Das Liebes-Poetische Manuskript N°
22
O schöne Herrin,
deine holden Wangen ...
Torquato Tasso (1544 - 1595) Sonette - Das Antlitz der schönen Herrin
Sanzio Raffaelo (1483-1520) Madonna |
Vergebliche Mühe Von hoher Stirn in goldnen Ringeln flossen Leuchtend die Haar', und schöner Augen Strahlen Brachten duftreichen Mai der Erde Thalen, Durch Herzen ward wie Sommerglut ergossen; Dem weißen Busen schmeichelnd angeschlossen, Scherzt' Amor, aber ließ ihn ohne Qualen, Und säuselnd flüsterte zu vielen Malen Anmuth'ger Rede Hauch durch Rosensprossen. Ich, als ich Himmelsschönheit sah' auf Erden, Verschloß mein Aug' und sprach: "Ach, wie befangen Sind Blicke, die sie zu betrachten wagen!" Zu spät mußt' ich des Schlimmern inne werden; Denn nun durch's Ohr ward mir das Herz geschlagen, Und Rede drang, wohin kein Blick gegangen.
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Übersetzt von Karl August Förster (1784-1841)
Aus: Auserlesene lyrische Gedichte von Torquato Tasso
Aus dem Italienischen übersetzt von Karl Förster
Mit einer Einleitung: "Über Torquato Tasso als lyrischen Dichter."
Zweite, vermehrte und verbesserte Auflage
Leipzig F.A. Brockhaus 1844
weitere Sonette von Torquato Tasso: www.deutsche-liebeslyrik.de/europaische_liebeslyrik/tasso.htm