Clara Müller-Jahnke (1860-1905) - Liebesgedichte

Clara Müller-Jahnke

 


Clara Müller-Jahnke
(1860-1905)

 

Stummes Glück

Das war zur schimmernden Maienzeit,
da sang ich Lieder voll Lust und Leid:
des Waldquells Rauschen, der Vögel Singen,
in tönende Reime tät ich's bringen.

Und wenn ich der kommenden Lust gedacht -
wie wollt ich erst singen zur Rosenpracht,
wie wollt ich in jubelnden Tageweisen
die Sommersonne, die goldene, preisen!

Der Frühling schwand, und die Sonne stieg,
der Fink und die Finkin fanden sich -:
in Waldes Dunkel, an Baches Borden,
die jubelnden Sänger sind still geworden.

Und mir auch erging es wundersam:
als meinem Leben der Sommer kam
und die Rosendüfte mein Haupt umfingen,
In Kuß und Seufzer verklang mein Singen . . .

Von der Lippe flutet das Lied zurück:
im namenlosen, im stummen Glück
nur kann ich vor dir die Seele neigen,
nur lieben und schweigen.

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Flamme

Was sträubst du dich der süßen Glut,
die züngelnd schon dein Haupt versengt,
die liebeheißen Atems dich
mit Flammenarmen eng umdrängt?!

Die Glut bin ich - und du bist mein!
wirf ab, wirf ab das Alltagskleid:
gib deine ganze Seele hin
in ihrer nackten Herrlichkeit!

Umschlingen will ich glühend dich
und pressen dich ans heiße Herz,
die Kette schmelzen, die dich band,
in meinem Kuß wie tropfend Erz!

Und flüstern will ich dir ins Ohr
ein Wörtlein, zaub'risch wunderfein,
daß du nichts andres denken sollst,
als mich allein, als mich allein . . .

_____


Lied

Laß ab mit deinen Blicken -
nicht können sie fortan
mich fester noch umstricken,
als sie es schon getan.

Laß ab mit deinen Worten,
die schmeichelnd mich betört, -
mein Ohr doch allerorten
nur deine Stimme hört.

Laß ab mit deinen Küssen, -
mein Herz pocht bang und schwer:
ich hab dich lieben müssen
und seh kein Ende mehr . . .

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Ihm

Ich hab mich dir so ganz ergeben
und bin mit Leib und Seele dein,
du meines Lebens wahres Leben,
du meines Daseins tiefstes Sein!

Wie sich der Mond sein mild Gefunkel
vom goldnen Glanz der Sonne leiht,
so fällt in meiner Seele Dunkel
der Schimmer deiner Herrlichkeit!

Denn was dereinst mit süßem Beben
durch meines Busens Tiefen drang,
vermocht ich Worte nicht zu geben -
da sah ich dich, und sieh! - ich sang!

Was in geheimnisvoller Stille
in meines Herzens Garten sproß,
verborgen lag's in duft'ger Hülle,
bis es sich deinem Licht erschloß!

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von Clara Müller-Jahnke

 


Biographie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Clara_Müller-Jahnke

 

 


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