
Franz Marc (1880-1916)
Liebespaar
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Stichwort: Opfer
16./17. Jh.
18. Jh.
19/20. Jh.
16./17. Jh.
18. Jh.
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Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Kurz und gut
Sollt ich mich denn so ganz an sie gewöhnen?
Das wäre mir zuletzt doch reine Plage.
Darum versuch ichs gleich am heutgen Tage
Und nahe nicht dem vielgewohnten Schönen.
Wie aber mag ich dich, mein Herz, versöhnen,
Daß ich im wichtgen Fall dich nicht befrage?
Wohlan! Komm her! Wir äußern unsre Klage
In liebevollen, traurig heitern Tönen.
Siehst du, es geht! Des Dichters Wink gewärtig
Melodisch klingt die durchgespielte Leier,
Ein
Liebesopfer
traulich darzubringen.
Du denkst es kaum, und sieh! das Lied ist fertig
Allein was nun? - Ich dächt, im ersten Feuer
Wir eilten hin, es vor ihr selbst zu singen.
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Johann Christian Günther
(1695-1723)
Eröfne mir das Feld der Brüste,
Entschleus die wollustschwangre Schoos,
Gieb mir die schönen Lenden blos,
Bis sich des Monden Neid entrüste!
Die Nacht ist unsrer Lust bequem,
Die Sternen schimmern angenehm
Und buhlen uns nur zum Exempel;
Drum gieb mir der Verliebten Kost,
Ich schencke dir der Wollust Most
Zum
Opfer
in der Keuschheit Tempel.
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19./20. Jh.
Udo Brachvogel
(1835-1913)
Wie soll ich meine
Gluthen Dir bekennen?
Es hat die Welt kein Wort um sie zu nennen.
In tausend Schmerzenslanzen will ich freudig
Für Dich, ein Winkelried der Liebe rennen.
Nimm hin zu stetem Schmuck mein Lied, mein Herzblut,
Und laß mich einst, wenn uns Dämonen trennen,
Zum Scheiterhaufen thürmend diese Lieder,
Zu Füßen Dir als
Opfer
mich verbrennen!
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Carl Ferdinand
Dräxler-Manfred (1806-1879)
Du fern, fern von mir, o Pein!
Ich kann es nicht länger ertragen,
Nicht länger kann ich durch Täuschung und Schein
Dieß Sehnen des Herzens vertagen.
Fern meinem glühenden Kusse, der still,
Gleich einer heiligen
Opferflamme
Auf dem Altare deiner Reize brennen will;
Fern meiner Sehnsucht, die einer Venus gleich
Aus den Wellen deiner Schönheit aufgestiegen,
Sich in deinen Armen, so weiß und weich
Liebetrunken einzuwiegen.
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Ilse Franke-Oehl
(1881-1938)
Liebesopfer
Laß uns glühende Rosen und Kerzen
Zum Altar des Lebens tragen.
Laß uns unsre blühenden Herzen
Opfernd zerschlagen.
Unsrer Liebe Brunst
Hat noch trüben Schein.
Aber in Rauch und Dunst
Bläst Gottes Odem hinein,
Wenn wir in Demut
Unsre Glut
Ihm weihn.
Vor seinem Atem zerstieben
Asche und Rauch.
Nun ist unser Lieben
Rein wie Gottes Hauch.
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Else Galen-Gube
(1869-1922)
Götzendienst
Ich knie vor dem Altar, den ich der Liebe
für dich geweiht, doch bring ich weder Kerzen,
noch Rosen, und auch Weihrauch streu ich nicht.
Ich hab für dich noch andre
Opferspenden.
Zum Allerheiligsten in meinen Händen
trag ich als Liebesgabe ein Gedicht.
Ein Lied, ein schlichtes Lied nur will ich singen
vom Glück, geboren einst in heilger Stunde,
ein Hymnus voller Jubel soll es sein.
Laß mich ihn knieend dir zu Füßen legen
und spende mir als Priester deinen Segen,
du, meines dunklen Schicksals Sonnenschein!
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Elisabeth Grube geb. Diez
(1803-1871)
Der Liebe
Opferdienst
Ein wundersames Räthsel ist die Liebe,
Sie thaut hernieder wie ein Maienregen
Und ihrem stillen mütterlichen Segen
Entkeimen hold die zarten Frühlingstriebe,
Auf daß mein Herz ein jugendfrisches bliebe
Strahlt mir dein Blick jungfräulich mild entgegen,
Vor deinem Gruße klopft's mit heißen Schlägen
Und schnell erwacht die Schlummernde, die Liebe.
O, zweifle nicht, siehst du den Schein erblassen -
Und ist es schwer das Ideal erreichen -
Wir zünden des Altares Flamm' auf's Neue;
Zum
Opferdienst
laß mich die Hände fassen,
Die anmuthvoll sich mir entgegen reichen,
Ich liebe dich, - ich glaub' an deine Treue.
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Ida von Hahn-Hahn
(1805-1880)
Trostlosigkeit
Warum weckt ihr, rauhe Lüfte,
Mich aus meinem Grab, so tief? -
Meine Liebe ist mir ferne -
O, wie ich so selig schlief!
Warum weckt mich Morgensonne
Aus des Traumes stiller Nacht? -
Weiß sie nicht: von Ihm zu träumen,
Holder ist's, als wenn sie lacht.
Warum wecken Blum' und Sterne
Glüh'nde Sehnsucht in mir auf,
Warum nehmen Flut und Wolken
Ewig meiner Liebe Lauf? -
Warum singen Nachtigallen
Mit dem süßen Klagelaut
Alle Schmerzen meines Busens,
Die ich keinem Ohr vertraut?
Ein Gedächtniß seiner Schöne
Ist für mich nur die Natur,
Und worauf der Blick auf falle,
Sieht er seines Wesens Spur.
Ewig wandelt mir zur Seite
Trauernd die Erinn'rung mit;
Wie ich Aug' und Sinn auch wende,
Sie nur leitet jeden Schritt.
Nun denn Liebe, heil'ge Liebe,
Dir geweiht sei mein Altar,
Und dies Herz, das du verzehrest,
Bringt sich selbst als
Opfer
dar.
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Wilhelm Ritter von Hertz
(1835-1902)
Komm, laß mit Myrthen dir umlauben
Der Wangen rothgeküßtes Licht!
Und frage nicht nach meinem Glauben,
Du kleiner Träumer, frage nicht!
Ob ich zum Himmelsbürger tauge,
Lehrt dieses Busens Heiligthum;
Es predigt mir dein dunkles Auge
Ein heitres Evangelium.
Und seit du meine Augenlider
Mit nektarfeuchtem Kuß geweiht,
Schau' ich die schöne Gottheit wieder
In aller ihrer Herrlichkeit.
Ihr Tempel ist der ew'ge Aether,
Dein Marmorleib ist ihr Altar,
Dort bringe ich, ein trunk'ner Beter,
Der Liebe
Flammenopfer
dar.
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Alma Johanna Koenig
(1887-1942)
Ich habe dich wie einen Gott verehrt,
den man lobpreisend nur in Hymnen nennt,
das
Opferfeuer,
das noch heute brennt,
das hat nicht Öl, mein Blut hat es genährt.
Ich, die der Liebe große Mythen kennt,
ich blieb wie alle Frauen unbelehrt -
denn nie ertrug's ein Mann je, so verklärt
zu ragen ins erbleichte Firmament.
Ich schuf dich neu, den Gott erschaffen hat,
ich gab dir Ewigkeit und pflückte mir
vom Kranze deiner Jugend Blatt um Blatt.
So
opfert
ich - und frevelte an dir.
Und der Ambrosia der Götter satt,
fraßest du dunkle Erde wie ein Tier.
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Herr, gib, daß ich den wilden Sinn bezwinge,
da mir die Qual geschieht, um die Du weißt!
Herr, gib mir, daß das Herz mir nicht vereist,
wenn ich sein Alles Dir zum
Opfer
bringe!
Herr, gib, daß nicht mein Wunsch das Band zerreißt,
das mich noch fesselt an die Welt der Dinge!
Herr, gib, daß Deinen Frieden ich erringe,
wenn ich vollbracht, was Dein Gebot mich heißt.
Dein Wille, nicht mein armer Wunsch geschehe.
Du weißt es, Herr, woran es mir gebricht.
Durch Tränenschleier ahn ich Deine Nähe.
Nur Du, o Herr, - nur Du verlaß mich nicht,
da ich am Abgrund aller Welten stehe.
Im Dunkel stehe. Denn mir brennt kein Licht.
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Theodor Körner
(1791-1813)
Poesie und Liebe
Der Sänger rührt der Leier goldne Saiten,
Und in der Seele ist das Lied erwacht;
Es strahlt durch das gewalt'ge Reich der Nacht
Ein göttlich Licht zum
Opfer
aller Zeiten.
Ein Wesen nur vermag den Klang zu deuten;
Es naht sich still in süßer Himmelspracht,
Und wie vom Götterhauche angefacht,
Erglüht das Lied, die Wolken zu durchschreiten.
Da wogt ein üpp'ges Meer von Harmonieen;
Es schwebt das trunkne Lied im Strahlenflore
Durch Lichtgefilde einer ew'gen Klarheit.
Wo Lieb' und Dichtkunst ineinander glühen,
Da öffnen sich des Himmels Rosentore,
Und aufwärts fliegt das Herz zur heil'gen Wahrheit.
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Rosa Mayreder (1858-1938)
Bei jenem Glück, das wir vereint genossen,
Ein Glück, das paradiesisch wunschlos war,
Als ich dich mir gewann und morgenklar
Der Neigung erste Strahlen dich umflossen -
Bei jenen Tränen, die du einst vergossen,
Beredte Zeugen einer heilgen Wahl,
Als sich vor deinem Blick zum ersten Mal
Die Tiefe meiner Liebe aufgeschlossen -
Laß uns, die dunklen Mächte abzuwehren,
Die aus dem Bann sich reißen, der sie hielt,
Das Werk des lichten Reiches zu verheeren -
Wie fromme Seelen weihen
Opferkerzen,
Entzündet vor der Himmelsliebe Bild,
Laß uns als
Opfer
weihen unsre Herzen!
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August Graf von Platen
(1796-1835)
Es sei gesegnet wer die Welt verachtet,
Denn falscher ist sie, als es Worte malen:
Sie sammelt grausam unsern Schmerz in Schalen,
Und reicht zum Trunk sie, wenn wir halb verschmachtet.
Mir, den als Werkzeug immer sie betrachtet,
Mir preßt Gesang sie aus mit tausend Qualen,
Läßt ihn vielleicht durch ferne Zeiten strahlen,
Ich aber werd als
Opfertier
geschlachtet.
O ihr, die ihr beneidetet mein Leben,
Und meinen glücklichen Beruf erhobet,
Wie könnt in Irrtum ihr so lange schweben?
Hätt ich nicht jedes Gift der Welt erprobet,
Nie hätt ich ganz dem Himmel mich ergeben,
Und nie vollendet, was ihr liebt und lobet.
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