Louise Brachmann (1777-1822) - Liebesgedichte

 


Louise Brachmann
(1777-1822)

 

Sympathie

Seelig, wenn aus des Geliebten Blicken
Die verwandte Seele wiederstrahlt!
Wenn sich unser Kummer und Entzücken
Spiegelnd in des Freundes Auge malt;

O wie süß! wenn uns des Herzens Regung
Im geliebten Auge flammenhell
Aufblitzt, sympathetisch die Bewegung
Durch die Pulse flieget heiß und schnell!

Wie in einem Meer voll süßer Wonne
Untergeht im theuren Aug' der Blick,
Und es glänzt ihm eine schöne Sonne
Von der lichten Spiegelfluth zurück.

Wunderbar doch schlang die ew'ge Liebe
Jenes Band, das unser Loos versüßt,
Das mit mächt'gen, unaufhaltbar'n Triebe
Unsre Herzen aneinander schließt!

Jeder strebt, das eigne Glück zu finden,
Jeder sucht den Urquell eigner Lust;
Und wo fließt er? In den heil'gen Gründen,
In den Tiefen der geliebten Brust!
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Beim Scheiden von einer Freundin

Die Freundschaft und die Liebe stritten
Sich um ein schönres, treues Herz;
"O, laß sie mir! laß Dich erbitten,
Ihr Scheiden regt zu tiefen Schmerz!"

So bat die Freundschaft. "Längst bewährt
In treuer, fester Innigkeit
Ist unser Bund, vom Licht verklärt
Laß mir, was sich mir längst geweiht!" -

"Zu viel, o Schwester, willst Du fodern;"
Versetzt der Freundschaft Eros mild.
"Sieh meine Fackel freundlich lodern,
Sie winkt ins trennende Gefild."

"Was sich im ersten Blüthenlenze
Der Hoffnung weihte still und zart,
Das schlingt mit recht nun volle Kränze
In lebensfrischer Gegenwart."

"Doch senke nicht so traurig nieder
Den Blick, von Thränen still getrübt;
Von fern auch tönt das Echo wieder
Aus Herzen, die sich wahr geliebt."

"Sie ist nicht ganz Dir hingeschwunden,
Wir Beide sind zu nah verwandt;
Ein Herz, das rein die Lieb' empfunden,
Bewahrt auch edler Freundschaft Band".
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von Louise Brachmann


Biographie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Louise_Brachmann


 


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