Theodor Storm (1817-1888) - Liebesgedichte

Theodor Storm

 

Theodor Storm
(1817-1888)

 

 

Ich bin mir meiner Seele


Ich bin mir meiner Seele
In deiner nur bewußt,
Mein Herz kann nimmer ruhen
Als nur an deiner Brust!
Mein Herz kann nimmer schlagen
Als nur für dich allein.
Ich bin so ganz dein eigen,
So ganz auf immer dein. - -

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Dämmerstunde


Im Sessel du, und ich zu deinen Füßen -
Das Haupt zu dir gewendet, saßen wir;
Und sanfter fühlten wir die Stunden fließen,
Und stiller ward es zwischen mir und dir;
Bis unsre Augen ineinandersanken
Und wir berauscht der Seele Atem tranken.

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O süßes Nichtstun


O süßes Nichtstun, an der Liebsten Seite
Zu ruhen auf des Bergs besonnter Kuppe;
Bald abwärts zu des Städtchens Häusergruppe
Den Blick zu senden, bald in ferne Weite!

O süßes Nichtstun, lieblich so gebannt
Zu atmen in den neubefreiten Düften;
Sich locken lassen von den Frühlingslüften,
Hinabzuziehn in das beglänzte Land;
Rückkehren dann aus aller Wunderferne
In deiner Augen heimatliche Sterne.

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Was ist ein Kuß?


"Was ist ein Kuß?" - Was ist ein Becher Wein?
Und wie sich's reimt? Merk auf, und ich erzähle!
Der Becher ist die Form, der Wein ist seine Seele,
Und dieser Wein kann sehr verschieden sein.

So kannst du deinen Freund und Bruder küssen,
Die Base auch, und sonst, wer weiß, noch mehr.
Solch einen Kuß studiert ich just nicht sehr,
Und was drin liegt, das mag ein andrer wissen;

Doch schließt er eines Mädchens Liebe ein,
Solch einem Kuß sind andre zu vergleichen
Wie Gläser Wasser einem Becher Wein
Aus des Tokaiers sonnenheißen Reichen.

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Wer je gelebt in Liebesarmen


Wer je gelebt in Liebesarmen,
Der kann im Leben nie verarmen;
Und müßt er sterben fern, allein,
Er fühlte noch die sel'ge Stunde,
Wo er gelebt an ihrem Munde,
Und noch im Tode ist sie sein.
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von Theodor Storm



Biographie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Storm

 

 

 


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