Robert Hamerling (1830-1889) - Liebesgedichte

Robert Hamerling

 

Robert Hamerling
(1830-1889)

 

Ach wüsstest du

Ach wüsstest du, wie schön du bist,
Dann könnt'st du nicht so grausam sein;
Dann ahntest du, wie gross die Pein,
Wie gross nach dir mein Sehnen ist.

Dann hättest du mich längst geküsst
Aus Mitleid, soll's nicht Liebe sein.
Ach, ahntest du, wie gross die Pein,
Ach wüsstest du, wie schön du bist!
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Wunder

Deute mir den süßen Zauber,
Der die Frauenlippe würzt:
Daß uns ihre Glutberührung
In ein Meer von Wonne stürzt?

Solchem Wunder nachzuspüren
Ist so fromm, als wie des Seins
Ew'gem Grunde nachzugrübeln:
Alle Wunder sind nur eins.

Heilig ist dies Weltenwunder,
Wo ihr's packt, an jedem Ort,
Und die großen Rätsel alle
Löst ein einzig Zauberwort.
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Du

Noch zarter, als die ich dir sang, die Lieder,
Noch süsser als ein Kuss, von dir gegeben,
Ist jenes holde Du, mein süsses Leben!
Das traulich zwischen uns geht hin und wieder.

Ein Vöglein scheint es mir im Glanzgefieder,
Dess gold'ne Schwingen leise zu mir streben:
Mein Ohr berührt's in wunderholdem Schweben,
Und lässt zuletzt sich mir im Herzen nieder.

Zu künden das Geheimnis ganz, das süsse,
Versuchten wir mit Worten leeren Schalles:
Nun fanden wir den sprechendsten der Grüsse.

Was braucht es noch des Reims und Silbenfalles?
Was selbst der Liebesblicke, Thränen, Küsse?
Mit einem Wörtchen sagen wir uns Alles.
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von Robert Hamerling



Biographie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Hamerling

 

 


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