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Hermann Rollett
(1819-1904)
Centifolie
Das Herz ist ein Röslein
Mit hundert Blättern;
Drauf flimmert die Liebe
Mit glühenden Lettern.
Doch siehe, die Worte,
Die kann nur lesen
Das Auge der Liebe,
Geliebter Wesen! (S.
100)
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Gelobt sei alles
Lieben
Der Frühling ist verklungen,
Verduftet und verblüht,
Versunken und versungen,
Verschwommen und verglüht.
Die Liebe ist geblieben,
Sie dehnt die Flügel weit, -
Gelobt sei alles Lieben
In aller Ewigkeit!
(S. 85)
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Am Festtage
Des Herzens tiefster Wunsch
Der läßt sich niemals sagen,
Den muß im Herzensgrund
Man tief verschlossen tragen.
In Worte läßt sich nicht
Der Seele Sehnen fassen,
Man kann es höchstens nur
Im Kusse ahnen lassen.
(S. 91)
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Eine Rose
Ist der Frühling über Nacht
Aus dem Land gegangen, -
Einer Rose lichte Pracht
Seh' ich ewig prangen.
Tausendschön und Veilchenkraut,
Dürft euch nicht bemühen, -
Wenn mein Liebchen auf mich schaut,
Seh' ich alles blühen!
(S. 84)
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Im Abendschein
Wenn dein Blick im Abendschein
Durch den Himmel geht,
Ist es mir, als wär' es ein
Inniges Gebet.
Und wenn so die Seele dein
Durch den Himmel weht,
Schließe mich, o Liebchen, ein
In dein still Gebet!
(S. 68)
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Aus: Gedichte von
Hermann Rollett
Auswahl. Mit dem Bildnis des Dichters
Leipzig Franz Wagner 1865
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