Ida von Hahn-Hahn (1805-1880) - Liebesgedichte

Ida von Hahn-Hahn

 


Ida von Hahn-Hahn
(1805-1880)

 

Der Funke der Liebe

Der Funke der Liebe, im Herzen geboren,
Geht nimmer Dem, der ihn empfunden, verloren,
Er glühet und brennt in die Ewigkeit fort;
Denn wäre dem Menschen die Kraft nicht gegeben,
Zu lieben bis hin ins unsterbliche Leben,
So gäb's wahre Liebe nicht hier und nicht dort.

Nicht wird er entzündet an rosigen Wangen,
Und nicht an dem Feuer des Jugendverlangen,
So flüchtigem Dienste ist er nicht geweiht.
Und selber die Freude auf schimmerndem Flügel,
Sie bringet ihm nicht der Unsterblichkeit Siegel. -
Der Funke der Liebe wohnt über der Zeit.

Und nicht kann er langsam mit Tagen veralten,
Auch nicht an dem Eise der Jahre erkalten,
Das andre so heiße Gefühle verwischt.
Es mögen auch glühende Thränen erzählen,
Daß still sie gebrochen die mildesten Seelen; -
Der Funke der Lieb' nicht in Thränen erlischt.

Die Asche der Theuren selbst kann ihn nicht decken;
Er weiß aus Zerstörung das Leben zu wecken,
Und Gräber und Staub hemmen nicht seinen Lauf.
Denn so wie der Phönix aus rein'genden Flammen, -
Bricht einstens das Erdengerüste zusammen, -
So schwingt er sich froh zur Unsterblichkeit auf.
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Der Zauberer

Von Zauberei will man nichts wissen,
Man ist jetzt klug und aufgeklärt;
Und doch wird der dran glauben müssen,
Den die Erfahrung hat bekehrt.

Ich weiß zum Beispiel viel zu sagen
Von einem mächt'gen Zauberer;
Ob's mehr gibt, muß man mich nicht fragen,
Für mich ist er nur da, nur er!

Und ist er da, so scheint verschwunden
Das Weltenall vor meinem Blick,
Im Spiegel, den ich dann gefunden,
Strahlt nur sein Wesen mir zurück.

Die Blume, welche er gebrochen,
Wie ist sie lieblich anzuseh'n;
Wie klingt das Lied, von ihm gesprochen,
Gleich Zaubersang dem Ohre schön.

Berühret seine Hand die Saiten,
Melodisch tönen sie allein. -
Er muß den heitern Scherz mir deuten,
Soll er auch wirklich heiter sein.

Sein Auge find' ich stets am Himmel,
Und seinen Blick im Sternenheer;
Sein Lächeln lichtet das Gewimmel
Gleichgült'ger Menschen um mich her.

Die Lüfte wehen reiner, freier,
Tut seine Nähe sich mir kund;
Nie lieb ich alles Schöne treuer,
Als wenn vom Schönen spricht sein Mund.

Das Schönste, was ich sah, war wieder
Nur die Erinnerung an ihn,
Sowie im Nachhall süße Lieder
Leis' über Echo's Lippen zieh'n.

Er ist des lauten Tags Gefährte,
Er ist der Nächte holder Traum;
Im Herzen, das er ganz verklärte,
Hat gar nichts außer ihm noch Raum.

Wohin ich wende die Gedanken,
Erscheint mir überall sein Bild;
Die ganze Welt ist ohne Wanken
Und Wechsel nur von ihm erfüllt.

Und das, o liebe kluge Leute,
Das wäre keine Zauberei? -
Was wär' es denn? - Man dicht' und deute
So viel man will - es bleibt dabei!

Ob Spruch und Stab dabei im Spiele,
Das weiß ich nicht. - Sucht nur umher,
Vielleicht gelanget ihr zum Ziele. -
Ich weiß, er zaubert, ach, nur er! –
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Biographie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ida_Hahn-Hahn

 

 


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