Else Rüthel (1899-1938) - Liebesgedichte

 



Else Rüthel
(1899-1938)


Inhaltsverzeichnis der Gedichte:



Kleines Liebeslied

Vor vielen tausend Jahren,
als wir noch beide Engel waren,
hab ich dich schon geliebt.
Und daß dein liebes Angesicht
der strenge Gott noch immer nicht
in meine Hände gibt,
macht abertausend Jahr bereit
für meiner Liebe Ewigkeit.
(S. 72)
_____



Ich hab mich Dir
zum Schutz empfohlen
große Rose.

Geist und Duft
Du aufgeblühtes
Herz, sind bei Dir.

Wie breitest Du
Dein Angesicht
erlichtet aus!
Und sieh, ich weiß:
Du, wenn ich bete,
bist verstummt gestaltet. So
(S. 72-73)
_____



Antlitz

Dein Antlitz hängt in den Ästen der Welt.
Es hat sich das Lächeln, das zitternde deiner
geliebten Lippen in alles verstreut.
Gab sich das Wärmende deines Leibes
der himmlischen Sonne?

Die Größe deines Bluts ist ungeheuer
an meine Stirn angelehnt. Ich trage.
Schreckliches Glück. O wie
stehet der Atem da stille im
tötlichen Liebreiz der plötzlichen Welt.
(S. 73)
_____



Du

Nun bricht das Herz wie eine Rose auf.
Die Brust ist groß in Rausch und Blut
und Duft ist in der ganzen Welt
und du.

Wie dunkelt das herauf
an aller Himmel runden Rändern -
du - du - du.
(S. 74)
_____



Immer ist ein geistlich Sorgen -
Tränen!
leise über uns.
Immer blüht ein Morgen wieder,
gütig.
Gottes Tauben schlummern ein.

Gutes Herz, wir müssen glauben!
Weils sich sanften Silberblicks
immer leise Engel regen,
münden aller Menschen Wege
heimlich in das Glück.
(S. 74)
_____



In deiner Neigung ...

In deiner Neigung wandle ich
und alle meine Schritte
hallen weich
in deiner großen Freundschaft wider.
Du

bleibe so geneigt
denn die Gebärden,
mit denen sich mein Leib ins Licht vollzieht,
sind schutzbedürftig.
Bleibe.
(S. 75)
_____

Aus: Anna Rhensberg Wie bunt entfaltet sich mein Anderssein
Lyrikerinnen der zwanziger Jahre. Gedichte und Porträts
Persona Verlag  Mannheim 1993

 

Textnachweis: [Angaben von Anna Rheinsberg]
Kleines Liebeslied, Antlitz, Du, In Deiner Neigung in: Else Rüthel Anbruch des Tags. Gedichte. Verlag Der Monat (Dr. B. Kilian) Prag / Wien 1936
Ich hab mich Dir, Immer so ein geistlich Sorgen in: Else Rüthel Gedichte Verlag Erich Kunter Heilbronn 1926.

Biographie:

Rüthel-Schaber Else
(Mädchenname und Ps. Else Rüthel) geb. 3.8.1899 Köln-Ehrenfeld, gest. 19.7.1938 Brünn (Brno) CSR, wuchs in St. Petersburg auf, lebte dann in Essen und München.
Schauspielerin. Mitglied der Münchner Kammerspiele und des lit. Kabaretts "Simplicissimus", 1927 Heirat mit dem Schriftsteller, Politiker und Journalisten Will Schaber, Rundfunkmitarbeiterin in Berlin, Stuttgart und München, emigrierte 1933 über Estland nach Brünn. Mitarbeiterin der dt. Abteilung von Radio Brünn, der "Neuen Zürcher Zeitung", des Brünner "Tagesboten" und des Prager "Monats".
Schriften: Gedichte 1926; Anbruch des Tages (Gedichte) 1936 (nicht ermittelt).
Aus: Deutsches Literaturlexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch
Begründet von Wilhelm Kosch. 3. völlig neu bearbeitete Auflage.
Band 13. Hrsg. von Heinz Rupp und Carl Ludwig Lang
Francke Verlag Bern München 1991



 

 


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