
Franz Marc (1880-1916)
Liebespaar
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Stichwort: Süß
16./17. Jh.
18. Jh.
19/20. Jh.
16./17. Jh.
Hans Aßmann Freiherr von
Abschatz (1646-1699)
Mit was vor
Süßigkeit / o zarter Mund /
Beküß ich den Rubinen-Grund!
Mit was vor
Süßigkeit hör ich die Lippen sprechen /
Die voller Honig-Worte seyn!
Ach aber / schöpff ich ein Vergnügen ein /
So muß ich unterdeß des andern mich entbrechen.
_____
Sie zog dem Munde zu
Der ihren Mund berührte /
Zur Wallstatt seiner Ruh
Sein treues Herze führte /
Es in ihr Herz versenckte
Und ihr zu eigen schenckte.
Ach / sprach er / voller Lust /
Seht die Rubinen-Schalen
Voll
süsser Nectar-Kost /
Voll Arztney meiner Qualen!
Wer wolte vor die Freuden
Nicht willig Mangel leiden?
_____
Laßt Bienen auff den Klee
Nach
süsser Nahrung fliegen!
Hier quillet eine See
Voll Anmutt und Vergnügen.
Drum laß ich mir vor allen
Den
süssen Mund gefallen.
_____
Die Küsse
Cupido raubt einmahl den Bienen ihren Safft /
Und ward dabey verlezt. Er trug voll Zorn und Rache
Den angenehmen Raub auff meiner Fillis Mund /
Sprach: Daß die Welt niemahls vergesse dieser Sache /
So schmecke / wer dich küßt / des Honigs
süsse Krafft /
Und werde / gleich wie ich / doch an dem Herzen / wund!
_____
Ach!
Du fragst / was sagen will diß Ach!
Das ich bey deiner Ankunfft sprach?
Es sprach: Ach! seht die holden Wangen /
Seht die beliebte Fillis an;
Da kommt auff Rosen-voller Bahn
Mein Tod / mein
süsser Tod / gegangen.
_____
Laß dir die
süssen Schmerzen
Der Liebe bringen bey.
Dir steht von tausend Herzen
Die Wahl zu nehmen frey:
Laß dir die
süssen Schmerzen
Der Liebe bringen bey.
_____
Wohl dem / der nicht vonnöthen hat
Gesunde Kost zu nehmen ein /
Dem an der herben Pillen statt
Gelinde Zucker-Körner seyn /
Dem der beliebte Reben-Safft
Vor
süssen Julep giebet Krafft.
Es schmeckte nächst Clorellens Mund
Aus ohngefähr geschöpffter Lust /
Was krancke Leute macht gesund.
Wie schlecht bekam ihr diese Kost.
Was andern Krafft und Stärcke bracht /
Das hatte sie bald schwach gemacht.
Doch geht es dir nicht so allein /
Clorelle / meine
süsse Zier:
Ich muß auch so gestraffet seyn /
Und leide gleiche Pein mit dir:
Dein Blick / der andre laben kan /
Hat meinem Herzen weh gethan.
Der
süsse Vorschmack deiner Gunst
Erreget mir den kalten Brand;
Hier hilfft mir keines Arztes Kunst /
Mein Wohlseyn steht in deiner Hand /
Eh ich kan deinen Zucker-Mund
Beküssen / werd ich nicht gesund.
_____
Worzu dient so
süsses Blicken /
Wenn du bist in nichts verliebt?
Ists / daß unser Seuffzer-schicken
Cloris dir Vergnügen giebt?
_____
Lieb' und Gegen-Liebe geben
Süsse Lust und stille Ruh /
Wer von Liebe frey will leben
Bringt sein Leben übel zu.
_____
Ihr Augen / die ich lieb und ehr /
Ihr meine Lust und
süsse Pein /
Was netzet ihr die trüben Wangen /
Was sagt mir euer blasser Schein?
Habt ihr mein Herze nicht empfangen?
Was fodert / was verlangt ihr mehr?
_____
Die bitter-süsse Dulcinde
Kind / deine Freundligkeit
Kan Freud und Lust erwecken /
Wo Trauren / Sorg und Leyd
Im innern Herzen stecken:
Man sieht auff deinen Wangen
Narziß‘ und Rose prangen.
Doch will ich was darvon
Mit
süssem Zwange brechen /
So pfleget mich zum Lohn
Ein scharffer Dorn zu stechen.
Ich darff nicht frey bekennen
Wie Herz und Seele brennen.
Wilt du mit gutem Recht
Dulcindens Nahmen führen /
Laß deinen treuen Knecht
Genad und Gunst verspüren.
Den Honig auff dem Munde
Verderbt die Gall im Grunde.
_____
Was rauscht und brummet deine Flutt
Du helle Bach / im Mittel dieser Auen.
Du kanst das
süsse Kind Climenen täglich schauen.
Was hat bey solchem edlen Gutt
Sich zu beschweren deine Flutt?
_____
Ach / Seuffzer geht / doch sonder laut zu seyn /
Weist wie ich muß mein treues Herze zwingen /
Blast ihrem Ohr in meinem Nahmen ein:
Darff ich dir /
süsse Frucht / kein redend Opffer bringen /
Der heißre Widerhall schreyt Tag und Nacht für mich /
Ich liebe nichts als dich.
_____
Ach könt ich / eh der Geist sich setzet bey den Sternen /
Eh sich mein Schatten findt im Elysee-Walde /
Geschieden von der Last / die werden soll zur Erde /
Genüssen ihrer Gunst! die Zeit von einem Tage
Bringt funffzig Wochen ein / ein Blick der Morgenröthe /
Ein
süsser Blick ist mir der Mittag heller Sonne.
Der lichten Augen Paar läst hinter sich die Sonne /
Der Sternen-Himmel prangt mit diesen Angel-Sternen /
Der Rosen-Wangen Zier beschämt die Morgenröthe /
Der
süssen Stimme Schall die Nachtigall im Walde /
Wer schätzte nicht mit Ihr beseligt seine Tage!
Ach aber / was verlangt der leichte Staub der Erde?
Mich decket in der Erd ein dünnes Brett vom Walde /
Eh mir so
süssen Tag vergönnen Glück und Sternen /
Eh mir die Morgenröth erscheint von dieser Sonne.
_____
Ich bringe wieder her und über mein Verhoffen
In diß betrübte Land der siechen Glieder Last /
Den Tod / den ich gesucht / hab ich nicht angetroffen /
Ich habe mir umsonst zum Sterben Mutt gefast;
Weil ich / mein
süsser Tod / von dir entfernt gewesen /
So hab ich nicht gekönnt noch sterben noch genesen.
Das macht dein edles Bild / in meine Brust gepräget /
Das ich in deine Hand zu lieffern schuldig bin.
Schau deinen Knecht / der sich zu deinen Füssen leget:
Nimm diesen edlen Schatz samt meinem Herzen hin.
Ich sterbe wohl vergnügt / ich sterbe gnung beklaget /
Wenn nur dein Mund / Ade du treue Seele / saget.
_____
Ich finde mich im Mittel meiner Schmerzen
Bey Amaranthen wieder ein /
Ein
süsser Blick kan meinem krancken Herzen
Vergelten die erlittne Pein.
Jedoch was soll für Hülffe meinen Schmerzen
Durch ihrer Augen Glanz geschehn:
Ich habe sie zu Schaden meinem Herzen
Bereits nur allzuviel gesehn.
_____
Kein Hoffen / kein Ergötzen
Kan den Verlust ersetzen
Den ich gehabt an ihr:
Es wachsen meine Wunden /
Wenn mir die
süssen Stunden
Im Herzen kommen für.
Ich weiß / was mir genommen /
Obs möchte wiederkommen
Weiß weder sie noch ich.
Die Mittel sind zu linde.
Der Pein / die ich empfinde /
Kein Arzt weiß Rath für mich.
_____
Ich frage sie / ob sie nicht weiß /
Wie offt der heissen Thränen Schweiß
Hat meine Wangen übergossen.
Ich frage sie / wo ist die Zeit /
Da ich Celindens Höfligkeit
In
süsser Gegenwart genossen.
Wo sind die schönen Stunden hin /
Da ihre Freundschafft meinen Sinn
Mit klugen Reden hat vergnüget /
Da wir / doch sonder Feind zu seyn /
O
süsse Quelle meiner Pein!
Mit Wort und Karten offt gekrieget.
_____
Er suchet Silvien mit Freuden /
Und findet bey ihr seine Pein.
Wenn sich die Augen an ihr weyden /
So schmacht das Herz in Flammen ein.
Von ihrer
süssen Augen Blitze
Empfindt sein Herze Frost und Hitze.
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Zwar hoffet solche
süsse Gunst
Von Celimenen nur umsunst
Ein Herze / das verdammt zu leyden.
Sie glaubets nicht / sie achtets nicht /
Daß mich die heisse Sonne sticht /
Biß ich mich werd in Asche kleiden.
_____
Anonyme Barockdichter
Die vortrefflichkeit der küsse
Ach bluhmen schöner art / die deine lippen zieren /
Von rosen will auff dir ein holder purpur blühn /
Mich wil ein heisser trieb zu deinen knospen führen /
Laß mich den bienen gleich nach
süsser beute ziehn /
Kein hartes ungestümm soll deine knospen brechen /
Kein scharffer stachel soll die zarten lippen stechen.
Doch so du selber wilst die
süsse wohnung bauen /
Laß meine lippen dir an statt des stockes seyn /
Laß mich bald deinen fleiß / o zartes bienchen! schauen /
Komm trag in meinen mund der säffte Necktar ein;
So kan / wenn ich gleich nicht darff deine blüten küssen /
Ein
süsser Alicant von deinen lippen flüssen.
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Ich höre noch die holden Amber-worte /
So ich bekam von deiner purpur-pforte /
Ich schmecke noch den
süssen zucker-thau /
So ich genoß auf deiner lippen au.
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Ach! ihr lippen im geblütte
Der verliebten eingetaucht!
Führt ihr reizend zu gemütte /
Was ihr zur erquickung braucht /
Wiltu / so will ich / mein leben /
Dir die
süsse nahrung geben.
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Himmel! was vor bittrigkeit
Heget doch die
süsse liebe!
Heute helle / morgen trübe
Ist ihr bestes ehren-kleid.
Himmel / was vor bittrigkeit
Heget doch die
süsse liebe!
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Sie schloß mich ganz gebunden
In ihre armen ein:
Ach daß der
süssen stunden
Noch solten tausend seyn.
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Ein strahl von deinen liebes-blicken
Hat meine geister angesteckt;
Was nun die flammen mir erweckt /
Das kan hinwieder auch erquicken:
Drum such ich auch bey dir allein
Die
süsse lindrung meiner pein.
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Schläfft meine Göttin hier in irrdischer gestalt /
Und ruht daselbst / wo ich darff keine ruhe hoffen?
Ist dieser kleine platz ihr
süsser auffenthalt /
Von welcher Venus wird mit anmuth übertroffen?
Schließt dieses bette
Die zarten glieder ein?
Und will Rosette
Auch schlaffende hier angebetet seyn?
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Süsse brunst vergnügter flammen /
Brand! der mich aus mir entzückt;
Bringet eure glut zusammen /
Biß es geist und seel erqvickt;
Last eur feuer in mich rinnen /
Ich vergönne freien lauff /
Meine glieder / geist und sinnen
Opffre ich zum altar auff /
Denn ich nunmehr frey bekenne /
Daß ich ganz vor liebe brenne.
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Was hilffts / daß meine lust
Stets in gedancken spielet?
Und deine liljen brust
Im traume küst und fühlet?
Die nacht giebt unserm wahn
Viel tausend
süsse stunden /
Und wenn der tag bricht an /
Ist alles schon verschwunden.
_____
So hat niemand geliebt / und niemand weiß es so /
Die seelen nur allein beschlossen was geschehen /
Der monde hat uns offt ganz holdreich zugesehen /
Er ward an meiner brust / und ich an seiner froh;
Sein mund hier mein rubin / ich schenckt ihm himmels-flüsse
Und selbte macht ich noch mit liebes-zucker
süsse.
_____
Bey übersendung einiger Confituren
Hier will dein armer knecht ein schlechtes opffer schicken /
Der selbst auf deinem mund ein opffer wünscht zu seyn.
Bestrahlstu dieses pfand mit gunst geneigten blicken /
So wird der himmel selbst mein herz mit lust bestreun.
Nim es in gnaden an diß kleine demuths zeichen /
Das zwar vor deinen mund / mein licht / gewidmet ist:
Doch mag kein zucker nicht dem
süssen nectar gleichen /
Der wie ein honig-thau auf deinen lippen fliest;
Kein Amber kan so sehr den matten geist erquicken /
Als wohl von deinem mund ein heiß entzündter kuß;
Wann wird der himmel doch einst deinen knecht beglücken /
Daß er auch schmecken darff den
süssen überfluß?
_____
Die liebe ists allein / die meine geister treibet
Und macht / daß diese glut aus meiner seelen bricht.
Ich sag es öffentlich: dein aug hat mich verletzet /
Es hat mir eingeflöst den
süssen liebes-gifft /
Der meinen matten geist in heisse funcken setzet /
Ja durch und durch mein blut in allen adern trifft.
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Alsdenn wird tag und nacht sich von einander scheiden /
Denn wird mein kind / Asterie,
In deinem
süssen himmels-klee
Mein fast erstorbner leib die matten geister weiden /
Denn reichet mir dein mund was
süssers als Confect
Und ich dir einen kuß / der nach dem herzen schmeckt.
_____
Doch muß der abschied uns gleich kräncken /
Den glück und zeit mir aufferlegt /
Soll doch dein
süsses angedencken /
Mir sein tieff in das herz geprägt /
So lang ich noch begeistert bin /
Und man mich einen menschen nennet /
So lange soll sein ungetrennet /
Der dir ergebne liebes-sinn.
_____
Kann ich dich nicht wie vor anblicken /
Will ich dich in gedancken sehn /
Dir durch die lüffte küsse schicken /
Und sie mit seuffzern zu dir wehn /
Gibt mir der tag dazu nicht raum /
So soll mein herz bey nachtes-schatten /
Sich offt mit deinem geiste gatten /
In einem
süssen liebes-traum.
_____
Lichte glutt in vollen flammen
Ziehet keinen rauch zusammen;
Liebe die in vollem brennen /
Läst sich nicht die zeit zertrennen.
Strahlen / die man recht empfunden /
So / daß man auch
süsse wunden
Hat erlangt von solchen qvählen /
Lassen schwerlich sich verhelen.
_____
Ach! aber ach! wer will das
süsse lieben /
Dem fehler sonder fehler zehlen zu?
Der himmel heist es selbst uns menschen üben /
Und schafft dadurch der Welt die höchste ruh /
_____
Warum hab ich bey dir genade funden /
Wenn mich dein blick so grausam tödten will /
Du fingst schon an zu heilen meine wunden /
Nun enderstu das höchstbeliebte ziel;
Den Nectar den ich schon geschmecket /
Auff deiner wangen
süssen rosen-feld /
Hat bey mir solchen durst erwecket /
Der mich biß dato noch gefangen hält.
_____
Kan schönheit nun so
süssen Nectar schencken /
Der Fürsten blendt und helden taumeln lehrt /
Was wunder? wenn sie uns mit zauber-träncken /
Den geist auffs neu mit liebe hat bethört /
Ich wag es noch einmahl / und fehl ich gleich auch heute /
So ist mein fehler doch ein fehler grosser leute.
_____
Will dein herze mich verlassen /
So will ich mit lust erblassen /
Und verschmachten in der brunst;
Deinen mund einmahl zu küssen /
Soll mir meinen tod
versüssen /
Sterb ich nur in deiner gunst.
_____
Ich mameluckin der natur
Darf keine rechte liebes-spur
Vor meines liebsten augen lassen /
Mein herze soll entzündet seyn /
Mein herze fühlt die
süsse pein /
Und mit den lippen muß ich hassen.
_____
Hört gleich mein Celadon itzt nicht /
Was mein verliebtes herze spricht
Und meine treue seele bringet /
Weiß schon die meisterin der zucht /
Daß meine brunst die maße sucht /
Und sich mein reines auge zwinget.
So hoff ich dennoch auf die zeit /
Da sich der glieder zanck und streit
In fried und freyheit wird verkehren;
Und daß des herzens
süsser brand /
Des willens unbequemes band
Durch seine flammen wird verzehren.
_____
Simon Dach (1605-1659)
Du kanst dich tieff in unsre hertzen sencken,
Und nimst mit
süsser pein
Da, wo wir es am wenigsten gedencken,
Den platz der seelen ein;
Daß man liebet ohne ruh,
Süsse Venus, das machst du.
_____
Wer der heyraht
süssigheit
Einmal recht empfunden,
Macht sie ihm gleich manche zeit
Noch so grosse wunden,
Dennoch bleibt ihm die begier
Allzeit nur nach ihr.
_____
Liebe, wolstand aller zeit,
Mutter
süsser freundlichkeit,
Kron und glantz der höchsten gaben,
Du gewünschtes himmels-kind,
Schatz der schätz', erbärmlich sind
Die erst, welche dich nicht haben.
_____
Ach, man kennt dich an dem bogen,
Süsser Amor, deine tracht
Hat dich leichtlich kunt gemacht!
O, komm glückhafft eingezogen!
Komm, verübe deine pflicht,
Triff das hertz und fehle nicht.
_____
Paul Fleming (1609-1640)
O Schönste der schönen/
benimm mir diß sehnen.
Komm/ eile/ komm/ komme/
du
süße/ du fromme.
Ach Schwester/ ich sterbe/
Ich sterb'/ ich verderbe.
Komm komme/ komm/ eile/
komm/ tröste/ komm/ heile.
Benimm mir diß sehnen/
O schönste der schönen!
_____
Wenn du mich köntest lieben/
O du mein Ich/
gleich wie ich dich/
So wär' ich ohn betrüben.
Daß du mich aber nicht hältst wehrt/
das ists/ das mich so sehr beschwert.
Sonst allen dich alleine
setz' ich weit für/
das schwer' ich dir/
bey Föbus güldnem Scheine.
Bey Gott Kupidos
süßer Glut/
dir nur alleine bin ich gut.
_____
Wie kan ich ohne Haß/ dich/ Dulkamara/ lieben/
du bitter-süße du? Bald bist du gar zu gut.
Bald/ wenn ein schlechter Wahn ersteiget deinen Muth/
So steht mein naher Todt umm deiner Stirn geschrieben.
_____
Willkommen/
süßer Gast/ du Balsam meiner Wunden.
Wo kömmst du itzund her? Mein Schatz/ umfange mich
Was hältst du mich doch auff? warum versteckst du dich?
Wo bist du? komm doch her/ ey komm doch her von Stunden.
_____
O du schöne Salibene!
Salibene/ O du schöne!
schau doch/ wie sich Alles liebt/
und in
süßen Freuden übt.
Alles wird durch Lust gerühret.
Wir nur gönnen unsre Zeit
der verstoßnen Einsamkeit.
Denck' ob diß sich auch gebühret.
_____
Mein Lieb das gabe mir, als sie mich gestern liebte,
ein
süßes
Küsselein, noch
süßer
als der Wein,
der sonst der
süßste
heißt. Ich, als sie diß verübte,
entfärbte gänzlich mich. Ich nam ihr Hälselein
und hing mich sehnlich dran. Ich sah in einem Sehen
ihr in ihr Angesicht'; ich sah ihr stetig drein
und hing das Haupt nach ihr. Ach, sprach ich, kans geschehen
daß du, mein Leben , kanst mir Armen günstig sein?
_____
Eine hab' ich mir erwälet
und die solls alleine sein,
die mich fröhlich macht und quälet
doch mit einer
süßen
Pein.
Ihrer Tugend reine Pracht
hat mir ihre Gunst gemacht.
_____
Geuß die Stralen deiner lieben,
deiner
süßen
Treflichkeit
in mein Herze , das sich freut,
sich um dich auch zu betrüben.
Deine keusche Schönheit macht,
daß mein Mund auch weinend lacht.
_____
Ich bin froh bei höchstem Schmerze,
denn ich weiß ein treues Herze.
Nichts ist
süßers, als zwei Treue,
wenn sie eines worden sein.
Diß ists, das ich mich erfreue,
und sie giebt ihr ja auch drein.
Mir ist wol bei höchstem Schmerze,
denn ich weiß ein treues Herze.
_____
An ihren Mund, als er sie umfangen hatte
Itzt hab' ich, was ich will und was ich werde wollen.
Du Wohnhaus meines Geists, der als zu einer Tür'
itzt ein, itzt aus hier geht; ihr güldnen Pforten ihr,
die auch die Götter selbst um Schöne neiden sollen,
ihr hohen Lippen ihr, die ihr so hoch geschwollen
von feuchter
Süße
seid, itzt hab' ich eure Zier,
das Wesen, das man selbst dem Leben setzet für,
dem täglich wir ein Teil von unserm Leben zollen.
Ihr Bienen, die ihr liegt an Hyblens
süßen
Brüsten
und saugt die edle Milch, den Honigreif mit Lüsten,
hier, hier ist mein Hymet. Komt, fliegt zu mir herein.
Seht, wie das hohe Tun, das trefliche, das starke,
das der Mund meinem gibt, sich regt in Seel' und Marke!
Ach! daß mein ganzer Leib doch nichts als Mund solt' sein!
_____
Was
hab ich anders doch, Kordolie, an dir,
als Leid, als Herzensangst, als ganz ein totes Leben,
du, große Zäuberin, hast mir die Liebe geben,
die einen
süßen
Haß erwecket stets in mir.
_____
Es sei! Ich habe Trost von ihrer Gunst gehabt,
der
süßen
Lieblichkeit mit halber Lust genoßen;
wer aber denkt auch das, was drunter war verschloßen;
wie bald ihr, Schmerzen, doch die Freuden untergrabt,
und wie ihr, wenn ihr kompt, so langsam wieder trabt?
_____
Der Zucker meiner Not, das Labsal meiner Pein
und was dem Kranken sonst pflegt recht gesund zu sein,
das Alles ist mir, Schatz, dein güldnes Angesichte.
O Sonne meiner Lust, schein' ewig so, wie itzt.
Du bist die
süße
Glut, die meinen Geist erhitzt,
von dir, Glanz, nehm' ich Schein, von dir, Licht, werd' ich lichte.
_____
Es geht mir gleich wie dir. Wir haben gleiche Freuden
und gleiche Schmerzen auch. Was uns bei Nacht' ergetzt,
das eben ists, das uns den müden Tag verletzt.
Je
süßer
ist die Lust, je herber ist das Leiden.
_____
Mein Mund ist von der Zeit mit Tränen noch genetzet,
als ich zu dir sprach: Schatz, das ist der letzte Gruß!
und du, mein
süßer
Trost, mir gabest einen Kuß,
der mich auch itzund noch betrübet und ergetzet.
_____
Er redet den Mund seiner Freundin an, die er
bei sich hatte
Hab' ich dich nun einmal, du Kühlung meiner Hitze,
du Labsal meines Dursts, den du mir selbst gemacht
nach deinem Lebenstau, als du mich angelacht
und ernstlich hast bestrahlt mit deiner Äuglein Plitze!
Wol mir Glückseligem, der ich den Göttern sitze
selbselbsten in dem Schoß'! Ich find an mir vollbracht
all', alle
Süßigkeit, so werden kan erdacht,
und biete nun auf Lust den Göttern selbst die Spitze.
_____
Georg Greflinger (um 1620-1677)
Aber ach ich
muß mit Schmertzen/
Und mit überflammten Hertzen
Die allein dein
süsses küssen
Liebste/ wird zu dämpfen wissen
Mich gedulden/ biß der Tag
Meiner Freuden kommen mag.
_____
O wie blinckt jhr Augenlicht/
Gleich den hellen Sonnenstrahlen/
Wer vermag den Mund zu mahlen/
Der so lieblich sieht und spricht/
O was Feuer wird gefühlt/
Wann ihr
süsses Zünglein spielt!
_____
Ach wen hastu nun gefangen
O du
süsser Rosen Mund/
Dessen Kuß mich so verwundt/
Und auch ihr/ ihr Rosen Wangen/
Und auch du o Lilgen Brust/
Wer ist jetzo deine Lust?
Vormals/ lasset euch bescheiden/
War ich euch vor allen Freunden.
_____
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616-1679)
Auff euren
hügeln / schöne brüste /
Hat eine werthe mildigkeit
Den
süssen saamen aller lüste
Zu vollem wachsthum ausgestreut:
Hier ist die
süsse frucht der welt /
Die nach dem paradiese schmecket /
Darein der starcke leim verstecket /
Der alle welt zusammen hält.
_____
Albanie / der schönen augen licht /
Der leib / und was auff den beliebten wangen /
Ist nicht vor dich / vor uns nur zugericht /
Die äpffel / so auff deinen brüsten prangen /
Sind unsre lust / und
süsse anmuths-see.
Albanie.
_____
Ich küsse gnug / und spiele in gedancken /
Gedancken aber speisen nicht.
Manch
süsser traum setzt mich in liebes-schrancken;
Was ist ein traum beym tage-licht?
Diß blendwerck schwindet wie ein dunst /
Und das ergetzen ist umsonst.
_____
Die lieb ist unvernunfft / die mit vernunfft vermengt /
Ein fried-gesellter haß / betrug vermischt mit glauben /
Ein' hoffnungsvolle furcht / ein schiffbruch / dessen rauben
Uns dennoch
süsse dünckt / ein stein so uns bedrängt /
Ein angenehm Charybd / und ein gesundes krancken /
Ein hunger der sich muß mit seiner sattheit zancken /
Ein vollgezechter durst / und trunckne nüchternheit /
Ein schönes freuden-spiel / das garstig unglück endet /
Ein port der uns verschlingt / wenn man schon angelendet /
Ein
süsser übelstand / und üble
süssigkeit /
Ein bittrer honigsafft / der von geruch beliebet /
Und der uns im geschmack gifft / pest und galle giebet /
_____
Auff den mund
Mund! der die seelen kan durch lust zusammen hetzen /
Mund! der viel
süsser ist als starcker himmels-wein /
Mund! der du alikant des lebens schenckest ein /
Mund! den ich vorziehn muß der Inden reichen schätzen /
Mund! dessen balsam uns kan stärcken und verletzen /
Mund! der vergnügter blüht / als aller rosen schein.
Mund! welchem kein rubin kan gleich und ähnlich seyn.
Mund! den die Gratien mit ihren quellen netzen;
Mund! Ach corallen-mund / mein eintziges ergetzen!
_____
Wo sind die stunden
Der
süssen zeit /
Da ich zu erst empfunden /
Wie deine lieblichkeit
Mich dir verbunden?
Sie sind verrauscht / es bleibet doch dabey /
Daß alle lust vergänglich sey.
_____
Bleßin' ich schrey itzund / ich fühle deine bisse /
Doch wo Bleßine beißt / da richt sie lachen an.
Beiß / beiß Bleßine / beiß / dein beissen ist so
süsse /
Daß ich vor liebligkeit fast nicht mehr leben kan.
_____
Itzt schließ ich diesen brieff. Bleßine / das gelücke
Das müsse nimmermehr verändern deinen fuß /
Die sterne senden dir dergleichen freuden-blicke /
Vor denen traurigkeit zu asche werden muß.
Es reihe mich und dich durch einen drat zusammen /
Es streu uns überall vergnügungs-körner ein /
Und lasse ungestört / bey diesen
süssen flammen /
Dein hauß mein paradieß, dich meinen engel seyn.
_____
Ach! könte doch mein geist durch meine feder fliessen!
Wie gerne schlöß er sich in diese reimen ein /
Wie emsig würd' er dir die
süssen lippen küssen /
Und einer biene gleich auff deinen rosen seyn.
_____
Mich tröstet endlich noch ein
süsses angedencken /
Wie dein geneigter blick so freundlich mich empfing;
Laß ihn doch dergestalt bald wieder auff mich lencken /
Wenn er als morgen-stern mir frisch entgegen gieng.
Diß alles kützelt mich empfindlich im gemüthe.
Mich deucht / ich schmecke noch den
süssen liebes-most.
Und die erinnerung erschüttert mein geblüte /
Und rühret noch in mir die funcken meiner lust.
_____
Arbin' / es muß dein eiß in flammen sich verkehren:
Entschleuß mir wiederum die schätze deiner brust /
Laß deinen nebel sich in sonnenschein verkehren /
Und spare doch nur nicht die tropffen
süsser lust.
Sprich nur ein
süsses wort aus deinem schönen munde /
Dein wincken macht bey mir den grösten feyertag:
Benenne mir doch bald die angenehme stunde /
Da ich dich wiederum vertraulich küssen mag.
_____
Schwarze augen
Wir schwarzen wolcken wir / mit sonnen angefüllet /
Wir schönes finsterniß / da Venus wache hält;
Wir duncklen brunnen wir / da blitz und feuer quillet /
Wir sind besiegerin der freyheit dieser welt.
Das eiß zerschmelzt für uns / das eisen muß uns weichen /
Die felsen geben nach / es bricht der diamant;
Den purpur heissen wir durch unsre macht erbleichen /
Und manches herz zerfleußt durch diesen
süssen brand.
_____
Weisse brüste
Wenn alles reden will / wie können wir denn schweigen?
Es will zwar nicht der schnee von unsern hügeln gehn;
Doch wollen flammen sich auch auff den spitzen zeigen /
Die rüstig tag und nacht in vollem brande stehn.
Wer einen leichten blick in diesen circkel schicket /
Der wird alsbald bestrickt durch
süsse zauberey /
Das netze / so mit lust den leichten geist bestricket /
Reist keine helden-hand und harter stahl entzwey.
_____
Rothe lippen
Die seelen pflegen hier zusammenkunfft zu haben /
Und speisen sich mit lust durch
süssen honigseim:
Hier pflanzet die natur den reichthum ihrer gaben /
Und Venus kocht allhier den allerbesten leim.
Ein tropffen recht gebraucht / leimt geist und geist zusammen /
Thut nun der leim zu schlecht des mundes kräffte kund /
Und zeiget nicht genung die funcken meiner flammen /
So küsse man alsbald doch einen schönen mund.
_____
Ich singe tauben ohren /
Dein schönes antlitz kennt mich nicht /
Hab ich der freundschafft
süsses licht /
Mein bestes kleinod ganz verlohren?
Wird denn mein tag zu düstrer nacht?
Soll ich mich lebendig begraben?
Und deiner augen schöne pracht /
So vormahls sonne war / itzt zu cometen haben?
_____
Ich küsse noch die stunde /
Da ich den ersten liebes-kuß /
Aus keuscher freundschafft überfluß /
Genoß aus deinem zucker-munde:
Das reine siegel / so von dir
Auff meine lippen ward gedrücket /
Hat auch die seele selbst aus mir
In
süsse bande hingerücket.
_____
Geliebte Flavia / mich brennen deine thränen /
Das
süsse naß beflammet meinen Geist /
Dein heisser seuffzer macht mir jammer-reiches sehnen /
So mich zu dir mit steiffen banden reist;
Wilstu / o Flavia / daß Criton soll verderben /
So sage nur von deinen todt und sterben.
_____
Es wird die welt dir
süssen weyrauch brennen /
Wenn du / o schönstes götter-kind /
Auff deinem thron dich läst barmherzig nennen /
Wenn man von dir genade find /
So wird dein thun den engeln gleichen /
Und dein erbarmen sie erweichen.
_____
Deine purpur-rothe wangen /
Die ich doch nicht angerührt /
Haben meinen geist gefangen /
Die ihn sclavisch zugeführt;
Und die liljen deiner brüste /
Deiner lippen
süsse lüste /
Machen durch den zwang
Mich kranck /
Daß ich vergeh /
Und dir sterb' / Arcadie.
_____
Als göttin will ich dich verehren /
Nimm nur mein herz zum weyrauch an /
Und laß das
süsse wort mich hören:
Daß man gehaßte lieben kan;
So wirst du recht der sonne gleichen /
Die schwärzen kan und wieder bleichen.
_____
Wer wollte sich durch dich nicht willig lassen binden /
Das angenehme wunder-licht /
So aus den schönen augen bricht /
Läst nichts als morgenschein und
süsse lust empfinden.
Die seuffzer / so allhier das herze fahren läst /
Hat nur der überfluß der anmuth ausgepreßt.
_____
So soll der purpur deiner lippen
Itzt meiner freyheit bahre seyn?
Soll an den corallinen klippen
Mein mast nur darum lauffen ein /
Daß er an statt dem
süssen lande /
Auff deinem schönen munde strande?
_____
Soll denn ein kuß / ein unbefleckter scherz /
Ein
süsser blick sünd und verbrechen heissen?
Soll ich denn selber mich mir nun entreissen?
Der himmel kennt der menschen sinn und herz.
Lieb ist des himmels kind / es wird ja unsre flammen /
Als dieberey und mord / der himmel nicht verdammen.
_____
Soll Sylvia vor mir verschlossen seyn?
Verbotne frucht ist mehr als doppelt
süsse;
Der neben-weg reizt mehrmahls unsre füsse /
Die wollust wächst auch aus gefahr und pein.
Diß ist die
süsse nuß / so schwer ist auffzubrechen /
Die rose wird geliebt / ob gleich die dörner stechen.
_____
Es soll alsdenn ein amber-reicher kuß /
Der sich genetzt in moschus und rubinen /
Vor julep uns in dieser hitze dienen.
Wo bleibst du doch / O
süsser überfluß!
Ich weiß / die liebe wird zu lachen hier beginnen /
Indem zwey zungen nicht vor liebe reden können.
_____
Du must in dir nicht selbst verwesen /
Laß mich um deinen mund die zucker-rosen lesen
Durch einen unverwehrten kuß /
Laß doch den
süssen thau auff meine lippen rinnen /
Daß durch verliebten überfluß
Die geister selbst sich küssen können.
_____
Strenger himmel! hat dein spruch
Wider mich so hart getobet?
Wird dein segen mir zum fluch?
Schelt' ich / was ich vor gelobet?
Muß der vormals
süsse schein
Itzund gall und eßig seyn?
_____
Du milch-brunn
süsser anmuths-triebe;
Berg / der mit flammen um sich schlägt;
Du zauber-kreyß der grimmen liebe;
Sarg / der des buhlers freyheit trägt;
Ihr purpur-lippen /
Und brust / wohlan!
An euren klippen
Fährt itzt mein kahn.
Der wollust an.
_____
Laß mich den ausbund deiner pracht /
Der sammt und rosen nichtig macht /
Mit meiner schlechten haut bedecken;
Und wenn du deine lenden rührst /
Und deinen schooß gen himmel führst /
Sich zucker-süsse lust erwecken.
_____
Christian Hölmann
(1677-1744)
Wilstu mir deinen leib auff meine seele binden?
Soll ein Recept von mir dein lebens-balsam seyn?
Wilstu in meiner hand die
süsse kühlung finden?
Soll meine gegenwart dein zartes herz erfreun?
_____
Dir aber netter leib / euch wolgewachsnen gliedern /
Euch lippen / brüsten / Schoß / euch adern / herz' und blutt
Will zu gefallen ich die pfeile gerne fiedern /
Und zeigen / was ein Arzt vor
süsse dienste thut.
_____
Ach: fühlte doch einmahl deine brust /
Den kleinsten theil der
allersüssten lust /
So die verliebten durch die gegengunst geniessen /
Du würdest seuffzende mit reue sagen müssen:
Verlohren ist dieselbe zeit /
Die nicht dem lieben wird geweiht /
Wie schade vor die stunden!
Die so in einsamkeit verschwunden /
Wie manchen schönen tag! wie manche liebe nacht!
_____
Ernst Christoph Homburg
(1607-1681)
Diese Nacht hab ich erkohren/
Diese
süsse Liebes-Nacht/
So bald wird zur Welt gebohren/
Sol nicht seyn zum Schlaff gemacht/
Ihre stille Sicherheit
Sol uns dienen anderweit.
_____
Sol ich dann dich so lassen?
O meine Frewd'/ und Sonn'!
Und ziehen meine Strassen/
Stillschweigend schnell darvon?
Sol ich forthin nicht küssen
So zucker-süssen Mund?
So werd' ich sterben müssen
Erbärmlich gleich itzund.
_____
Zwar ob ich/ Schönste/ muß von hier
Itzt ziehen meine Strassen/
Sol doch mein gantzes Hertze dir
Beständig seyn gelassen/
Dein
süsser Name/ Lesbia/
Dein Mündlein von Corallen
Sol allenthalben/ hier/ und da
In vollem Lob erschallen/
Ja deiner schwartzen Aeugelein
Sol nimmermehr vergessen seyn.
_____
Was die Liebe?
Ein Fewer/ sonder Fewr/ ein lebendiger Todt/
Ein Zorn/ doch ohne Gall/ ein angenehme Noht/
Ein Klagen ausser Angst/ ein uberwundner Sieg/
Ein unbehertzter Muht/ ein Frewden-voller Krieg;
Ein Feder-leichtes Joch/ ein nimmerkranckes Leid/
Ein zweiffel-haffter Trost/ und
süsse Bitterkeit/
Ein unvergiffter Gifft/ und kluge Narrethey/
Ja kürtzlich: Lieben ist nur blosse Phantasey.
_____
Auff eine Liebes-Ungedult
Kom Todt! kom
süsser Todt! Enbinde mich der Schmertzen/
Entzeuch mich Amors Grimm/ stich/ stoß mir nach dem Hertzen;
Wie aber? Wann er mich gebracht ins Grab hinein/
Wird auch die Seele dann der Flammen ledig seyn?
_____
O Rosen-Lippelein/ daran die meinen kleben!
Ach Purpur-Mündelein/ so lieblich ausgeschmückt!
O Geist/ der meinen Geist mir aus dem Leibe rückt/
Durch dieses
süsse Thun benimmet gantz das Leben!
_____
O Zunge! die du mir vorhin behagtest sehr/
Dieweil du uberal/ wo ich nur war verborgen/
Mir artlich brachtest bey die
süssen Liebes Sorgen;
Wolan/ ich trawe dir/ O Zunge/ nimmermehr.
_____
Femina aut amat, aut odit
tertium non datur
O
Süsses Frawen-Volck! die Thorheit/ die ihr ubet/
Die thut den Sachen bald zu wenig/ bald zu viel;
Die Vielheit hat bey euch/ der Mangel auch kein Ziel/
Drumb sonder Drittes ihr uns hasset/ oder liebet.
_____
Ihr Brüste weis wie Schnee/ die ihr Parnassus Spitzen
Nachahnet an Gestalt/ da die Poeten schwitzen
So manchen lieben Tag/ so vieler Jahre frist'/
Umb einen Lorbeer-krantz/ der die Belohnung ist.
Ach! wann ich nur bey euch solt' eine Nacht verbleiben/
Umb meine Poesie/ die
süsse Kunst zu treiben/
Ach ich setzt' Hab' und Gut/ mich selbst zum Bürgen ein/
Auch nur in einer Nacht ein gut Poet zu seyn.
_____
Christian Friedrich
Hunold (Menantes) (1681-1721)
Vor Augen soll der Leib/ ja Hand und Lippen schauen/
Weil sehen zwar beliebt/ doch fühlen
süsser ist.
Nun unvergleichliche! laß uns Vergnüget werden/
Und lege deine Gunst zu meiner Sehnsucht hin.
_____
Das Verhängniß/ so dich zieht/
Zieht auch meinen Geist von hinnen/
Und weil mein Vergnügen flieht/
Fliehen auch die treuen Sinnen.
Ach! mein Leitstern ist verschwunden!
Und die vorgewünschte Zeit/
Ja die Zucker-süsse Stunden
Sind mit Wermuth überstreut.
_____
Drum so verweigert uns/ ihr lieben Kinder nicht/
Was die Natur euch pflegt an Schätzen mit zu theilen;
Ihr seyd der Arzt den man offt üm die Cur bespricht/
Und lasset euch wohl selbst an dieser Kranckheit heilen.
Ja wo ihr noch so karg mit einen Küßgen seyd/
Und macht uns manches mahl die schöne Kost zu nichte/
So mehret ihr dadurch nur ihre
Süssigkeit/
Weil man nichts liebers isst/ als die gestohlne Früchte.
_____
Wir träncken unsern Mund mit lauter Nectar Flüssen/
Das Glücke dienet uns/ die Seelen küssen sich.
Drüm muß die Welt gestehn/
Es sey kein
süsser Schertzen/
Und nichts so wunderschön
Als nur allein das Kleeblat treuer Hertzen.
_____
So küß ich in Gedancken/
Und schwängere den holen Bauch der Lufft.
Ich renn' in deine Schrancken/
Und bau' ein Schloß auff Amors
süsse Klufft.
Laß mich in dieser Freyheit siegen/
Ein Traum kränckt nicht/ und kan uns doch vergnügen.
_____
Daß ich dir stets getreu gewesen/
Kanst du aus der Gedult in Marter Wochen lesen/
Drum gönne mir dein Freuden-Fest/
Und lasse mir geneigt nach Sturm und Jammer-Winden/
Auch deinen
süssen Gnaden-West/
Und meiner Sehnsucht Uffer finden.
_____
Umarme doch mit wollen weichen Händen
Den heissen Leib/ der sich nach Kühlung sehnt/
Erhebe dich mit deinen zarten Lenden
Schau wie die Lust schon alle Glieder dehnt.
Es sind mein Kind zwar allzu enge Schrancken/
Allein es geht mit
süssen Zwang hinein/
Ach Zucker-Kost der kützlenden Gedancken/
Dabey das Marck muß ausgezehret seyn.
Ach laß uns doch die Freude recht geniessen
Bemühe dich und förder ihren Lauff.
Jtzt wird sich gleich der
süsse Thau ergiessen
Ach Kind! Ach Schatz! thu deine Muschel auf.
_____
Lieben ist das schönste Leben/
Das uns solche Lust kan geben/
Die man unvergleichlich hält.
Ehre/ Pracht/ und grosse Schätze/
Sind versichert nur die Netze/
Die man eitlen Sinnen stellt:
Hier sind Florens Wunder-Auen/
Und in Paradieß zu schauen
Engel/ die empfindlich sind.
Zucker Rosen und Narcissen
Bricht man durch das
süsse Küssen/
Wo der Himmel selbst zerrinnt.
_____
Wer den Zucker nicht will speisen/
Kan ihn auch nicht
süsse heissen/
Auch der Muscateller Most
Muß vor Liebe bitter werden/
Ja es kommt der Götter Kost
Durch die Liebe nur auf Erden.
Glaube diß
Bleibt gewiß:
So die Liebe ja betrübet
Ist die Schuld nur dem der liebet.
- - - - - - - - - - - - - - -
Ach
süsse Stunde
brich doch an/
Mein Hoffen zu vergnügen.
Mein Hertze dencket stets daran
Durch Lieb und Treu zu siegen.
Drum Amor komm und sey bereit/
Zu krönen die Beständigkeit.
_____
Schönster Engel laß dich küssen/
Küsse mich mein Anderich!
Brich die
süsse Lust-Narcissen/
Liebe mich/ ich liebe dich.
Laß uns doch vertraulich schertzen
In den Paradieß der Hertzen.
_____
Zacharias Lund
(1608-1667)
Du bist/ O
süsser Kuß/ der Außtrag meiner Flammen/
Du ziehest meine Wündsch als ein Magnet zusammen:
Ein köstliches Ungvent/ ein Pflaster den ich seh/
Und heilet eusserlich das innerliche Weh.
Ich bleibe mannigmahl durch eigenes Verlangen
In deiner
Süssigkeit/ eh' als ich weis/ behangen:
Wie wann im Leime sich der Vogel selbst erhengt:
Wie wann im Wasser offt der Korb die Fische sengt.
Der liebliche Geruch/ und
süsser Schmack der Zungen
Hat offt im Schlaffe sich heimlich ins Hertz geschwungen
Biß daß ers außgelockt/ und gar mit Strick umbringt:
Wie wann der Speck die Mauß in eine Falle bringt.
_____
Heinrich Mühlpfort
(1639-1681)
Ich bin vergnügt / in deinem
süssen Kuß‘
Hab ich noch mehr als Ambrosin geschmecket /
Es ist fürwahr der Anmuth Uberfluß.
Ein Aufboth / der stets neue Lust erwecket.
Ein ander denckt / ob er dergleichen kriegt /
Ich bin vergnügt.
_____
Mein auserwählter Schatz / der du mich hast entzündet
Durch deiner Augen Pracht /
Nun kommt die
süsse Nacht /
So beyder Herz und Seel‘ in reiner Treu verbindet /
Und unsrer Liebe Licht und Schein
Heist nunmehr unauslöschlich seyn.
_____
Ihr schönen Augen ihr /
Ich fühle Gluth /
Und eure Wunder Zier
Erhitzt mein Blut.
Die angenehme Freundlichkeit /
So
süsse Blicke streut /
Macht mich erfreut.
Ihr Fackeln meiner Seel
Ich bin entbrannt /
Aus eurer schwarzen Höhl
Und Diamant /
Komt mir der
süsse Gegenschein
Daß ich verliebt muß seyn /
In meiner Pein.
_____
Die Lippen
Den Köcher voller Pfeil hat Venus uns geschencket /
Und / ist es Wunderns werth / das unsre Glut sich schwencket /
Biß an der Sternen Dach / hier liegt ein Brand versencket /
Der ewig Zunder gibt / der mit Rubin umschräncket /
Die feuchte
Süssigkeit / wenn Mund an Munde hencket /
Und die vergnügte Seel mit Perlen Säfften träncket.
_____
Mische doch den Liebestranck /
Durch der Küsse
Süssigkeiten /
Ewig soll mein Mund auf Danck /
Seine Lippen zubereiten /
Flösse mir die Arztney-Flüsse
Ein durch Geisterreiche Küsse.
_____
Benjamin Neukirch
(1665-1729)
Auff ihren mund
Ihr rosen Indiens / weicht meiner liebsten munde /
Ihr balsam-blumen rühmt mir euren honig nicht /
Eur glanz und eur geschmack vergeht in einer stunde /
Ihr mund wird aber stets von neuem angericht.
Je mehr ich rosen schau / ie schönre seh ich blühen;
Je mehr ich ihn geküst / ie
süsser schmeckt der safft /
Sein purpur kan mein blut zwar aus den adern ziehen;
Ich aber geb ihm nur durch meine geister krafft:
Ach daß er Sylvia doch eher nicht verdürbe /
Als biß ich küssens satt auff seinen lippen stürbe!
_____
Auff ihre hände
So offt ich euch beschau / ihr angenehmen hände /
So offtmahls fühl ich auch im herzen neue brände /
Und saug / ich weiß nicht was für
süsse funcken ein.
Wie geht es aber zu? Ihr seyd von elffen-beine /
Die finger gleichen schnee und reinem marmel-steine /
Daß euer schnee zugleich kan glut und flammen speyn.
_____
Sylvia ist angenehm.
Ihre lippen sind corallen /
Ihrer brüste zucker-ballen
Und ihr
honigsüsses lallen
Gleicht den jungen nachtigallen /
Die die mutter abgericht;
Nur ihr herze tauget nicht.
_____
Schweig / mein herz / und laß es seyn;
Denn es ist dir recht geschehen /
Du wirst eher stahl und stein /
Als Sylvetten liebend sehen.
Bring es / wie du wilst / so nah /
So erlangt dein treues flehen
Doch niemahls ein
süsses ja.
_____
Auff ihren mund
Sylvia / dein
süsser mund
Machet / wenn verdruß und plagen
Tausend andre niederschlagen /
Mein verwundtes herz gesund.
Ja / daß ich nicht ganz verbrenne /
Daß ich mich nicht elend nenne /
Thut / wenn ich es nur bekenne /
Sylvia / dein
süsser mund.
Sylvia / dein
süsser kuß
Kan mir mehr erqvickung geben /
Als die ulmen jungen reben /
Und Egypten Nilus fluß;
Muß ich gleich zuweilen borgen /
So vertreibt doch alle morgen
Meinen gram und meine sorgen /
Sylvia / dein
süsser kuß.
_____
Erdmann Neumeister
(1671-1756)
Auff einen kuß
Ein kuß! ein kuß! ein kuß!
Ach ich bin ganz entzückt /
Da mich doch nur ein einziger erquickt /
Ein kuß / das ist ein kuß.
Ach soll ich noch mehr sagen /
So muß ich noch einmahl die
süssen lippen fragen /
Wovor man wohl solch labsal halten muß?
Doch / Iris / stimme mir mit hundert küssen bey /
Ich sage so / daß küssen in der liebe
Die quintessence sey.
_____
Nichts ist
süsser als das lieben /
Lieben ist ein himmelreich;
Menschen / die das wesen üben /
Sind dadurch den göttern gleich.
Ja zwey recht vertraute herzen
Sind zwey engel auff der welt /
Weil ihr angenehmes scherzen
GOtt und menschen wohlgefällt.
_____
Martin Opitz (1597-1639)
JEtzt blicken durch des Himmels Saal
Die güldnen Sternen allzumal /
Ich bin ohn' Hoffnung gantz allein /
Ich wach' / vnd andre schlaffen ein.
Du / Jungfraw / liegest in der Rhu /
Vnd hast die stoltzen Augen zu;
Du bläsest durch den rothen Mundt
Das
süsse Gifft so mich verwundt.
Du denckest nicht an meine Noth /
Noch an den
süssen Liebesgott /
Der mein betrübt Gemüt' hat bracht
In deine Hand vnd grosse Macht.
_____
Weg / Venus / weg / du Pest der jungen Zeit
Ich selbst vergesse mein;
Ich wil jetzt gehn den Lauff der Ewigheit /
Vnd auff der
süssen Pein
Verwirrten Bahn nicht wallen /
Die Tugend ist mein Ziel;
Asterie sampt allen
Mag bleiben wer sie wil.
_____
Johann Rist (1607-1667)
Ach weh der bösen Stundt/ da ich von dir gesogen
Das
süsse liebe Gifft/ dadurch so schweres Leidt
In mir gebohren ward/ und nunmehr ist bereit/
Ach Amor hett ich doch dein güldne Pfeil geflohen/
_____
Sie ist mir ein kühle Lufft/
Wenn mein Hertz vor ängsten pufft
Sie ist mir ein
süsser Tranck/
Wann ich binn vor Liebe kranck.
_____
Mich soll hinfohrt das Lieben
Nicht mehr betrüben
Noch quählen mir mein Hertz
Mit selbstgemachter Pein/
Ich wil das
süsse Leyden
Von gantzer Seele meiden
Frei wil ich allzeit sein/
So bleib ich sonder Schmertz.
_____
O
süsser Mund/ war das dein Will
Als du so lieblich mich geküsset/
Da wir uns hertzten in der Still
Auch so daß ich mich selbst vermüsset
O lokke Brod
Du schafst den Tod
Drüm Schönste still' itzt mein Verlangen/
Du weist wie hart ich bin gefangen.
Laß deiner Perlen Hände Pracht
So mir geraubt mein halbes Leben/
Ja mich zum Sclaven hat gemacht/
Mir meine Freiheit wieder geben
Ja
süsser Mund
Du kanst zur Stund
In höchster Lust mich wieder sehen/
Sprichst du nun ja/ so wirds geschehen.
_____
Ach! Ich brenn' im
süssen Leiden
Ich vergeh' in Liebes-Pein/
Deine Schönheit die zu meiden
Muß mein tunkles Grabmahl seyn
Ich verschmacht'/ ich schwind'/ ich schwitz
Als ein Gräßlein in der Hitz.
_____
Wer kan dein Englisch Angesicht/
Wer kan der schönsten Augen-Licht
Betrachten und ihr nicht erweisen
In Demuht Ehr' und Höffligkeit
Du Krohn der Nimfen dieser Zeit/
Wie selig ist der Mensch zu preisen/
Dem deiner
süssen Lippen-Safft
Das Leben gibt durch ihre Krafft.
_____
Perlemund/ dir mag ichs danken
Daß ich so verliebet binn/
Daß auff dich ohn' alles Wanken
Ich gerichtet meinen Sinn/
Du mein Leben hast gerührtet
Meine Seel'/ und mich geführet
Auff den
süssen Liebe-Plan
Sag'/ hab' ich zu viel gethan?
_____
Glaube doch O
süsser Mund
Was dein Schäffer schweret
Tugend ist der Liebe Grund
Daß er dein begehret
Tugend die dich Edel macht
Hat mich in diß Joch gebracht
Daß ich dir mein Leben
Mich so gahr ergeben.
_____
Laß mich bald' dein Aüglein küssen
Die zwo Diamanten sind/
Wilt du nicht so wirst du müssen
Florabelle
süsses Kind/
Dein vor Gold gepriesnes Hahr
Und die Rosen rohte Wangen
Wil ich mit Gewalt umfangen
Gantz nicht scheuend die Gefahr.
_____
Zürne nicht mit meinen Händen
Daß sie sich auff mein Befehl
Etwas schneller zu dir wenden
Anzufassen deine Kehl'/
Ach! das enge Mund an Mund
Und das
Honigsüsse Stippen
Auff den Rosenfarben Lippen/
Machet mir mein Hertz gesund.
_____
Halte dich nur hart und muhtig
In der keuschen Liebe-Brunst/
Schlage mich gantz wund und bluhtig
All dein Arbeit ist umsunst/
Ach! es bringt mir
süssen Schmertz
Wenn du so dich pflegst zu wehren
Ei denn muß ich erst begehren
Florabellen gantzes Hertz.
_____
Und bekenn' ich endlich frei
daß das
bittersüsse Lieben
da so viel ist von geschrieben/
sey nur lauter Sclaverey/
Ja daß ein verliebtes Hertz
das sich selbst nicht kan bezwingen/
finde nur in diesen Dingen/
Trübsahl/ Unmuht/ Angst/ und Schmertz.
_____
Ach was hatt' ich damahl Ehr'
Als du schwurest meine Sonne/
Daß dein Hertzen Freud und Wonne
Keiner sonst als Dafnis wer'
Aber seht vor kurtzer Zeit
Ist im
süssen Liebes-Orden
Dein Gemüht erfüllet worden
Schier mit Unbeständigkeit.
_____
Unterdessen sag' Ich frei
Daß das bitter-süsse Lieben
Da so viel ist von geschrieben
Sei nur lauter Sclaverei/
Da ist quählen Tag und Nacht
Wil Ich einmahl friedlich leben
Muß Ich dir mit Seufftzen geben
Florabelle guhte Nacht.
_____
Dein gehen/ reden/ lachen/
Dein frisch und traurig sein/
Dein höflichs Minen machen/
Dein lieblichs Mündelein/
Dein
süsser Lippen-Thau.
Dein küssen/ klopffen/ schertzen
Stelt dich ja meinem Hertzen
Stets für du schönste Frau.
_____
Sie heist die rechte Sonn'/ in welcher güldnen Strahlen
Ich mein betrübtes Hertz mit Lust erfrischen kan/
Sie leuchtet weit und breit/ wenn sie nur komt heran
So kan ihr
süsser Mund/
so kan ihr
süsser Mund mir alles Hertzleid zahlen.
_____
Ich meinte daß das Lieben
nichts wehr als
süsse Lust/
Ja daß auch kein betrüben
der Liebe wehr bewust/
Ich hätte nicht gedacht/
daß so viel tausend Schmertzen
in der verliebten Hertzen
regierten Tag und Nacht.
_____
Mein Hertz war voll von Freuden
Und blind von
Süssigkeit/
Ich spührte gahr kein Leiden/
Es war noch vor der Zeit.
Mein unerfahrner Muht/
Der suchte nichts/ als Lieben/
Das itzund Mich getrieben
In solche Feuers-Gluht.
_____
Doch so viel tausend Thränen
Die Ich mit Pein vergoß/
Und das bedrückte Sehnen/
Das aus der Seelen floß
Bedauchte Mier zu seyn
Ein
Wundersüss Vergnügen
Da sich beisammen fügen
Der Liebe Lust und Pein.
_____
Glaube mir/ o
süsses Hertz/
Daß der Schmertz/
Den ich stets um dich muß leiden/
Gahr zu bitter ist und groß/
Weil ich bloß
Florabella dich muß meiden/
Gahr zu hefftig gehts mich an/
Daß ich dich nicht sprechen kan.
_____
Liebstes Hertz/ wenn werd' ich doch
Dieses Joch
Gahr von meinen Schultern legen?
Ach/ wenn kompt die güldne Zeit/
Daß der Neidt
Seinen Gifft nicht mehr darff regen?
Ach/ wenn komt der
süsse Tag/
Daß ich eins dich küssen mag?
_____
Edle Fürstinn meiner Sinnen/
Wehrter Preiß der Schäfferinnen/
Wann gibst du mir einen Blikk/
Daß ich stille mein Verlangen/
Weil ich bin so hart gefangen
Durch der
süssen Liebe-Strikk?
Ach! wenn komt die wehrte Stund'
Einst zu küssen Rosemund?
_____
Wie kan es sein das solche Treu/
Und so beständigs Lieben/
Daß ich fürwahr ohn allen Scheu
Astroea stets betrieben/
Nicht solte beugen deinen Sinn/
Ich sende so viel Sehnen
Und bitter
süsse Thränen/
O schönstes Leben/ zu dir hin.
_____
Deine Rosenfarbe Lippen/
Deines Mündleins süsser Safft
Gibt den matten Hertzen Krafft/
Durch das
Wundersüsse stippen/
Honig/ Zukker/ Nectar/ Wein/
Können nicht so lieblich seyn.
_____
Erbarm dich mein O Schäfferinn/
Erhalte mir mein Leben/
Daß ich den Würger zum Gewinn
Durch Liebeszwang muß geben/
Kom
süsses Hertz
Damit mein Schmertz
Und unvergleichlichs Leyden
Verwandelt werd' in Freuden.
_____
Florabella
süsser Mund
Grosser Wunderwerk der Erden/
Dafnis kan allein gesund
Durch dein lieblichs Küssen werden.
_____
Sie hat der zahrten Hände Schnee
Fein Kreutzweiß auff der Dekke liegen/
Das weiß ich/ ob ichs gleich nicht seh/
Auch mich nicht darff zu ihr verfügen/
Sie blaset eine
süsse Lufft
Auß ihrem rosenfarben Munde/
Ich aber fühl in dieser Stunde/
Wie mir mein Hertz vor ängsten pufft.
_____
Mein verliebtes Hertz begehret
Was es kränket und verzehret/
Ja ich sag es sonder Scheu/
Freyer leben mag auff Erden
Nicht für mich gefunden werden
Als die
süsse Sclaverey.
Ach Rosiminde liebstes Kind/
Wie hastu mir doch so geschwind
Durch deine Zier und Himmels Pracht
Auch bittre Dinge
süeß gemacht.
_____
Florabell'/ in dem du mir
Tausend Küsse pflagst zu geben
Fühlt' ich Schönste für und für
Ein für mich erwünschtes Leben/
Honig/ Nektar/ Zucker/ Wein
Pflag dein
süsser Mund zu schenken/
Was sol aber ich gedenken
Nun es muß geschieden seyn!
_____
Neulich hastu Schönste müssen
Deinen
wundersüssen Mund/
Vielmahl von mir lassen küssen/
Der die Hertzen macht gesund.
Ja ich hab' in selber Stunden
Auch nicht weniger empfunden/
Galathe/ zur Abendzeit/
Deiner Lippen
Süssigkeit.
Aber Galathe halt innen/
Es komt deine
Süssigkeit
Nicht bey dieser Schäfferinnen/
Nein/ o nein/ das fehlet weit.
Ihr kanstu dich nicht vergleichen/
Ja fast nicht das Wasser reichen/
Ihrer Lippen
süsser Safft
Gibt für allen andern Krafft.
O wie selig ist zu schätzen/
Den dieß Nectar
süsse Naß
Dermahleins wird stets ergetzen/
Ich fürwahr bekenne das/
Welchen ihres Mündleins drükken
Nicht kan alsobald entzükken/
Und durch Liebe nehmen ein/
Der muß mehr als steinern seyn.
_____
Ich liebe dich von Hertzen Grund.
Das wil ich gern bekennen/
Ach möchte nur dein
süsser Mund
Mich auch den deinen nennen.
Ach könt' es sein/
Das mir allein/
Rosillis/ liebstes Leben/
Du möchtest dich ergeben.
_____
Johann Hermann Schein
(1586-1630)
Ach edles bild/ von Tugent mildt/
Wie thustu mich so krencken/
Das du nicht hier/ bist stets bey mir/
mein Hertz wil sich versencken/
Ach wenn ich doch/ dich sehe noch/
O
süsser schatz/ mein leben/
Wolt ich gar weit/ mein traurigkeit/
dem Meer thun ubergeben.
_____
O Scheiden/ O bitter scheiden/
Wie machstu mir so grosses leiden/
O schöne Eugelein/
Ach sol Ewr blickelein
Ich denn so gar fort meiden/
O
süsser Mund/
Dein Lippen rund
Thun mir mein Hertz zurschneiden.
_____
Ach wird dir doch nichts entnommen/
Wann mir zu lieb und Liebesfrommen/
Viel tausentschmätzelein
Von deinem Lippelein
Ein
süsses Labsal kommen/
Ach edles Hertz/
Bedenck mein schmertz/
Den du offt hast vernommen.
_____
David Schirmer
(1623-1687)
Ihr Lippen/ die ihr Blut der Purpur schnecke traget/
und den Corallen-glantz mit eurer Zierde schlaget
wer hat euch so verliebt den Rosen eingeetzt/
und ein so
süsses Meth auff euern Mund gesetzt?
_____
Amaranthe/ meinen Kuß
satzt ich dir auf deine Wangen/
da du drauf zum Uberfluß
bliebest unbeweglich hangen/
biß der
süsse Zimmet-Thau
nach der Lippen Purpur rante/
und ich auf der gantzen Au/
nichts als deine Rosen kante.
_____
Ob mich Liebe gleich betrübet/
bin ich dennoch des gewiß/
daß sich auch in mich verliebet
meine schöne Rosilis.
Darfür soll ihr
süsser Name
hier im Hertzen voller Pein/
die von ihrer Schönheit kame/
ewig eingeschlossen seyn/
weil betrübet
wir nun gäntzlich seyn verliebet.
_____
Hier liegt mein Paradeiß mit Rosen überdeckt.
Die Brüste regen sich/ mich mehr und mehr zu quälen.
Der Ambra steigt empor aus ihrer
süssen Kehlen.
Hier liegt mein Paradeiß im Grünen ausgestreckt.
_____
Als ich im grünen saß/ hat mir Labelle geben
Den
süssen Liebes-Kuß/ der
süsser/ als mein Leben/
Und
süsser Nectar war. Die Liebe nam mich ein
Das mein entfärbter Mund must ohne Rede sein.
_____
So fährstu/ Seele meiner Seelen/
Noch immer fort/ mich mehr zu quälen/
Das ich doch nicht vertragen kan?
Ich wolte lieber alles leiden/
Als deine
süssen Blicke meiden.
Was aber hab ich dir gethan?
_____
Liebste/ laß mich in dir leben/
Eh ich muß vergehen.
Du kanst Kraft und Seele geben/
Durch dich kan ich stehen.
Laß dein
süsses Ja erschallen/
Meine Brunst zukühlen.
Wird mein Hoffen von mir fallen/
Worauf soll ich zielen?
_____
Wie viel Marter muß ich leiden/
Liebste/ seit ich von dir bin?
Ach wie muß mein krancker Sinn
Darben seine
süssen Freuden!
Weil der Leitstern deiner Zier/
Sich so gar entfernet mir.
_____
Deine Straalen wärmen mich/
Das mein Liebes-Feuer sich
Zu der
süssen Lohe findet.
Meine Brunst brent mich so sehr/
Weil Sie deiner Sternen-Heer
So glückselig hat entzündet.
_____
Was dein
süsser Balsam spricht/
Wenn Er durch die Lippen bricht/
Das verwundet meine Seele.
Du bist aller Schönheit Zier/
Die ich in der Welt alhier
Unter allen Dingen zehle.
_____
Wie stund
Der
süsse Mund
In rothen Klippen
Der Lippen!
Der Gruß
Der sanfte Kuß/
Der mich so verlassen muß/
Erstumt nun vor des Todes Hippen.
_____
Mein Hertz/ das unter deinen Brüsten
Nun eine
süsse Wohnung fühlt/
Bleibt hinter mir in seinen Lüsten/
Biß daß es seine Brunst abkühlt.
Biß daß es meine Seele findet/
Die sich mit deiner Seele bindet.
_____
Ihre Brust hab ich geküsset/
Und daher ist mir so wohl.
Sie hat meinen Mund
durchsüsset/
Durch Sie leb ich/ wie ich soll.
Durch Sie leb ich nur allein/
Und kan nun mein selber seyn.
_____
Sie giebt mir tausend Lieblichkeiten
Aus jhrer
süssen Augen-Glut.
Sie machet es auf allen Seiten
Nach einer keuschen Liebe gut.
Wir lieben heimlich in der Stille
Ich und die schöne Purpurille.
_____
Sibylle Schwarz
(1621-1638)
Ach / Amor / nimb dein schwäres Joch von mir /
kans müglich seyn / nimb wegk die Liebes Plagen /
dein Joch ist schwer / drümb kan ichs nicht mehr tragen /
du bist zu
süß / drümb klag ich über dir.
Nimb wegk die Last / sie unterdruckt mich schier:
was sol ich doch vohn deinen Pillen sagen /
die bitter sind / und doch mir wohl behagen?
Ich steh und geh im Zweiffel für und für:
wo sol ich hin? Im fall ich bin allein
so denck ich nuhr: Ach möcht ich bey Ihr seyn!
bin ich bey Ihr / so steht mir vohr das Scheiden;
liebt sie mich dan / das ich so sehr begehr /
so ist mir doch die
Süßigkeit zu schwär;
Ich will den Tod wohl für die Liebe leiden.
_____
Die Lieb' ist billich ja in allem keusch zu schätzen /
sie ist das Guhte selbst; wer ihr sich gantz ergiebt /
der wird geliebt / und liebt / der liebt und wird geliebt /
er kan sich ewiglich mit
süßer Lust ergetzen /
zu letzt entkompt er auch des Todes grimmen Netzen /
und lebt noch einst so lang / er wird gahr nicht betrübt /
weil er die Frewde hat; im fall er Lieben übt /
kan ihn das Unglück auch zu keiner Zeit verletzen /
er lebt in wahrer Ruh / in stehter Einigkeit /
darff nicht zu Felde ziehn / er führt den
süßen Streit.
Wem wil dan nicht dis Tuhn / diß
süße Tuhn gefallen /
das uns wie Brodt ernehrt? der muß ein Unmensch seyn /
der stirbet / weil er lebt / er ist ein Klotz und Stein /
er ist ein höltzern Bild / sein Hertz ist vohn Metallen.
_____
Ist Lieben keusch? wo kompt denn Ehbruch her?
Ist Lieben guht / nichts böses drinn zu finden /
wie kann sein Feur dan so gahr viel entzünden?
Ist Lieben Lust / wer bringt dan das Beschwär?
Wer Lieben liebt / fährt auff der Wollust Meer /
und lässet sich ins Todes Netze binden /
das nicht zerreist / er lebet nuhr den Sünden /
liebt Eitelkeit / und ist der Tugend leer.
Das ewig lebt / dem stirbt er gäntzlich ab /
sieht seine Noht erst / wan er siht sein Grab.
Wer dan nuhn wird in Liebes Brunst gefunden /
der fliehe bald / und hasse / die er liebt;
ist Lieb ihm
süß? so werd er drümb betrübt;
ist sie sein Brodt? so geb er sie den Hunden.
_____
Wie kan der Liebe Joch doch
süß und lieblich seyn /
weil manches Herze pflegt vohn ihren Schmertzen sagen /
und über ihre Last / und tieffe Wunden klagen?
wie ist dan
süße das / das allen bringet Pein /
das wie ein starckes Gifft die Hertzen nimmet ein /
das manchen Helden würgt / ihr vihl auch heist verzagen?
wie kan uns das alsdan doch Frewd und Lust erjagen?
Nein / nein / der Liebe Tranck ist bitter Wermuhtwein.
Doch gleichwohl ist sie
süß / weil vielen wird gegeben /
durch ihre
Süßigkeit / ein angenehmes Leben.
Drüm / schließ ich / ist die Lieb ein angenehmes Leid;
(wiewohl eß selten kompt / daß wiedrig' Eigenschafften
an einem Dinge nuhr zu gleiche können hafften)
die Liebe heisst und ist die
süße Bitterkeit.
_____
Jacob Schwieger (um
1630-1664)
Aus deinem Munde flißen Flüsse
Die
süßer noch als Zukker seyn/
Ei gieb Sie mihr mein Täubelein/
Licht! meiner schwartzen Finsternüsse/
Mein liebstes Kind/ reich hehr den Mund
Und mach mein krankkes Hertz gesund/
Hoch-ädle Bluhm den wil ich preisen/
Trau solches/ dich mit tausend Weisen.
_____
An Adelmuht über seinen Traum
Das war ja
Süßigkeit daß Ich o schönste Zihr
krigt einen
süssen Kuß zu Nacht im Traum von dihr.
So
süß' er mihr vor war/ so bitter ist er nun
weil ich gantz nichts gekrigt. Was sol ich aber thun?
Ich muß zu friden sein/ und denkken daß ein Kuß
macht weder reich noch arm/ nur daß er bringt verdruß.
_____
Sie kan heilen
Gleich wie das Aqua Vit' ein mattes Hertz kan laben
wens offt vor Angst und Noht nicht weiß woraus noch ein?
So kan ein Küßchen auch für allen andern Gaben
von meiner Adelmuht/ erquikken meine Pein.
Ihr Küssen ist sehr
süß. Möcht ich nur einß empfangen
das Naß von ihrem Mund'! ach Rosen Adelmuht!
laß zu daß ich mag frei an deinen Lippen hangen/
den solches wirkket Freüd' in meinem jungen Bluht.
_____
Kaspar Stieler
(1632-1707)
Wer will/ kan ein gekröntes Buch
von schwarzen Krieges-zeilen schreiben:
Ich will auff Venus Angesuch
ihr
süsses Liebes-handwerk treiben:
Ich brenne. Wer nicht brennen kan/
fang' ein berühmter Wesen an.
_____
Ich habe die Schöne mit nichten gewonnen
mit Solde von Golde/ mit Perlenem Wehrt/
und scheinenden Steinen in Bergen geronnen/
den Tyrischen Purpur hat sie nie begehrt.
Die Zeilen/ die
süssen
aus Pegasus Flüssen
die haben ihr härtliches Hertze gerührt:
Nu stehet mein Lorber mit Myrten geziert.
_____
Noch geschahen tausend Renke
Doch/ ich ließ mich nirgend ein
biß ich einmahl bey der Tränke
macht ein weinig mich gemein.
o ihr scharffen Nessel-küsse
o daß ihr mir wart so
süsse!
_____
Ja ihr milden Honigküsse!
Nu habt ihr nur Bitterkeit
statt der vorbeliebten
Süsse
meinem Herzen eingestreut/
Nu ich euch nicht länger schmekke
seid ihr mir zur Dornen-hekke.
_____
Die Nacht
die sonst den Buhlern fügt und
süsse Hoffnung macht
Die Ruh/
die einem Liebendem sagt alle Wollust zu/
bringt mir nur lauter Schmerzen
und raubet mir das Licht/
das meinem trüben Herzen
des Trostes Straal verspricht.
_____
Wie sie stets in meinen Sinnen
so bey Nacht/ als Tage steht/
wacht und mit zu Bette geht:
So kunt' auch kein Schlaaff zerrinnen
daß ihr Bildnis/ das so
süsse
sich nicht um mich merken liesse.
_____
Die Lust/ so überhäufft sich findet/
benimmt uns des Gedenkens Krafft.
Je mehr sich Amors Gluht entzündet
ie mehr Verstand wird hingerafft.
Mein Sinn war dunkel/ gleich den Blinden
und kunte sich in sich nicht finden.
O
süsser wahnwiz! ach! wie gerne/
wolt' ich noch iezt so rasend sein.
Diß ist die Seeligkeit der Sterne
und aller Götter insgemein:
daß sie in Wollust so verführet
nicht merken/ wenn sie Schmerzen rühret.
_____
Verzeih mir/ daß von Rosilis/
und Mel' ich/ Buschgen/ hier was schreibe:
so lang' ich Filidor verbleibe/
bleibt meine Treu auch dir gewiß.
Was hier von einer ist gedichtet/
hab' ich auff drey auß Schein gerichtet.
Wenn dein verliebter Zukkermund
mir die
besüßten Küsse schenkte/
und mich mit solchem Labsal tränkte/
der alle Krankheit macht gesund
so wars Melinde/ die ich schriebe
der
süsse Honig meiner Liebe.
______
Hier ist das Herz/ stoß/ Morta/ nach der Linken!
Parzen-Heer/
sezz an die Scheer'
indehm die müden Augen sinken:
ist doch schon mein Geist
auß der Leten-fluht gespeist.
Du
süsses Sterben/
was wirstu mir vor Ruh erwerben!
Acheron!
ich wil auff dir darvon:
Was hab' ich armer Buhler hie
zu hoffen sonst/ als tausend Todes-Müh.
_____
Die unkostbahren Tücher/
so du um dich getahn/
betasten frey und sicher
die
süsse Wollust an:
den Händen/ die doch beben
wird so ein linder Strich nicht zugegeben.
_____
Barbillchen/ die Zukker-dokke
Du
süßbeliebtes Honig-kind/
Barbillchen/ Labnüß meiner Seelen/
der Indiens
süsse Zukker-hölen
an Anmuht nicht zugleichen sind.
Ich wil es/ daß es alle wissen/
warum ich dich so offt muß küssen.
Der Zukker-trozz/ der Nektar-Wein/
der in den göldnen Demant-schaalen
springt bey der Götter Feyermahlen
macht/ daß sie ewig trunken sein/
weil deß Geschmakks/ des Zukker-süssen
sie nimmer mögen satt geniessen.
Dein unverglichner Labsal-Mund
ist solch' ein Nektar meinem Herzen/
für meiner Liebe Wermuht-Schmerzen.
Was auß Hymettens bunten Grund'
am Morgen die bemühte Biene
äzzt ab/ ist deiner Jugend grüne.
Süß ist der göldnen Haare Band/
süß deiner Stirne rund umfangen/
süß die Zinober-rote Wangen/
süß deiner Augen heller Brand.
Dem Lippen-tau/ dem Zukker-reichen
muß
süsser Alakant auch weichen.
Dein Atem
süsser/ denn Kaneel/
süß deines Halses schmale Länge/
süß deiner Brüste Perl-gepränge/
süß ihr' Inwohnerinn/ die Seel.
Süß deine Rede/
süß dein Lachen/
dein Schlaffen/
süsser/ ach! dein wachen.
Süß deine Kleider/
süß dein Rokk
das Fuppchen drein ist
süß darneben/
du weist/ was du mir drauß gegeben.
Barbillchen/
süsse Zukker-dokk'
Ich schmekke dünkt mich/ noch die Gaben/
die auch die Todten können laben.
Das
süsseste/ so an dir ist/
muß ich/ ungerne zwar/ verschweigen/
doch kan es über alles steigen/
was je die Sterblichen
versüßt.
Die
Süsse/ so es von sich giebet
macht Leib und Geist zugleich verliebet.
Man sagt wol/ daß was
süssers nicht
sey/ als der sanffte Schlaaff zufinden?
das kan ich leicht daher entgründen:
als neulich uns verschwandt das Licht/
war mir das wachen also
süsse/
daß ich den Schlaaff drum fahren liesse.
_____
Mich träumt' als Rosilis auff meine Lippen fiele/
Ihr
süsser Zukkermund gab mir so manchen Kuß/
die Seel' erhube sich ob dem beliebten Spiele.
Ich wacht': Indehm entwich der bunte Fantasus.
Da stunde Rosilis für mir mit Leib und Leben.
Hat Morfeus nu den Kuß mir/ oder Sie gegeben?
_____
Gottlieb Stolle (Leander
aus Schlesien) (1673-1744)
Wer kan der
süßen macht der liebe widerstehn?
Es muß der strenge Mars in ihren banden gehn.
Was ist wol in der welt, das ihr nicht dienen müsse?
Lufft, erd‘ und himmel liebt. So weit die sonne sticht,
Legt ihr ein ieder mensch das herze vor die füße;
Nur Amarillis nicht.
_____
Von Lisetten, als sie sich nicht wollen
küssen lassen
Mein! warum wehret sich Lisette,
Wenn man ihr öffentlich ein küßgen geben will?
Die antwort ist nicht schwer: Weil sie das
süße spiel
Viel lieber im verborgnen hätte.
_____
Wohlan! so sey es denn: Die farbe deiner lippen
Steigt höher, als die pracht von den corallen-klippen,
Und wer im tode liegt, den macht ihr feuer frisch.
Zwar andern schlägt die brust weit eine
süßre wunde;
Allein ich bin vergnügt, hab ich auf deinem munde,
Du andre Helena! nur einen freyen tisch.
_____
Vergnügungen, die schon ein groß geräusche geben,
Sind lange nicht der kern vollkommner
süßigkeit.
Die liebe sucht die still' und die zufriedenheit.
Und also muß man nur nach einem buhler streben.
_____
Ach! bricht dein grimm den porcellan
Der
süßen hoffnung ganz in drümmer?
Du blickest meiner flammen schimmer,
Als ein geborgtes wesen an.
Und spiel' ich gleich betrübte lieder;
So schlägt dein kalter sinn doch ihre kräffte nieder.
_____
Mein liebes-secretair bist du allein, mein herze!
Wie Amors
süße kerze
Mich nächst entzündet hat, das weißt du ganz allein.
_____
Als er sie geküsset hatte
Die schlau' und eifersüchtge liebe
Bewachte Florabellens mund.
Indem ich nun aus vorwitz-vollem triebe
Nach diesen frischen rosen stund,
(Worunter Amor sich versteckte)
Und endlich auch den safft der
süßen blumen schmeckte,
So stach die liebe zu, wie eine biene thut;
Der stich durchlief das heisse blut,
Und drang, iedoch nicht ohne
süße schmerzen,
Mir von dem munde zu dem herzen.
_____
Du fragst mich, liebstes kind, vollkommne Sylvie,
Ob reine liebes-glut, ob dieses
süße weh,
Bis zu der finstern grufft und ewig könne währen,
Ob reine flammen sich bis in die grube nähren,
Zwar, auserwehltes licht, ist selten eine treu,
Die von so langer daur und ohne tadel sey.
Doch wo zwey seelen sich von gleicher tugend lieben,
Da kan die reine glut in keinem sturm zerstieben.
_____
Georg Rudolf Weckherlin
(1584-1653)
Einig
süßes mündelein
Röhter dan ein röselein
So Phaebus durch sein ansehen
Macht aufgehen:
Lefzen übertreffend weit
Den taw so die erden nötzet,
Und mit fruchtbarkeit ergötzet
In der
süßen Frülings zeit.
_____
Darnach küß mich widerumb,
Das noch größer werd die sum,
Stüpf mich auch mit deiner zungen
Ungezwungen,
Die
süßer dan honig ist:
Also laß uns kurtzweil führen,
Damit wir ja nicht verlieren
Der Jugent einige frist.
_____
Das volck mag schwören, spihlen, sauffen,
Die Fürsten schänden gleich das Land,
Die gantze Welt fall gleich zu hauffen,
Voll krieg, untrew, blut, grewel, schand:
So bleib doch reichlich ich begabet
Von meiner
süssen Lieb erlabet.
_____
So laß mich nu von dir, thu du von mir, empfangen
Den letzten letzin-kuß. O
süsser tod! Ach nein,
O newe lebens-krafft, die wir zu gleich erlangen!
_____
Vil schöner dan der Sonnen-glantz,
Vil
süsser dan ein blumen-crantz
Ist meine Myrta anzuschawen;
Sie ist ein tag aller klarheit,
Sie ist der ruhm aller schönheit,
Under den lieblichsten Jungfrawen.
_____
Ich war ihr hertz, ihr trost und leben,
Sie war die Göttin meiner Brust;
Ietz hab ich bey ihr keinen lust,
Will auch ihr keine frewd mehr geben.
Ihr unbestand und mein verstand
Löschen auß Amors
süssen brand.
_____
Myrta gab ihm hierauf antwort,
Süsse sehl meiner sehlen hort,
Ich trag zu dir in meinem hertzen
Mehr lieb dan minuten ein Jahr,
Mehr dan stern hat der himmel klar
Leid ich für dich heimliche schmertzen.
Alßdan der hürt mit grossem lust
Zog dise wort auß seiner brust,
Sovil
süssigkeit laß Uns fühlen,
Wievil blumen zieren das feld;
Und wievil laub tragen die wäld,
So vil laß uns schertzen und spihlen.
_____
Durch küß von
süssem nectar feucht
Das hertz und sehl von frewden leicht
Solt Ihr Euch nemen und mitthailen:
Ihr solt durch tief-wundende küß,
Ihr solt durch
süß-hailende büß
Euch verwunden und wider hailen.
_____
So knüpfet auch kein sayl noch leyn ein solchen bund,
Als die zart krause haar, die meinen gaist beschweren;
Kein wind bließ iemahl auff die seegel stoltz und rund
Als mich die
süsse lufft des rothen munds bethören.
_____
In meiner hand (O
süsser lohn!)
Wan du, O schöne hand, gefangen,
Gedrucket druckest du mit wohn
Und lust mein hertz, hand und verlangen:
Gefangen fanget deine Zucht
Also, daß niemahls durch die flucht,
Der dich gefangen, dir entgangen.
_____
Zwo liebende geliebte sehlen,
Die ihre küß einander stehlen
Geniessend der lieb
süssen trew,
Die könden sich ja nicht bekräncken,
Vil weniger des tods gedencken,
Als aller forcht und sorgen frey.
_____
Die Lieb und Torheit uns verdriesset,
Doch ist die Torheit so
versüsset
Daß ihr kein wollust der welt gleich:
Die welt (der Torheit Königreich)
Wirt von ihr und der Lieb erhalten,
Sie beed die gantze welt verwalten.
_____
Ach! Hertzlieb, wan mich dein abwesen
Nicht lasset ferr von dir genesen,
So find ich mich auch ohn verstand
Wie ohn Sehl; Es ist eine Schand
Für uns beed, die wir hertzlich lieben,
Und ohn verstand uns stehts betrieben.
Ist dan Lieb wie Torheit zu schelten
So könden sie uns doch vergelten
Mit höchster frewd, trost, lob und lust,
Wan zumahl unsre Sehl und Brust,
Die stehts mit lieb sich mehr entzünden,
Mehr
süssigkeit in Narrheit finden.
_____
Die gantze Nacht und Tag verdriessen,
Marina, mich die
süsse blick,
Die scharpfe plitz, die oft und dick
Mein jung verliebtes hertz durch schiessen:
Verdriessen? nein. Vilmehr
versüessen
Die liebliche blick mein unglick
Die gantze Nacht.
Darumb so lasset uns geniessen
Der
süssen Lieb fruchtreiches glick,
Daß wir uns beed in der Lieb strick
Mit unsern armen selbs beschliessen
Die gantze Nacht.
_____
Des einen mund soll mit wollust
Des andern hertz auß seiner brust
Zunemen, ihm die brust aufspalten:
Des andern hertz soll mit dem mund
Durch
süße küß verwundend wund
Sich der andern brust nicht enthalten.
_____
Durch den schwaiß nimmet die frewd zu,
Die ruh ist
süßer nach unruh,
Und
süßer die küß so genetzet:
Also wirt dein laidige fraid,
Also wirt Ihr frewdiges laid
Durch beeder laid und fraid ergötzet.
_____
Ihr augen, die ihr mich mit einem blick und plitz
Scharpf oder
süß nach lust könt strafen und belohnen;
O liebliches Gestirn, Stern, deren liecht und hitz
Kan, züchtigend den stoltz, der züchtigen verschonen.
_____
Philipp von Zesen
(1619-1689)
SChöne Böse / meiner sinnen
bittersüße Hänkerin;
was doch sol ich nun beginnen:
da / o Hertzenskränkerin /
die du folterst seel' und sin /
ich von dir verschmähet bin?
_____
Ach Rosemund! ach Rosemund! dein mund mus meinen sinnen
ein'
alzeitsüsse walfahrt sein / so lang' er bleibt von hinnen:
so lange meine lippen nicht zu ihm walfarten gehn /
und stäts mit deines mundes tau erfrischet können stehn.
_____
Süße Lielje /
schau! deiner äuglein blitz
verwürret mier hertz sinn verstand und witz;
verwürret mier hertz sinn verstand und witz.
Mein mund ist als verklummet /
verstummet.
O
süße Lielje halt. ich hitz' / ich hitz'.
o
süße Lielje /
o
süße Lielje halt. ich hitz' / ich hitz'.
_____
Man befielt mir /
süße Schöne:
Ich sol rühmen deine Zier /
durch ein
süßes Lobgetöhne:
das / ja das befielt man mir.
Aber sol ich
süße spielen /
mus ich himmelsfeuer fühlen.
Doch dis
süße himmelsfeuer /
wie mich deucht / dringt durch mich hin;
auch fließt meine dinte freier /
als sie flos vom anbegin;
ja sie fliesset
wundersüße /
wan ich / Sonne / dich begrüße.
_____
Auf! Liebe / rühre meine lunge.
Auf! Liebe führe meine zunge.
Auf! Liebe ziere meinen klang
damit er
süß' und lieblich klinge /
damit ich
süß' und lieblich singe /
ja lieblich / diesen Lobgesang.
Die Lieb' entspriess' in meinen sinnen.
Aus liebe fliesse mein beginnen.
Von lieb' ergiesse sich mein reim:
in liebe schiess' er aus dem kiele:
mit liebe schliess' er seine spiele /
durch liebe
süß' / als honigseim.
Es müss' in meinem ahtem zischen
die zimmetluft aus Zeilans büschen:
ihr zukkergleicher
süßer saft
müss' auch aus meiner feder fliessen /
und diese gantze schrift
durchsüßen /
sie anzutuhn mit lebenskraft.
_____
Kein zukker ist so lieblich
süße /
als diese
süße Tugendblüße.
kein reucherhartz / ja kein kannehl /
noch auch der Inder teure fichte /
reucht nie so
süß' / als ihr gerüchte;
das selbst beschähmt das rosenöhl.
Karfunkelwasser hat die gaben
so kräftig nicht das hertz zu laben /
als ihrer Augen
süßer blik:
auf dessen zukkerstrahlen-streuen
das bitre leid sich selbst mus freuen /
ja alle trauer stehn zurük.
_____
18. Jh.
Charlotte von Ahlefeld
(1781-1849)
Die Liebe, die des Lebens Kronen windet,
Hat sich die Purpurrose vorbehalten.
Wenn ihre Gluth der Lilie sich verbindet,
Muß sich des Daseyns höchstes Glück gestalten.
In ihres Duftes wonnevollem Gruße
Berührt der Himmel uns mit
süßem Kuße.
_____
Bei Übersendung eines Vergißmeinnicht
Diese Blume, deren blaue Blüthe
Deutungsvoll der schönste Nahme schmückt,
Der als Wunsch mir längst im Herzen glühte,
Hab' ich einsam heut' im Thal gepflückt.
Süß umschwebt von Deinem theuern Bilde,
Schien sie würdig zur Gesandtin mir;
Hin in ferne, trennende Gefilde,
Bringe sie den Gruß der Freundschaft Dir.
Ehe sie Dir naht wird sie verbleichen -
Schnell verlöschet ihrer Farbe Licht,
Doch die Bitte möge Dich erreichen,
Die ihr Nahme zärtlich zu Dir spricht.
_____
Erbebt, ihr Saiten innerer Gefühle,
Bei der Erinn'rung
wundersüßem Schmerz,
Bei dem Gedanken der vergangnen Zeiten,
Und wiegt in Schlummer das erregte Herz.
_____
Für Dich dem Tode still mich hinzugeben,
Dünkt
süßer mir, als ohne Dich zu leben.
Doch knüpfte auch, im innigsten Vereine,
Mein Schicksal liebevoll sich an das Deine,
So würd' ich dennoch gern von Daseyn scheiden,
Befreite Dich mein Tod von Schmerz und Leiden,
Und selbst in banger Qual beglückte mich
Des Zauberwortes Himmelsklang: Für Dich!
_____
Als mir, von goldner Freiheit noch umfangen,
Des Daseyns Fülle blühend sich erschloß,
Da war's ein dunkles, heiliges Verlangen,
Das über mich der Sehnsucht Flammen goß.
Da blickt ich froh und kühn in die Gefilde
Der Zukunft hin, von Morgenroth beglänzt;
Das Leben schien in ungetrübter Milde
Von der Natur mir tausendfach umkränzt.
Und doch – von allen Blüthen, die es schmücken,
Von allen Freuden, die das Herz beglücken,
Verdient nur eine, daß man sie beweine.
Es ist das
süße, trunkene Entzücken,
Das nur durch Schweigen wagt sich auszudrücken
In stummer Liebe seeligem Vereine.
_____
Sophie Albrecht
(1757-1840)
Liebe
Süße Qual in meinem Herzen,
Die sein holder Name giebt,
Ruft mit tausendfachen Schmerzen:
Nie als jetzt hab' ich geliebt!
Dieses Klopfen, dieses Sehnen,
Ha! wem gilt der Flammenstreit?
Sind der Tugend diese Thränen?
Sind der Wollust sie geweiht?
Sehnsucht, wie sie keine kannte,
Seit die Lieb' ein Weib gekannt,
Knüpfst du himmlisch unsre Bande?
Wirst du Unschuld noch genannt?
Tausend kühne Wünsche beben,
Kühn vermess'ne Pulse fliehn -
Wollt' ich ihnen Namen geben,
Würde Schaam die Stirn' umglühn.
Selbst der Tugend ernste Büste -
Einst mein schönstes Heiligthum -
Wandelt, seit sein Mund mich küßte,
Sich zur Liebesgöttin um.
_____
An F*.
Von allem, was wir einst in
süßer Fülle hatten,
Von unbegränzter Liebe Glück,
Bleibt nichts, als der Ahnung Schatten,
Von goldner Zukunft mehr zurück.
Doch, ach! vielleicht, daß dieser Ahnung Palmen
Erst jenseits über Gräbern weh'n;
Hier sehn wir unsrer Liebe Erndtehalmen,
Dort werden wir die Früchte sehn.
Geschworen sei dir Liebe auch für jenes Leben,
Wo Treue ihre Strahlenkrone flicht;
Die Ewigkeit wird uns den Aufschluß geben,
Warum so manches Herz zu früh hier bricht.
_____
Rosa Maria Assing
(1783-1840)
Ich hab' viel von dir geträumet
So
süß einst, und ach auch so schwer!
Und deine Lieder, sie tönten
Noch lange so
süß um mich her.
_____
O Frühlingszeit!
Wie machst du das Herze so groß und weit!
Wie regt sich Alles munter da drinnen,
Wie werden so wach und lebendig die Sinnen!
Es haben die
süßen Gefühle nicht Raum,
Es wogt in dem Herzen und schwebt wie ein Traum.
O Frühlingszeit!
O Wunderzeit!
_____
O Frühlingszeit!
Wie mahnst du an die vergangne Zeit!
Es hatte mit dir in tausend Wonnen
Mein
süßes Liebeleben begonnen;
Und still, in Erinnrung und Liebe versenkt,
Mein Herze des vorigen Frühlings gedenkt.
O Frühlingszeit!
O Liebeszeit!
_____
Susanne von Bandemer
(1751-1828)
An ***
bey der
Übersendung einer Haarlocke
Die stolze Majestät des Löwen zu bezwingen,
Muss keine Kette ihn umschlingen;
Verachtend sprengt er sie. – Ein Faden fesselt ihn,
Und willig wird er Amors Wagen ziehn, -
Der Liebe
süssgepries'ne Bande
Sind, leider! zu Cytherens Schande,
Nicht immer
süss – und Blumenketten rar.
Doch ich, mein Trauter, fess'le gar
Den Mann der Liebe an ein – Haar -!
_____
Ha! dieser
süsse Aufruhr aller Sinnen,
Dies Drängen, Streben, Schmachten und Zerrinnen
In heissen Thränen, die die Liebe weinet
So uns vereinet,
Sie lässt uns nie der Ruhe Glück geniessen,
Bis Herz an Herz sich wonnevoll wird schliessen,
Und dieses Busens ungestümes Schlagen
Dir mehr wird sagen
Als tausend Worte dir bezeichnen können -
Wer kann das Unaussprechliche benennen? -
Vergebens streb' ich, Holder! dies Entzücken
Dir auszudrücken.
_____
Die Liebe kann der Liebe im Entbehren
Mehr
Süssigkeit, als Sinnenlust gewähren,
Denn das Entzücken, das sie giebt,
Bleibt von der Reue ungetrübt.
_____
Auf deinen frischen jugendlichen Wangen,
Geröthet von dem
süssesten Verlangen,
Verschönert durch Bescheidenheit,
Sah ich den Kampf verschwieg'ner Schmerzen,
Und fühlte tief in meinem Herzen
Der Liebe ganze Seligkeit.
_____
Du willst von mir nur Freundschaft nicht mehr Liebe;
Ists möglich! hör' ich recht? seit wann genügt sie dir?
O, der allmächtigste und
süsseste der Triebe,
Ist ja der bessre Theil von mir.
_____
Süsser Liebling! Dich nur zu erblicken
Ist der Wunsch, der meine Seele füllt,
Jeder Puls schlägt feuriges Entzücken
Wann der Zufall diese Sehnsucht stillt.
Und doch bist du immer mir zugegen,
Wann dich gleich mein Aug' und Herz vermisst:
Ungeduldig schelt' ich dann den trägen
Stundenlauf, wo du nicht bey mir bist.
Wachend denk' ich dein, und seh' dich immer
Vor mir schwebend, wie dein
süsses Bild
Jeden Raum in diesem kleinen Zimmer,
Jede Faser meines Herzens füllt.
_____
Die niedre Erde schwand, vor unsern trunknen Blicken
Enthüllte sich ein Himmel mir;
Ein
süsses Vorgefühl von göttlichem Entzücken
Der Seligen fand ich bey dir.
_____
Wer schildert sie des Herzens reine Wonne
Die mich durchbebt, wann endlich sich die Sonne
In Dunkel hüllt, und mir der Stern erscheinet,
Der uns vereinet.
Dann fliehen sie, die lang' ersehnten Stunden,
Bey dir dahin, als wären sie Sekunden,
Ich spähe nur in deinem
süssen Blicke
Nach meinem Glücke.
_____
Aloys Blumauer
(1755-1798)
Immerdar mit leisem Weben
Schwebt dein
süßes Bild vor mir,
Und ein liebesehnend Beben
Zittert durch die Seele mir.
_____
Küsse sind der Liebe Bund:
Es ist
süß, wenn Mund an Mund
Sich mein Blick umnebelt;
Aber noch weit
süßer, wenn
Dein gespitztes Züngelchen
Mit dem meinen schnäbelt.
_____
Gern deckt' ich in Assembleen
Dir den Busen, als Linon,
Oder hing in
süßen Wehen
Dir am Hals en Medaillon:
Doch zu meiner Freuden Fülle,
Schönste, wünscht' ich mir allein
Unter deines Bettes Hülle
Eine Nacht - ein Floh zu sein.
_____
Friedrich Bouterwek
(1766-1828)
Ein Kuß von meinem Mädchen
Begeistert mich zum Guten;
Der Sittenlehre Ruthen,
Ach! die begeistern nicht.
Man lernt so leicht durch Lieben
Die schwersten Pflichten üben.
Man übt so gern im Stillen
Der Liebe
süße Pflicht.
_____
Es wuchs für mich ein Baum empor;
Er hieß der Baum der Liebe.
In seinem Schatten blühte mir
Ein Himmel
süßer Zuversicht
Und nahmenloser Freude.
_____
Louise Brachmann
(1777-1822)
Mir gnügt es, wenn der Reine, Gottgeweihte,
Getrennt von mir, erfüllt die ernste Pflicht,
Daß ihn mein Geist mit Sehnsuchtsflug begleite,
Daß einst mein Auge mit dem seinen bricht!
Entfernt von Dir, bin ich Dir stets zur Seite;
Dein
süßes Bild macht meine Nächte licht!
O glücklich, könnt' auch ich Dich strenges Leben
Mit einem sanften Rosenflor umweben.
_____
Ja! Deinen Anblick will ich fliehen!
Der einst so hold, so
süß mir war.
Was soll der Wangen zärtlich Glühen?
Was blickt Dein Aug' so wunderbar?
Ich kann die Lust nicht unterdrücken
An Deines Blickes Himmelsstrahl!
Muß noch einmal in's Aug' Dir blicken,
Doch ach – dies war das letzte mal!
_____
Sagen, nein ich kann es nicht,
Was im Innern für Dich glühet,
Was mich magisch an Dich ziehet,
Sagen, nein ich kann es nicht!
Sähst Du nur nicht selbst die Glut,
Die mir auf den Wangen brennet,
Wenn Dein
süßer Mund mich nennet,
Wenn auf mir Dein Lächeln ruht;
_____
Schweige, Mund und redet, Augen!
Andre Sendung will ich nicht.
Nur so zarte Boten taugen,
Wo ein zart Geheimniß spricht.
Durch der Wimpern Schattenschleier
Dringen Blitze, bang, doch kühn,
Süßes, wunderbares Feuer,
Spiegelnd in der Wangen Glühn.
_____
Sympathie
Seelig, wenn aus des Geliebten Blicken
Die verwandte Seele wiederstrahlt!
Wenn sich unser Kummer und Entzücken
Spiegelnd in des Freundes Auge malt;
O wie
süß! wenn uns des Herzens Regung
Im geliebten Auge flammenhell
Aufblitzt, sympathetisch die Bewegung
Durch die Pulse flieget heiß und schnell!
Wie in einem Meer voll
süßer Wonne
Untergeht im theuren Aug' der Blick,
Und es glänzt ihm eine schöne Sonne
Von der lichten Spiegelfluth zurück.
Wunderbar doch schlang die ew'ge Liebe
Jenes Band, das unser Loos
versüßt,
Das mit mächt'gen, unaufhaltbar'n Triebe
Unsre Herzen aneinander schließt!
Jeder strebt, das eigne Glück zu finden,
Jeder sucht den Urquell eigner Lust;
Und wo fließt er? In den heil'gen Gründen,
In den Tiefen der geliebten Brust!
_____
Gottfried August Bürger
(1747-1794)
Du mein Heil, mein Leben, meine Seele!
Süßes Wesen, von des Himmels Macht
Darum, dünkt mir, nur hervorgebracht,
Daß dich Liebe ganz mir anvermähle!
_____
Wenn gleich in Hain und Wiesenmatten
Sich Baum und Staude, Moos und Kraut
Durch Lieb' und Gegenliebe gatten,
Vermählt sich mir doch keine Braut.
Mir wächst vom
süßesten der Triebe
Nie Honigfrucht zur Lust heran;
Denn ach! mir mangelt Gegenliebe,
Die Eine nur gewähren kann!
_____
Hört von meiner Auserwählten,
Höret an mein schönstes Lied!
Ha, ein Lied des Neubeseelten
Von der
süßen Anvermählten,
Die ihm endlich Gott beschied!
Wie aus tiefer Ohnmacht Banden,
Wie aus Graus und Moderduft
In verschlossner Totengruft
Fühlt er froh sich auferstanden
Zu des Frühlings Licht und Luft.
_____
"O Lieber", so sprach sie, so sang sie zu mir,
"O
Süßer, was sollt' ich nicht lieben an dir?
Bist
süß mir an Leibes- und Liebesgestalt;
Doch teuer durchs Herz, das im Busen dir wallt." -
_____
Wohlauf, mein liebender Gedanke,
Wohlauf, zu ihrem Lager hin!
Und webe gleich der Eppichranke
Dich um die traute Schläferin!
Geneuß der
übersüßen Fülle
Von aller Erdenseligkeit,
Wovon zu kosten noch ihr Wille,
Und ewig ach! vielleicht verbeut! - -
_____
Bist nicht häßlich, das ist wahr;
Äuglein hast du, blau und klar;
Wang' und Mund sind
süße Feigen;
Ach! vom Busen laß mich schweigen!
Reizend, Liebchen, das ist wahr,
Reizend bist du offenbar.
_____
Schwanenlied
Mir thut's so weh im Herzen!
Ich bin so matt, so krank!
Ich schlafe nicht vor Schmerzen;
Mag Speise nicht und Trank;
Seh' alles sich entfärben,
Was Schönes mir geblüht!
Ach, Liebchen! will nur sterben!
Dies ist mein Schwanenlied.
Du wärst mir zwar ein Becher
Von Heilungslabsal voll. -
Nur - daß ich armer Lecher
Nicht ganz ihn trinken soll! -
O, daß du auch so
Süßes,
So tausend
Süßes hast! -
Und hätt' ich des Genießes,
Wann hätt' ich gnug gepraßt? -
Drum laß mich vor den Wehen
Der ungestillten Lust
Verschmelzen und vergehen,
Vergehn an deiner Brust!
Aus deinem
süßen Munde
Laß saugen
süßen Tod!
Denn, Herzchen, ich gesunde
Sonst nie von meiner Not.
_____
Wer schuf des Mädels Purpurmund
So würzig,
süß und lieb und rund?
Der liebe Gott! der hat's gethan,
Der Nelk' und Erdbeer' würzen kann,
Der schuf des Mädels Purpurmund
So würzig,
süß und lieb und rund.
_____
Wer hat zur Fülle
süßer Lust
Gewölbt des Mädels weiße Brust?
Der liebe Gottt hat's auch gethan,
Der stolz die Schwäne kleiden kann;
Der hat zur Fülle
süßer Lust
Gewölbt des Mädels weiße Brust.
_____
Die Unvergleichliche
Welch Ideal aus Engelsphantasie
Hat der Natur als Muster vorgeschwebet,
Als sie die Hüll' um einen Geist gewebet,
Den sie herab vom dritten Himmel lieh?
O Götterwerk! Mit welcher Harmonie
Hier Geist in Leib und Leib in Geist verschwebet!
An allem, was hienieden Schönes lebet,
Vernahm mein Sinn so reinen Einklang nie.
Der, welchem noch der Adel ihrer Mienen,
Der Himmel nie in ihrem Aug' erschienen,
Entweiht vielleicht mein hohes Lied durch Scherz.
Der kannte nie der Liebe Lust und Schmerz,
Der nie erfuhr, wie
süß ihr Atem fächelt,
Wie wundersüß die Lippe spricht und lächelt.
_____
Adelbert von Chamisso
(1781-1838)
Küssen ist ein
süßes Spiel,
Meinst du nicht, mein
süßes Leben?
Nimmer ward es noch zu viel,
Küssen ist ein
süßes Spiel.
Küsse, sonder Zahl und Ziel,
Geben, nehmen, wiedergeben,
Küssen ist ein
süßes Spiel,
Meinst du nicht, mein
süßes Leben?
_____
Helmina von Chézy
(1783-1856)
Ade, Ade! Mir ist so weh,
Daß ich dich missen mußt'!
Dein lichter Blick
Blieb mir zurück,
Ein Pfeil in tiefster Brust,
Bald
süß, bald weh – Ade, Ade!
_____
Die Stunden flieh'n, die Hoffnung ist zerronnen,
Und sternenlos bleibt die durchstürmte Nacht,
Ja, Himmel, nimm sie wieder, deine Wonnen,
Die arme Welt ist nicht für sie gemacht!
Und wird kein Stern mehr
süßen Stunden scheinen,
So reich, so selig, heil'ger Andacht voll,
So laß mich sanft um das Verschwund'ne weinen,
Ein
süßes Glück will
süßer Thränen Zoll.
_____
Himmel und Welle
Gestern war ich voller Schmerz,
Heut ist Alles
süß und helle:
Wie der Himmel, so die Welle,
Wie mein Liebling, so mein Herz!
_____
Ich bin so reich in Deinem Angedenken,
Daß ich mich nimmer kann ganz einsam nennen,
Nur wenn ich mich kann ganz hinein versenken,
Dann gibt's für mich kein banges Herzenstrennen;
Will mir die Welt die eitlen Freuden schenken,
Ich fliehe sie, und mag sie nimmer kennen,
Welt, Seele, Herz und Himmel sind vereint,
Wo mir Dein Bild, ein
süßer Stern, erscheint.
_____
Ich weiß auf weiter Erde
Ein Wesen nur, wie Dich,
Vor Gott, und vor der Einen
Beug' ich an Andacht mich.
Wie
süß ist's, Dich zu denken!
In Deiner Lieblichkeit
Die Seele zu versenken
Gibt Trost in herbem Leid.
O leucht' im Glorienscheine
Stets selig, klar und rein,
Du Heilige, Du Meine,
Vor Gott gedenke mein!
_____
O, wer noch nie gewußt,
Wie
süß ist einsam Sehnen
Der suche Sehnens Lust
In ewig schönen Thränen.
Die grüne Einsamkeit,
Wo Nachtigallen hauchen,
Muß jedes Herzeleid
In ihre Wonnen tauchen.
_____
Ach, ich trank einmal mit Beben,
Süß durchschauert von Entzücken
Aus des Auges Flammenblicken
Leben, Liebe, Lieb' und Leben.
_____
So mußt Du, Geliebte, blühen,
Reizerfüllt, mit edelm Sinn.
So muß ich in Sehnsucht glühen,
Blicke bange auf Dich hin.
Deine Reize mich berauschen,
Sehnlich athm' ich
süße Pein,
Darf ich Herz um Herz nicht tauschen
Ist doch meine Seele Dein!
_____
An *
Warum so stumm, mein Herz, warum so bange?
Fühlst Du Dich heut nicht rein und
süß beglückt?
Warum der Thräne Fluth auf bleicher Wange,
Da Perl' und Thau nur frische Rosen schmückt?
Blüht nicht die Flur? Erschloßen nicht die Rosen
Sich dieser Sonne, die durch Wolken dringt?
Warum dann bangst Du, da der Seele Kosen
Mit zartem Laut durch Deine Trauer klingt?
O, laß der Seele nur ihr dämmernd Schweigen,
Berühre nicht die Tiefen wunder Brust,
Laß, statt der Töne, Perlen nur entsteigen,
Welch Lied erreicht der Thräne stille Lust?
Gib diesem Festtag nur ein leises Grüßen,
Denn wortlos grüßen Blume, Duft und Licht,
Und welch ein Herz vernimmt darin den
süßen
Herzinn'gen Einklang reiner Liebe nicht?
_____
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Dich sah ich, und die milde Freude
Floß von dem
süßen
Blick auf mich;
Ganz war mein Herz an deiner Seite
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich - ihr Götter!
Ich hofft es, ich verdient es nicht!
_____
Ist es möglich! Stern der Sterne,
Drück ich wieder dich ans Herz!
Ach, was ist die Nacht der Ferne
Für ein Abgrund, für ein Schmerz!
Ja, du bist es, meiner Freuden
Süßer, lieber Widerpart;
Eingedenk vergangner Leiden,
Schaudr ich vor der Gegenwart.
_____
Laß deinen
süßen
Rubinenmund
Zudringlichkeiten nicht verfluchen;
Was hat Liebesschmerz andern Grund,
Als seine Heilung zu suchen?
_____
Frech und froh
Liebesqual verschmäht mein Herz,
Sanften Jammer,
süßen
Schmerz;
Nur vom Tüchtgen will ich wissen,
Heißem Äugeln, derben Küssen.
Sei ein armer Hund erfrischt
Von der Lust, mit Pein gemischt!
Mädchen, gib der frischen Brust
Nichts von Pein und alle Lust!
_____
Christgeschenk
Mein
süßes
Liebchen! Hier in Schachtelwänden
Gar mannigfalt geformte
Süßigkeiten.
Die Früchte sind es heilger Weihnachtszeiten,
Gebackne nur, den Kindern auszuspenden!
Dir möcht ich dann mit
süßem
Redewenden
Poetisch Zuckerbrot zum Fest bereiten;
Allein was solls mit solchen Eitelkeiten?
Weg den Versuch, mit Schmeichelei zu blenden!
Doch gibt es noch ein
Süßes, das vom Innern
Zum Innern spricht, genießbar in der Ferne,
Das kann nur bis zu dir hinüber wehen.
Und fühlst du dann ein freundliches Erinnern,
Als blinkten froh dir wohlbekannte Sterne,
Wirst du die kleinste Gabe nicht verschmähen.
_____
Sprich! unter welchem
Himmelszeichen
Der Tag liegt,
Wo mein Herz, das doch mein eigen,
Nicht mehr wegfliegt?
Und, wenn es flöge, zum Erreichen
Mir ganz nah liegt? -
Auf dem Polster, dem
süßen, dem weichen,
Wo mein Herz an ihrem liegt.
_____
Süß, den sprossenden Klee mit weichlichen Füßen im Frühling
Und die Wolle des Lamms tasten mit zärtlicher Hand;
Süß, voll Blüten zu sehn die neulebendigen Zweige,
Dann das grünende Laub locken mit sehnendem Blick.
Aber
süßer, mit Blumen dem Busen der Schäferin schmeicheln;
Und dies vielfache Glück läßt mich entbehren der Mai.
_____
Über meines Liebchens Äugeln
Stehn verwundert alle Leute;
Ich, der Wissende, dagegen
Weiß recht gut, was das bedeute.
Denn es heißt: ich liebe diesen,
Und nicht etwa den und jenen.
Lasset nur, ihr guten Leute,
Euer Wundern, euer Sehnen!
Ja, mit ungeheuren Mächten
Blicket sie wohl in die Runde;
Doch sie sucht nur zu verkünden
Ihm die nächste
süße Stunde.
_____
Friedrich Wilhelm Gotter (1746-1797)
Die Liebe
Ach, was ist die Liebe
Für ein
süßes Ding!
Sorgenlos, wie Kinder,
Führt sie uns durchs Leben.
Unser ganzes Leben
Flieht mit ihr geschwinder,
Als uns ohne Liebe
Sonst ein Tag verging!
Ach, was ist die Liebe
Für ein
süßes Ding!
Ach, was ist die Liebe
Für ein
süßes Ding!
Muth gibt sie zur Arbeit,
Hilft sie uns verrichten.
Eine Blumenkette
Werden unsre Pflichten,
Und am Thron der Liebe
Hängt der Kette Ring.
Ach, was ist die Liebe
Für ein
süßes Ding!
Ach, was ist die Liebe
Für ein
süßes Ding!
Unsre Seele hebet
Sich auf ihrem Flügel,
Unsre Seele schwebet,
Neu von ihr belebet,
Ueber Thal und Hügel,
Gleich dem Schmetterling.
Ach, was ist die Liebe
Für ein
süßes Ding!
_____
Johann Diederich Gries
(1775-1842)
So viel verdankt' ich absichtsloser Milde,
Empfing so viel, dir selber unbewusst!
Mein Auge hing entzückt an deinem Bilde,
Und Himmelsahnung schwellte meine Brust.
O Seligkeit elysischer Gefilde,
O
süsser Taumel unerschöpfter Lust,
Wenn diesen Reiz, der von den Göttern stammte,
Ein Funken nur von Mitgefühl durchflammte!
_____
Am frühen Morgen ist mein erstes Sinnen:
Werd' ich wohl heut die Vielgeliebte schauen?
Und schmeichelnd giebt mir Hoffnung das Vertrauen:
Du wirst, du wirst den
süssen Lohn gewinnen.
_____
Johann Christian Günther
(1695-1723)
ICH habe genug.
Lust, Flammen und Küße
Sind giftig und
süße
Und machen nicht klug.
Komm, seelige Freyheit und dämpfe den Brand,
Der meinem Gemüthe die Weißheit entwand.
_____
Liebste Seele, las dich finden!
Ich spaziere durch die Linden,
Durch die Thäler, durch den Hayn
In Begleitung
süßer Pein;
Ich durchkrieche Strauch und Höhlen,
Such in Wäldern weit und nah
Die Vertraute meiner Seelen,
Dennoch ist sie nirgends da.
_____
VON DER LIEBE
O Liebe,
Was vor innig-süße Triebe
Hegstu nicht in deiner Brust!
Würden doch nur die Verächter
Einmahl unsrer Wollust Wächter,
Schwör ich bey Amoenens Gunst,
Daß sie erstlich selbst nicht wüsten,
Ob der Himmel zeitlich sey,
Und darnach vor Scham und Reu
Nur vom Zusehn sterben müsten.
Das thäten sie,
Das thäten deine Triebe,
O Liebe!
_____
NUR eine bleibet meine Taube,
Und diese, werthes Kind, bist du;
Die Welt hat nichts von
süßrem Schmerze,
Als wenn ich dir, vertrautes Herze,
Die Armen um den Nacken thu
Und dort zwey Handvoll Blumen raube.
So wie uns oft nach warmen Regen
Ein grünlichter Geruch erquickt,
So geil, so kräftig und so
süße
Erfahr ich den Geruch der Küße,
Die, wenn sich deine Zunge rückt,
Herz, Nieren, Marck und Bein bewegen.
_____
WAS ich in Gedancken küße,
Macht mir Müh und Leben
süße
Und vertreibt so Gram als Zeit;
Niemand soll es auch erfahren,
Niemand will ich's ofenbahren
Als der stummen Einsamkeit.
_____
Dein Antliz hält uns viel zu scharf,
Als daß ein Mensch Erlösung hofen darf;
Ich lieg in deinen Ketten,
Du angenehmes Kind,
Und werde nie gesinnt,
Mein treues Herze zu erretten.
Das
süße Joch, die leichte Last,
Mit der du mich gebunden hast,
Ergözt mich mit dem schönsten Spiele;
Denn wenn ich Schlummer fühle,
So sieht die finstre Ruh
Den halb geschloßnen Blicken zu,
Die an die Sterne dringen
Und durch die kalte Luft
Den Schwur zum Abendopfer bringen,
Den Echo öfters nachgeruft.
_____
DIE Liebe weckt an diesem Morgen
Den Kummer der verliebten Sorgen
Mit mir gar zeitig wieder auf;
Die Seufzer wachen in dem Munde,
Die Thränen suchen aus dem Grunde
Des Herzens ihren alten Lauf.
Die Schmiedin meiner
süßen Kette
Zieht meine Faulheit aus dem Bette,
In welchem sie der Schlaf noch wiegt.
Ihr Auge schläft, ich aber weine,
Die Einsamkeit sizt auf dem Steine,
Der mir an meinem Herzen liegt.
_____
Sammle nur auf jene Stunde,
Die die Wiederkunft bestimmt,
Neuen Geist und Kraft im Munde,
Stärcke, was im Auge glimmt,
Ja, verspar auf diesen Tag
Alles, was entzücken mag!
O mit was vor
süßem Lallen
Werden wir alsdenn, mein Kind,
An- und umeinander fallen,
Bis die Zunge Kraft gewinnt
Und durch holde Wort entdeckt,
Was wir innerlich geschmeckt.
_____
ACH, was ist das vor ein Leben,
Niemahls recht verliebt zu seyn!
Nichts kan Trost im Unglück geben
Als ein Kuß voll
süßer Pein.
_____
Ich gönne ja jedem sein eigen Ergözen,
Drum last mich zufrieden und gönnt es auch mir.
Denckt jemand zu lieben, der thu es noch hier,
Eh Zeit und Verhängnüß den Scheidebrief sezen.
Die Welt hat nichts
Süßers als dies, was man liebt,
Drum leb ich und liebe, so lang es was giebt.
_____
Vor was erröthestu, mein Licht?
Ich werde dich nichts Böses lehren;
Du kennst das
süße Spiel noch nicht,
Dein Anblick raubt mir Sehn und Hören.
Die Liebe wüntscht dich in ihr Reich,
Gehorch ihr doch auf mein Erklären,
Sie wird sich dir und dies zwar gleich
Mit aller ihrer Lust gewähren.
_____
Ach, freylich thut es weh, wenn solche Ketten springen;
Brecht,
süße Feßel, brecht! Ich bin genug gedrückt,
Mich soll kein frischer Kuß in neue Bande zwingen;
Da Philirindens Zorn die lezte Glut erstickt,
Und da mich ihre Flucht auf Erden elend macht,
So sag ich auf einmahl der Liebe gute Nacht.
_____
Wir spielen unverstört mit Redligkeit und Küßen,
Wir haben gleichen Sinn, wir wüntschen einerley,
Sind Sclaven
süßer Macht, und niemand lebt so frey;
Wir schwazen, daß uns auch die Worte mangeln müßen,
Wir schencken uns an uns und nähmen, könt es seyn,
Als Seelen wahrer Treu nur einen Cörper ein.
_____
Ein Augenblick der
süßen Zeit,
In welchem mich dein Scherz erfreut,
Gilt mehr als alle Freudenfeste,
Wo Dresden, jezt die halbe Welt,
Das Herz der hohen Hochzeitgäste
Mit tausend Wollust unterhält.
_____
Ich lies den Schlaf vergebens auf mich warthen,
Und wenn mein Fleiß die finstre Nacht
Mit Kuß und Büchern zugebracht,
So zogstu mich gleichwohl noch in den Garthen;
Da träufelte mir erst das
süße Mannabrodt
Noch reicher als dein Thau vom allerliebsten Munde,
Da macht ich oftermahls mit unserm
süßen Bunde,
Ich glaub aus Eifersucht, Auroren noch so roth.
_____
SO wist einmahl, ich bin verliebt,
Und zwar in so ein Kind,
Das mir erst Lust zu leben giebt,
So schwer die Zeiten sind.
Sein Kuß ist meiner Seelen Kraft
Und hat an
süßer Glut
Fast aller Schönen Eigenschaft,
Nur nicht den Wanckelmuth.
_____
Friedrich von Hagedorn
(1708-1754)
Du holder Gott der
süßten Lust auf Erden,
Der schönsten Göttinn schöner Sohn!
Komm, lehre mich die Kunst, geliebt zu werden;
Die leichte Kunst zu lieben weis ich schon.
_____
Ergebet euch mit freyem Herzen
Der jugendlichen Fröhlichkeit:
Verschiebet nicht das
süße Scherzen,
Ihr Freunde, bis ihr älter seyd.
Euch lockt die Regung holder Triebe;
Dieß soll ein Tag der Wollust seyn:
Auf! ladet hier den Gott der Liebe,
Auf! ladet hier die Freuden ein.
_____
Noch ietzt verehr ich Chloris;
Mir aber ist sie spröde
Und wünscht nicht zu erfahren,
Ob ich die Liebe kenne;
Und jener
süßen Stunde
Und ihres kleinen Schäfers
Und ihres holden Kusses
Vergisst die stolze Schöne.
Nur ich kann ihrer Lippen,
Die sie mir lächelnd reichte,
Nur ich kann ihres Kusses
Und ihrer nicht vergessen.
_____
Die erste Liebe
O wie viel Leben, wie viel Zeit
Hab ich, als kaum beseelt, verlohren,
Eh mich die Gunst der Zärtlichkeit
Begeistert und für dich erkohren!
Nun mich dein
süßer Kuß erfreut,
O nun belebt sich meine Zeit!
Nun bin ich erst gebohren!
_____
Der Kuß
Wie unvergleichlich ist
Die Schöne, die recht küsst!
In ihren Küssen steckt
Was tausend Lust erweckt.
Den Mund gab die Natur
Uns nicht zur Sprache nur:
Das, was ihn
süßer macht,
Ist, daß er küsst und lacht.
Ach, überzeuge dich
Davon, mein Kind! durch mich
Und nimm und gieb im Kuß
Der Freuden Ueberfluß.
_____
Ludwig Christoph Heinrich
Hölty (1748-1776)
Beglückt, beglückt,
Wer dich erblickt,
Und deinen Himmel trinket;
Wem dein Gesicht,
Voll Engellicht,
Den Gruß des Friedens winket.
Ein
süßer Blick,
Ein Wink, ein Nick,
Reißt mich zur Himmelssphäre;
Den ganzen Tag
Sinn ich ihm nach,
Und baue dir Altäre.
_____
Komm! dich beschwört die Sehnsuchtsthrän‘ im Antliz,
Dich dies wallende Herz voll
süßer Ahndung!
Trübe floß mein Leben! O Himmelsbotin,
Komm, es zu heitern!
_____
Du
süßes Bild, das mir mit Feurentzücken
Die Seele füllt,
Wann werd ich dich an meinen Busen drücken,
Du
süßes Bild?
_____
Wer die
Süße
Treuer Küße
Nicht gekostet hat,
Irret, wie verloren,
Auf dem Lebenspfad,
Ist noch ungebohren.
Wer die
Süße
Treuer Küße
Schon gekostet hat,
Tritt auf lauter Rosen,
Wo sein Fuß sich naht,
Blühen lauter Rosen.
_____
Ich träumt', ich war ein Vögelein,
Und flog auf ihren Schoos,
Und zupft' ihr, um nicht laß zu seyn,
Die Busenschleifen los.
Und flog, mit gaukelhaftem Flug,
Dann auf die weiße Hand,
Dann wieder auf das Busentuch,
Und pickt' am rothen Band.
Dann schwebt' ich auf ihr blondes Haar,
Und zwitscherte vor Lust,
Und ruhte, wann ich müde war,
An ihrer weißen Brust.
Kein Veilchenbett' im Paradies
Geht diesem Lager vor.
Wie schlief sichs da so
süß, so
süß
Auf ihres Busens Flor!
_____
Johann Georg Jacobi
(1740-1814)
Der erste Kuß
Leiser nannt' ich deinen Nahmen
Und mein Auge warb um dich:
Liebe Chloe! näher kamen
Unser beyder Herzen sich.
Und du nanntest meinen Nahmen;
Hoffen ließ dein Auge mich:
Liebe Chloe! näher kamen
Unser beyder Lippen sich.
O, es war ein
süßes Neigen;
Bis wir endlich, Mund an Mund,
Fest uns hielten, ohne Zeugen:
Und geschlossen war der Bund.
_____
Welch ein Kuß! Und deinen Wangen,
Zart wie Knospen, ehe sie
Noch zu Rosen aufgegangen,
Nahte sich der Jüngling nie.
Aber Liebes-Götter wachten,
Als du schliefst, um deinen Mund,
Küßten deine Lippen, machten
Ihr Geheimniß ihnen kund;
Lehrten sie dieß holde Schweben,
Diesen Wonnedruck, so leicht,
Wie des Frühlingswindes Beben,
Wenn er über Wiesen schleicht.
Tausend Quellen einer
süßen,
Neuen Wollust thun sich auf,
Rieseln in mein Herz, und fließen
Mächtiger in vollem Lauf;
Strömen hin durch alle Glieder:
Sterbend sucht mein Auge dich;
Und mir ist, erwach' ich wieder,
Als begrüßten Engel mich!
_____
Komm, Liebchen! es neigen
Die Wälder sich dir;
Und alles mit Schweigen
Erwartet dich hier.
Der Himmel, ich bitte,
Von Wölkchen wie leer!
Der Mond in der Mitte,
Die Sternlein umher!
Der Himmel im glatten
Umdämmerten Quell!
Dies Plätzchen im Schatten,
Dies andre so hell!
Im Schatten, der Liebe
Dich lockendes Glück;
Dir flüsternd: Es bliebe
Noch Vieles zurück.
Es blieben der
süßen
Geheimnisse viel;
So festes Umschließen;
So wonniges Spiel!
Da rauscht es! da wanken
Auf jeglichem Baum
Die Aeste; da schwanken
Die Vögel im Traum.
Dies Wanken, dies Zittern
Der Blätter im Teich -
O Liebe! dein Wittern!
O Liebe! dein Reich!
_____
Die ersten Lerchen sangen:
Da küßt' ich deine Wangen,
Und fragte: Liebst du mich?
Die ersten Zephyrs wehten:
Da sagte dein Erröthen:
Ich liebe dich!
Da warst du ganz die meine;
Da rauschten es die Haine;
Die Bäche priesen mich,
Und murmelten vertrauter;
Die Lerchen sangen lauter:
Ich liebe dich!
Und Epheuranken hingen
An jedem Baum, und fingen,
In
süßer Irre, sich
Vor Wollust an zu regen;
Sie bebten mir entgegen:
Ich liebe dich!
_____
Bey der Liebe reinsten Flammen,
Glänzt das arme Hütten-Dach:
Liebchen! ewig nun beysammen!
Liebchen! schlafend oder wach!
Süßes, zärtliches Umfangen,
Wenn der Tag am Himmel graut:
Heimlich klopfendes Verlangen,
Wenn der Abend niederthaut!
_____
O, da gab die finstre Laube
Leisen Trost im Abendschein;
O, da kam ein
süßer Glaube
Mit dem Morgenglanz im Hain;
Da vernahm ich's in den Winden,
Ihr Geflüster lehrte mich:
Daß ich suchen sollt', und finden,
Finden, holde Liebe! dich.
_____
Ludwig Gotthard
Kosegarten (1758-1818)
Deutsches Mädchen, wird er sagen,
Sieh mich hier, ich liebe Dich;
Wie die Sonn' in Sommertagen
Strahlt Dein Angesicht auf mich.
Gerne weiht den
süßen Trieben
Sich mein standhaft Herze - Sprich',
Kann das Deine denn nicht lieben? -
Edles Mädchen, liebe mich!
_____
Wenn in
süßen Augenblicken
Ich an deinen Locken spielt',
Und mit innigem Entzücken
Deine warmen Hände hielt,
Wenn ich dich an meinen Busen
In der Liebe Taumel zog,
Und dein junger reiner Busen
Athmend mir entgegen flog;
Dann, wie Strahl der Abendsonne,
Dämmerte mir Seelen-rein,
Und ich träumte mir die Wonne,
Mädchen, dir geliebt zu seyn.
_____
Zwar hab' ich auch in stillern Augenblicken,
Mit
süßerm seeletrauerndem Entzücken,
Um dich geweint!!
Und sieh! Nicht ganz unselig ist der Mann,
Deß Auge nur noch weinen kann!
Doch ach! in wenigen Sekunden
Ist diese Dämmerung aus meiner Seele schwunden,
Und öd' und schwarz,
Wie Gräber, stand vor mir der stumme große Schmerz,
Und Eine lange Mitternacht
Hab' ich um dich verwälzt, verseufzet und verwacht.
_____
O schone mein, du bist so hold,
Viel holder als der Sonne Gold,
Viel schöner als die Blüthen all',
Viel
süßer als die Nachtigall.
Dein Aug' ist blau und freundlich gut,
Dein Mund in seiner Rosengluth!
Dein Blick so lieb! dein Busen rein!
O Herzensmädchen, schone mein!
_____
Noch vier und zwanzig Stunden,
So schmacht' ich fern von dir,
Und breit' in leere Lüfte
Den Arm umsonst nach dir,
Nach dir, mein Eins und Alles,
Mein
süßes Eigenthum,
Mein Gram und mein Entzücken,
Mein Preis, mein Lied, mein Ruhm!
_____
Ich bin erhört. Die hochzeitliche Kammer
Umfängt uns schon mit
süßer Dunkelheit.
Und jeder alte Gram, und jeder alte Jammer
Taucht unter in Vergessenheit!
_____
O Wonne, du Starke! O Liebe, du
Süße!
Mich brennen, mich schmelzen die brünstigen Küsse!
Wie beb' ich! Wie fühl' ich die schlagenden Wellen
Den seligkeitflutenden Busen mir schwellen!
_____
Jakob Michael Reinhold
Lenz (1751-1792)
Süße Schmerzen meiner Seele,
Angenehme Pein,
Und doch muß bei dem Gequäle,
Diese Seele heiter sein,
Muß geliebt von allem, was auf Erden
Liebenswert und heilig ist,
Seiner Sehnsucht Opfer werden,
Wie mein Bruder! du es bist.
_____
Ach tus, durchbohr mein Herz, gewiß, dann wird mir besser,
In deinen Armen will ich dann vom Leben ruhn.
Ach welche
Süßigkeit! von Lieb und Wollust trunken
Schläft dann mein mattes Haupt von seiner Unruh ein,
Auf deinen
süßen Schoß verliebt herabgesunken,
Und küsset sterbend noch die Ursach seiner Pein.
Ja tus! von deiner Hand wie kann der Tod mich schröcken?
Es ist das größte Glück, das ich erhalten kann.
Ein Stoß, so ists geschehn: wie
süß wird er mir schmecken,
Ein kleiner Stoß, und dann geht erst mein Leben an.
_____
Friedrich von Matthisson
(1761-1831)
Ich denke dein
Mit
süßer Pein
Mit bangem Sehnen
Und heißen Tränen!
Wie denkst du mein?
O denke mein,
Bis zum Verein
Auf besserm Sterne!
In jeder Ferne
Denk ich nur dein!
_____
Nimmer, nimmer darf ich dir gestehen,
Was beim ersten Drucke deiner Hand,
Süße Zauberin, mein Herz empfand!
Meiner Einsamkeit verborg'nes Flehen,
Mein Seufzer wird der Sturm verwehen,
Meine Tränen werden ungesehen
Deinem Bilde rinnen, bis die Gruft
Mich in ihr verschwieg'nes Dunkel ruft.
_____
Christian Ludwig Neuffer
(1769-1839)
Ich denke dein mit frommer Herzensfeier,
Vor deinem Bild, in
süßem Selbstbetrug,
Und geb' in schöpferischem Feuer
Ihm Geist und Leben Zug vor Zug,
Ich wähne freudig dich mir näher,
Und ganz vertieft im Schauen schlägt
Die heiße Brust mir höher.
_____
Ich denke dein, wohin mein Blick sich wendet,
Ich sehe deiner Hände
süße Spur,
Was du geordnet und vollendet
Im Haus, wie in der Gartenflur,
An Zeichen, die mich rings umgeben,
Seh' ich, stets mahnend, deinen Geist
Mir nah und näher schweben.
_____
Johann Gaudenz von
Salis-Seewis (1762-1834)
Ich saß im dunkeln Buchenhain
Bei ihr auf weichem Moos,
Im trüben blassen Mondenschein,
Gelehnt auf ihren Schoß.
Ich spielte mit dem blauen Band
An ihrer weißen Brust;
Und bebte, bei dem Druck der Hand,
Im Schauer
süßer Lust.
_____
Friedrich Schiller
(1759-1805)
O sehnend Herz, ergötze dich nicht mehr,
Mit
süßen Bildern wesenlos zu spielen!
Der Arm, der sie umfassen will, ist leer,
Kein Schattenglück kann diesen Busen kühlen.
O führe mir die Lebende daher,
Laß ihre Hand, die zärtliche, mich fühlen,
Den Schatten nur von ihres Mantels Saum -
Und in das Leben tritt der hohle Traum.
_____
Selig durch die Liebe
Götter - durch die Liebe
Menschen Göttern gleich!
Liebe macht den Himmel
Himmlischer - die Erde
Zu dem Himmelreich.
Liebe sonnt das Reich der Nacht,
Amors
süßer Zaubermacht
Ist der Orkus untertänig:
_____
August Wilhelm von
Schlegel (1767-1845)
Der Frühlingssonne holdes Lächeln
Ist meiner Hoffnung Morgenroth;
Mir flüstert in des Westes Fächeln
Der Freude leises Aufgebot.
Ich komm', und über Thal und Hügel,
O
süße Wonnegeberin,
Schwebt, auf des Liedes raschem Flügel,
Der Gruß der Liebe zu dir hin.
_____
Eine holde
süße Kranke
Ist mein stätiger Gedanke.
Milde Sonne, laß dich schauen!
Haltet inne, rauhe Lüfte!
Gieße deine Balsamdüfte,
Frühling, auf Toscanas Auen.
Grüne Lauben will ich bauen,
Daß sie nicht im Sturme wanke,
Diese Blume, diese Kranke.
_____
Aus der Wimpern Schatten strahlen
Laß mir deine dunkeln Augen;
Laß von deinen Lippen saugen
Bange Wonn' und
süße Qualen.
Einmal noch! zu tausendmalen!
Bis ich bebe, bis ich schwanke,
Und im Sehnen selbst erkranke.
_____
Wo ich mich wiederfinde
Bei meinem
süßen Kinde,
Muß Heil sein, Wonn' und Licht.
Sie wird, wenn meiner Zungen
Der Klage Laut verklungen,
Mein himmlisches Gedicht.
_____
Süß berauscht in Thränen
An des Lieben Brust mich lehnen,
Arm um Arm gestrickt,
Mund auf Mund gedrückt,
Das nur stillt mein Sehnen!
_____
Und schmacht' ich so mit allen meinen Sinnen
Nach deinem
süßen, labungsvollen Kuß,
Und kann nicht Einen Blick von dir gewinnen,
Nicht Einen Hauch, nicht Einen leisen Gruß -
O Traute, welch unseliges Beginnen,
Daß ich von dir mich selbst verbannen muß?
So glühend jung, du Göttin meiner Freuden,
Soll ich vom Sonneblick der Liebe scheiden?
_____
Klamer Eberhard Karl
Schmidt (1746-1824)
Blick und Kuß
Wißt ihr was
Süßeres hienieden
Als Blick und Kuß von Adelheid?
Wenn mir das Glück die Ferse beut,
Dann spricht den Traurer nichts zufrieden,
Als Blick und Kuß von Adelheid;
Die lindern selbst das schwerste Leid.
Wißt ihr was
Süßeres hienieden,
Als Blick und Kuß von Adelheid?
_____
Eulogius Schneider
(1756-1794)
An Nannette
Dass ich Minette küsste,
Und dass mich's noch gelüste,
Sie wieder frisch zu küssen;
Das darfst, das sollst du wissen.
Hast du nicht manche Stunde
An ihrem Zaubermunde,
An Augen, Stirne, Wangen,
Mich ungefragt, gehangen?
Und dass dich's recht verdriesse;
So sag' ich dir: so
süsse,
So
süsse, wie Babette,
Küsst selber nicht, ich wette,
Die Königinn der Liebe.
Und wenn ich's übertriebe;
So dürft' ich's nur noch wagen,
Dir rund heraus zusagen:
Fast küsste mich Minette
So
süsse, wie Nannette.
_____
Auf eine Melone
die ich an LINA
schickte
Küsse mir das kleine, runde
Mäulchen, das von Nektar fliesst.
Sei so
süsse Linens Munde,
Wie ihr Kuss dem meinen ist.
_____
Christian Friedrich
Daniel Schubart (1739-1791)
Aber nur aus deinen Blicken,
O Luise! lernt' ich sie;
Ewig soll mich nun entzücken
Diese Seelensympathie;
Diese
süße Zärtlichkeit,
Die uns Cherubsschwingen leiht.
Wenn ich rede, wenn ich schweige;
Wenn, in deinen Reiz verschwemmt,
Manche Thrän', der Liebe Zeuge,
Mir die
süße Rede hemmt;
O so denke: tief, wie dich,
Rührt die Zärtlichkeit auch mich!
_____
Liebe mich, du wirst empfinden
Wie durch Zärtlichkeit und Treu',
Wenn zwei Seelen sich verbinden,
Himmlisch
süß die Liebe sei.
O da wird uns manche Stunde
Unter Kuß und Druck entfliehn,
Wenn wir Beide Mund auf Munde
Neues Feu'r zur Liebe ziehn.
_____
Elise Sommer (1767-?)
Nie vergeß' ich jener schönen Stunde,
Wo du mir am bangen Busen lagst,
Und mit
süßem zauberischem Munde:
»Meines Herzens Freundinn!« sprachst;
Wo dein Herz an meinem Herzen ruh'te,
Wo dein Arm mich liebevoll umfieng;
Keine Ewigkeit tilgt die Minute! -
_____
Friedrich Leopold Graf zu Stolberg (1750-1819)
Könnt' ich doch, du
süsses
Kind,
Fliegen hin zu dir geschwind!
Könt ich ewig dich umfangen,
Und an deinen Lippen hangen!
_____
O Wonne, sein Weibchen zu wiegen
In Armen der Liebe, zu liegen
Beim Weibchen in
süssem
Genuß!
Ich achte, mit neidenden Blicken
Und schmachtendem Geisterentzücken,
Umschweben die Engel den Kuß.
_____
Mädchen, frage nicht die Lüfte,
Nicht die kühlen Abenddüfte!
Hesper, Luna, Nachtigall
Fühlen nicht dein leises Sehnen,
Können deuten keine Thränen
Im geheimen Mondenstral.
Ich nur kan's! ich kan's, du
Süsse!
Mädchen, eil' in meine Küsse!
Säuge Lieb' um Liebe ein!
Wer da einsam will geniessen,
Wird mit bittern Thränen büssen.
Laß mich dein auf ewig sein!
_____
Sieh mich an und lächle,
Süsse!
Gieb mir deine Hand, und küsse
Deinen Trauten! Roth und blaß
Wallet zärtliches Verlangen
Zitternd über meine Wangen
Und die Wimpern sind mir naß.
_____
19./20. Jh.
Johanna Ambrosius
(1854-1939)
Nur einmal laß mich meine heiße Brust
Ins Meer der
süßen Liebesgluten tauchen,
Nur einmal laß des Glückes volle Lust
Mir seinen Kuß auf meine Lippen hauchen.
_____
Es flüstern die Wellen
Im Mondenglanz
Die
süßesten Weisen
Zum Nixentanz;
Sie lachen und winken
Einander zu
Und plätschern leise:
"O lieb' auch du!"
_____
Zarte, maiengrüne Liebe,
Denk' ich dein, wird mir das Auge feucht;
Bist wie eine weiße Taube,
Die man durch die Wälder scheucht.
Bist wie Heimatglocken
süßer Morgensang,
Rein wie Paradieses erster Labetrank.
_____
Theodor Apel (1811-1867)
Im Herzen hab' ich längst gewußt:
Du bist mein Glück, mein Leben!
Warum, Du meine
süße Lust,
Soll nicht das Herz in Deiner Brust
Mir wieder Liebe geben? -
_____
Auf Knospen ward der
Liederklang
Wie milder Thau gegossen,
Die zitternd sich im
süßen Drang
Dem linden Hauch erschlossen.
Da schaut' ich auf Dein Angesicht,
Und sah mit
süßem Bangen,
Es war von Deiner Augen Licht
Dies Alles ausgegangen.
_____
Ich seh' ihr nach mit sehnsuchtvollen Blicken,
Indem ich emsig auszuspähen trachte,
Ob sie nicht einmal noch verstohlen, sachte
Wird einen Gruß an mich zurückeschicken.
Kann Liebe denn so schnell ein Herz umstricken?
Ich, der so oft die Schwärmer schon verlachte,
Ich steh' im strengsten Winterfrost und schmachte
Nach einem Blick, nach einem flüchtgen Nicken!
Dann bin ich still den Weg zurückgeschritten,
Hier war's, wo fest die Arme sie umschlangen,
Als auf dem Eis der Fuß ihr ausgeglitten;
Auf meinen Arm gestützt war sie gegangen,
Ich sehe noch die Spur von ihren Tritten -
O
süße Thorheit, die mein Herz befangen!
_____
Das Sprichwort sagt: wovon das Herz Dir voll,
Das wird von Deiner Lippe bald verkündet;
Vom
süßen Rausch fühl' ich mein Herz entzündet,
Das hoch in Deiner lieben Nähe schwoll;
Daß mir das Blut so heiß zum Herzen quoll,
Das ist in Deinem holden Reiz begründet,
Ich fühle mich so innig Dir verbündet,
Doch weiß ich nicht, wie ich es sagen soll.
_____
Von heißem Rausch ist mein Gemüth befangen,
Nichts kann ich denken, als nur sie zu lieben,
Und alles Andre muß wie Staub zerstieben,
Sobald ihr liebes Bild mir aufgegangen.
So werd' ich unter Hoffen, Sehnen, Bangen
Im ewgen Kreiseslauf umher getrieben,
Und nichts ist in der Seele mir geblieben,
Als nur nach ihr das glühendste Verlangen.
Der Tag ist hin, die Sonne sinket nieder,
Das Dunkel naht, die Strahlen werden trüber,
Und kühler Thau verkündet uns den Abend.
Da endlich seh' ich die Geliebte wieder,
Und weile stumm der Holden gegenüber,
Mein Herz an ihrer
süßen Nähe labend.
_____
Elsa Asenijeff
(1867-1941)
HEIMLICHER JUBEL
Süsser, – Einziger, – Grosser, – Schöner!
Mein Herz bricht vor Glück, wenn ich dich denke!
O gib – o schenke,
Ein leises Grüssen der Fernen!
Herrlicher,
Süsser, Schöner.
Der du Grosses erstrebst!
Ich jauchz es bis zu den Sternen:
Wie schön ist die Welt, weil du lebst!
_____
SEUFZER AN DEN HEIMLICH-GELIEBTEN
Süsser!
Ich muss leben und weiss nicht
Wo du bist.
Im Finstern geh ich durch das Licht,
Nacht heisst mein Tag.
Wo magst du sein?
Ich muss lächeln und Freunde grüssen
Und halt mich kaum auf schwanken Füssen,
Wie kann ich so das Leben ertragen!
Hab ich noch Hoffnung, dich einmal zu sehn
Und will deshalb noch nicht sterben gehn –
Mein ganzes armes Sein ist nur mehr ein Flehen:
Sei glücklich!
Sei ganz glücklich, Herrlicher
Auf deinem fernen Höhenweg!
_____
SCHWÜLE LUFT
Geh freien!
Unter festem Dach
Bau dir ein Nest –
Und frag nicht danach.
Ich will deine wilde Blume sein,
In Sommerluft heisser Sonnentage,
Mit schwülem Duft dich umfreien
Bis du die
Süsse aus meinem Kelche trinkst,
Und selig-wonnig ins heisse Leben versinkst.
_____
SEUFZER EINER FRAU
O Mond, wie darfst du glücklich sein
Du scheinst ihm allnächtlich ins Fenster hinein!
Sein Mund und ich, wir müssen uns fern sein
Ein Leben lang
Aber du auf deinem nächtlichen Gang
Streichle mit deinem Licht
Sein blasses,
süsses Gesicht
Und küss ihn dann viel tausendmal
Auf seinen roten Mund.
Und sag ihm in den Traum hinein
Dass Eine ihn heimlich liebt
Nur ihn allein auf der ganzen Welt
Und an ihn glaubt!
Und dass sie traurig sterben muss –
Fern seinem Gruss!
_____
WÜSTE ZEIT
Sie, sonst von der gleichmässigen Heiterkeit
Der Strahlend-Gesunden,
Sie hat seit langer Zeit
Nicht Ruhe gefunden.
Eine Stimme hat in ihr Leben geklungen,
Augen sah sie, schön wie das Licht,
Nun hört sie Reden der anderen nicht
Und bleibt von einem Blick bezwungen.
Wenn auf der Strasse die Hupe tönt,
So steht sie bang an das Fenster gelehnt,
Wenn die Klinke der Tür sich leise senkt,
So ist ihr Blut von
süsser Angst bedrängt,
Wenn das Mädchen am Silbertablett
Ans Bett die Post ihr bringt,
Zerrt sie hastend die Briefe herunter,
Der eine – der eine ist nie darunter.
_____
Mich zerreisst die Sehnsucht nach dir! Berstet Wände!
Sturm trag mich zu ihm!
O
Süss – Einziger, sei da, nimm mich hin!
Nur einen lichten Morgen, nur eine helle Stunde –
Denn
Wo du nicht bist, ist Nacht und Hölle!
_____
Wie die Liebende
Dem
süssen,
süssen Geliebten
Jauchzend in die Arme fliegen –!
Und – in Jubels Überschwang –
Ihn küssen – küssen
Den ganzen lieben Körper entlang!
_____
FIEBER
Einziger Mann!
So geh nicht von dannen –
Meine Füsse zittern,
Meine Brüste spannen!
O wüsst ich ein Wort
Dich zu halten!
Mein Leib steht in Flammen,
Wüsst ich die bange Bitte
Dir zu gestalten!
Es schnürt mir die Kehle zusammen!
Fiebergewalten
Drängen und wehren –
Wär ich von dir im Arm gehalten,
Süssester Mann!
_____
SEUFZER AN DEN EINZIG-GELIEBTEN
Und ist der Tod mir da
Fern – oder nah –
Ich will ihn lächelnd grüssen
Denn ich sterbe leicht –
Mit deinem
süssen,
süssen
Namen aus der Lippen
Letzten Hauch
Löscht mein schwaches Leben aus. – –
_____
Ich hab so wilde Sehnsucht nach dir!
Es soll nicht sein,
Ich weiss es wohl –
Aber es ist! – und ich vergehe vor Pein!
Leg ich das Feuer in mein Blut hinein?
Nein, nein!
Alle Flammen der Welt sollen sein!
Ich hab so
süsse Sehnsucht nach dir,
Für einen Kuss von dir.
Geh ich hinaus in die Welt . . .
Und bleibe allein . . .
Soviel gute Gedanken hab ich für dich
Als der Himmel Sterne zählt!
_____
IM TÊTE-A-TÊTE, LEISE LEISE ZU SINGEN . . .
Warum sprechen?
Wo Singen soviel leichter und schöner ist?
Warum gehen?
Das müde macht,
Während Tanzen durch selige Augen
In die Herzen lacht?
Warum flehen oder trotzig sein? –
Wo Küssen so
süss ist und so trunken macht?
_____
DEM EINZIG-GELIEBTEN INS OHR
Wie bist du mir angenehm!
Deine Züge sind so schön
Und brennend deine Augen
. . . ich kann nicht widerstehn!
Ich berge ratlos mein erglühendes Gesicht
In Beben
An deinem Hals –
Verurteile die Liebend-Schwache nicht!
So
süss ist Liebe – –
– – – – – – – – – – – - - - -
Und kurz das Leben
Und ach!
So lange, lange ist man tot . . .
_____
EINSAME NÄCHTE
O diese leeren Nächte,
Jenem weggenommen –
– dir bereitet,
Wo alles Sehnen machtlos
Meinem Sein entgleitet –
Und nach dir Fernen überströmt –!
Die Augen funkeln glühend durch die späte Stunde,
Der Brüste straffe Hügel schmerzen,
Des Leibes weisse Blume bebt im Fieber.
Ein Weh steigt tosend aus dem Herzen
Ins wilde Blut . . .
Deines
süssen Namens Laute
Auf meiner Lippen hochgeschwellter Runde –
So treib ich willenlos
In meines Sehnens aufgeschäumter Flut . . .
_____
ERSEHNTE SELIGKEIT
O wär das Lager uns bereitet,
Von gleitender Seide linnenhaft umspannt . . .
Läg deine blasse, kühle Hand
Mir kosend
Um den Hals gebreitet –
Und wären unsre Lippen
Purpurrosenhaft geeint . . .
Ersehnte Seligkeit, die ich nicht kenne!
O wühlte deiner Sehnsucht Flamme
Meinen Körper aus,
Bis ich verbrenne!
– – – – – – – – – - - - -
Süsser,
Süsser!
Fach mich an und – lösch mich aus!
_____
EIN AUFSTRAHLEN –!
Du bist meines Lebens
Halt und
süsser Sinn,
Mann der Sonne!
Wonne
Reisst mich hin . . .
_____
Otto Julius Bierbaum
(1865-1910)
Menuett
Ach, wie wird mir wohl und weh,
Süße Dame,
süße Dame,
Wenn ich Ihre Augen seh,
Die der reine Zunder sind,
Und den Busen, weiß wie Schnee.
Und die kleinen Füße – oh!
Süße Dame,
süße Dame,
Seh ich sie, so wird mir so -
Ach, ich weiß nicht, wie mir wird:
Halb und halb, halb bang, halb froh.
Und die Wädchen und das Knie,
Süße Dame,
süße Dame,
Hände, Locken, Lippen … nie
Sah ich, was mich so entzückt, -
Ach mein Gott: ich liebe Sie!
Was so um sie fliegt und weht,
Süße Dame,
süße Dame,
Tanzt und auf und nieder geht:
Spitzen, Schleifen, Seide, Samt,
Ach, es macht mich ganz verdreht.
Dürft ich nur der Höschen Rand,
Süße Dame,
süße Dame,
Küssen und das Sammetband
Streicheln über Ihrem Knie,
Selig wäre Mund und Hand.
Oder sind Sie grausam? Nein!
Süße Dame,
süße Dame,
Schönheit kann nicht grausam sein,
Wenn sie Liebe leiden sieht:
Phillis läßt den Schäfer ein.
_____
Du, mein Glück
Meine Seele, eine Taube,
Lang verflogen und verirrt,
Regt nun zwischen lauter Blüten
Auf dem schönsten Frühlingsbaume
Ihre Flügel leis vor Glück.
Du mein Baum voll lauter Blüten!
Du mein Glück! Du meine Ruh!
Meiner Sehnsucht weiße Taube
Regt die Flügel, regt die Flügel
Dir im Schoße.
Süße!
Süße!
Welch ein Wunder: Ich und du!
_____
Rudolf G. Binding
(1867-1938)
Stunden voll von
süßen Traurigkeiten
rinnen nun in meine hellen Tage
seit ich es in meinem Herzen trage
daß du mein bist und ich muß dich meiden.
Sinnend laß ich durch die Finger gleiten
der Erinnerung goldne Kettenglieder;
aber leise rinnen mit hernieder
Stunden voll von
süßen Traurigkeiten.
_____
Mich zu beglücken hob sein Lid er sanft,
mich zu befrieden gab er seine Lippen
kaum wie den Trank den Kelchen die am Ranft
der toten Weiher kühle Wasser nippen -
Bin ich so fremd daß er wie einen Gast
mich in sein Leben eingehn heißt und wieder
hinausgehn läßt und schon als halbe Last
vergessen wird eh noch die Nacht sinkt nieder? -
O Nicht! o
süßes Wehren! seliges Nein!
die nun aus stummer Augen Tiefe steigen:
o Liebkosung, Befriedung, Brot und Wein.
Ich fühle bebend den gehemmten Strom
in seinem Beben. Überm heiligen Schweigen
zitternder Leiber steigt der Liebe Dom.
_____
Über mein Lächeln geneigt
geh ich durch sterbenden Park.
Sehnsucht die irrende schweigt:
Nur noch die Liebe ist stark.
In meiner
süßesten Gruft
in meinem heimlichsten Mark
ruht noch von Küssen ein Duft
wie von dem Sommer im Park.
_____
Wer der Insel verfiel
ist auch der Göttin verfallen:
das ist ihr köstlichstes Spiel.
Aber dem einen beschert
sie in heimlicher Liebe
was sie den andern verwehrt.
Denn sie führt alle am Seil
süßester Narrheit. Und jeder
glaubt, ihm würde sein Teil.
_____
Seit ich von ihrem göttlichen Fleische genossen
bin ich von Gottheit
süß vergiftet.
Rings von göttlichen Zeichen bin ich umschriftet.
Göttlich Unsterbliches ist in mich übergeflossen.
_____
Sie macht das Schwere leicht
und Allzuleichtes beschwert sie.
Alles erhält ein
süßes Gewicht
zu ewigem Bleiben - doch ohne Beschwer.
_____
Wenn du einmal satt der Liebe bist
will ich gern dich mit Konfekt versöhnen.
Doch so lange du die Einzig-Liebe bist
will ich dich nicht mit Konfekt verhöhnen.
Weißt du nicht daß Liebe
süßer ist? -
süßer als mit
Süßem dich verwöhnen.
Wenn Konfekt der Liebebüßer ist
wird dich Liebe auch nicht mehr verschönen.
_____
Ernster August! Versengst du
mit dörrenden Stürmen die Liebe?
Brechen Wellen des Meers
ein in die Müde der Augen?
Zittert das Licht aus zu hoher
Wölbung des Äthers?
oder wehrt sich das Herz
übermächtiger Glut?
Nun sind die Felder geleert.
Die Wälder verdunkeln.
Lichter
süßer und liebender
hat uns der Mai einst umarmt.
Wehre dich, Herz!
Sammle das
Süße in dir.
Sammle es heimlich zum
Süßesten.
Jetzt reift die
süßeste blutend -
reift die Brombeere
unter dem Dornengerank.
_____
Morgendliche Trennung
Dämmerung. Frühgrau. Es tropfen die Bäume.
Tief duftet die Welt von der Liebe der Nacht.
Noch schaust du mir nach von der Pforte des Gartens.
Doch da ich mich wende verschlingt dich das Grau.
O heimliche Morgen der wahrhaft Geliebten.
O tieferer Duft deiner Liebe in mir.
Ich gehe dahin so leicht wie ein Seliger.
Mein Atem ist
süß und mein Auge so weit.
Schon schweben die Adler besonnt in der Reine:
So ende denn Nacht! so beginne denn Tag!
Ich will deine Liebe dem Morgen zutragen
und ewigen Tagen - der Liebe nicht müd.
_____
Friedrich von Bodenstedt
(1819-1892)
Süße Bettelei
Ein Bettler klopft' bei dir an
Um einen Kuß - du gabst ihn mir!
Ein Bettler kehrt' ich ein bei dir,
Und kam hervor ein reicher Mann,
So reich am höchsten Glück der Welt,
Daß alles Gold und alles Geld
Nicht solche Schätze kaufen kann!
Doch, ob des Augenblicks Genuß
Mein ganzes Leben auch verschönt,
Hat mich dein Geben so verwöhnt,
Daß ich stets weiter flehen muß
Um einen Kuß - und nimmer frei
Wirst du nun diese Bettelei
Um einen Kuß! um einen Kuß!
_____
Ich singe dich, liebes Mädchen du!
Du Herrliche, du
Süße!
Dir jauchzen all meine Gedanken zu,
All meine Liebesgrüße!
Das Glück, das du mir im Leben bescheert,
Sing' ich im Liede wieder -
Und ist mein Singen auch deiner nicht werth:
Du adelst meine Lieder!
_____
Mirza-Schaffy rühmt die Anmuth Zuleika's
Seh' ich Deine zarten Füßchen an,
So begreif' ich nicht, Du
süßes Mädchen,
Wie sie so viel Schönheit tragen können!
Seh' ich Deine kleinen Händchen an,
So begreif' ich nicht, Du
süßes Mädchen,
Wie sie solche Wunden schlagen können!
Seh' ich Deine ros'gen Lippen an,
So begreif' ich nicht, Du
süßes Mädchen,
Wie sie einen Kuß versagen können!
Seh' ich Deine klugen Augen an,
So begreif' ich nicht, Du
süßes Mädchen,
Wie sie nach mehr Liebe fragen können
Als ich fühle. - Sieh mich gnädig an!
Wärmer als mein Herz, Du
süßes Mädchen,
Wird kein Menschenherz Dir schlagen können!
Hör' dies wonnevolle Liedchen an!
Schöner als mein Mund, Du
süßes Mädchen,
Wird kein Mund Dir Liebe klagen können!
_____
Adolf Böttger (1815-1870)
Wenn ich an Dir mich
süß berausche,
Dein Geist in meine Seele quillt,
Wenn ich des Busens Drang belausche,
So sanft erregt und sanft gestillt,
Wenn ich auf meinem Schoos Dich wiege,
Der Wange Roth vor Lust erglimmt,
Und ich Dich inniger umschmiege,
Daß Aug' in Auge bang verschwimmt:
Wenn unter halberstickten Worten
Leisathmend Lipp' auf Lippe brennt,
Als wären hier und allerorten
Ein Leben wir, das nie sich trennt:
Dann fühl' ich selge, frühlingsklare
Gefühle durch die Seele ziehn,
Vor denen wildverrauschte Jahre
Wie bleiche Schattenbilder fliehn:
Ich fühle Harfenlaut entzücken
Mein Herz in gleichgestimmter Lust,
Und eine Rose seh ich schmücken
Die lang verwaiste Dichterbrust.
O wenn die Harfe muß verhallen,
So sei's mit mir - ein Laut, ein Schlag!
O wenn die Rose muß zerfallen,
So sei's mit mir - ein Hauch, ein Tag!
_____
Ferdinande von Brackel
(1835-1905)
O Liebe, du mächt'ge und
süße Gewalt,
So lieblich dem Herzen in jeder Gestalt,
Daß, wenn auf der Welt nichts schön mehr blieb,
So wäre sie schön noch durch dich, o Lieb'!
_____
Lieb' ist
süß; an sauren Stunden
Ist sie aber auch nicht arm,
Machte wohl zu allen Zeiten
Manchem Kopf und Herze warm.
_____
Clemens Brentano
(1778-1842)
Die Liebe fing mich ein mit ihren Netzen,
Und Hoffnung bietet mir die Freiheit an;
Ich binde mich den heiligen Gesetzen,
Und alle Pflicht erscheint ein leerer Wahn.
Es stürzen bald des alten Glaubens Götzen,
Zieht die Natur mich so mit Liebe an.
O
süßer Tod, in Liebe neu geboren,
Bin ich der Welt, doch sie mir nicht verloren.
_____
Die Rose blüht, ich bin die fromme Biene,
Die in der Blätter keuschen Busen sinkt,
Und milden Tau und
süßen Honig trinkt,
Doch lebt ihr Glanz und bleibet ewig grüne.
So singt mein tiefstes Freudenlied,
Ach meine Rose blüht!
Die Rose blüht, o Sonnenschein verziehe,
Daß lange noch der liebe Sommer währt,
Und mir kein Sturm die
süße Lust versehrt,
Daß all mein Heil aus dieser Rose blühe,
So freut sich innig mein Gemüt,
Weil meine Rose blüht!
Die Rose blüht, und lacht vor andern Rosen,
Mit solcher Huld, und Liebesmildigkeit,
Daß gern mein Sinn sich zu der Pflicht erbeut,
Mit andern Blumen nie mehr liebzukosen,
Weil alle Liebe, die erglüht,
Aus Dir Du Rose blüht!
_____
Und ich bitte: Jinni holde, milde
Sieh ich dürste, sehne mich nach dir
Sinnend blickst du durch der Nacht Gefilde
Wende deinen
süßen Blick nach mir.
Ach dann wendet Jinni voll Vertrauen
Ihres Lebens liebesüßen Blick
Mir ins wonnetrunkne Aug' zu schauen
Aus des Tages stillem Grab zurück.
_____
Wilhelm Busch (1832-1908)
Wärst du ein Bächlein, ich ein Bach,
So eilt ich dir geschwinde nach.
Und wenn ich dich gefunden hätt'
In deinem Blumenuferbett:
Wie wollt ich mich in dich ergießen
Und ganz mit dir zusammenfließen,
Du vielgeliebtes Mädchen du!
Dann strömten wir bei Nacht und Tage
Vereint in
süßem Wellenschlage
Dem Meere zu.
_____
Seid mir nur nicht gar zu traurig,
Daß die schöne Zeit entflieht,
Daß die Welle kühl und schaurig
Uns in ihre Wirbel zieht;
Daß des Herzens
süße Regung,
Daß der Liebe Hochgenuß,
Jene himmlische Bewegung,
Sich zur Ruh begeben muß.
Laßt uns lieben, singen, trinken,
Und wir pfeifen auf die Zeit;
Selbst ein leises Augenwinken
Zuckt durch alle Ewigkeit.
_____
Im jugendklaren Angesicht
Blüht
wundersüß der Mund
Als wie ein Rosenknösplein licht
Früh in der Morgenstund.
_____
Georg Busse-Palma
(1876-1915)
Mein Schatz hat weiße Zähnchen
Und einen roten Mund.
Wie Flaum von jungen Schwänchen
Ein Brüstchen blank und rund.
Das hebt sich schüchtern kaum zur Höh', —
Ich mein', wenn ich im Traum es seh,
Mir müßt' das Herz zerspringen
Vor süßem Sehnsuchtsweh!
Sonst wüßt' von meiner Kleinen
Ich nicht das kleinste mehr,
Wenn nicht ein Stückchen Leinen
Von ihr mein eigen wär.
Doch das erzählt an sichrem Platz
Von einem rosigen Hemdenmatz
Gar
süßes und geheimes —
Grüß Gott, verratner Schatz! — —
_____
... Und bist du heute auch mein Weib,
Das eine werd' ich nie vergessen,
Daß ich den
süßen, keuschen Leib
Nicht so viel früher schon besessen!
Und bist du heut auch zehnfach schön:
Selbst wenn wir selig müd' uns küßten,
Muß meine Sehnsucht suchen gehn
Nach vierzehnjährigen Kinderbrüsten.
_____
Blaßrote Nelken stehen
Rings um mein Haus umher.
Wie andere sie sehen,
Seh' ich sie nimmermehr.
Will ich ihr Blühn begrüßen,
Verschwimmt es mir zur Stund
Zu einem
wundersüßen
Blaßroten Mädchenmund. -
_____
Ada Christen (1839-1901)
Küsse mich, denn, ach! sie bluten
Alle noch die alten Wunden,
Küsse mich, daß ich vergesse
Alle die verfluchten Stunden!
Laß mich von den
süßen Lippen
Wieder Glück und Liebe saugen,
Laß mich sterben, überstrahlet
Von dem Himmel deiner Augen!
_____
Nichts mehr
Nicht mehr die heißen,
süßen Küsse,
Nicht mehr die Worte mild und warm,
Nicht mehr den treuen Blick der Augen,
Nicht mehr den Druck von deinem Arm.
Nichts mehr von allen jenen Wonnen
Die Liebe hat und Liebe giebt,
Nichts will ich - um noch fortzuleben -
Sag' nur, daß du mich einst geliebt!
_____
Peter Cornelius
(1824-1874)
Honig mag den Lippen munden,
Aber Gift muß uns verwunden,
Und wenn nun auf einmal trifft
Honig uns und
süßes Gift,
Sag' wie soll das arme Herz gesunden?
_____
Dein Gedenken mir im Herzen
Ist ein Zauber, eine Macht,
Daß mich wachend fliehn die Schmerzen,
Wenn im Traum ich dein gedacht.
Und das Wort aus deinem Munde
Ist ein Evangelium,
Dessen
süße Hoffenskunde
Wieget alle Klagen stumm.
Für dein Bild ist mir ein Zeichen,
Ist ein Wort mir nicht bewußt,
Denn dein Bild ist ohnegleichen,
Wie sein Glanz in meiner Brust.
_____
Du schöne Jugendzeit, o weh!
Du Liebesherrlichkeit, ade!
Du Liedersang, nun scheide!
Nun laß mich meinem Leide!
Du Sorg' und Lust um einen Blick,
Du Herzensglück und Mißgeschick,
Du
süße Torheit, gehe!
Tief einsam sei mein Wehe.
_____
Als ich mit scheuem Schritte
Fremd in dein Haus trat ein,
Da klopft' ich an, wie's Sitte;
Du riefst darauf! Herein!
Doch schon nach wenig Wochen
Klopft' ich nicht mehr allein,
Dein Herz fiel ein mit Pochen,
So oft du riefst: Herein!
Und als mit leisen Schlägen
Ich pocht' ans Herze dein,
Klang mir gar
süß entgegen
Nichts als: Herein, herein!
_____
Ich hörte einen Ton so fein
Mir in den Ohren klingen,
Als tät' ein Elfenknab' im Hain
Der Ros' ein Ständchen bringen:
Denkst du an mich?
O, denkst du an mich?
O, spinn den Faden nur recht lang,
Du Glücksspinn' um die Schläfe,
Ach wenn doch stets so
süßer Klang
Ins bange Herz mir träfe:
O, denk' an mich!
O, denk' an mich!
_____
Nun laß mich träumen, laß mich schwärmen,
Mich ruhen still an deiner Brust,
Voll
süßem Bangen, bittrem Härmen,
Ach und unendlich hoher Lust.
_____
Wenn du mir hast
Die Hand gedrücket,
Fällt dir's zur Last,
Daß mich's berücket?
Ließ
süßes Gift
Dein Hauch mich nippen,
Kein Tadel trifft
Drum deine Lippen.
_____
Tempel der Liebe, du wonnige Braut!
Tempel der Liebe von Gott gebaut!
Ewige Leuchten an heiliger Stell',
Sterne der Liebe, wie glüht ihr hell!
Weihrauchwolke, die still verweht,
Atem der Liebe, ein Duftgebet!
Süßer Gesang, wie von seligen Höh'n,
Worte der Liebe, wie läutet ihr schön!
Stätte der Weihe, opferbewußt,
Altar der Liebe, du klopfende Brust!
O wer da knien und beten kann!
Priester der Liebe! Seliger Mann!
_____
Saug' dich polypenfest an mich!
Zieh' mich ganz hinein in dich!
Unerschöpflich, unersättlich
Gib und nimm und wonniglich
Halte mich!
Küß' und sprich,
Daß ich stumm dich machen müsse
Und aufs neu geschwätzig küsse,
Dann das
süße Schweigen brich,
Mich mit Küssen stumm zu machen
Stumm und träumend! Wieg' mich ein,
Laß mich zwischen Traum und Wachen
Flüstern, küssen, singen, lachen
Halten dich und selig sein!
_____
Der Mut, der wieder mir die Brust erhebt, bist du,
Das Blut, das neu die Adern mir belebt, bist du!
Der Labetrunk aus tausend
süßen Blumenkelchen,
Von dem beseelt mein Herz zum Himmel strebt, bist du!
_____
Ich sah zwei Schmetterlinge
Verkettet in der Luft -
Taumelnd und trunken fliegen
Durch Maienblütenduft.
Ich sah auf dunklen Fluten
Zwei Schwän' im Liebesspiel,
Hintreiben
süß versunken
Und kamen doch ans Ziel!
So wallen wir verschlungen
Zu blühendem Geheg,
Fest Mund an Mund gesogen
Und fanden doch den Weg!
_____
Weil ich so lieb die Sterne hab'
Ein Stern ist kommen zu mir herab.
Der wollte bleiben unerkannt
Nahm Frauenart und Frauengewand.
Doch sagt' ich gleich: Verbirg dich nicht
Du bist ein Stern, ein Himmelslicht!
Ich merk's an deinem goldnen Haar,
Ich merk's an deinem Augepaar,
Ich merk's an deiner Stirne Schein,
An allem Glanz und Schimmer dein!
Da mußt' er mir's denn eingestehn,
Hat mich ganz strahlend angesehn,
Und nickt mir zu und küßt mich hold, -
Wie mundet
süß das Sternengold!
_____
Max Dauthendey
(1867-1918)
Auf den Apfelbäumen ist ein rosiges Gedränge,
Die Blüten sind weich wie dein Nacken
Und rund wie deine Wangen;
Die Apfelbäume haben es von dir gelernt,
Sich
süß zu schmücken, sie verlernen es nie mehr.
_____
Dein Haar hält mich schwerer als Ketten gefangen;
Wenn nur ein Haar winkt,
Klingt meine Kette bis ans Ende der Welt.
Alle Rosen sind
süß wie deine Nähe,
Aber die Rosen werden zu Schmerzen, wenn du mir fern bist.
_____
Wenn dein Lächeln über die Berge geht, wird der Wein
süß und schwer,
Und die Welt sieht groß und neu aus.
Wie der weithallende Wald atmet meine Brust bei dir auf;
Darf ich deinen Namen nennen,
Wird meine Zunge eine
süße Frucht in meinem Mund.
_____
Küß mich auf den Mund, mein Lieb,
Immer neue Küsse gib.
Welkt am Weinstock Blatt um Blatt,
Man den Most im Keller hat.
Ach, das Leben ist
versüßt
Dem, der sich durchs Leben küßt.
_____
Schwüle geht im Herzen um,
Weil ich deinen Kuß noch fühle.
Geh' ums Leben heut herum,
Möcht' kein Wörtlein von mir geben,
Nur das Herz möcht' mir entschweben,
Lippen blieben gerne stumm.
Tragen von der Liebesstund
Noch die
süße Blüte und
Alle Glieder sagen warm:
Arm macht niemand je mich wieder.
_____
Von deinem Leib haben die Maienglocken ihren keuschen Geruch,
Die Nachtigallen hast du heiß gemacht,
Ihr Gesang malt dein Bild.
Deine Lippen sind wie Kleeblüten klein und
süß
an meinem Weg gewachsen.
Und drüber glänzt dein Haar festlich
Wie bräutliche Hecken im Frühling.
_____
Du stehst wie eine Anemone in den Steinfeldern,
Ihre Blütenwangen ziehen meine Hände an.
Nie haben sich Bienen so
süß genährt
Wie meine Lippen.
_____
Marie Eugenie Delle Grazie (1864-1931)
Bei Blumenduft und Mondenschein
Sprachst Du zuerst das
süße
Wort:
"Ich liebe Dich."
Da zog es in mein Herz hinein
Wie Blumenduft und Mondenschein;
Doch zog draus Ruh' und Friede fort,
Als ich auch sprach das
süße
Wort:
"Ich liebe Dich!"
_____
Du schöne, duftige Linde
Hoch oben auf alter Bastei,
Was rauschst Du so traurig im Winde
Geh'n kosend wir vorbei?
Freut Dich nicht die schöne Liebe,
Nicht die
süße, selige Lust,
Die ferne vom Weltengetriebe
Hold blüht in uns'rer Brust?
Wohl freut mich Eure Liebe,
Eure
süße, selige Lust,
O, daß sie doch ewig bliebe
In Eurer jungen Brust!
_____
Ich denke hin, ich denke her,
Mein Sinn wird trüb, mein Herz wird schwer,
Meine Seele faßt ein Bangen;
O sagt, wo ist die
süße
Zeit,
Voll Liebeslust und Seligkeit?
Vergangen, ach vergangen!
_____
Ja siehe, ich selbst
Könnt' stundenlang Dich bewundern, ich selbst
Könnt jubelnd und freudig umarmen
Deinen herrlichen Körper.
Denn wo mir wahre Schönheit beim Weibe begegnet,
Da pocht mein Herz, von heiliger Gluth durchdrungen,
Und
süße
Wonne erfüllt meine Brust;
Hinsinken könnt' ich, von ihrem Strahle getroffen,
Und knieend ihre göttlichen Formen verehren!
_____
O wärst Du mir doch ewig fern geblieben,
O hätte Dich mein Auge nie gesehen,
Hätt' nie gelauscht ich Deinem
süßen
Flehen,
Und nie ein Wort von Liebe Dir geschrieben.
Denn ach, ich fühl's, was mich zu Dir getrieben,
War nur der Schönheit zaubermächt'ges Wehen;
Gleich ahnte ich: Du wirst mich nie verstehen,
Und dennoch, dennoch mußte ich Dich lieben!
_____
Liebeshymne
So bist Du mein?
Bin ich Dein?
O
süße
Lust!
Von Deinem Arm umschlungen,
Von Liebe ganz durchdrungen
Ruh' ich an Deiner Brust,
O
süße
Lust!
Sieh', um uns blühen die Rosen
Die lieben Vögelein kosen:
Wie wir -
Und liebeschützend gleitet
Die Nacht heran und breitet
Den Sternenschleier
Über uns.
_____
Was die Welt an Schönem heget,
Was das Menschenherz beweget,
Lacht aus Deinem Aug' mich an,
Und ich fühl mit
süßem
Bangen,
Daß der Seele Gluthverlangen
Nicht ein leerer, eitler Wahn.
_____
Felix Dörmann (1870-1928)
Dein Name klingt so
süß und weich,
Ist ganz und gar Dir selber gleich,
Du blasse, zarte Lilie.
_____
Lichtdurchtränkt und sonnenumwoben
Erschienst Du mir
Wie eine Madonnengestalt
Des alten Venedigs.
Anmuttrunken und schönheitsselig
Sah ich hinein
In die meerfluttiefen
Und meerflutblauen,
Leuchtenden Augen
Und sah durch sie
In eine reine,
süße Kinderseele,
In die zum ersten Male
Farbenglühend
Die Liebe einzog.
_____
Deines Mundes erste Küsse
Ich hab' sie getrunken,
In meinen Armen
Lernte Dein herrlicher Leib
Ahnungsvolle,
Bebende Liebe.
All die
süßen ersten Schwüre
Deines jungen,
Verlangenden Herzens
Galten mir.
_____
Liebesicher und hochmut-funkelnd
Glutet Dein Blick in meinem …
Plötzlich, den hilflos-zornigen,
Liebezermarterten Leib
Machtvoll niederzwingend,
Wühlt sich der Wille zur Wollust
Nochmals stürmisch auf aus Deiner Seele,
Und herüber zu mir
Zischt Dein gewaltiges
Grauenhaft
süßes:
"Her zu mir!"
_____
Agonie der Wollust,
Süß betäubende,
Hat Dir langsam
Deine fiebernden Sinne
Eingeschläfert,
Hat die hochgespannten,
Pressenden Muskeln
Leise gelöst.
Ruhig steigt Dein Atem
Auf und nieder
Und ein Lächeln,
Eines glücklichen Kindes
Seliges Lächeln,
Streift verklärend,
Dämon verscheuchend
Über Dein Antlitz.
_____
Wieder grüßen Deiner Augen
Märchenhafte Zaubersterne
Herab zu mir,
Vom bleichen Antlitz,
Dem unnennbar
süßen,
Und die alte, heiße Liebe
Lodert auf;
_____
Carl Ferdinand
Dräxler-Manfred (1806-1879)
Mädchenhände, Zauberwaffen,
Die ihr Schönes nur erschließt,
Deren wunderbarem Schaffen
Süßgeheime Lust entsprießt,
Die zu Liebesparadiesen
Alles ihr zu wandeln wißt:
Seid zu tausendmal gepriesen,
Seid zu tausendmal geküßt!
_____
Wenn die Liebe nun ein Brief ist,
Der bedeutungsvoll und tief ist,
Muß ein
süßer Mund ihn siegeln,
Sein Geheimniß streng zu zügeln;
Schreiben muß ihn eine Seele,
Daß ihm Innigkeit nicht fehle:
Aber mit dem Herzen lesen
Müssen ihn verliebte Wesen.
_____
Aber frage mich auch nimmer:
Ob ich wieder bin geliebt?
Ob auch ihres Auges Schimmer
Süßen Hoffnungsstrahl mir gibt?
Ob sie liebend mich verstanden,
Rettung übend aus den Banden,
Oder ob sie grausam immer
Dieses arme Herz betrübt?
_____
Gute Nacht, du
süßes Kind,
Mögen Engel dich behüten,
Und der Schlummer leis und lind
Seinen Segen dir entbieten.
Gute Nacht, und träume
süß
Von den Rosen, deinen Schwestern,
Die im Erdenparadies
Morgen blühen so wie gestern.
_____
Du hast verboten mir, von deinen Küssen
Etwas der Welt im Liede mehr zu sagen,
Du hast mir als Geheimniß aufgetragen
Die Liebeslust, von der wir beide wissen.
Und Alles, Alles, was mit deinen
süßen,
Geliebten Lippen du in schönen Tagen
Mir in das Herz als Segen eingetragen,
Tief in der Seele soll es bleiben müssen.
_____
Du sandtest deinen
süßen Namen mir auf einem Rosenblatt,
Ich schrieb darauf, und sandte Lieder dir auf deinem Rosenblatt.
Doch von geheimen Wonneträumen uns'rer Liebe, nimmer schriebe
Ich ein verständlich Wort der Welt, und traut es keinem Rosenblatt!
_____
Nicht Alles sag' der Welt,
Sei still:
Es schweige, wer gefällt
Und küssen will.
Ich schweige, weil ich soll
Und muß:
Fürwahr ein
süßer Zoll
Ist solch ein Kuß.
_____
Einst lebt' ich wie die Entzückten
Mit aller Welt in Ruh',
Zwei himmlische Augen blickten
Mir ewig Liebe zu.
Zwei Lippen flüsterten leise
Gar manchen
süßen Scherz,
Zwei Arme, blendendweiße,
Sie zogen mich an's Herz.
_____
Noch als Jüngling in die Rinde
Schnitt ich einer jungen Linde
Jenen holden Namen, dessen
Ich im Leben nie vergessen.
Ob es wohl der Baum verstand,
Was ich damals tief empfand,
Weil des Harzes Thränen kamen
Perlend aus dem
süßen Namen.
_____
Wer mochte da noch grübeln, wo die Stunde
Mit allen Freudezaubern ihn umsponnen?
Wo, wie aus eines Füllhorns reichem Munde,
Sich ewig niedersenkten neue Wonnen.
O
süße Zeit!
Wo Liebesseligkeit
All ihren Glanz und ihre Strahlenspenden
An dieses Herz gewürdigt zu verschwenden,
Um dieses Leben zu durchsonnen.
_____
Stillleuchtend lag das Diadem der Würde
Auf ihrem
süßen Haupt in vollem Glanz,
Es war als ob der Himmel ihr zur Zierde
Sich aller Schönheit nun entvölkert ganz;
Der Seele Frieden - wär' er ihr geblieben! -
Er strahlte klar aus ihrem Angesicht,
Und nur die stille Fähigkeit zu lieben
Wob ein geheimes Räthsel in dieß Licht.
_____
Ein Glück, daß Niemand deinen
süßen Lippen
Es ansieht, wen beglückt ihr heißer Kuß;
Ein Glück, daß man, um Seligkeit zu nippen,
Nicht bei der Welt Erlaubniß betteln muß;
Ein Glück, daß Herzen mit dem ersten Schlage
Sich ganz verstehn, wenn sie einander lieb:
Ein Unglück, daß dem Zauber jener Tage
Ein allzutreu Gedächtniß mir verblieb!
_____
Mild leuchten Mond und Sterne
Den Liebenden im Kahn,
Die Ufer rücken ferne,
Es dringt kein Laut heran.
O zauberhaftes Leben
Der Mondnacht auf dem See,
Und ach, zwei Herzen beben
In
süßem Liebesweh.
_____
Wie ich dich liebe dir zu sagen
Vermag ich nicht, du
süßes Weib,
Die Seele denkt es nur mit Zagen
Und
süß durchzittert es den Leib.
_____
Ein Stern durchleuchtest du mein Leben,
Es hängt an deinem Glanz und Licht,
Und schaut mit Lust und
süßem Beben
In dein liebreizendes Gesicht.
_____
Ein Weib wie du, so lieb und innig,
An allen
süßen Gnaden reich,
Das Herz so tief, der Geist so sinnig,
Das Aug so klar, der Mund so weich -
Ich ahnte nichts von solchen Wesen,
Da zuckt der Blitz, ich sehe dich,
Und fromm wird, der ein Saul gewesen,
Und fleht zu dir: O liebe mich!
_____
Süß ist fürwahr
Frühlingsgenuß,
Rosen im Haar,
Lippen im Kuß.
Frühling entflieht,
Eh man's versieht,
Darum o Kind,
Küsse geschwind!
_____
Ida von Düringsfeld
(1815-1876)
Stumm und heftig preßt der Ritter
An die Brust die
süße Holde,
Stürmt dann fort in dunkler Nacht.
_____
Und sie beugt sich zu ihm nieder,
Mit dem
süßen Wort: "auf immer!"
Reicht sie ihm die schöne Hand,
Und beim Schall der Jubellieder
Mit des dritten Tages Schimmer,
Einet sie ein ew'ges Band.
_____
Doch von all' dem
süßen Hoffen
Ist mir nichts zurückgeblieben
Als ein
bittersüßer Schmerz;
Denn vom rauhen Sturm getroffen,
Sank dahin mein zartes Lieben
Und gebrochen ist mein Herz.
_____
Wenn ein Blick sich von uns wendet,
Welcher einst von Liebe sprach,
Und der
süße Traum geendet,
Und der Hoffnung Anker brach,
Alle Blüthen sich entfärben -
Ach, was bleibt dem Armen dann,
Als vergessen, oder sterben,
Wenn er nicht vergessen kann.
_____
Du auch hast mir einst gesendet
Deiner Blicke
süßen Glanz,
Und dich von mir dann gewendet,
Und zerrissen meinen Kranz.
_____
Unter dunkeln Myrthenbäumen,
Zwischen jungen Blüthensprossen,
Angehaucht vom Abendgold,
Eingewiegt von
süßen Träumen,
Auf den Rasen hingegossen,
Liegt ein Mädchen wunderhold.
_____
Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
Blaue Augen, blaue Augen!
Ach, wie gebt ihr
süße Peine!
Aus dem schönen Wald unzählig
Stimmen zielen, grüne Scheine,
Und ich lass' mich gern verführen,
Locken Schmerzen so von weiten.
_____
Du schönste Wunderblume
süßer Frauen!
Ein Meer bist Du, wo Flut und Himmel laden,
Fröhlich zu binden von des Grüns Gestaden
Der Wünsche blüh'nde Segel voll Vertrauen.
So schiffend nun auf stillerblühten Auen
In Lockennacht, wo Blicke zaubrisch laden,
Des Mund's Korall'n in weißem Glanze baden,
Wen füllt' mit
süßem Schauer nicht solch Schauen!
_____
Fraue, in den blauen Tagen
Hast ein Netz Du ausgehangen,
Zart gewebt aus seidnen Haaren,
Süßen
Worten, weißen Armen.
_____
O sterndurchwebtes Düstern,
O heimlichstiller Grund,
O
süßes
Liebesflüstern,
So innig Mund an Mund!
_____
Die Nachtigallen locken,
Mein Liebchen atmet lind'
Mit Schleier zart und Locken
Spielt buhlerisch der Wind.
Und schlaf' denn bis zum Morgen,
So sanft gelehnt an mich!
Süß
sind der Liebe Sorgen,
Dein Liebster wacht für dich.
Ich halt' die blüh'nden Glieder,
Vor
süßen
Schauern bang',
Ich laß dich ja nicht wieder
Mein ganzes Leben lang.
_____
Ewig werd' ich schweigen
müssen,
Denn wohl niemand darf es wissen,
Was die Wünsche lang verschließen:
Möcht Dich gern recht herzlich grüßen,
Rühren nur den Mund, den
süßen,
Sterben gerne so im Küssen.
_____
Schaust du mich aus deinen Augen
Lächelnd wie aus Himmeln an,
Fühl' ich wohl, daß keine Lippe
Solche Sprache führen kann.
Könnte sie's auch wörtlich sagen,
Was dem Herzen tief entquillt,
Still den Augen aufgetragen,
Wird es
süßer nur erfüllt.
_____
Sie band die Augen mir an jenen Bäumen;
Geh' schöner Blinder! sagt' Sie dabei sachte,
Wußt' nicht, wie Wunden
süß
dies Flüstern brachte
Und stieß mich in des Spieles wogend Schäumen.
_____
So schaukelte in seinem
Silberschoß
Der See des Sternenhimmels zitternd Bild,
Und traulich flüsterten die Abendwinde
Durch uns're Laube ihre Geisterlieder,
Und leise, leise säuselte die Linde
Aus gold'nem Wipfel
süße Schauer nieder.
Süßdrängend fühlte ich an meiner Brust
Sanft deines Busens schwellend Wallen,
Harmonisch schlug dein Herz an meinem,
Daß leis' das meinige dem Schlage lauscht',
Und ach! so
süß, so himmlisch
süß umrauscht'
Mich deines Purpurmundes Odemzug.
_____
Wenn die Sonne lieblich schiene,
Wie in Welschland blau und lau,
Ging' ich mit der Mandoline
Durch die überglänzte Au.
In der Nacht dann Liebchen lauschte
An dem Fenster,
süßverwacht,
Wünschte mir und ihr, uns beiden
Heimlich eine schöne Nacht.
_____
Du sagtest gar oft wie
süß und rein
Sind Deine blauen Äugelein!
Jetzo müssen sie immerfort weinen,
Da sie nicht finden mehr, was sie meinen.
Wird auch der rote Mund erblassen,
Seit Du mich,
süßer Buhle, verlassen.
Eh Du wohl denkst, kann das Blatt sich wenden,
Geht alles gar bald zu seinem Ende.
_____
Wenn Zwei geschieden sind von Herz und
Munde,
Da zieh'n Gedanken über Berg' und Schlüfte
Wie Tauben säuselnd durch die blauen Lüfte,
Und tragen hin und wider
süße
Kunde.
_____
Warum das Herz vom Rosentraume scheiden,
Der ahnungsvoll des Jünglings Haupt umschwebt?
Nacht ist uns Wirklichkeit, tot alle Menschenfreuden,
Wenn nicht der Zauber sie der Phantasie umwebt.
Das eig'ne Herz nur ist's, wo uns, ein
süßes
Traumbild,
Der Freude Welt erfreuend blüht und lebt.
_____
Ludwig Eichrodt (1827-1892)
An dich
allein denk ich so gerne,
Zu dir flieht mein Gedanke hin!
Die
süßen braunen Augensterne
Sie gehn mir nimmer aus dem Sinn.
_____
Jetzt fliegest du mir in den Arm,
O Mädchen, du bist so
süß und warm!
Und küßt die Sonne mit jedem Strahl,
O laß dich küssen millionenmal!
_____
Und
süß ist auch, wenn aus der Fern
Die Grüße kommen, gehn -
Was aber drum am schönsten bleibt,
Das ist das Wiedersehn.
Da wird man stumm vor Schreck und Freud,
Und möcht in alle Ewigkeit
Sich aneinander weiden,
Und nun und nimmer scheiden.
_____
Geliebt zu sein, du schöne Kunde,
Schön wie die Hand, die das Geständniß schrieb!
Nur schöner ist, wenn vom beseelten Munde
Entschwebet erst die
süße, frohste Kunde -
Mit stummen Zeichen nehm ich nicht vorlieb.
_____
Laß dir aus dem lieben
süßen
Angesicht die Locken streichen,
Lasse dir die Wange küssen
Und den schönen Mund desgleichen.
_____
Lächelnd schläft der Geist der Wonne
In der Wange
süßen Grübchen,
Süßres unter dieser Sonne
Gibt es nicht als
süß ein Liebchen.
_____
Liebesglück und Liebesschmerz -
Die Minute macht zum Sklaven,
O des Gottes Pfeile trafen
Mein gestählt gewappnet Herz.
Trage Ketten, golden
süß,
Aber immer sind es Ketten,
Goldne Ketten,
süße Ketten,
Aber Ketten sinds gewiß.
_____
Sie spricht zu mir, ich liebe dich!
Was ist, was klingt so
süß?
Und schwiege sie, es triebe mich
Wie aus dem Paradies.
_____
Schließe, Liebchen, schließe zu die Augenlieder,
Laß versiegen deiner Rede holden Fluß!
Deine Wange presse stürmisch an die meine,
Auf den Lippen schlummre
süß ein ewger Kuß.
_____
Wenn so die
süße dunkle Glut
Von deinen Augen weht,
O halt es, Mädchen, mir zu gut,
Daß sie mir zündet tief ins Blut,
Und auch mein Herz in Flammen steht.
_____
Wenn um den Mund dein Lächeln schwebt,
Das grüßt wie Morgenlicht!
Ich weiß nicht, werd ich neu belebt?
Das Herz, das Herz – es klopft und bebt -
Nein, länger widersteh ich nicht.
Ich muß dir fliegen an die Brust,
Ich muß – es ist kein Scherz!
O
Süßigkeit, o stolze Lust,
So eines theuren Mädchens Brust
Zu drücken ans heiße Herz!
_____
Narrheiten
Wornach steht mir der Sinn?
Zerrüttet ist mein Denken,
All meine Träume lenken
Auf einen Punkt nur hin,
Auf ihren Mund, den
süßen,
Und den zu küssen!
Entweiche, Phantasie!
Du stolze, tiefbeschämte!
Ein schönes Mädchen lähmte
Die Schwinge dir, denn nie
Erschufst du Reiz, so
süßen,
Ha! sie zu küssen!
Seit ich ihr Antlitz sah,
Das wonnige, das liebe,
Das unaussprechlich liebe,
Steht mir der Wahnsinn nah -
O Antlitz, mit dem
süßen,
Dem Mund zu küssen.
So schwebt mir dort und hier
Der Zaubermund vor Augen,
Will Hirn und Herz mir fangen
Und alles Blut aus mir:
O Raserei, den
süßen
Mund nicht zu küssen!
Treff ich nicht bald einmal
Die Lippen rasch zu kosten,
So soll mein Wille rosten
Wie ein entehrter Stahl.
Ich stürbe gern, den
süßen
Den Mund zu küssen!
_____
Philippine Engelhard
(geb. Gatterer) (1756-1831)
Süß war's an ihrem Busen liegen,
Und sich in Liebestaumel wiegen -
Ihr Kuß war
süß und stark wie Wein.
Jetzt müssen wir einander missen,
Doch wenn wir bald uns wieder küssen,
O das soll Himmelswonne seyn!
_____
Liebe nannt ich? O die heißen Schmerzen
Wer erklärt sie? Wer die
süße Pein?
Schleicht sie gleich in edle weiche Herzen
Täglich – Glück und Schicksal trotzend – ein!
_____
Gustav Falke (1853-1916)
Neue Liebe
Blühst du meinen späten Tagen,
süße Liebe, noch einmal?
Bäumen, die schon Früchte tragen,
lacht ein zweiter Frühlingsstrahl?
Zwischen Blüten, zwischen Früchten
hab ich nun die schwere Wahl,
möchte pflücken, möchte flüchten -
neue Liebe, neue Qual.
_____
Herz, Welt, Geliebte! Alles voll Begehren,
in
süßer Wirrnis und mit Sehnsuchtshänden,
mit immer ausgestreckten Sehnsuchtshänden,
und Lippen, die nach deinen Küssen dürsten.
O
süße Liebe,
süße schlimme Liebe,
die so mit Rosen peitscht, daß unser Blut
die Schwelle färbt, wo unsere Sehnsucht kniet.
_____
Eh schienst verjüngt du mir, nicht schöner, nein,
doch so in deiner Schönheit holdem Schein
durch nichts entstellt, daß ich den Blick nicht wandte
und scheu nur deinen lieben Namen nannte.
Da regtest du die Lippen mir entgegen
und küßtest mich mit also
süßem Segen
und sprachst mich selig.
Die Tage gehen, und die Jahre gehen,
und immer lieb ich dich.
_____
Johann Georg Fischer
(1816-1897)
Der Bote kommt - o
süße Schrift,
Die, Liebster, du mir schriebst!
Laß sehn dein ungeduldig Kind,
Wie treu du es noch liebst.
Du zitterst, Herz? o zittre nur
Und hüpf' in sel'gem Lauf;
Es zittert ja die Erde auch,
Thut sich der Himmel auf.
_____
Wie einen Träumer in die Flut
Das Bild des Himmels hält gezogen,
So tief zu deines Herzens Glut
Halt' ich, o Kind, mein Haupt gebogen! -
Und wo ein Gott für Himmelslust
Das
süßre Menschenglück will tauschen,
Unsterblich muß er sich berauschen,
Du Erdenkind, an deiner Brust.
_____
Wie du
süße Augen machtest,
Als du sprachst: "Ich küsse nicht,
Küsse niemals!" und du lachtest
Mit dem ganzen Angesicht.
_____
Der Knabe sprach: "Lieb Mädchen mein,
Dein schönes Auge das ist dein,
Und drein zu schauen das ist mein;
Dein rother
süßer Mund ist dein,
Dich drauf zu küssen das ist mein;
Nun thu' mir auf die Arme dein,
Drin liegen das ist dein und mein."
_____
Süße Mühen
Laß diesen hauchenden Maienstrauß
In deinen Busen mich versenken
Und über diesen Lenz hinaus
Das holde Geheimniß froh bedenken,
Daß dieser Frühling in uns erregt
Zwei neue lebendige Welten,
Die ewig möchten
süß bewegt
Das Höchste einander gelten,
Die rastlos verlangend und nie genug
Mit Fragen, ahnungsvollen,
In seligem Hin- und Wiederzug
Einander ergründen wollen.
_____
Ludwig August Frankl (1810-1894)
Der Odaliske Gebet
Du ließest, Herr! mich schön und blühend werden,
Aus meinem Spiegel glänzt ein schlankes Weib,
Du schmücktest mich mit lieblichen Geberden,
Mit schwellend
süßem Reiz den jungen Leib.
_____
Magnete
Du saßest still und lieblich vorgebogen,
Das holde Haupt madonnenhaft gesenkt,
Erinn'rungsvolle Wehmuth war verflogen,
Die gerne sonst aus deinen Zügen denkt;
Und lauschend, ernst der Brauen Paar gezogen,
Hast du dem Dichter Blick und Ohr geschenkt,
Und sinnend folgtest du mit inn'rer Regung
Des Dichtertraums phantastischer Bewegung;
Er zog vorbei - es spielte auf den Wangen,
In deinem feuchten Aug' sein Widerschein,
Von keinem Laut die schönen Lippen klangen,
Doch
süß erschüttert sah ich all' dein Sein;
Da hab ich deinen schlanken Leib umfangen,
Ich fragte nicht - und du - du sprachst nicht nein.
Magnetisch, selig flogen wir zusammen
Und standen in des Kusses
süßen Flammen!
_____
Meine Seele lauscht
Deiner Lippen Engelpaare;
Eine
süße, wunderbare,
Gold'ne Botschaft rauscht.
Lächeln wehmuthsvoll
Muß ich zu den
süßen Worten,
Daß noch an des Alters Pforten
Jugendlust mir werden soll.
_____
Es hält mich fest,
ich kann ihr nicht entrinnen,
Wie auch die Seele mich im Busen warnt;
Sie hält mein Fühlen fest, mein Thun, mein Sinnen,
Mit ihrer Reize
süßem Netz umgarnt!
_____
Agnes Franz (1794-1843)
Sehnsucht nach
Vollendung
Hätt' ich Dich, o hohe,
süße Liebe,
Sollte And'res nie mein Herz begehren!
Nicht des Wissens schwererrung'ne Schätze!
Nicht des Glückes, nicht des Reichthums Gaben,
Nicht das Lob der Welt, so vielgepriesen!
Du! Du wärest dann mein Ein und Alles!
In Dir fänd' ich jedes Glückes Krone!
Hätt' ich Dich, o hohe,
süße Liebe,
Würde bald mein sieches Herz gesunden!
Du entbrennst nicht, wenn die Welt mit Unrecht,
Wenn mit Trug und Hohn sie Dir begegnet!
Unparteiisch reichst Du Freund' und Feinden
Von des eignen Lebens Götterfülle!
Friede ist mit Dir, und sanftes Dulden.
Hätt' ich Dich, o hohe,
süße Liebe,
Würd' ich keines Dornes Spitze fühlen!
Keine würde mir den Fuß verwunden!
Krankheit, Leiden würd' ich gern ertragen,
Stolz, der Liebe Jünger mich zu nennen;
Würde nimmer zagen, nimmer weinen,
Denn mit Dir ist Kraft und starker Wille!
Hätt' ich Dich, o hohe,
süße Liebe,
Wäre mein der Himmel schon auf Erden!
Engel würden mich als Schwester grüßen,
Und den Vater würd' ich fühlen, schauen,
Ein's mit seinem Sohn und Ihm auf ewig!
Ach, wie sehn' ich mich nach Dir, o Liebe!
Reiche mir den Trank des ew'gen Lebens!
_____
Ferdinand Freiligrath
(1810-1876)
So bin ich fromm, so bin ich stille,
So bin ich sanft, so bin ich gut!
Ich habe dich - das ist die Fülle!
Ich habe dich - mein Wünschen ruht!
Dein Arm ist meiner Unrast Wiege,
Vom Mohn der Liebe
süß umglüht;
Und jeder deiner Atemzüge
Haucht mir ins Herz ein Schlummerlied!
_____
Else Galen-Gube
(1869-1922)
Ich fühle deinen Atem mich umwehen,
wie in der Dämmerstunde, wonnigtraut;
im Arm könnt ich dir liebestoll vergehen
bei deiner Stimme
süßem Schmeichellaut.
_____
Je länger je lieber leg mir auf den Mund
deine Lippen, die wonnigen,
süßen,
und laß mich dir tief in die Augen sehn,
so tief – es ist ja nun doch geschehn …
du aber sollst es mir büßen!
_____
Sag, weißt du es wirklich nicht, mein Kind,
wie
süß die verbotenen Früchte sind?
Im Garten der Jugend siehst du sie prangen,
wo sie an goldenen Zweigen hangen.
Für jeden sind sie leicht zu erreichen,
der Mut hat, von der Herde zu weichen
zum Pfad, der zu irdischen Wonnen führt - -
_____
Selige Stunden
Vor uns liegt das blaue Meer,
über uns der Himmel,
o du
süße Einsamkeit -
fern das Weltgewimmel.
Ruhen hier im Liebesnest
weit am Badestrande,
zwischen Schilf und Binsenrohr
in dem Dünensande.
Unsre Doggen spüren still,
ob auch niemand komme,
zu belauschen, was doch nicht
fremden Leuten fromme …..
Und so schlüpfen wir
unter leisem Lachen
selig in das blaue Meer,
unsre Rüden wachen.
Niemand hat uns hier gesehn
als die liebe Sonne,
und die kniff ein Auge zu
ob der Lust und Wonne.
_____
Ich sehne mich nach dir mit
süßen Schauern -
ich möcht dich küssen und muß dich betrauern.
Wie leer die Welt mir ohne dich erscheint!
_____
Bald wirst du mich halten an deiner Brust
in namenlos wonnigem,
süßen Umfangen
und ins Ohr mir raunen: "Du meine Lust,
ich hatte nach dir ein so heißes Verlangen!"
_____
Weißt du ihn noch den still-verschwiegnen Platz,
dort hinter Erlen tief im Wiesengrunde?
Weißt du ihn noch, du mein herzlieber Schatz?
Glühkäfer schwirrten um mein rotes Haar,
sag, denkst du noch der
süßen, selgen Stunde,
weißt du es noch wie lieb, wie traut es war?
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Weißt du das
süße Beieinandersein …. ?
_____
Emanuel Geibel
(1815-1884)
O dürft' ich all mein Wesen
Ergeben dir, du Hohe,
Wie würde da genesen
Zu
süßem Heil dieß Herz, das liebefrohe!
_____
Ich hab' es bei mir selber wohl erwogen
In einer langen schlummerlosen Nacht,
Daß Liebe, die mir
Süßes viel gebracht,
Mich dennoch um mein bestes Glück betrogen.
_____
Das ist der Liebe eigen,
Mit Worten muß sie schweigen;
Sie spricht mit
süßen Zeichen
Von Dingen ohne Gleichen.
Es sagt die Hand am Herzen:
Hier innen trag' ich Schmerzen,
Und möchte doch dies Leiden
Um alle Welt nicht meiden.
Im Auge spricht die Thräne:
Wie ich nach dir mich sehne!
Mein Wollen, Denken, Sinnen
Es will in deins verrinnen.
Es spricht der Lippe Zücken:
O laß dich an mich drücken,
Auf daß im Feuerhauche
Sich Seel' in Seele tauche!
So webt in stummen Zeichen
Sich Botschaft sonder Gleichen;
Von Herz zu Herzen geht sie,
Doch nur wer liebt versteht sie.
_____
Das ist die köstlichste der Gaben,
Die Gott dem Menschenherzen giebt,
Die eitle Selbssucht zu begraben,
Indem die Seele glüht und liebt.
O
süß Empfangen, sel'ges Geben!
O schönes Ineinanderweben!
Hier heißt Gewinn, was sonst Verlust.
Je mehr du schenkst, je froher scheinst du,
Je mehr du nimmst, je sel'ger weinst du -
O gieb das Herz aus deiner Brust!
_____
Es blüht; es ist ein Lenz tiefinnen,
Ein Geisteslenz für immerdar;
Du fühlst in dir die Ströme rinnen
Der ew'gen Jugend wunderbar.
Die Flammen, die in dir frohlocken,
Sind stärker, als die Aschenflocken,
Mit denen Alter droht und Zeit;
Es leert umsonst der Tod den Köcher,
So trinkst du aus der Liebe Becher
Den
süßen Wein: Unsterblichkeit.
_____
In diesen Frühlingstagen, da genesen
Das Herz nicht will vom
süßen Sehnsuchtsleid,
Wie spricht, was einst bei Platon ich gelesen,
Vertraut mich an aus dunkler Fabel Kleid!
Geschaffen, schreibt er, ward als Doppelwesen
Der Mensch dereinst im Anbeginn der Zeit,
Bis ihn ein Gott, weil er nicht Schuld gemieden,
In seine Theile, Mann und Weib, geschieden.
Ein heilig Räthsel deutet mir dies Wort;
Wer fühlt' es nie, daß Bruchstück nur sein Leben,
Ein Ton, nur angeschlagen, zum Akkord
Mit seinem Gegenton sich zu verweben?
Wir all sind Hälften, ach, die fort und fort
Nach den verlornen Zwillingshälften streben,
Und dieses Suchens Leid im Weltgetriebe
Wir heißen's Sehnsucht, und das Finden Liebe.
_____
Nun hast du dich ergeben
Mir ganz mit Seel' und Leib,
O du mein
süßes Leben,
Mein Lieb, mein Kind, mein Weib.
_____
So sing' ich denn durch Wald und Dorn
Meine Weis' im Wanderzug:
"Deine Lieb' das ist ein
süßer Born,
Deß trink' ich nie genug."
_____
O stille dies Verlangen,
Stille die
süße Pein!
Zu seligem Umfangen
Laß den Geliebten ein!
Schon liegt die Welt im Traume,
Blühet die duft'ge Nacht;
Der Mond im blauen Raume
Hält für die Liebe Wacht.
Wo zwei sich treu umfangen,
Da giebt er den holdesten Schein.
O stille dies Verlangen,
Laß den Geliebten ein!
_____
Seitdem die Liebe dir genaht, der Reinen,
Ist's wie ein Zauber über dich gekommen;
In
süßem Feuer ist dein Aug' erglommen,
Doch schöner blickst es noch in sel'gem Weinen.
_____
So halt' ich endlich dich umfangen,
In
süßes Schweigen starb das Wort,
Und meine trunknen Lippen hangen
An deinen Lippen fort und fort.
_____
Amara George-Kaufmann
(1835-1907)
In deine Liebe möcht' ich
Mich senken ganz hinein,
Da tief ohn' Ende rasten
Und von Allen vergessen sein!
Ein Wörtlein würd' ich hören,
Das Eine ganz allein,
Wenn ich so läg' und schliefe
In diesem Wonneschrein.
Nicht Engelgrüße tönten
Mir so beglückend rein
Denn
süßer klingt als Alles
Das Wörtlein: Ich bin dein!
_____
So Lust, wie Leid hegt ihres Herzens Wunde:
Erinnerung an eine
süße Zeit,
Verlangen nach dem Freunde, der so weit,
Und Sehnen nach erneutem Wonnebunde.
_____
Es ist ein Ort, da wär' ich
So
süß befreit von meinen Trauerlasten;
An Deiner Brust, Geliebter,
Ist dieser Ort, da möcht' ich ruh'n und rasten.
_____
Der Lieb' ist Alles
süße;
Des Lebens Widerstreit
Wird ihr, so wild er wüthe,
Zur reinsten Seligkeit.
_____
Wenn sich
ungemess'nen Feuers
Mund zum Munde hinbewegt,
Deiner Küsse Gluth die tiefsten
Tiefen meines Seins erregt;
Meine fieberraschen Pulse
Fliegen, wie zu keiner Zeit,
Und mit einer Welt von Fesseln
Mein Gemüth im Riesenstreit?
Was es sei - es ist ein
süßer,
Himmlischer Entzückungsrausch.
Gern will ich den Frieden missen,
Geht er auf im Wonnetausch.
_____
Süße Wonne, vielgeliebtes Mädchen,
Die Du ähnlich bist der Ros' an Anmuth,
An Gestaltung aber und an Haltung
Hochgewachs'ner Tanne zu vergleichen!
Was beschauend und zum Muster nehmend,
Rosenanmuth oder Tannenhoheit,
Hast Du Dich so reizend ausgebildet?
_____
Stefan George (1868-1933)
Wenn plötzlich du dem harrenden entschwandest
Wenn deinen
süssen anblick ich versäumte
Wenn achtlos du die augen von mir wandest
Der ich den ganzen tag von dir nur träumte
So fasste mich ein schmerzlich wildes grämen
Ja ernster tränen musste ich mich schämen.
_____
Dieses ist ein rechter morgen ·
Warmer hauch um baum und bach
Macht dein ohr für
süsse schwüre
Süsse bitten schneller wach
Die ich sorgsam dir verborgen.
_____
Hermann von Gilm
(1812-1864)
O halt' des Herzens Knospe unter'm Riegel
Und wach' und bete, daß das
süße Siegel
Sich nie von unserem Geheimnis schält.
Denn ist die Rose einmal aufgebrochen
Und ist die Liebe einmal ausgesprochen,
So sind auch ihre Tage schon gezählt.
_____
Gieb mir die Hand, daß ich sie heimlich drücke,
Und wenn man's sieht, mir ist es einerlei;
Gieb mir nur einen deiner
süßen Blicke
Wie einst im Mai.
_____
Felix Grafe (1888-1942)
Wundervoll
gestirntes Schweigen
atmet
süß in meine Ruh -
sieh: mir wird die Welt zu eigen
und ihr ganzer Sinn bist du.
_____
An meinen Fingern hängt noch
süß und tief
der Duft von deinem Haar - an meinen Ohren
tönt noch das Wort, mit dem dein Mund mich rief,
das Lachen (ach, mir ewig unverloren)
das hinter lieben Lippen schweigsam schlief.
Zu welchem Ziel war alles dies geboren?
und welchem Spruch zu willen? wem zu Dank?
es wuchs, gab Glanz - ein Wimpernzucken lang.
_____
Elly Gregor (1848-?)
O schlag die schönen Augen nieder!
Sie rauben mir all meine Ruh,
Wirf nimmer deine Blicke wieder
Voll schwärmerischer Glut mir zu:
Es spricht daraus so
süßes Flehen -
Ich kann nicht länger widerstehen.
O meide mich! Geh in die Ferne,
Damit ich dich vergessen kann,
Hör' ich nicht mehr der Stimme Zauber,
Siehst du mich nicht mehr glühend an.
Es spricht daraus so
süßes Flehen,
Ich kann nicht länger widerstehen.
_____
Franz Grillparzer
(1791-1872)
Wer bist du die in meines Herzens Tiefen,
die nie der Liebe Sonnenblick durchstrahlt,
mit unbekannter Zaubermacht gegriffen?
Wer bist du
süße, reizende Gestalt?
Gefühle, die im Grund der Seele schliefen,
hast du geweckt mit magischer Gewalt;
gefesselt ist mein ganzes, tiefstes Wesen,
und Kraft und Wille fehlt das Band zu lösen!
_____
Julius Grosse (1828-1902)
Dein Bild will ich bewahren
Wie sanfter Träume
süßen Trost,
Nun ich hinausgefahren
In Sorgen und Gefahren,
Und nur den Schmerz erloost.
Stand ich an deiner Seiten,
Verstohlen Hand in Hand gedrückt,
Wie schwanden Raum und Zeiten,
In goldene Sonnenweiten
Waren wir selbst entrückt.
_____
Ist es denn Wahrheit, daß dein
süßer Mund
An meinem hing in innigem Umfangen?
Ein heil'ges Feuer lodert noch zur Stund'
Um Seel' und Leib, mir brennen Stirn' und Wangen.
_____
Stolze Freiheit, Jugendhochmuth,
Wohin ist dein Siegesprangen?
Hingestorben bist du müde
In ein einzig
süß Verlangen.
Trugst du hoch im Sturm den Nacken,
Lern die Demuth nun im Glück.
Weich von Mädchenarm umfangen,
Schau in Flammen nicht zurück.
_____
Du kehrst nun in das Märchenreich zurück,
Aus dem du morgenklar gekommen.
Wer dich geschaut, ein heimlich Glück
Hat er auf seine Fahrt mit sich genommen.
Mir bist du nun ein goldner Morgentraum,
Ein
süßer, ewig unvergessen.
Solch heil'gen Frieden giebt kein Baum
Voll Myrthen selbst, als trauernde Cypressen.
Und deine Schönheit strahlt geheimnißvoll
Hinfort auf alle meine Lieder,
Ich hab' geschaut, was Keiner soll:
Die Sonne meiner Seele sank mir nieder.
Doch alle Zukunft liegt im sanften Glanz
Von deinem
süßen Zauberbilde,
Gleichwie im Mondenlichte ganz,
Das wiederstrahlt verschwundne Sonnenmilde.
_____
Elisabeth Grube geb. Diez
(1803-1871)
"Hast du mich lieb?" - mein liebes Kind, o schelte
Die Frage nicht - die Antwort ist so schön!
Und daß ich dir dein
süßes "Ja!" vergelte
Darfst du mir tief in's treue Auge seh'n.
_____
Entfernt von dir, mein Herz, mein
süßes Leben,
Eilt mein Gedenken fessellos zurücke
Und Phantasie trägt mich auf gold'ner Brücke
Zum Eiland hin, von stiller Fluth umgeben.
_____
Anastasius Grün
(1806-1876)
Eine Brücke kenn' ich, Liebchen,
Drauf so wonnig sich's ergeht,
Drauf mit
süßem Balsamhauche
Ew'ger Frühlingsodem weht.
Aus dem Herzen, zu dem Herzen
Führt der Brücke Wunderbahn,
Doch allein der Liebe offen,
Ihr alleinig untertan.
_____
Eins und zwei
Warum, o Mutter, o Natur,
Gabst deinem Sohn, dem Menschen nur
Ein Herz du, um in
süßen Trieben
Geliebt zu werden und zu lieben,
Und einen Mund nur, um zu küssen,
Und Wonn' und Seligkeit zu saugen;
Jedoch zum Weinen, ach! - zwei Augen? -
_____
Willst du auch sehn den Becher wunderbar,
Draus tötend Gift und Honig
süß und klar
Mit einem einz'gen Zug man saugen kann:
O blicke ihren Rosenmund nur an!
Die Wunderbecher sind die Purpurlippen,
Draus
Süß und Herb mit einem Zug zu nippen,
Ein Honigseim, der's Herz belebt und nährt,
Ein Gift, das wild am Lebensmarke zehrt.
_____
Sidonie
Grünwald-Zerkowitz (1852-1907)
Der Kuß
Dein Kuß allein will mir nicht genügen!
Ein Kuß nicht mein Begehren stillt!
Trankst Du ihn je in vollen Zügen
Und empfandst noch nicht, was aus ihm quillt?
Ein Kuß - ein Blitz unter Sturmes Toben -
Ein
süß Gewittern der Sinnenflut
Im tiefsten Mark, das nach unten, nach oben
Das Sein im Zickzack durchrast mit Glut.
Gewitter, das nicht sich löset in Regen ...
In den Wolken bleibt und wühlend drin schwebt ...
Und wetterleuchtend auf allen Wegen
Mit peinvollen Schauern uns durchbebt ...
_____
Es ist heut' früher Morgen wieder
Wie einst ... ganz früh ... in grüner Au;
Blau sieht der Himmel auf mich nieder,
Wie einst erglänzt das Grün im Thau.
Ich zieh' da auf denselben Wegen,
Die ich, mit Dir, beglückt, einst ging,
Als ich im
süßen Küsseregen
Bei jedem Schritt am Mund Dir hing ...
_____
Da zog es zu Dir mich auf den Grund -
Und nahe rückte Mund an Mund
Und immer näher ... wie war das
süß!
Geschah's, weil das Denken mich verließ? ...
Der Gürtel war entzwei mir gerissen
Und mir kam der Mut: Dich zu küssen ... zu küssen!
_____
O Du gute Nacht!
Ich küsse Deiner Hülle Saum,
O Nacht, die vor die Seele mild
Mir zaubert im barmherz'gen Traum
Des fernen Liebchens lichtes Bild!
Wie
süß wär' ach das Sterben mir,
Könnt' in die Ewigkeit ich gehn
Im Hoffen: wie im Traume hier
Mein Lieb im Jenseit auch zu sehn!
_____
So lang', seit ich Dich nicht gesehen!
So lang', seit ich Dich nicht geküßt,
Daß ich indessen vergessen konnte,
Wie
süß Dein Kuß, wie
süß Du bist!
_____
Wozu zwei Augen mir und ein Mund
Süß ist es in der Dämmerstund'
Zu feiern von Tagwerks Lasten,
Wie der Sommertag, der Blumen bunt
Geküßt, geht abends rasten.
Doch haben zwei Augen und ein Mund
Erst kaum das
Süße erfahren,
Den
allersüßesten, hehren Grund,
Weshalb sie erschaffen waren, -
Und, kaum zur Thätigkeit gelangt,
Schon feiern, schon feiern, ach, müssen, -
Dich sieht nicht das Aug', das nach Dir verlangt,
Du fern dem Mund, der möcht' küssen:
Wie müßig ist solche Feierstund'
Und welche Qual, das zu wissen!
... Wozu zwei Augen mir und ein Mund
Da ich sehn Dich nicht kann, nicht küssen?
_____
Nicht trag' im Herzen ich Verdruß
Drob, daß der Zufall Dich entrissen
Vom Mund mir, eh' der Liebe Kuß
Ich
süß gekonnt zu Ende küssen!
_____
Alfred Grünewald
(1884-1942)
Gleichnis der Liebenden
Gerne erinnern wir uns,
ausruhend auf sonnigem Gipfel,
des steiler werdenden Steiges,
der uns - ein sachter Verführer -
allmählich zur Höhe gelockt.
Also gedenken wir gerne,
Erfüllung genießend und spendend,
der ersten Lächeln und Blicke
und ihres zagen Erwiderns:
des
süßen Beginnes der Lust.
_____
Otto Friedrich Gruppe
(1804-1875)
Locke nicht so
süß und selig,
Süße,
süße Schmeichlerin;
Zieht es doch unwiderstehlich
Mich im Busen zu dir hin.
Kommst du, um mich noch zu retten
Aus der Wogen wildem Drang?
Oder willst du nur mich ketten,
Du Sirene von Gesang?
Fliehen will ich! - Wohin fliehen? -
Zuflucht ist bei dir allein,
Und Gefahr und Rettung ziehen
Mich in deinen Arm hinein!
_____
Wie sündlich, Knospen vor der Blüthe Prangen,
Wie sündlich, Blühte vor der Frucht zu fällen:
Laß ab, unreifem Kusse nachzustellen,
O, wenn du kannst, bezähm ein wild Verlangen.
Weißt du den Kuß auf schönstem Mund dir hangen,
So braucht er Schatten und muß still bei hellen
Thränen erblühn, sich
süßen und sich schwellen,
Und langsam reifen bei verschämten Wangen.
Wer gab? wer nahm? Er fällt in trauter Stunde,
Wie reife Frucht, leis' angerührt, zum Munde,
Und für dies Leben ist das Herz erquicket.
Er ist so sanft von stillgeweinten Thränen,
So heiß und ungestüm von herbem Sehnen,
Und
süßes Flüstern wird davon ersticket!
_____
Ida von Hahn-Hahn
(1805-1880)
Ach, wenn du wärst mein eigen,
Wie schien' mir hold der Tod,
Er träfe uns zusammen; - -
Und, gleich dem Abendroth,
Wär' er der Schluß des Tags voll Glück,
Verzehrend
süß, ein Liebesblick.
_____
"Dein Bild allein" läßt nicht in Worte fassen,
Nicht malen mit den ird'schen Farben sich;
Und ach, ich kann, ich kann es nimmer lassen;
Denn wenn ich's ließe, niemals ließ' es mich.
Nie war mir etwas treu, so ganz, so mein,
Als wie dein Bild, dein
süßes Bild allein.
_____
Alles ist mir untergangen,
Selbst die holde Poesie,
Die mich trostreich sonst umfangen
Und dem Schmerz die Thräne lieh.
Alles ist mir untergangen
Mit dem lieben,
süßen Sterne,
Der nun zieht in weiter Ferne,
Und der einzig mein Verlangen.
_____
Laß mich ewig vor dir knieen,
Ewig dir ins Auge schau'n;
Blumen können nur erblühen,
Wenn die Sonne stralt den Au'n.
Blumen können Duft nur spenden,
Wenn der Zephyr sie umspielt,
Mit den Flügeln, den behenden,
Ihre heißen Kelche kühlt.
Süße Blicke, gebt mir Frieden,
Daß mein Herz gleich Blumen ruht;
Und die Stürme, mir beschieden,
Bannt sie in der Lieder Glut.
_____
Meinst du, dich hätt' ich vergessen,
Weil mein Lied oft mächtig klingt,
Kühn im Raume ungemessen
Wie ein junger Aar sich schwingt? -
Meinst du,
süße Liebeslieder
Wären jetzt wol ausgeglüht,
Tönten nicht im Herzen wieder, -
Frühling wäre abgeblüht? -
_____
Nur zum Sterben, nicht zum frohen Leben,
Gönnet mir den Platz an seiner Brust; -
Und des Todeskampfes grauses Beben
Wandelt sich in
süße Himmelslust.
_____
Wozu leben, wenn das Wesen ferne,
Das die Seele meines Lebens ist;
Dem das Glück erscheint mit gleichem Sterne,
Dem die Lieb' mit gleicher Wage misst.
Wozu leben, wenn dahingeschwunden
Alle Hoffnung auf die bess're Zeit,
Auf die Wiederkehr der
süßen Stunden,
Die sich, ach, fast niemals uns erneut.
_____
Wohin flüchten? – Was beginnen? -
Ach, umsonst wär' all' mein Sinnen,
Tönte nicht dein
süßes Wort.
Deiner Liebe reiche Fluten
Löschen meiner Sehnsucht Gluten,
Tragen friedlich mich zum Port.
_____
Adolf Hain (1825-1854)
Dein Mund ist voll
süßer Töne,
Voll lieblicher Musik,
Wie Engelharfen so hallet's
Verkündend reines Glück!
_____
Es saß der Knabe an dem Bach,
Auf grünem Blumenrain,
Und dachte sinnend drüber nach,
Was Liebe möchte sein!
Sie sagen, Liebe machet Harm
Und ist doch
süß dabei,
Ein Balsam und doch glühend warm:
Das schien ihm wunderneu!
_____
Nur einmal noch die
süßen Blicke
Möcht' ich auf mich gerichtet sehn,
Nur einmal noch im stillen Glücke
Und sehnend, Minna! vor dir stehn!
_____
So hoch wie die Tanne zum Himmel strebt,
So hoch, so schlank meine Braut;
So
süß wie der Zephyr, der dich umschwebt,
So
süß ihres Mundes Laut.
_____
Willst mir ein Blümlein schenken,
Du holde,
süße Maid,
Daß dein ich möge denken
In aller Ewigkeit?
Ach nein! mir nicht die Rose!
Du spielst ein arges Spiel,
Du
süße Maid, du lose,
Du gabst mir schon zu viel!
_____
Du wardst mein Anker! und zurückgefunden
Hab' ich aus stürm'schem Meere mich zum Strand:
Die holde Unschuld, fest mit dir verbunden,
Sie lockte mich auch in ihr Zauberband:
Ach! warum bist du mir so schnell entschwunden?
Schon ruft es wieder zu mir: Stoß' vom Land!
Vorbei das
süße Hoffen, sel'ge Träumen,
Die wilden Wogen seh' ich brausend schäumen!
_____
An Minna
Du willst, daß ich dir künde,
Mein
süßes Lieb,
Wo ich die Lieder finde,
Bald froh, bald trüb?
Wo ich Begeistrung sauge?
Aus deinem Blick,
Aus deinem Zauberauge,
Mein
süßes Glück!
Aus deinem Angesichte,
Da schrieb ich ab
Die schönsten der Gedichte,
Die ich dir gab!
_____
Die erste Saite regt der reine Glaube,
Der Glaube an den Vater in der Höh':
Die Unschuld hört den Laut, die weiße Taube,
Oft klingen in des Lebens Freud' und Weh!
Die zweite Saite schlägt die holde Liebe,
Die Liebe: ach! wie ist der Klang so
süß!
Er weckt in uns die seligsten der Triebe,
Es wandelt sich die Erd' in's Paradies!
_____
Robert Hamerling
(1830-1889)
Ihre Stimme
Ach jene lieblich lockenden,
Wie vor der eig'nen Schöne
Verschämten, leise stockenden,
Herzinnig
süßen Töne,
Sie locken, gleich verschwebenden
Accorden sel'ger Lust,
Mit Klängen,
süß erbebenden,
Das Herz mir aus der Brust!
Und ach, schon hat das lauschende
Mit ihren Lispelwogen
Die Zauberflut, die rauschende,
Befangen und umzogen;
So folgt das
süß umronnene
Dem Bann der Töne stets,
Und fällt ins klanggesponnene
Leidvolle Liebesnetz!
O Flut, in Perlen rinnende,
Darin ich lauschend schwimme,
Verlockend herzgewinnende,
Bethörend
süße Stimme!
Vereinte selbst zum Chore sich
Des Klanges Zauberreich -
Nicht drängt' es mir zum Ohre sich
So lockend und so weich!
_____
Spiel der Blicke
Ach, meine Blicke, trunk'ne Vögel, spreiten
Die Schwing' im weiten Saal nach ihr alleine:
Ihr Auge aber meidet stets das meine,
Und scheut sich, Stern in Stern den Blick zu leiten.
Wohl streift er mich in holder Näh' zu Zeiten,
Irrt spielend mir ums Haupt mit
süßem Scheine,
Um, wenn ich ihn beglückt zu haschen meine,
Mit kühlem Stolze wieder abzugleiten.
Nur wenn der Schönen Kranz um sie verdichtet
Sich drängt, und mir verbirgt mein
süßes Hoffen,
Dann aber nur so weit der Schwarm sich lichtet,
Daß just für einen Pfeil die Bahn wär' offen,
Seh' plötzlich ich von fern auf mich gerichtet
Ein spähend Feuerauge,
süß betroffen!
_____
Wunder
Deute mir den
süßen Zauber,
Der die Frauenlippe würzt:
Daß uns ihre Glutberührung
In ein Meer von Wonne stürzt?
Solchem Wunder nachzuspüren
Ist so fromm, als wie des Seins
Ew'gem Grunde nachzugrübeln:
Alle Wunder sind nur eins.
Heilig ist dies Weltenwunder,
Wo ihr's packt, an jedem Ort,
Und die großen Rätsel alle
Löst ein einzig Zauberwort.
_____
Lenzeszwang
Frühling ist – die Blumen und die Lieder,
Und die Liebe kehren neu zurück.
Folg' ich, ach, dem
süßen Drange wieder?
Wär' nicht Ruhe mir ein schön'res Glück?
Ach! der Lenzlust und Lenzesplage
Bliebe jetzt das Herz auch lieber fern;
Bliebe wie durch all die Wintertage
Still und einsam auch im Lenze gern.
Aber fragt der Lenz, ob Rose blühen,
Oder Lerche wieder singen will?
Du, mein Herz, mußt liebend wieder glühen,
Folge nur dem
süßen Drange still!
_____
Süße Sehnsucht, holdes Regen,
Leite mir den trüben Sinn
Immerdar auf Wolkenstegen
In die schöne Ferne hin;
Bis in Schönheit
süß gebadet,
Und in Liebe rein gestimmt,
Sich das Herz im Lied entladet,
Das die Nacht allein vernimmt.
_____
Ich seh' dich heut zum ersten Mal,
Da faßt mich's liebebang;
Du bist's, dich sucht' ich überall,
Wo säumtest du so lang?
Ich habe dich ja längst gekannt,
Erkennest denn du mich nicht?
Fühlst du, wie innig wir verwandt,
O du mein
süßes Licht?
Was blickst du mich so fragend an,
So gänzlich fremd und kalt?
Hab' ich dir denn ein Leid gethan,
Holdsel'ge Frau'ngestalt?
O mach' mir nicht den Sinn so trüb'
Und nicht das Herz so schwer:
Nicht wahr, du bist mein
süßes Lieb?
Was kränkst du mich so sehr?
_____
Ich sehne mich nach gold'nen Glückes Zielen,
Nach
süßem Munde, holderblühten Wangen;
Von weichen Armen wär' ich gern umfangen,
Und meine Lippen fänden gern Gespielen.
_____
Von allem Sehnen, allem Lieben,
Blieb meiner Brust ein teurer Hort,
Gleichwie ins tiefste Herz geschrieben
Mit Flammenschrift ein Liebeswort.
Und keine Zunge kann sie schildern,
Die Wunderwelt, die mich umschwebt,
Wenn von den tausend
süßen Bildern
Die stille Nacht den Schleier hebt.
_____
Im Wald, am Strom, auf gold'nen Au'n,
In Träumen,
süß und traut,
Ward Kunde mir im Wonnegrau'n
Von einer holden Braut.
Es bringen Grüße mir von ihr
Die Rosen und die Sterne,
Ihr
süßes Bild es folget mir
In alle Näh' und Ferne.
Wo blüht ihr
süßes Angesicht,
Ihr Wangenrosenpaar?
Wo schimmert ihrer Augen Licht?
Wo weht ihr gold'nes Haar?
Ich suche sehnsuchtsvoll nach ihr,
Mit nimmermüdem Streben,
Doch ach, es konnte Keiner mir
Noch Kunde von ihr geben!
_____
Ist nicht dein Auge
süß und klar,
Die Wange weich und rund?
Ist glänzend nicht dein gold'nes Haar
Und
honigsüß dein Mund?
Ist nicht erquickend und gelind
An deiner Brust die Ruh'?
Bist du nicht ganz ein Götterkind,
Du holde Kleine du?
_____
Noch zarter, als die ich dir sang, die Lieder,
Noch
süßer als ein Kuß, von dir gegeben,
Ist jenes holde Du, mein
süßes Leben!
Das traulich zwischen uns geht hin und wieder.
_____
O knüpfe los die langen, gold'nen Flechten,
Und laß sie lieblich flatternd niederhangen!
Viel
süßer ist's mit wildumlockten Wangen
Der Küsse holden Wettkampf auszufechten!
_____
Selig, wie der See, der helle,
Wiegt den Schwan auf Silberfluten,
Trägt mein Herz die Flammenwelle
Weicher,
süßer Liebesgluten.
Holde Flut, zu welchem Strande
Trägst du wohl mein Herz, mein wundes?
Ewig nur zum Blumenrande
Ihres honigsüßen Mundes.
_____
Weih' ich mich dem Dienst der Rose,
Wird mein Sein erblüh'n zum Allsein,
Und mein Herz in ihrem Schoße
Eine
süße Nachtigall sein!
_____
Heinrich Heine (1797-1856)
Deine weißen Liljenfinger,
Könnt ich sie noch einmal küssen,
Und sie drücken an mein Herz,
Und vergehn in stillem Weinen!
Deine klaren Veilchenaugen
Schweben vor mir Tag und Nacht,
Und mich quält es: was bedeuten
Diese
süßen, blauen Rätsel?
_____
Die du bist so schön und rein,
Wunnevolles Magedein,
Deinem Dienste ganz allein
Möcht ich wohl mein Leben weihn
Deine
süßen
Äugelein
Glänzen mild wie Mondesschein;
Helle Rosenlichter streun
Deine roten Wängelein.
_____
Die Welt ist dumm, die Welt ist blind,
Wird täglich abgeschmackter!
Sie spricht von dir, mein schönes Kind,
Du hast keinen guten Charakter.
Die Welt ist dumm, die Welt ist blind,
Und dich wird sie immer verkennen;
Sie weiß nicht, wie
süß
deine Küsse sind,
Und wie sie beseligend brennen.
_____
Hüt dich, mein Freund, vor grimmen Teufelsfratzen,
Doch schlimmer sind die sanften Engelsfrätzchen.
Ein solches bot mir einst ein
süßes
Schmätzchen,
Doch wie ich kam, da fühlt ich scharfe Tatzen.
Hüt dich, mein Freund, vor schwarzen, alten Katzen,
Doch schlimmer sind die weißen, jungen Kätzchen.
Ein solches macht ich einst zu meinem Schätzchen,
Doch rät mein Schätzchen mir das Herz zerkratzen.
O
süßes
Frätzchen,
wundersüßes
Mädchen!
Wie konnte mich dein klares Äuglein täuschen?
Wie konnt dein Pfötchen mir das Herz zerfleischen?
O meines Kätzchens wunderzartes Pfötchen!
Könnt ich dich an die glühnden Lippen pressen,
Und könnt mein Herz verbluten unterdessen!
_____
Ich hab mir lang den Kopf zerbrochen,
Mit Denken und Sinnen, Tag und Nacht,
Doch deine liebenswürdigen Augen,
Sie haben mich zum Entschluß gebracht.
Jetzt bleib ich, wo deine Augen leuchten,
In ihrer
süßen, klugen Pracht
Daß ich noch einmal würde lieben,
Ich hätt es nimmermehr gedacht.
_____
Ich will meine Seele tauchen
In den Kelch der Lilje hinein,
Die Lilje soll klingend hauchen
Ein Lied von der Liebsten mein.
Das Lied soll schauern und beben
Wie der Kuß von ihrem Mund,
Den sie mir einst gegeben
In wunderbar
süßer
Stund.
_____
In den Küssen welche Lüge!
Welche Wonne in dem Schein!
Ach, wie
süß
ist das Betrügen,
Süßer
das Betrogensein!
Liebchen, wie du dich auch wehrest,
Weiß ich doch, was du erlaubst:
Glauben will ich, was du schwörest,
Schwören will ich, was du glaubst.
_____
Mädchen mit dem roten Mündchen,
Mit den Äuglein
süß
und klar,
Du mein liebes, kleines Mädchen,
Deiner denk ich immerdar.
_____
O schwöre nicht und küsse nur,
Ich glaube keinem Weiberschwur!
Dein Wort ist
süß, doch
süßer
ist
Der Kuß, den ich dir abgeküßt!
Den hab ich, und dran glaub ich auch,
Das Wort ist eitel Dunst und Hauch.
_____
Saphire sind die Augen dein,
Die lieblichen, die
süßen.
O, dreimal glücklich ist der Mann,
Den sie mit Liebe grüßen.
_____
So hast du ganz und gar vergessen,
Daß ich so lang dein Herz besessen,
Dein Herzchen so
süß
und so falsch und so klein,
Es kann nirgend was
süßres
und falscheres sein.
_____
Mein Liebchen ist so schön
und mild,
Noch schwebt mir vor ihr
süßes Bild;
Die Veilchenaugen, die Rosenwänglein,
Die glühen und blühen, jahraus, jahrein.
Daß ich von solchem Lieb konnt weichen,
War der dümmste von meinen dummen Streichen.
_____
Wie die Nelken duftig atmen!
Wie die Sterne, ein Gewimmel
Goldner Bienen, ängstlich schimmern
An dem veilchenblauen Himmel!
Aus dem Dunkel der Kastanien
Glänzt das Landhaus, weiß und lüstern,
Und ich hör die Glastür klirren
Und die liebe Stimme flüstern.
Holdes Zittern,
süßes Beben,
Furchtsam zärtliches Umschlingen
Und die jungen Rosen lauschen,
Und die Nachtigallen singen.
_____
Wo ich bin, mich rings umdunkelt
Finsternis, so dumpf und dicht,
Seit mir nicht mehr leuchtend funkelt,
Liebste, deiner Augen Licht.
Mir erloschen ist der
süßen
Liebessterne goldne Pracht,
Abgrund gähnt zu meinen Füßen -
Nimm mich auf, uralte Nacht!
_____
Karl Henckell (1864-1929)
Du schaust
mich an mit immer neuem Blicke,
Und
süßer Schauer zittert durch den Raum,
Weil ich die Blüte der Minute pflücke
Und trinke deines Herzens Sehnsuchtstraum.
_____
Max Herrmann-Neiße (1886-1941)
Süßapfelspiel in meiner Hände Hallen ...
Süßapfelspiel in meiner Hände Hallen,
Du allerlei Gelüst zur Abendzeit,
Laß dich in meinen Schoß jetzt wieder fallen
Mit deiner leichten, zieren Zärtlichkeit!
Sei du der Falke mit dem Fliederzweige,
Der holde Nacht auf falbem Fittich bringt,
Und segle wieder königlich und steige
Zur Morgensonne hell und schönbeschwingt!
Sei du der Luftpiloten leises Schweben,
Sei du der Stein, der von der Schleuder springt,
Sei du geschürzter Lippen lindes Beben,
Sei du der Stern, der durch die Himmel singt!
Sei du das weiße, weiche Niederfallen
In Kleinsstadtnächten, wenn es ewig schneit!
Süßapfelspiel in meiner Hände Hallen,
Du allerlei Gelüst zur Abendzeit!
_____
Schweigen mit dir: das ist ein schönes Schwingen
von Engelsfittichen und Gottes Kleid
und
süß, unsagbar sanftes Geigenklingen
verweht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
_____
So
süß ist es, mit dir sich zu verlieren:
das All verstummt, nur eine Quelle tropft,
es raschelt von des Waldes kleinsten Tieren,
und eines Vögleins Herz verängstigt klopft.
_____
Elly
Wie viel, wie viel ließ ich zurück!
Wie wenig, wenig nahm ich mit,
nur meine Leiden und mein Lied.
Und du mein kleines,
süßes Glück?
Blieb mir auch nur ein Hauch zurück,
der Locken Duft, der Stimme Klang,
der leise Takt in deinem Gang -
von dir mein kleines,
süßes Glück?
Der Vorhang fiel, aus war das Stück,
die Lichter löschten; und ich schied. -
In meinem Leiden, meinem Lied
bleibt doch mein kleines,
süßes Glück!
_____
Wilhelm Ritter von Hertz (1835-1902)
An deinem
süßen Herzen
Ruh' ich in stiller Stund',
Es feuchtet meine Schläfen
Dein athemwarmer Mund.
_____
Vom Himmel naht ein leises Rauschen,
Der Frühling wandelt durch die Welt;
Dein
süßes Herz laß mich belauschen,
Das hat ein schön'rer Lenz geschwellt!
_____
O blick' mir nicht so sehniglich
Hervor aus deinen Thränen!
Es soll hinfort kein Auge sich
Nach dem Verlornen sehnen.
Und wie noch einmal Herz an Herz
Im
süßen Wahn sich stillet,
So ruhe auch der herbe Schmerz,
Der dir vom Auge quillet.
_____
Alfred Walter Heymel (1878-1914)
Nie vergißt
die Gunst, bei dem du schliefst.
Deine
Süße bleibt im Blut.
Jener Ton, mit dem du riefst,
klingt im Ohr uns fort.
Deine Wollust, die du neu und neu vertiefst,
dauert bis zum Tod.
_____
Wir küssen uns im letzten Saal,
der ist so kissenweich.
Dort thront die
süße Liebesqual,
den Göttern sind wir gleich.
_____
Paul Heyse (1830-1914)
Jetzt, da
ich bei Nacht und Tage
Ihr Gesicht studieren mag,
Bleibt die große Rätselfrage
Dunkel wie am ersten Tag.
Doch entsag’ ich gern dem Wissen;
Schauen ist die höh’re Pflicht.
Fort das Grübeln! Laß dich küssen,
Unerforschlich
süß Gesicht!
_____
Siesta
Lieb, o lieb war die Nacht
Mitten am hellen Tag,
Als wir die Läden geschlossen,
Als durch die schützenden Sprossen
Goldige Dämmerung brach.
Kühl, o kühl war der Saal,
Drinnen die Welt uns verging,
Da wir in seligem Schmachten
Wandelten, flüsterten, lachten,
Bis uns der Schlummer umfing.
Süß, o
süß war der Traum,
Herz am Herzen geträumt!
Über uns schwebend im Kreise
Flattert’ ein Schmetterling leise,
Dunkel die Schwingen umsäumt.
_____
Friedrich Hölderlin
(1770-1843)
ABBITTE
Heilig Wesen! gestört hab ich die goldene
Götterruhe dir oft, und der geheimeren,
Tiefern Schmerzen des Lebens
Hast du manche gelernt von mir.
O vergiß es, vergib! gleich dem Gewölke dort
Vor dem friedlichen Mond, geh ich dahin, und du
Ruhst und glänzest in deiner
Schöne wieder, du
süßes Licht!
_____
Daß ich wieder Kraft gewinne,
Frei wie einst und selig bin,
Dank ich deinem Himmelssinne,
Lyda,
süße Retterin!
Labung lächelte dem Müden,
Hohen Mut dein Auge zu,
Hohen Mut, wie du zufrieden,
Gut zu sein und groß wie du.
_____
Mia Holm (1845-1912)
Stehe still, du
süsse Nacht
Lieblich warst du schon am Morgen
Und zu Mittag,
süsse Maid,
Doch am holdesten und schönsten
Bist du jetzt, zur Abendzeit.
Einen Kranz von Mondenstrahlen
Trägt dein sonnengoldnes Haar,
Und in weisse Schleier hüllet
Dich der Nebel wunderbar.
Kranz und Schleier, liebes Mädchen,
Das ist bräutlich holde Tracht.
Nebel, Mondschein, zaubert weiter,
Stehe still, du
süsse Nacht!
_____
Gespenster
Draussen lockt der Sonne Schimmer,
Lockt mich nimmermehr hinaus,
Voll von Geistern dieses Zimmer
Und voll Spuk das ganze Haus.
An der Decke und am Fenster,
Über mir und um mich her
Flattern liebliche Gespenster,
Machen mir die Seele schwer.
Und sie lächeln und sie grüssen,
Flüstern von Vergangenheit.
Geister sind es deiner
süssen,
Längst gestorbnen Zärtlichkeit.
_____
Draussen und drinnen
Draussen dunkle Kälte, Sturmes-Tosen,
Drinnen Lachen, neckisches Erbosen,
Wärme, Lichterglanz, ein Fliehn und Haschen
In stets wechselnden graziösen Posen.
Er ein Knabe, frisch und braun und prächtig,
Sie ein Mädchen, zart wie weisse Rosen.
Müde endlich, ruhn sie, plaudern leise,
Ihre Stimmen, ihre Blicke kosen –
O wie
süss ist Einsamkeit zu zweien,
Und wie arm sind all die Liebelosen!
_____
Die
süsse wunderwebende
Uralte Zauberin,
Die ewig Allbelebende,
Berauschte unsern Sinn.
Gedenkst du noch der funkelnden
Glücksel'gen Sommernacht,
Die du am See, am dunkelnden,
Allein mit mir verwacht?
_____
Arno Holz (1863-1929)
Dann
losch das Licht,
und
durch die Stille,
fiebernd, verlangend, erwartungsbang,
nur noch:
unser zitternder Herzschlag!
Trunken ... stammelnd,
meine
Lippen ...
süß dein ... Aufschrei!
Seligkeit!
_____
TIEFE MAINACHT
So
süß ... wob ... die
Nacht!
Unter
den dunkelen Kastanien ... gegen die mondhelle Wand,
lehntest
du
mit geschlossenen ... Augen im Schatten.
Wir ... küßten uns ... nicht.
Unser Schweigen
sagte ... uns ... alles.
_____
Ihre
Brüste ... zittern!
Strahlend runde, liebessieche,
schwarzwimperige, wollustbrennende, violenholde
Sternaugen,
die
berücken;
zarte, willfährige,
schwellend
süße, zutrauliche, lechzend rote
Granatlippen,
die
lächeln;
sanfte, samtene,
sehnend
anmutige, weitgebreitete,
schneeige, volle, weichgeschwungene
Narzissenarme,
die
locken!
_____
Hans Hopfen (1835-1904)
Was streichst du mit den kleinen Händen
Mir durch das Haar wie dazumal,
Als deiner Augen
süßes Blenden
Mein Herz, mein Glück, mein Leben stahl?
_____
Angelika von Hörmann
(1843-1921)
Heute zärtlich
süße Worte,
Morgen in gemess'ner Ruh',
Schließest du die goldne Pforte
Meines Himmels wieder zu.
_____
Ein wellenkräuselnd Lüftchen nur,
Kaum sah im Wasser man die Spur,
So kam es angeflogen;
Süß wars, auf der Gefühle See
Zu schaukeln sich in Lust und Weh
Auf immer stärkern Wogen.
_____
Oft muß ich still mich fragen:
Wie kommt's, daß
süß beengt
Mich aller Pulse Schlagen
In deine Nähe drängt?
_____
Wir wandeln Seit' an Seite stumm und kühl,
Als hätten nie wir innig uns umfaßt,
Nie Herz an Herz zu traulich
süßer Rast
Geflüchtet aus dem schalen Weltgewühl.
_____
Ludwig Jacobowski
(1868-1900)
Ein Sehnen so mild das Herz umwallt,
Es ist wohl lockende Frühlingsmahnung,
Die das klopfende Herz voll Allgewalt
Durchströmt mit
süßer Liebesahnung.
_____
Einst rauschte mir im Herzen eine Symphonie
Von Lust und Leid;
Verschollen ist die stille,
süße Melodie
So weit, so weit ...
_____
Mein Kopf auf deinem Schoße,
Lieg ich bange atmend still.
Süßes Lieb, ach wenn Du wüßtest,
Was das Herz mir sprengen will.
Süßes Lieb, beschwöre nimmer
Meiner Leidenschaften Heer,
Daß sie trunkne Wonnen träumen
Unergründlich wie das Meer ...
_____
In wohliger Dämmereinsamkeit,
Da träumt es sich gut von Vergangenheit,
Da träumt die Seele so vor sich hin,
An tote Liebe denkt mein Sinn,
An jene Zeit, da ich glücklich war
Durch ein blaues, blitzendes Augenpaar,
Durch Mädchenlippen so
süß und weich,
Durch ein Antlitz zart und totenbleich.
_____
Versuchung
Tiefe schwüle Augenpaare,
Rote Lippen wünschevoll,
Stirngekräuselt Lockenhaare,
Atemzüge tief und voll.
Augen, die mir leuchtend winken,
Runder Nacken, schimmerndweiß,
Küsse, die mein Herzblut trinken,
Busenheben schwer und heiß.
Schultern, die kokett sich zeigen,
Tausend Wonnen
süßer Lohn!
Ach, was soll ich es verschweigen,
Wer bleibt da ein Sankt Anton! - - -
_____
Und wieder schaun wir reglos in die Glut
Und sind so stumm und hätten viel zu sagen,
Doch niemand will das erste Wörtchen wagen,
Denn dieses Schweigen ist so
süß und gut.
_____
Nicht genug
Ich liebe dich, doch nicht genug
Für deine Seele, deine
süße.
Ich hab ja Augen nicht genug
Für ihre tausend stummen Grüße.
Nicht Hände habe ich genug,
Um Glück, nur Glück dir zuzutragen,
Und habe Atem nicht genug,
Um soviel Liebe auszusagen!
_____
Ein Schatten gleitet durch die Nacht
Bis an mein Bett und horcht und horcht.
Ein leises Rascheln von Battist,
Dann halbes Atmen sacht und
süß.
Ich seh dich nicht, doch fühl ich dich,
Den Leib im kühlen Nachtgewande,
Das Köpfchen mit dem schweren Haar,
Du
Süße, du mein junges Weib.
_____
Lerchen
Lerchenlaut in Licht und Luft,
Ungeseh'n, doch hell vernommen,
Ich und du im Haideduft,
Und die Blicke
süß beklommen.
Lippe sinkt auf Lippe schon, -
Und wir fühlen ungesprochen
Aus dem Lerchenjubelton
Schon den Vorglanz blonder Wochen.
_____
Maria Janitschek
(1859-1927)
Meine Lippen sind heiß wie der Schrei der Lust,
süß wie weinende Sünde.
Hurrah, heil!
Feuer ist mein Hauch, mein Nein der Tod,
mein Ja die wiehernde Hölle.
Hurrah, heil!
Weißt du, weißt du, wer ich bin?
es rauchen die Wälder vor mir,
und die Himmel betrinken sich in meinem Laut:
ich bin die Liebe!
_____
Justinus Kerner
(1786-1862)
Ich kam vor Liebchens Fensterlein,
Tät viele Stunden stehen,
Ob nicht im milden Abendschein
Die Liebe wär' zu sehen.
Was fühlt dies Herz? So Lust als Weh,
Sie kömmt! o
süßes Bangen!
Ich sah wohl zitternd in die Höh' -
Da kam der Mond gegangen.
Doch jetzt, doch jetzt, was fühlt dies Herz?
Gewiß! sie ist nicht ferne!
Ich sah wohl zitternd himmelwärts -
Da stunden tausend Sterne.
_____
Gehst du, sprech' ich mit verhaltnen Tränen:
»Ruhet
süß, ihr lieben, lieben Augen!
Ruhet
süß, ihr weißen, weißen Lilgen!
Ruhet
süß, ihr lieben, lieben Hände!«
_____
Ist kein Lauscher mehr zu fürchten,
Drück' ich dich, du
süßes Wesen!
An ein treues Herz voll Liebe,
Offen vor des Himmels Aug'.
_____
Von Ihr
Sonnenblume, die in Wonne
Sich nach goldner Sonne sehnet,
Wird zum Bild der klaren Sonne,
Ihre Liebe sie verschönet.
Schein' ich gut dir,
süß Verlangen!
Wie das Herz so gerne wähnet,
Ist von Augen dein und Wangen
Ruhe auf mich übergangen,
Schein der Glorie, die dich krönet.
_____
Hedwig Kiesekamp
(1844-1919)
Wann ich auf dem weichen Pfühle
Ruhe sanft, in stiller Nacht,
Regt in mir sich eine heimlich
Wunderbare,
süße Macht.
_____
Gottfried Kinkel (1815-1882)
Nun ist uns
Alles freigegeben
Der Mund, die Locken, Brust und Hand;
In
süß verstummtem Wonnebeben
Löscht sich des Geistes Flammenbrand.
Viel holder ist's von deinen Lippen
Der Küsse unermessne Zahl,
Als Wort und Töne wegzunippen,
Die ich dir sonst vom Munde stahl.
_____
O
zaubersüßer Liebestod,
O heil'ge Macht der Minne!
Sie kennt nicht Weigern noch Verbot,
Ist wie ein Kind an Sinne,
Das stets zu geben ist bereit,
Was Mutter ihm geschenket,
Das ohne Harm und ohne Neid
Nur mitzutheilen denket.
_____
Die Lippen mir ein lindes
Erbeben
süß durchzückt;
Die langen Küsse sind es,
Die du auf sie gedrückt.
_____
Ida Klokow (1850-1912)
Da quoll all unser Glück, erlauscht mit Bangen,
Aus Deiner Frag', ob Dich kein Wahn bethöre,
Wenn Du gehofft, daß, wie Du mir verbunden,
Auch ich mit ganzer Seele Dir gehöre?
O
süß Gewähren,
süßestes Verlangen,
O Liebe, Born zu heilen, zu gesunden.
_____
Ja, ich wie Du, das hab' ich längst erfahren,
Wir schwelgen froh in
süßem Selbstentzücken,
Indem wir uns mit Glorienschein umweben,
Indem einander wir mit Reizen schmücken.
So ich wie Du, laß stets den Trug uns wahren:
Hienieden gibt's nichts Besseres daneben.
_____
Mary Koch (1859-?)
Da, als sie einst am Brunnenbecken,
Im Sinne steht, o
süßer Schrecken!
Tritt der zu ihr, des sie gedacht
Am lichten Tag, im Traum der Nacht.
Kaum kann sie's fassen, kaum verstehen,
Was seinen Lippen heiß entquillt;
Ist's möglich, daß ihr innig Flehen
So ganz, so bald schon wird gestillt?
_____
Alma Johanna Koenig
(1887-1942)
Ich seh dich an und lerne, sanft besiegt,
an Knabengötter alter Mythen glauben.
Ich seh dich an, bis - wie Geschmack von Trauben -
mir deine
Süße auf den Lippen liegt.
_____
In dunkler Arabeske deiner Brauen
hat sich verwirrt mein scheuer Blick verfangen.
In Fransen deiner Wimpern blieb er hangen,
verstrickt von allzu
süßem dich-Beschauen.
_____
Die Finger sanft verwühlt in meine Locken,
lachst du zu meinen Bitten, meinen Fragen:
es sei ein Kuß dir mehr als alles dies.
Doch jählings, wilden Herzschlags,
süß erschrocken,
fühl ich von deinen Armen mich getragen,
wie Lust einst Räuber Frauen tragen ließ.
_____
Du warst die Schönheit.
Süßestes Vereinen
von Mann und Kind. Kein Brand, der wilder loht.
Verschwenden schien ein göttliches Gebot,
was wogen arme Gaben gleich den meinen!
_____
Theodor Körner
(1791-1813)
Plötzlich aber weckten Küsse
Mich aus meinen düstern Träumen.
Leis' war Chloris hergeschlichen
Und verscheuchte schnell den Unmut
Durch das
süße Spiel der Liebe.
Ach, und jetzt in ihren Armen,
Ihr am liebewarmen Busen,
Strömte mir ein neues Leben,
Neue Kraft durch alle Glieder,
Und der Liebe
süßster Einklang
Wogte mir im trunknen Herzen
Schöner, heiliger und reiner
Als das Lied des Götterjünglings.
_____
Süßes Liebchen, komm zu mir!
Tausend Küsse geb' ich dir.
Sieh mich hier zu deinen Füßen.
Mädchen, deiner Lippen Glut
Gibt mir Kraft und Lebensmut.
Laß dich küssen!
_____
Gustav Kühne (1806-1888)
Kühlste Stille im Gemüthe -
Und nun plötzlich Hocherguß!
Und der Lippen Kirschenblüthe
Wölbte sich zum Wonnekuß.
Warum zittern, warum beben?
Liebeshuld ist kurz und
süß:
Wem's die Götter plötzlich geben,
Schaut das schönste Paradies.
_____
Ich bin nicht ich mehr, wenn ich Dich erblicke,
Du bist nicht Du mehr, schaust Du mir in's Herz,
Und ach! in diesem
süßen Wechselglücke
Zerfliegt die stille Seele himmelwärts.
_____
O wundersamer Liebesrausch,
Wer faßt dein geheimstes Leben?
Unnennbar
süßer Seelentausch,
Wie deine Zauber weben!
_____
Aus des Chaos dunkler Gährung
Ringen sich die Stoffe los,
Und zur seligsten Verklärung
Lockt der Liebe
süßer Schooß.
Alles sehnt sich zum Genusse,
Das ist alles Strebens Ziel,
Und im innigsten Ergusse
Stirbt der Seele Dranggefühl.
_____
Laß mich zittern, laß mich beben,
Aber zweifle länger nicht,
Daß ich mein geheimstes Leben
Dir geweiht zu
süßer Pflicht.
Lippen, Herz und Mund und Wangen,
Und der Seele tiefster Schooß -
Eint mit Dir sich im Verlangen;
Dich zu lieben ist mein Loos.
_____
Was zart und groß, was fromm und düster,
Und was das Leben bunt umspielt,
Das wird in Einem Kußgeflüster
Der tiefsten Liebe durchgefühlt.
Nun denn, ihr
süßen Liebesflammen,
Der Welt verborgen, still und scheu,
Ich fass' euch alle noch zusammen,
Ich fühl' euch alle ewig neu.
_____
Stundenlanges Lippenbeben
Ist nur Ein Erguß,
Unser
süß verschlugnes Leben
Nur Ein Liebeskuß.
_____
Wie ich Dich lieb'
Ich sollt' es nicht bei Tag, bei Nacht nicht sagen,
Der Sonne nicht und nicht den Sternen klagen,
Mein
süßes Lieb,
Und faßt' ich auch das Firmament zusammen,
Ich spräch's nicht aus mit allen seinen Flammen:
Wie ich Dich lieb'.
Die Lerche jubelt's nicht in Morgenlüften,
Die Ros' erreicht es nicht mit ihren Düften,
Mein
süßes Lieb,
Kein Veilchen kann's verstohlen heimlich sagen,
Die Nachtigall es nicht zu Ende klagen:
Wie ich Dich lieb'!
Kein Meer kann es in seiner Tief' ermessen,
Kein Sturmwind es dem Schooß der Welt erpressen,
Mein
süßes Lieb,
Und faßt' ich es in hunderttausend Reime,
Und rief' ich's laut durch alle Himmelsräume:
Wie ich Dich lieb',
Kein Himmel würd's mit seiner Macht umfassen,
Die Sonne müßt' vor meiner Gluth erblassen,
Mein
süßes Lieb.
Denn mehr als Stern und Blum' und Vogelsang,
Mehr als des Himmels weiter Sphärenklang,
Mein
süßes Lieb,
Schließt in sich ein das kleine Menschenherz
Mit seinem heißen Drang in Lust und Schmerz:
Wie ich Dich lieb'!
_____
Reich' die Lippen, holdes Weib,
Und daß ich Dir's nicht verhehle:
Küss' ich Deinen
süßen Leib,
Trink' ich Deine ganze Seele!
_____
Ich frag' Dich nur, ob was Dich einst bethörte,
Als Du im
süßen Rausch Dich mir geweiht,
Ob es dem Geist, den Sinnen angehörte,
Ob es ein Bund auf Zeit, auf Ewigkeit.
_____
Emil Kuh (1828-1876)
Armgeküßt gehst du von hinnen,
Süßes,
innigsüßes Weib!
Sprich', was wirst du jetzt beginnen
Mit dem seelenbaren Leib!
Schließ' dich ein in deine Kammer,
Einsam sei nach solchem Glück;
Unter stillem Liebesjammer
Kehrt die Seele still zurück.
_____
Nur ein Mal,
Süße, möcht' ich Dich
Verliebt erröten sehn
Und hören ein "Ich liebe Dich!"
Mit Zittern eingestehn.
_____
Auguste Kurs (1815-1892)
Liebe
Wenn heimlich sich mit einem Mal
Die Liebe regt im Herzen dein
Mit bitt'rer Lust und
süßer Qual -
Und glänzte Dir kein Hoffnungsschein,
Gesegnet bist du allemal,
Nur durch das eig'ne Herz allein.
Denn Lieb' ist nicht von dieser Welt,
Ist eine Blüte, gottgesandt,
Die von des Himmels lichtem Zelt
Herabgeschwebt, und wer sie fand
Und fest im treuen Herzen hält,
Dem blüht sie, bis sein Leben schwand.
_____
Nikolaus Lenau
(1802-1850)
Alles schläft, und über's Gefild der Ruhe
Wandelt leisen Schrittes dahin des Lebens
Genius; sanft schimmert vom Weltendom die
Lampe des Mondes.
Sieh! den ernsten Zügen des Gott's entringet
Holdes Lächeln sich, denn er sieht die Lieben
In des Schlafes
süßer Umarmung ihrer
Qualen vergessen.
_____
Das ist der Hain, wo ich mit dir verweilte,
Das ist der Büsche wonnigliche Haft,
Wo uns am Fleh'n der
süßen Leidenschaft
Unfesselbar die Zeit vorübereilte.
_____
Daß doch mein Geschick mir brächte
Einen Blick von dir!
Süßes Mondlicht meiner Nächte,
Mädchen, bist du mir!
_____
Sie schritt mit mir durch diese Bäume,
Ihr gleicht kein Bild beglückter Träume,
So schön und doch so treu und klar;
Das Mondlicht ruht' auf ihren Wangen,
Und ihre
süßen Worte klangen:
"Dich werd' ich lieben immerdar!"
_____
Die Sonne sinkt, die Berge glüh'n,
Und aus des Abends Rosen
Seh' ich so schön dein Bild mir blüh'n,
So fern dem Hoffnungslosen.
Strahlt Hesperus dann hell und mild
Am blauen Himmelsbogen,
So hat mit ihm dein
süßes Bild
Die Sternenflur bezogen.
_____
Und ich muß mein Liebstes meiden!
Quill, o Thräne, quill hervor!
Traurig säuseln hier die Weiden,
Und im Winde bebt das Rohr.
In mein stilles, tiefes Leiden
Strahlst du, Ferne!
süß und mild,
Wie durch Binsen hier und Weiden
Strahlt des Abendsternes Bild.
_____
Weinend muß mein Blick sich senken;
Durch die tiefste Seele geht
Mir ein
süßes Deingedenken,
Wie ein stilles Nachtgebet!
_____
Mir hat noch deine Stimme nicht geklungen,
Ich sah nur erst dein holdes Angesicht;
Doch hat der Strom der Schönheit mich bezwungen,
Der hell von dir in meine Seele bricht.
In's Tiefste ist er mächtig mir gedrungen,
Was dort bis nun gelebt, nun lebt es nicht,
Süß sterbend ward es von der Fluth verschlungen.
Das ist der Liebe himmlisches Gericht!
_____
An*
O wag es nicht, mit mir zu scherzen,
Zum Scherze schloß ich keinen Bund;
O spiele nicht mit meinem Herzen,
Weißt du noch nicht, wie sehr es wund?
Weil ich so tief für dich entbrannte,
Weil ich mich dir gezeigt so weich,
Dein Herz die
süße Heimath nannte,
Und deinen Blick mein Himmelreich:
O rüttle nicht den Stolz vom Schlummer,
Der
süßer Heimath sich entreißt,
Dem Himmel, mit verschwiegnem Kummer,
Auf immerdar den Rücken weist.
_____
Kommen und Scheiden
So oft sie kam, erschien mir die Gestalt
So lieblich, wie das erste Grün im Wald.
Und was sie sprach, drang mir zum Herzen ein
Süß, wie des Frühlings erstes Lied im Hain.
Und als Lebwohl sie winkte mit der Hand
War's, ob der letzte Jugendtraum mir schwand.
_____
Bitte
Weil' auf mir, du dunkles Auge,
Uebe deine ganze Macht,
Ernste, milde, träumerische,
Unergründlich
süße Nacht!
Nimm mit deinem Zauberdunkel
Diese Welt von hinnen mir,
Daß du über meinem Leben
Einsam schwebest für und für.
_____
Karoline Leonhardt
(1811-1899)
Bitte, bitte, noch einmal
Laß mich ruhn an Deinem Herzen,
Da vergeß' ich jede Qual,
Süß sind selbst der Trennung Schmerzen.
_____
Zwei Thränen zum Abschied geweinet,
Zwei Lippen zum Abschied geküßt,
Zwei Hände zum Abschied vereinet,
Die haben das Scheiden
versüßt!
_____
Gleiche Stimmung
Wenn du die Liebe kennst, so frage
Mich nie, warum ich traurig bin;
Verstehe meine stille Klage
Und nimm mein
süß Geheimniß hin.
Kennst du die Liebe nicht, so wähle
Ich niemals zur Vertrauten dich;
Denn nur mit gleichgestimmter Seele
Erkennest und verstehst du mich.
_____
Heinrich Leuthold
(1827-1879)
Sei getrost! kein kosend vertraulich Wort soll
Je verrathen, was in verschwieg'nen Nächten
Deine stolzen Lippen mir unter
süßem
Sträuben gestammelt.
_____
Detlev von Liliencron
(1844-1909)
Wie bin ich schnell bei Band und Schnallen;
Sie wehrt sich, sie verweigerts mir,
Und ist mir um den Hals gefallen,
Verwirrung schloß die Augen ihr.
Noch sträubt sie sich, schon fällt die Hülle
Sie will nicht und sie muß, sie muß,
Und bringt mir ihre
süße Fülle,
Und bringt sie mir in Glut und Kuß.
_____
Und ungestört, eine selige Stunde,
Durft ich im Paradiese weilen
Und Rosen pflücken, so viel ich wollte;
Ich glaube, wir pflückten zu gleichen Teilen.
Inzwischen sanken die Wimpernspeere
Wie Fahnen, besiegt auf erstürmtem Hügel,
Und lagen geschlossen in
süßer Ermüdung,
Wie des ermatteten Schmetterlings Flügel.
_____
Vor Wonne jauchzt deine junge Brust,
Vor Wonne dein Herz, das ich raubte.
Unsre Küsse geben
süßere Lust
Als trauscheinlich erlaubte.
_____
Sieh meine blaugrauen lustigen Augen,
Wie sie sich sehnen nach seliger Stund.
Wollen zur Liebe, zur Liebe nur taugen,
Sieh meine blaugrauen lustigen Augen,
Süßeste Liebe nur wollen sie saugen;
Küsse mich, küsse mir Augen und Mund.
Sieh meine blaugrauen lustigen Augen,
Wie sie sich sehnen nach seliger Stund.
_____
Und echten Samt, zu aller Neid,
Das allerfeinste Spitzenkleid,
Und alles Gold und alles Geld,
Und alle Schätze dieser Welt,
Ich leg es dir zu Füßen,
Das Leben dir zu
süßen.
_____
Einen Sommer lang
Zwischen Roggenfeld und Hecken
Führt ein schmaler Gang;
Süßes, seliges Verstecken
Einen Sommer lang.
Wenn wir uns von ferne sehen,
Zögert sie den Schritt,
Rupft ein Hälmchen sich im Gehen,
Nimmt ein Blättchen mit.
Hat mit Ähren sich das Mieder
Unschuldig geschmückt,
Sich den Hut verlegen nieder
In die Stirn gerückt.
Finster kommt sie langsam näher,
Färbt sich rot wie Mohn;
Doch ich bin ein feiner Späher,
Kenn die Schelmin schon.
Noch ein Blick in Weg und Weite,
Ruhig liegt die Welt,
Und es hat an ihre Seite
Mich der Sturm gesellt.
Zwischen Roggenfeld und Hecken
Führt ein schmaler Gang;
Süßes, seliges Verstecken
Einen Sommer lang.
_____
Thekla Lingen (1866-1931)
Die Geigen sangen die ganze Nacht,
Wir beide haben nicht mehr gelacht.
Verstummt der Jubel, ich bin allein
Im dunkel-stillen Kämmerlein,
Und träume und träume, wie es wird,
Wenn sich dein Mund so
süss verirrt.
_____
Und kommst du geschritten, und schaust du mich an,
So beb' ich vor Lust und Verlangen,
Und gehst du, du junger, du kraftschöner Mann,
So wein' ich vor Sehnen und Bangen.
So wandl' ich in steter, sich mehrender Pein,
Von Lieb' und von Reue getrieben -
Dein darf ich nicht werden und bin ja schon dein
Und finde so
süss, dich zu lieben.
_____
Wie lag mein Herz in schwerem Dämmerschlummer,
Bedeckt vom Staub der schalen Alltagsliebe,
Bis du mir kamst -
Dahin ist nun mein Kummer,
Mein Herz erglüht in deinen Liebesstrahlen,
Die
süss befruchtend du in mich gesenkt,
Erblüht zu einer lichten Wunderblume,
Die duftend Wünsche dir entgegenströmt ...
O komm, o komm, auf dass sie dich erfülle
Mit ihrem Duft und deinem sich vermähle.
O komm, o komm, dass ich dich zehrend küsse,
Und lass in stillem Kuss uns ruhen
Und schliess die Augen ...
_____
Toter Wunsch
O wärst du gekommen, da sie dich rief!
Du hättest die Rose gefunden - sie schlief
Und träumte und träumte die ganze Nacht -
O wärst du gekommen - sie wäre erwacht!
Wie wär' ihr so
süss, so
süss geschehn,
Und musste im eigenen Duft vergehn,
Und war doch so jung und heiss und rot -
O wärst du gekommen! ... Nun ist sie tot ...
_____
Unrast
Schon harrst du gesattelt, mein wildes Ross,
Hier drinnen ist's schwer und schwül!
Hinaus, hinaus! ... Es schläft mein Genoss
Tiefatmend auf heissem Pfühl.
Hinaus, hinaus ohne Zügel und Zaum
Und ziellos im sausenden Ritt!
Frau Sehnsucht, die kennet nicht Zeit und nicht Raum,
Frau Sehnsucht, sie reitet ja mit!
Hinweg über Tiefen, durch Schatten der Nacht
Hinüber zu leuchtenden Höhn,
Dahin, wo Gottvater am Lebensquell wacht,
Gottvater ins Auge zu sehn.
Und weiter und weiter im sausenden Ritt
Mit Sonnen und Sternen im Spiel!
Frau Sehnsucht, die
Süsse, sie reitet ja mit -
Wo ist ihren Wünschen ein Ziel?
Und wir irren und suchen, bis Morgenrot
Die bleichenden Sterne grüsst,
Bis mir der Schlummer all meine Not
Von pochender Schläfe küsst.
_____
Sprich nicht zu mir mit diesen Lippen,
Wie Wein so
süss, so heiss, so rot,
Sprich nicht zu mir mit diesen Lippen,
Ich küss' dich dann, und wär's mein Tod.
_____
Hermann Lingg (1820-1905)
Lied
Kalt und schneidend
Weht der Wind,
Und mein Herz ist bang und leidend
Deinetwegen, schönes Kind!
Deinetwegen,
Süße Macht,
Ist mein Tagwerk ohne Segen
Und ist schlaflos meine Nacht.
Stürme tosen
Winterlich,
Aber blühten auch schon Rosen,
Was sind Rosen ohne dich?
_____
Frau Venus, Frau Venus,
O laß dein
süßes Locken,
Du bist so schön, so zart und weiß,
Es pocht mein Herz so laut und heiß,
Ich bin so sehr erschrocken -
Frau Venus, Frau Venus,
Wer flicht denn deine Locken?
_____
Hermann von Loeper
(1820-1884)
An den Abendstern
Süße Venus, Stern am Abend,
Schaust so mild auf mich herab;
Deine Strahlen wirfst du labend
In mein krankes Herz hinab.
Wenn ich irrte durch die Heide,
Blick' ich auf zu dir so gern.
Ach! du weißt ja, was ich leide,
Denn du bist der Liebe Stern.
_____
Bekehrung
"Gieb mir Leben! Gieb mir Liebe!"
Fleh' ich früh schon, wenn das Licht
Mit den ersten goldnen Strahlen
Durch die Wolkenschleier bricht.
"Gieb mir Leben! Gieb mir Liebe,
Ew'ger Geist, bis in den Tod!
Denn du bist ja selbst das Leben,
Und die Lieb' ist dein Gebot."
So zu beten hat kein Derwisch
Und kein Priester mich gelehrt;
Deine
wundersüßen blauen
Augen haben mich bekehrt.
_____
Wo bist du,
süßer Traum?
Wo bist du, goldner Stern?
Bist du's, am dunkeln Wolkensaum
Du Licht, so bleich und fern?
Ich stehe starr und stumm,
Ich kann's, ich kann's nicht fassen -
O sage, sprich, warum,
Geliebte, hast du mich verlassen?
_____
Mag sich meine Brust umpanzern,
Ach! mich schützt kein Schirm, kein Schild,
Wie durch leichtgewebte Schleier
Dringt hindurch dein
süßes Bild.
_____
Sie reicht mir ihre weiße Hand,
Sie lächelt hold, sie flüstert leis,
Und ach! wie einst, bin ich gebannt
In ihren
süßen Zauberkreis.
Ich schließe sie in meinen Arm
Und küsse sie in trunkner Lust;
Ich hab' vergessen meinen Harm
Und schlummre ein an ihrer Brust.
_____
Feodor Löwe (1816-1890)
Es ist ein Weh, ein tiefes Weh!
Du willst es nicht versteh'n!
O
süßer Schmerz, o bitt're Lust!
In deine Augen seh'n.
_____
O
süß' Geschwätz der unbelauschten Liebe,
So reich an Sinn und arm doch an Verstand;
Da sitzt man Stunden lang oft Hand in Hand
Und Aug' in Aug', und zehrt an einem Triebe.
_____
O weich geschaffen
süßes Frauenherz,
Das in dem letzten Kampf, selbst wenn es bricht,
Doch nur von Segen und Vergebung spricht,
Und lieb gewinnt den herben Todesschmerz.
_____
Hermann Löns (1866-1914)
Schon lange ist's her, schon manch langes Jahr,
Hab' immer gern deiner gedacht,
Du rosige Wange, du goldhelles Haar,
Du Auge, voll tiefblauer Pracht,
Ihr Lippen, wie konntet ihr lachen und schmollen,
Ihr Augen, wie konntet ihr strahlen und grollen,
Bald Höllenpein spenden und bald Paradies,
Was half mir mein besseres Wissen und Wollen,
Ja Lüge und Trug war's, doch
süß, ach so
süß.
_____
Surrogat
O küsse mich, dein Küssen ist
So
süß fast wie des Todes Kuß,
Bei deinem leisen Kuß vergißt
Mein Herz, daß es noch schlagen muß.
O küß und küß mich immerzu,
Bei deinem warmen, lieben Kuß
Vergesse ich, wie einst die Ruh
Des Grabes mich beglücken muß.
_____
Ob ich dich ewig lieben werde,
Fragst du mich,
süße kleine Frau,
Ob liebend ich kein Weib der Erde
Nach dieser Stunde mehr anschau?
Närrisches Weib, den Frühling frage,
Frag ihn, ob nie er wiederkehrt!
Und denke, daß nach jedem Tage
Die Nacht das Sonnenlicht verzehrt.
_____
Liebeszauber
Und willst und willst du mich nicht lieben,
O Maienzeit, o
Süßigkeit,
Das soll und soll mich nicht betrüben,
O Maienzeit, o Bitterkeit;
Ich weiß das edle Kräutlein blühn,
Habmichlieb, das Kräutlein grün,
Kräutlein grün, Blümlein rot
Hilft bei Liebesnot.
Zur Liebe will ich dich bekehren,
O Maienzeit, o
Süßigkeit,
Du kannst und kannst es mir nicht wehren,
O Maienzeit, o Bitterkeit;
Ich weiß das edle Kräutlein grün,
Habmichlieb, das Kräutlein grün,
Kräutlein grün, Blümlein rot
Hilft bei Liebesnot.
Und hab’ und hab’ ich es gefunden,
O Maienzeit, o
Süßigkeit,
So bleibst und bleibst du mir verbunden,
O Maienzeit, o Bitterkeit;
Ich weiß das edle Kräutlein blühn,
Habmichlieb, das Kräutlein grün,
Kräutlein grün, Blümlein rot
Hilft bei Liebesnot.
_____
Drinnen senken sich die hübschen Köpfchen,
Und das Knie das Kirchenpflaster küßt,
Unter all den Löckchen und den Zöpfchen
Kein Gedanke bei der Predigt ist.
"Gott sei Dank! Die Predigt ist zu Ende,"
Schnell nach draußen strömt der bunte Hauf,
Und des Schloßparks breite Laubgelände
Nehmen die verliebten Pärchen auf.
Welch ein Küssen, Drücken,
süße Sünden!
Selbst das frommste Herzchen wird gerührt –
Kalter Himmel, deine Schrecken schwinden,
Und die heiße Hölle triumphiert.
_____
Hieronymus Lorm
(1821-1902)
Es giebt ein tief geheimnißvolles Walten,
Zwei Herzen, die sich lieben, zu verknüpfen:
Ein Zauber ist's im Wort nicht festzuhalten,
Und dem Erforschen wird er stets entschlüpfen.
Es ist ein seelenvoll Beisammenfühlen,
Ein körperlos verschwieg'nes Wonnebringen!
Sie dürfen vor der Welt, der fremden, kühlen,
Sich unsichtbar mit
süßer Glut umschlingen.
_____
Otto Ludwig (1813-1865)
Wie ist die Lieb ein
süßes Gift
Und Arznei zugleich:
Sie macht so arm ihn, den sie trifft,
Und doch so reich, so reich.
Und alles, alles, was du hast,
Dein ganzes, ganzes Sein,
Das halt ich reicher Mann umfaßt,
Ein
süßes, seligs Mein.
_____
Minna von Mädler
(1804-1891)
Kennst du dies hohe, himmlische Empfinden,
Den Geistergruß aus unsichtbarer Welt?
Die Seligkeit, der alle Gränzen schwinden,
Die Lust, die Menschen neben Götter stellt?
Den
süßen Schmerz, das hoffnungsvolle Bangen,
Die still gepflegte, liebgewordne Pein,
Dies unruhvolle, sehnende Verlangen,
Den flücht'gen Zorn, das schönere Verzeih'n?
Kennst du die Liebe, war sie dir bekannt,
So hast du nie bei'm Namen sie genannt! -
_____
Selma Meerbaum-Eisinger
(1924-1942)
Mein Geliebter ist der lange Weg.
Wir sind vermählt auf immerdar.
Ich liebe ihn, und ihn bedeckt
mein seidenweiches, schwarzes Haar.
Mein Kuß ist
süß wie Fliederduft -
der Wanderer weiß es genau...
Wenn er in meine Arme sinkt,
vergißt er jede heiße Frau.
_____
Emerenz Meier (1874-1928)
O holde Jugendseligkeit
Was gleichet deiner
Süße!
O daß der Liebe Wunderzeit
Sich ewig halten ließe!
Doch rastlos wechseln Glück und Pein
Wir selbst, wie bald, vergehen,
Und über unsrer Gräber Reih'n
Wird neuer Lenz erstehen.
_____
Alfred Meißner
(1822-1885)
O daß aus deinem
süßen Munde
Sich je das
süße Wort verirrt,
Daß einst in dunkelselger Stunde
Dein schönes Herz noch brechen wird!
Nun bist du fest an mich gekettet,
Gekettet bis dein Auge bricht,
Und von dem düstern Freunde rettet
Selbst eines Kampfes Qual dich nicht!
_____
Sophie Mereau (1770-1806)
In welches Labyrinth bin ich verschlungen?
Hat eine traurige Nothwendigkeit
mir dieses Leben furchtbar aufgedrungen?
O, Liebe! löse du den bangen Streit!
Ja, ich empfand, als ich mit
süssem Beben
der Liebe Gluth aus deinen Blicken sog,
und heiliges, noch nie empfundnes Leben,
mit Götterkraft durch meine Seele flog.
_____
Im sonnigen Schimmer,
So freundlich und warm,
da ging ich
süss träumend
mit Liebchen am Arm.
Wie Athem der Liebe,
umfing mich die Luft;
es weh'te mir Freude
im blüthigen Duft.
_____
In ein Meer von
süsser Lust versenket,
wallt die Seele staunend auf und ab,
stürzt, von frohen Ahndungen getränket,
sich im Taumel des Gefühls hinab.
Liebe hat die Wesen neu gestaltet;
ihre Gottheit überstrahlt auch mich,
und ein neuer üpp'ger Lenz entfaltet
ahndungsvoll in meiner Seele sich.
_____
Stephan Milow (1836-1915)
Das Schönste bleibt doch stets das Sehnen,
Der Liebe erste Werdezeit,
Das bange Zagen,
süße Wähnen,
Die stille Traumesseligkeit.
_____
Mir aber lebst du stets im Sinne,
Und sehnend meiner denkst auch du,
Wir küssen uns in treuer Minne
Und träumen
süß einander zu.
O stille Lust! beglückt Versenken!
O heimlich
süße, schöne Welt!
Die unser liebendes Gedenken
So ewig jung im Lauf erhält!
_____
Die erste ahnungsvolle Glut,
Das
süße Zueinanderlauschen,
Und dann in jugendlichem Muth
Verliebter Blicke erstes Tauschen.
Ich weiß, es war dein erster Kuß,
Den deine Lippe mir gespendet,
Und fühl's, daß der erquicken muß
Mit einer Kraft, die nimmer endet.
_____
Gestern scheu der erste Kuß,
Banges Zaudern und Verhehlen,
Heut – o
süßer Überfluß! -
Küsse, nimmermehr zu zählen.
_____
Mit der
Süßigkeit der Liebe
Kommen auch die Liebessorgen;
Ob dir heut kein Wunsch auch bliebe,
Quälst du dich doch um das Morgen.
_____
Göttlichkeit
Süßes Mädchen, wie du schön bist!
Wie so lieblich deine Miene,
Wie so mild der Blick des Auges,
Wie so hold des Mundes Lächeln
Und wie wunderzart die Blüte
Deines magdlich jungen Leibes!
Und das alles,
süßes Mädchen,
Hast du nicht für dich – o denk' es! -
Hast den ganzen großen Reichthum
Blos nur, um ihn zu verschenken.
_____
Doch jetzt, da wir uns ganz gefunden,
Vom gleichen Herzenszug gelenkt,
Und so unnennbar
süße Stunden
An deiner Seite mir geschenkt;
Jetzt weckt mir die geword'ne Gabe,
Was sonst im Innern matt nur schlief:
Ich fühl' es erst, nun ich dich habe,
Wie ich dich liebe voll und tief.
_____
Doch nahst du mir und darf ich dich nur schauen,
So quillt es auch schon stillend, unermessen,
Auf mich herein, so daß ich mich verwirre;
Das Auge will in
süßer Wonne thauen
Und meine Lippe schier den Kuß vergessen,
Nur heißen Dank dir stammelnd, selig irre.
_____
Wer liebt, sei ganz in sein Gefühl versunken,
Er laß den Ruf der Welt an sich verhallen,
Dahin in stillem Jubel mag er wallen,
Im Tiefsten bergend
süß den heil'gen Funken.
_____
Christian Morgenstern (1871-1914)
Schlaf'
süß
in deinem Silbertale,
mein Dunkelauge, Rätselkind,
gegrüßt von jedem reinen Strahle,
der selig in die Tiefe rinnt!
Schlaf'
süß! und sieh den Freund im Traume
sich nächtlicher Natur vertraun
und von des Bergwalds dunklem Saume
verzückt und schmerzlich niederschaun!
_____
Der Traum
Es war ein
süßer
Traum
von Dir, -
was, weiß ich kaum.
Doch seine
Süßigkeit
blieb mir
den ganzen Tag, -
daß, als mein Schlittengleis
zur Abendzeit
die Straße lief,
da deine Wohnung lag,
der Heide, ich,
ein leis
>Gott segne dich<
als jenes
süßen
Traumes letztes Grüßen
rief.
_____
O wie wollten wir hier oben,
Liebste, Tag und Nacht verküssen,
allem Sittenwahn enthoben,
aller Vorsicht trocknen Schlüssen!
Komm, o komm durch alle Weiten!
Laß uns hier im Bergesgrunde
feiern unsrer Hohen Zeiten
unaussprechlich
süße
Stunde!
_____
Wenn ich deine weichen Wangen
leis in meine Hände nahm,
und voll zärtlichem Verlangen
Mund zu Mund zum Kusse kam;
wenn ich deine Schläfen rührte
durch der Haare duftig Netz,
o, wie war, was uns verführte,
beiden uns so
süß
Gesetz!
_____
Mit diesem langen Kuß
auf deine Lippen laß uns scheiden.
O warum muß
ich solcher Trennung Schmerzen leiden.
Und hätte jederstund
nur einzig dies Verlangen,
an Deinem
süßen
Mund
auf Ewigkeit zu hangen.
_____
Was kannst du,
Süße, wider dies, daß du so schön!
In deiner eigenen Schönheit wehrlos wandelst du,
und ob du lächelst, ob du ernst wirst, bist du schön;
und weintest du, dich ließe deine Schönheit nicht,
nur rührender aus Tränen leuchtete sie vor;
und zürntest du, so wär' es ihres Zürnens Macht,
nicht die des Deinen, die ein jedes Herz besiegt.
Doch welch unmöglich Scheiden zwischen ihr und Dir,
die du sie selbst, die du die Schönheit selber bist!
_____
Wenn Cyrano des Kusses
Süße
singt,
so war es nur, weil ihn ein Kuß beglückte;
vergeblich glaubst du, daß es dem gelingt,
den liebe Lippe nicht zuvor entzückte;
erst wessen Herz dies
süße
Gift durchdringt,
er redet, ein Entrückter für Entrückte,
erst wer die roten Lebensrosen pflückte,
schlingt Kränze, wie man sie für ewig schlingt.
_____
Wo bist du...
Wo bist du,
süße
Blume meiner Tage?
Ich strecke müde, glückverlangende Hände
nach deinem holden Kelche aus?
Wo bist du -
daß ich das keusche, sammetweiche Haupt
dir küsse?
Wo bist du -
daß der Falter meiner Seele
an deiner Blüte Staub
sich neu vergolde?
Ich dürste, hungere nach deinem Duft!
Wo birgst du deine Schönheit?
Welcher Garten des Paradieses
umfriedet deine Pracht?
Wo bist du - bist du -
süße
Blume meiner Tage?
_____
Eduard Mörike (1804-1875)
Zu viel
Der Himmel glänzt vom reinsten Frühlingslichte,
Ihm schwillt der Hügel sehnsuchtsvoll entgegen,
Die starre Welt zerfließt in Liebessegen,
Und schmiegt sich rund zum zärtlichsten Gedichte.
Am Dorfeshang, dort bei der luftgen Fichte,
Ist meiner Liebsten kleines Haus gelegen -
O Herz, was hilft dein Wiegen und dein Wägen,
Daß all der Wonnestreit in dir sich schlichte!
Du, Liebe, hilf den
süßen Zauber lösen,
Womit Natur in meinem Innern wühlet!
Und du, o Frühling, hilf die Liebe beugen!
Lisch aus, o Tag! Laß mich in Nacht genesen!
Indes ihr sanften Sterne göttlich kühlet,
Will ich zum Abgrund der Betrachtung steigen.
_____
Erich Mühsam (1878-1934)
Nun endlich stehst du weiß und nackt
vor
süßen Sünden zitternd hier -
und meines Pulsschlags wilder Takt
schlägt rasend an die Sinne dir.
Und meine Augen halten dich
wie straffe Seile fest umspannt. -
In meinen Willen hab' ich dich
nach langem Werben nun gebannt.
Dein Weinen schürt die Fibern mir -
dein keuscher Widerstand wird matt. - -
Ich packe dich - und meine Gier
frißt sich an deiner Reinheit satt.
_____
Mein Blut ist heiß; mein Herz schlägt toll;
mein Hirn ist wogenden Weines voll. -
Auf der Brust der bohrende, schrille Druck;
auf der Zunge der letzte
süße Schluck. -
Nun heim! - Im weichen Kissen vergessen,
was mir Wein und Rausch aus dem Herzen pressen. -
Vergessen - vergessen! Nur Liebe erstickt
das Grinsen, das mir ein Teufel schickt. -
Ein Weib - ein Weib muß zu mir ins Bett. - - -
Wenn ich doch einen Taler hätt'!
_____
Eh' sie meinem Blick entschwände,
folgt ich lange ihren Spuren,
und dann formten meine Hände
ihre herrlichen Konturen
aus der Luft, bis ich verloren
heimging, voll von allem
Süßen,
ihren Duft in meinen Poren,
ihren Gang in meinen Füßen.
_____
Wenn ich nur wüßte: war das Höschen teuer?
Was gabst du ihm, der mit dem Schmuck dich zierte?
War's einer, der nach deinen Gnaden gierte?
War's deiner Anmut selbstlos ein Betreuer?
Wie immer: deine neuen Seidenhöschen
sind
süß wie Wiesengrün im Sonnenscheine.
Schnell, zieh sie dir an deine schlanken Beine
und laß dich anschaun in graziösem Pöschen.
_____
Es ging von dir zu mir ein
süßes Wehn.
Aus deinen Augen floß ein gütiges Licht.
Von deinen Händen glänzte alles Schöne.
Nie hatte ich dich herrlicher gesehn,
so wunderbar, so fern. Nur Duft und Töne.
So ging ein Wehn. - Doch ach, du sahst mich nicht.
Mir war ums Herz so schwer, wie, wenn du weinst. -
Da sagtest du zu mir: Dich liebt' ich einst.
_____
Warum erfuhr ich ihren Kuß
und ihres Leibes
Süßigkeit? ...
Ich weiß nur, daß ich trauern muß
und daß mein Blut nach ihrem schreit.
Mein trunkenes Blut kann lange schrein.
Nie kehrt die eine wieder - nie!
Ich sarge meine Wünsche ein
und liebe noch das Leid um sie.
_____
Clara Müller-Jahnke (1860-1905)
O Tag der Sonnenwende,
vollblühende Rosenzeit,
du hast mir ins Herz geduftet
berauschende Seligkeit!
Das pocht und glüht und zittert
und bebt im Vollgenuß,
als ging er nie zu Ende,
der
süße, erste Kuß -
_____
Will ich heut vom Haupte mir
eine Locke trennen,
sollen morgen schon auf ihr
deine Lippen brennen, -
deine Lippen, die sich fest
jüngst auf meinen Mund gepreßt,
dort in seligen Stunden
süße
Rast gefunden.
_____
Flamme
Was sträubst du dich der
süßen
Glut,
die züngelnd schon dein Haupt versengt,
die liebeheißen Atems dich
mit Flammenarmen eng umdrängt?!
Die Glut bin ich - und du bist mein!
wirf ab, wirf ab das Alltagskleid:
gib deine ganze Seele hin
in ihrer nackten Herrlichkeit!
Umschlingen will ich glühend dich
und pressen dich ans heiße Herz,
die Kette schmelzen, die dich band,
in meinem Kuß wie tropfend Erz!
Und flüstern will ich dir ins Ohr
ein Wörtlein, zaub'risch wunderfein,
daß du nichts andres denken sollst,
als mich allein, als mich allein . . .
_____
Novalis (Friedrich von
Hardenberg) (1772-1801)
MEIN WUNSCH
König möchte sein, wer wollte!
Was ging mir der König an;
Möchte sitzen tief im Golde,
Wer es listig sich gewann!
Wenn ich ruhig könnte lachen
In Luischens weichem Arm,
Ungestört von stolzen Hachen,
Unbetäubt vom Torenschwarm.
Nur zum
süßesten Entzücken
Von der Freude selbst gestimmt,
Und aus ihren Feuerblicken,
Süßen Tod zu ziehn bestimmt.
_____
Nein,
Süßers als die Liebe
Empfand kein Sterblicher,
Was hie bevor war trübe,
Wird durch sie lieblicher.
_____
Betty Paoli (1814-1894)
Deine Liebe zu erstreben,
Dir zu weih'n mein innerst Leben,
Dein zu sein im Erdenraum
Und im seligen Verderben
Einst an deinem Kuß zu sterben -
O es war ein
süßer Traum.
_____
Es ist in diesem Weltgetriebe
Nichts
süß und heilig als die Liebe.
Der Schmerz nur wesenhaft und wahr.
Drum hab' ich, frei mit mir zu schalten,
Den beiden, göttlichen Gewalten
Mich hingegeben ganz und gar!
_____
Du meine letzte Liebe! glühn'de Rose,
Die mit dem Thau ich meiner Thränen nährte,
Die schmeichelnd wie mit holden Lenzgekose
In
süßer Täuschung mir die Welt verklärte,
Du ernste Liebe! tiefe, hoffnungslose,
Und doch vertrauend himmelwärts gekehrte,
Auch du ward'st von dem eis'gen Hauch getroffen -
Und keinen neuen Frühling darf ich hoffen!
_____
In deiner Stimme
In deiner Stimme bebt ein Klang,
Der mich so tief erschüttert,
Daß mir im Auge, selig bang,
Die Thräne glänzt und zittert.
Ich frage nicht: Wird mir dein Wort
Schmerz oder Glück bereiten?
Der
süße Ton hallt in mir fort
Für alle Ewigkeiten!
_____
O frage nicht!
Warum, im Innersten zerrissen,
Mein gramerbleichtes Angesicht
Ich von dir wende, willst du wissen?
O frage nicht!
Ob deiner Stimme Zaubergrüße,
Die Schönheit, die dein Haupt umflicht,
Für mich verloren ihre
Süße?
O frage nicht!
Ob unsre Trennung, schmerzdurchlodert,
Für die mein Mund nun bebend spricht,
Von mir, ob vom Geschick gefordert?
O frage nicht!
Ob, was ich leide, ohn' Verzagen
Und ohne daß vor Qual es bricht,
Ein Menschenherz vermag zu tragen?
O frage nicht!
_____
An ***
Wie
süß du meiner Seele bist,
Ich weiß es nicht zu sagen!
Was still in meinem Innern sprießt,
Will nicht an's Licht sich wagen.
Vom Lenze, der in meiner Brust
Geweckt ein neues Leben,
Vermag ich, wollend und bewußt,
Den Schleier nicht zu heben.
Es sei! Wozu versucht ich auch
Ihn absichtsvoll zu lüften?
Du merkst den warmen Frühlingshauch
An seinen linden Düften.
In meinen feuchten Augen siehst
Du Licht des Morgens tagen -
Wie
süß du meiner Seele bist
Brauch' ich dir nicht zu sagen!
_____
Alfons Petzold
(1882-1923)
Es ist die Welt voll
Süße,
seit du ihr schenktest deinen Tritt,
es brachten deine Füße
den Traum der Himmel mit.
Wo immer du auch weilest,
glänzt in der Nacht ein heller Strahl,
und wessen Raum du teilest,
der sitzt bei Gott zu Mahl.
_____
Ich bin eine Sehnsucht, in Deine Ferne hingeträumt,
eine Landschaft, von Deinem Himmel umsäumt!
Nenne ich Deinen Namen, löschen die Sterne aus,
stürzet in Nichts, was sich herrisch vor mir erhob,
verlieren die Ströme und Stürme ihr wildes Gebraus,
redet Christus aus mir, kündend
Süße, Dein Lob.
_____
O so Lipp' an Lippe hängen dürfen
eine lange schöne Ewigkeit,
aus des ander'n Atem
Süße schlürfen
für die Bitternis der argen Zeit.
Nichts mehr reden, sondern nur noch lauschen,
wie des ander'n Herzschlag schneller geht -
und in allen Gliedern dieses Rauschen,
das Gesang ist und zugleich Gebet.
_____
Ludwig Pfau (1821-1894)
Ach! Gold und Perlen möcht' ich gleich
Um Haupt und Hals dir,
Süße, legen;
Doch Dichter, weißt du, sind nicht reich,
Das thut mir wehe deinetwegen.
So nimm denn, den ich selber schmied',
Den Schmuck, von Steinen nicht noch Erzen;
Der schönste, deucht mir, ist ein Lied,
Das kommt aus einem treuen Herzen.
_____
Da kommen sie und fragen,
Warum ich froh allein?
Wie soll ich stehn und klagen,
Wie kann ich traurig sein?
Ich trage dich im Herzen,
So
süß, so mild, so klar -
Seitdem bin ich von Schmerzen
Erlöst auf immerdar.
_____
Könnt' ich an dein Gewand
Nur einmal, einmal rühren!
Und deine kleine Hand
Mit
süßem Schauer spüren!
_____
Mein Lieb! all ihre Grüße
Schickt dir die Frühlingsnacht:
Schlaf wohl! du Wundersüße,
Du
Süße!
Gehüllt in deine Pracht.
_____
Nachts wandl' ich auf den Wegen,
Die wir so oft gewallt;
Da rauscht es wie ein Segen,
Der leis' im Wind verhallt.
Die alten Bäume singen
Von alter Zeit im Traum;
Bis an mein Herz ein Klingen
Kommt durch den Himmelsraum.
Das kommt von meiner
Süßen,
Das kennt mein Herze leicht;
Das ist der Liebe Grüßen,
Die nachts auf Erden schleicht.
_____
An deinen Busen laß mich sinken
Und durst'ge Küsse ohne Zahl
Von deinen
süßen Lippen trinken -
O einmal noch, zum letzten Mal!
_____
August Graf von Platen
(1796-1835)
Lebe wohl! Zu fremden Strömen
Eil ich, wo die Freiheit ficht,
Abschied möcht ich gerne nehmen;
Doch dir nahen darf ich nicht!
Wohl, ich folge heil'gem Ruhme,
Doch, ich lasse dich zurück,
Meines Lebens
süße Blume,
Meiner Träume stilles Glück.
_____
Man schilt mich stolz, doch hat mich's nie verdrossen,
Daß ich so wenig dir gefallen habe;
Denn deine blonde Jugend,
süßer Knabe,
Verschmäht den melancholischen Genossen.
_____
Doch die schöne Zeit ersehn ich stündlich,
Wo dein Blick in
süßen Traum mich wiegt,
Und dein Herz, so lang unüberwindlich,
Überwunden an das meine fliegt.
_____
Aber einmal kömmt die teure Stunde,
Einmal kömmt der goldne Tag vielleicht,
Welcher
süßen Balsam meiner Wunde,
Neues Leben meinem Herzen reicht.
_____
Ist es die Sorge, daß dein Herz mir schweiget,
Daß ich an Klippen deines Stolzes strande,
Der als der Liebe größter Feind sich zeiget?
Ist es die Göttlichkeit so
süßer Bande,
Da stets die Liebe, wie vor Gott, sich neiget
Mit heil'ger Furcht vor ihrem Gegenstande?
_____
Luise von Ploennies
(1803-1872)
Da sank ich leise weinend an des Geliebten Brust,
Es zog durch meine Seele so schaurig
süße Lust;
Die Nacht war kühl gesunken, und wob sich um den Rhein,
Und geisterhaft sah Luna mit ihren Sternen drein.
_____
Mein freudig Herz, und kannst du mir nicht sagen,
Was dich so selig macht in meiner Brust?
Du warst ja gestern noch voll Angst und Zagen,
Und heut erfüllt dich wunderbare Lust?
Ich weiß es wohl, und muß doch immer fragen,
Die Antwort klingt so
süß und wonniglich;
Du Herz allein kannst mir die Antwort sagen,
O juble laut: Er liebt, er liebet mich!
_____
In's Allerheiligste von meinem Herzen,
Hab' ich dein Bild gerettet vor der Welt;
Dort hab' ich es in wundersel'gen Schmerzen,
Umweht von
süßen Schauern, aufgestellt;
Dort brennen hell der Liebe ew'ge Kerzen,
D'ran jeder meiner Tage sich erhellt,
Und meiner Sehnsucht Thränen, klar und rein,
Erglänzen drauf statt Perl' und Edelstein.
_____
Gott weiß, ich hab' nach Anderm nie getrachtet,
Als einzig nur nach dir, o du mein Leben!
Nicht wollt ich mich durch Glück und Rang erheben,
Nach deinem
süßen Selbst hab' ich geschmachtet.
_____
In leisen,
süßen Zauberworten spricht er,
Von feiner'n Wonnen ist sein Herz geschwellt,
Sein Aug' von sel'gem Gottesglanz erhellt,
Und ihr in's Haar statt Blumen Sterne flicht er.
_____
Hermione von Preuschen
(1854-1918)
So Deine Küsse
Abendwind in dunkler Rosen Blätter
Haucht und weht und Düftewogen wühlt,
So Deine Küsse!
Stachelbiene, die in Haideblumen
Sommerschwere, schwüle
Süsse saugt,
So Deine Küsse!
Tiger, der in bange Menschenlippen
Seine wilden Todesfänge bohrt,
So Deine Küsse!
_____
Ein Antlitz
süss und lockend, Huld verheissend,
Mit tiefem, ahnungsdunkeln Schicksalsaugen,
So dämmert's unserem jugendflüchtigen Blick
Und zieht uns nach und stiehlt uns Herz und Sinn.
Die Liebe ist's.
An allem Erdengut lockt sie vorüber,
Durch Staub und Sumpf und Wogen geht der Pfad
Zu ihren
süssen, abgrundtiefen Augen.
_____
Robert Prutz (1816-1872)
Und leise, wie aus offner Gruft
Sich sehnsuchtvolle Schatten heben,
So fühlten nah' und näher schweben
Wir längst verrauschter Wonnen Duft.
O Gott, wie wehten sie uns an!
Wie
süß, wie flammenheiß! wie brannten ihre Funken,
Bis flammend dem geliebten Mann
Du in die Arme bist gesunken!
_____
Und war es wirklich keine falsche Kunde,
Und haben die Propheten nicht gelogen,
Und brechen wirklich heut' des Himmels Bogen,
Und Flammen schlagen aus dem finstern Schlunde:
Gegrüßt auch du, des Erdballs letzte Stunde!
Von der Geliebten
süßem Hauch umflogen,
Verschränkten Armes, Mund an Mund gesogen
Im Wonnerausch, wie gern' geh' ich zu Grunde!
_____
Es giebt ein Glück, so über alle Grenzen,
Daß, während dankerfüllt die Lippen beten,
Die Augen doch von
süßer Lust noch glänzen.
Solch Glück, solch sel'ges, gabst du dem Poeten,
Und wie man Heil'ge schmückt mit bunten Kränzen,
So nimm auch du die Lieder vom Kometen!
_____
Das ist nicht Liebe, die das Herz
Mit Adlerschwingen nicht erhebt,
Die jeden Kummer, jeden Schmerz
In
süß Vergessen nicht begräbt.
Die Liebe gleicht dem Sonnenschein,
Der hoch vom Himmel niederfließt,
So mild, so warm, daß selbst der Stein
Von neuem jungen Leben sprießt.
_____
Du mit der schwanenweißen Brust,
Berauschend wie der Duft der Traube,
Du meine flammenheiße Lust
Und keusch und züchtig wie die Taube;
Aus deines Auges milden Sternen,
So lockend und so fromm dabei,
Wann werd' ich je zu Ende lernen
Der Liebe
süße Litanei?
_____
's war Mitternacht, früh Morgens sollt' ich scheiden,
Wir saßen stumm, ein träumerisches Paar;
Von ihrem Haupt ein Löckchen wollt' ich schneiden,
Sie wehrte nicht, sie löste selbst das Haar.
Da schlug mein Herz, der blöde Wunsch ward freier,
In tausend Küssen kühlt' ich meine Glut,
Und über uns, ein
süß geheimer Schleier,
Floß ihrer Locken dunkelbraune Flut.
_____
Wohl küßt' ich dir vom Rosenmunde
Viel
süße Küsse sonder Zahl,
Und dachte nicht der bangen Stunde,
Da ich dich küss' zum letzten Mal.
Nun wir den letzten Kuß uns geben,
Ach, dünkt's dich nicht, du Engel mein,
Als wär's der erste Kuß im Leben?
Und dieser soll der letzte sein?!
_____
Ruhe
Herrlich ist's, voll Glutverlangen
In den Armen dir zu hangen,
Fühlen, sanft herabgezogen,
Deines Busens stürmisch Wogen,
Deinen süßen Athem trinken,
Ganz in Wonne untersinken!
Aber
süßer noch, ohn' Ende
Halten deine lieben Hände,
In die Augen dir, die blauen,
Spiegel deiner Seele, schauen,
Wortelos, mit frommem Schweigen,
Fühlen, wie du ganz mein eigen.
_____
In des Frühlings jungen Tagen,
Wenn die Nachtigallen schlagen
Durch die Thäler nah und weit,
Mögt ihr seufzen, mögt ihr klagen
Von der Liebe
süßem Leid;
Aber zieht der Sommer golden,
Ganz bekränzt mit Blütendolden,
Im Triumph die Welt entlang,
Dann zu Füßen eurer Holden
Singet jubelnden Gesang.
_____
Löse deiner Locken Fluten!
Einen Schleier, laß sie sinken,
Daß der Augen nächt'ge Gluten
Heimlich nur dazwischen winken!
Mich verbrennt ihr
süßes Leuchten,
Mich verzehrt ihr holder Strahl –
Augen, ach, ihr tiefen, feuchten,
Ach, was macht ihr mir für Qual!
_____
Doch weißt du auch, daß auf den Mai
Der Sommer immer kommt herbei?
Doch ahnst du auch, o ahnst du schon,
Was diese Flammen noch uns drohn?!
Sei's - ! Ob zu Asche brennt dies Herz,
Gesegnet dennoch,
süßer Schmerz!
Ja wenn die Glut mich tödten soll,
Auch solch ein Tod ist wonnevoll!
_____
Das ist nicht Liebe, die allein
Am Rausch der Freude sich entzündet;
Die Thräne ist der Nachtmahlwein,
Der treue Herzen eng verbündet.
Wie mag dein wonnig Lächeln doch
Die müde Seele mir erfrischen!
Doch
süßer ist und heil'ger noch
Ein Kuß, in den sich Thränen mischen.
_____
Und wieder halt' ich dich umfangen,
Du meines Lebens liebstes Gut,
Und wieder leuchten deine Wangen
Von meiner Küsse Wonneglut;
Es hüllen deine duft'gen Locken
In holde Dämmerung mich ein,
Und wieder fühl' ich, froh erschrocken,
Wie
süß es ist, geliebt zu sein!
_____
Die Götter haben wollen zeigen,
Was Liebe kann, was Treue heißt,
Drum gaben sie mir dich zu eigen,
Die du so
süß zu lieben weißt;
In deiner Unschuld Heil'genscheine,
In deiner Güte tief und klar,
Du bist, o Herz, die einzig Eine,
Wie nimmer eine Zweite war!
_____
Wann ist zum Küssen die rechte Stunde?
Wenn der Morgen, von purpurnen Wolken bedeckt,
Sich hebt aus dämmerndem Sunde,
Dann rasch die Geliebte mit Küssen geweckt,
Dann koste, wie
süß solch Morgenbrot schmeckt
Von dem rosig knospenden Munde!
_____
Unersättlich
Warum dein Kuß, so warm, so
süß,
Doch meiner Seele Durst nicht stillt?
Weil immer neu der Liebe Born
Mir aus der tiefsten Seele quillt;
Weil unter meines Kusses Glut
Stets ros'ger deine Lippe blüht,
Dein Auge mir, dein lächelndes,
Stets leuchtender entgegen sprüht.
So zündet Stern an Stern sich an
Am Himmelsdom in nächt'ger Zeit,
Und brausend gießt dir in das Herz
Sich flammende Unendlichkeit.
_____
Warum duften doch die Rosen
So viel schöner bei der Nacht?
Warum schmecken doch die Küsse
So viel
süßer bei der Nacht?
Wenn durch braune Dämmerungen
Hell der Liebsten Auge lacht,
Und wie eines Schwanes Fittich
Leuchtet ihrer Glieder Pracht.
_____
O wohl, das ist die Stunde,
Wo Lieb' an Lieb' sich schmiegt,
Indessen tief im Grunde
Die Welt in Schlummer liegt;
Nun schlafen alle Schmerzen
In treuen Armen ein,
Nun lernen junge Herzen,
Wie
süß es ist zu Zwei'n.
_____
Rainer Maria Rilke
(1875-1926)
Liebeslied
Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O
süßes Lied.
_____
Joachim Ringelnatz
(1883-1934)
Im Nebenraum erwachen weiche Lieder.
Ich will von dieser Stimme heut nichts wissen,
Und doch – – – Ich denke an verbuhlte Kissen,
An weiße Spitzen, an ein schlankes Mieder.
Ich stehe, – gehe, – kämpfend, zweifelnd, – lauschend – –
Vorbei! – – Und hinter mir rauscht die Portiere.
Mit einem Duft von indisch
süßer Schwere
Küßt mich der Wollust holdes Gift berauschend.
_____
Wo einst wir
süßes Gelüsten
Liebend und hoffend versäumt,
Wo wir uns tausendmal küßten,
Rauschen die Bäume, verhärmt und verträumt,
Als ob sie Alles wüßten.
_____
Deine vogelfernen, wundergroßen
Kinderaugen, ach erkennen sie
Meiner Sehnsucht
süße Phantasie,
Jetzt ein Wind zu sein in deinen Hosen –?
_____
Ein Liebesnacht-Wörtchen
Ja – – ja! – – ja!! – – ja!!! – –
Du hast so
süße Höschen.
Nun sind wir allein. Und es ist Nacht.
Ach hätte ich dir doch ein Röschen
Mitgebracht.
_____
Anna Ritter (1865-1921)
Die Sterne zucken dort und flimmern,
Als trübten Thränen ihren Schein,
Das Bächlein schluchzt und will nicht wandern,
Es hält sich fest an jeden Stein.
Und durch die athemlose Stille
Ein wunderbares Klingen zieht,
Ein Sang, aus Leid und Lust gewoben,
Ein zitternd
süßes Liebeslied.
_____
Dein Sessel am Kamin steht lange leer …
Und war so
süß, das Beieinandersein,
Wenn über deine Stirn der Flammenschein
Hinleuchtete und wie ein roter Bach
Um deine regungslosen Hände rann. -
_____
Mein Blut ist heiß, dein Mund so
süß ...
O Gott, wie kannst du küssen!
Das hat die Sommernacht gethan,
Daß wir versinken müssen.
_____
Du und ich
Du und ich … und über uns Beiden die Nacht!
Neige die Stirn, damit ich dich küssend umfange.
Neige das Ohr – ich raune dir
Süßes hinein,
Wonne und Weh, so wie's mir emporblüht im Herzen. -
Du und ich … Es ward uns nichts Andres bescheert
Als dieses Glück, das wir der Sonne verbergen.
Sieh, schon senkt sich abwärts der einsame Pfad -
Selige Lust steht lächelnd im Thale des Todes.
_____
Ich glaub', lieber Schatz ...
Unter den blühenden Linden -
Weißt du's noch?
Wir konnten das Ende nicht finden,
Erst küßtest du mich,
Und dann küßte ich dich -
Ich glaub', lieber Schatz, es war Sünde,
Aber
süß, aber
süß war es doch!
Der Vater rief durch den Garten -
Weißt du's noch?
Wir schwiegen ... der Vater kann warten!
Erst küßtest du mich,
Und dann küßte ich dich:
Ich glaub', lieber Schatz, es war Sünde,
Aber
süß, aber
süß war es doch.
_____
Und um die Holzbank duftete der Flieder
Weißt du den Abend noch? Die Ulme hing
Die dichten Zweige schützend um uns nieder,
Der Bach schoß glucksend unterm Zaun vorbei
Und um die Holzbank duftete der Flieder.
So
süß, so
süß! Die laue Nachtluft floß
In weichen Wogen schmeichelnd um die Glieder.
Die Grille zirpte leis im hohen Gras,
Und um die Holzbank duftete der Flieder.
Vom Himmel sank ein Stern in jähem Zug,
Lichtscheue Falter huschten hin und wieder,
Dein Arm umfasste mich, wir waren jung …
Und um die Holzbank duftete der Flieder.
_____
Liebesruhe
Wie war ich erst so scheu und wild!
Und nun, so ganz Dir hingegeben,
Ist alle Unrast
süß gestillt!
Ein Friedenshauch zieht durch mein Leben,
Wie über reifendem Gefild
Wohl schon die Ernteglocken schweben.
_____
Emil Rittershaus
(1834-1897)
Deine
süßen, rothen Lippen
Deine
süßen, rothen Lippen,
Holdes, braunes Mädel, sprich:
Haben mehr sie noch als Lächeln,
Haben Küsse sie für mich?
Deine wunderbaren Augen,
Holdes, braunes Mädel Du!
Sind's die Sonnen meines Glückes,
Sind's die Gräber meiner Ruh'?
Lass' mich länger nicht, du Schönste,
Zwischen Höll' und Himmel sein!
Sei die Meine, sei's für ewig,
Holdes, braunes Mägdelein!
_____
Du bist mir fern und doch nicht ferne;
Im Geiste darf ich bei Dir stehn.
Mich läßt in Deiner Augen Sterne
Der Liebe guter Engel sehn.
Ich fühle Deines Odems Fächeln;
Ich seh' die Aeuglein, hell und klar,
Und Deine Lippen seh' ich lächeln,
Das
süße, liebe Lippenpaar.
_____
O Liebste, Deine Liebe
Versüßt mein Leid!
Des Herzens Blüthentriebe
Sind Dein in Ewigkeit.
Dich soll die Blume laben,
Die sich im Busen wiegt,
Doch frag' nicht, was begraben
Im Herzen liegt!
_____
Hermann Rollett
(1819-1904)
Steh' ich unterm grünen Baum,
Harrend auf dein Kommen,
Fühl' ich mich von
süßem Traum
Duftigmild umschwommen.
_____
Stille Knospe – halb schon Rose, -
Ach, warum so tief verschlossen?
O erblüh' im Liebgekose,
Das sich hell um dich ergossen!
Glaub' mir: - jegliche Secunde
Ist von jetzt an nur Versäumniß.
Denn dir zittert schon im Munde
Deiner Liebe
süß' Geheimniß!
_____
Liebesklang
Wie lacht die Flur im Frühlingsschein -
Die Rosenflammen glühen! -
Doch möcht' ich keine Rose sein,
Könnt' ich nicht still am Busen dein
Mit
süßem Duft erblühen.
Wie flammt der Thau im Morgenlicht,
Mit freudevollem Blinken! -
Ich möcht' es nicht – wie laut es spricht, -
Könnt' ich als stille Thräne nicht
Aus deinem Auge sinken.
Wie tönt im Walde der Gesang
Auf hellen Liederschwingen! -
Doch gerne wär' ich nur ein Klang,
Könnt' ich in
süßem Liebesdrang
Aus deiner Seele klingen.
Dann möcht' ich glüh'n als Rosenschein
An deinem Herzen, trunken,
Dann glänzt' ich hell im Auge dein, -
Und unsre Seelen klängen drein,
In Liebesglück versunken!
_____
Friedrich Rückert
(1788-1866)
Als ich die Augen schloß,
Sich Schlaf auf mich ergoß,
Da kam dein Augenpaar
Und sah mich an so klar.
Es sah mich an so tief;
Ich schaut' hinein, und schlief.
Es ging ein
süßer Schmerz
Mir mitten durch das Herz.
_____
Amara, bittre, was du tust, ist bitter,
Wie du die Füße rührst, die Arme lenkest,
Wie du die Augen hebst, wie du sie senkest,
Die Lippen auftust oder zu, ist bitter.
Ein jeder Gruß ist, den du schenkest, bitter,
Bitter ein jeder Kuß, den du nicht schenkest,
Bitter ist, was du sprichst und was du denkest,
Und was du hast und was du bist, ist bitter.
Voraus kommt eine Bitterkeit gegangen,
Zwo Bitterkeiten gehn dir zu den Seiten,
Und eine folgt den Spuren deiner Füße.
O du mit Bitterkeiten rings umfangen,
Wer dächte, daß mit all den Bitterkeiten
Du doch mir bist im innern Kern so
süße!
_____
Liebste! nein, ich habe mich
nicht gesehnt beim Abendschein,
Liebste! denn man sehnet sich
nach Abwesenden allein.
Und abwesend warst du nicht,
sondern nah in Liebesmacht;
weißt du's nicht! mein
süßes Licht,
bei mir warst du all die Nacht.
_____
Ich bin dein Baum: o Gärtner, dessen Treue
Mich hält in Liebespfleg' und
süßer Zucht,
Komm, daß ich in den Schoß dir dankbar streue
Die reife dir allein gewachs'ne Frucht.
_____
Hier sind die blauen Lüfte,
Hier sind die grünen Au'n,
Die Blumen hier, die Düfte,
Der blüh'nde Rosenzaun.
Und hier am Busen lehnet
Mit
süßem Liebesach
Die Liebste, die sich sehnet
Den Frühlingswonnen nach.
_____
Ich wollte, daß ich wär'- o
süßes Neiden!
Dein Spiegel mit dem blanken Angesichte;
So würd' ich doch an deines Auges Lichte
Viel öfter mich als jetzo können weiden.
_____
Süßer ist als Tun, viel
süßer, Leiden;
darum, Liebste, muß ich dich beneiden:
Weil das Lamm du bist und ich der Hirte,
du darfst folgen und ich muß dich weiden;
Weil du bist die Au und ich dein Frühling;
ich dich schmück und du dich lässest kleiden;
_____
Was soll ich dir für Namen geben?
Mein trautes Herz! mein einz'ges Leben!
Mein Sonnenblick! mein Seelenstrahl!
Mein Hoffen, Sehnen und Verlangen!
Mein Wünschen, Glauben, Zweifeln, Bangen!
O meine
süße Liebesqual!
_____
Wenn ich dir könnte, wie ich möchte, geben
Die Schätz' aus meiner Liebe vollem Schreine,
So wär' auf Erden und im Himmel keine
Geschmückt wie du, o du mein
süßes Leben!
"Wie war das?" Hör' es recht, mein
süßes Leben!
Geschmückt in Erd' und Himmel wäre keine
Wie du, wenn dir aus meiner Liebe Schreine
Die Schätz' ich, wie ich möchte, könnte geben.
_____
Hugo Salus (1866-1929)
Meine Sehnsucht kommt an Frühlingstagen,
Wie ein Hauch die Stirne mir zu küssen,
Kommt ein Wörtlein mir ins Ohr zu sagen,
Daß sich meine Lider senken müssen.
Und das Wörtlein hat nicht Sinn noch Kunde,
Aber ist so seltsam
süß im Klange,
Und mein Herz vergeht im Überschwange,
Und zum Seufzer wird der Hauch im Munde ...
_____
"Meine
Süße, Heißgeliebte,"
Quillt nur so von meinen Lippen,
Drücke sie, der Vielgeübte,
Fester stets an meine Rippen;
Meine Finger nesteln gierig
An dem Mieder und ich glühe:
Ist auch diese Arbeit schwierig,
Lohnt sie sich fürwahr der Mühe!
_____
Adolf Friedrich von
Schack (1815-1894)
Das erste Liebeswort
Das war der
süßeste der Laute!
Sie sprachs, das erste Liebeswort;
Im Herzen nun trag' ich das traute,
Tiefselige Geheimniß fort.
Allein wo berg' ich meine Wonne,
Daß ich sie wohl behüten mag?
Dein Licht verhülle, läst'ge Sonne!
Verstumme, lärmbewegter Tag!
Weltfern sei meines Glückes Fülle
Begraben, wo sie nichts verräth
Und nur durch Nacht und heil'ge Stille
Des
süßen Wortes Nachhall weht.
_____
Duftendes Geisblatt, steige
Höher empor, daß Ast mit Ast,
Ranke mit Ranke sich dicht verzweige
Zu der Liebe Sommerpalast!
Süß ists, wie wir zusammen
Ruhen unter dem wogenden Grün
Und des Laubes smaragdene Flammen
Uns zur Seite, zu Häupten sprühn.
_____
Süßes Geheimniß
Glaub nicht, daß ich dem lauten Tage
Verrathe, was du mir vertraust,
Wenn mir vorbei mit flücht'gem Schritte
Du wandelst in der Deinen Mitte
Und mit dem Blick, halb kühn, halb zage,
Verheißend mir ins Antlitz schaust.
Berauscht vom Zauber deiner Nähe
Dann seh' ich lang dir staunend nach,
Und mälig erst, indem ich sinne,
Werd' ich des eignen Glückes inne,
Wenn ich die Rede ganz verstehe,
Die stumme, die dein Auge sprach.
Die Abendschatten werden trüber,
Längst in die Ferne schwandest du,
Und, wie den Tropfen Thau die Blume
Birgt in des Kelches Heiligthume,
Schließt meine Seele still sich über
Dem duftenden Geheimniß zu.
_____
Süß sind die Laute all, in denen
Die Liebe traute Zwiesprach hält.
Süß ist das Wort, das zwischen Thränen
Und Lächeln flüchtig ihr entfällt,
Und
süß der Schwur auch, der gleich Zweigen
Zwei Leben ineinander flicht;
Doch
süßer noch der Lippen Schweigen,
Wenn Seele nur mit Seele spricht.
_____
Wenn unter duftgen Blüthenzweigen
Wir ruhen, Haupt an Haupt gelehnt,
Wie
süß der Küsse Wechseltausch!
Welch Flüstern in der Liebe Rausch!
Wie spricht, so oft die Lippen schweigen,
Das Auge, das von Wonne thränt!
_____
Richard von Schaukal
(1873-1942)
O
süße Sehnsucht
O
süße Sehnsucht, holdes Leid,
im Herzen dein Flattern und Drängen!
Ich glätte darüber mein Alltagskleid,
die Flügel dir zu zwängen.
Da willst aus meinen Augen dich,
Gefangene, ergießen:
Geliebte, lächelnd laß sie mich
mit glänzenden Fenstern verschließen.
_____
Georg Scherer (1828-1909)
Wer, heilige Liebe, deinen Kelch getrunken
Und
süßberauscht, ein überseliger Mann,
Dir einmal nur ans volle Herz gesunken,
Der ist verfallen deinem Zauberbann.
Fort glimmt's in ihm wie lichte Himmelsfunken;
Und ob er deinen Banden auch entrann -
Früh oder spät wird er mit frohem Bangen
Nach deiner holden Unruh' heim verlangen.
_____
Johanna Schultze-Wege
(1844-1918)
Wie ich Dich liebe, möcht' ich gern Dir sagen,
Wie all mein Denken Dir sich muß verbinden,
Zum schönen Kranze möcht' ich für Dich winden
Mein
süßes Glück und meine stillen Klagen.
_____
Ernst Schulze (1789-1817)
Vielfach blühet die Blume der Lust,
süß ist der Erinnrung
Gaukelndes Bild, und
süß
zarteren Herzen der Gram.
_____
Ach,
süß ist's an dem Busen zu ruhn der erröthenden Liebe,
Süß, wenn das sehnende Herz heiß sich an's sehnende schließt,
Wenn im erschütternden Taumel der Lust lauttobend die Brust klopft,
Und in stillen Triumph schweigend die Seele versinkt.
_____
Hangen möcht' ich am Busen dir stets, in ewiger Sehnsucht
Süß hinbangend und doch schwelgend in stetem Genuß,
Möchte mit lauterem Sinne die Schuld ausgleichen durch Unschuld
Und in düsterer Nacht ehren das züchtige Licht.
_____
Schüchtern bot ich den Arm dir dar, und lieblich erröthend
Reichtest du deine Hand leise dem Bittenden hin.
Zitternde Gluth durchflammte mein Herz bei der
süßen Berührung,
Und kein höheres Ziel hatte mein feurigster Wunsch.
_____
Amor legte die Schwingen für dich und legte den Pfeil ab,
In dein Auge gebannt, ward er zum zartesten Blick,
Süß wie Harmonicaton und leicht wie gaukelnder Mondschein
Schlüpft der ätherische Gott in das erzitternde Herz.
_____
Sympathieengewalt verlachst du und der Berührung
Mächtigen Zauber, der rasch schlummernde Kräfte bewegt?
Nennst nur Wahn die geheime Verwandtschaft ähnlicher Seelen?
Unglückseliger, ach, hast du denn nimmer geliebt?
Beug' ich mich still zum schwellenden Mund der Geliebten, o sprich, was
Zieht mich mit
süßer Gewalt hin zu dem seligen Kuß?
Rede, woher der elektrische Druck, wenn die Hand sich der Hand naht,
Und was fesselt den Arm um die Umschlungene fest?
_____
Fruchtlos schwimm' ich dahin in dem ruhigen Ocean, kaum noch
Ahnet mein Herz, daß es einst rauhere Wellen gekannt.
Ach, schon ward ich verwandt mit dem Glück durch
süße Gewohnheit,
Nimmer genügt, was einst selig mich machte, mir jetzt.
Theile die Gaben der Huld, o theile sie! Lust und Erwartung,
Sehnsucht, Zagen und Furcht würze mir jegliche Gunst!
_____
Sonst war mein Herz so leicht und frei,
Und Rosen kränzten meine Stunden;
Doch Scherz und Lachen sind vorbei,
Seit deine Fesseln mich umwunden.
Und ach, doch ist mein Schmerz so
süß,
Viel
süßer als die schönsten Freuden,
Und wahrlich, für kein Paradies
Möcht' ich aus diesen Fesseln scheiden.
_____
O wie
süß ist ein geraubter Kuß!
Wenn das Mädchen keusche Lieb' empfindet,
Und ihr Auge leise nur verkündet:
O wie
süß ist ein geraubter Kuß!
Glaube nicht, sie thu' es aus Verdruß,
Wenn sie dann sich deinem Arm entwindet;
Nein, zu
süß ist ein geraubter Kuß,
Wenn das Mädchen keusche Lieb' empfindet.
_____
Still löste sie, die Göttin meiner Lieder,
Die Fessel, die das weiche Haar umschlang,
Und sieh, der Locken seidne Fülle sank
In leichtem Tanz auf Hals und Busen nieder.
Und lodernd hob die Sehnsucht ihr Gefieder
Und regte sich im Innern heiß und bang,
Schon folgt' ich kühn des Herzens
süßem Drang -
Da faßte schnell mich leises Zagen wieder.
Ein Heiligthum ward Mund und Busen mir,
Und um sie her schien den geweihten Schleier
Geheimnißvoll der Locken Fluth zu weben,
Und zagend schwieg im Herzen die Begier,
Mein Geist versank in stiller Andacht Feier
Und sah Madonna lächelnd vor sich schweben.
_____
Jetzt mag das Schicksal jedes Glück mir rauben -
Der giebt sein Alles, wer sein Bestes giebt -
O laß mir nur den letzten
süßen Glauben,
Daß du mich nicht gehaßt, weil ich geliebt!
Laß mir die Lust, dich geistig zu verehren,
Im
süßen Traum dein Bildniß zu umfahn,
Laß mir den Trost der stillen Wehmuthszähren,
Der Geisternähe
wundersüßen Wahn!
_____
Du
süßes Bild, das gleich der Harfe Tönen
Mein weiches Herz harmonisch einst berührt,
Das meinen Geist zum Göttlichen und Schönen,
Das meine Kraft ins Reich der That geführt,
Wie hielt ich dich mit ewigem Verlangen,
Du
süßes Bild, mit ew'ger Scheu umfangen!
_____
Du armes Herz, nicht für das rauhe Streben
Der öden Welt ward deine Gluth bestimmt:
Gern möchtest du mit freiem Fittig schweben,
Wie durch die Luft das Silberwölkchen schwimmt,
In linder Ruh mit
süßen Bildern spielen,
Wo dir's gefällt dir eine Hütte baun,
Auf dich allein im
süßen Wahn vertraun
Und ohne Pflicht und ohne Prüfung fühlen.
_____
Jegor von Sivers
(1823-1879)
Wie ist die Täuschung
süß, die Wahrheit bitter!
Es ist so
süß, den Weiberherzen trauen,
Es ist so schön, auf Lieb und Treue bauen,
Der Traum ist
süß, doch ein Erwachen bitter.
_____
Ilse von Stach
(1879-1941)
Deine Nähe
Wie die milde Sommernacht beglückt,
also lindert deine
süße Nähe,
lange schon gereiftes Leid und Wehe,
tröstet auch in Tränen und entzückt.
Meine Seele, die gebunden ist,
hebt sich auf dem Fittich sanfter Träume
lächelnd hoch in unbegrenzte Räume,
haltlos, wenn du gegenwärtig bist.
_____
Komm,
süße Sehnsucht, komm zu meiner Qual!
Du bist lebend'gen Lebens ew'ge Quelle.
Du drohst Vernichtung wie des Meeres Welle,
vernichte mich, so lebt' ich doch einmal.
_____
Karl Stieler (1842-1885)
Wohl ist es
süß, wenn ohne Laut,
Wenn, glutverzehrt von Qual und Hoffen,
Ein Menschenaug' in deines schaut,
Vom Blitzstrahl deines Blicks getroffen;
Doch weißt du nicht, wie
süß das ist:
In jener Liebe sich ergeben,
Die liebend ihrer selbst vergißt
Und wähnt, ein Wunder zu erleben!
_____
Im Rosengärtlein
Im Rosengärtlein deiner Wangen
War ich ein stiller Minnegast;
Und wie mir's da so
süß ergangen,
Das neidet mir ein König fast.
Wohl tausend Küsse tät' ich nehmen,
Mir sind die Lippen purpurrot -
Ich möcht' mich freu'n und möcht' mich schämen
All' meiner Seligkeit und Not!
_____
Zwiegespräch
Süße Frau, o spart die Worte,
Sie verklingen nur im Ohr;
Denn Vernunft hat enge Pforte
Und das Herz ein weites Tor!
Um vor Euch mich zu beschützen,
Sprecht mich nicht so weise an,
Süße Frau! denn wenig nützen
Weise Lehren wundem Mann.
Eure schönen Augen strafen
Alles Lügen, was Ihr sprecht -
Minne hat so lang geschlafen - -
Minne wacht und will ihr Recht!
_____
Braunäuglein
Braunäuglein, die mein Leben war
Und alle meine Freude,
Bist du geschieden ganz und gar
Und läßt mich ganz dem Leide?
Braunäuglein, wenn die Drossel singt
In kühler Abendstunde,
Da denk' ich wohl: Wie
süß erklingt
Der Klang von deinem Munde!
Braunäuglein – o, du weißt es nicht,
Was du mir hast genommen! -
Ich mein' als wie vom Sonnenlicht:
Du müßtest wiederkommen!
_____
Francisca Stoecklin
(1894-1931)
Ich denk an dich. Ich denke an die Liebesstunden
Die wir im Waldesinnern
süß erlebten.
_____
Meine Träume sind voll deiner Zärtlichkeit.
Mein Blut singt
süß deine Unendlichkeit.
Weiße Seele
Unsterblich Geliebter.
_____
Dann sind wir sündenlos und weise.
Dann ist kein Raum und keine Zeit.
Dann schweben wir so
süß erfüllt und leise
In Gottes Urunendlichkeit.
_____
Deine schmalen Hände behüten mit inniger Sorgfalt
Die Reliquien unserer Liebe,
Zarte Gebilde
süßer Erinnerungen.
_____
Theodor Storm (1817-1888)
Und wenn ich von dir, du
süße Gestalt,
In ewiger Ferne bliebe,
Du bliebest mir nah, wie im Busen das Herz,
Wie im Herzen die klopfende Liebe!
_____
Liegst wohl noch im Traum befangen,
Hast im Traume mein gedacht.
Denn so früh ist noch die Stunde,
Kaum entwich die lange Nacht.
Um mich her noch in der Kammer
Webt ein nächtlich Dämmergrau -
Oh, wie muß ich dein gedenken,
Süße, heißgeliebte Frau!
_____
O
süßes Nichtstun
O
süßes Nichtstun, an der Liebsten Seite
Zu ruhen auf des Bergs besonnter Kuppe;
Bald abwärts zu des Städtchens Häusergruppe
Den Blick zu senden, bald in ferne Weite!
O
süßes Nichtstun, lieblich so gebannt
Zu atmen in den neubefreiten Düften;
Sich locken lassen von den Frühlingslüften,
Hinabzuziehn in das beglänzte Land;
Rückkehren dann aus aller Wunderferne
In deiner Augen heimatliche Sterne.
_____
Das Herz, das Herz hat nimmer Ruh,
Das fliegt zu dir durch Zeit und Raum,
Im Traum mein
süßes Leben du,
Im Leben du mein
süßer Traum!
_____
Und wieder hat das Leben mich verwundet,
Und Schmerzen brennen in der Brust.
Komm, lege deine zarten Lippen,
Die vielgeliebten, auf mein brennend Aug -
Das kühlt wie junge, frische Rosen.
Darf ich, o du mein
süßer Arzt,
An deinen lebensliebewarmen Busen
Die schwere Stirn anlehnen? Darf ich?
Oh, nur auf Augenblicke sollst du
Die unbequeme Last erdulden - küß mich!
O küsse mich und schließ mich fest
In deine jugendlichen treuen Arme
Und halt mich still an deiner jungen Brust,
Als wolltst du mich, wie einst vielleicht dein Kind,
Vor gift'gem Wind und rohen Händen schützen.
_____
Viktor von Strauß und
Torney (1809-1899)
O Lieb' im Himmel,
Du warest wach!
Er ist mir erschienen,
Der seligste Tag!
O du wogender Busen,
An dem ich lag,
Du lieblicher Mund,
Der das
Süßeste sprach.
_____
Wangen an Wangen,
Brust an der Brust,
Süßtes Umfangen,
Fülle der Lust!
_____
Im Traum hört' ich am Altare
Das Ja von deinem Mund;
Das liebliche, ewigwahre,
Wie drang es aus Herzensgrund!
Dann klangen freudige Grüße,
In Bechern perlte der Wein;
Du Treue, Gute, du
Süße,
Vor Allen nun warest du mein.
_____
Karl Streckfuss
(1779-1844)
Liebe und Hoffnung
Lieb' und Hoffnung, wie oft habt ihr mich grausam betrogen,
Lieb' und Hoffnung, und doch habt ihr mich öfter beglückt!
Ewig will ich euch Göttlichen traun, will lieben und hoffen,
Und so sink' ich einst lächelnd hinab in die Gruft.
Denn die Hoffnung verspricht noch
süsse Liebe mir jenseits,
Und die Liebe, sie drückt weinend die Augen mir zu.
_____
Friederike Susan
(1784-1848)
Der Liebe Laut
Was ist es, das dies mächt'ge Sehnen
Im tiefbewegten Herzen stillt,
Mit Wonnethau und Freudenthränen
Das seelenvolle Auge füllt,
Dem Hirt und König hoffend traut?
"Es ist der Liebe
süßer Laut."
Was ist es, das die Sorgen hebet
Mit wunderbarer Göttermacht,
Die Brust mit Himmelslust durchbebet,
Den Armen reich und glücklich macht,
Auf Erden uns den Himmel baut?
"Es ist der Liebe
süßer Laut."
Was ist es, das auf stillem Hügel
Aus treuem Busen klagend dringt,
Zum Himmel, auf der Andacht Flügel,
Im heil'gen Trostgebet sich schwingt,
Bei dem uns nicht im Sturme graut?
"Es ist der Liebe
süßer Laut."
_____
Ludwig Tieck (1773-1853)
Ruhe,
Süßliebchen, im Schatten
Der grünen dämmernden Nacht,
Es säuselt das Gras auf den Matten,
Es fächelt und kühlt dich der Schatten,
Und treue Liebe wacht.
Schlafe, schlaf ein,
Leiser rauschet der Hain, -
Ewig bin ich dein.
Schweigt, ihr versteckten Gesänge,
Und stört nicht die
süßeste Ruh!
Es lauscht der Vögel Gedränge,
Es ruhen die lauten Gesänge,
Schließ, Liebchen, dein Auge zu.
Schlafe, schlaf ein,
Im dämmernden Schein, -
Ich will dein Wächter sein.
_____
Süß ist's, mit Gedanken gehn,
Die uns zur Geliebten leiten,
Wo von blumenbewachsnen Höhn,
Sonnenstrahlen sich verbreiten.
_____
War es dir, dem diese Lippen bebten,
Dir der dargebotne
süße Kuß?
Giebt ein irdisch Leben so Genuß?
Ha! wie Licht und Glanz vor meinen Augen schwebten,
Alle Sinne nach den Lippen strebten!
_____
Wilhelm Wackernagel
(1806-1869)
Laß mich ruhen dir zu Füßen,
Laß mich lauschen nur und schaun,
Lauschen wie von deinen
süßen
Lippen
süße Worte thaun,
Schaun wie deine liebefeuchten
Augen auf mich niederleuchten,
Daß die Seele mir durchzittert
Tief ein wonneselig Graun.
_____
Ein einzig
süß vertraulich Wort,
Ein Kuß, den nimmer wir beschließen,
Soll unser beider Leben fort
Und fort bis hin zum Ende fließen;
Bis in das große Liebesmeer,
Das Ewigkeit die Menschen nennen,
Wir untergehn um nimmermehr
In Ewigkeiten uns zu trennen.
_____
Die aus des Segens Überflüssen
Ein gnäd'ger Himmel mir geschenkt,
Ich grüße dich mit tausend Küssen,
Dich die mein Herz in Freuden denkt.
Ich küsse dich mit tausend Grüßen
Und halte fest dich an der Hand,
Die aus der Fülle seiner
Süßen
Ein gnäd'ger Himmel mir gesandt.
_____
Wenn er sie und wenn sie ihn
Küßt und flüstert "Du bist mein",
Größre Freuden überschien
Nie der Sonnenschein.
Beide lehnen
süß verwirrt
Brust an Brust und Haupt an Haupt:
Lilje von der Rose wird
Heimlich da umlaubt.
_____
Wilhelm Waiblinger
(1804-1830)
Das Auge der Geliebten
Ach, warum in dieser Ferne,
süßes Herz so weit von dir?
Alle Sonnen, alle Sterne
öffnen ihre Augen mir,
nur die reinsten, tiefsten Strahlen,
nur das klarste, blauste Licht,
drinn sich Erd' und Himmel malen,
nur dein treues Auge nicht.
_____
Frank Wedekind
(1864-1918)
O, Galathea, spotte nicht mein,
Und sei mir nicht böse, du
Süße,
Denn meine Gefühle sind ebenso rein
Wie deine zwei lieblichen Füße.
Ich suche mein Himmelreich und mein Glück,
Den Wahnfried all meiner Sorgen.
Nur fehlt mir dazu das nöt'ge Geschick;
Ich find es vielleicht erst morgen.
_____
Und als ich mich sonnte in deinem Blick,
War Angst und Not verschwunden.
Da hab ich das irdische Liebesglück
Weit
süßer als je gefunden.
_____
Ach, sie strampelt mit den Füßen,
Ach, sie läßt es nicht geschehn,
Ach, noch kann ich ihren
süßen
Körper nur zur Hälfte sehn;
Um die Hüfte weht der Schleier,
Um den Schleier irrt mein Blick,
Immer wilder loht mein Feuer,
Ach, sie drängt mich scheu zurück!
_____
Ich hab dich lieb, kannst du es denn ermessen,
Verstehn das Wort, so traut und
süß?
Es schließet in sich eine Welt von Wonne,
Es birgt in sich ein ganzes Paradies.
_____
Ernst von Wildenbruch
(1845-1909)
Unnötiges Forschen
Wie in Liebe sich die Herzen finden,
Danach mußt du nicht die Menschen fragen,
Denn der Weise wird dir lächelnd sagen:
"Liebes Kind, das läßt sich nicht ergründen."
Glücklich der, den keine Zweifel plagen,
Dem's genügt, still selig zu empfinden,
Daß die Herzen sich zusammen finden,
Der sich liebend hingibt, ohn' zu fragen.
Ist die Liebe doch der Born, der
süße,
Der von Anbeginn der Zeiten quillet,
Und noch heut den Durst der Menschen stillet;
Wär' sie's, wenn die sich ergründen ließe?
_____
Liebespost
In der Mondesnacht, in der stillen Nacht,
Wenn da alles schläft, rings kein Auge wacht,
Da gedenk' ich
süßes Mädchen dein,
Möchte ach so gerne bei dir sein.
Höre Mond mich an, stiller Wandersmann,
An ihr Fenster geh, klopfe leise an,
Schick ihr einen
süßen Traum hinein,
Sage ihr, der Liebste denket dein.
_____
Wie gedenk' ich jener Zeit so gerne,
Da ich,
Süße, dich zuerst erblickt,
Da ich, wie der Wandrer seinem Sterne,
Deinem Pfade folgte, still beglückt.
Süß Geheimnis mir den Busen füllend,
Sel'ge Träume in verschwiegner Brust,
Nur der Blick dem Blicke es enthüllend,
Wider Willen und doch so voll Lust.
_____
Ärger, Liebchens Lust
Liebchen schenkte heut' Blumen mir -
Sprach: "Gestehe, es ist eine Zier!"
Rosen und Nelken - wie war es schön!
Sprach ich: "Schon Besseres hab' ich geseh'n."
Liebchen schenkte heut Blumen mir:
"Ach, wie das duftet! gefällt es dir?"
Rosen und Nelken - wie
süße das roch!
Sprach ich: "Noch
Süßeres kenne ich doch!"
Liebchen machte ein kraus Gesicht:
"Seht mir solch' einen verzogenen Wicht!
Hältst meine Gabe du so gering?
Sage mir gleich, wo ist das Ding,
Das schöner ist als die Blume da?"
Lacht' ich und sprach: "Es ist ganz nah."
"Das
süßer riecht als die Blumen hier?"
Lacht' ich und sprach: "Hier dicht bei mir.
Besser als alle Blumen der Welt
Mir meines Liebchens Gesichtchen gefällt!
Nicht Rosen und Nelken duften so schön,
Als wenn ihre Locken im Winde weh'n.
Und Rosen und Nelken gibt's ohne Zahl,
Doch mein einziges Lieb nur einziges Mal,
Und bist du mir noch böse, so sag' es nur dreist."
Da lachte
süß Liebchen: "Damit du nur weißt:
Eins nur verübelt' ich ewig dir,
Käm' dir ein Glück, und es käm' nicht von mir!"
_____
Und atm' ich ihre
süße Näh'
Wie stille wird mein Sinn,
Gleich einem Strom in tiefer See
Fließt meine Seele hin.
_____
Winterspaziergang
In Nacht und Winter
In Sturm und Wind
Spaziert' ich mit meinem
Herzlieben Kind.
Und wie ihr der Sturmwind
Ums Antlitz pfiff,
Nach meinem Arme
Herzliebchen griff
Und schmiegte sich enge
In meinen Arm -
Mir ward im Winter
So sommerwarm.
Da fühlt' ich ihr Herzchen
An meiner Brust!
In Sturm und Winter
O Wonne, o Lust!
"Wem klopft's so laut da?
Das sage du mir."
Wie
süß sie da lachte:
"Nur dir, nur dir!"
Schön ist's im Frühling
Spazieren allein;
Doch schöner, im Winter
Spazieren zu Zwei'n.
_____
Küsse mich - küß mich lang und
süß;
Aus der Ruh', die du gegeben,
Wecke wieder mich zum Leben,
Daß ich wachend, Stund' auf Stunde,
Leben trinke dir vom Munde,
Du mein Erdenparadies -
Küß mich lang - küß mich
süß!
_____
Anton Wildgans
(1881-1932)
Ich geb' Dir einen Namen,
süß wie Wein –
Gleich einer Beere schmiegt er sich im Munde,
Auf der sich manche milde Sonnenstunde
Verträumte in die Dämmerung hinein.
_____
Eliza Wille (1809-1893)
Mir ist das Herz so sanft, so weit,
Wo ist nur Täuschung, Schmerz und Leid
Und Sorge dieser Welt geblieben? -
Es ist so
süß, so
süß zu lieben!
_____
Ade! Ade! Ade! Ade!
Da stehst du vor dem Hause,
Legst deine Hände auf die Brust,
Und betest so innig, so leise!
Ich weiß es wohl für wen du betest,
Ich weiß es wohl um wen du leidest,
Ich weine still und bete, wie
Für mich du leidest und betest; du
Mein Engelbild, mein
süßes Glück!
Es ist entschwunden, kehrt nimmer zurück.
_____
Klingt dir mein Name
süß? schreibst du
Ihn still mit Thränen nieder?
Ist dir mein Bildniß hell, senkst du
Darin die Seele nieder?
_____
Kathinka Zitz-Halein
(1801-1877)
Was Liebe sei, soll ich Dir sagen?
Bald ist es Jubeln, bald ist's Klagen,
Wie Honig
süß, wie Galle bitter,
Oft Zephirhauch, und oft Gewitter.
Der ersten Liebe
süßes Sehnen
Gleicht dem geheimnißvollen Tönen
Der Memnonssäule, wenn Aurore
Dem Phöbos weicht am Himmelsthore.
Sie flötet
süß wie Philomele,
Sie ist die Sonne unsrer Seele;
Vermag sie in Dein Herz zu dringen,
Dann übet Psyche frei die Schwingen.
_____
Entzückend wie ein himmlischer Akkord,
Süß wie die eben aufgeblühte Blume,
So lebt zu Dir die Liebe fort und fort
In meines Herzens innerm Heiligthume.
_____
Es gleichet das Herz der Aeolsharf',
Es flüstert gar lieblich und klinget,
Wenn
süße Erinnrung gleich Windeshauch,
Die belebenden Saiten durchdringet.
_____
Stefan Zweig (1881-1942)
Allein, wir zwei. - In jedem unsrer Blicke
Ein
süßes, sehnendes Zusammenstreben,
Verhaltne Worte, die auf dieser Brücke
Mit goldnen Flügeln stumm hinüberschweben
Und unsre Seelen leise ineinander weben.
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