Else Galen-Gube (1869-1922) - Liebesgedichte

Else Galen-Gube

 


Else Galen-Gube
(1869-1922)

 

Vom Küssen

Mein Schatz, du kannst nicht küssen;
doch merk es dir genau,
du wirst es lernen müssen,
hast du mich erst zur Frau.

Denn Lieben ohne Küssen
kann gar nicht herzig sein.
Drum wirst dus üben müssen,
das Lieben und das Küssen
bei mir im Kämmerlein.
_____

 

Sehnsucht nach dir

Ich will dich wiederhaben,
ich sehne mich nach dir …..
Was soll ich so alleine
denn auf der Welt noch hier?

Ich will dich herzen, küssen,
um deinen roten Mund
wollt ich, Geliebter, steigen
bis in der Erde Grund.

Mein Herzblut wollt ich geben
und alle Schönheitsmacht,
könnt ich damit dein Leben
gewinnen eine Nacht! - -
_____


Götzendienst

Ich knie vor dem Altar, den ich der Liebe
für dich geweiht, doch bring ich weder Kerzen,
noch Rosen, und auch Weihrauch streu ich nicht.
Ich hab für dich noch andre Opferspenden.
Zum Allerheiligsten in meinen Händen
trag ich als Liebesgabe ein Gedicht.

Ein Lied, ein schlichtes Lied nur will ich singen
vom Glück, geboren einst in heilger Stunde,
ein Hymnus voller Jubel soll es sein.
Laß mich ihn knieend dir zu Füßen legen
und spende mir als Priester deinen Segen,
du, meines dunklen Schicksals Sonnenschein!
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Nun sieh Dein Werk ...

Du botst mir deinen Mund zum Kusse dar
und ich sprach "Nein", zum Trotz den wilden Gluten,
die, seit der Stunde, wo ich dich gesehn,
mein ganzes Sein wie Lavastrom durchfluten.

Die mich verzehren, mir die Seele fast
versengen wie mit Fegefeuerbränden;
ich weiß es ja, die tolle Leidenschaft,
die Sinnenglut für dich wird niemals enden.

Du selber in vermeßnem, eitlem Spiel
hast, als wir einst das erste Mal zusammen,
den Funken, bis er brannte, aufgeschürt!
Nun sieh dein Werk - - ich steh in hellen Flammen!
_____

 

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von Else Galen-Gube


 

Biographie:
Else Galen-Gube (Ps. für Else Gube, geb. Galen-Lange) geb. 22.12.1869 in Potsdam, gest. 1922 Potsdam.
Tochter des Schriftstellers E.P.C. Lange (Ps. Philipp Galen), Heirat mit Charles Gube in Pommern, nach dessen Tod Schriftstellerin in Potsdam.

Schriften: Aus dem Leben und den Träumen eines Weibes (Gedichte) 1903; Im Bann der Sünde (Gedichte) 1905; Sein Kind? und andere Novellen 1908; Ehebruch 1909; Nordlandskizzen 1909; Die verruffene Eulenburg und andere Noveletten 1909; Königsbuhlen-Lieder (Gedichte) 1909.
Aus: Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch. Begründet von Wilhelm Kosch. 3. völlig neu bearbeitete Auflage Francke Verlag Bern und München 1968

 

 


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