
Marc Chagall - Die Liebenden
(c) VG Bild-Kunst, Bonn 2011
|
Gedicht der
Woche:
An die Seine,
daß sie seiner Liebe mit Gegenliebe
begegnen wolle
Theurster Schatz, o du mein Leben,
meiner Augen Augenliecht,
Äuglein, die mir Sonne geben,
Blick, der mir durchs Herze bricht,
schöner Himmel meiner Freuden,
liebstes Mündlein, wehrte Zier!
laß doch mein verliebtes Leiden,
laß es gehn zu Herzen dir.
Keine Zier der Erden gleichet,
Zier der Erden! deiner Zier,
keine dir das wasser reichet,
keine Schönheit schönt mit dir.
wie hab ich dann anderst können,
süsser Gegenwurf der Lust,
als dich, Schönste! liebgewinnen,
weil mir schöners nichts bewust?
Sonne! du wollst deine Stralen
fallen lassen hier auf mich,
Lieb mit Gegenlieb bezahlen.
Und so offt ich denk an dich,
so offt soll üm eine Flamme
deine Brunst vermehret seyn,
und aus deiner Seelen stamme
meines Brennens Gegenschein.
Laß uns lieben, weil wir leben,
biß die langgewünschte Stund
uns gar wird zusammen geben:
da mir dann wird sein vergunnt,
nach dem langen Sorgen-stechen,
mein- und deiner treüen Lieb
süsse Früchten abzubrechen.
Indeß mir dein Mündlein gib.
Sigmund von Birken (1626-1681)
(Geändert am
12. Mai 2012)
|