Stephan Milow (1836-1915) - Liebesgedichte

Stephan Milow

 

Stephan Milow
(1836-1915)

 

 

Notwendigkeit


O Liebe, Liebe, wer dich fassen mag!
Bestimmt war alles schon am ersten Tag,
Bestimmt das Ende längst; doch keinen Zwang!
Du mußt es gehen lassen seinen Gang.
Du pflückst nicht heut, was dir erst morgen reift;
Umsonst, daß deine Hand danach schon greift.
Dein ist der Preis, gewiß; doch nur Geduld!
Durch Lust und Leid, Entsagung und durch Schuld
Hinauf, hinunter geht es, kreuz und quer;
Du ringe nur und achte nichts zu schwer,
Bis wird, was schon bestimmt am ersten Tag:
O Liebe, Liebe, wer dich fassen mag!

_____
 

 

Von der Liebe


Nein, sie darf nicht stürmisch kommen,
Soll sie mächtig sein und dauern,
Sondern zagend und beklommen,
Mit geheimnisvollen Schauern.

Nicht in Worten darf sie sprechen,
Noch sich überreden lassen;
Schwüre könnte sie nur brechen,
Und es kann kein Laut sie fassen.

Stets am tiefsten wird sie binden
Und sie ist in stärksten Banden,
Wenn die Herzen still sich finden,
Ahnungslos, uneingestanden.

_____

 

 

Im Glück erstarrt


Ich bin erstarrt
In meinem Glück.
Seit jener Minute -
O dieser Blick!
Dies holde Nicken! -
Seit jener Minute,
Da mir geworden
Die süße Gewißheit,
Daß du mich liebst,
Bin allem ich tot,
Was um mich ist,
Und rege mich nicht.
Die Bläue des Himmels
Ich sehe sie nicht,
Den Hauch des Frühlings
Ich fühle ihn nicht,
Die Stimmen der Vögel
Ich höre sie nicht;
Mit allen Sinnen
Nach innen gewandt,
Erschau' ich nur dich,
Wie jene Minute
Dich mir geschenkt.
Ich bin erstarrt
In meinem Glück.

_____

 

alle Liebesgedichte
von Stephan Milow

sowie

Stephan Milow Hymnen der Liebe

 

 

Gedichte aus: Stephan Milows Gedichte. Auswahl des Verfassers Mit einem Bildnis des Dichters und einer Einleitung
von Eduard Engel Leipzig Max Hesses Verlag 1908


Biographie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_von_Millenkovich

 

 


zurück zum Dichter-Verzeichnis

zurück zur Startseite