Karoline Leonhardt (1811-1899) - Liebesgedichte

 

Karoline Leonhardt
(1811-1899)

 

Ein kleines Lied

Ich möchte heute innig singen,
Was hell in meiner Seele glüht,
Und Dir des Herzens Sprache bringen
In einem einfach wahren Lied.

Die trauten Klänge, sie verschweben,
Sie leben – doch sie tönen nicht;
Ach, mein durch Dich erblühtes Leben
Ist ja mein herrlichstes Gedicht!
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Guten Morgen

"Guten Morgen" wird so oft gesagt, eh' einmal man bedenkt,
Was uns in diesem Gruße tönt und was man dafür schenkt.

Ach, mancher Morgen kommt und geht; doch trittst Du grüßend ein,
So kann ja dieser Morgen nur ein guter Morgen seyn.

Oft scheucht der Sonne heit'res Licht in uns nicht tiefe Nacht,
Doch weiß ich ja, wenn ich Dich seh', daß mir ein Morgen lacht!

Auch glaub' ich fest, daß diesen Gruß zuerst die Liebe sprach,
Die Liebe nur macht wahrhaft gut und küßt die Schläfer wach.
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Ein Gruß

Ich grüße Dich viel tausend Mal,
Du mein geliebtes Herz!
Viel tausend Mal, viel tausend Mal? –
O nein, das ist nur Scherz!

Ich grüße Dich so viele Mal,
als Lenzesblumen blühn
Und als am blauen Himmelszelt
der goldnen Sterne glühn!

Als Blumen duften, Sterne glühn?
Ob's so wohl heißen muß? -
Ach, holder Freund, ich bringe Dir
nur einen einz'gen Gruß!
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von Karoline Leonhardt



Biographie:
Karoline Pierson geb. Leonhardt (Pseud. R. Edmund Hahn und Leonhardt Lyser) war Lyrikerin. Die Tochter eines sächs. Hauptmanns lebte von 1836 - 1844 in Dresden. Friedrich Kind führte sie in literarische Kreise ein. Seit 1836 war sie mit dem Schriftsteller Lyser verheiratet. Sie hatten zwei Töchter, nach sechs Jahren kam es zur Scheidung. 1840 - 1843 trat sie als Improvisatrice in Wien, Berlin, Dresden, Hamburg, Leipzig, Prag, Pest und Frankfurt auf. 1844 heiratete sie den Komponisten Prof. Henry Hugo Pierson, sie wohnten in Wien, Mainz, Würzburg, Stuttgart und Hamburg. 1873 starb ihr Ehemann. Karoline Pierson war die Mutter des Gründers der Verlagsbuchhandlung E. Pierson in Dresden, des Intendanturdirektors Henry Pierson in Berlin und des Besitzers der Heilanstalt Lindenhof bei Dresden, Dr. Reginald Holmes Pierson. Nach 1860 veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Edmund Hahn mehrere Romane, u.a. "Ehen werden im Himmel geschlossen" (1886).
aus:http://www.frauenwiki.de/index.php/Karoline_Pierson


Zu den begabtesten Dichterinnen der Gegenwart gehört Karoline Pierson (geb. 6. Januar 1814 zu Zittau), die Tochter des sächsischen Hauptmannes Leonhardt. Phantasiereich wie sie war erzählte sie schon als Mädchen ihren Gespielinen die schönsten Märchen und Sagen und bekundete dadurch, dass sie von ihrer Grossmutter, der Grosstante des berühmten Philologen Moriz Haupt, das Erzählertalent geerbt. Gefördert wurde ihr Talent von ihren Lehrern Friedrich Kind und dem Direktor Burdach; doch verhielten sich ihre Angehörigen gegen jede Ausnützung ihres Talentes ablehnend, so dass sie nur heimlich der Musenkunst huldigen konnte. In der Folge führte sie F. Kind in die literarischen Kreise Dresdens ein und trug für ihre weitere künstlerische Ausbildung Sorge. In Dresden vermälte sie sich mit dem Novelisten J.P. Lyser, doch wurde die Ehe bald wieder gelöst. 1834 veröffentlichte sie ihre Jugendgeschichte, und fünf Jahre später schrieb sie die Biographie der Improvisatrice A.L. Karsch. Seitdem erwachte in ihr das Verlangen öffentlich als Stegreifdichterin aufzutreten, ein Entschluss, in dem sie F. Rückert, welcher sie in einem Gedichte verherrlichte, bestärkt wurde. So trat sie denn von 1840 bis 1843 in Wien, Berlin, Dresden, Hamburg, Leipzig, Prag, Pest, in Brüssel, in England und fast an allen Höfen mit dem glänzendsten Erfolge als Improvisatorin auf. 1844 vermählte sich sich mit dem englischen Componisten Professor H.H. Pierson und lebte mit ihm in Wien, Stuttgart und andern deutschen Städten. Nach seinem Tode (27. Januar 1873) und nachdem ihre Kinder herangewachsen waren, nahm sie ihre schriftstellerische Tätigkeit wieder auf und veröffentlichte unter verschiedenen Pseudonymen Romane, Novellen, Dramen u.a. Gegenwärtig lebt sie teils in Augsburg bei ihren Kindern und bereitet eine Sammlung ihrer Schriften vor. Beyer stellt sie weit über die Karschin und behauptet, dass bei ihrer Beurteilung ohne Scheu ein ganz ausserordentlicher Massstab angelegt werden dürfe. Ihre Gedichte "Liederkranz" 1834 werden selbst von W. Menzel, dem Feinde aller Damenschriftstellerei, günstig beurteilt; die "Novellen", Charakterbilder für deutsche Frauen 1838, der Roman "die Unbekannte" u.s., so wie die Sammlung von "zehn Novellen" in 3 Bänden zeugen von nicht gewöhnlicher Erfindungsgabe. Trefflich sind auch ihr Drama "Meister Albrecht Dürer" 1840 und das Lustspiel "vorgestern und heute", sowie die Operntexte "Bertha von Bretagne", 1835 in Dresden aufgeführt (Musik von ihrem Gatten Pierson) und "Konradin von Schwaben" (Musik von K.E. Hering). Endlich sei noch des Taschenbuches "Herbstgabe" 1838 bis 1840 und der "Enzyklopädie der sämtlichen Frauenkünste" 1833, die sie mit Cäcilie Seifer herausgab, gedacht.
Aus: Deutschlands Dichterinnen und Schriftstellerinnen
Eine literarhistorische Skizze
zusammengestellt von Heinrich Gross
Zweite Ausgabe Wien 1882


 

 


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