    Ach, ich weiß es wohl, daß deine Seele
    tausendfach wie meine glüht. -
    Eh' ich meinem armen Angstgemüt
    einen kümmerlichen Ton entquäle,
    ist dein Geist längst in die fernsten Fernen,
    in den Himmel eingeschwebt,
    und zu leuchtend wundersamen Sternen
    hast du dein Gedicht gewebt.
    Deine Qualen fügen sich zu Tränen,
    die verklärend alles Leid verwischen. -
    Könnte doch mein Tasten und mein Sehnen
    sich mit deiner Glut vermischen! ...
    Überwunden wären alle Qualen,
    träf' mein Herz ein bleiches, leises
    Licht
    aus den Garben Feuers, die so dicht
    dir aus deinen tausend Seelen strahlen.
    _____

    Es ging von dir zu mir ein süßes Wehn.
    Aus deinen Augen floß ein gütiges
    Licht.
    Von deinen Händen glänzte alles Schöne.
    Nie hatte ich dich herrlicher gesehn,
    so wunderbar, so fern. Nur Duft und Töne.
    So ging ein Wehn. - Doch ach, du sahst mich nicht.
    Mir war ums Herz so schwer, wie, wenn du weinst. -
    Da sagtest du zu mir: Dich liebt' ich einst.
    _____

     

  • Clara Müller-Jahnke (1860-1905)

    Ihm

    Ich hab mich dir so ganz ergeben
    und bin mit Leib und Seele dein,
    du meines Lebens wahres Leben,
    du meines Daseins tiefstes Sein!

    Wie sich der Mond sein mild Gefunkel
    vom goldnen Glanz der Sonne leiht,
    so fällt in meiner Seele Dunkel
    der Schimmer deiner Herrlichkeit!

    Denn was dereinst mit süßem Beben
    durch meines Busens Tiefen drang,
    vermocht ich Worte nicht zu geben -
    da sah ich dich, und sieh! - ich sang!

    Was in geheimnisvoller Stille
    in meines Herzens Garten sproß,
    verborgen lag's in duft'ger Hülle,
    bis es sich deinem
    Licht erschloß!
    _____

     

  • Betty Paoli (1814-1894)

    Unsre Liebe ist Erkennen,
    Streben nach dem gleichen Ziel!
    Was kann solche Liebe trennen,
    Unerreicht vom Schicksalsspiel?

    Tausend
    Lichtgedanken ranken
    Sich um uns und halten fest,
    Ohne Weichen, ohne Wanken,
    Dich an meine Brust gepreßt.
    _____

    Nein! begreifen kann und fassen
    Ich den eig'nen Wahnsinn nicht!
    Warum hab' ich dich verlassen,
    Meiner Seele Luft und
    Licht?

    Strahlten deine Augensterne
    Mich nicht an, voll milder Pracht?
    Warum zog ich in die Ferne,
    In die kalte, finst're Nacht?
    _____


    Unbewußtes

    Was fragst du mich, wie es wohl sei gekommen,
    Daß also hell der Liebesstrahl entglommen,
    Der meines Daseins schönes
    Sonnenlicht?
    Ich weiß es nicht!

    Was fragst du mich, wie ich es werd' ertragen,
    Wenn einst nach diesen
    himmellichten Tagen
    Herein die finstre Nacht der Trennung bricht?
    Ich weiß es nicht!
    _____

     

  • Alfons Petzold (1882-1923)

    Ich will nur
    Licht von Deinem Lichte sein,
    doch wenn der Erde Dunkel Dich umfängt,
    so sei auch meine Stunde nicht gehängt
    in einer Freudenlampe hellen Schein.

    Und wenn Du krank bist, leide auch mein Leib
    und wenn Du stirbst, so will ich knien und beten,
    daß ich mit Dir zusammen darf betreten
    den Garten Ewigkeit, mein Weib.
    _____

    Doch nein! Gott bin ich selbst, denn ich Seliger halte
    dich in den Armen, und du bist die blühende Welt;
    aus all meinen Poren, aus jeder verborgenen Falte
    strömt freudiges
    Licht, das alles Dunkel erhellt.
    _____


    Siehe, Geliebte

    Siehe, Geliebte, aus meinem Gesicht
    leuchtet dein
    Licht,

    in meinen wirkenden Händen schafft
    deine Kraft,

    was meine Seele an Wundern lebt,
    aus dir sich hebt,

    und nur mein Herz
    mit dem Jubel darin
    ist Erz von Erz,
    aus dem ich bin!
    _____

    Sieh, alles
    Licht im Umkreis ist getötet,
    weil Du Dich gibst in Deinem Glanze kund
    und eine rote Amsel flötet
    so süß, als sänge wo ein Engelsmund.
    Die Rosen werden blaß und blässer
    und müssen wie ihr Duft vor Dir vergehn
    und alle fließenden Gewässer
    bleiben auf einmal rauschend vor Dir stehn.
    _____


    Liebeslied

    So schön wie du ist die Birke nicht,
    aber sie hat doch dein Gesicht,

    wenn sie nachts aus dem Dunkel schaut,
    ganz von Liebe und
    Licht betaut.

    O wäre ich ein Vogel, in ihrem grünen Haar
    würde ich singen die tausend Jahr.
    _____

     

  • Ludwig Pfau (1821-1894)

    Erste Wünsche

    Könnt' ich zu Dir, mein
    Licht,
    Nur einmal, einmal dringen!
    Von deinem Angesicht
    Nur einen Strahl erschwingen!

    Könnt' ich an dein Gewand
    Nur einmal, einmal rühren!
    Und deine kleine Hand
    Mit süßem Schauer spüren!

    Könnt' ich an deinem Mund
    Nur einmal, einmal hangen!
    Und dann vergeh'n zur Stund'
    In wonnevollem Bangen!
    _____

    Es wandelt durch entstandene Weiten
    Des ew'gen Schaffens Trunkenheit;
    Und jede Seele glaubt zu schreiten
    Empor aus ihrer Endlichkeit.
    O selig! Aller Last entladen,
    Getaucht ganz in der Liebe
    Licht,
    Im Strom der Schöpfung sich zu baden
    Mit dir, du Engelsangesicht!
    _____

     

  • Hermione von Preuschen (1854-1918)

    Du bist gekommen!

    Du bist gekommen ein Engel des
    Lichts,
    doch
    Licht ist dem Feuer verwandt -
    und Du wirst gehen, ein böser Geist,
    der mein Leben zu Asche gebrannt!
    _____


    Nun bist du dennoch gekommen

    Nun bist du dennoch gekommen,
    mein Glanz, meine Seele, mein
    Licht -
    und von den goldenen Stunden
    wird jede mir zum Gedicht.

    Das in Nacht und Trübsal strahle,
    wenn du gingst, wie wärmender Schein,
    mir glühenden Abglanz male
    in meine dunkelnde Pein!
    _____

    Liebe - sie dämmt das Leben ein,
    endlos im Kreislauf von Lust und Pein -,
    Liebe, sie bringt um Sinn und Verstand
    den, der aus ihrem
    Licht verbannt!
    _____


    Morgenstern

    Was steigt herauf in wunderseliger Pracht,
    ein goldnes
    Licht in meines Lebens Nacht?
    Wie neue Jugend strömts durch meine Glieder,
    fand ich die Liebe endlich – endlich wieder?

    Wild pocht mein Herz in ungestümem Schlag,
    jäh reißts hinüber mich ob Raum und Zeit.
    Was bist du? Erdenwonne meinem Tag
    oder der Morgenstern der Ewigkeit!
    _____

     

  • Robert Prutz (1816-1872)

    Du bist das keusche
    Mondenlicht,
    Das still und klar durch Wolken bricht,
    Und bist der Sonne Feuerstrahl,
    Der Blumen weckt in Berg und Thal.

    Der fromme Abendstern bist du,
    Der lächelnd winkt zu sel'ger Ruh',
    Und bist der Blitz, der, gottentstammt,
    Der Seele Dunkel mir durchflammt.

    Doch – "Namen sind nur Rauch und Schall!"
    Sei, wie du bist, du bist mein All!
    In deine Seele schließ' mich ein,
    Die Meine du, ich ewig dein!
    _____

    Bedenk' es wohl: du bist das
    Licht,
    Zu dem mein Blick sich wendet,
    Es ist dein liebes Angesicht,
    Das Trost und Kraft mir spendet;
    In deinen Adern schäumt das Blut,
    Von welchem ich mich nähre,
    Aus deinem Busen quillt die Glut,
    In der ich mich verzehre.
    _____


    Lenz und
    Licht

    Rosenduft, du machst mich trunken,
    Gleich wie Duft von edlem Wein;
    Sonne, deine goldnen Funken
    Sprühn mir tief ins Herz hinein!

    Duft der Liebe, still und leise
    Fächelst du mich nah und fern;
    Ziehe leuchtend deine Kreise,
    Lebenssonne, Liebesstern!
    _____


    Schön ist die Liebste

    Schön ist die Liebste, wenn ihr Mund,
    Der lächelnde, von Küssen glüht,
    Wenn aus des Auges feuchtem Grund
    Verliebte Schalkheit Funken sprüht.

    Doch schöner, wenn die Wetternacht
    Des Zorns von ihrer Stirne droht.
    Aus ihrer Blicke Flammenpracht
    Vernichtung dir entgegenloht.

    Am schönsten, wenn, wie
    Mondeslicht
    Sich schaukelt auf verschwiegner Flut,
    Auf ihrem süßen Angesicht
    Der Kindheit sel'ger Friede ruht.
    _____

     

  • Rainer Maria Rilke (1875-1926)

    Komm du mit mir. Es solls kein Morgen wissen,
    und deiner Schönheit lauscht kein
    Licht im Haus ...
    Dein Duft geht wie ein Frühling durch die Kissen:
    Der Tag hat alle Träume mir zerrissen, -
    du, winde wieder einen Kranz daraus.
    _____

    Mir ist, als ob ich alles
    Licht verlöre.
    Der Abend naht und heimlich wird das Haus;
    ich breite einsam beide Arme aus,
    und keiner sagt mir, wo ich hingehöre.

    Wozu hab ich am Tage alle Pracht
    gesammelt in den Gärten und den Gassen,
    kann ich dir zeigen nicht in meiner Nacht,
    wie mich der neue Reichtum größer macht
    und wie mir alle Kronen passen?
    _____

     

  • Anna Ritter (1865-1921)

    Brautring

    Als über den Flieder das
    Mondlicht rann,
    Da steckt' er mir heimlich ein Ringlein an,
    Und küßte den Ring und die Hand dazu
    Und lauschte selig dem ersten "Du".

    Das
    Mondenlicht sah in den Ring hinein,
    Das gab einen fröhlichen, hellen Schein,
    Der Fliederbaum neigte die Blüthen stumm,
    Die Gräser raunten: "Das Glück geht um!"
    _____


    Lichtbild

    Ein
    lichtes Wölkchen segelt noch im Blau,
    Ein friedevoller, leuchtender Gedanke,
    Der in dem Kampf des Tages Sieger blieb.

    So wandelst du, da mir der Abend sinkt,
    In deiner Jugend ew'gem Glanz vorüber
    Und schaust mich lächelnd an, mein todtes Lieb.
    _____


    Todeswege

    Ueber meinem Haupte deine Hände,
    Deine Liebe über meinen Wegen -
    Und doch führen sie der Nacht entgegen,
    Und ein Grab ist unsres Wanderns Ende!

    Laß uns, Liebster, in die Sonne schauen,
    Goldnes
    Licht und Lust und Freiheit trinken
    Und dann selgen Augs hinüber winken
    Zu den stillen, sonnenlosen Auen.

    Daß, wenn wir vom
    Lichte scheiden müssen,
    Noch ein Traum die lange Nacht durchglühe,
    Und Erinnerung das Grab umblühe
    Mit dem Rosenflor von deinen Küssen.
    _____

     

  • Emil Rittershaus (1834-1897)

    O, liebe, liebe, bis das Auge bricht,
    Bis deinen Leib der grüne Rasen deckt!
    Die Lieb' ist ewig wie das
    Sonnenlicht,
    Und nur die Blumen sterben, die sie weckt.
    _____

    Ich weiß, ich bin der Einz'ge nicht,
    Der Dich um Deine Liebe bat,
    Das aber weiß ich, daß ein
    Licht
    Du bist auf meinem Lebenspfad!
    Wenn nicht Dein Herz mich glücklich macht,
    Dein Herz nicht sieht, was allzu
    licht,
    So weiß ich, daß in trüber Nacht
    Ein junges Herz in Qualen bricht!
    _____

    Im Liebesmai, im Liebesmai
    Durchzieht die Brust ein Klingen,
    Ein Frühling
    licht im Herzen lacht.
    Ich möcht' die Nacht, die ganze Nacht,
    Von sel'ger Liebe singen!
    _____

     

  • Hermann Rollett (1819-1904)

    Duft und Lied

    Aus
    lichten Blumenkelchen
    Entsteigt des Duftes süßer Hauch,
    Und dein geliebtes Wesen
    Ist eine Blume auch.

    Ist eine
    lichte Blume,
    Um die, von deinem Glanz belebt,
    Mein Lied auf stillen Schwingen
    Wie süßes Duften schwebt.
    _____


    Vollendung

    Der Geist der Liebe hat die hohe Sendung
    Daß er das Leben bringt erst zur Vollendung.
    Noch niemand hat erfaßt des Lebens Tiefe,
    Der nicht gelesen in der Liebe Briefe;
    Der sehnend nicht den Brief der Lieb' entsiegelt
    In dem sich
    licht der Gottheit Antlitz spiegelt,
    In dem sich liebereich der Geist entfaltet,
    Der alles Leben weihevoll gestaltet. -

    Und mir auch ward erst klar der Gottheit Wesen
    Als ich in deinem Auge Lieb' gelesen.
    Auch mir erschloß sich erst des Lebens Tiefe,
    Als ich gelesen in der Liebe Briefe,
    Als ich mein Herz gebadet in dem Bronnen,
    Dem alles Leben einstens reich entronnen,
    Auch mir ward es erst
    licht in meiner Seele,
    Seit ich dir, Kind, von meiner Lieb' erzähle!
    _____

    Du einzige Freude in meinem Schmerz!
    Du
    Licht, das mir leuchtet allerwärts!
    Du seliger Traum, der oft mich umlacht
    Im Dunkel der Trauer, im Dunkel der Nacht!
    _____


    Du leuchtest
    licht

    Du leuchtest licht
    Vom Feuer meiner Liebe;
    Ich glühe heiß
    Von deiner Liebe Gluth; -
    Du bist die Well'
    Mit blitzendem Getriebe;
    Ich bin das Meer
    Mit hoher Wogenfluth. -
    Dein
    lichter Schein
    Erleuchtet hell mein Leben;
    Mein heißes Glüh'n
    Erwärmt dein treues Blut;
    Dein Liebgewog'
    Erquickt mein Herz mit Beben.
    Und dich umjauchzt
    Mein Herz mit Liedesfluth!
    _____

     

  • Otto Roquette (1824-1896)

    Mein Haupt laß ruhn auf deinem Schooß,
    Da ruht es sanft und weich.
    Wie ist der Himmel weit und groß,
    Wie ist die Erde reich!
    Der schönste Stern in blauer Nacht,
    Der schönste Stern bist du,
    In deines
    Lichtes sanfter Pracht
    O gönne mir die Ruh!
    _____

    So Brust an Brust, so ganz mein eigen,
    So halt ich dich, geliebtes Bild!
    Es rauscht die Nacht, die Lippen schweigen,
    Und Seele tief in Seele quillt.
    Ich bin dein Glück, du meine Wonne,
    Ich bin dein Leben, du mein
    Licht;
    Was soll uns Tag, was soll uns Sonne?
    Du schöne Nacht, entflieh uns nicht!
    _____

    Drunten im Thal, wo der Waldweg geht,
    Wo durch die Felsen der Wildbach bricht,
    Seh ich sie kommen vom Wind umweht,
    O du mein Lieben, mein Leben, mein
    Licht!
    Ach wie bin ich so reich, so reich,
    Ach wie weiß ich nichts Schönres zugleich
    Als auf dem Platz bei der Linden
    An Herrlichkeit zu finden!
    _____

     

  • Friedrich Rückert (1788-1866)

    Die Liebe sprach: In der Geliebten Blicke
    Mußt du den Himmel suchen, nicht die Erde,
    Daß sich die beßre Kraft daran erquicke,
    Und dir das Sternbild nicht zum Irrlicht werde.

    Die Liebe sprach: In der Geliebten Auge
    Mußt du das
    Licht dir suchen, nicht das Feuer,
    Daß dir's zur Lamp' in dunkler Klause tauge,
    Nicht dir verzehre deines Lebens Scheuer.

    Die Liebe sprach: In der Geliebten Wonne
    Mußt du die Flügel suchen, nicht die Fesseln,
    Daß sie dich aufwärts tragen zu der Sonne,
    Nicht niederziehn zu Rosen und zu Nesseln.
    _____

    Hast du gestern abend dich,
    Liebster, nicht nach mir gesehnt,
    wie ich gestern abend mich,
    Liebster, mich nach dir gesehnt?

    Liebste! nein, ich habe mich
    nicht gesehnt beim Abendschein,
    Liebste! denn man sehnet sich
    nach Abwesenden allein.

    Und abwesend warst du nicht,
    sondern nah in Liebesmacht;
    weißt du's nicht! mein süßes
    Licht,
    bei mir warst du all die Nacht.
    _____

    Wann still die Nacht auf dunkeln Pfaden schreitet,
    Die unterm Mantel trägt die goldnen Sterne,
    Und im Gewölk gleich heimlicher Laterne
    Der Mond sein wachsend Silberlicht bereitet;

    Denk' ich, und meines Auges Thräne gleitet,
    Zurück in jener Nächte schöne Ferne,
    Wo er mit seinem lieberglühten Kerne
    Auf meinen Liebesgängen mich geleitet.

    Wozu, o Mond, mit deinem Strahlenschimmer
    Hat dich ein Gott in Lüften aufgehangen,
    Als daß die Lieb' in deinem
    Licht soll wallen?

    Die Liebe wallt in deinem
    Lichte nimmer,
    Der Docht in deiner Lamp' ist ausgegangen,
    Und deine Scherben laß vom Himmel fallen.
    _____

     

  • Richard von Schaukal (1873-1942)

    Nachklang

    Als ich dich liebte, damals, o wie war
    voll Duft und Glanz dein flockenleichtes Haar,
    wenn meine Finger selig es durchbebten!

    Ich weiß nicht mehr, ob deine Augen blau
    wie früher leuchten, kleine Frau,
    als sie im
    Lichte meiner Liebe lebten.
    _____


    Gebet

    Mein Gott, gewähr mir Eines,
    ich bitte sonst um nichts:
    im Glanz des ewgen
    Lichts
    flackert verstört mein kleines.

    So fleh ich tausendmal:
    Erhalt mir meine Qual,
    laß mich in meiner Pein
    vor Liebe selig sein!
    _____

     

  • Georg Scherer (1828-1909)

    Unwandelbar

    Daß dich, du Einzige, mein Herz erkoren,
    Daß du mein Hort und meines Lebens
    Licht -
    Nie hab' ich dir's gestanden noch geschworen,
    Doch wußtest du's; das aber ahnst du nicht,
    Daß auch, nachdem du längst für mich verloren,
    Sich noch dein Bild in meine Träume flicht.
    So bleibt, ist auch die Sonne untergangen,
    Noch lang ihr Strahl am Haupt des Berges hangen.
    _____

    Tief dein Bild im Herzen geh' ich
    Einsam hin durch Flur und Wald,
    Und des nachts im Traume seh' ich
    Wieder deine
    Lichtgestalt.

    Und wenn dämmernde Gedanken
    Locken mich in ihre Nacht,
    Daß mir alle Sinne schwanken -
    Wieder hab' ich dein gedacht.

    Und ich muß die Augen senken
    Und gesteh' mir selber kaum:
    Zauberin! mein Thun und Denken
    Wandelst du in
    lichten Traum.
    _____

    (Beethoven Op. 90, Rondo)
    Die Wolken versanken
    Dem fernen Westen zu;
    Die trüben Gedanken
    Gehn alle nun zur Ruh'.

    Und wie das
    Licht
    Durch Wolken bricht,
    Gehst du mir auf im Herzen,
    Du meines Lebens
    Licht -

    Erfüllst mit deinem Frieden
    Die ganze Seele mir;
    So sind wir ungeschieden,
    Ich lebe ja in dir.
    _____

     

  • Karl Siebel (1836-1868)

    O holdes
    Licht – geliebtes Angesicht,
    Mein Sehnen, Träumen läßt dich ewig nicht,
    Durch Schicksalswolken fleh' ich auf zu dir:
    O holdes
    Licht! warum erschienst du mir?
    _____

     

  • Ilse von Stach (1879-1941)

    Gebrochenes Gelübde

    Ich hab' mir gelobet zu entsagen;
    Dir aber entsag' ich nicht.
    Kann auch der Mensch ein Leben tragen
    Ohne sein
    Sonnenlicht?

    Ich hatte entsagt dem heißen Empfinden;
    Dich aber kannt' ich nicht.
    Wer kann dem Verlangen mich entbinden,
    Das Eide bricht?

    Entsagung der Liebe wollt' ich üben;
    Dich aber liebt' ich nicht.
    Nun muß meine heiße Liebe ich lieben
    Für Dich, Du mein
    Sonnenlicht.
    _____

     

  • Carl Sternheim (1878-1942)

    Ich hüllte innig dich und mild und tief
    - Und du verdientest, daß ich kniete -
    Ich hüllte dich in
    Licht und lauter Liebe,
    Und mein Gebet war lang, bevor ich schlief.

    Da sah ich dich - du sahst mich selig an -
    Und da geschah's, daß ich erbebte,
    Dein Leib gestand - du sahst mich immer an -
    Daß laut in dir ein Pfand der Liebe lebte.
    _____

     

  • Francisca Stoecklin (1894-1931)

    Dann leg ich meine Hände zart an deinen Körper.
    Dann küß ich innig deinen weichen roten Mund.
    Dann sag ich schweigend dir die letzten Dinge.
    Dann bin ich ganz in dir und du in mir.
    Dann kann uns nichts mehr trüben, nichts mehr trennen,
    Weil wir nur eine Liebe, eine Seele, eine Wolke sind.
    Zwei
    Lichter, die in einen Himmel brennen.
    Ein Baum, ein Stern, der gute Abendwind.
    _____

     

  • Wilhelm Wackernagel (1806-1869)

    Herzelieb, Herzelieb,
    Gib mir
    Licht mit Blicken,
    Ach Lieb und Leben gib!
    Wie irr ein Himmelssterne
    Ring ich nach deiner Augen Schein
    Und bleib ihm ewig ferne.
    _____

     

  • Wilhelm Waiblinger (1804-1830)

    Das Auge der Geliebten

    Ach, warum in dieser Ferne,
    süßes Herz so weit von dir?
    Alle Sonnen, alle Sterne
    öffnen ihre Augen mir,
    nur die reinsten, tiefsten Strahlen,
    nur das klarste, blauste
    Licht,
    drinn sich Erd' und Himmel malen,
    nur dein treues Auge nicht.
    _____

     

  • Paul Wertheimer (1874-1937)

    Seelen

    Du weisst, wir bleiben einsam: du und ich,
    Wie Stämme, tief in Gold und Blau getaucht,
    Mit freien Kronen, die der Seewind streift;
    So nah, doch ganz gesondert, ewig zwei.
    Und zwischen beiden webt ein feines
    Licht
    Und Silberduft, der in den Zweigen spielt,
    Und dunkel rauscht die Sehnsucht her und hin.

    _____


    Wissende Liebe

    Ich liebe dein schmales Kameengesicht,
    Die Hände, die zarten, bleichen,
    Und deiner Seele ruhiges
    Licht;
    Doch will ein schwerer Schatten nicht
    Von unsern Stunden weichen.

    Warum kam diese Liebe so spät?
    Wir zwei sind wissende Leute -
    Wir wissen, wie Liebe kommt und geht;
    Drum liegt's wie ein Frost im Rosenbeet
    Auf unserm Glück von heute.

    _____

     

  • Ernst von Wildenbruch (1845-1909)

    Ob mir die Liebste, ob sie am Tage
    Oder am Abend besser gefällt -
    Nimmer zu lösende, törichte Frage,
    Ist sie doch selber das
    Licht meiner Welt!

    Nur wenn sie schmachtend mir sinket zum Munde,
    All ihren Stolz in Liebe vergißt -
    Das ist die einzig alleinzige Stunde,
    Wo du, Geliebte, am schönsten mir bist!
    _____

     

  • Joseph Christoph von Zedlitz (1790-1862)

    Ewige Leuchte

    "Bist noch immer nicht verglommen,
    Trübe Leuchte, stirbst noch nicht?
    All' Dein Oel ist Dir genommen,
    Und es dämmert noch Dein
    Licht?"

    ""Liebe strahlt, ein ew'ger Schimmer,
    Flamme, die stets wächst, nie ruht;
    Braucht kein Oel und brennt doch immer,
    Braucht nicht Nahrung ihrer Gluth,
    Und doch löscht ihr Feuer nimmer.""
    _____

     

  • Cäcilie Zeller (1800-1876)

    Welle und
    Licht

    Höre das sehnsüchtig lockende Rauschen,
    Lausche der suchenden, schwellenden Flut!
    Will mit dem
    Licht sich die Welle vertauschen?
    Ach, in der Höhe da weilet das
    Licht,
    - Wallendes Meer, du ersehnest es nicht!

    Sieh', da umkränzt sich mit goldenen Strahlen
    Lächelnd und liebend der glänzende Mond;
    Still in der Tiefe sein Bildniß zu malen,
    Küssen sie spielend die selige Braut,
    Haben das
    Licht mit der Welle vertraut.

    Ist nicht der Liebe die Sehnsucht gegeben?
    Sie ist der Strahl aus dem himmlischen Stern;
    Doch nur die Treue verleiht ihr das Leben,
    Die das Entfernte verlangend begrüßt,
    Auch das verlorne Geliebte umschließt.
    _____

    Liebende Gedanken wehen
    Mich wie stille Grüße an,
    Daß ich ferne Augen sehen,
    Ferne Liebe fühlen kann.
    Lieb' ist wie die Sonne
    Warme Lebenswonne,
    Lieb' ist wie das süße
    Licht,
    Das durch alle Schranken bricht!

    _____


    Sehnsucht nach Licht

    Geh' mir auf, du
    Licht des Lebens,
    Geh' mir auf und glüh' mich an;
    Keine Stimme ruft vergebens,
    Antwort hört, wer rufen kann!
    Weh' mich an, du strömende Flut
    Einer unendlichen, ewigen Fülle;
    Laß mich schaun die sonnige Glut
    Frei von der Wolken schattiger Hülle!

    _____

    Liebe, die aus Gott geflossen,
    Ach, wie süß bist du!
    Wo sich deine Quell' ergossen,
    Waltet sel'ge Ruh'.
    Da ist lauter Kraft und Stille,
    Freiheit, Trost und
    Licht,
    Und man schauet ohne Hülle
    Gottes Angesicht.
    _____

     

  • Kathinka Zitz-Halein (1801-1877)

    Die Liebe streut Blumen auf dornige Pfade,
    Die Liebe erhebt uns zum Urquell des
    Lichts,
    Sie trinkt aus dem Borne der ewigen Gnade,
    Und höher als Gold oft erfreut sie ein Nichts.
    Die Lieb' ist mild,
    Der Gottheit Bild.
    Und ward auch das Herz oft verwundet,
    Die Liebe vergiebt - es gesundet.
    _____

    Du bist mir Alles, bist mir Leid und Wonne,
    Du bist das Wesen das mich glücklich macht,
    Du bist mein
    Licht, mein Frühling, meine Sonne,
    Mein Tag und meine Nacht!
    _____


     

 

 

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