
Franz Marc (1880-1916)
Liebespaar
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Stichwort: Minne
16./17. Jh.
18. Jh.
19/20. Jh.
16./17. Jh.
(keine Beispiele)
18. Jh.
Rosa Maria Assing
(1783-1840)
Minnetrost
Nach so vielen trüben Hindernissen,
O Geliebter, werd' ich endlich dein!
Trüb von bangem Zweifelmuth zerrissen,
Zagt' ich oftmals: nimmer wird er mein!
Auf die schnell entschwundnen Mädchenjahre
Schau' ich tiefbewegt und froh zurück;
Mit dem Myrtenkranz am Traualtare
Fühl' ich nochmals jener Tage Glück.
Unsre Liebe, die so heiß erglühte,
Hart durch manchen Kampf und Schmerz versucht
Unsrer Jugend reiche, schöne Blüthe
Reift uns nun zur schönsten Lebensfrucht!
Alles bot ich dir aus meinem Leben,
Was das Schönste mir und Höchste war;
Was auch mochte meinen Busen heben,
Jede Regung ward dir offenbar.
In dein Herz hat meines sich ergossen
Mit der höchsten Innigkeit und Lust,
Fest von deinem treuen Arm umschlossen,
Schmieg' ich selig mich an deine Brust.
Blick' zu dir empor mit frohem Beben
In dein treues Auge voll Vertraun;
Wirst du liebend stets mich so umgeben,
Wird vor keinem Lebenssturm mir graun!
Drum sey, Liebe, dir der Schmerz vergeben,
Der die heitre Jugend mir getrübt;
Ist doch Liebe nur der Jugend Leben,
Schmerzenfrei kein Herz, das glühend liebt!
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Aloys Blumauer
(1755-1798)
Die Sehnsuchtsthräne
Bänglich wird mir, und der
Minne
Leiden wachen auf in mir; -
Rinne, warmes Thränchen, rinne,
Sieh, noch viele folgen dir.
Warum weilet ihr so lange
An den Augenwimpern mir?
Ist euch zu versiegen bange,
Ach, nicht abgeküßt von ihr?
Rinnet immer, holde Kinder
Meiner Sehnsucht, rinnt herab!
Ach, sonst fließt ihr einst, noch minder
Kußgewärtig auf ihr Grab!
_____
Louise Brachmann
(1777-1822)
Wettpreis der
Minne
Der König
Hold Mädchen, mit
Vertrauen
Hör' meinen Worten zu!
Seit Dich ich thät erschauen,
Verlor mein Herz die Ruh';
Mir dünkt, wenn ich Dich sehe,
Wohl in der Fern' und Nähe
Kein Weib so schön, wie Du!
Der Sänger
Du Schönste aller
Schönen,
Mir ward in Herzens Grund,
Seit ich Dich sah, ein Sehnen,
Ein tiefes Sehnen kund;
Ich darf Dir's nicht bekennen;
Die Augen mögen nennen,
Was Dir verschweigt mein Mund!
Der König
Willst Du Dein Herz
mir geben,
So führ' ich Dich zu Roß,
Zu stetem Wonneleben,
Wohl in mein Königsschloß;
Mein Zepter, Macht und Ehren
Mag Alles Dir gehören,
Mein Reich gar weit und groß!
Der Sänger
Ich Armer kann nicht
Krone
Dir bieten, Macht und Reich;
Des Liedes freiem Sohne
Ward Reichthum nicht zugleich;
Im Land der süßen Töne,
Am Quell der ew'gen Schöne,
Dort liegt wohl all mein Reich.
Der König
Es ist von
Marmorsteine,
Mein Schloß gar schön gebaut;
In rothem Goldes-Scheine
Man alle Wände schaut;
Mit reichen Perlenbanden,
Mit strahlenden Gewanden,
Schmückt man die Königsbraut.
Der Sänger
Ich kann nicht
Schätze bieten,
Mit dieser treuen Hand,
Doch schmückt mit duft'gen Blüthen
Sich oft mein freundlich Land.
Und höh're Lieb' entflammet
Des Dichters Brust; er stammet
Aus ihrem Vaterland.
Das Mädchen
Mein bester Dank
gebühret,
Ihr edeln Freier, Euch!
Dein Land, o König, zieret
So Glanz, als Macht zugleich;
Doch nicht das Irdischschöne,
Ich wähl', o Fürst der Töne,
Dein unsichtbares Reich!
Nicht Hoheit mich verblendet,
Nicht Gold, noch schimmernd Erz;
Zum Glück der Liebe wendet
Sich einzig hin mein Herz!
Ich wähle, was bestehet,
Den ird'schen Sinn erhöhet,
Und siegt ob Zeit und Schmerz!
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Adelbert von Chamisso
(1781-1838)
Minnedienst
Während dort im
hellen Saale
Lustberauscht die Gäste wogen,
Hält ein Ritter vom Gedränge
Einsam sich zurückgezogen.
Wie er von dem Sofa aufblickt,
Wo er ruhet in Gedanken,
Sieht er neben sich die Dame,
Der er dienet sonder Wanken.
»Sind es Sterne, sind es Sonnen,
Die in meiner Nacht sich zeigen?
Sind's die Augen meiner Herrin,
Welche über mich sich neigen?«
»Schmeichler, Schmeichler! Sterne, Sonnen
Sind es nicht, wovon Ihr dichtet;
Sind die Augen einer Dame,
Die auf Euch sie bittend richtet.« -
»Herz und Klinge sind Euch eigen,
Schickt mich aus auf Abenteuer,
Heißt im Kampfe mich bestehen
Riesen, Drachen, Ungeheuer.« -
»Nein, um mich, mein werter Ritter,
Soll kein Blut den Boden färben;
Um ein Glas Gefrornes bitt ich,
Lasset nicht vor Durst mich sterben.« -
»Herrin, in dem Dienst der
Minne
Wollt ich gern mein Leben wagen,
Aber hier durch das Gedränge
Wird es schwer sich durchzuschlagen.«
Und sie bittet, und er gehet, -
Kommt zurück, wie er gegangen:
»Nein! ich konnte, hohe Herrin,
Kein Gefrorenes erlangen.«
Und sie bittet wieder, wieder
Wagt er's, immer noch vergebens:
»Nein! man dringt durch jene Türe
Mit Gefahr nur seines Lebens.«
»Ritter, Ritter, von Gefahren
Sprachet Ihr, von Kämpfen, Schlachten;
Und Ihr laßt vor Euren Augen
Ohne Hülfe mich verschmachten.«
Und ins wogende Gewühle
Ist der Ritter vorgedrungen,
Dort verfolgt er einen Diener,
Hat den Raub ihm abgerungen.
Und die Dame schaut von ferne,
Wie mit hochgehaltner Schale
Er sich durch den Reigen windet
In dem engen, vollen Saale;
Sieht in eines Fensters Ecke
Glücklich seinen Fang ihn bergen,
Sieht ihn hinter die Gardine
Ihren Augen sich verbergen;
Sieht ihn selber dort gemächlich
Das Eroberte verschlingen,
Wischen sich den Mund und kommen,
Ihr betrübte Kunde bringen:
»Gern will ich mein Leben wagen,
Schickt mich aus auf Abenteuer,
Heißt im Kampfe mich bestehen
Riesen, Drachen, Ungeheuer.
Aber hier, o meine Herrin,
Hier ist alles doch vergebens,
Und man dringt durch jene Türe
Mit Gefahr nur seines Lebens.«
_____
Ludwig Christoph Heinrich
Hölty (1748-1776)
MINNEHULDIGUNG
den 15 Febr. 1773
Allbereits im Flügelkleide,
Waren minnigliche Fraun
Meine liebste Augenweide,
Konnte nimmer satt mich schaun.
Ich vergaß der Vogelnester,
Warf mein Steckenpferd ins Gras,
Wann bey meiner lieben Schwester
Eine schöne Dirne saß.
Freute mich der schönen Dirne,
Ihres rothen Wangenpaars,
Ihres Mundes, ihrer Stirne,
Ihres blonden Lockenhaars.
Ließ Virgilen, ließ Oviden,
Gieng ein Mädchen auf dem Plan,
Ruhen, traun, in gutem Frieden,
Mich der preißlichen zu nahn.
Was ich weiland that als Knabe,
Werd ich wahrlich immer thun,
Bis ich werd', im kühlen Grabe,
Neben meinen Vätern ruhn.
Immer meine besten Weisen
Minniglichen Frauen weihn,
Immer Minn‘ und Weiber preisen,
Und mich ihrer Schöne freun.
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MINNELIED
den 16 Febr. 1773
Euch, ihr Schönen,
Will ich krönen,
Bis an meinen Tod,
Mit Gesangesweisen;
Bis an meinen Tod,
Eure Tugend preisen.
Ihr, o Guten,
Wohlgemuthen,
Macht das Leben süß,
Macht den Mann zum Engel,
Und zum Paradies
Eine Welt voll Mängel.
Wer die Süße
Treuer Küße
Nicht gekostet hat,
Irret, wie verloren,
Auf dem Lebenspfad,
Ist noch ungebohren.
Wer die Süße
Treuer Küße
Schon gekostet hat,
Tritt auf lauter Rosen,
Wo sein Fuß sich naht,
Blühen lauter Rosen.
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August Wilhelm von
Schlegel (1767-1845)
Ritterthum und
Minne
Romanze
Ein Ritter, ganz in
blankem Stahl
Auf seinem hohem Roß,
Sprengt bei des Morgens erstem Strahl
Herab vom Felsenschloß.
Nach Abenteuern steht sein Sinn,
Durch Wald, Gebirg und Feld;
Denn bis zum heil'gen Lande hin
Ist Muth der Herr der Welt.
Und wie er zog im Thal einher
Für sich so kühn und wild,
Da trat in seinen Weg ihm queer
Ein schönes Frauenbild.
Dem Pferde griff sie in den Zaum
Und lächelnd so begann:
Gewahrt man Fleisch und Bein doch kaum;
Seid ihr ein Eisemann?
Das Eisen, spricht er, zartes Weib,
Ist ja des Mannes Kraft.
Es schirmt nicht starrend bloß den Leib,
Er fühlt's wie Mark und Saft.
Es zuckt, geschliffen und gespitzt,
Von selber nach dem Blut,
Und wo es durch die Lüfte blitzt,
Da zürnet Kampfes Muth.
Drauf sie: Doch warum so in Eil?
Fürwahrn es thut nicht Noth!
Den Strauß entscheidet kurze Weil'
Zum Sieg wohl oder Tod.
Die Sonne scheint den Panzer heiß:
Entledigt euch der Last,
Und pflegt am Oertchen, das ich weiß,
Im Schatten süßer Rast.
Der Mai giebt seinen Wonneschein,
Der Blumen sind genug.
Das Leben will gelebet sein
Nicht so in Sturm und Flug.
Und habt ihr friedlich erst geruht,
Und nicht gewehrt der Lust,
Dann strebt zur That mit frischem Muth
Die freudenstolze Brust.
Wer kann aus so beredtem Mund
Der Ladung widerstehn?
Er folgt ihr tiefer in den Grund,
Wo kühle Lüfte wehn.
Sie weilt an einer Quelle Rand,
Der Ritter steigt vom Roß,
Und löset jedes ehrne Band,
So seinen Leib umschloß.
Auf grünem Teppich, hoch umlaubt,
Der hier zum Sitze schwillt,
Hebt er den Helm von seinem Haupt,
Legt Panzer ab und Schild.
Dem Boden eingepflanzt den Speer,
Den Schild daran gelehnt,
Lauscht er des Weibes holder Mär',
Ohn' Arges, wie er wähnt.
Jedoch ihr Kosen schmeichelt kaum
Dem rauhen Sinn sich ein,
So sieht er zweifelnd, wie im Traum,
Seltsame Zauberein.
Im Helmbusch erst ein Weh'n sich regt,
Ein Rauschen ihn durchklingt.
Bis er die Flügel mächtig schlägt,
Und rasch empor sich schwingt.
Nun wiegt der neugeschaffne Falk
Sich in der Lüfte Blau,
Und späht mit hellem Aug', ein Schalk,
Was irgend lockt, genau.
Doch wie zum Busch er niederschießt,
O Wunder! so zerwallt
All sein Gefieder, und entsprießt
In Vöglein mannigfalt.
Die bunten Sänger tönen gleich,
Versteckt im Laub', ihr Lied,
Das klagend und doch wonnereich
Durch Blüthendüfte zieht.
Zu solcher Waldes-Melodie
Ziemt wohl ein frischer Trank!
So sagend, beut dem Ritter sie
Den Becher, zierlich schlank.
Verwandelt hat sich zum Pokal
Sein Helm, wie sie's gewollt;
Des Weines geistig goldner Strahl
Blinkt in des Bechers Gold.
Nun griff sie auch zur Laute hin,
Und hielt sie vor die Brust,
Und spielt' aus zartem Frauensinn
Was Ahndung weckt und Lust.
Sieh, Ritter, sagte sie und sang,
Besaitet und erfüllt
Den Harnisch dein von süßem Klang,
Der sonst dein Herz umhüllt.
Drum laß es beben bei dem Schall
Von meiner Hand entlockt:
Das ist der Triebe Wiederhall,
Die unter'm Erz gestockt.
Sieh! deine Lanze sproßt und grünt
Zum Lorbeer, stolz belaubt,
An dem sich nie kein Blitz erkühnt,
Kein Herbst die Zierde raubt.
Zur Rose sieh dein Schwert erblüht,
So mildert sich sein Zorn;
Doch blutig noch ihr Purpur glüht,
Und Wunden sticht ihr Dorn.
Du wandelst alle meine Wehr,
So schalt der Ritter frei,
Als wär's in einer Zaubermär',
In lose Gaukelei.
Mir bleibt allein mein gutes Roß,
Ich schwinge mich im Flug
Zurück auf meiner Väter Schloß,
Und rüste neu den Zug.
Dein Roß, erwiedert sie, fürwahr!
Wird schwer zu fangen sein;
Am Sattel wuchs ein Flügelpaar,
Vom Dienst es zu befreien.
Schon bäumt es sich den Berg hinauf
Zum Gipfel sonnenhell,
Sein Huf entschlägt im raschen Lauf
Dem Felsen einen Quell.
Der Ritter sprach: Was mich geschmückt,
Was klag' ich, daß es hin?
Hast du mich doch mir selbst entrückt:
Schon spür' ich andern Sinn.
Dein Blick, dein Lied hat mich berauscht,
O wunderlieblich Weib!
Was ich verloren, sei vertauscht
Um deinen holden Leib.
Mit nichten, sprach sie sittiglich,
Erwirbst du mich zur Braut,
Wo du zu heil'gem Bunde dich
Nicht erst mir angetraut.
Hoch auf dem Berge, wo dein Roß
Sich muthig hin verirrt,
Da prangt ein rosig schimmernd Schloß,
Das uns zum Tempel wird.
Der Sonne König wohnet dort
In Freuden ewig jung;
Neun Jungfrau'n bieten immerfort
Ihm keusche Huldigung.
Sie feiern unsern Hochzeitreih'n
Mit Spiel und mit Gesang:
Was sie voll sinn'ger Anmuth weih'n.
Vor allem stets gelang.
Wohlan! so rief er, neu entflammt:
Das Bündniß däucht mir gut.
Ich heiße Bieder, abgestammt
Aus altem deutschem Blut.
Zu buhlen weiß ich nicht um Gunst,
Auf Tod und Leben Freund,
Und schlage, sonder schlaue Kunst,
Mit gleicher Wehr den Feind.
Vom fernen Norden kam ich her,
Und war noch jung und wild:
Da hört' ich eine fromme Lehr',
Und sah ein göttlich Bild.
Dem Zeichen, das die Welt verehrt,
Schwur ich die Lehenspflicht;
Zum Kreuze bildet' ich mein Schwert,
Das ew'gen Sieg erficht.
Darum gehorch' ich heil'gem Recht
Nebst ächter Ehre Brauch.
Nun aber nenne dein Geschlecht
Und deinen Namen auch.
Ob dein Gemüth wie meins bestellt,
Das sag mir ohne Hehl;
Nur wo sich Gleich und Gleich gesellt,
Vermählt man Leib und Seel.
Erröthend schwieg die Schöne nun,
Und seufzt aus tiefer Brust,
Und zögerte, sich kund zu thun,
Wie innrer Reu bewußt.
Wie du, so heg' ich fromme Brunst,
Frau
Minne
heißt man mich,
Doch andern Namen führt' ich sonst,
Als ich mir selbst nicht glich.
Nur Lust und Reiz schien mir Gewinn,
Und inn'ger Trieb ein Spott,
Und so gefiel dem leichten Sinn
Der wüste Kriegesgott.
Da fröhnte alle Welt im Joch
Als Liebesgöttin mir.
Ach! sterblich wie die Jugend doch
War meine Macht und Zier.
Allein ich sah ein himmlisch Weib,
Ein Kindlein auf dem Arm;
Jungfräulich war ihr reiner Leib
Von Mutterliebe warm.
Verloren ganz, sie anzuschau'n,
In demuthsvollem Schmerz,
Fühlt' ich die holde Milde thau'n
In mein erneutes Herz.
Nun floh ich in die Wildniß wüst,
Begehrend eigne Qual,
Bis bange Sehnsucht abgebüßt
Den Trug der ersten Wahl.
Da hört' ich deiner Thaten Ruf
Und deine Biederkeit,
Die stille Neigung in mir schuf,
Wie Sitte sie verleiht.
Der Ritter sann den Worten nach,
Und staunte, tief entzückt,
Da wurde neuer Jubel wach,
Und neu der Mai geschmückt.
Es öffnet sich das hohe Thor
Vom sonnigen Pallast,
Und die neun Mägdlein geh'n hervor,
Zu grüßen ihren Gast.
Sie tanzen um der Lieben Paar,
Im bunt verschlungnen Reihn,
Und aus den Kehlen süß und klar
Haucht Leben und Gedeihn.
"O wohl des Helden edlem Leib,
"Der treu und sittig minnt!
"O wohl dir auch, du weiblich Weib,
"Die solche Huld gewinnt!"
_____
Johann Heinrich Voß
(1751-1826)
Minnelied
Der Holdseligen
Sonder Wank
Sing' ich fröhlichen
Minnesang:
Denn die Reine,
Die ich meine,
Winkt mir lieblichen Habedank.
Ach! bin inniglich
Minnewund!
Gar zu minniglich
Dankt ihr Mund;
Lacht so grußlich,
Und so kußlich,
Daß mir's bebt in des Herzens Grund!
Gleich der sonnigen
Veilchenau',
Glänzt der wonnigen
Augen Blau;
Frisch und ründchen
Ist ihr Mündchen,
Wie die knospende Ros' im Thau.
Ihrer Wängelein
Lichtes Roth
Hat kein Engelein,
So mir Gott!
Eia, säß' ich
Unablässig
Bei der Preislichen bis zum Tod!
_____
Minnelied
im Mai
Ei! seht mir, ei!
Wie hold der Mai
Die Luft aus Wolken kläret;
Daß Wald und Au'
Mit bunter Schau
Und Vogelsang sich hehret!
Verklärung schafft
Des Maien Kraft
Auch meiner Kunigunde;
Daß rother Schein
Den Wängelein
Erblüht, und ach! dem Munde.
Aus Kränzen rollt
Der Locken Gold,
Und bläuer glänzt das Äuglein.
Und tönt ihr Schall;
O Nachtigall,
Biß still im grünen Zweiglein.
Ahi! ahi!
Nun lächelt sie
So minniglich, die Hehre
Gar sanft mir's thut;
Bin baßgemuth,
Denn ob ich Kaiser wäre!
Solch Ehrenkleid
Von Lieblichkeit
Ward wenig Fraun gegeben!
Wem nicht behagt
Die reine Magd,
Muß gar von Sinnen leben.
_____
19./20. Jh.
Peter Cornelius
(1824-1874)
In des Mais Zauberkreis
In des Mais
Zauberkreis
Höchster Zauber,
Süßester Preis!
Himmelsgruß!
Gotteskuß!
Stimme der Nacht!
Minnewacht!
Nachtigall, du Lenzgebet!
Wie mir dein Ton zu Herzen geht!
_____
Felix Dörmann (1870-1928)
Der Tag ist langsam verronnen,
Die Nacht bricht endlich herein,
Zu seliger Liebe Wonnen
Leuchtet der Sterne Schein.
Wie sind Deine schneeigen Glieder
Vom Feuer der Liebe durchloht, -
Und wieder küss' ich und wieder
Die Lippen so heiß und so rot.
Den Haaren die Funken entstieben,
Wenn zitternd die Hand sie durchwühlt,
Ja, Du kannst küssen und lieben,
Wie Du hat noch keine gefühlt.
Gefangen nimmst Du die Sinne
Das Herz und den Geist und den Leib,
Du bist die Fürstin der
Minne,
Du liebegewaltiges Weib. -
_____
Joseph Freiherr von
Eichendorff (1788-1857)
Minnelied
Denk' ich Dein, muß bald verwehen
Alle Trübnis weit und breit,
Und die frischen Blicke gehen
Wie in einen Garten weit.
Wunderbare Vögel wieder
Singen dort von grüner Au,
Einsam' Engel in die Lieder
Ziehen durch den Himmel blau.
Wolken, Ströme, Schiffe alle
Segeln in die Pracht hinein,
Keines kehrt zurück von allen
Und ich stehe so allein.
Doch der Garten wird zur Rose,
»Ich, die Liebste, bei dir bin!«
Singt nun aus der Blume Schoße
Ewig mir die Zauberin.
Könnt' verblühen diese Rose,
Wär' der Lenz auch nicht mehr schön,
Müßt' ich einsam, freudenlose
Mit der Laute irrend gehn!
_____
Theodor Fontane
(1819-1898)
Minna
Ich hab' darüber nachgedacht
(Nachdenken immer nützt und frommt!)
Und hab' gefunden über Nacht,
Woher der Name »Minna« kommt;
Feststeht es meinem Sinne,
Daß Minna kommt von
Minne,
Und legst Protest du gegen ein,
Mußt du nicht fest im Deutschen sein.
Vielleicht auch (denn, schier launenhaft
Springt oft die Sprache kreuz und quer
Und legt nicht Rechnung, wie sie schafft)
Kommt Minna auch von »meine« her.
Doch dieses zu entscheiden,
Das macht mir eben Leiden,
Und besser als Heyse und Heinsius
Entschiede das ein süßer Kuß!
_____
Amara George-Kaufmann
(1835-1907)
Trennung - giebt es die für uns noch,
Da wir uns so tief geeinigt,
Da wir uns so ganz verschmolzen
In unendlich heißer
Minne?
-
Nicht für eine Spanne Zeit,
Nein, wir haben uns gefunden,
Nein, wir haben uns umwunden
Für die ganze Ewigkeit.
_____
Theresa Gröhe (Ps. T.
Resa) (1853-1929)
Frau
Minne
I.
König Harald, der Held, saß zu Gericht,
Und vor ihm, in Ketten, stand
Von Goldhaar umflossen, sonnenlicht,
Frau
Minne
im Büßergewand.
König Harald herrschte sie finster an:
"Frau
Minne,
dir künd' ich jetzt:
Dieweil du mit dunklem Zauberbann
Mein fröhliches Herz verletzt -
Dieweil ich, müßigen Knaben gleich,
Geseufzt in Sehnsucht und Harm -
Dieweil ich vergessen Krone und Reich,
Frau
Minne,
in deinem Arm;
So seist du von meinem Antlitz verbannt,
So weit dein Fuß dich trägt -
Auf daß mein trotziges Herz sich ermannt,
Und nur dem Ruhme noch schlägt."
Sie lachte so hell: "Mein König und Held,
Dir neig' ich in Demut mich.
Doch - zögst du bis ans Ende der Welt -
Am Ende der Welt noch bin ich! -
Und ging' ich, so weit mein Fuß trägt,
Und mied' ich dich ewiglich -
König Harald! so lang dein Herz noch schlägt,
So lang schlägt es für mich!
In wilder Schlacht, auf brausendem Meer,
Wie weit du auch enteilst -
Frau
Minne
entrinnst du nimmermehr,
Wo immer du wanderst und weilst!"
Da sprang er auf in wildem Grimm,
Die Stirn wie Blut so rot:
"Und löst' kein Heil deinen Zauber schlimm,
So löse ihn der Tod.
Führt sie zum Turm am Meergestad'
Und schließt die Thore schwer.
Fahr' wohl, Frau
Minne
- daß Gott dir gnad' -
Die Schlüssel - werft ins Meer!"
II.
König Haralds Schiff stieß ab vom Strand,
Hohl ging die See und schwer.
Ein Schleier wehte vom Turmesrand,
Eine Rose fiel ins Meer. -
Und über die wilden Wasser schwamm
Ein Ton, von Schmerz durchglüht,
Und süß und süßer - wundersam,
Schwoll an der
Minne
Lied.
König Harald lauschte, blaß wie der Tod, -
Verwehend ob Meer und Ried
Klang weich durch das sinkende Abendrot
Der
Minne,
der
Minne
Lied.
III.
König Harald fuhr übers blaue Meer,
Im Segel sang der Wind;
Der wehte schwül von der Heimat her,
Der raunte so weich und lind.
Die Sonne sank und die Sonne kam,
Rot glühten Himmel und Meer -
König Haralds Herz schwoll in bitterm Gram:
Frau
Minne,
- wie stirbst du schwer!
König Harald ritt in die blutige Schlacht -
Das war ein wilder Tanz,
Bis leuchtend, auf seiner Locken Nacht,
Sich senkte des Sieges Kranz.
Sie jauchzten ihm zu: "Die Feinde fliehn -
Heil Harald, herrlicher Held!"
Auf ihren Schilden trugen sie ihn
Über das blutige Feld.
IV.
König Harald saß in des Kronsaals Pracht,
Doch finster sein Auge glüht'.
"Nun scheuche fort meiner Schwermut Nacht,
Nun singe, Sänger, ein Lied!"
Der weckte der Saiten vollsten Klang -
Das klirrte wie Erz und Stahl.
Wie Sturmwind brauste der Siegessang
Über den schimmernden Saal.
Da sprangen auf die Helden all'
Und schlugen ans Schild voll Lust -
Kein Echo weckte der wilde Schall
In König Haralds Brust.
Er sprach: "Einst hört' ich ein ander Lied,
Ein süßeres hört' ich nie -
Vergessen halb - wie Traum nur, zieht
Durchs Herz mir die Melodie -
Das war - als ob die Drossel schlägt,
An Abenden, bernsteinfarb' -
Das war wie Meerflut, windbewegt,
Drin blutig die Sonne starb -
Das war wie sonnenroter Strahl,
Der knospenden Wald durchglüht -"
Da stockt' ihm das Wort mit einem Mal,
Weiß keiner, wie ihm geschieht.
Eine Rose auf wilden Wassern schwamm -
Ein Schleier weht überm Meer -
Und süß und süßer - wundersam,
Schwillt an ein Ton so hehr -
Wie Lenzsturmbrausen im lachenden Mai,
Wie Jauchzen von Schluchzen durchbebt -
König Harald sprang auf mit wildem Schrei:
"Frau
Minne
- Frau
Minne
lebt!"
Da sprangen die Thüren auf im Saal,
In Sonne lag Meer und Land -
Umflossen vom leuchtenden Abendstrahl
Frau
Minne
lächelnd stand.
Er fiel vor ihr nieder - das Antlitz gepreßt
In ihres Kleides Saum -:
"So hielten dich Ketten und Riegel nicht fest?
Und nicht eines Kerkers Raum?"
Sie stand vor ihm so hold und jung,
Ihr Goldhaar wie Sonne floß -:
"Ich lebe noch! - Erinnerung
Und Hoffnung war mein Genoß.
Mich banden Ketten und Riegel nicht
Und nicht eines Königs Gebot -
Sieh! -
Minne
ist frei wie das Sonnenlicht
Und stärker als der Tod!"
Er hielt sie umfangen in Lust und Pein:
"Du Zauberin, totgefeit,
So soll mein Herz dein Kerker sein -
Der hält dich in Ewigkeit!"
_____
Der Troubadour
Trompeten schmetternd werben
Zum Kampfspiel und Turnier.
Vom Dornenstrauch, vom herben,
Brech' ich die Helmeszier:
Ein Röslein, herzblutrot. -
Das ist deine Farbe, du Fraue hehr,
So leuchtend, wie Königspurpur schwer,
So gleißend, wie Flamme loht.
Ich sang durch alle Lande
Zu deiner Schönheit Preis,
Heut' sei auf heißem Sande
Erkämpft dein Lorbeerreis.
Gilt Sieg es oder Fall? -
Ein jauchzender Ruf - die Lanze gefällt -
Frau
Minne,
du Schönste in der Welt,
Sei gnädig deinem Vasall!
- - - - - - - - - - - -
Zerstampft von Rosseshufen
Ist nun der weite Grund,
Zu deines Thrones Stufen
Schlepp' ich mich, todeswund.
Heiß strömt mein Herzblut rot -
Deine Farbe, Herrin, trug ich im Streit,
Ich trag' sie hinein in die Ewigkeit
Im seligen Siegestod.
_____
Robert Hamerling
(1830-1889)
Seliges Leid
Ein flüchtig Nah'n, ein eiliges Entschweben,
Ein kurzer Blick, dann langes Nichtbeachten;
Gesenkten Haupts ein träumerisches Trachten,
Dann wiederum ein stolzes Sicherheben;
Im Aug' ein zartes Glüh'n, ein holdes Beben,
Dann wieder trotzig blickendes Verachten;
Im Mund ein Lächeln, ein geheimes Schmachten,
Dann kalter Ernst und strenges Widerstreben;
So zeigt sich mir, so lohnet mich die Holde.
Ich aber lächle selig, still zufrieden,
Verlange kaum nach and'rem
Minnesolde.
Hat auch mich Manche nicht so streng gemieden,
Mir aufgethan des Herzens Blütendolde,
So sel'ges Leid hat keine mir beschieden!
_____
Minnelied
Teures Bild, das
mir erschienen,
Engelgleiches Angesicht,
Strahlend mit verklärten Mienen
In der Liebe holdem Licht!
Solche Schöne, wähnt' ich, schwebe
Nur um uns im Traum der Nacht,
Doch nie ahnt' ich, daß es lebe,
Diese hohe Liebespracht.
Schwebtest du vom Himmel nieder?
Stiegst du aus des Meeres Schoß?
Rangen deine Lilienglieder
Sich im Lenz mit Blumen los?
Welche ewig blüh'nden Zonen
Haben diesen Reiz gereift,
Der durch ird'sche Regionen
Wie verlor'ner Schimmer streift?
Jauchzend dankt' ich dem Geschicke,
Daß so Wunderholdes lebt,
Und vor meinem sel'gen Blicke
Ueber diese Erde schwebt:
Doch wie fass' ich erst die Wonne,
Daß es liebend mich erkor,
Der, ein Phönix in der Sonne,
Sich in diesem Glanz verlor?
Reizumfloss'ne Wunderblüte,
Staunend bebt mein Herz vor dir,
Neigt in Liebeshuld und Güte
Sich dein schönes Haupt zu mir:
Ach, ich fürcht' im vollsten Glücke,
Wenn dich meine Hand berührt,
Daß dich mir des Schicksals Tücke
Wie ein Traumgebild' entführt!
_____
Flüchtiges Glück
Wie ein Sternblick flüchtig die Lilie berührt,
Die schauernde, leisen Erbebens,
So umwittert, ach, allzuflüchtig entführt,
Uns die himmlische Schöne des Lebens.
Ich wandle traurig im Abendschein
Am stillen Ufer des Stromes,
Da taut in die Seele mir Feuerwein
Vom Purpur des Ätherdomes!
Ich wandle her, ich wandle hin,
Und wie golden die Lüfte ziehen,
Ist die Blume des Glücks mir im trunk'nen Sinn,
Ein selig Wunder, gediehen.
Da faßt' ich so gern in ein rauschend Lied
Dies himmlische Leuchten und Klingen,
Doch flüchtig ob meinem Haupte zieht
Die Stunde mit Engelschwingen:
Wie mählig der Purpur des Abends verblüht,
Und die goldenen Wolken zerrinnen,
Ist die Flamme des Lieds auf der Lippe verglüht,
Und im Herzen das selige
Minnen!
_____
Heinrich Heine
(1797-1856)
Minnegruß
Die du bist so schön und rein,
Wunnevolles Magedein,
Deinem Dienste ganz allein
Möcht ich wohl mein Leben weihn
Deine süßen Äugelein
Glänzen mild wie Mondesschein;
Helle Rosenlichter streun
Deine roten Wängelein.
Und aus deinem Mündchen klein
Blinkts hervor wie Perlenreihn;
Doch den schönsten Edelstein
Hegt dein stiller Busenschrein.
Fromme
Minne
mag es sein,
Was mir drang ins Herz hinein,
Als ich weiland schaute dein,
Wunnevolles Magedein!
_____
Minneklage
Einsam klag ich meine Leiden,
Im vertrauten Schoß der Nacht;
Frohe Menschen muß ich meiden,
Fliehen scheu, wo Freude lacht.
Einsam fließen meine Tränen,
Fließen immer, fließen still;
Doch des Herzens brennend Sehnen
Keine Träne löschen will.
Einst, ein lachend muntrer Knabe,
Spielt ich manches schöne Spiel,
Freute mich der Lebensgabe,
Wußte nie von Schmerzgefühl.
Denn die Welt war nur ein Garten,
Wo viel bunte Blumen blühn,
Wo mein Tagwerk Blumenwarten,
Rosen, Veilchen und Jasmin.
Träumend süß auf grüner Aue,
Sah ich Bächlein fließen mild;
Wenn ich jetzt in Bächlein schaue,
Zeigt sich mir ein bleiches Bild.
Bin ein bleicher Mann geworden,
Seit mein Auge sie gesehn;
Heimlich weh ist mir geworden,
Wundersam ist mir geschehn.
Tief im Herzen hegt ich lange
Englein stiller Friedensruh;
Diese flohen zitternd, bange,
Ihrer Sternenheimat zu.
Schwarze Nacht mein Aug umdüstert,
Schatten drohen feindlich grimm;
Und im Busen heimlich flüstert
Eine eigen fremde Stimm.
Fremde Schmerzen, fremde Leiden
Steigen auf mit wilder Wut,
Und in meinen Eingeweiden
Zehret eine fremde Glut.
Aber daß in meinem Herzen
Flammen wühlen sonder Ruh,
Daß ich sterbe hin vor Schmerzen -
Minne,
sieh! das tatest du!
_____
Karl Henckell (1864-1929)
Zwischen Heidelbeeren
So zwischen Heidelbeeren, breiten Farren
Zu schlendern – mal ein Büschlein leergepflückt -
Mitunter hört man einen Wagen knarren,
Der langsam durch den Hohlweg näher rückt …
Ein heller Ruf, daß wir einander harren!
Du bist noch tief aufs Beerenfeld gebückt,
Ich lasse meinen Blick ins Blaue starren.
Dann schau ich, wie der rote Mohn dir schmückt
Den Sommersonnenhut zum weißen Kleide.
Dein stilles Lächeln beut mir Augenweide,
Das in sich selber also selig scheint.
Säh ich dich jetzt zum erstenmal im Leben,
Ich würde wieder dir das Zeichen geben,
Das durch der
Minne
Not zwei Herzen eint.
_____
Wilhelm Ritter von Hertz
(1835-1902)
Der Frühling und die
Minne
Auf Wald und
Haide überall
Ertönet heller Hochzeitsschall,
Die Lande steh'n in grünem Schein,
Der klare Himmel blaut darein,
Und in den blum'gen Feiersaal,
Da führt der Lenz sein süß Gemahl,
Die ist genannt Frau
Minne.
Er pranget, wie ein Bräut'gam thut,
Im frischen, freudekühnen Muth;
Sie blicket süßverschämt darein,
Möcht' lieber ungesehen sein;
Sie liebet nicht den lauten Schall,
Doch wirkt sie leise überall
Im Herzen und im Sinne.
Du Mägdelein im Lockenhaar,
Was sitzest du der Freuden bar?
Komm' mit mir in mein Gartenhaus,
Da sieht man weit in's Land hinaus;
Die Blumenbeete keimen jung,
Auch ist dir Freudensang genung
Und würzig Weh'n darinne.
Dort hören wir im Laubgezelt
Den Frühling jubeln durch die Welt,
Und lauschen, wie im Innern schafft
Der Liebe zarte Himmelskraft.
In jungen Herzen ist die Statt,
Darin am liebsten Hochzeit hat
Der Frühling und die
Minne.
In Sonntagsruhe liegt die Welt,
Kirchglocken läuten durch das Feld;
Die Vöglein sind verstummet fast,
Sie halten kurze Mittagsrast,
Die Winde schlummern allerort, -
Die treuen Blumen duften fort,
Ihr Hauch will nicht vergehen.
So klinget aus in uns'rer Brust
Des Lebens laute Frühlingslust,
Und Sinn und Denken schlummert ein, -
Die
Herzensminne
wacht allein.
Wir halten träumend uns im Arm
Und fühlen nur im Herzen warm
Der Liebe Athem wehen.
So soll, wenn Lenz und Lust vergeh'n,
Die treue
Minne
noch besteh'n!
Und fällt vom Haupt uns in den Staub
Des Lebenskranzes letztes Laub,
So fülle sie in Grau'n und Tod
Mit der Erinn'rung Abendroth
Die nachtumhüllten Sinne.
Und trotz der Menschen Widerstreit
Die Liebe glaubt Unsterblichkeit.
Auf Erden läßt von seiner Braut
Der Frühling sterbend, kaum getraut;
Doch in dem namenlosen Land,
Da strahlt in ew'gem Hochzeitband
Der Frühling und die
Minne.
______
Gottfried Kinkel
(1815-1882)
Als Brief
Ihr flücht'gen Zeilen, hin zu ihr!
Doch was habt ihr zu sagen?
Nah ist die Stunde noch, da wir
Uns in den Armen lagen.
Wir sprachen's aus mit manchem Kuß,
Mit Herz an Herzen Drücken,
Wie wir im Liebesüberfluß
Einander hoch beglücken.
O zaubersüßer Liebestod,
O heil'ge Macht der
Minne!
Sie kennt nicht Weigern noch Verbot,
Ist wie ein Kind an Sinne,
Das stets zu geben ist bereit,
Was Mutter ihm geschenket,
Das ohne Harm und ohne Neid
Nur mitzutheilen denket.
Wie du an dieser Brust geruht,
In diesen Arm gesunken,
Das klopft mir noch durch's junge Blut
Und hält mich selig trunken!
O fort dieß Blatt, ich mag es nicht,
Daß es mein Glück mir spiegelt!
Wie möcht' auch künden ein Gedicht,
Was heiß der Kuß versiegelt?
_____
August Kopisch
(1799-1853)
Nicht verächtlich red', o Jüngling,
Von der Allgewalt der Liebe:
Manch ein Held, der Tod verachtend
Kühn im Speergemenge siegte,
Fiel der
Minne
sanften Blicken.
Den nicht Kriegerreihen banden,
Fesselten oft schöne Arme.
_____
Detlev von Liliencron
(1844-1909)
Mit ausgebreiteten Armen
Weltvereinsamt und verlassen,
Liebes Mädchen, sitz ich hier.
Alle Menschen muß ich hassen,
Kann mich selber nicht mehr fassen
Komm, o komm zu mir!
Blütenpracht und grüne Zweige
Und die ganze Frühlingszier
Sind mir holde Fingerzeige,
Daß ich sanft zu dir mich neige:
Komm, o komm zu mir!
Tausend zärtliche Gedanken,
Keusche
Minne,
Liebesgier,
Die sich ewig in mir zanken -
Hab Erbarmen mit dem Kranken:
Komm, o komm zu mir!
_____
Louise Otto (1819-1895)
Mir ist so froh, mir ist so leicht zu Sinnen,
Und doch trennt uns des strengen Kerkers Gitter,
Und zeigt mir ganz, wie das Geschick so bitter,
Das mich nach kurzem Gruße treibt von hinnen.
Das ist die Macht im selig süßem
Minnen,
Wie es mit Dir mich eint, mein holder Ritter!
Da wird der Schmerz zum fliehenden Gewitter
Von dem die Fluren Segen nur gewinnen!
Der Himmel über uns er bleibt uns offen,
Die Sonne bleibt in ihrem Glanze thronen,
Und Märzenluft, die kündet Frühlingszeit!
Drum laß nicht ab vom Gottvertraun und Hoffen:
Der Liebe schönste Paradieseszonen
Erwarten uns noch so viel Qual und Leid!
_____
Luise von Ploennies
(1803-1872)
Abälard an Heloise
Du weißt, daß hohe Segenswunder schafft
Die Liebe, wenn sie stark empor sich schwinget
Zu solcher Höhe, daß sie sich entringet
Im Himmelsflug der Ichheit enger Haft.
Sie wird zum Helden, der, ob blutig klafft
Die heiße Wunde, stark die That vollbringet;
Zum Heiland, der am Kreuz die Welt umschlinget,
Und segnend stirbt als Gott durch ihre Kraft.
Was in der Liebe irdisch war, zerrinne,
Wir aber schließen heiliger und freier
Ein Liebesband hoch überm Reiz der Sinne.
Du Priesterin der höchsten Liebesfeier,
Zünd' an die Kerzen unsrer ew'gen
Minne,
Und laß mich ruh'n in deinem weißen Schleier.
_____
Abälard an Heloise
Der Becher, der geprangt im stolzen Saale,
Erfüllt vom Feuerwein der Jugendglut,
Der
Minnelust
und tollen Uebermut
Und Sang und Klang geweckt im Kerzenstrahle;
Ward nun geweiht zur heil'gen Opferschale,
Daraus des Welterlösers göttlich Blut
Symbolisch quoll als heiße Liebesflut,
Wie aus dem goldnen Kelch beim Abendmahle.
So läuterte in Paulus starker Brust
Im glüh'nden Strahl der ew'gen Liebessonne
Zu reinem Geist sich wilde Sinnenlust;
So weihte heilige Begeisterung
Maria Magdalena ein zur Nonne,
Zum Kelche göttlicher Erinnerung.
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Hermione von Preuschen
(1854-1918)
Frau
Minne
Weißt du, was ich erträume und sinne?
Einmal dir öffnen die erzene Brünne.
Einmal, einmal dir liegen am Herzen,
auszulöschen dir Gram und Schmerzen,
einmal, einmal den Rausch dir geben,
leuchtendes, seligstes Menschenleben.
Einmal, einmal mich zu dir finden,
nach deiner Seele heimlichsten Gründen.
Müssen herrliche Blumen dort blühn,
müssen leuchtende Wolken dort ziehn,
müssen selige Vögel singen,
müssen ewige Sterne klingen!
Einmal, einmal dir sein Frau
Minne.
Einmal dir öffnen die erzene Brünne!
_____
Rainer Maria Rilke
(1875-1926)
Da steh ich und muß denken und muß sinnen,
so wie ein Träumender verloren sinnt.
Mein ganzes Herze konntest du gewinnen,
in einem Augenblick, geliebtes Kind,
und um mein Sein die leichten Fäden spinnen,
die zart und weich, doch unzerreißbar sind.
In meinem Busen glüht ein wonnig
Minnen,
und längst erwachten schon so sanft und lind
des Herzens süße - zartgehegte Triebe
im goldnen Morgenstrahl der jungen Liebe.
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René Schickele
(1883-1940)
Ballade von der Frau
Minne
Dein glühend Reich dehnt sich von Ost nach West,
zehn Tagemärsche sind von einer Lust zur andern.
Vieltausend Helden wollten dich durchwandern,
denn deine ferne Sonne schien ein Fest.
Sie fielen in die Schlünde deiner Augen.
Erblindeten an deiner Brüste Rand.
Es stach mit Wahnsinn sie der Sonnenbrand,
sie mordeten, um frisches Blut zu saugen.
An deinen Lenden endete das Schlachten nie,
mit letzten Kräften kämpften sie vor deinen Toren.
Manch Heldenlied ward unter Schwertern da geboren,
doch jeder, der es sang, verstummte jäh und schrie.
In deinem Haar, das über Berge klettert, wohnen
die Geister jener Helden, die dein glühend Reich verschlang,
sie spielen
Minne
wie die Kinder, Ewigkeiten lang,
sie sprechen wie Musik und tragen kleine Kronen.
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Clara Schönborn (1849-?)
Minnedienst
"Ich singe nur
höchster Schönheit Preis!
Der lieblichen Frauen ich Zweie weiß,
Sie rühme des Liedes weitklingender Schall,
Wie ewig rauschet des Gießbachs Fall,
So töne das Lob dieser Holden!
Die eine in Frankreich Krone trägt,
Mein Herz, mein Herz nur der anderen schlägt.
Hier herrscht im Lande als Herzogin,
Der ich in
Minne
ergeben bin
Wie Tristan einstmals Isolden".
Die Fürstin lauscht vom hohen Balkon,
Leicht rührt sie des Liedes zärtlicher Ton.
"Wer singt so laut vor meinem Palast?
Auf, führet den Spielmann herbei in Hast!" -
Der naht sich in höfischem Kleide,
Ein Sänger und stattlicher Ritter zugleich.
Die schöne Luitgard von Oesterreich
Läßt spielen der Augen berückenden Glanz:
"Du wobest der Huldigung Perlenkranz,
Mir beides zu Lieb' und zu Leide.
Du sangest, daß ich die Schönste wär',
Dein Herz nach meiner
Minne
begehr'!
Wohl träumtest Du Dich in's Paradies,
Wohl könnte ich lohnen mit Dank reich, -
Selbst aber scheinst Du zu löschen bemüht
Die Flammen, die wonnig mein Herz durchglüht;
Entscheide nun, da ich in's Auge Dir schau,
Erkennst Du den Preis mir oder der Frau
Fern auf dem Throne von Frankreich?"
""Vielholde Fraue, wie schaffst Du Dir Gram?
Ich singe nur, was ich von Andern vernahm.
Nie sah die Königin selber mein Aug',
So daß ich zum Paris euch nicht taug',
Dies glaube und zürne nicht länger!"" -
"Wer könnte - sprach die Herzogin klug -
Das Urtheil fällen mit besserem Fug,
Als er, dem Schönheit sich offenbart,
Der sie besungen so süß und so zart,
Als der gottbegnadete Sänger?"
Wohlauf! und rüste Dich ohne Verzug,
Ich gebe Dir Gold und Geschenke genug,
Nach jener Königsstadt reite Du hin,
Ob mich überstrahlet die Königin,
Das forsche nach bester Erkenntniß;
Dann kehre und bringe mir redlich Bescheid,
Nicht trag' ich des Zweifels unsägliches Leid".
""Ach, - seufzte der Ritter - Du sendest mich fort? -
Und fände ich schöner die Fürstin dort,
Nie wagte ich solches Geständniß.
Doch rüst' ich zur Reise, dieweil ich mich tröst',
Daß Dir zur Wonne der Zweifel sich löst,
Ihr werde die Krone der Schönheit geraubt,
Um einzig zu funkeln auf Deinem Haupt"".
Aus Wien d'rauf reitet von hinnen
Herr Huldrich der Sänger, auf stolzem Roß,
Und manche Woche auf Reisen verfloß.
Nun endlich hemmt er des Renners Lauf,
Es taucht Paris in der Ferne auf
Mit stattlichen Thürmen und Zinnen.
Hier aber wählet sich, schlau bedacht,
Der Rittersmann eines Krämers Tracht.
Goldspangen, Gürtel und allerhand
Geschmeide, glitzernden Damentand,
Das legt er auf zierliche Brettchen.
So dringt er in's Schloß ohne Aufenthalt,
Manch schönes Kind voll Neugier alsbald
Den hübschen, blinkenden Kram umhüpft,
Ein Kästchen öffnet, ein Tüchlein lüpft
Und feilscht um Ringe und Kettchen.
"Halt, nichts verkauf' ich, ihr Jungfräulein,
Laßt ihr mich nicht zur Königin ein".
Sie tritt ihm entgegen in weißem Sammt,
Ein Diadem auf der Stirn ihr flammt.
Wie der Falter, um Süßes zu fangen,
Von Blume zu Blume kosend schwebt,
So irrt sein Blick, den er kühn erhebt,
Von dem Purpurmund zu dem Feuergold
Des Haars, das in Locken lang aufgerollt,
Und ruht in den strahlenden Augen.
Den blendenden Arm, den Nacken sie schmückt
Mit seinen Perlen, - er sieht es entzückt,
Als plötzlich Luitgard vor Augen ihm steht!
Die Fräuleins kichern: "Ei seht doch, seht,
Der Krämer läßt alles im Stiche!" -
Mit Riesenschritten durchmißt er das Schloß
Und schnell zur Herberge, schnell auf's Roß.
Schon liegt ihm Paris im Rücken längst
Doch spornt er noch immer den treuen Hengst,
Als ob vor Gefahr er entwiche.
Wie ein Kind, das mit den Gespielen schmollt
Und den Puppen, weil sie so steif sind, grollt,
So zürnt Frau Luitgard, weiß Keiner warum.
"Langweilig seid ihr Alle und dumm!"
Da klimpert süß eine Laute.
"Ich singe nur höchster Schönheit Preis,
Der lieblichen Frauen ich Zweie weiß,
Die eine in Frankreich Krone trägt,
Mein Herz, mein Herz nur der anderen schlägt,
Sie bleibt meine Liebe und Traute".
Zum Fenster freudig die Fürstin eilt,
Dem Sänger sie gerne Gehör ertheilt.
Seit ihre Eifersucht einmal erweckt,
Der Zweifel ihr eiteles Herz erschreckt,
War schier vor Neid sie gestorben.
"Ich hörte das Lied, das Du mir sangst,
Nun künde redlich und ohne Angst, -
Es sei Dir im Voraus alles verzieh'n -
Wie schön Dir jene Königin schien".
Zum Höflinge war er verdorben.
""Die Königin fand ich herrlich fürwahr!
Schwarz ihre Augen, doch demantklar,
Ihr Mund wie die Purpurnelke blüht,
Ihr Haar wie die flammende Sonne glüht,
Sie ist Dir an Schönheit vergleichbar"".
"Nein! - ruft die Fürstin, auflodert ihr Zorn -
Sie scheint die Rose und ich der Dorn,
Fahr' hin denn, verliebter Schafer Du,
Und singe ihr selbst Deine Liedchen zu,
Nur schnell, daß sie bald Dir erreichbar".
Und als sie ihm grollend den Rücken kehrt,
So bittet der Sänger, schnellbelehrt:
"Wenn ich zu thöricht gesprochen, zu frei,
Du hohe, herrliche Frau, verzeih!
Zu scherzen wagt' ich verwegen.
Dir flammt ja mein Herz in liebender Gluth,
Und wenn Zauber in meiner Laute ruht,
So feiere Dich sie im
Minnedienst;
Am schönsten, herrlichsten Du mir schienst,
Und Jene - ist häßlich dagegen".
Nun lächelt ihm Luitgarde hold,
Bekränzet sein Haupt zum
Minnesold,
An seinem Finger ihr Ringlein blitzt,
Zu ihren Füßen der Sänger sitzt
Und läßt sich kosen und streicheln. -
Doch des Nachts er über die Mauer sich schwingt,
Zieht frei von dannen und spielt und singt:
"Ich danke für
Minnedienst,
höfische Gunst!
Frau Poesie, meine göttliche Kunst,
Ist zu gut zum lügen und schmeicheln".
_____
Ernst Schulze (1789-1817)
Minnedienst
An L. von ***.
Zwar jedes Herz ist vom Geschick
Zu zarter Sklaverei erkoren;
Doch segn' ich stets den Augenblick,
Der meine Herrscherin geboren.
Der Eine dient um feiles Gold,
Der Andre, daß er Ruhm gewinne;
Doch nimmer ist ein Dienst so hold,
Als der verschwiegne Dienst der
Minne.
Sonst war mein Herz so leicht und frei,
Und Rosen kränzten meine Stunden;
Doch Scherz und Lachen sind vorbei,
Seit deine Fesseln mich umwunden.
Und ach, doch ist mein Schmerz so süß,
Viel süßer als die schönsten Freuden,
Und wahrlich, für kein Paradies
Möcht' ich aus diesen Fesseln scheiden.
Nimmst du, o gütiges Geschick,
Was Jeder von uns wünscht, zu Herzen,
So kränze sie mit ew'gem Glück
Und mir laß' ewig meine Schmerzen.
_____
Karl Stieler (1842-1885)
Minneweisen
Frauenminne
Es ist wohl
Frauenminne
Ein blühender Rosenstrauch;
Ich ward der Rosen inne
Und seiner Dornen auch.
Doch ob sie mir zerrissen
Das Herze und die Hand,
Ich möcht' das Weh nicht missen
Zur Wonne, die ich fand!
Das ist wohl eine alte Lehr'
Das ist wohl eine alte Lehr',
Die kommt von langen Tagen her:
Wer
Minne will genießen,
Muß Lust mit Leiden büßen.
Und wer die
Minne erst
erstand,
Der trug wohl vieles Leid ins Land,
Daran die Herzen kranken
Und das sie doch ihm danken.
Denn hätt' ich niemals dich geseh'n
Und müßt' an dir vorübergeh'n
Und dürfte dich nicht lieben -
Wie arm wär' ich geblieben!
_____
Im
Rosengärtlein
Im Rosengärtlein deiner Wangen
War ich ein stiller
Minnegast;
Und wie mir's da so süß ergangen,
Das neidet mir ein König fast.
Wohl tausend Küsse tät' ich nehmen,
Mir sind die Lippen purpurrot -
Ich möcht' mich freu'n und möcht' mich schämen
All' meiner Seligkeit und Not!
_____
Zwiegespräch
Süße Frau, o spart die Worte,
Sie verklingen nur im Ohr;
Denn Vernunft hat enge Pforte
Und das Herz ein weites Tor!
Um vor Euch mich zu beschützen,
Sprecht mich nicht so weise an,
Süße Frau! denn wenig nützen
Weise Lehren wundem Mann.
Eure schönen Augen strafen
Alles Lügen, was Ihr sprecht -
Minne
hat so lang geschlafen - -
Minne
wacht und will ihr Recht!
_____
Der
Trauten
Du bist's, du schöne Traute,
An der mein Herz ward wund,
An der mein Frohsinn welkte,
An der verstummt' mein Mund!
Fort ist der Jugendschimmer,
Verloschen ist die Zier -
Und immer noch, noch immer
Hängt all' mein Herz an dir
Und an dem Leidgewinne,
Den ich bei dir gewann -
So selig ist die
Minne,
So töricht ist ein Mann!
_____
Frau
Minne
Es blitzt sein Aug', es bebt sein Mund,
Ihm ward so süß' zu Sinne,
Sie saßen nieder im grünen Grund -
Frau
Minne
kommt, Frau
Minne.
Er sprach: "Es keimt in Wald und Feld,
Die Blumen grüßen und winken,
Nur einmal noch laß mich die Wonne der Welt
Von roten Lippen trinken!
Von deinen Lippen heiß und weich!"" -
Da hat er sie umfangen ….
Der arme Herr Wernher, er war so reich
Mit seinen glühenden Wangen.
Die bunten Blümlein, sie nickten scheu,
Die Vöglein lockten und riefen -
Und über ihnen stieg ein Weih
In flutende Himmelstiefen.
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Minnelied
(XI.
Jahrhundert)
Hoch über der Welt liegt Sternenglanz,
Die Bäume flüstern im Winde,
Da schleichen zwei durchs tauige Feld
Unter die grünende Linde.
"Otfried, bist du's?" ""Bist du's, Gerlind?""
So fragen die zwei mit Bangen,
Dann ist in einem seligen Kuß
All' ihre Antwort zergangen.
"Bei Gott, wenn es mein Vater wüßt',
Er täte mich morgen bannen!"
""Und wüßt' es der meine, wie du mich liebst,
Ich müßte heut' noch von dannen!""
Sie neigte zurück ihr goldig Haupt,
Er faßt' es mit beiden Händen:
""So laß uns denn zu dieser Frist
Das Leid in Wonne wenden!
Die Vögelein und die Veigelein
Sind alle schlafen gegangen,
Dieweilen wir so traut allein
Am Hals einander hangen.""
Und unter der Linde tiefem Dach
Saßen die beiden nieder,
Nur manchmal fernes Rüdengebell -
Und totenstille war's wieder.
So wurden zwei in stiller Stund'
Einander ganz zu eigen.
Die alte Linde, sie deckt ihr Glück,
Sie deckt es mit Grün und – Schweigen!
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Aus den Nibelungen
So steht es im alten Liede,
Wo Siegfrieds Liebe loht:
"Es zwang sie zueinander
Der sehnenden
Minne Not."
So ist's auch uns ergangen:
Uns wurden die Wangen rot,
Uns wurden bleich die Wangen
In sehnender
Minne Not.
Wir werden auch verderben;
Denn Liebe ist stark wie Tod -
Es zwang uns zueinander
Der sehnenden
Minne Not!
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Im Haselstrauch
"Sag' mir, du grüner Haselstrauch,
Wie mag man
Minne wenden?
Du kennst ja Lenz und Wetter auch." -
""Laß sie mit Welken enden!""
"Dann, blaue Woge, lehr' mich du
Von Liebe heimwärts finden!
Du spielst ja ewig mit Sturm und Ruh!" -
""Gib deine
Minne den
Winden!""
"Mein klares Bächlein, klar und still,
Mag ich's bei dir erlauschen,
Wie Friede aus
Minne werden
will?" -
""Laß sie verrauschen, verrauschen!""
"Und wenn sie nicht verrauschen kann
Und kann sie den Winden nicht geben?" -
""Dann bleibst du wohl ein wunder Mann
Für all' dein langes Leben!""
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Moritz Graf von
Strachwitz (1822-1847)
Wie ich lieben könnte
Willst du mit Hand und Herzen sein mein eigen,
So bin ich dein mit meinem tiefsten
Minnen,
Mit meinem Denken, meinem Liedersinnen,
Und nie, beim Himmel! soll dies
Minnen
schweigen.
Nicht kann ich Gold und Lieblichkeit dir zeigen,
Nicht Prunk und Worte, die das Herz gewinnen,
Doch bis des Blutes Tropfen all verrinnen,
Bin ich dein Ritter, bis zum Sternenreigen.
Nicht kann ich mild, huldflehend vor dir knien,
Denn nimmer noch hat sich dies Knie gebeugt,
Als nur dem Herrn, der mir das Lied gegeben.
Durch Herz und Saite soll dein Bild nur ziehn,
Doch wenn dein Herz in meines sich verzweigt,
Darfst du es nimmer von mir heben.
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An die Frauen
Nicht in der Freude Glanzverklärung,
Im wonnevollen Blütensaum,
Im Zauberlächeln der Gewährung,
Im sonnelichten Liebestraum, -
Am liebsten mag ich euch erschauen,
Wenn ihr der
Minne
Wehe trinkt,
Wenn unterm Lilienkelch der Brauen
Die stumme Demantthräne blinkt.
Nicht in des Mittagshauches Kosen,
Nicht in der Maienlüfte Blau:
Es blühn am herrlichsten die Rosen
Im perlenhellen Abendtau.
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