Adolf Friedrich von Schack (1815-1894) - Liebesgedichte

Adolf Friedrich von Schack

 

Adolf Friedrich von Schack
(1815-1894)

 


Dein Mund, vollathmend heiß an meinem Munde -
Dein Herz mit hohem Schlag an meins gepreßt,
Wie weihst du jede flüchtige Sekunde
Des Tages mir zum Liebesfest!

Und dann die heil'gen, wonnemüden Nächte,
Das Schwelgen Arm in Arm und Brust an Brust!
Mißgönnen nicht dem sterblichen Geschlechte
Die Götter solche Himmelslust?

Ja, denk' ich Alles, was du mir gegeben
Und noch mir giebst, so fürcht' ich ihren Neid;
Leicht zuckt ihr Blitzstrahl nieder auf ein Leben,
Das allzu voll von Seligkeit.
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In ihrem Arm

O laß mich ruhen in deinem Arm
Und tief in die Augen dir schaun!
Das löst mir vom Herzen den nagenden Harm,
Und herab in die Seele fühl' ich es warm
Wie aus dem Himmel mir thaun.

Reich her, reich her den göttlichen Trank,
Der von den Lippen dir quillt!
Ich dürste und schmachte matt und krank;
Erst wenn ich an deinen Busen sank,
Wird all mein Sehnen gestillt!

O mehr noch! was schüttelst du lächelnd dein Haupt?
In Küssen gieb mir das Glück,
Das flüchtige, das mir die Welt geraubt,
Und den alten Glauben, den ich geglaubt,
Und der Kindheit Frieden zurück!
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Wie sollten wir geheim sie halten,
Die Seligkeit, die uns erfüllt?
Nein, bis in seine tiefsten Falten
Sei Allen unser Herz enthüllt!

Wenn Zwei in Liebe sich gefunden,
Geht Jubel hin durch die Natur,
In längern wonnevollen Stunden
Legt sich der Tag auf Wald und Flur.

Selbst aus der Eiche morschem Stamme,
Die ein Jahrtausend überlebt,
Steigt neu des Wipfels grüne Flamme
Und rauscht, von Jugendluft durchbebt.

Zu höherm Glanz und Dufte brechen
Die Knospen auf beim Glück der Zwei,
Und süßer rauscht es in den Bächen,
Und reicher blüht und glänzt der Mai.
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Oft, wenn wir ruhen Mund an Mund
Und meine Adern an den deinen pochen,
Nach innen lausch' ich plötzlich still;
Ich fühle, wie aus unsrer Seele Grund
Ein Wort, noch nie auf Erden ausgesprochen,
Empor sich ringen will.

O! der Natur Geheimniß ruht
Und alles Lebens in dem Wort beschlossen,
Doch matt bisher noch ists verhallt.
Höher aufflammen laß der Küsse Gluth,
Daß es zuletzt, in vollen Klang ergossen,
Von unsern Lippen wallt!
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von Adolf von Schack



Biographie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Friedrich_von_Schack


 

 


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